Modern Banking – BankingForFuture?

PBA Transactions Banner

Titelbild/Bild: Banner für die Konferenz „Transactions 19“ – mehr Informationen gegen Ende des Beitrags (gesponserter Inhalt)

9. Oktober 2019, ergänzt (Tomorrow) 14.10.2019

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg

Dieser Beitrag ist zweigeteilt: Im ersten Teil werden Formate für Finanzdienstleistungen betrachtet, die sich an jüngere Menschen richten (können). Der zweite Teil bewirbt hoffentlich unverkennbar eine Veranstaltung, die „Transactions 19“. Wo ist der Zusammenhang? Der heißt Payment & Banking! Einerseits wurde die Auseinandersetzung mit dem Thema junge Kunden wesentlich durch Beiträge in dem Blog der Kollegen inspiriert. Andererseits organisiert das Team auch Fachveranstaltungen im Bereich Banken/Digitalisierung/Zahlungsdienste in sehr dialogfreundlichen Formaten. Die Transactions 19 am 19.11.2019 in Frankfurt wird mit 500 Teilnehmern aber auch die letzte von drei Veranstaltungen sein. Mehr dazu weiter unten.

Modern Banking lalala…

Bei „Modern Banking“ klingt etwas in Ihrem Kopf? „Du bist mein Herz und Seele“ bzw. „You’re my heart, you’re my soul“ aus dem gleichnamigen Hit des Duos D. Bohlen/T. Anders „Modern Talking“ von 1985? Ja, genau. Es ist eher eine „Ansprache“: Während Bankslogans in der Regel eher „egozentriert“ mit Selbstbezug formuliert wirken, wählen viele neue Anbieter eine direkte und emotionale Ansprache: „Die Bank, die Du lieben wirst“ (N26) oder auch „Eine revolutionäre mobile Bank, gebaut aus einem sauberen Schiefer, die sich deinen Wünschen und Bedürfnissen widmet. Erlebe, was bunq noch heute für dich tun kann.

Legt die Frage nahe: Womit können jüngere Menschen der heutigen Zeit, also die „Generation Z“ bzw. weiter gefasst „FridaysForFuture“ erfolgreich für Finanzdienstleistungen angesprochen werden?

Banking für die Generation FridaysForFuture (oder Z)

Kaum eigenständige Angebote für jüngere Menschen

Die Menschen in Deutschland kennen bei den großen Finanzgruppen Kinderprogramme wie Knax, Primax & Co. als Angebote vornehmlich für Kinder. Bei genauerer Betrachtung finden sich sogar vielfältige Formate für die Ansprache unterschiedlicher Altersgruppen junger Menschen. Allerdings: Es sind in aller Regel kleinteilige „Extras“, vielfach in Printform, selten aber wirklich auf eine Altersgruppe exklusiv zugeschnittene Dienstleistungsangebote. In mancher Form oft so „genial daneben“, dass sie nach kurzer Zeit wieder zurückgezogen werden.

Der Podcast bei „Payment & Banking“ thematisierte im September 2019 in einem Interview mit Altersgenossen „Bankgeschäft für Kinder und Jugendliche“. Im Begleittext heisst es dazu: „Gefühlt ist die Zielgruppe der 10 – 17 jährigen immer noch unterversorgt – die FinTechs „ignorieren“ sie – die „Incumbents“ behandeln sie wie gehabt – oder? Das sollte doch ganz anders sein, denn unsere Kids sind doch die Kunden von morgen. Hier ist auf jeden Fall viel mehr Weitblick und zukunftsgerichtete Denke und Prozesse auf kindgerechte Weise gewünscht.“ Payment & Banking Podcast #224: Kinder und Finanzen.

Kein Bewusstsein für Sparen?

Am 8.10.2019 erschien im Blog der Kollegen noch ein Artikel Christina Cassala: Sparen ist bei jungen Menschen ein großes Thema. Dieser Beitrag kontrastiert angenehm einen am gleichen Tag im Blog der Consorsbank erschienenen Artikel Fünf Dinge, die wir unseren Kindern über Geld beibringen solltenmit dem Intro: „Kleine und viele größere Kinder sowie einige Erwachsene neigen in finanziellen Dingen zu magischem Denken: Sie erfüllen sich dringende Konsumwünsche auf Pump und hoffen, dass von irgendwoher dann schon das Geld kommen wird, um den Kredit zurückzuführen.“

Dagegen stellt die comdirect bank AG aufgrund Ihrer Jugendstudie vom Januar 2019 fest: „Durchschnittlich 121 Euro haben junge Menschen nach eigenen Angaben monatlich zum Sparen zur Verfügung. Das entspricht in etwa einem Drittel ihrer verfügbaren Einnahmen, sei es durch Taschengeld, Nebenjob oder Festanstellung„. Bezugsgröße sind € 362, die laut einer Befragung von 1.600 Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren zur Verfügung stehen. (comdirect Pressemitteilung vom 25.6.2019).

Entsprechend die aus der comdirect Jugendstudie 2019 gezogenen Schlüsse bei Payment & Banking: „Doch weit weniger als vielleicht gedacht, verballert diese Altersgruppe nicht einfach sinnfrei ihre Ersparnisse, sondern versucht – wenn auch auf geringem Niveau – für schlechte Zeiten Geld zurücklegen. Was sie auch eint: 40 Prozent der Befragten geben der schulischen Finanzbildung die Note 5 oder 6.“

Finanzielle Bildung ist aus Sicht junger Menschen ein wichtiges Thema

Wie in der Studie der comdirect AG wird von jungen Menschen selbst ein Mangel an „Finanzbildung“ festgestellt bzw. beklagt. „Jeder zweite Deutsche gesteht, von Finanzen nichts zu verstehen. Damit liegt Deutschland bei einer europaweit durchgeführten, repräsentativen Studie von der ING-DiBa unter Konsumenten in zwölf europäischen Ländern auf dem vorletzten Platz. Vor allem jüngere Befragte zwischen 18 und 34 Jahren sehen sich hierzulande als finanzielle Analphabeten.“ stellte eine Studie von ING-Diba 2017 fest: ING-DiBa-Studie: Hälfte der Deutschen sind finanzielle Analphabeten – Deutschland im europäischen Vergleich nur Vorletzter.

2019-10-07 finanzbildung_1

Die in der Studie festgestellten Werte erschienen auch für jüngere Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren zutreffend, wobei sich das Bild im Vergleich zum Jahre 2013 etwas verbessert hatte:

2019-10-07 finanzbildung2_1

Quelle: ING-DiBa-Studie: Hälfte der Deutschen sind finanzielle Analphabeten – Deutschland im europäischen Vergleich nur Vorletzter

Und tatsächlich zeigt ein Blick in das benachbarte Ausland, dass Jugendliche (und ihr Taschengeld) von einigen neuen Anbietern im FinTech-Sektor als ein bisher nicht erschlossenes Potenzial angesehen werden. So auch der Hinweis im Text bei Payment & Banking: Mehrere hundert Euro Taschengeld und Geldgeschenke erhält jedes der über 7 Millionen Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren durchschnittlich. 

Ein Blick in die „Taschengeldtabelle“ als Richtschnur der Jugendämter zeigt, welche Beträge hier mindestens in Rede stehen Kindern und Jugendlichen von 10 bis 17 Jahren etwa rund € 160 Mio. an Taschengeld monatlich zur Verfügung. Mit Geldgeschenken und Selbstverdientem wird also schon ein sehr ansehnlicher Betrag bewegt.

Junge Kunden gewinnen einfacher als halten?

Gemäß Schätzungen für den französischen Markt (Culturebanque) haben rund 58% der jungen Kunden ihr erstes Konto beim Finanzdienstleister des Vertrauens ihrer Eltern, allerdings wechseln auch rund 50% ihre Bankverbindung vor dem dreißigsten Lebensjahr.

Bekanntermaßen ist die junge Generation derzeit stark vom Streben nach Klimaschutz geprägt. Aber auch andere Nachhaltigkeitsziele werden gerne angenommen.

Vielleicht Grund genug, die „Generation FridaysForFuture“ nicht nur gesellschaftlich, sondern auch als Kunden der Finanzdienstleistungsbranche ernster zu nehmen…

„Junge Angebote“ mit viel Nachhaltigkeit

Neuere Dienstleistungsangeboten werden sehr häufig auf spezifische „jüngere“ Bedürfnisse wie Teilen, Sammeln, Sparen sowie die Vermittlung ausgerichtet und haben auch die Vermittlung von Finanzbildung zum Ziel. Und dabei findet sich erstaunlich oft auch ein unmittelbarer Bezug auf Nachhaltigkeit, z.T. weit über das aktuelle Thema Klima-/Umweltschutz hinaus:

Ein Beispel ist die Verbindung von Zahlungsdiensten und „guten Taten“. Z.B. beim us-amerikanischen Anbieter „Aspiration“, der den Kauf bei „Unternehmen mit einer sozialen Mission“ mit Rabatten begünstigt…

2019-09-18 Aspiration Card

… oder auch Tomorrow aus Deutschland, wo Interbankgebühren für den Schutz von südamerikanischen Regenwaldgebieten fließen und Überschussliquidität ausschließlich in nachhaltige(re) Anlagen investiert wird.

2018-11-28 Tomorrow11

Tomorrow (Dein Geld. Dein Impact.) hat zwar eine ansprechende PR-Strategie entwickelt, verzichtet aber weitgehend auf teure, mengenorientierte Marketingmaßnahmen oder sogar Werbeprämien. Statt derer werden zusätzliche Regenwaldgebiete geschützt und eventuell gibt es noch ein T-Shirt oder einen Sweater extra. Trotzdem wurden seit dem Start im November 2018 Stand 9.10.2019 mehr als 13.500 Kunden gewonnen, die rund € 11,7 Mio. an Sichteinlagen halten. Täglich kommen etwa weitere 100 Nutzer hinzu, wie tagesaktuell auf der App abgelesen werden kann. Wer es probieren möchte: Gerne mit dem Code i7Nhv27n.

Interessanterweise konnte sich Tomorrow in der Publikumsabstimmung zum „FinTech des Jahres“ bei „Payment & Banking“ bereits gegen deutlich kundenstärkere und länger Etablierte Nominierte durchsetzen (Bericht: Der Publikums-Preis ging in diesem Jahr an Tomorrow und wurde somit Liebling der Leser und das „FinTech der Herzen“.) Und beim „Bankengipfel“ erhielten die Gründer den Handelsblatt Diamond Star Award – Digital Banking. (Sehr interessant: Mitgründer Michael Schweikart im Podcast # 227 bei Payment & Banking).

Der ursprünglich niederländische Anbieter Bunq („Bank of the Free„) versucht sehr stark junge Menschen gezielt anzusprechen: Ansprache mit persönlichen Werten (Freiheit, Selbstbestimmung) jugendtypischen Funktionen, nachhaltiger Mittelanlage und auch eine ansprechend gestaltete Zahlungskarte:

2019-10-07 Bunq Travel Card

Quelle: Bunq

Allgemein fällt auf, dass die Kundenansprache bei Bunq sehr stark von Versprechen an die (Entscheidungs-)Freiheit der Kunden geprägt ist wie in der folgenden Teilüberschrift: „Du hast immer das Sagen, 100% der Zeit“ – seit 1.10.2019 ist bunq in 31 europäischen Ländern aktiv.

Im Ausland entstehen gerade eine Reihe von jugendspezifischen Angeboten, die nicht nur funktional, sondern auch emotional direkt auf jüngere Generationen zielen. Vielleicht ist auch dies ein starker Trend, den die deutsche Finanzbranche nach „SustainableFinance“ erst mit großer Verspätung erkennt?

Dies könnte bei einigen Teilen der Veranstaltung am 19.11.2019 durchaus thematisiert werden, wenn es gleich zu Beginn mit Prof. Dr. Gunter Dueck um das Thema „Digitalisierung, Industrie 4.0, Arbeit 4.0 und Auswirkungen auf die Bank & Payment-Branche“ geht:

Gesponserter Inhalt

Transactions 19

Am 19. November 2019 findet in Frankfurt die „Transactions 19“ statt. Nach der Payment Exchange im Januar und der Banking Exchange im September ist dies bereits die dritte Veranstaltung des Teams von „Payment & Banking„.  Im Gegensatz zu vielen anderen Branchenveranstaltungen verspricht die Transactions 19 einen fachlichen Dialog auf Augenhöhe.

Bemerkungswert der Vergleich der letzten Veranstaltung am 19./20.9.2019: Obwohl die Banking Exchange gegenüber dem „Handelsblatt Bankengipfel“ am 4./5.9.2019 mit 170 gegenüber 500 deutlich weniger Teilnehmer hatte, war die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien weitaus größer wie die „Nachlese“ der Veranstalter feststellt: Banking Exchange 2019 – Sonne, Star Wars und Banking. Und: Im Gegensatz zum „Bankengipfel“ nicht die Spitzen“funktionäre“, die vom hellen Podium in den abgedunkelten Saal sprechen bzw. diskutieren, sondern ein substantieller Austausch auf Augenhöhe ist das Ziel.

Die Veranstalter haben ihren erneut hohen Anspruch an die Transactions 19 folgendermaßen formuliert:

„Am 19. November 2019 starten wir mit der Transactions 19 ein völlig neues Konferenzformat. Wir präsentieren nationale und internationale Größen der Payment & Banking-Branche, aber auch die Hidden Champions der Szene. Das neue Format findet im alten Stahlbau, einer der beeindruckendsten Locations in Offenbach / Frankfurt statt.

Auf der Transactions 19 werden für einen Tag die zukunftsweisenden Trends der Payment- und Banking Branche diskutiert aber auch Einblicke in die aktuellen Entwicklungen und Konzepte der Branche gegeben. Im Fokus stehen nicht nur die Menschen auf der Bühne, sondern vor allem auch den Gästen wird Raum gegeben um sich untereinander und mit Experten und Impulsgebern der Branche auszutauschen

Wir bieten Raum für über 500 Gäste aus der gesamten Branche, aber auch darüber hinaus. Die Transactions 19 ist das Event, welche alle miteinander verbindet, egal welcher Titel auf der Visitenkarte steht. Mehr noch: die Transactions 19 bietet nicht nur traditionellen Marktteilnehmern oder Start-ups neue Einblicke in technologische Trends oder die heißen Innovationsthemen der Branche, sondern adressiert auch ganz bewusst branchenfremde Teilnehmer, die sich zum ersten Mal mit der Payment & Banking-Branche beschäftigen.

Ein weiteres Highlight der Transactions 19 ist die Vergabe des Fintech des Jahres 2019Awards. Zum sechsten mal werden wir unseren beliebten Branchenpreis “Fintech des Jahres” vergeben. Beim “Fintech des Jahres” handelt es sich um den ersten deutsche FinTech Preis, welcher ausschließlich verliehen wird und nicht über Sponsoring oder Teilnahmegebühren gekauft werden kann. Seit dem Jahr 2014 wird der Award an die interessanten und relevanten deutschen FinTech /Start-Ups von einer unabhängigen Jury vergeben.

Elementarer Bestandteil der Transactions 19 wird wie bei allen unseren Events der Austausch sein. Gäste und Teilnehmern bekommen ausgiebig Gelegenheit zur Vernetzung, während sie gleichzeitig einige der interessantesten Speaker live erleben können.“

Sprecher bzw. Diskussionsteilnehmer sind u.a. Dr. Danyal Bayaz – Bündnis 90 / Die Grüne, Marco Börries – enfore, Christoph Bornschein, TLGG, Sascha Dewald – DKB, Prof. Dr. Gunter Dueck, Christian von Hammel Bonten – Paydirekt, Dr. Michael Luhnen – PayPal, Stephan Schubert – STS Ventures, Sibylle Strack- Kontist, Sascha Lobo.

TRX19 Das ausführliche Programm

Tickets für die Transactions 19 finden Sie auf Eventbrite (gesponserter Link).

 

In eigener Sache: comdirect finanzblog award 2019

Publikumsabstimmung bis zum 11.10.2019 möglich!

Neben 71 weiteren deutschsprachigen Blogs steht Investabel® auf der Liste zur Abstimmung des Publikums beim diesjährigen „comdirect finanzblog award“. Trotz der mittlerweile unübersehbaren Trends zu Nachhaltigkeit bzw. mehr Klimaschutz hat nur ein sehr kleiner Teil der Portale diese Themen aufgegriffen. Natürlich treten einige der genannten Blogs mit einer großen Fangemeinde (z.B. finanz-szene.de) und/oder viel Autorenpower (z.B. www.paymentandbanking.de), aber da zählt zunächst einmal der „olymische Gedanke“ und die Perspektive fruchtbarer Kontakte und Gespräche beim comdirect Finanzbarcamp 2019, in dessen Anschluss die Awards vergeben werden.

In jedem Falle bietet die Nominierungsliste einen interessanten Überblick der aktuellen deutschsprachigen Finanzbloggerszene. Zu der Übersicht der benannten Blogs und der Abstimmungsmöglichkeit bis zum 11.10.2019 um 22:00h geht es hier.

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunundsiebzig

 

2019-09-24 BaFin Merkblatt Nachhaltigkeitsrisiken Titel

Titelbild/Bild: Titel Konsultationsfassung „Nachhaltigkeitsrisiken“ der BaFin

Inhalt:  Klimaschutzpaket – Annahme verweigert; BaFin Merkblatt Nachhaltigkeit;  EU Aktionsplan – Taxonomie verzögert + verwässert?; Die Rendite von Nachhaltigkeit Bloomberg Good Business; Reuse/repair/recycle – RETHINK; Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Webinar, Fintech Week Hamburg, comdirect Finanzbarcamp mit finanzblog award, VÖB BarCamp; In eigener Sache: comdirect finanzblog award 2019; Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

1. Oktober 2019

Dr. Ralf Breuer

Klimaschutzpaket – Annahme verweigert

Am 20.9.2019 veröffentlichte die Bundesregierung das sogenannte „Klimaschutzpaket“. Am gleichen Tag erschien die nachstehende Grafik im ARD Morgenmagazin nach der eine Mehrheit der Befragten dem Klimaschutz Vorrang vor Wirtschaftswachstum einräumen würde.

2019-09-20 ARD Deutschlandtrend Klimaschutz

Quelle: Twitter/Infratest dimap für ARD-Morgenmagazin 20.9.2019

Die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen fanden überwiegend keine wohlwollende Aufnahme. Vielmehr wurden sie überwiegend als „zu gering/zu langsam“ kritisiert. In den sozialen Medien wurden die Kommentare vielfach mit dem Stichwort „NotMyKlimaPaket“ gekennzeichnet. Symptomatisch und sehr bezeichnend war die Aussage von Prof. Edenhofer, der die Bundesregierung im Vorfeld der Beschlüsse beriet:

„Es mag sein, dass sich die Politik in der Kunst des Möglichen geübt hat. Aber sie hat es nicht verstanden, das Notwendige möglich zu machen“, sagt Ottmar Edenhofer

Entsprechend häufig werden die Maßnahmen in der Bevölkerung als nicht weitreichend genug angesehen, wie die nachfolgende Umfrage wiedergibt:

2019-09-30

Quelle: https://www.zdf.de/politik/politbarometer

BaFin Merkblatt Nachhaltigkeit

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) leitete am 24.9. bis zum 3.11.19 24h Konsultationen zu ihrem Merkblatt „Nachhaltigkeitsrisiken“ ein. Es wird keine eigene Risikokategorie gebildet, sondern umfassend auf die Auswirkungen von Klimawandel und anderen Nachhaltigkeitsfaktoren (ESG) auf die bestehenden Risikoarten abgezielt.

Aufgrund der Anlage des Merkblattes erscheint eine grundlegende Überarbeitung im Anschluss an den Konsultationsprozess eher unwahrscheinlich. Die BaFin orientiert sich an grundlegenden Fakten, die wenig aufgeweicht oder angezweifelt werden können.

Das „Merkblatt“ mit seinen 33 Seiten kann kaum zusammengefasst, sondern eher zur Gesamtlektüre empfohlen werden.

Zentrale Aussagen:

„Die BaFin erachtet eine strategische Befassung mit Nachhaltigkeitsrisiken und eine entsprechende Umsetzung in den von ihr beaufsichtigten Unternehmen für erforderlich. Dabei ist die Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung für die Geschäfts- und Risikostrategie und deren Kommunikation und Umsetzung im Unternehmen sowie eine den Risiken angemessene Geschäftsorganisation mit Verantwortlichkeiten, Prozessen, Ressourcen und Funktionen herauszustellen.“

(S. 6)

„Die BaFin nimmt die aus dem Klimawandel resultierenden Risiken ernst, die daraus resultierenden Schäden könnten sich bei Fortschreibung der gegenwärtigen Entwicklung nach jüngeren Modellrechnungen auf weltweit bis zu US$ 550 Billionen summieren. Darum hält die BaFin insbesondere die von ihr beaufsichtigten Unternehmen dazu an, diese Risiken noch stärker in den Fokus zu nehmen. Nachhaltigkeit darf sich aber nicht in Klimafragen erschöpfen; auch andere ökologische und soziale Trends können gravierende Finanzrisiken für beaufsichtigte Unternehmen darstellen.“ (S. 9)

Vorbildfunktion der Geschäftsleitungen: „Die Geschäftsleitung sollte mit gutem Beispiel vorangehen und so möglichen Reputationsrisiken frühzeitig vorbeugen. Mögliche Leitfragen: Sind die vorhandenen Vergütungssysteme einem angemessenen Management der Nachhaltigkeitsrisiken zuträglich und stehen im Falle einer konkreten Nachhaltigkeitsstrategie mit dieser in Einklang? Wie kann der langfristige Erfolg des Unternehmens einschließlich der Akzeptanz bei Kunden und Mitarbeitern im Hinblick auf den gewissenhaften Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken und den etwaigen negativen Auswirkungen der eigenen Geschäftstätigkeit auf Nachhaltigkeitsfaktoren sichergestellt werden?“ (S. 18)

Das Merkblatt wiederholt damit die starken Aufforderungen des Direktoriums in den BaFin Perspektiven Ende April 2019 sowie bei der Tagung am 9.5.2019 in Berlin und formuliert Nachhaltigkeit als Richtschnur für die geschäftspolitische Ausrichtung des Finanzsektors.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Handhabung von Nachhaltigkeit(-sprozessen) in weiten Teilen der Finanzwirtschaft ist das Merkblatt eher als ein großes Pflichtenheft zur Überprüfung der eigenen Organisation und Prozesse zu verstehen. Hinzu kommt die deutliche Aufforderung, unternehmerisch auch geschäftspolitischen Chancen der Nachhaltigkeit zu prüfen.

Den Link zur Seite der BaFin und dem Original-Merkblatt finden Sie hier

Insbesondere Klimarisiken werden von den globalen Finanzaufsehern als starke Bedrohung der Finanzmarktstabilität angesehen. Neben der Deutschen Bundesbank werden auch die britische und die chinesische Zentralbank als starke Treiber weltweiter Initiativen angesehen (vgl. z.B. Jill Ward auf Bloomberg am 24.9.2019: Scared Central Banks Face Up to Threats From Climate Change).

EU Aktionsplan: Die „Taxonomie“ im Europäischen Rat

…verzögert!

Der EU Aktionsplan „Financing Sustainable Growth“ wurde im März 2018 mit einer geradezu atemberaubenden Geschwindigkeit vorangetrieben. Im Juni 2019 legte eine „Technische Expertengruppe“ (TEG) auf 414 Seiten einen Vorschlag für die Klassifizierung nachhaltiger Finanzinstrumente vor. Allerdings konzentrierte sich der Vorschlag (zunächst) ausschließlich auf ökologische Aspekte.

Nunmehr hat der „Europäische Rat“ als Gremium der Staats- und Regierungschefs eine Verschiebung der Anwendung der Taxonomie von Mitte 2020 auf Ende 2022 angeregt. Begründung hierfür ist die Notwendigkeit der Entwicklung von Methoden zur praktischen Messung bei den einzelnen Instrumenten.

Eine Verzögerung wird in Expertenkreisen sehr kontrovers diskutiert: Einerseits wird die Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels betont. Andererseits wird die Notwendigkeit einer technischen Umsetzung z.B. durch die Gewinnung und Aufbereitung von relevanten Daten als Motivation begrüßt.

…verwässert?

Die Ratsbeschlüsse legen nahe, das unter Umständen auch die nukleare und die fossile Energieerzeugung als grün(er) in die Taxonomie eingehen könnten. Beides hatten die Europäische Kommission und das Europäische Parlament kategorisch ausgeschlossen.

Originalquellen: Pressemitteilung Europäischer Rat 25.9.2019 (EN)

Die Rendite von Nachhaltigkeit

Einen sehr aufwühlenden Bericht legte die „Global Commission on Adaption“ https://gca.org/global-commission-on-adaptation/about-us vor, die am 18.10.2018 gebildet wurde. Dieses in Deutschland relativ wenig bekannte Gremium wird vom früheren UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sowie Bill Gates und der World Bank CEO Kristalina Georgieva geführt. In der am 13.9.2019 erschienen Studie ADAPT NOW: A GLOBAL CALL FOR LEADERSHIP ON CLIMATE RESILIENCE.

Eine Kernaussage der Studie besteht darin, dass sie Investitionen von USD 1,8 Bio. im Zeitraum 2020 bis 2030 in die Bereiche Frühwarnsysteme, klimaresistente Infrastruktur, Verbesserungen der Getreideproduktion, Schutz von Mangrovenwäldern und eine Stabilisierung von Wasserreserven empfiehlt. Für diese Investitionen wird wiederum mit USD 7,1 Bio. Nutzen eine beträchtliche Rendite prognostieziert. Zusätzlich wird davon ausgegangen, dass ohne Maßnahmen jährliche Belastungen im dreistelligen USD-Mrd. Bereich entstehen können.

UN Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft

2019-09-23 Signatories Principles of Responsible Banking

Quelle: https://www.unepfi.org/banking/bankingprinciples/signatories/

Im Rahmen der UN-Vollversammlung am 22. und 23.9.2019 haben 130 Banken aus 49 Staaten die „Principles of Responsible Banking“ unterzeichnet. Die sechs Prinzipien bilden eine Art „Ehrenkodex“ für den Umgang mit Anteilseignern, Mitarbeitern und der Gesellschaft. Ein Beitritt ist nur mit Unterschrift des Vorstandssprechers/-vorsitzenden bzw. CEO möglich, der die Führung und damit das Gesamtunternehmen auf die Prinzipien verpflichtet. Einzelheiten (EN): UNEP Finance Initiative.

Unter den 130 Unterzeichnern sind allerdings nur drei der 10 größten Banken weltweit. Aus Deutschland haben sich Commerzbank und Deutsche Bank auf die Prinzipien verpflichtet, leider fehlen die beiden großen Finanzverbünde.

 

Reuse/repair/recycle – RETHINK!

Manchmal währt die Faszination nicht lange. Sicherlich eine nette Verwendung benutzter Nespresso-Kapseln, wenn aus ihnen ein Fahrradrahmen gebaut wird:

2019-09-30 Nespresso Velosophy

Quelle: https://velosophy.cc/product/recycle/

Immerhin verwandelt sich damit Müll zusammen mit weiteren in ein € 1.250 teures Fahrrad. Allerdings was mache ich, wenn ich keine Kapseln nutze und lieber meinen verpackungslosen Kaffeesatz zu Kompost oder anderen naturnahen Dingen sehe?

Dann käme vielleicht noch eine Kreditkarte aus nachwachsenden Rohstoffen in Frage? Oder vielleicht dann doch lieber aus Plastikabfällen aus dem Ozean- leider nur für die Karte und noch nicht auch für die Chips verwendet:

2019-09-30 Coral-Card_4-min

https://www.cpicardgroup.com/ocean-plastic/

Eine Alternative wäre eventuell auch eine virtuelle Karte auf dem Smartphone (a la AppleCard), wenn das Gerät „eh da“ ist – ginge dann ganz ohne physische Produktion und vor allem auch ohne „seltene Erden“ für den Chip…

Jedenfalls sind diese Zeilen mit dem Gedanken verbunden, vor den Bekannten Dreiklang von „reuse/repair/recyle“ noch ein „RETHINK“ zu setzen, ob sich Dinge nicht auch vollkommen „dematerialisieren“ lassen

Seminar-/Veranstaltungstermine

Webinar: #FinanceForFuture – Klimarisiken & Nachhaltigkeit: Neue Kernthemen für Regulierung, externe Berichterstattung und Geschäftspolitik

Neue Termin: 13.12.2019 und 6.3.2020 jeweils 10 – 11:30h

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

Fintech Week, 4.-9.11.2019 in Hamburg

Das Besondere an der Fintech Week: Die Woche wird nicht von einem Veranstalter ausgerichtet, sondern von mehr als zwei Dutzend Veranstaltern, darunter Banken, Startups, Kanzleien und Beratungen, die alle ganz unterschiedliche Blickwinkel auf die Branche mitbringen und vermitteln. Über den Tellerrand schauen, ist quasi Teil der DNA. Programm

Die Woche schließt mit dem comdirect Finanzbarcamp. U.a. treffen sich hier viele sonst eher virtuell vernetzte Menschen im Umfeld von Geldanlage und Digitalisierung. Insbesondere ist auch ein großer Teil der deutschen Finanzblogs vertreten, an deren Kreis zum Ende der Veranstaltung der comdirect Finanzblogaward 2019 vergeben wird. Auch Investabel® steht hier neben 71 anderen deutschsprachigen Blogs zur (Publikums-)Wahl: 72 Deutschsprachige Finanzblogs nominiert.

BarCamp Sustainable Finance, 11.12.2019 in Bonn

Zusammen mit dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) veranstaltet die Academy of Finance in Bonn am 11. Dezember 2019 ein BarCamp Sustainable Finance. Das BarCamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops – ohne Referenten und feststehender Agenda.

Investabel® ist bei dieser Veranstaltung Medien- und Programmpartner.

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

In eigener Sache

comdirect finanzblog award 2019

Neben 71 weiteren deutschsprachigen Blogs steht Investabel® auf der Liste zur Abstimmung des Publikums beim diesjährigen „comdirect finanzblog award“. Trotz der mittlerweile unübersehbaren Trends zu Nachhaltigkeit bzw. mehr Klimaschutz hat nur ein sehr kleiner Teil der Portale diese Themen aufgegriffen. Natürlich treten einige der genannten Blogs mit einer großen Fangemeinde (z.B. finanz-szene.de) und/oder viel Autorenpower (z.B. www.paymentandbanking.de), aber da zählt zunächst einmal der „olymische Gedanke“ und die Perspektive fruchtbarer Kontakte und Gespräche beim comdirect Finanzbarcamp 2019, in dessen Anschluss die Awards vergeben werden.

In jedem Falle bietet die Nominierungsliste einen interessanten Überblick der aktuellen deutschsprachigen Finanzbloggerszene. Zu der Übersicht der benannten Blogs und der Abstimmungsmöglichkeit geht es hier.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Neunundsiebzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundsiebzig

2019-07-30 SDG Segel Malizia II

Titelbild/Bild: Malizia II via Twitter

Inhalt:  Vorneweg: Eine Seefahrt… EU-Aktionsplan – Zu eng, zu strikt? SNCF Reseau – für 100 Jahre „grün“ verschuldet; Neuer Standard für „grüne Pfandbriefe“; Business Roundtable: Unternehmensziel neu formuliert; Ein Vorschlag für die Berichterstattung zu den SDGs; Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Webinar, Fintech Week Hamburg, comdirect Finanzbarcamp mit finanzblog award, VÖB BarCamp In eigener Sache: comdirect finanzblog award 2019; Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

27. August 2019, ergänzt 2.9.2019 (Termine)

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg: Eine Seefahrt…

Wohl selten hat eine Reise für so viel Aufsehen gesorgt wie die von Greta Thunberg an Bord der „Malizia II“. Sie wird spätestens im Verlauf des 28.8. in New York City eintreffen und im Herzen von Manhattan unterhalb des „World Trade Center“ festmachen. Der mediale Aufmerksamkeitswert war extrem hoch und hatte zumindest den Effekt, dass sich noch einmal mehr Menschen mit dem Thema Klimawandel beschäftigt haben.

EU-Aktionsplan – Zu eng, zu strikt?

Im Blog wurden bereits einige Kritikpunkte am EU-Aktionsplan „Sustainable Finance“ formuliert. Besonders die enge ökologische Ausrichtung der sogenannten „Taxonomie“ als Versuch einer Klassifizierung nachhaltiger Finanzinstrumente irritiert (vgl. z.B. What goes wrong with #SustainableFinanceEU?). Natürlich sind Klimarisiken eine neues Fokusthema, auch für die Finanzaufsicht (Klimarisiken + Nachhaltigkeit – Neue Fokusthemen in der Finanzwirtschaft), aber eben nur ein Thema der Agenda 2030 der Vereinten Nationen, an deren 17 Zielen/Problemfeldern sich Nachhaltigkeit m.E. ausrichten sollten.

Wie stringent die Vorschläge der EU-Expertengruppe gefasst sind, zeigt sich auch anhand einer Auswertung von MSCI, wonach nur 17% der im Barclays MSCI Green Bond Index enthaltenen Anleihen den vorgeschlagenen „EU Green Bond Standard“ erfüllen (Leider keine Originalquelle sonder via environmental-finance.com/HSBC Deutschland per Mail). Zwar ist der EU-Standard freiwillig, es stellt sich aber die Frage, ob eine derart starke Abweichung vom etablierten „Green Bond Standard“ wünschenswert ist. Für eine Gegenüberstellung vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundsiebzig.

SNCF Reseau – für 100 Jahre „grün“ verschuldet

SNCF Reseau (EN) ist die Infrastrukturgesellschaft der französischen Eisenbahn. Sie ist für die technische Infrastruktur, u.a. Schienennetz und Bahnhöfe verantwortlich. Insgesamt hat sie bereits € 5,4 Mrd. ihrer Schulden mit ökologischen Konzepten als „Green Bonds“ zertifizieren lassen. Allein im laufenden Jahr 2019 platzierte sie € 2,8 Mrd. in diesem Rahmen.

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Foto: SNCF Reseau/Cartes Postales France

Mit einer Privatplatzierung über € 100 Mio bei 1,425% p.a. erschloss die Gesellschaft nunmehr einen ungewohnten Laufzeitrahmen von 100 Jahren. Bisher lagen die Rekordwerte bei 60 Jahren für Verbindlichkeiten jeweils eines deutschen (EnBW) und portugiesischen (EdP) Energieunternehmens: SNCF Réseau launches world’s first 100-year green bond.

Neuer Standard für „grüne Pfandbriefe“

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) veröffentlichte am 21.8.2019 einen Mindeststandard für „grüne Hypothekenpfandbriefe“. Er soll „…dem Markt für Grüne Pfandbriefe weiteren Schub verleihen und eine sinnvolle Orientierungshilfe für aktive wie potenzielle Emittenten sowie interessierte Investoren bieten.“ Die beteiligten „Banken verpflichten sich zu hohem Maß an Transparenz und Nachweis über Beitrag zum Klimaschutz“.

Der Standard wird vor allem institutionellen Investoren den Übergang auf nachhaltige(re) Anlagestrategien erleichtern. Der Standard wurde mit dem europäischen Projekt der „Energy Efficient Mortgage Initiative“ des Europäischen Hypothekenverbandes/ECBC“ verknüpft, so dass keine Widersprüche auftreten sollten. Mehr Informationen und Download des Standards auf der Internetseite des vdp.

Business Roundtable: Unternehmensziel neu formuliert

Selten waren so viele Missverständnisse zu einem einseitigen (!) Papier zu lesen. 181 us-amerikanische Unternehmensvorstände haben den „Zweck eines Unternehmens“ neu gefasst: Statement on the Purpose of a Corporation. Faktisch hat die Erklärung den „Unternehmenszweck“ wieder von der kurzfristigen Aktionärssicht wieder auf die langfristige Sicht, d.h. die Sicherstellung der langfristigen Existenz erweitert. Keineswegs handelt es sich um eine Abkehr von Aktionärsinteressen, sondern deren Arrondierung um die umgebenden Interessen, der sogenannten „Stakeholder“ bei Kunden, Arbeitnehmern, Gemeinschaften und der Gesellschaft.

Kernaussage:

Generating long-term value for shareholders, who provide the capital that allows companies to invest, grow and innovate. We are committed to transparency and effective engagement with shareholders.“

Ein Vorschlag für die Berichterstattung zu den SDGs

Eine Gruppe von angelsächsischen Vereinigungen hat ein Diskussionspapier für eine Unternehmensberichterstattung über die SDGs, die nachhaltigen Entwicklungsziele der UN vorgelegt. Das Diskussionspapier orientiert sich in einer wohltuenden Knappheit (26 Seiten) und Klarheit am Grundsatz der Wesentlichkeit für berichtenden Unternehmen. Und hier treffen die Autoren einen sehr wichtigen Punkt: Die Reflexion von Unternehmen ihrer eigenen aktuellen und zukünftigen Relevanz in ihrem jeweiligen Kontext. Wie schon an anderer Stelle formuliert: Die SDGs helfen gerade kleineren und regionalen Unternehmen auch die eigene Strategie zukunftsweisend weiter zu entwickeln. „Recommendations for SDG disclosures: A consultation paper
Have your say on SDG Disclosures, August 2019“: Download (EN).

Seminar-/Veranstaltungstermine

Webinar: #FinanceForFuture – Klimarisiken & Nachhaltigkeit: Neue Kernthemen für Regulierung, externe Berichterstattung und Geschäftspolitik

Neue Termin: 13.12.2019 und 6.3.2020 jeweils 10 – 11:30h

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

Fintech Week, 4.-9.11.2019 in Hamburg

Das Besondere an der Fintech Week: Die Woche wird nicht von einem Veranstalter ausgerichtet, sondern von mehr als zwei Dutzend Veranstaltern, darunter Banken, Startups, Kanzleien und Beratungen, die alle ganz unterschiedliche Blickwinkel auf die Branche mitbringen und vermitteln. Über den Tellerrand schauen, ist quasi Teil der DNA. Programm

Die Woche schließt mit dem comdirect Finanzbarcamp. U.a. treffen sich hier viele sonst eher virtuell vernetzte Menschen im Umfeld von Geldanlage und Digitalisierung. Insbesondere ist auch ein großer Teil der deutschen Finanzblogs vertreten, an deren Kreis zum Ende der Veranstaltung der comdirect Finanzblogaward 2019 vergeben wird.

BarCamp Sustainable Finance, 11.12.2019 in Bonn

Zusammen mit dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) veranstaltet die Academy of Finance in Bonn am 11. Dezember 2019 ein BarCamp Sustainable Finance. Das BarCamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops – ohne Referenten und feststehender Agenda.

Investabel® ist bei dieser Veranstaltung Medien- und Programmpartner.

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

In eigener Sache

comdirect finanzblog award 2019

Neben 71 weiteren deutschsprachigen Blogs steht Investabel® auf der Liste zur Abstimmung des Publikums beim diesjährigen „comdirect finanzblog award“. Trotz der mittlerweile unübersehbaren Trends zu Nachhaltigkeit bzw. mehr Klimaschutz hat nur ein sehr kleiner Teil der Portale diese Themen aufgegriffen. Natürlich treten einige der genannten Blogs mit einer großen Fangemeinde (z.B. finanz-szene.de) und/oder viel Autorenpower (z.B. www.paymentandbanking.de), aber da zählt zunächst einmal der „olymische Gedanke“ und die Perspektive fruchtbarer Kontakte und Gespräche beim comdirect Finanzbarcamp 2019, in dessen Anschluss die Awards vergeben werden.

In jedem Falle bietet die Nominierungsliste einen interessanten Überblick der aktuellen deutschsprachigen Finanzbloggerszene. Zu der Übersicht der benannten Blogs und der Abstimmungsmöglichkeit geht es hier.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtundsiebzig bis Eins

 

 

 

Klimarisiken + Nachhaltigkeit – Neue Fokusthemen in der Finanzwirtschaft

Jahresbericht

18. Juli 2019

Dr. Ralf Breuer

Im Juli 2017 zeichnete sich ab, was heute Fakt ist: Klimarisiken und Nachhaltigkeit sind zentrale Themen für die Finanzwirtschaft. Klimarisiken aus dem Klimawandel und den notwendigen Anpassungsmaßnahmen, z.B. der „Energiewende“ hin zu erneuerbaren Energien, haben sich bereits tief in die Anlage-, Kredit- und Sicherheitenbestände hineingearbeitet. Mit dem heißen Rekordsommer 2018 war die Wahrnehmung für den Klimawandel deutlich größer geworden. Die jugendlichen Demonstrationen haben zusätzlich die Aufmerksamkeit der Gesellschaft weiter verstärkt. Folgerichtig arbeiten die internationalen Finanzaufseher intensiv an diesen Themen. Die Finanzbranche ist also gut beraten, den Schwerpunktthemen einen weiteren Fokus hinzuzufügen.

EU-Aktionsplan SustainableFinance

Die EU-Kommission stellte im März 2018 ihren „Aktionsplan SustainableFinance“ (Commission action plan on financing sustainable growth). Auffallend gering war die Beteiligung von Politik und Interessensvertretern aus Deutschland, was zumindest teilweise durch die zeitgleiche, schleppende Regierungsbildung nach der Bundestagswahl 2017 erklärt werden kann.

Erste Eckpunkte des Aktionsplans waren allerdings bereits im Juli 2017 erkennbar und wurden in diesem Blog thematisiert: Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?. Die Arbeit der High-Level Expert Group on Sustainable Finance (HLEG) wurde seinerzeit in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen. Medienberichte hierzu waren ebenso eine Rarität wie die Zahl der deutschen Teilnehmer bei der Präsentation des Zwischenberichts vor 500 (Brüssel) bzw. 150 (London) Interessenten.

Die EU-Kommission setzte den Schlussbericht der HLEG vom 31. Januar 2018 (EN) bereits am 8. März 2018 in einen Aktionsplan um. Auch bei der Vorstellung des Plans durch das Präsidium der EU-Kommission, dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und Michael Bloomberg war das politische Deutschland nicht anwesend: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiunddreissig. Auch die deutsche Finanzwirtschaft war nicht prominent vertreten. Die „offizielle“ Beteiligung beschränkte sich weitestgehend auf Michael Schmidt, damals Geschäftsführer bei Deka Investment und Mitglied der HLEG.

„Offiziell“ fand der Aktionsplan in Deutschland erst ab ca. Mai 2018 Aufmerksamkeit, nachdem bereits das europäische Parlament dem Plan zugestimmt hatte. Aus dieser Zeit datieren auch die ersten öffentlichen Reaktionen der deutschen Branchenverbände (vgl. Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung).

BaFin – Nachhaltigkeitsrisiken wesentlich

Ebenfalls im Mai 2018 widmete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dem Thema die Titelgeschichte in ihrem monatlichen BaFinJournal Mai 2018. Dem Artikel auf S. 15 stellten die Autoren die Gründe voran, weshalb Nachhaltigkeitsrisiken und insbesondere direkte und indirekte Folgen des Klimawandels für die Finanzaufsicht wesentlich sind:

„Nachhaltigkeitsrisiken (…) stellen für die Finanzwirtschaft sowohl direkt als auch indirekt eine Herausforderung dar. Zum einen können sich Schäden durch extreme Umwelt- und Klimaveränderungen oder durch die Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen direkt auf Finanzmarktakteure auswirken, beispielsweise auf Versicherer. Zum anderen können daraus aber auch indirekte Risiken entstehen: Entwicklungen wie eine Stigmatisierung etablierter Technologien, kurzfristig veränderte politisch-ökonomische Rahmenbedingungen und ethisch-soziale Umwälzungen können zu bedeutsamen Wertverlusten der Aktiva und damit zu sogenannten Stranded Assets führen.“

Bedeutsame Wertverluste bei Vermögensgegenständen sind in Deutschland bereits in vielen Bereichen eingetreten, weitere sind vorhersehbar oder wahrscheinlich:

  • Die Diskussion um Dieselfahrverbote hat zu einem Rückgang der Werte gebrauchter Dieselfahrzeuge geführt. Hiervon sind auch die Restwerte in Leasingverträgen und Sicherheiten betroffen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bezifferte die Belastung der Wirtschaft im April 2018 bereits mit € 500 Mio., davon € 100 Mio. im Automobilhandel, in dem es bereits Insolvenzen gab.
  • Die Automobilindustrie wird stark strukturell von einem vermehrten Anteil elektrisch betriebener Fahrzeuge betroffen. Die Fraunhofer-Gesellschaft bezifferte den Arbeitsplatzabbau bei 25% Elektroanteil im Jahr 2030. Aufgrund der deutlich geringeren beweglichen Teile steht den erwarteten 25.000 neuen Arbeitsplätzen ein Abbau von 75.000 gegenüber. Hiervon sind vor allem kleinere Zulieferer mit kleinen Produktpaletten betroffen, die ihren Sitz häufig in strukturschwachen Regionen haben.
  • Neben den mittelbaren strukturellen Auswirkungen werden Regionen und Kommunen unmittelbar stark belastet, da in vielen Bereichen Anpassungen an wärmere Temperaturen und die Energiewende notwendig werden. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Bundesstaates New York: Mit dem Beschluss einer CO2-Neutralität im Jahre 2050 werden massive Investitionen in Infrastruktur, insbesondere auch in New York City notwendig. Etwa 10 Mio. Fahrzeuge sind in der Region zugelassen.
  • Nach dem Gutachten des Sachverständigenrats zur CO2-Besteuerung tagte am 18.7.2019 das „Klimakabinett“. Es ist absehbar, dass die Umsetzung von Vorschlägen im September zu weiteren erheblichen Belastungen für Unternehmen und Privatpersonen führen kann, auch wenn der Vorschlag Kompensationen zum Ausgleich vorsieht und die Besteuerung tatsächlich haushaltsneutral durchgeführt werden sollte. Details zur Sitzung am Ende des Beitrags.

Deutsche Finanzunternehmen nahezu ausnahmslos im aufsichtlichen Sinne von Nachhaltigkeitsrisken betroffen bzw. ausgesetzt.

BaFin – Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit

Mit einer Ausgabe ihrer BaFinPerspektiven Ausgabe 2 2019 haben die Finanzaufseher ihre Auffassung zu den Risiken und auch den Chancen für den Finanzsektor noch einmal deutlich artikuliert.

Jahresbericht

Die Inhalte decken sich mit dem Programm und den Inhalten einer Konferenz mit 350 Teilnehmern aus der deutschen Finanzwirtschaft am 9. Mai 2019 in Berlin. Allerdings haben die „Botschaften“ der Finanzaufseher weite Teile der Branche noch erreicht. Eigene Erfahrungen legen dies nahe.

Dabei äußerte sich das Direktorium der BaFin sehr pointiert und eindringlich, was auch in einer begleitenden Pressemitteilung vom 9.5.2019 zum Ausdruck gebracht wird:

‚„Wer langfristig im Finanzsektor erfolgreich sein will, wird am Thema Nachhaltigkeit nicht mehr vorbeikommen“, sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld zum Auftakt der ersten Konferenz „Nachhaltige Finanzwirtschaft“, die am 9. Mai im Umweltforum Berlin stattfand.‘

„Ziel der Veranstaltung war es, das Bewusstsein des Finanzsektors für materielle Risiken, aber auch für Chancen zu schärfen, die klimatische, ökologische und soziale Veränderungen für einzelne Finanzmarktakteure und den Finanzmarkt als Ganzes mit sich bringen können. Die knapp 350 Teilnehmenden erhielten einen Überblick über aktuelle europäische Regulierungsvorhaben und die aufsichtlichen Ansätze der BaFin und hatten zudem Gelegenheit, sich mit Vertreterinnen und Vertretern der Aufsicht auszutauschen.“

Die mit der Pressemitteilung veröffentlichten Redemanuskripte des Direktoriums der BaFin sind gespickt mit markigen Sätzen, die keine Zweifel an der Wesentlichkeit von Nachhaltigkeit für die Finanzaufsicht zulassen:

„Und nun lädt auch noch die deutsche Finanzaufsicht zu einer Konferenz über „Nachhaltige Finanzwirtschaft“ ein. Tun wir das, um im Trend zu liegen? Nein, wir tun es, weil es eine Notwendigkeit ist.“

Begrüßung durch Felix Hufeld, Präsident der BaFin, 9.5.2019

„„Banken, die das Thema #Nachhaltigkeit vernachlässigen, setzen sich nicht nur erhöhten Risiken auf der Aktivseite oder erhöhten operationellen Risiken aus. Sie werden langfristig auch keine Investoren mehr finden“, sagte Röseler“

„Banken sind von Klimarisiken in vielerlei Hinsicht betroffen. Die direkten Risiken, also zum Beispiel Schäden durch Stürme, Überflutungen oder die schleichende Verschlechterung von Produktions- und Arbeitsbedingungen, können Banken unmittelbar treffen. Zum Beispiel dann, wenn das eigene Rechenzentrum durch einen Wirbelsturm beschädigt wird oder Filialen unter Wasser stehen. Noch gravierender für den Bankensektor sind aber die indirekten Risiken. Mit solchen Risiken haben wir es etwa dann zu tun, wenn Gebäude oder Produktionsanlagen, die von einer Bank finanziert wurden, durch ein Unwetter ramponiert oder völlig zerstört werden. Unter solchen Vorfällen leidet nicht nur die Kapitaldienstfähigkeit von Kunden, sondern auch der Wert der Kreditsicherheiten.“

Nachhaltigkeit als aufsichtliche Anforderung – Statement des Exekutivdirektors Bankenaufsicht, Raimund Röseler, 9.5.2019

Die Anforderungen an den Inhalt und die Qualität der Kundenberatung in der Finanzwirtschaft hat die BaFin bereits heute hoch angesetzt, werden allerdings nur von einem kleinen Teil der Kreditwirtschaft erfüllt:

„Demgegenüber gilt kundenseitig schon heute, dass Unternehmen in der Anlageberatung die Kriterien berücksichtigen müssen, die der Kunde nennt. Legt er zum Beispiel Wert auf eine grüne Geldanlage, muss dieser Wunsch schon heute bei der Anlageempfehlung berücksichtigt werden. Für die Kunden ist Transparenz wichtig, damit sie vergleichen können. Sie müssen wirklich nachhaltige Anlagen von solchen unterscheiden können, die nur einen grünen Anstrich tragen.“

Nachhaltigkeit als aufsichtliche Anforderung – Statement der Vizepräsidentin und Exekutivdirektorin Wertpapieraufsicht/Asset Management, Elisabeth Roegele, 9.5.2019

Nachhaltigkeit als Chance

Die BaFin sieht sich wesentlich bei Nachhaltigkeitsrisiken in der Pflicht und präzisiert deren Ursachen. Bei den Chancen verweist das Journal an einigen Stellen auf die Agenda 2030 der Vereinten Nationen bzw. deren 17 nachhaltige Entwicklungsziele, kurz SDGs für Sustainable Development Goals.

 

Nachhaltigkeit beinhaltet deutlich mehr Lebensbereiche als Klima- und Umweltschutz, z.B. auch Bildung und (bezahlbares) Wohnen, die gleichermaßen eine hohe Priorität für die Menschen haben:

2018-10-14 Bayernwahl

Quelle: WDR/infratest dimap, Kommentar zur bayerischen Landtagswahl 2018

Klima = Risiko, Nachhaltigkeit = Chance

Diese Auffassung deckt sich mit den Aussagen einer Vielzahl globaler Marktführer (vgl. z.B. HSBC Sustainable Finance Briefings 2017. Als Rahmen für die Chancen dient dabei die „Agenda 2030“ der Vereinten Nationen mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen, den sogenannten „SDGs“ (Sustainable Development Goals). Sie können als die 17 wichtigsten Problemfelder der Menschheit aufgefasst werden. Schritte zu ihrer Förderung sind damit Beiträge zur Sicherung der menschlichen Existenzfähigkeit auf dem Planeten Erde.

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Gastautorin Silke Stremlau, Vorstandsmitglied Hannoversche Kassen, beschreibt auf S. 53 dieses Verständnis, das dem verbreiteten Konsensus der globalen Finanzbranche entspricht:

„Die SDGs können hier eine gute Leitplanke sein. Sie formulieren erstmals eine genaue Definition bzw. Wertvorstellungen, welche gesellschaftlichen Ziele durch nachhaltiges Investment erreicht werden sollten. Sie artikulieren somit die dringlichsten Herausforderungen unserer Zeit und beschreiben damit auch für Finanzinvestorinnen und Finanzinvestoren relevante und materiell bedeutende Themen. Sie werden dadurch zum entscheidenden Orientierungsmaßstab für die treuhänderische Verantwortung von institutionellen Investoren weltweit.“

Leider trifft ein steigendes Interesse an Nachhaltigkeit bei der Geldanlage noch auf eine nur geringe Befähigung in der deutschen Finanzwirtschaft. Dabei ist das Thema in nahezu „allen Winkeln“ der Gesellschaft im täglichen Leben anzutreffen, wie eine kleine zufällige Fotosammlung verdeutlicht: Alltagsfotos Nachhaltigkeit.

Zu einer geringen Transparenz und lückenhaftem Beraterwissen kommen Reputationsprobleme nachhaltiger Anlageangebote, wie die im BaFinJournal Juni 2019 wiedergegebene Umfrage bestätigt.

Wie sich die Ziele konkret für Anlage- bzw. Investitionsentscheidungen nutzen lassen, ist in diesem Blog auf der Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld) an Beispielen dargestellt.

Nachhaltige Finanzwirtschaft – die nächsten Stufen

EU-Aktionsplan

Am 18. Juni 2019 veröffentlichte die EU-Kommission vier relevante Dokumente zu ihrem Aktionsplan und der weiteren Berücksichtigung von Nachhaltigkeit.

2019-06-18 Sustainable Finance EU TEG interim reports

Die sehr umfangreichen Berichte mit rund 560 Seiten richten sich ganz überwiegend an Finanzinstitute, die auf den Aktionsplan und insbesondere den Klimaschutz verpflichtet werden sollen. Die enge Ausrichtung an ökologischen Themen überrascht, da der Aktionsplan ursprünglich als offen für alle Aspekte der Nachhaltigkeit vorgestellt wurde. Leider zeichnete sich die enge Fokussierung auf Umwelt- und Klimathemen schon frühzeitig ab: What goes wrong with #SustainableFinanceEU?.

Eine echte Hilfestellung für private Anleger können die Vorschläge für Indices als nachhaltige Benchmarks bieten. Hier herrscht derzeit eine große und verwirrende Vielfalt, was Nachhaltigkeit bei Finanzanlagen beinhaltet. Der vorgeschlagene Standard für „Green Bonds“ ist grundsätzlich ebenfalls hilfreich, trifft allerdings aktuell auf ein nur sehr kleines Angebot für private Anleger.

Ganz anders als vielfach erwartet ist die „Taxonomie“ als Klassifizierungsansatz nachhaltiger Anlage- bzw. Finanzierungsformen angelegt: Sie ist keine geeignete Grundlage für die Erfüllung konkreter Beratungspflichten, wie sie in den entsprechenden Vertriebsdirektiven für Banken (MiFid) bzw. Versicherern (IDD) festgelegt werden sollen. Vielmehr kann die Taxonomie als ein Handbuch für die Eignung von Produktanbietern und deren Kooperationspartner angesehen werden.

Sustainable Finance in Deutschland

Mit einer Presseerklärung vom 26. Februar 2019 formulierte die deutsche Bundesregierung den Anspruch „Deutschland zu einem Sustainable Finance-Standort“ zu machen. Hierzu soll eine „Sustainable Finance-Strategie“ entwickelt werden. Der beabsichtigte „Aufbau eines Sustainable-Finance-Beirats“ mündete bisher in dessen Konstituierung am 6. Juni 2019. Für den dritten deutschen Sustainable Finance Gipfel am 16.10.2019 wurde bereits die Präsentation erster Eckpunkte avisiert.

Hierzu hat der Beirat sich in vier Arbeitsgruppen organisiert:

  • Sustainable Finance-Strategie und Kommunikation
  • Finanzmarktstabilität und Risikomanagement
  • Offenlegung und Transparenz
  • Endkunden (Retail und Institutionell)

Gerade in Bezug auf die Endkunden darf die Vorstellung erster Ansätze im Oktober mit Spannung erwartet werden, da der EU-Aktionsplan in diesem Bereich derzeit keine guten Richtwerte bietet.

Finanzsektor und Klimaschutz

Zwar blieb die Sitzung des sogenannten „Klimakabinett“ am 18.7.2019 ohne konkrete Ergebnisse, aber die werden weiterhin schon für September 2019 avisiert. Mittlerweile zeichnet sich in Deutschland ein politischer Konsensus für Maßnahmen wie einer CO2-Besteuerung ab. Auch konservative Politiker fordern substanzielle Maßnahmen in Form von hohen Investitionen:

Der Vorsitzende der CDU/CSU Ralph Brinkhaus äußerte in einem Zeitungsinterview gestern (General-Anzeiger Bonn, 19.7.2019) seine Vorstellungen von einem zusätzlichen „Zukunftshaushalt“ für den Klimaschutz:

Die Grünen sprechen von einem 100-Milliarden-Fonds, meinen Sie diese Größenordnung?

Brinkhaus: Das wird nicht reichen. Wir müssen richtig viel Geld in die Hand nehmen. Das ist eine Anstrengung, die mehrere Hundert Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren kosten wird. Sonst ist das nicht zu machen.

Die Bewältigung des Klimawandels, der EU-Aktionsplan und die für die Finanzaufsicht relevanten Klimarisiken machen den Klimaschutz zu einem zentralen Thema für die Finanzbranche. In einigen Nachbarländern ist das längst erkannt. Während große Teile der deutschen Finanzinstitute kaum bei Nachhaltigkeit engagiert scheint, hat beispielsweise die niederländische Branche als erster Sektor seine formelle Unterstützung für den nationalen Klimapakt, den Klimaatakkoord erklärt (vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundsiebzig).

Fazit

Es wird sehr deutlich, was das Direktorium der BaFin mit seinen Aussagen bewirken wollte. Die Zitate fassen in Mahnungen, was bereits der Blogbeitrag vom 5.10.2019 nahelegen wollte: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft.

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundsiebzig

2018-01-31 SusFin

Aktueller Nachtrag am 15.5.2019

Am 14.5.2019 sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem 10. Petersberger Klimadialog unter dem Titel „Das Versprechen von Paris einlösen“.

„Beim Klimaschutz ist es richtig, sich auf langfristige Wege zu machen“, sagte die Bundeskanzlerin auf dem Petersberger Klimadialog. „Die Frage heißt nicht, was kostet uns das, sondern wieviel mehr kostet das, wenn wir nichts tun.“

Die Kanzlerin sprach auch eine Klima-Initiative von neun EU-Ländern an, die zum Ziel hat, die Europäische Union bis 2050 klimaneutral zu machen. Wenn das Klimakabinett eine „vernünftige Antwort“ dafür finde, könne Deutschland sich der Initiative anschließen. „Ich würde mir wünschen, dass wir das können“, bekräftigte sie.

Quelle: Bundespresseamt 14. Mai 2019

Inhalt:

BaFin – Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit; Green Bonds mit anhaltend gutem Momentum; Nachhaltigkeit als Anlagethema, gerne mit Wirkung!; Petition Klimaschutzgesetzgebung erreicht Quorum; Deutschland gegen Klimaambitionen der EU; Politiknotstand versus Klimanotstand?; Bosch setzt ein starkes Zeichen: Klimaneutral ab 2020; In eigener Sache: Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Mitunterzeichner …ForFuture; Mitgestalter FridaysForFuture Bonn; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

13. Mai 2019, ergänzt 14.5.2019 (Tweets S. Schulze, Vorwärtsverlag/A. Nahles), 15.5.2019 (Erklärung Bundeskanzlerin Angela Merkel zur CO2-Neutralität 2050)

Dr. Ralf Breuer

BaFin – Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit

Die BaFin sieht Nachhaltigkeit als Grundlage für den langfristigen Erfolg von Unternehmen im Finanzsektor. Dies bringt sie deutlich in den einleitenden Sätzen ihrer Pressemitteilung vom 9.5.2019 zum Ausdruck:

‚„Wer langfristig im Finanzsektor erfolgreich sein will, wird am Thema Nachhaltigkeit nicht mehr vorbeikommen“, sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld zum Auftakt der ersten Konferenz „Nachhaltige Finanzwirtschaft“, die am 9. Mai im Umweltforum Berlin stattfand.‘

Ziel der Veranstaltung war es, das Bewusstsein des Finanzsektors für materielle Risiken, aber auch für Chancen zu schärfen, die klimatische, ökologische und soziale Veränderungen für einzelne Finanzmarktakteure und den Finanzmarkt als Ganzes mit sich bringen können. Die knapp 350 Teilnehmenden erhielten einen Überblick über aktuelle europäische Regulierungsvorhaben und die aufsichtlichen Ansätze der BaFin und hatten zudem Gelegenheit, sich mit Vertreterinnen und Vertretern der Aufsicht auszutauschen.“

Die noch am 9.5.2019 mit der Pressemitteilung veröffentlichten Redetexte der führenden BaFin-Vertreter sind gespickt mit einigen markigen Sätzen, die keine Zweifel an der Wesentlichkeit von Nachhaltigkeit für die Finanzwirtschaft lassen:

„Und nun lädt auch noch die deutsche Finanzaufsicht zu einer Konferenz über „Nachhaltige Finanzwirtschaft“ ein. Tun wir das, um im Trend zu liegen? Nein, wir tun es, weil es eine Notwendigkeit ist.“

Begrüßung durch Felix Hufeld, Präsident der BaFin, 9.5.2019

„„Banken, die das Thema #Nachhaltigkeit vernachlässigen, setzen sich nicht nur erhöhten Risiken auf der Aktivseite oder erhöhten operationellen Risiken aus. Sie werden langfristig auch keine Investoren mehr finden“, sagte Röseler“

Pressemitteilung BaFin 9.5.2019

„Banken sind von Klimarisiken in vielerlei Hinsicht betroffen. Die direkten Risiken, also zum Beispiel Schäden durch Stürme, Überflutungen oder die schleichende Verschlechterung von Produktions- und Arbeitsbedingungen, können Banken unmittelbar treffen. Zum Beispiel dann, wenn das eigene Rechenzentrum durch einen Wirbelsturm beschädigt wird oder Filialen unter Wasser stehen. Noch gravierender für den Bankensektor sind aber die indirekten Risiken. Mit solchen Risiken haben wir es etwa dann zu tun, wenn Gebäude oder Produktionsanlagen, die von einer Bank finanziert wurden, durch ein Unwetter ramponiert oder völlig zerstört werden. Unter solchen Vorfällen leidet nicht nur die Kapitaldienstfähigkeit von Kunden, sondern auch der Wert der Kreditsicherheiten.

Nachhaltigkeit als aufsichtliche Anforderung – Statement des Exekutivdirektors Bankenaufsicht, Raimund Röseler, 9.5.2019

Die Anforderungen an den Inhalt und die Qualität der Kundenberatung in der Finanzwirtschaft hat die BaFin bereits heute hoch angesetzt, werden allerdings nur von einem kleinen Teil der Kreditwirtschaft erfüllt:

„Demgegenüber gilt kundenseitig schon heute, dass Unternehmen in der Anlageberatung die Kriterien berücksichtigen müssen, die der Kunde nennt. Legt er zum Beispiel Wert auf eine grüne Geldanlage, muss dieser Wunsch schon heute bei der Anlageempfehlung berücksichtigt werden. Für die Kunden ist Transparenz wichtig, damit sie vergleichen können. Sie müssen wirklich nachhaltige Anlagen von solchen unterscheiden können, die nur einen grünen Anstrich tragen.“

Nachhaltigkeit als aufsichtliche Anforderung – Statement der Vizepräsidentin und Exekutivdirektorin Wertpapieraufsicht/Asset Management, Elisabeth Roegele, 9.5.2019

Der Satz von Frau Roegele ist ein starker Imperativ: Wer Nachhaltigkeit nicht kann, darf bei entsprechendem Kundenwunsch schlicht nicht beraten! Allerdings wird nur ein Teil der Finanzinstitute in Deutschland diesem Anspruch gerecht.

Nicht einmal in Großsparkassen wird die Kundenberatung den Anforderungen gerecht, wie ein aktuelles Beispiel im hiesigen Umfeld bestätigt: Die Eltern eines Kindes im Kindergartenalter ließen sich zu den Möglichkeiten einer fünfstelligen Zielsparsumme bei Eintritt der Volljährigkeit beraten.

  • Die Selbstauskunft der Eltern war sehr eindeutig risikoavers, kostenbewusst und nachhaltig.
  • Der Anlagevorschlag war dagegen in seinen Bestandteilen gesetzeswidrig, inhaltlich falsch, mit maximalem Aktienmarktrisiko und hohen Kosten in einem Dachfonds

Die im Hause vorgeblich hochgehaltenen nachhaltigen Fondsangebote wurden erst von den Eltern zur Sprache gebracht und fanden bei der beratenden Person großes Interesse.

Green Bonds mit anhaltend gutem Momentum

Nach Schätzungen der Ratingagentur Moody’s war das Emissionsvolumen von Green Bonds mit USD 47,2 Mrd. im ersten Quartal 2019 um 40% höher als im Vorjahreszeitraum. Der Anteil der privatwirtschaftlichen Emissionen lag mit USD 15,9 Mrd. von Industrie- und USD 8,1 Mrd. von Finanzunternehmen leicht über 50%. Auf dieser Basis sieht Moody’s die Erwartung von rund USD 200 Mrd. Neuemissionen im Gesamtjahr 2019 als bestätigt an.

Bemerkenswert war auch das Wachstum bei anderen Nachhaltigkeitsanleihen, u.a. mit sozialen und anderen Zwecken: Mit USD 13,4 Mrd. wurde in Q1 der Rekordwert von USD 10,2 Mrd. in Q3 2018 übertroffen.

Nachhaltigkeit als Anlagethema, gerne mit Wirkung!

Robeco SDG Credits

Nachhaltigkeit im Sinne der Anwendung ökologischer, sozialer und Kriterien der Unternehmensführung (ESG) ist weit verbreitet. Allerdings unterliegen diese immer stark subjektiven Einschätzungen. Gesucht und leichter einzuschätzen sind Investments mit Wirkung, sogenannte Impact Investments. Sie werden bevorzugt an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (#17Ziele, #SDGs) gemessen.

Robeco hat in einer neuen Studie die Möglichkeiten bei Unternehmenskrediten beleuchtet: An introductory Guide to SDG Credits, April 2019. „Robeco and RobecoSAM have developed a comprehensive proprietary SDG measurement framework with clear, objective and consistent guidelines for dealing with these challenges.

Tatsächlich zeichnen sich ab, dass die Einschätzung und das Rating von Nachhaltigkeit zukünftig stark an den SDGs ausgerichtet wird. Entsprechende Ratingsysteme sind z.B. auch in Deutschland bei der Deutschen Entwicklungsgesellschaft DEG (vgl. Nummer Neunundfünfzig) im Einsatz oder in der Entwicklung. Dies dürfte auch eine wesentliche Motivation des Kaufs eines Mehrheitsanteils an dem Nachhaltigkeitsspezialisten Vigeo Eiris durch den Ratinganbieter Moody’s sein: Press Release 04/15/2019: Moody’s Acquires Majority Stake in Vigeo Eiris, a Global Leader in ESG Assessments.

Blackstone – Plattform Impact Investments

Blackstone bietet mit „Strategic Partners“ Zugang zu sekundären Investments in Private Equity (Strategic Partners Fund Solutions). Hier wurde nun ein spezieller Bereich eingerichtet, der thematisch auf die Bereiche Gesundheit/Wohlbefinden, Finanzielle Inklusion, Nachhaltige Gemeinschaften und grüne Technologien fokussiert ist. Im Vordergrund stehen dabei positive Wirkungen von privaten Eigenkapitalinvestitionen in den genannten Bereichen. (Press Release May 6, 2019: Blackstone launches Impact Investing Platform.

Plastik(müll) als neues Investmentthema

Mit einer neuen Studie beleuchtet die US-Bank Morgan Stanley die Möglichkeiten von Investments in der Vermeidung und der Beseitigung von Plastikmüll. Plastic Waste – Adressing a Global Economic and Environmental Challenge Through the Power of Capital Markets, 04/16/2019. Die Studie stellt die Investitionsmöglichen durch die Beseitigung von Ineffizienzen bei der Produktkonstruktion, Sammlung und Wiederverarbeitung von Kunststoffabfällen dar.

Petition Klimaschutzgesetzgebung erreicht Quorum

Die Petition 92294 „Klimaschutz – Verabschiedung eines verbindlichen, sektorübergreifenden Klimaschutzgesetzes vom 17.03.2019“ erreichte zum Zeichnungsschluß am 6.5.2019 mit 62.336 Online-Mitzeichnern bereits das notwendige Quorum von 50.000. Weitere 2.967 kamen offline hinzu (Stand 15.5.2019 13:00h, epetitionen.bundestag.de). Nach Angaben von ParentsForFuture wäre die Petition unter den 10 erfolgreichsten überhaupt. Als Verhandlungstermin im Petitionsausschuß nennt ParentsForFuture den 23.9.2019 als wahrscheinlichen Termin.

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, innerhalb der nächsten sechs Monate ein verbindliches, sektorübergreifendes Klimaschutzgesetz zu verabschieden, das zum Ziel hat, die Netto-Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell abzusenken und bis 2040 möglichst auf null zu reduzieren. Die Klimaziele müssen verbindlich, unaufschiebbarund überprüfbar sein. Das Klimaschutzgesetz muss so schnell wie möglich mit dem Ziel die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, in Kraft treten.  (Petition 92294)

Zum weiteren Verlauf

„Das zuständige Bundesministerium muss eine Stellungnahme zu unserem Anliegen verfassen, die dann im nächsten Schritt vom Ausschuss geprüft wird. Der Petitionsausschuss berät die Petition und verabschiedet eine Empfehlung, über die der Deutsche Bundestag dann beschließt. Ergibt die Beratung im Petitionsausschuss, dass die Petition insgesamt oder teilweise begründet ist (das hängt davon ab, wie die Abgeordneten im Ausschuss mehrheitlich dazu abstimmen), fasst der Deutsche Bundestag auf Empfehlung des Petitionsausschusses einen entsprechenden Beschluss, der der Bundesregierung übermittelt wird.“ https://parentsforfuture.de/petition/

Deutschland gegen Klimaambitionen der EU – und seit 14.5.2019 doch eher dafür…

…hierzu der Nachtrag ganz zu Beginn des Textes!

Der informelle EU-Gipfel am 9.5.2019 in Sibiu, Rümänien, hatte leider nicht das von der EU-Kommission gewünschte Ergebnis „On 9 May 2019, at a summit in Sibiu, Romania, national leaders are expected to mark the culmination of this process with a renewed commitment to an EU that delivers on the issues that really matter to people.“ EU Commission: Future of Europe.

Bereits Ende März hatte sich die Bundeskanzlerin namentlich der Bundesrepublik Deutschland gegen die Ambitionen der EU-Kommission einer CO2-Neutralität der Gemeinschaft ab 2050 gestellt. Dies hatten seinerzeit nur Polen, die Slowakei und Ungarn offen erklärt. Nunmehr kursierte ein von acht Staaten unterzeichnetes Papier, das die EU-Ambitionen ausdrücklich unterstützt Eight EU Countries Will Demand Decarbonization By 2050 At Sibiu Summit, Forbes 7.5.2019. Belgien, Dänemark,  Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Schweden und Spanien unterstützen das Ziel.

Die Haltung Deutschlands ist schon makaber und in einem klaren Widerspruch zu den plakatierten Bekenntnissen zu Europa und dem Klimaschutz im Vorfeld der Europawahl am 26. Mai.

2019-04-17 SPD Klimaschutz

Bild: Wahlplakat der SPD zur Europawahl am 26.5.2019 – Ein Plakat mit Symbolkraft für die Realität? – Wenig Bewegung, nur der weite Horizont. Passt leider zur aktuellen Politik (siehe unten).

 

Politiknotstand versus Klimanotstand?

Politiknotstand?

Mehr als 80% und mehr Parteianhänger in fünf von sechs Parteien im Deutschen Bundestag sehen Handlungsbedarf beim Klimaschutz mit einer hohen Priorität. Da passt die bremsende und spaltende Position der Bundesregierung überhaupt nicht ins Bild.

2019-05-02 Klimaschutz ARD DeutschlandTrend

Allerdings steht der Einigkeit über den Handlungsbedarf an sich eine sehr große Uneinigkeit über die Maßnahmen gegenüber. Dies spaltet auch die verschiedenen Ressorts in der Bundesregierung.

Immerhin werden die Positionen auch deutlich bestimmter, den Handlungsdruck anzuerkennen. Dies brachten am 13.5.2019 sowohl Umweltministerin Schulze bei dem internationalen Petersberger Dialog…

…als auch die Parteivorsitzende Nahles zum Ausdruck:

…Klimanotstand

Nach Großbritannien hat auch Irland den „Klimanotstand“ erklärt. In Deutschland erfolgte die bereits in den Städten Erlangen, Hamm und Konstanz. Mehrer Stadt- und Gemeinderäte werden hierüber demnächst beraten (z.B. 14.5. Köln) oder entsprechende Anträge erhalten (z.B. 28.5. Bonn).

Bosch setzt ein starkes Zeichen: Klimaneutral 2020

Am 9.5.2019 veröffentlichte die Robert Bosch GmbH unter „Denner’s View“ eine bemerkenswerte Stellungnahme des CEO Volkmar Denner “ Warum nicht jetzt, warum nicht wir? – Leitfragen zum Klimaschutz, die jedes einzelne Unternehmen beantworten muss.“ „Schon 2020 wird Bosch mit seinen 400 Standorten weltweit CO₂-neutral. Wir dürfen den Klimaschutz nicht nur ernst nehmen, wir müssen ernst machen.“.

Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien (Jahresverbrauch 2018: 7,8 Terrawattstunden = 7,8 Mrd. kWh) an den 400 weltweiten Standorten im Strombezug gesteigert und der verbleibende CO2-Ausstoß komplett kompensiert werden.

Bis 2030 plant Bosch die Qualität der Neutralstellung durch den Aufbau eigener Erzeugungskapazitäten für erneuerbare Energien weiter zu steigern und den Energieverbrauch um 1,7 tWh bzw. 21,8% zu senken.

In Zeiten von Klima- und Politiknotstand ein sehr bemerkenswertes Zeichen und eine anregende Lektüre über die Möglichkeiten des Klimaschutzes: Denner’s View: Warum nicht jetzt, warum nicht wir?

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden (s.u.).

Mitunterzeichner …ForFuture

Gerne bin ich den Aufrufen der „ScientistsForFuture“ www.scientists4future.org und „EntrepreneursForFuture“ www.entrepreneurs4future.de gefolgt und habe die jeweiligen Initiativen mitunterzeichnet.

Mitgestalter FridaysForFuture Bonn

In Bonn werden die Demonstrationen nicht wöchentlich, sondern im Regelfall monatlich organisiert. Für den 12. April 2019 hatten sich die Organisatoren ein etwas anderes Konzept ausgedacht: „Alternativer Unterricht“ wurde in zwei der drei Kundgebungsstunden als Workshops rund um den Bonner Münsterplatz angeboten.

Die Vorbereitung war auch für „Abgebrühte“ eine gewisse Herausforderung: Frei in einer Menschenmenge und auf einem öffentlichen Platz und jede(r) gesellt sich einfach dazu. Es waren diesmal am letzten Schultag vor Ostern bzw. dem Abitur „nur“ ca. 400 Teilnehmer(innen), es hat aber trotz frostigem Wetter viel Spaß gemacht. Hier ein Blick auf das „Klassenzimmer“:

Fotos: Ralf Breuer

Thema waren die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Sie beschreiben umfassend die Herausforderungen für eine nachhaltigere Welt. Da immer nur kleine Zeitfenster vorgesehen waren, wurden die Themen stark auf Ziel 13 Klimaschutz und Ziel 6 Wasser- und Sanitärversorgung eingegrenzt. Während die Teilnehmenden bekanntlich stark vom Klimaschutz motiviert sind, besteht für die weltweite Unterversorgung mit sauberem Wasser und sanitären Anlagen nur wenig Bewusstsein. Auch der im Vergleich zur Lebensnotwendigkeit (ca. 5 Liter) opulente Wasserverbrauch pro Kopf und Tag von 122 Litern war für Viele eine Überraschung.

Da sich das Konzept mit einer Doppelseite Informationen unter den schwierigen Bedingungen bewährt hat, wird es jetzt in der Zivilgesellschaft des Umkreises für jüngere und ältere Interessenten für ca. 1,5 Stunden angeboten. Je nach Alter können die Schwerpunktthemen mit spielerischen Elementen oder weiteren vertiefenden Gesprächen ergänzt werden. Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Einundsiebzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebzig: Klimaschutz

 

Bild/Beitragsbild: Medieninformation Munich Re vom 8.1.2019: Extreme Wirbelstürme, Waldbrände und Dürren verursachten 2018 hohe Schäden aus Naturkatastrophen

Inhalt:  Vorneweg: April, April vor dem 1. Mai; Europawahl: Nachhaltigkeit ist für alle Parteien ein zentrales Thema; …für weite Teile der Kreditwirtschaft immer noch nicht; Bundesregierung mit „Klimakabinett“; Canada mit CO2-Steuer; Schmerzhafte Folgen des Nicht-Handelns;  Petition 92294: Klimaschutz – Verabschiedung eines verbindlichen, sektorübergreifenden Klimaschutzgesetzes vom 17.03.2019; Tomorrow mit Publikumspreis bei Payment & Banking; In eigener Sache: #nachhaltige100; Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Mitunterzeichner …ForFuture; Mitgestalter FridaysForFuture Bonn; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

29. April 2019, ergänzt 30. April 2019 (Europawahl)

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg: April, April vor dem 1. Mai

Es wäre eine schöne Jubiläumsausgabe Nummer Siebzig geworden, aber es war halt der 1. April 2019: Greta Thunberg verkündet das Ende der Schulstreiks, weil alle (politischen) Entscheidungsträger zur Vernunft gekommen sind. Bundeskanzlerin Angela Merkel avisiert eine Kurswende mit wirksamen Maßnahmen für den Klimaschutz.

Während die Twitter-Botschaft von Greta Thunberg sofort als Aprilscherz gewertet wurde, kam die von dem deutschen Kanal der Nachrichtenagentur Reuters kreierte Meldung zum Kurswechsel der Bundesregierung ziemlich ernsthaft daher.:

Klimaschutz – Union stellt Weichen für „harte Entscheidungen“

Berlin (Reuters) – Wenn Kanzlerin Angela Merkel einen Wechsel in ihrer Politik vollzieht, kündigt sie das oft zunächst in Nebenbemerkungen an. de.reuters.com

Jedenfalls war das so nahe an den Hoffnungen Vieler, dass die taz sogar überlegte, die Druckerpressen zu stoppen.

Wie nah sich die Aprilmeldung vielleicht doch am Denken und zukünftigen Handeln der Bundeskanzlerin bewegen könnte, meldete dann am 2.4.2019 die Tagesschau auf www.tagesschau.de:

Wörtlicher Textauszug:

Klimaschutzgesetz noch in diesem Jahr geplant

Im Verkehrssektor sind die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen seit 1990 nicht gesunken. Sie sollen aber bis 2030 um 40 bis 42 Prozent gemindert werden. So steht es im Klimaschutzplan, zu dem Union und SPD sich im Koalitionsvertrag bekennen. Bis Ende dieses Jahres sind gesetzliche Vorgaben geplant.

Verkehrsminister Andreas Scheuer steht in der Kritik, zu wenig für den Klimaschutz zu tun. So hatte er etwa höheren Steuern fürs Autofahren ebenso eine Absage erteilt wie einem generellen Tempolimit auf Autobahnen.

„Das ist für uns gut“

Dass Schüler wöchentlich für den Klimaschutz demonstrieren, lobte die Kanzlerin in Berlin ausdrücklich. „Für mich als Politikerin ist diese Bewegung wichtig“, sagte sie. Es sei richtig, „dass ihr uns Dampf macht“. Denn es sei etwas in Gang gekommen, das zeige, dass sich die Menschen über die Zukunft sorgten.

Zwar könne man sicherlich nicht jeden Freitag auf Dauer zum schulfreien Tag erklären. „Aber dass dieses Signal gesetzt wird, ‚da gibt es Sorge‘ – das ist für uns gut.“

Voller Text der Meldung:  www.tagesschau.de

Europawahl 2019: Nachhaltigkeit ist für alle Parteien ein zentrales Thema

Vor der Europawahl 2019 am 26. Mai ist Nachhaltigkeit im Sinne der Agenda 2030 mit ihren 17 Oberzielen ein zentrales Thema für alle Parteien. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hat dankenswerter Weise die einzelnen Positionen durch einen Katalog von fünf Fragen bei den einzelnen Parteien erhoben und am 30. April auf seiner Internetseite zugänglich gemacht: Europawahl 2019: Mehr Nachhaltigkeit in der EU? Keine Frage!

Der vom RNE getroffenene Befund ist eindeutig:

  1. Zentral sind für alle Parteien die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und ihre 17 Ziele. Damit wird klar: das Thema Nachhaltigkeit ist in der gesamten Parteienlandschaft angekommen und genießt fraktionsübergreifend einen hohen Stellenwert.
  2. Alle großen Parteien haben eine Haltung zum Thema Nachhaltigkeit und sehen das Thema längst nicht mehr als marginales Politikfeld an. Ganz im Gegenteil. Ein Bewusstsein für großen Handlungsbedarf ist parteiübergreifend vorhanden und deutet auf einen größeren Stellenwert des Themas in der neuen Legislaturperiode des Europaparlaments hin.

Seit Dezember 2018 mit 14 Demonstrationen und überwiegend jungen Teilnehmer begann, setzte sich auch während der Osterferien in vielen Bundesländern fort: Wieder demonstrierten rund 28.000 junge und ältere Menschen in mehr als 70 deutschen Städten und Gemeinden für einen wirksamen Klimaschutz zur Bekämpfung des Klimawandels. fridaysforfuture.de. Weltweit waren es erneut rund 500 Veranstaltungen in 72 Ländern.

Junge, bei FridaysForFuture aktive Menschen haben die Europawahl schon mehrfach zur Klimawahl ausgerufen.Immer mehr ältere Menschen haben sich als Eltern, Großeltern, Wissenschaftler, Unternehmer oder in Berufsgruppen mit den Forderungen solidarisch erklärt und verstärkt an den Demonstrationen teilgenommen. Es ist deshalb verwunderlich, dass der Großteil der Parteien das Thema Klimaschutz vor der Europawahl eher zögerlich adressiert. Immerhin waren bei der Bundestagswahl 2017 knapp 5% aller Wahlberechtigten Erstwähler und insgesamt etwa 20% jünger als 29 Jahre (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Bei der Europawahl 2019 und auch bei Bundestagswahl 2021 ist von vergleichbaren Wähleranteilen auszugehen, weshalb die Zurückhaltung der Parteien beim Thema Klimaschutz etwas verwundert, da sowohl CDU/CSU (19,9% vs. 26,8%) und SPD (18,4% vs. 20,5%) bei den 18 bis 24 jährigen Wählern Zweitstimmenanteile unter ihren Gesamtergebnissen erzielten (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Es war übrigens schon im Herbst 2018 bemerkenswert, wie zentral „nachhaltige“ Themen wie Bildung, Wohnen und Klimaschutz im Wählerinteresse standen, ohne das die Politik dies im Wahlkampf aufgegriffen hätte. Beispiel Wahl zum Landtag in Bayern:

2018-10-14 Bayernwahl

Quelle: infratest dimap per WDR

Vor der Europawahl lässt sich durch Mitunterzeichnung der Petition 92294 noch ein Zeichen für den Klimaschutzt setzen (s.u.).

…für weite Teile der Kreditwirtschaft immer noch nicht

Während Nachhaltigkeit für große Teile der Bevölkerung und auch für alle Parteien ein zentrales Thema ist, behandeln weite Teile der deutschen Kreditwirtschaft es immer noch als Randthema. Dies ist vor dem Hintergrund demoskopischer Fakten und den tiefen Spuren von Klimarisiken im Tagesgeschäft mehr als verwunderlich.

Eine Mutter berichtete kürzlich von den Anlagevorschlägen für ihre noch nicht schulpflichtige Tochter: Obwohl sie aktiv Nachhaltigkeit als Geldanlagethema ansprach, wurden ihr nicht einmal die einschlägigen Produkte des Hauses angeboten. In Verbindung mit dem vorgeschlagenen Versicherungsangebot wäre eine Bewertung mit „ungenügend“ schon ein Kompliment. Dabei können auch in Deutschland durchaus sinnvolle Anlagen vorgenommen werden: SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Bundesregierung mit „Klimakabinett“

Die Bundesregierung gab am 20.3.2019 die Einrichtung eines „Klimakabinetts“ bekannt. Originaltext der Regierungspressekonferenz vom 20.3.2019: „Wie schon angekündigt, hat das Kabinett heute entschieden, einen Kabinettausschuss „Klimaschutz“ einzurichten. Der Ausschuss hat die Aufgabe, die rechtlich verbindliche Umsetzung des Klimaschutzplans sowie der für Deutschland verbindlichen Klimaschutzziele für das Jahr 2030 vorzubereiten. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass die Bundesregierung in diesem Jahr die gesetzlichen Regelungen dafür verabschieden will.

Dieser Kabinettausschuss wird alle mit dem Thema befassten Minister und Ministerinnen zusammenbringen. Vorsitzende ist die Bundeskanzlerin. Stellvertretender Vorsitzender ist der Bundesfinanzminister als Stellvertreter der Bundeskanzlerin. Die sogenannte Beauftragte Vorsitzende – so etwas gibt es in Kabinettausschüssen immer – ist die Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Weitere ständige Mitglieder sind der Bundesinnenminister, der Bundeswirtschaftsminister, die Bundeslandwirtschafts- ministerin, der Verkehrsminister, der Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun und der Chef des Bundespresseamtes, also ich. Andere Mitglieder der Bundesregierung können einbezogen werden, soweit sie in ihrer Zuständigkeit betroffen sind.“

Im Zuge dieser Schritte sind das Bundesumweltministerium und das Bundesverkehrsministerium nicht mehr für den Klimaschutz zuständig. Die Bundesumweltministerin wurde als „Beauftragte Vorsitzende“ des Klimakabinetts eingesetzt.

Die erste Sitzung des Kabinettsausschusses fand am 10.4.2019 statt. Ergebnis: Man trifft sich Ende Mai 2019 wieder mit ersten Ideen aus den beteiligten Ministerien…

Kanada mit CO2-Steuer

Kein Aprilscherz waren die Twitterbotschaften des kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau. In Kanada trat am 1.4. das Gesetz einer CO2-Steuer in Kraft.

Neben der Besteuerung des CO2-Ausstoßes sind Zahlungen von Anreizen an Provinzen, Kommunen, Institutionen und Privathaushalte vorgesehen. Das System wurde nach Provinzen auch in Bezug auf die Wirksamkeit und die Höhe der Zahlungen differenziert.

Informationen auf der Internetseite der kanadischen Regierung: Carbon pollution pricing – what you need to know

Schmerzhafte Folgen des Nicht-Handelns

Einwände…

Einwände gegen den Klimaschutz werden immer wieder in Einbußen im Status Quo, Kosten, Arbeitsplatzverlusten und vor allem dem nicht zielführenden Verhalten Anderer, z.B. auch Nachbarländern gesucht und gefunden. Vieles davon hat eine gewisse Berechtigung, aber auch ohne konsequente Maßnahmen haben Veränderungen Konsequenzen.

Allein die „Energiewende“ mit einem höheren Anteil von E-Mobilität wird zu beträchtlichen Arbeitsplatzverschiebungen und -verlusten in der deutschen Automobilindustrie führen, die (Rest-)Werte von fossil angetriebenen Fahrzeugen sich bereits seit längerem durch Dieselfahrverbote und verschärfte Abgasbestimmungen unter Druck, fossile Energieträger und mit ihnen bzw. für sie betriebene Produktionsanlagen verlieren an Wert. All dies könnte noch weiter verstärkt werden. Aber die Folgen sind bereits jetzt da und haben sich bereits tief in die Bilanzen der deutschen Wirtschaft und auch der gesamten Kreditwirtschaft gearbeitet.

…gegen das Nicht-Handeln

Gegen ein Stillhalten gibt es allerdings zu viele erdrückende Symptome für die Auswirkungen des Klimawandels:

  • Der heiße europäische Sommer des Jahres 2018 ist mit seinen Dürren und Waldbränden noch nicht vergessen, im April 2019 wurde aber schon vor erhöhter Waldbrandgefahr und fehlenden Wasserreserven der Natur gewarnt.
  • Der Rückversicherer Munich Re berichtet von USD 160 Mrd. Schäden aus Naturkatastrophen im Jahr 2018

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Quelle: Medieninformation Munich Re: Extreme Wirbelstürme, Waldbrände und Dürren verursachten 2018 hohe Schäden aus Naturkatastrophen

  • Das im S&P 500 gelistete kalifornische Energieversorgungsunternehmen PG&E (Pacific Gas and Electric) meldete am 29.1.2019 ein Insolvenzverfahren zur Restrukturierung an (Chapter 11, News release: PG&E Files for Reorganization Under Chapter 11)
  • Bereits seit über einem Monat führt ungewöhnlich warmes Wetter zu Überschwemmungen im mittleren Westen der USA und damit erheblichen Beeinträchtigungen der Landwirtschaft. Eine schnelle Schneeschmelze in den Rocky Mountains haben vor allem die Oberläufe der Flußsysteme von Missouri und Mississippi erfaßt…

Map

Quelle: Bloomberg 23.4.2019

  • …Während europäische Medien überwiegend von den Beeinträchtigungen in der Landwirtschaft und bei den Transportwegen berichteten, haben die diese Überschwemmungen allerdings noch ganz andere Dimensionen: In den Überschwemmungsgebieten befindet sich rund 30% der us-amerikanischen Anlagen für Ethanol,  Ende März wurden auch mindestens acht Gebiete mit toxisch verseuchten Böden (u.a. Arsene, Benzole, Zyanide) überschwemmt. Diese Gebiete sind offiziell klassifiziert und als sogenannte „Superfund Sites“ für eine Bodensanierung ausgewiesen.

Map

Quelle: Bloomberg 26.3.2019

  • Da die betroffenen Flußsysteme in südöstlicher Richtung zum Atlantik verlaufen und sehr langsame Fließgeschwindigkeiten haben, werden die mit Sedimenten ausgeschwemmten Giftstoffe über eine sehr große Distanz verteilt.

Schon ein Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage gibt zu denken. Noch viel mehr die eindrücklichen Warnungen von berufener Seite:

Rede von Mike Carney, Governor Bank of England, am 21.3.19 in Brüssel: A New Horizon. U.a.:  „Sadly with climate, history repeats not as a farce but as tragedy and with growing frequency.“

Am 28.3.19 stellten die Vereinten Nationen den aktuellen Bericht der globalen metereologischen Organisation WMO (World Metereological Organization) vor: WMO Statement on the state of the global climate in 2018. Ein kleiner Auszug aus der Vorstellung zeigt die Brisanz:

The WMO Statement on the State of the Global Climate in 2018, its 25th anniversary edition, shows how the physical signs and socio-economic impacts of climate change are accelerating as record greenhouse gas concentrations drive global temperatures towards increasingly dangerous levels.

Quelle UN: WMO State of Climate report is “yet another strong wake-up call.”, 29.3.2019

ESPAS (European Strategy and Policy Analysis System) begleitet die Arbeit von EU-Parlament, der EU-Kommission, dem EU-Rat und anderen. Der ESPAS Report 2019: Global Trends to 2030, 5.4.2019 beschreibt für den Fall des Nicht-Handelns bei fortschreitendem Klimawandel die wahrscheinlichen, ausnahmslos sehr dramatischen Szenarien:

Record-breaking warm nights increase five-fold in Europe and costs multiply in several areas: healthcare costs increase as no provisions have been taken to mitigate the impact of heat on older adults; wildfires continue to spread; migration rates increase, and production is significantly reduced by droughts, floods and other extreme events. In addition, climate change pushes more than 100 million people into extreme poverty by 2030 – overturning the important progress made since the 1980s. A growing sense of impeding doom and panic undermines and divides societies, putting at risk our cooperative structures at all levels and stretching the EU’s political stability to breaking point.

Petition 92294: Klimaschutz – Verabschiedung eines verbindlichen, sektorübergreifenden Klimaschutzgesetzes vom 17.03.2019

Seit dem 8.4.2019 kann die o.g. Petition mitgezeichnet werden, die sich an den Petitionsausschuß des Deutschen Bundestags richtet:

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, innerhalb der nächsten sechs Monate ein verbindliches, sektorübergreifendes Klimaschutzgesetz zu verabschieden, das zum Ziel hat, die Netto-Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell abzusenken und bis 2040 möglichst auf null zu reduzieren. Die Klimaziele müssen verbindlich, unaufschiebbar und überprüfbar sein. Das Klimaschutzgesetz muss so schnell wie möglich mit dem Ziel die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, in Kraft treten.

Begründung (Auszug)

Fridays for Future – eine Bewegung hat auch Deutschland erfasst. Tausende Schüler*innen und nun auch Erwachsene gehen für echten, effektiven Klimaschutz auf die Straße. Am 12. März 2019 veröffentlichten auch über 23.000 anerkannte Wissenschaftler*innen als “Scientists4Future” eine Erklärung, die schnelle Taten einfordert und die Klimastreiks der Schüler*innen fundiert unterstützt…

Voller Text, aktueller Stand und Mitzeichnung: Petition 92294

Das Petitionsrecht ist in Artikel 17 Grundgesetz verankert. Die Einreichung Mitzeichnung von Petitionen ist nicht durch Alter, aktives oder passives Wahlrecht, Staatsangehörigkeit und Wohnsitz beschränkt.

Mindestquorum für die Aufnahme einer Petition durch den Petitionsausschuss sind 50.000 Zeichner. Aktueller Stand (29.4.2019 15:40h: 23.020), wovon 5.000 in den letzten 24 Stunden zeichneten. Die Zeichnungsfrist ist noch bis zum 6.5.2019 offen. (Anm.: Die 89913 für eine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung von 130 km/h auf deutschen Autobahnen hatte 59.040 Mitzeichner).

Tomorrow mit Publikumspreis bei Payment & Banking

Mehrfach wurde hier über Tomorrow berichtet, das als neues FinTech-Unternehmen Nachhaltigkeit mit einem frischen Finanzdienstleistungskonzept „hip“ macht (siehe z.B. Nummer Neunundfünfzig. Die Nominierung zum „FinTech des Jahres 2018“ durch den renommierten Branchenblog und Veranstalter Payment & Banking konnte nach dem späten Start im Jahr am 16. November 2018 und der noch überschaubaren Zahl von Nutzern/Kunden (aktuell – 29.4.2019 16h: 4.083, Verdopplung seit 19. Februar, vgl. Nummer Sechsundsechzig).

Bei einem Jurypreis hätten sich vielleicht einige nicht gewundert. Das Konzept ist gut gemacht und funktioniert auch in eigenem Erleben reibungslos. Aber Publikumspreis? Da waren immerhin einige „Titanen“ mit großem Fanclub und üppigen Finanzierungsrunden am Start bzw. in der Auswahl! Also stand die persönliche Wette für den Gewinner bei „wenig(er) Nutzen, aber großer Fangemeinde.

Umso größer war dann die Überraschung, dass der weniger bekannte Neuling Tomorrow den Publikumspreis erhielt: FinTech des Jahres 2018 erhielt. Noch einmal ein „offizieller“ Glückwunsch nach Hamburg. Mit Eurer Karte brauche ich kein teures Blech (ähm Metall, Titan etc. als Karte). Es reicht, was drauf ist…

2018-11-28 Tomorrow11

In eigener Sache

#nachhaltige100

Auf der von der Triodos Bank Deutschland initiierten Liste der in sozialen Medien zum Thema Nachhaltigkeit aktiven Menschen rückte Investabel® wieder einen Platz auf den Rang 72 auf. Insgesamt war gegenüber dem Stand Anfang März 2019 nur sehr wenig Bewegung in den Platzierungen. Aktuelle Übersicht #nachhaltige100

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden (s.u.).

Mitunterzeichner …ForFuture

Gerne bin ich den Aufrufen der „ScientistsForFuture“ www.scientists4future.org und „EntrepreneursForFuture“ www.entrepreneurs4future.de gefolgt und habe die jeweiligen Initiativen mitunterzeichnet.

Mitgestalter FridaysForFuture Bonn

In Bonn werden die Demonstrationen nicht wöchentlich, sondern im Regelfall monatlich organisiert. Für den 12. April 2019 hatten sich die Organisatoren ein etwas anderes Konzept ausgedacht: „Alternativer Unterricht“ wurde in zwei der drei Kundgebungsstunden als Workshops rund um den Bonner Münsterplatz angeboten.

Die Vorbereitung war auch für „Abgebrühte“ eine gewisse Herausforderung: Frei in einer Menschenmenge und auf einem öffentlichen Platz und jede(r) gesellt sich einfach dazu. Es waren diesmal am letzten Schultag vor Ostern bzw. dem Abitur „nur“ ca. 400 Teilnehmer(innen), es hat aber trotz frostigem Wetter viel Spaß gemacht. Hier ein Blick auf das „Klassenzimmer“:

Fotos: Ralf Breuer

Thema waren die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Sie beschreiben umfassend die Herausforderungen für eine nachhaltigere Welt. Da immer nur kleine Zeitfenster vorgesehen waren, wurden die Themen stark auf Ziel 13 Klimaschutz und Ziel 6 Wasser- und Sanitärversorgung eingegrenzt. Während die Teilnehmenden bekanntlich stark vom Klimaschutz motiviert sind, besteht für die weltweite Unterversorgung mit sauberem Wasser und sanitären Anlagen nur wenig Bewusstsein. Auch der im Vergleich zur Lebensnotwendigkeit (ca. 5 Liter) opulente Wasserverbrauch pro Kopf und Tag von 122 Litern war für Viele eine Überraschung.

Da sich das Konzept mit einer Doppelseite Informationen unter den schwierigen Bedingungen bewährt hat, wird es jetzt in der Zivilgesellschaft des Umkreises für jüngere und ältere Interessenten für ca. 1,5 Stunden angeboten. Je nach Alter können die Schwerpunktthemen mit spielerischen Elementen oder weiteren vertiefenden Gesprächen ergänzt werden. Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

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Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Neunundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunundsechzig

 

2019-03-14 Klimawandel S4F

Inhalt: Noch mehr Klimaschutz…; Bundesregierung mit Klimakabinett, Aktion Mobilität; Nachhaltige Anlagen und Kredite immer verbreiteter; Was hat Apple Pay mit Nachhaltigkeit zu tun?; In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Mitunterzeichner …ForFuture; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

26. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Noch mehr Klimaschutz…

Nach dem vorläufigen Höhepunkt der weltweiten Demonstrationen für eine konsequente Bekämpfung des Klimawandels erklären sich in Deutschland immer mehr Berufsgruppen solidarisch. Neben mehr als 23.000 deutschsprachigen Wissenschaftlern haben zwischenzeitlich auch Landwirte, Unternehmer, Autoren, Lehrer sowie Mitarbeiter in Gesundheitsberufen Initiativen begonnen.

Auch Politiker sprechen sich parteiübergreifend für bessere Maßnahmen der deutschen Regierung aus. – Ein sehr aktiver Akteur der „PoliticiansForFuture“ ist der Bürgermeister von Eltville, Patrick Kunkel (CDU). Am vergangenen Wochenende rief auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz seine Parteikollegen auf, die nicht mehr nur noch jugendlichen Proteste für den Klimaschutz und gegen die geplante Urheberrechtsreform (§13) endlich ernst zu nehmen. Anderfalls verlöre die Partei eine ganze Generation.

Diese Entwicklungen sind nicht auf Deutschland beschränkt. So rief auch die (grüne) britische Parlamentsabgeordnete Caroline Lucas parteiübergreifend zur Ausrufung des Klimanotstands auf.

Bundesregierung mit „Klimakabinett“, Aktion Mobilität

Die Bundesregierung gab am 20.3.2019 die Einrichtung eines „Klimakabinetts“ bekannt. Originaltext der Regierungspressekonferenz vom 20.3.2019„Wie schon angekündigt, hat das Kabinett heute entschieden, einen Kabinettausschuss „Klimaschutz“ einzurichten. Der Ausschuss hat die Aufgabe, die rechtlich verbindliche Umsetzung des Klimaschutzplans sowie der für Deutschland verbindlichen Klimaschutzziele für das Jahr 2030 vorzubereiten. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass die Bundesregierung in diesem Jahr die gesetzlichen Regelungen dafür verabschieden will.

Dieser Kabinettausschuss wird alle mit dem Thema befassten Minister und Ministerinnen zusammenbringen. Vorsitzende ist die Bundeskanzlerin. Stellvertretender Vorsitzender ist der Bundesfinanzminister als Stellvertreter der Bundeskanzlerin. Die sogenannte Beauftragte Vorsitzende – so etwas gibt es in Kabinettausschüssen immer – ist die Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Weitere ständige Mitglieder sind der Bundesinnenminister, der Bundeswirtschaftsminister, die Bundeslandwirtschafts- ministerin, der Verkehrsminister, der Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun und der Chef des Bundespresseamtes, also ich. Andere Mitglieder der Bundesregierung können einbezogen werden, soweit sie in ihrer Zuständigkeit betroffen sind.“

Zusätzlich hat die Bundesregierung eine „Konzertierte Aktion Mobilität“ begonnen, in die Industrie und insbesondere die Automobilindustrie einbezogen wird. (Pressekonferenz nach dem Münchner Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft 15.3.2019).

Im Zuge dieser Schritte sind das Bundesumweltministerium und das Bundesverkehrsministerium nicht mehr für den Klimaschutz zuständig. Die Bundesumweltministerin wurde als „Beauftragte Vorsitzende“ des Klimakabinetts eingesetzt.

Nachhaltige Anlagen und Kredite immer verbreiteter

Am 1.4.2019 wird die „Global Sustainable Investment Alliance“ ihren Jahresbericht zum Jahr 2018 veröffentlichen. Der Bericht liefert erfahrungsgemäß interessante Einblicke in die aktuellen Entwicklungen. Er dürfte den starken Trend zur vermehrten Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Vermögensverwaltung bestätigen.

Auch im internationalen Firmenkreditgeschäft mit Großunternehmen werden verstärkt Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Mittlerweile wurden durch mehrere Organisationen freiwillige Leitlinien für Kredite mit Nachhaltigkeitsbezug formuliert (Loan Market Association (LMA), London, Loan Syndicated and Trading Association (LSTA), New York, Asia Pacific Loan Market Association (APLMA).

Als erste Notenbank hat die niederländische Zentralbank DNB die UN Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren „UN PRI“ unterzeichnet. Sie wird die Kriterien zukünftig bei der Auswahl von Asset Managern und anderen Kontrahenten anwenden. Die DNB erhofft sich, hierdurch weitere Finanzinstitutionen zur Anwendung der UN PRI motivieren zu können (Pressemitteilung vom 20.3.2019).

Was hat Apple Pay mit Nachhaltigkeit zu tun?

Mehr als viele annehmen und mehr als das Unternehmen selbst zur Einführung einer neuen digitalen Kreditkarte in den USA berichtet. Bzw.: Das Thema Nachhaltigkeit kommt in der Ankündigung der Apple Card gar nicht vor.

1. Die Apple Card in den USA

Apple begibt zukünftig in Kooperation mit Goldman Sachs eine Mastercard vollständig digital. Ein derartiges Verfahren hatte die Deutsche Bank bereits bei der Einführung von Apple Pay in Deutschland lanciert (Nummer Zweiundsechzig). Mit „Einfachheit, Transparenz und Datenschutz“ soll den Nutzern ein „gesünderes finanzielles Leben“ ermöglicht werden (Pressemitteilung vom 25.3.2019).

Die virtuelle Apple Card soll gebührenfrei sein und wird mit umfangreichen Bonusprogrammen verbunden. Eine Besonderheit ist die tägliche Gutschrift von Boni. Üblicherweise erfolgt die Gutschrift bei Bonusprogrammen auf monatlicher Basis. Insgesamt ist das Konzept an die marktüblichen Angebote in den USA angeglichen und bietet offenbar keine spezifischen Vorteile (Bloomberg 25.3.2019).

Anders als in Deutschland haben die Kunden der Apple Card die Möglichkeit, zusätzlich eine physische Karte zu beantragen, die auch dort eingesetzt werden kann, wo Apple Pay nicht akzeptiert wird. Diese Karte soll in einer edlen „Titan“-Version ausgegeben werden. Ob für diese Karte eine Gebühr erhoben wird, ist anhand der Pressemitteilung unklar. Die Markteinführung wurde für den „Sommer 2019“ avisiert. Die Karte wird nur den Namen von Karteninhaber/in tragen und keine weiteren sichtbaren Informationen.

iPhone showing Apple Card and stats.

Foto: Apple Inc.

Bei k(l)einer Gebührenbelastung für die Titankarten wäre dies vor allem ein Angriff auf kleinere Dienstleister wie Curve, N26 und Revolut, die mit hochpreisigen Metallkarten im Markt sind (vgl. Preisübersicht N26, Revolut, Tomorrow Stand 16.1.2019) und einen Start in den USA planen.

2. Was macht die Apple Card nachhaltig(er)?

In Deutschland werden rund 57 Mio. Smartphones genutzt (Quelle: statista 11.12.2018), die technisch reichlich dimensioniert sind. Gleichzeitig tragen alle 130 Mio. Bank- und Kreditkarten leistungsfähige Chips sowie Magnetstreifen, die zu einem erheblichen Teil nur wenig genutzt werden. Insofern wäre es deshalb naheliegend, andere Lösungen zu wählen, die diesen Materialeinsatz verringern. Eine Variante wären optische Lösungen (QR-Codes, vgl. Weniger Karten in die Brieftasche hier im Blog) oder die von den mobilen Bezahlangeboten genutzte NFC-Funktion der Smartphones, die dann auf den Karten selbst entfallen könnte.

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Mitunterzeichner …ForFuture

Gerne bin ich den Aufrufen der „ScientistsForFuture“ www.scientists4future.org und „EntrepreneursForFuture“ www.entrepreneurs4future.de gefolgt und habe die jeweiligen Initiativen mitunterzeichnet.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundundsechzig

 

2019-03-13 Betreutes Schwänzen

Beitragsbild/Bild: Cartoon Rabe via @ErnstvAll auf Twitter

Inhalt: Vorneweg: Nachhaltigkeit, Jugendproteste und Banken?; Nicht nur für Freitage – #FridaysForFuture; Auch in Deutschland wachsen Banken mit Werten; Tomorrow für alle und sofort; Weltbank mit neuer SDG-Anleihe; SustainableFinance – Anspruch ja, Handeln nein? In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg: Nachhaltigkeit, Jugendproteste und Banken?

Wieso so viel nachstehend über die jugendlichen Proteste an den #FridaysForFuture? Selbst wenn sich diese Welle abschwächt, ist der Klimawandel noch tiefer im Bewußtsein der Gesellschaft und Kunden angekommen. Eine Gruppe von 15 Banken hat in Deutschland mit einem inhaltlich abweichenden, aber jeweils starken Wertefokus über die vergangenen zehn Jahre eine bemerkenswerte Größe erreicht (s.u.).

Die australische Onlinebank UBank (500.000 Kunden) hat kürzlich sogar Einlagenkonten von der Climate Bonds Initiative (CBI) zertifizieren lassen. Üblicherweise zertifiziert die CBI internationale Klimaanleihen (Climate Bonds, Green Bonds). Ziel der UBank: Die Attraktivität für junge Kunden (Millenials) steigern.

Die zertifizierten Einlagen werden zweckgebunden in Projekten für erneuerbare Energie, CO2-armen Transport sowie energetisches Bauen verwendet. (Presseerklärung EN: Media release, 13 March 2019: Green Term Deposits: add some colour to your savings – Grüne Termineinlagen: bringen Sie etwas Farbe in Ihre Ersparnisse).

Nicht nur für Freitage – #FridaysForFuture…

Freitag, 15.3.2019 und schlechtes Wetter in Deutschland. Aber 300.000 junge und ältere Menschen mit der Forderung nach einem wirksamen Klimaschutz auf den Straßen. Insgesamt waren 199 Demonstrationen angekündigt, weltweit 2.052 in 123 Ländern (Quelle: www.fridaysforfuture.org). Tolle Bilder engagierter, um die Zukunft besorgter Menschen aus der ganzen Welt. Eine eindrucksvolle Zusammenstellung erstellte die New York Times.

Viel gescholten wurde in den letzten Tagen der Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP, Christian Lindner für seine Aussage gegenüber der BILD Zeitung.

D1QFVPuXgAA-UjR

Quelle: BILD Zeitung

Delikaterweise sah er das selbst im Alter von 17 Jahren ganz anders.

„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere handelt“

So formulierte er es am Schluß eines Videos, dass ihn als Schüler zeigt, der bereits mit einem Freund und Mitschüler als Unternehmensberater tätig ist.

…nicht nur Jungendliche

2019-03-15 Grandpa for Future

Quelle: @parents4future via Twitter

Zwischenzeitlich haben sich in Deutschland viele Regionalgruppen und über 100 Ortsgruppen engagierter Eltern informell als Parents For Future gebildet. Sie sind als Teilnehmer und Ordner bei den jugendlichen Protesten engagiert.

2019-03-15 Family for Future

Quelle: Benedikt Kirpes via Twitter

Und auch die Wissenschaft!

2019-03-15 SCI4Future 23000

Quelle: www.scientistsforfuture.de

Mehr als 23.000 aktive und ehemalige Forscher im deutschsprachigen Raum unterzeichneten den Aufruf von namhaften Wissenschaftlern zur Unterstützung der Demonstrierenden für einen konsequenten Klimaschutz. Auf 40 Demonstrationen trugen Forscher diesen Appell vor.

Beeindruckend und erschütternd zugleich war die initiale Pressekonferenz am 12.3.2019 in Berlin, bei der vier renommierte Wissenschaftler die Forderungen der „ScientistsForFuture“ vortrugen. Und neben den Wissenschaftlern waren mit Luisa Neubauer und Jakob Blasel auch auch zwei aktive junge Aktivisten auf dem Podium.

Der hörens- und lesenswerte Appell als Video und Stellungnahme sind auf der Internetseite der Wissenschaftler verlinkt: https://www.scientists4future.org/presse/

Mit 16 für den Friedensnobelpreis nominiert!?

Drei norwegische Abgeordnete haben die beispielgebende Greta Thunberg, die die Schulstreiks allein in Stockholm begann, am 14.3.2019 für den Friedensnobelpreis nominiert. In jedem Falle ein weiteres starkes Zeichen an die jugendlichen Demonstranten.

Und dann?

Sicherlich wird die Protestwelle irgendwann an Kraft verlieren. Aber es ist interessant zu lesen, welche Ergebnisse Massenproteste in den letzten 50 Jahren hatten. Die britische Seite für Wissenschaftsjournalismus The Conversation hat dies in einem Artikel sehr nüchtern und anschaulich zusammengefasst (EN): School climate strikes: what next for the latest generation of activists?

Immerhin gab es am 18.3.2019 um 16:10h große Worte von Bundesumweltministerien Svenja Schulze zu den Absichten der Bundesregierung:

Auch in Deutschland wachsen Banken mit Werten

Nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen des Bundesverbands Deutscher Volk- und Raiffeisenbanken (BVR 12.3.2019) haben die Banken mit einem starken (kirchlichen, nachhaltigen oder ökologischen) Wertefokus in Deutschland 2018 eine summierte Bilanzsumme von rund € 65 Mrd. (BVR, Unternehmensangaben, eigene Berechnungen)erreicht und übertreffen damit deutlich die größte deutsche Sparkasse in Hamburg (Bilanzsumme H1 2018: € 44 Mrd.) deutlich.

In der genossenschaftlichen Finanzgruppe 7 dieser Banken zu den 25 größten Instituten. Bemerkenswert ist das Wachstumstempo dieser Bankengruppe: Bei der Bilanzsumme und den Einlagen wuchs sieh im Durchschnitt der letzten 10 Jahre um 0,5 Prozentpunkte stärker als die gesamte genossenschaftliche Finanzgruppe, bei den Kundenforderungen sogar um zwei Prozentpunkte (BVR, Unternehmensangaben, eigene Berechnungen). Rekordhalter ist die GLS Bank, deren Bilanzsumme sich in der Bilanzsumme seit 2008 nahezu versechsfachte, was in allen drei Positionen einem jährlichen Wachstum von annähern 18% über diesen Zeitraum entsprach.

Tomorrow für alle und sofort

Seit dem Start am 16. November 2018 konnte Tomorrow 2.925 Nutzer begrüßen (Stand: 18.3.2019 10:30h, Tomorrow App). Seit dem 11.3.2019 können Interessanten sofort Kunden werden. Bis dahin war dies nur über einen Platz auf der Warteliste und einen persönlichen Einladungscode möglich. Tomorrow wollte hierdurch einen reibungslosen Start sicherstellen. Dies scheint insgesamt gelungen wie ein Blick in die (offene) „Tomorrow Communitiy“ auf Facebook zeigt: Tomorrow Community – Öffentliche Gruppe

 

2018-11-21 Tomorrow4

Tomorrow finanziert aus Interbankgebühren Baumpflanzungsprogramme. Eine Idee, die gut angenommen wird. So z.B. auch in China: Green Digital Finance.

Weltbank mit neuer SDG-Anleihe

Das Nachhaltigkeit weit über ökologische Bemühungen hinaus reicht, wird anhand einer von der Weltbank am Weltfrauentag (8.3.) platzierten neuen Anleihe deutlich. Eine fünfjährige Anleihe über 500 Mrd. indonesische Rupien (IDR, USD 35 Mio.) dient der Bekämpfung von Hunger und Armut sowie der Gleichstellung von Frauen in ländlichen Regionen. Damit werden gleich drei der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) gleichzeitig adressiert.

Sustainable Finance – Anspruch ja, Handeln nein?

Eigentlich hebt man sich für den Schluss etwas Gutes auf. Hier allerdings die weniger schöne, eher betrübliche Nachricht: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundsechzig: Ein Jahr EU-Aktionsplan berichtete von dem Anspruch „Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen“ (sic). Allerdings: Die nächste hochrangige Konferenz zu diesem Thema am 21.3.2019 in Brüssel findet erneut ohne nennenswertes Engagement Deutschlands statt. Jedenfalls steht das Programm hierzu in einem eklatanten Widerspruch: High-Level Conference on Sustainable Finance: A global approach to sustainable finance.

Schon im vergangenen Jahr war das Fehlen prominenter deutscher Vertreter auffällig: Der Finanzminister Olaf Scholz war avisiert, aber nicht anwesend. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel war auf dem Weg nach Brüssel. Srecher waren u.a. Michael Bloomberg, Jean-Claude Juncker und Emmanuel Macron. (Bericht am 25.5.2018: Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung).

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundsechzig: Ein Jahr EU-Aktionsplan

Beitragsbild: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

 

Inhalt: Ein Jahr EU-Aktionsplan; Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen (sic); Polen mit € 2 Mrd. Green Bonds; Was sagen Finanzminister und Sparkassenpräsident?; #Rosenmontag4Future; Oskar ohne Zukunft?; Kreditkarten: Gestern, heute, morgen; Sparda-Bank München: Nachhaltigkeit und Ökonomie; In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

8. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Ein Jahr EU-Aktionsplan

Am 8.3.2018 veröffentlichte die EU-Kommission ihren Aktionsplan für Nachhaltigkeit in der europäischen Finanzwirtschaft. Bei der öffentlichen Präsentation und Diskussion am 22.3.2018 unterstützte der französische Staatspräsident den Plan mit einem starken persönlichen Appell vor Ort. Was ist seither geschehen? – Je nach Blickwinkel liegt der Befund zwischen „reichlich viel“ und „herzlich wenig“. Einige Beispiele:

Reichlich viel…

  • Der heiße Sommer 2018 mit Dürre und Waldbränden schärften das Bewußtsein der breiten europäischen Bevölkerung für den Klimawandel
  • Breite Bevölkerungsschichten solidarisierten sich parteiübergreifend gegen die Rodung des Hambacher Forstes
  • Drohende Dieselfahrverbote und die Energiewende arbeiteten sich bereits tief in die Bilanzen und Perspektiven der gesamten (Kredit-)Wirtschaft
  • Klimarisiken haben aufsichtlich eine hohe Relevanz
  • Auch andere Themen von Nachhaltigkeit wie Bildung und bezahlbares Wohnen haben für die Wahlberechtigten einen hohen Stellenwert
  • Mit den Schulstreiks nach dem Beispiel der sechszehnjährigen Schwedin Greta Thunberg ist der Klimaschutz zu einer wesentlichen Forderung junger Bevölkerungsschichten geworden
  • Private (BdB) und öffentliche (VÖB) Banken sowie viele globale Stimmen in der Finanzindustrie haben den EU-Aktionsplan begrüßt
  • Die EU-Expertengruppe hat zwischenzeitlich einen ersten Entwurf für die Klassifizierung von nachhaltigen Finanzprodukten vorgelegt (sogenannte „Taxonomie“)

Herzlich wenig…

  • Die Rodung im Hambacher Forst wurde gerichtlich ausgesetzt, nicht aus Gründen der Staats- oder Unternehmsräson
  • Die Bundesregierung der der Ministerialapparat hat sich bei verschiedenen Gelegenheiten zustimmend zum EU-Aktionsplan geäußert. Allerdings sieht der Beschluß des Staatssekretärausschusses für nachhaltige Entwicklung vom 25.2.2019 lediglich den Anspruch auf einen „führenden Finanzplatz Deutschland“ einen „Strategieentwurf“, jedoch keine konkreten Umsetzungsschritte vor
  • Die größten deutschen Finanzgruppen haben sich bei Nachhaltigkeit kaum oder gar nicht positioniert (Anm.: Vielleicht ändert sich dies am 4.6., s.u.)
  • Die Politik und Teile der Öffentlichkeit bewerten die jugendlichen Proteste für besseren Klimaschutz zum Teil – wider die eigene (politische) Vernunft

Greta Thunberg kam sowohl beim Weltklimagipfel 2018 in Katowice als auch beim Weltwirtschaftsgipfel 2019 in Davos zu Wort. In Katowice stellte sie sinngemäß fest: „Politiker wollen nicht die Welt retten, sondern die nächsten Wahlen gewinnen“.

In diesem Punkt scheint sie zu irren: Etwa fünf Prozent oder 3 Mio. der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl 2017 waren Erst- und Jungwähler. Nur die FDP konnte in dieser Altersgruppe bis zu 24 Jahren einen Zweitstimmenanteil über dem Wahlergebnis erzielen. Trotz der abnehmenden Geburtenzahlen in den Jahren 1999 bis 2002 werden bis zur nächsten Wahl 2021 weitere 3 Mio. junge Menschen wahlberechtigt. (Quellen: Destatis, gerne die relevanten Links bei Bedarf).

Zusammen mit den jungen Menschen, die sich als Studenten mit den Demonstranten bei #FridaysForFuture solidarisieren und den wachsenden Initiativen Erwachsener (#ParentsForFuture, #ScientistForFuture) erscheint die rüde Ablehnung der Schülerinitiativen durch einige Politiker ungeachtet der dafür genannten Gründe politisch kaum opportun, wenn die Sache in sich nicht bestreitbar ist.

Was für die Politik gilt, gilt noch mehr für die Kreditwirtschaft: Jung- und Erstwähler sind das zahlenmäßig größte Potenzial neuer Kunden. Und was die jungen Menschen fordern, wird nahezu jeden Freitag ausgesprochen.

Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen (sic)

So lautet der Originalton der Mitteilung des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung (BPA) vom 26.2.2019 (BPA 26.2.2019) zur Sitzung des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung am Vortag. Und weiter:

„Schwerpunkt der gestrigen Sitzung des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung unter Leitung von Bundesminister Prof. Helge Braun im Bundeskanzleramt war das Thema Nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance). Darunter versteht die Bundesregierung, dass Nachhaltigkeitsaspekte von Finanzmarktakteuren bei Entscheidungen berücksichtigt werden. An der Sitzung nahmen die für Nachhaltigkeitsthemen zuständigen Staatssekretäre der Bundesministerien sowie externe Expertinnen und Experten teil.

Initiiert vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) beschloss der Staatssekretärsausschuss, eine Sustainable Finance-Strategie der Bundesregierung zu entwickeln. Damit soll Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort ausgebaut werden.“

Liest sich erst einmal gut, aber wirklich konkret wird Nachhaltigkeit in Finanzwirtschaft (Sustainable Finance) damit nicht. Zunächst einmal geht es um Strategie. Und dies fast genau ein Jahr nach der Veröffentlichung des Aktionsplans der EU-Kommission (Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung) und ein halbes Jahr nach dem zweiten deutschen „Sustainable Finance Gipfel“ mit starker Beteiligung verschiedener Bundesministerien (Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfzig – Sustainable Finance Gipfel Deutschland).

Die Begebung von Klima- oder Nachhaltigkeitsanleihen (Green Bonds, Sustainability Bonds) wird derzeit lediglich für die Anschlußfinanzierung laufender Anleihen erwogen. Neue Projekte, insbesondere für den Klimaschutz und die Energiewende sind demnach nicht geplant. Aus ökonomischer Sicht ist die „schwarze Null“ im derzeitigen Zinsumfeld ohnehin nicht rational. Entweder sollte entschuldet werden oder aber das Zinsniveau für die Finanzierung langfristiger Infrastrukturprojekte genutzt werden. Dass der Markt hierfür sehr aufnahmebereit wäre, wurde an zwei Emissionen des polnischen Staats deutlich.

Polen mit € 2 Mrd. Green Bonds

Ab dem 7.3.2019 werden an der Börse Luxemburg zwei Anleihen der Republik Polen notiert, die den internationalen Standards für Green Bonds (Green Bonds Principles) und dem von dem Land selbst gesetzten Standard genügen. Sie sind mit einer „zweiten Meinung“ von Sustainalytics versehen.

Bei der Platzierung der Anleihen über € 1,5 Mrd (1%, 10 Jahre) und € 500 Mio. (2%, 30 Jahre) lag das Zeichnungsvolumen mit € 3,5 Mrd. bzw. € 1,5 Mrd. deutlich über den Emissionsvolumina. Die Mittelverwendung ist auf Projekte in folgenden Bereichen beschränkt: Erneuerbare Energien, Eisenbahninfrastruktur, nachhaltige Landwirtschaft, Wiederaufforstung, Nationalparks, Renaturierung kontaminierter Landschaften. U.a. ist auch die Verwendung der geschaffenen Infrastruktur für den Transport fossiler Brennstoffe (insbesondere also Kohle) ausgeschlossen. Auf der Internetseite der polnischen Regierung sind die Unterlagen zur Dokumentation bereitgestellt: Ministry of Finance – International Bonds.

Was sagen Finanzminister und Sparkassenpräsident ?

Am 5.3.2019 versandte der Rat für Nachhaltige Entwicklung das Programm der 19. Jahreskonferenz. Auf der Referentenliste sind neben Union-Vorstand Alexander Schindler auch Finanzminister Olaf Scholz und DSGV-Präsident Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis. Beide Persönlichkeiten haben sich bisher zu Nachhaltigkeit nicht als Herzensangelegenheit geäußert.

Insofern wird es interessant sein, wie sich Herr Dr. Schackmann-Fallis in einem Podiumsgespräch und der Finanzminister in der darauf folgenden dreissigminütigen Rede äußern werden.

#Rosenmontag4Future

Die von Jaques Tilly entworfenen Mottowagen aus dem Rosenmontagszug in Düsseldorf werden üblicherweise zerstört. Nicht aber dieser Wagen mit der Darstellung von Greta Thunberg, der sechzehnjährigen schwedischen Klimaaktivistin, die als Ideengeber für die Freitagsdemonstrationen – #Fridays4Future bzw. #Fridays4Future – für den Klimaschutz gilt:

2019-03-06 Karneval Duedo Greta Thunberg

Bild: WDR/Hanna Makowka

Der Westdeutsche Rundfunk berichtete, dass der Künstler den Wagen der Schülerbewegung für den Klimaschutz „Fridays For Future“ schenkt, um deren Kampagnen zu unterstützen (www.1wdr.de). Mittlerweile beteiligen sich auch immer mehr Erwachsene in Deutschland und bilden Ortsgruppen „Parents For Future“ oder auch berufsgruppenspezifisch wie in der Wissenschaft (#Scientist4Future).

Mit den Schulstreiks und Schülerprotesten wird das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit stark in die Familien und das Alltagsleben getragen. Dies wirkt sich unmittelbar auf das Kauf- und Nachfrageverhalten in Deutschland aus. Was wäre einfacher als beispielsweise das Geldvermögen für Nachhaltigkeit einzusetzen? Grundsätzlich ist es einfach, allerdings aufgrund des mangelnden Angebots der großen Finanzgruppen unbequem. Vor diesem Hintergrund hat die Union Investment mit ihrem neuen Angebot PrivatFonds: Nachhaltig (Nummer Dreiundsechzig) einen sehr guten Startpunkt erwischt.

Mehr zu Geldanlagen in Nachhaltigkeit, die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen: SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Oskar ohne Zukunft?

Die Zahl der Onlineangebote für die Vermögensverwaltung in Deutschland schwankt stark. Einige Anbieter haben ihre Dienstleistungen nach kurzer Frist wieder eingestellt, neue kommen hinzu. So auch „Oskar“ (www.oskar.de), eine Ausgründung des Medienportals finanzen.net aus der Axel Springer-Gruppe. Die flotten, im Du gehaltenen Texte suggieren eine jugendliche Ansprache. Allerdings nicht inhaltlich wie mit nachhaltigen, z.B. klimabewußten Geldanlagen. Geboten wird lediglich das Programm von scalable capital mit ETF-Portfolien und Risikomanagement. Da wäre ein inhaltlicher Bezug zu den aktuell bewegenden Inhalten der Jugendlichen und ihrer Eltern deutlich glücklicher gewesen.

Die Kombination Medien und Vermögensverwaltung ist relativ selten, allerdings ist es um den mit viel Getöse angetretenen Zukunftsfonds bereits nach sehr kurzer Zeit sehr ruhig geworden (vgl. Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag).

Kreditkarten: Gestern, heute, morgen

Gestern…

…war Kreditkarte vor allem American Express, Diners Club, Mastercard oder Visa. Dann wurden vor rund 20 Jahren die Karten vergoldet, mit mehr oder weniger nützlichen Versicherungen kombiniert sowie Kooperationen mit Autoherstellern, Fluggesellschaften und anderen Unternehmen gesucht, um die Markenbindung zu übertragen. Und Kreditkarten hatten eine gewisse einkommens- bzw. bonitätsabhängige Exklusivität. Und Zahlung war Papier.

Und vor etwa 18 Monaten war Kreditkarte auch etwas von Ausbeutung: Die Artikel zu den Praktiken bei dem britischen FinTech Revolut (deutsche Seite) wurden auch von Gründer Nikolay Storonsky im Blog des Unternehmens nicht dementiert: Revolut’s culture: the past, the present and the future. So wurden Bewerber aufgefordert, vor einer Entscheidung über die Bewerbung (!) zunächst einmal 200 neue Kunden zu werben, um ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen. Auf diese Art wurden Marketingkosten gespart und trotzdem 2,8 Mio. Kunden gewonnen. U.a. wurde ständige Verfügbarkeit der Mitarbeiter erwartet und bei Verfehlung von Zielvorgaben ohne Aussprache gekündigt: Revolut insiders reveal the human cost of a fintech unicorn’s wild rise. In der Summe führte dies zu starker Fluktuation und zeitweise vielen offenen Stellen.

…heute…

…kann Kreditkarte jede(r), zumindest als direkt auf dem Konto belastete „Direct Debit“-Karte oder vorausbezahlte „Prepaid“. Sogar kostenlos und ohne Schufa. Einfacher als eine normale Kontokarte bzw. Girocard bei einer Bank.

Und es gibt auch ein Konto dazu: Bei o.g. Revolut in Pfund und Euro mit günstigen Devisen- bzw. Sortengeschäft. Und in der Grundstufe kostenfrei. Dies gibt es auch bei N26 aus Deutschland (vgl. Nummer Vierundsechzig).

Etwas anders ist das Modell von Curve (ausführlich: Tobias Baumgarten, Curve – die Kreditkarte für alle Fälle). Es handelt sich hier beim Basisangebot „Curve Blue“ um eine kostenlose Mastercard ohne Konto. Dafür besteht die Möglichkeit, in der App alle Kreditkarten von American Express, Mastercard und Visa aufzuspielen, auszuwählen und sogar rückwirkend nach der Zahlung die belastete Karte zu ändern. Curve verschlankt also die Brieftasche, Karten können nicht verloren oder gestohlen werden und Curve kann über die App sofort gesperrt werden.

Und Curve ist auch „Kundenerlebnis“: Nach einer Aktualisierung der App dauerte es beim Verfasser einen Monat bis die App wieder wie gewohnt funktionierte und nicht jungfräulich auf einen Neukunden wartete. Der Service stellte mehrfach die gleichen Fragen und am Ende sogar die nach der Zufriedenheit mit der „Hilfe“.

Aber warum dann hier ein paar Zeilen dazu? Curve, N26 und Revolut haben jeweils auch Kreditkarten aus Metall im Angebot. Echte Menschen zeigen sie ganz begeistert und bejubeln den Erhalt in sozialen Medien. Ja, und sie zahlen für diese Stücke auch – freiwillig – sportliche monatliche Preise von GBP 14,99, € 16,90 bzw. € 13,99 (Stand: 7.3.2019) – bei Curve und N26 sogar in drei Farben…

2019-03-07 Curve

Quelle: Curve

Eine sportliche Jahresgebühr für etwas zum Einmalzeigen? Erinnert an Pokemon, Scoubidou, Tamagotchi. Kamen alle und hielten sich nicht lange.

Länger dürfte sich dagegen Tomorrow halten: Girokonto und direkt gebuchte Mastercard kostenlos. Und alles auf Nachhaltigkeit. Und auch eine Karte als Hingucker, voll im aktuellen Zeitgeist der protestierenden Jugend:

2018-11-21 Tomorrow4

Tomorrow finanziert aus Interbankgebühren Baumpflanzungsprogramme. Eine Idee, die gut angenommen wird. So z.B. auch in China: Green Digital Finance.

…und morgen?

„Morgen“ wird sehr wahrscheinlich auch Tomorrow auf den Hinguckereffekt bei den Karten verzichten. In Asien und Afrika sind gar keine Karten gebräuchlich und in europäischen Luxusgeschäften, Flughäfen sowie auch in den Taxis von New York und San Francisco zahlen chinesische Touristen mit QR-Codes auf ihren Smartphones. Vorteil: Es wird keine stationäre Infrastruktur benötigt, nicht einmal Strom aus der Steckdose.

Und noch ein Vorteil: Die Karte mit Chip und Magnetstreifen kann komplett entfallen. Verschlankt die Brieftasche noch weiter und spart enorm wertvolle Rohstoffe. – Karten vielleicht aus nachwachsenden Rohstoffen? Klingt gut, aber wegen der Chips und weiterer Gründe eben doch nicht gut: Karte bio, alles gut? – Leider nicht…

Für Smarphonenutzer ist der Kartenverzicht ganz leicht zu bewerkstelligen. Bei der Einführung von Apple Pay konnte ausgerechnet die Deutsche Bank mit einer virtuell begebenen Karte punkten:

Quelle: Jochen Siegert via Twitter/Deutsche Bank

Und vor diesem Hintergrund und mit der Metallkarte als margenstärkstem Produkt startet N26 in Brasilien. Gegen einen Wettbewerber mit ähnlichem Angebot und bereits 5 Mio. Kunden… Nubank – Wikipedia EN. Nach eigener Aussage hat N26 die Ambition von 100 Mio. Kunden weltweit. Auch in Afrika und Asien?

Sparda-Bank München – Nachhaltigkeit und Ökonomie

Für Leser, denen der Aktionsplan zu theoretisch, Tomorrow zu exotisch oder die GLS Bank zu grün ist, kann Blick auf die größte Genossenschaftsbank in Bayern und bundesweite Nummer Neun im Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) und deren Pressemitteilung vom 27.2.2019 empfohlen werden: Bilanz 2018: Sparda-Bank München verbindet erfolgreich Nachhaltigkeit und Ökonomie.

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

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Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechsundsechzig

 

Beitragsbild: ARD auf der Grundlage Pew Research Center

 

Inhalt:  BlackRock: An Nachhaltigkeit führt kein Weg mehr vorbei; Klimawandel = Bedrohung Nr. 1; Irische Zentralbank: Klimarisiken hoch relevant; Nachhaltigkeit + Europäische Union: Ziele 2030 + 2050; Afrika: Boomende Gründerszene, insbesondere FinTech; Drei Monate Finanzdienstleister Tomorrow; In eigener Sache:  Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

19. Februar 2019,

Dr. Ralf Breuer

BlackRock: An Nachhaltigkeit führt kein Weg vorbei

In der Studie BlackRock Investment Institute – Sustainability: The future of investing legt BlackRock dar, wieso kein Weg an Nachhaltigkeitskriterien in der Anlageentscheidung vorbei führt. So heißt es in der Einleitung:

Sustainable investing was once viewed as a trade-off between value and “values.” Yet today, it’s something investors can no longer afford to ignore. What has changed? More granular data, more sophisticated analysis and shifting societal understanding of sustainability as well as growing awareness that certain factors — often characterized as environmental, social and governance, or ESG — can be tied to a company’s long-term growth potential.

Auch BlackRock erwartet, dass Nachhaltigkeit zum „Mainstream“ und damit zum Regelfall in der Mittelanlage wird. Mit den iShares dominiert das Unternehmen den europäischen Markt deutlich vor der Deutschen Bank, die mit den „Xtrackers nur rund 20% des Volumens verwaltet (Quelle: Morningstar).

BlackRock erwartet bis 2028 eine Verdopplung der in nachhaltige Themen investierten Mittel auf USD 1,5 Bio., davon USD 400 Mrd. in ETFs

Klimawandel = Bedrohung Nr. 1

Im Zuge der Berichterstattung über die internationale Sicherheitskonferenz in München zitierte die ARD aus der am 10.2.2019 erschienen Studie zu den in 26 Ländern empfundenen Bedrohungen (Climate Change Still Seen as the Top Global Threat, but Cyberattacks a Rising Concern). Danach wird der Klimawandel in Deutschland sowie 12 weiteren Ländern als die größte Bedrohung empfunden:

2019-02-15 MSC Risiken

Interessanter Aspekt, dass in den vom Anstieg des Meeresspiegels bedrohten Niederlanden Cyberattacken im einzigen Lande als die größere Gefahr angesehen werden:

Quelle: Pew Research Center – Climate Change Still Seen as the Top Global Threat, but Cyberattacks a Rising Concern

Irische Zentralbank: Klimarisiken hoch relevant

Die irische Zentralbank betront in einem „Economic Letter“, dass sie die Behandlung von Klimarisiken (Klimawandel, Energiewende) als strategische Priorität bei ihrer Aufgabe der Sicherung monetärer und finanzieller Stabilität ansieht. Dabei nennt sie vier wesentliche Problemfelder:

  1. Der Klimawandel beeinflußt das gesamtwirtschaftliche Geschehen. Unmittelbar durch Wetterereignisse und die Energiewende, mittelbar über eine veränderte Erwartungsbildung der Konsumenten
  2. Klimarisiken können systemische Risiken für die Finanzmärkte werden
  3. Auch die Konsumenten sind auf vielfältige Art und Weise vom Klimawandel betroffen
  4. Aufgrund der strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft ergeben sich auch Auswirkungen auf das Investitionsverhalten und dessen Finanzierung

Stabilitätsrisiken sieht die Zentralbank vor allem dann, wenn sich die notwendige Abkehr von CO2-intensiven Technologien zu langsam vollziehen sollte. Dann würden gesamtwirtschaftlich und finanziell größere Risiken drohen. In der Zusammenfassung werden die unterstellten Mechanismen noch einmal prägnant beschrieben:

„…the long-term resilience of
the financial system is threatened if the balance sheets of financial institutions, households
or firms (and, more generally, macroeconomic performance) are excessively vulnerable to
climate risks: climate resilience is an integral component to the overall resilience of the financial system and the economy.“

Quelle: Philip Lane: Climate Change and the Irish Financial System, 5.2.2019. (Philip R. Lane ist Vorsitzender der irischen Zentralbankkommission und Governor der Bank.

Welche Phänomene dabei auch zu berücksichtigen sind, haben Forscher der Stanford University für die US-Stadt Annapolis (Maryland) aufgezeigt: Aufgrund des gestiegenen Meeresspiegels ist die Anzahl der Tidenhochwasser deutlich angestiegen. Bei Überschwemmungen in Küstennähe gingen die Umsätze des Einzelhandels spürbar zurück. (Stanford researchers find rising seas can hurt local economies, Stanford News 15.2.2019).

Spiegel online berichtete am gleichen Tag von rund 3,2 Mio. Menschen in Deutschland, die laut wissenschaftlichem Dienst des Deutschen Bundestags in Risikogebieten leben. (Steigender Meeresspiegel – Die Flut vor der Haustür).

Nachhhaltigkeit + Europäische Union: Ziele 2030 + 2050

Die EU-Kommission sieht Europa als eine treibende Kraft für die Erreichung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, den Sustainable Development Goals, SDGs. In einem Reflektionspapier hat sie die aktuellen Überlegungen für die Erreichung der Ziele im Jahr 2030 dargelegt: TOWARDS A SUSTAINABLE EUROPE BY 2030. Dabei stellt sie drei Varianten zur Diskussion:

  1. Eine umfassende Strategie für die EU mit konkreten, bindenden Zielgrößen 2030 für die Mitglieder
  2. Keine bindenden Beiträge für die Mitglieder zur Erfüllung des Gesamtziels der Gemeinschaft
  3. Umorientierung auf die Unterstützung von Nicht-Mitgliedern und Fortsetzung der Bemühungen auf dem Niveau der Gemeinschaft

Damit wird bereits deutlich, dass die Kommission das offensichtliche Fehlen einheitlicher Vorstellungen unter den Mitgliedsstaaten berücksichtigt hat.

Am 18.2.2019 „begrüßte“ der Rat „Auswärtige Angelegenheiten“ (Foreign Affairs Council), das Gremium der Außenminister in der EU, eine klima-neutrale Zielsetzung der Gemeinschaft für 2050. In der Schlusserklärung wurde eindringlich zu verstärkten Anstrengungen für den Klimaschutz gemahnt. Offenbar fiel es leicht, sich auf Ziele weit jenseits der eigenen Mandats- und Amtsperioden zu vereinbaren (COUNCIL CONCLUSIONS ON CLIMATE DIPLOMACY, 18.2.2019).

Afrika: Boomende Gründerszene, insbesondere FinTech

Das World Economic Forum (WEF) berichtet über einen Boom von Unternehmensgründungen in Afrika, insbesondere auch im Bereich von Finanzdienstleistungen. Insgesamt wurden 2018 USD 725 Mio. bei 458 Transaktionen verzeichnet. Damit sind die Volumina gegenüber den Vorjahren deutlich angestiegen:

Quelle: WeeTracker, via WEF/Twitter

Von dem Betrag entfielen 61% bzw. USD 457 Mio. auf die 10 größten Transaktionen. Bei 30 Unternehmen lag der Finanzierungsbetrag über USD 5 Mio. mit einer Gesamtsumme von USD 626,9 Mio.

Quelle: WeeTracker, via WEF/Twitter

Zum Vergleich: Gemäß Barkow Consulting konnten FinTech in Deutschland 2018 zusätzliches Risikokapital rund € 1,1 Mrd. (USD 1,24 Mrd.) einwerben. (Quelle: Barkow Consulting GmbH, Peter Barkow: German FinTech VC 2018: Breaking Through €1bn Mark)

Drei Monate Finanzdienstleister Tomorrow

Fast genau drei Monate nach dem Start am 16.11.2018 konnte Tomorrow die Zahl von mehr als 2.000 Kunden vermelden. Vor dem offiziellen Start hatte das Unternehmen von einer Warteliste mit 3.952 Interessenten berichtet.

2019-02-15 Tomorrow 2000+

Ab der Ausgabe Nummer Siebenundfünfzig wurde schon über das „hippe“ Angebot für Nachhaltigkeit und die gelungene grafische Kampagne berichtet. Der Start war offenbar weitgehend reibungslos. Negative Kommentare in der Facebook Community waren vor allem von ungeduldigen Interessenten auf der Warteliste zu vermerken. Diese ist im übrigen vollkommen öffentlich, ohne die sonst häufigen Eingriffe durch den Betreiber: Tomorrow Community auf Facebook

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

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Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundsechzig

 

2019-01-30 DWS

Beitragsbild/Bild: DWS Deutschland via Twitter

Inhalt:  Vorneweg: Nachhaltig ist einfach(er), wenn man den richtigen Ansatz hat…;  Schweigen in Davos, Lärm auf den Straßen; DWS: Nachhaltigkeit ist Mega-Thema;  Neues Thesenpapier der EU-Kommission; Digitalisierung und das Erbe der Vergangenheit; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: #nachhaltige100; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

4. Februar 2019,

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg:

Nachhaltig ist einfach(er), wenn man den richtigen Ansatz hat…

Die Marketingmenschen bei der Sparkassen Finanzgruppe mögen bitte das Plagiat auf die Werbetexte verzeihen!

Sie empfinden den Begriff „Nachhaltigkeit“ (bzw. „nachhaltig“) als unscharf, gedehnt und geradezu missbraucht? Dazu gibt es fast jeden erdenklichen Ansatz. Und trotzdem verbreitet sich Nachhaltigkeit als Leitlinie in vielen Bereichen unserer Gesellschaft mit einer selten dagewesenen Rasanz.

Nachhaltige Geldanlagen bleiben im Trend. Die DWS (s.u.) und die Union Investment (vgl. Nummer Dreiundsechzig) haben kürzlich angekündigt, das Thema weiter in die Breite zu tragen.

Aufgrund des Facettenreichtums von nachhaltig(er) schrecken viele vor einer Auseinandersetzung mit nachhaltiger Finanzierung bzw. Geldanlage zurück. Und einige (Seminar-)Anbieter erwecken den Eindruck, dass für das Verständnis von nachhaltigen Anlageformen ein umfangreiches Fachwissen mit Ablage eines Diploms o.ä. erforderlich ist.

Innerhalb kürzester Zeit können aber die individuellen Grundlagen für einen sachgerechten Zugang zu Nachhaltigkeitsthemen entwickelt werden. Als Lehrmaterial genügt dabei ein Bierdeckel (bzw. Bierfilz) wie er von Studierenden der Fachhochschule Köln konzipiert wurde:

2018-03-23 id-17ziele_projekte_bierdeckel_gross

Der Bierdeckel thematisiert die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, #SDGs, #17Ziele), die auch die Leitlinien für die Nachhaltigkeitsbestrebungen der Europäischen Union bilden (2019-02-04 factsheets_sustainable_europe_012019_v3). Es genügt evtl. schon ein kurzer Vortrag oder ein Webinar bzw. Workshop… Bei Interesse finden Sie hier Kontakt.

Schweigen in Davos, Lärm auf den Straßen

Im Nachgang zum Weltwirtschaftsforum in Davos kursierte ein Tweet des ZDF-Korrespondenten in Brüssel, Stefan Leifert:

Im Gegensatz dazu wird es Freitags bei #FridaysForFuture auf den Straßen immer lauter, wenn Schüler in zuletzt 30 deutschen Städten für den Klimaschutz demonstrieren und damit die obige Frage lautstark heute schon beantworten. Gegen die schwedische Initiatorin der Schulstreiks, Greta Thunberg, wurde zwar ein Hetzkampagne in den sozialen Medien veranstaltet, in der Sache ist das Anliegen der Proteste aber nicht von der Hand zu weisen. Und besteht Erziehung nicht in der Hauptsache darin, die Zukunft vor die Gegenwart zu setzen, zunächst zu Lernen anstatt zu Spielen?

DWS: Nachhaltig ist Mega-Thema

Der Leiter des Privatkundenvertriebs in Deutschland und Österreich erwartet eine nachhaltige Ausrichtung des gesamten Angebots der Fondsgesellschaft DWS. Dabei sind sicherlich unterschiedliche Facetten gemeint, u.a. thematische Fonds sowie solche mit mit sogenannten „ESG-Kriterien“ für Verantwortungsbewusstsein.

Immerhin waren drei der sieben neuen Produkte der Gesellschaft im vierten Quartal 2018 auf nachhaltige Themen gerichtet, darunter auch ein Anleihefonds auf „grüne Anleihen“ (Green Bonds).

Der Zusammenhang zwischen der zukünftigen Ausrichtung und der Geschäftsentwicklung ist zwar nicht verbürgt, aber naheliegend: Für 2018 wurden Nettoabflüsse von € 22,3 Mrd. verzeichnet, davon € 9,5 Mrd. bei Privatkunden. Das gesamte verwaltete Vermögen betrug zum Jahresende € 662 Mrd., davon € 291 Mrd. im Privatkundengeschäft.

Neues Thesenpapier der EU-Kommission

Die EU-Kommission hat ein umfangreiches Thesenpapier für die Nachhaltigkeitsstrategie der Europäischen Union vorgelegt (Zusammenfassung: 2019-02-04 factsheets_sustainable_europe_012019_v3). Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft hat dabei eine entscheidende Bedeutung für die Erreichung der Klimaziele und der nachhaltigen Entwicklungsziele in der Gemeinschaft. Die EU strebt an, eine Vorreiterrolle bei nachhaltiger Entwicklung weiter auszubauen.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen erscheint es folgerichtig, dass sich der Arbeitskreis Sustainable Finance des Verbands öffentlicher Banken (VÖB) am 29.1.2019 intensiv mit der Materie beschäftigte. Nach Auskunft eines Mitglieds teilt der Kreis die Auffassung, dass sich Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft nicht auf den Klimaschutz beschränken darf. Vielmehr sollten alle nachhaltigen Entwicklungsziele berücksichtigt werden (vgl. (EN) What goes wrong with #SustainableFinanceEU?).

Allerdings hinkt Deutschland im Vergleich zum benachbarten Ausland immer noch deutlich hinterher. Während ein Vertreter der französischen Postbank feststellt, dass sich alle Welt mit Nachhaltigkeit im Finanzsektor beschäftige, ist im deutschen Finanzsektor noch keine wirklich breite Entwicklung zu beobachten.

Auf der Suche nach der Relevanz von Morgen

Bedeutungsschwere, völlig zutreffende Worte sprach der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW auf einer Konferenz des Handelsblatts:

„Im Ergebnis bin ich überzeugt, dass die Kombination von traditionell technischer Kompetenz mit der neu erlernten Veränderungsfähigkeit und einem Schuss Sinnstiftung zu einer neuen, von Anfang an mitgestaltende Rolle von Energieunternehmen führen kann. Und zwar bei Themen, bei denen man die Öffentlichkeit auf besondere Weise überzeugen und mitnehmen muss. Damit man uns ernsthaft als Impulsgeber an den Tisch ruft, wenn Zukunftsthemen für unser Land diskutiert werden, müssen wir aber auch glaubhaft für Zukunft und Modernität stehen.“

Durch einen Austausch des Wortes „Energie“ gegen „Finanz“ wären diese Aussagen auch leicht für die Finanzwirtschaft zu unterschreiben.

Digitalisierung und das Erbe der Vergangenheit

Bankexperten sprechen immer wieder von einem „technischen Erbe“ (engl. legacy), in dem die Branche verstrickt ist. Damit ist vor allem die vorhandene technische Infrastruktur einschließlich der z.T. über Jahrzehnte entstandenen Computerprogramme gemeint. So sind in Teilen der Welt bereits nur kartenlose, auf optische Verfahren über Smartphones gestützte Zahlungsdienste gebräuchlich. Und die Automaten sind teilweise ganz anders konzipiert, wie die nachstehende auf Twitter verbreitete Karikatur zur Situation im öffentlichen Personennahverkehr darstellt:

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen.

Interessenten treffen sich um 19h im Tuscolo Münsterblick, Gerhard-von-Are-Str. 8, 53111 Bonn, 1. OG, und damit in unmittelbarer Nähe von Bus- und Hauptbahnhof in der Innenstadt.. Eine kurze Mail wäre bei Interesse für die Organisation hilfreich: Kontakt

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® ist gegenüber dem Vormonat Dezember 2018 stabil auf Rang 72 platziert. Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97), im Oktober auf 91 sowie im November auf 84 platziert.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Fünfundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundsechzig

2019-01-23 wef ubs sdgs

Beitragsbild/Bild: UBS via Twitter

Inhalt:  Vorneweg; Weltwirtschaftsforum: Globale Risiken Klimawandel; Die Wirtschaft mahnt die Politik: 1. Forum nachhaltige Finanzierung europäischer Großunternehmen 2. Bloomberg: Neue Klimafinanzierungsinitiative 3. UBS legt zum #WEF19 ein Papier für nachhaltige Investments vor; Deutsche Banken bei nachhaltigen Anleihen hinten; N26 – Gehen, wenn es am schönsten ist?; Payxit bei paydirekt; Veranstaltungen: BaFin treibt Nachhaltigkeit im Finanzsektor; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: #nachhaltige100; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

23. Januar 2019,

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg:

Derzeit findet das Weltwirtschaftsforum in Davos viel Aufmerksamkeit. Bemerkenswert, dass neben einem erneuten Auftritt der fünfzehnjährigen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg (Schulstreiks, #FridaysForFuture) auch konstruktive und mahnenden Beiträge aus der Wirtschaft vorgelegt werden, so z.B. auch von der Bank UBS aus der Schweiz. Das Titelbild fasst die Schlussfolgerungen einprägsam zusammen. Für die Umsetzung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (17Ziele, SDGs) bedarf es Bewußtsein, Vereinfachung und Beiträge (aller). Hieran wird vielfach gearbeitet, auf Bierdeckeln, Lehrmaterialien, Spielen, Veranstaltungen etc. Einige Dinge sind im Blog als eher zufälliges Sammelergebnis auf der Seite SDG Materialien/Produkte/Informationen zusammengestellt. Und auch das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung leistet einen Beitrag mit der nachfolgenden Grafik:

2018-12-13 Glorreiche17

Mit den 17Zielen wird Nachhaltigkeit nachvollziehbar und hilft, den gedehnten, vielfach missbrauchten Begriff zu präzisieren. Nachhaltigkeit in diesem Sinne ist weitaus mehr als Klimaschutz und Ökologie, sondern die Überlebensformel für die Menschheit auf diesem Planeten.

Weltwirtschaftsforum: Globale Risiken Klimawandel

Im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos (22.-25.1.2019 WEF – Annual Meeting 2019) erschien der „Globale Risikobericht 2019“ in seiner vierzehnten Auflage. Die wahrscheinlichsten Risiken werden dabei durch den Klimawandel bestimmt:

  1. Extreme Wetterereignisse (Vorjahr: 1)
  2. Versagen der Bekämpfung des Klimawandels und der Anpassung an ihn (5)
  3. Naturkatastrophen (2)
  4. Datenbetrug und -diebstahl (4)
  5. Cyberattacken (3)

Zusätzlich zu der Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeiten nennt der Bericht auch Risiken in der Reihenfolge der mutmaßlichen Schäden:

  1. Massenvernichtungswaffen (Vorjahr: 1)
  2. Versagen der Bekämpfung des Klimawandels und der Anpassung an ihn (4)
  3. Extreme Wetterereignisse (2)
  4. Wasserkrisen (5)
  5. Naturkatastrophen (3)

In der Risikobewertung hat sich die Einschätzung damit weiter in Richtung langfristigerer Risiken aus dem Klimawandel und weg von kriminellen Handlungen wie Cyberattacken verschoben. Damit setzt sich ein Trend der letzten zehn Jahre fort. Im Jahre 2009 waren die Einschätzungen nämlich noch weitgehend von wirtschaftlichen Ereignissen geprägt:

Nach Wahrscheinlichkeit:

  1.  Finanzmarktkrisen (1)
  2. Verlangsamung des Wachstums in China unter 6% (2)
  3. Chronische Krankheiten (3)
  4. Staatliche Haushaltskrisen (-)
  5. Globale Führungsdefizite (4)

Auch die Einschätzung möglicher Schäden für das Jahr 2009 war weitgehend stabil und überwiegend von wirtschaftlichen Risiken bestimmt:

  1. Finanzmarktkrisen (1)
  2. Rückzug der Industriestaaten aus der Globalisierung (2)
  3. Öl- und Gaspreisanstiege (3)
  4. Chronische Krankheiten (4)
  5. Staatliche Haushaltskrisen (5)

Quelle: WEF Global Risk Report 2019 Abbildungsteil S. 8

Die Botschaft des Berichts ist bereits im ersten Absatz der Zusammenfassung klar formuliert: Die Welt schlafwandelt in die Krise, wachsende Nationalinteressen schwächen die kollektiven Bemühungen um globale Risiken, die bei weitem nicht nur im Klimawandel bestehen:

„Is the world sleepwalking into a crisis? Global risks are intensifying but the collective will to tackle them appears to be lacking. … The energy now expended on consolidating or recovering national control risks weakening collective responses to emerging global challenges. We are drifting deeper into global problems from which we will struggle to extricate ourselves.“ WEF Global Risk Report 2019 S. 6

Wie schon auf dem Weltklimagipfel in Katowice wird auch beim #WEF19 in Davos die Stimme der fünfzehnjährigen Schwedin Greta Thunberg gehört werden. Über den offiziellen Twitterkanal des Forums wurde bereits ein Video mit ihren Botschaften für den Klimaschutz verbreitet:

Die Wirtschaft mahnt die Politik

Bereits der erste Tag des WEF-Jahrestreffens war geprägt von Mahnungen, gravierende globale ökologische und soziale Probleme zu bekämpfen. Immer mehr auf Dauer angelegte Initiativen aus der Wirtschaft gehen in diese Richtung. Zwei aktuelle Beispiele:

1. Forum nachhaltige Finanzierung europäischer Großunternehmen

Am 15.1.2019 gaben 16 europäische Unternehmen und Emittenten von „Greenbonds“ die Gründung eines Forums für nachhaltige Finanzierung (Corporate Forum on Sustainable Finance) bekannt. Leider sind auch hier keine deutschen Unternehmen vertreten: EDF, EDP, ENEL, ENGIE, Ferrovie Dello Stato Italiane, Iberrdrola Icade, Ørsted, RATP, SNCF Réseau, Société du Grand Paris, SSE, Tennet, Terna, Tideway, Vasakronan. Das Ziel der Initiative lautet, sich mit dem Geschäfte an die Spitze zu einer CO2-ärmeren Entwicklung zu machen (Pressemitteilung Iberdrola 15.1.2019).

2. Bloomberg: Neue Klimafinanzierungsinitiative

UN-Sondergesandter Michael Bloomberg hat eine neue Klimafinanzierungsinitiative berufen: Die „Climate Finance Leadership Initiative“ (CFLI). Die Liste der Gründungsmitglieder liest sich wie ein Who-is-who der Finanzindustrie: AXA CEO Thomas Buberl, HSBC CEO John Flint, Government Pension Investment Fund (Japan) Executive Managing Director and CIO Hiro Mizuno, Goldman Sachs CEO David Solomon, Enel CEO Francesco Starace, und Macquarie CEO Shemara Wikramanayake. Die Initiative soll helfen, Finanzströme in Richtungen zur Bekämpfung des Klimawandels zu leiten. Bloomberg Announces Founding Members of New Climate Finance Leadership Initiative, 17.1.2019

Auch hier: Die Wirtschaftsvertreter engagieren sich exakt für das, was deutsche Lobbyisten am Aktionsplan der EU-Kommission kritisieren, langfristig agierende Unternehmen aber befürworten: Finanzen müssen sich an Nachhaltigkeit orientieren.

3. UBS legt zum #WEF19 ein Papier für nachhaltige Investments vor

Deutsche Banken bei nachhaltigen Anleihen hinten

Das Journal „Environmental Finance“ hat am 15.1.2019 Ranglisten (league tables) und Prognosen der aktivsten Bankadressen bei nachhaltigen Anleihen veröffentlicht: Top lead managers of 2018 predict buoyant green, social and sustainability bond market. Danach könnte der Markt für „grüne“ „soziale“ und andere nachhaltige Anleihen 2019 Wachstumsraten von rund 30% gegenüber 2019 aufweisen. Aufgrund der immer stärkeren Zweckorientierung bei der Finanzierung ist diese Annahme nicht unplausibel.

Im Gegensatz zu dem hohen Anteil an den europäischen Emission ist der deutsche Bankenanteil am Markt eher bescheiden. Lediglich die DZ Bank und die Landesbank Baden-Württemberg treten auf Ranglistenplätzen in Erscheinung. Dominiert wird der Markt dagegen von britischen, französischen und us-amerikanischen Instituten.

Der Beitrag enthält sowohl eine kombinierte Aufstellung für alle nachhaltigen Anleihezwecke wie auch separate Ranglisten für Greenbonds, Social Bonds und andere Nachhaltigkeitszwecke: Top lead managers of 2018 predict buoyant green, social and sustainability bond market.

 

N26 – Gehen, wenn es am schönsten ist?

In der Nummer Dreiundsechzig war ein Bericht über die jüngste Finanzierungsrunde von N26 enthalten, bei der eine sehr „sportliche“ Bewertung von € 2,3 Mrd. erreicht wurde. Finanz-Szene.de berichtet am 22.1.2019 über den geplanten Weggang des derzeitigen Chefs für Finanzen und Risiko, Matthias Oetken. Er will sich laut Informationen von Finanz-Szene.de neuen beruflichen Herausforderungen stellen.

Finanz-Szene.de berichtet über ein interessantes Detail der Finanzierungsrunde: Sie wurde nicht für die N26 Bank GmbH, sondern die Muttergesellschaft N26 GmbH durchgeführt. Dort werden die Finanzen vom Mitbegründer Maximilian Tayenthal als CFO die Finanzen. Da der Autor sowohl mit dem Mitbegründer Valentin Stalf als auch Herrn Oetken gesprochen gehen wir von belastbaren Informationen aus.

Dies vorausgesetzt hat es N26 mit seiner Pressemitteilung vom 10.1.2019 zur Finanzierungsrunde nicht besonders genau genommen: „Mobile Bank N26 schließt Series D-Finanzierung ab“ heisst es im Titel der Mitteilung und in den weiteren Kernpunkten „Die Mobile Bank ist nun mit 2,7 Milliarden Dollar bewertet“.

Und im ersten Absatz: „Die Mobile Bank N26 gibt bekannt, dass sie 300 Millionen Dollar in ihrer Series D-Finanzierungsrunde unter der Führung der in New York ansässigen Risikokapitalgesellschaft Insight Venture Partners eingesammelt hat. Damit steigt die Bewertung von N26 auf 2,7 Milliarden Dollar. An der Runde beteiligt sich auch GIC, ein Investmentfonds des Staates Singapur.“

Auf Basis der aktuell 2,3 Mio. scheint in der Bewertung – welcher Gesellschaft auch immer – die vollmundige Ambition von N26 in der Pressemitteilung bereits voll eingepreist: „N26 nutzt das Investment für die globale Expansion, beginnend mit der Einführung ihrer App in den USA im ersten Halbjahr 2019. In den kommenden Jahren will das Unternehmen weltweit über 100 Millionen Kunden erreichen.“

Afrika, Asien und Lateinamerika scheiden für diese Ambitionen bei einem unveränderten Geschäftsmodell allerdings weitgehend aus. Sie bieten nicht nur keinen Raum für hochgepreiste, edle Metallkarten, sondern entwickeln sich in weiten Teilen völlig kartenlos. Hierauf wurde bereits in Nummer Dreiundsechzig eingegangen.

Der 2018 in mehreren Sprachen in den Magazinen von N26 veröffentlichte Artikel zum kenianischen Zahlungsdienst M-Pesa mag gerne als Indiz gelten, dass sich auch bei N26 schon jemand mit den Entwicklungen in Afrika auseinandergesetzt haben könnte (Victor Vonwiller: M-PESA: Wie Kenia den mobilen Zahlungsverkehr revolutionierte, 18.4.). Aber M-Pesa verfolgt nun mal ein ganz anderes Geschäftsmodell als derzeit (!) N26. Und der Autor Victor Vonwiller ist laut seiner Internetseite https://victorvonwiller.com/ wohl eher freiberuflich als „Digital Marketer. Web Enthusiast. Judoka.“ tätig.

Payxit bei paydirekt

Am 15.1.2019 berichtete Heinz-Roger Dohms zunächst exklusiv über die Kündigung des Anteils der 12 Poolbanken am Zahlungsdienst paydirekt: Hypo-Vereinsbank, ING Diba und Santander ziehen sich zurück. War’s das mit Paydirekt?. Insgesamt 12 private Banken halten aktuell 11,1% der Anteile neben den Sparkassen und der genossenschaftlichen Finanzgruppe (je 33,3%) sowie Deutsche Bank und Commerzbank (je 11,1%). Von den 12 kündigenden Banken boten allerdings bisher nur sechs den Zahlungsdienst auch an.

Joachim Jürschick hat in einem Beitrag vom 22.1.2019 die Hintergründe: Paydirekt, der Ausstieg der Poolbanken und viele hintergründige Signale.

Veranstaltungen

BaFin treibt Nachhaltigkeit im Finanzsektor

Schon seit einiger Zeit sind die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und die Deutsche Bundesbank zu den Protagonisten von Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft zu zählen. Einer der Hauptgründe ist in der Erkenntnis zu sehen, dass Klimarisiken insbesondere aus dem Klimawandel und der Energiewende längst wesentliche Risiken für die Finanzinstitute geworden sind.

Bereits im Mai 2018 hatte die BaFin Nachhaltige Finanzwirtschaft als Titelthema in ihrem monatlichen Journal (vgl. Nummer Neununddreissig). Hier das Titelblatt:

2018-05-15 cover_bafinjournal_1805

Die BaFin veranstaltet am 9. Mai 2019 im Umweltforum Berlin eine Konferenz zur „Nachhaltigen Finanzwirtschaft“. Hier der Einladungstext im Wortlaut:

„Klimatische, ökologische oder soziale Veränderungen können materielle Risiken sowohl für einzelne Finanzmarktakteure als auch für den Finanzmarkt als Ganzes mit sich bringen. Mit der ganztägigen Veranstaltung möchte die BaFin das Bewusstsein des Finanzsektors für diese Risiken, aber auch für die damit verbundenen Chancen schärfen. Die Teilnehmenden erhalten zudem einen Überblick über aktuelle europäische Regulierungsvorhaben und die aufsichtlichen Ansätze der BaFin und können sich mit Vertreterinnen und Vertretern der Aufsicht austauschen.

Einer der Höhepunkte der Veranstaltung wird die Diskussionsrunde unter anderem mit dem BaFin-Präsidenten Felix Hufeld sein. Außerdem werden BaFin-Vizepräsidentin Elisabeth Roegele sowie die Exekutivdirektoren für die Bankenaufsicht und die Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht, Raimund Röseler und Dr. Frank Grund, das Thema Nachhaltigkeit aus der Perspektive ihrer Geschäftsbereiche erläutern und mit den Teilnehmenden diskutieren. Zu den weiteren Rednerinnen und Rednern und Diskussionsteilnehmenden zählen Prof. Dr. Harald Lesch von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Dr. Levin Holle, Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, Dr. Christian Thimann, CEO (Chief Executive Officer) der Athora Deutschland Gruppe und Vorsitzender der EU High Level Expert Group on Sustainable Finance sowie Silke Stremlau aus dem Vorstand der Hannoverschen Kassen.“

Weitere Information zur Veranstaltung Nachhaltige Finanzwirtschaft 9.5.2019 9:00h – 16:45h.

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen. Ort wird noch bekannt gegeben und je nach Interesse ausgewählt.

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® ist gegenüber dem Vormonat November 2018 von 84 auf 72 aufgestiegen. Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97) und im Oktober auf 91 platziert.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Dreiundsechzig

2018-11-21 tomorrow4

Beitragsbild: www.tomorrow.one

Inhalt:  Nachhaltige Geldanlagen im Trend; Nachhaltigkeit als Leitprinzip; Henkel AG: Großkredit mit Nachhaltigkeitskriterien; N26 € 2,3 Mrd. wert?; Apple Pay ein Monat nach dem Start; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: #nachhaltige100; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

16. Januar 2019,

Dr. Ralf Breuer

Nachhaltige Geldanlagen im Trend

Zu Jahresbeginn 2019 erschien bereits eine Vielzahl von Artikeln zum Thema nachhaltige Geldanlagen in unterschiedlichen Ausprägungen. Nach Erhebungen des Sustainable Business Institut (SBI) waren zum Ende des dritten Quartals 2018 in Deutschland, Österreich und der Schweiz 509 nachhaltige Publikumsfonds mit einem Gesamtvermögen von € 126 Mrd. zum Vertrieb zugelassen, Zum Jahresende 2017 waren es 482 Fonds mit etwa € 106 Mrd. Immer mehr Vermögensverwalter stellen auf nachhaltige Ansätze im Sinne von ESG-Kriterien um (Quelle: www.wallstreet-online.de 7.1.2019).

Gemäß dem „Deka-Anlegermonitor“ sind vor allem jüngere Menschen (Millenials) sehr offen für nachhaltige Geldanlagen. Beim Deka-Anlegermonitor handelt es sich um eine Online-Befragung, die dreimal jährlich von YouGov im Auftrag der DekaBank durchgeführt wird, um mehr über das Anlegerverhalten zu erfahren.

In dem Artikel auf at.e-fundresearch.com vom 21,12,18 heisst es weiter: „Dazu passt, dass der Online Buzz für dieses Thema einen enormen Anstieg verzeichnet. Die User nutzten den Begriff „Nachhaltiges Investment“ in verschiedenen Digitalkanälen wie Facebook, Twitter, Blogs und Co. von Januar bis August 2017 8.639 mal. Im selben Zeitraum 2018 waren es schon 23.656 mal – ein Anstieg von 174 Prozent.

Die Union Investment folgt dem Trend mit einem neuen Anlageangebot für Privatanleger: Multi-Asset-Lösung PrivatFonds: Nachhaltig.

Beschreibung laut Pressemitteilung vom 2.1.2019„Die Besonderheit des Fonds liegt darin, dass der Nachhaltigkeitsansatz von Union Investment erstmalig in einer Multi-Asset-Lösung zum Einsatz kommt. Das heißt, der nachhaltige Investmentprozess wird über die verschiedenen Anlageklassen und Anlageinstrumente angewandt. Zunächst werden Unternehmen, Staaten, Fonds, Derivate und ETFs einer umfassenden Nachhaltigkeitsanalyse und -bewertung unterzogen. Dabei werden auch Ausschlussregeln berücksichtigt. Das Fondsmanagement ermittelt für die einzelnen Anlageinstrumente jeweils das Nachhaltigkeitsrating (ESG-Score). Dieses Rating basiert auf unabhängigen Daten von auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ratingagenturen und gibt Auskunft darüber, wie nachhaltig beispielsweise ein Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung agiert. Auch das Geschäftsmodell wird dabei mit einbezogen.“

Es handelt sich damit zwar „nur“ um einen ESG-Ansatz, aber nachhaltige Geldanlagen werden weiter in die Breite getragen. Davon war in den Primärbanken der Genossenschaftsgruppe bisher allerdings nur wenig zu vermerken. Leider wurde der Mindesanlagebetrag mit € 10.000 relativ hoch angesetzt. Allerdings können darüber hinaus bereits € 25 monatlich angespart werden und ein Ausgabeaufschlag wird derzeit nicht erhoben. Mehr in der Produktbrochüre.

Nachhaltigkeit als Leitprinzip

Auch wenn davon praktisch kaum etwas zu verspüren ist, stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fest: „Nachhaltigkeit ist das Leitprinzip der Politik der Bundesregierung. Es soll wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit so miteinander verschränken, dass die Realisierung des Einen nur unter Berücksichtigung der jeweils beiden anderen erfolgt“ (Quelle: www.bmwi.de).

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat in einem Positionspapier gefordert, Nachhaltigkeit auch als Rahmen für die Digitalisierung zu nutzen: nachhaltig_UND_digital – Nachhaltige Entwicklung als Rahmen des digitalen Wandels, 19.12.2018. Bereits in einer Vielzahl von Beiträgen wurde hier im Blog auf die Nützlichkeit der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) als Leitlinien für die Digitalisierung verwiesen. Was nicht zu einer nachhaltigeren Entwicklung beiträgt, kann analog bleiben bzw. ist eher überflüssig!

Henkel AG: Großkredit mit Nachhaltigkeitskriterien

Als vermutlich erstes deutsches Großunternehmen hat die Henkel AG einen Kredit über € 1,5 Mrd. erhalten, dessen Kreditkonditionen sich an der Entwicklung von Indikatoren für die Nachhaltigkeit des Unternehmens orientieren. Die Fortschritte bei den ESG-Kriterien werden durch neutrale externe Anbieter festgestellt: Sustainalytics, EcoVadis und ISS-oekom. HSBC fungierte bei diesem Kredit als einer der Konsortialführer (Quelle: HSBC Deutschland).

Gemäß Bloomberg wurden 2018 Kredite dieser Art mit einem Gesamtvolumen von zusammen USD 36,4 Mrd. vereinbart. Das gesamte Volumen von Schuldinstrumenten mit Nachhaltigkeitscharakter wird auf USD 247 Mrd. geschätzt, darunter USD 182 Mrd. Greenbonds.

N26 € 2,3 Mrd. wert?

Gemäß Pressemitteilung vom 10.1.2018 erhielt N26 eine weitere Finanzierung von USD 300 Mio. und wird damit nach eigenen Angaben mit USD 2,7 Mrd. (€ 2,3 Mrd.) bewertet. Damit würde N26 laut Finanz-Szene.de in der Bewertung noch vor der Aareal (€ 1,65 Mrd.) als dritthöchst bewertete börsennotierter Bank liegen.

N26 hat seine Kundenzahl in den letzten 12 Monaten auf 2,3 Mio. verdreifacht und strebt eine weitere Expansion an, zunächst in den USA. „In den kommenden Jahren will das Unternehmen weltweit über 100 Millionen Kunden erreichen.“ – Sportliche Ambitionen, die eventuell in die Nähe der genannten Bewertung führen könnten?

Bewertung und Kundenzahl von N26 wird regelmäßig mit dem britischen Wettbewerber Revolut. Nicht zuletzt auch wegen persönlicher Animositäten der Geschäftsführungen. Am 7.1.2019 erschien ein Vergleich der Zahlen für die Downloads der Apps beider Anbieter auf www.gruenderszene.de, wonach N26 zum Wettbewerber aufgeschlossen hätte.

Kaum Vergleiche finden sich dagegen zu den Produktangeboten. Beide Anbieter haben kostenlose Girokonten mit Direct Debit Karten von Mastercard und auch Visa (Revolut) im Angebot. Die Karten bieten jeweils anbieterbezogen vor allem Vorteile im Auslandseinsatz sowie Versicherungspakete. Und bei beiden Anbietern sind „kultige“ Karten aus Metall in Premiumpaketen zu sehr anspruchsvollen Preisen verfügbar: Bei N26 zu monatlich € 16,99 und Revolut € 13,99 p.m.

Quelle: N26

Bildergebnis für revolut metal visa

Quelle: Revolut

Die kostenpflichtigen Angebote von N26 und Revolut sind vor allem für Vielreisende und Auslandseinsatz außerhalb der Eurozone erwägenswert. Die Monatsgebühren für die Metallkarten erinnert allerdings eher an Dinge wie Pokemon, Scoubidoo, Tamagotchi etc., die ebenso schnell in Mode kamen wie sie wieder verschwanden…

Allerdings: Ansprechend gestaltete Karten (aus Kunststoff) gibt es auch von anderen Anbietern mit deutlich geringeren Gebühren und weniger Restriktionen z.B. beim Automateneinsatz, in einigen Fällen weitgehend kostenlos. Interessant ist u.a. das Angebot von Curve, bei dem sich verschiedene Karten auf ein und derselben Karte nutzen lassen.

Curve blue card

 

 

 

 

Quelle: www.curve.app

Und auch beim Auslandseinsatz und der „Kultigkeit“ gibt es weitere und günstige Alternativen, z.B. bei Tomorrow mit einer im Einsatz „von Itzeho bis Idaho“ Preisliste Tomorrow Stand 10.1.2019 gebührenfreien (Debit-) Mastercard sowie drei kostenlosen Abhebungen pro Monat (danach € 2, bei N26 und Revolut ebenfalls Beschränkungen).

2018-11-21 Tomorrow4

Quelle: www.tomorrow.one

Eine Übersicht über die Leistungsangebote der genannten Anbieter findet sich Stand 16.1.2018 ohne Gewähr hier: Preisübersicht N26, Revolut Tomorrow.

 

Apple Pay ein Monat nach dem Start

Jochen Siegert hat am 15.1.2019 im Blog von Payment & Banking die ersten Eindrücke zu den Entwicklungen einen Monat nach dem Start von Apple Pay in Deutschland zusammengefasst (vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundsechzig). Es wurde lebhafte Registrierungen, insbesondere auch für die neue virtuelle Kreditkarte der Deutschen Bank registriert. Die Zahl der Karten ist bei der Bank um rund 7% gestiegen, was etwa 90.000 neuen Kunden entsprechen könnte.

comdirect berichtet von nahezu 100.000 Registrierungen für Apple Pay und einer deutlich intensiveren Nutzung bzw. höheren Umsätzen von monatlich € 225 gegenüber bisher € 96 bei herkömmlichen Karten.

Jochen Siegert vergleicht diese Entwicklung mit den Aktivierungen bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die nach sechs Monaten bei rund 270.000 Registrierungen lagen. Zur vollständigen Analyse mit Ausblicken von Jochen Siegert geht es hier: Der „Ba-bing-Moment“ durch Apple Pay in deutschen Banken & Sparkassen.

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen. Ort wird noch bekannt gegeben und je nach Interesse ausgewählt.

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® ist gegenüber dem Vormonat November 2018 von 84 auf 72 aufgestiegen. Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97) und im Oktober auf 91 platziert.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Dreiundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundsechzig

Inhalt:  Vorneweg… Klimaschutz ist mehr Nachhaltigkeit…; …aber Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: EU-Taxonomie von Finanzanlagen – nur öko?; GLS Crowd mit Finanzierung in Rekordzeit; SRI, ESG, SDG – Etwas Entwirrung; Apple Pay in Deutschland gestartet; Kommen und Gehen bei FinTech; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Beitragsbild: https://d-pt.ppstatic.pl/kadry/k/r/1/66/7b/59a6ae4e19eef_o,size,969×565,q,71,h,109ff2.jpg

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

17. Dezember 2018, ergänzt 18.12.2018 (Plädoyers Klimaschutz; Artikel Dr. Ossig, Bankenverband; GLS Crowd; Konsolidierung bei FinTech)

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg…

Auf dem Beitragsbild heißt es Gefahr, Unfall – symbolisch für den Verlauf und das Ergebnis der Weltklimakonferenz COP24 in Katowice. Aber auch für den Vorschlag der von der EU-Kommission eingesetzten Expertengruppe für die Klassifizierung nachhaltiger Finanzpositionen. Mit der Konzentration auf den Umweltschutz ist die dringend notwendige „Taxonomie“ viel zu eng angelegt. Nach all den optimistisch stimmenden Entwicklungen für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft zwei derbe Dämpfer Mitte Dezember 2018!

Klimaschutz ist mehr Nachhaltigkeit…

Zu guter letzt gab es noch eine gute Nachricht von der Weltklimakonferenz: Die Beteiligten konnten sich in einer Konferenzverlängerung noch auf gemeinsame Schlusserklärung einigen. Mehr Berichtenswertes gibt es hier nicht. Das ist in den Medien alles geschrieben. „Klimaschutz lauwarm“ titelt der Bonner General-Anzeiger am 14.12.2018 auf S. 3 – völlig zu Recht.

Nummer Einundsechzig enthielt einen kurzen Bericht über das großartige Plädoyer der fünfzehnjährigen Greta Thunberg auf der Weltklimakonferenz. Am 14.12.2018 folgten Schüler in mindestens 14 Städten ihrem Beispiel und traten in einen Schulstreik für den Klimaschutz: Spiegel Online 14.12.2018. Auch eine Reihe von globalen Großunternehmen forderten zu einem konsequenteren Handeln auf, so z.B. BT Group Plc., Ikea und Mars (EN): Bloomberg 13.12.2018: From Mars to Ikea, Concerns Emerge About Vague Climate Rules.

…aber Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: EU-Taxonomie von Finanzanlagen – nur ökö?

Am 7.12.2018 legte die für die Umsetzung des EU-Aktionsplans (vgl, Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung) Expertengruppe (Technical Expert Group on Sustainable Finance (TEG)) nach fünfmonatiger Tätigkeit ein Konsultationspapier für die „Taxonomie“ von Finanzanlagen vor: Invitation for feedback and expert workshops on taxonomy. Das Ergebnis ist kurz formuliert: Sehr enttäuschend.

Das 108 Seiten starke Dokument zeugt zwar von Arbeit, allerdings nicht von einem zielführenden Ansatz. Der EU-Aktionsplan setzte zwar beim Klimaschutz an, erschien aber offen für andere nachhaltige Entwicklungsziele. Dies ist im Konsultationspapier allerdings nicht erkennbar. Klimarisiken waren und sind nur eines von 17 UN-Teilzielen und ein guter Ansatz für den Angang an die Finanzwirtschaft, da sie hiervon stark betroffen ist und die Bankaufsichtsbehörden ebenfalls von dieser Erkenntnis geleitet werden.

2018-12-13 Glorreiche17

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Die Arbeit der Expertengruppe hat sich dagegen ausschließlich mit Umweltfaktoren beschäftigt. Damit wird auch die resultierende Klassifizierung (Taxonomie) sehr eng gefasst und auf folgende Gebiete begrenzt:

  1. Milderung des Klimawandels
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Wasser und Ozeane
  4. Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung, Recycling
  5. Umweltverschmutzung
  6. Gesunde Ökosysteme

Damit wird aber nur ein enger Ausschnitt der globalen Probleme erfasst. Bei einer Orientierung an den SDGs wäre dies nicht der Fall und bspw. auch die Bekämpfung von Hunger sowie die Migration miterfasst.

Der Angang der EU-Experten erscheint vor allem deshalb sehr verwunderlich, weil sich das Konsensusverständnis seit dem Sommer 2017 stark gewandelt hat. Es stehen weniger die rückwirkend erfassten Werte für Ökologie, Soziales und Unternehmensführung (ESG) im Vordergrund, sondern vorausschauend nachhaltige Entwicklungsziele, die SDGs. Dieser Wandel ist auch im Rating zu erkennen, worüber hier kürzlich berichtet wurde: Nummer Neunundfünfzig.

Sofern die Expertengruppe ihre Arbeit so fortsetzt, wie es es das Konsultationspapier erwarten lassen muss, erscheint das Ziel in Gefahr, ein transparentes und nachvollziehbares Klassifizierungssystem zu erhalten, dass am Ende auch von privaten Geldanlegern als Entscheidungshilfe genutzt werden kann. Damit wird in der Konsequenz auch die ganze Intention des EU-Aktionsplans gefährdet.

Eine ausführliche „Würdigung“ (EN): What goes wrong with #SustainableFinanceEU?

Diese Entwicklung ist umso verwunderlicher als auch Branchenvertreter die Berechtigung von Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft anerkennen. Sicherlich hat der Klimaschutz hier eine prominente Bedeutung wie der aktuelle Beitrag des Hauptgeschäftsführers und Vorstands des Bundesverband deutscher Banken in Der Bank Blog zeigt: Christian Ossig: Klimaschutz macht vor Banken nicht halt Schlussfolgerungen aus der 24. Weltklimakonferenz in Kattowitz, 17.12.2018. Längst herrscht aber in der Branche ein umfassendes, an den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) orientiertes Nachhaltigkeitsverständnis, was sich bereits konkret in der Tätigkeit der globalen Branchenführer niederschlägt: Nummer Fünfunddreissig vom 16.4.2018

GLS Crowd mit Finanzierung in Rekordzeit

Dass Klima- und Umweltschutz auch beliebte Anlagethemen sind, zeigt die von der GLS Crowd am 14.12.2018 platzierte Finanzierung von autarq, einem Hersteller von Solardachziegeln aus Brandenburg. In nur 4,5 Stunden wurden € 1,25 Mio. eines Nachrangdarlehens platziert (7,5%, 3,5 Jahre, endfällig) Laut Pressemitteilung autarq vom 17.12.2018 konnten bereits in den ersten 15 Minuten € 195.000 eingeworben werden.

Auch bei der vorausgegangenen Platzierung einer Finanzierung der akvola Technologies GmbH aus Berlin, einem Spezialisten für Wasseraufbereitung, dauerte es lediglich knapp fünf Stunden, um Investoren für € 750.000 (7%, 6 Jahre, Ratenzahlung ab dem dritten Jahr) zu gewinnen. Laut Pressemitteilung der GLS Bank vom 24.10.2018 waren bereits nach 1,5 Stunden € 500.000 erreicht.

Anmerkung aus der o.g. Pressemitteilung: „Die GLS Crowd ist eine von der GLS Crowdfunding GmbH betriebene, von der GLS Bank unabhängige Schwarmfinanzierungsplattform mit Sitz in Frankfurt am Main, die sich auf die Vermittlung von Finanzierungen für nachhaltige Unternehmen und Projekte spezialisiert hat. Die auf der Plattform angebotenen Finanzierungen werden ihr von der GLS Bank zur Vermittlung vorgeschlagen. Die GLS Crowd bietet Investor*innen die Möglichkeit, Beträge von 250 bis 10.000 Euro in nachhaltige Vorhaben zu investieren“

SRI, ESG, SDGs – Etwas Entwirrung

Anlageangebote mit einem weiten Spektrum von Nachhaltigkeit

Nachhaltige Anlageangebote haben ein weites Spektrum und z.T. erheblich abweichende Interpretationen von Nachhaltigkeit. Für interessierte Privatanleger ist diese Vielfalt ebenso verwirrend wie Finanzjournalisten, so dass deren Beiträge meist auch nicht besonders erhellend und damit hilfreich sind. Insofern bietet der im Portal justETF erschienene Beitrag eine Ausnahme: Dominique Riedel: Nachhaltige ETF-Portfolios zum Selberbauen, 9.12.2018. Der Beitrag stellt übersichtlich die Gemeinsamkeiten der häufigsten Abkürzungen SRI (=socially responsible investments/sozial verantwortliche Investments) und ESG (environment, social, governance/Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) zusammen. Seltener ist „SDGs“ für die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (sustainable development goals) der Vereinten Nationen. Hierzu mehr unten sowie hier im Blog auf SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

ETFs nach SRI- und ESG-Kriterien bieten zwar eher eine schwächere Ausprägung von Nachhaltigkeit, aber sie ermöglichen es bei geringen Kosten und hohem Grad an Streuung mit einem besseren Gewissen anzulegen. Hierbei sind die Ausführungen von Frau Riedel sehr hilfreich. In beiden Kategorien ist es bei einem stetig steigenden Angebot (vgl. u.a. Nummer Einundsechzig) global oder auch regional zu investieren. Dabei werden die Informationen von einem gesunden Grundgedanken geleitet:

„Jeder Mensch definiert nach den eigenen Erfahrungen und Einschätzungen, was für ihn „nachhaltig” oder „ethisch” bedeutet. Genau so ist es mit den unterschiedlichen Index-Regelwerken im Bereich des nachhaltigen Investierens, auf denen ETFs basieren.“

Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Index-Familien im Überblick

Merkmal MSCI SRI-Reihe MSCI ESG Screened-Reihe
Aufgenommene Unternehmen die nach ESG-Kriterien besten 25% jedes Sektors; bestimmte Sektoren werden ausgeschlossen (siehe unten) bestimmte Sektoren werden ausgeschlossen (siehe unten);
keine Berücksichtigung von ESG-Ratings
Gewichtung Marktkapitalisierung Marktkapitalisierung
Marktabdeckung eher gering durch Ausschluss von 75% der Unternehmen eher hoch, da nur bestimmte Sektoren ausgeschlossen werden (ohne Berücksichtigung des ESG-Ratings)
Tracking Error potenziell höher durch geringere Marktabdeckung potenziell geringer durch höhere Marktabdeckung
Kosten i. d. R. höher als Mutterindex wegen Research-Kosten für SRI-Rating sehr ähnlich zum Mutterindex wegen minimaler Research-Kosten für einfachen Filteransatz
Modifikationen MSCI SRI 5% Capped
MSCI Select ESG and Trend Leaders
bisher keine
ETF-Portfolios Nachhaltigkeit SRI Global BIP
Nachhaltigkeit SRI Regionen BIP
Nachhaltigkeit ESG Screened Global BIP
Nachhaltigkeit ESG Screened Regionen BIP
Quelle: iShares; Stand: 05.12.2018 via justETF

Neuer Fonds auf nachhaltige Fremdkapitalfinanzierungen

Produkte mit einer Orientierung an den SDGs bilden bisher die Ausnahme. Allerdings nimmt zumindest für institutionelle Anleger das Angebot weiter zu. Der NN (L) European Sustainable Infrastructure Debt Fonds, der am 15. November 2018 aufgelegt wurde, erweitert die nachhaltige Produktpalette von NN Investment Partners (NN IP) und erfüllt die steigende Nachfrage Institutioneller nach Investitionen in Sachwerte.

„Der neue Fonds zielt darauf ab, ein diversifiziertes Portfolio aus europäischen Infrastrukturfinanzierungen aufzubauen, die einem Investment-Grade-Rating entsprechen und aus fünf Sektoren bestehen. Dazu zählen soziale Infrastruktur, alternative Energie, nachhaltiger Transport und Wasser- und Abfallwirtschaft sowie digitale Infrastruktur. Die geringe Korrelation von Infrastrukturanlagen mit den Konjunkturzyklen ist besonders für langfristige Investoren reizvoll, die ihre Portfolios diversifizieren, ihre Verbindlichkeiten matchen und solide Erträge erzielen möchten. NN IP nutzt mit dem neuen Fonds seine langjährige Erfahrung am Infrastrukturmarkt und hat seine Strategie weiterentwickelt, um sich auf Infrastrukturanlagen zu konzentrieren, die eine messbare Wirkung, einen Impact auf Gesellschaft und Umwelt haben, ohne die finanziellen Erträge zu vernachlässigen. …  Der Fonds strebt eine jährliche Bruttorendite von 3-4% und eine Duration von 12-15 Jahren an.“ Quelle: NN investment partners (DE)

Apple Pay in Deutschland gestartet – Zahlung + Nachhaltigkeit?

2018-12-11 ApplePay

Beitragsbild/Bild: Apple Pay

Mit einer Verspätung von vier Jahren gegenüber europäischen Nachbarländern sind jetzt auch in Deutschland Zahlungen mit Apple Pay möglich. Google Pay war im Juni 2018 gestartet. Die Vorteile beschreibt der Anbieter folgendermaßen:

„Apple Pay funktioniert ganz einfach. Und vor allem ganz sicher. Denn mit Apple Pay wird deine Kartennummer nie auf deinem Gerät oder Apple Servern gespeichert. Und Apple Pay speichert auch keine Daten zu deiner Transaktion, die auf dich zurück­zuführen sind. So kannst du sicher in Geschäften, Apps und im Internet bezahlen. Ganz einfach.“

 Quelle: Apple Pay

Wie funktioniert Apple Pay?

Tatsächlich werden weniger missbrauchsgefährdete Daten mit dem Händler ausgetauscht, da die Zahlung nur über eine Gerätenummer in Verbindung mit einem einmaligen Transaktionscode ausgelöst. Das Smartphone wird mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung entsperrt. Insofern können weder bei der Transaktion noch aus dem Gerät sensible Daten ausgelesen werden. Bei einem Geräteverlust ist damit im Gegensatz zu einer physischen Karte ein Missbrauch ausgeschlossen.

Nicht verwendbar sind Girocards ohne Zugang zu Maestro (d.h. Mastercard). Auch ist der von vielen Banken angebotene Zahlungsdienst VPay (Visa) nicht unter den Anbietern. Die Nutzung solcher Karten ist über die Angebote der Genossenschaftsbanken (Digitale Karten in der VR-Banking-App) und Sparkassen (Mobiles Bezahlen) möglich. Allerdings wird hier für Beträge ab € 25 wiederum ein PIN benötigt.

Zum Start sind die Banken in der nachfolgenden Übersicht mit Apple Pay im Angebot. Weitere Banken haben den Zahlungsdienst für 2019 avisiert.

Apple hat die Liste mit den teilnehmenden Banken veröffentlicht.

Quelle: Apple Pay

Mobile Zahlungen können nachhaltiger sein

In Deutschland werden rund 57 Mio. Smartphones genutzt (Quelle: statista 11.12.2018), die technisch reichlich dimensioniert sind. Gleichzeitig tragen alle 130 Mio. Bank- und Kreditkarten leistungsfähige Chips sowie Magnetstreifen, die zu einem erheblichen Teil nur wenig genutzt werden. Insofern wäre es deshalb naheliegend, andere Lösungen zu wählen, die diesen Materialeinsatz verringern. Eine Variante wären optische Lösungen (QR-Codes, vgl. Weniger Karten in die Brieftasche hier im Blog) oder die von den mobilen Bezahlangeboten genutzte NFC-Funktion der Smartphones, die dann auf den Karten selbst entfallen könnte.

Eine besonders interessante Lösung hat deshalb die Deutsche Bank zum Marktstart in das Angebot genommen: Eine vollständig virtuelle Karte, die allein elektronisch ausgegeben wird. Entgegen den Informationen auf der Internetseite der Bank kursierten zunächst Informationen, wonach Kunden zur Bestellung der Karte eine Filiale besuchen müssten. Dies hätte dieses Angebot natürlich verwässert, ist aber nicht der Fall: „Mit einem Deutsche Bank Konto erhalten Sie zur weltweiten Nutzung von Apple Pay eine virtuelle Mastercard Debitkarte (Deutsche Bank Card Virtual) – dauerhaft ohne Jahresgebühr. Diese können Sie im Rahmen der Apple Pay Aktivierung in der Deutsche Bank Mobile App bestellen.“ Homepage Deutsche Bank – Jetzt: Deutsche Bank mit Apple Pay.

Quelle: Jochen Siegert via Twitter/Deutsche Bank

Viel Andrang zum Start

Jochen Siegert hat auf Payment & Banking am 12.12.2018 seine persönlichen Eindrücke von der Auftaktveranstaltung in der Allianz-Arena in München geschildert: Launchevent von Apple Pay in Deutschland. „Michael Koch, verantwortlich für Online- und Mobilebanking der Deutschen Bank, sprach bezüglich von der MasterCard Debit-Karte und Apple Pay als dem stärksten Produktlaunch der Deutschen Bank überhaupt. Wesentliche KPIs hätten die Erwartungen weit übertroffen. So konnte die Deutsche Bank gestern Vormittag hohe dreistellige Kartenanträge pro Minute verzeichnen und die Besuche der Deutschen Bank Homepage war sechsfach höher als sonst. Dieser Kundenansturm ist sehr beeindruckend. Ich denke das Institut wird so alleine über 50.000 neue Karten am gestrigen Tag abgesetzt bzw. aktiviert haben. Auch ein Comdirect Mitarbeiter schrieb bei Twitter von einem selbstgesetzten Tagesziel von 10.000 Registrierungen (leider Tweet nicht mehr auffindbar) und die im Vergleich eher kleine Hanseatic Bank berichtete auch von 1.200 Registrierungen in den ersten Stunden.“

Akzeptanz ca. 50%

Die Einsatzmöglichkeiten in Deutschland dürften grundsätzlich bei 50% liegen, also überall dort, wo NFC-fähige Terminals genutzt werden. Zusätzlich ist aber eine Vereinbarung mit Apple Pay Voraussetzung. Die folgende Übersicht stellt die beim Start vereinbarten Akzeptanzpartner:

 

Bildergebnis für apple pay akzeptanz

Quelle: Apple Pay

Weitere Partnerbanken für 2019 avisiert

Quelle: Apple Pay

Die Zahlungsdienste im Kurzvergleich

Besonders bei der Freigabe der Zahlungsdienste auf dem Smartphone unterscheiden sich die Angebote Bei Apple-Pay und Google-Pay genügt die Freigabe des Handys bei Touch-ID oder Face-ID, um eine Zahlung zu legitimieren. Für Kleinbeträge ist bei Apple-Pay nicht einmal der Bildschirm des iPhones zu entsperren. Der Vorteil der einfachen Bedienbarkeit mit einer einzigen Aktion ist beim Bezahlen mit den Apps von Sparkasse und VR-Banken jedoch dahin. Bei Beträgen über 25 Euro ist es erforderlich, die Karten-PIN am Smartphone einzugeben.

Während bei Apple und Google nur Debit- und Kreditkarten genutzt werden können, binden die Bankenangebote auch die Girocards ein. Unterschiedlich ist natürlich auch, wer welche Daten hat. Da sind sie allerdings auf jeden Fall, fragt sich immer noch wo. Und das ist eher Geschmacksache.

Kommen und Gehen bei FinTech

Apple Pay kommt, Glase® geht

Am 11.12.2018 hat Glase® (früher SEQR) vormittags die Einstellung seines Zahlungsdienstes für den Nachmittag angekündigt. Ähnlich wie Apple Pay basierte das Angebot auf einem kontaktlosen Bezahlvorgang per NFC-Technik. (heise online 11.12.2018 – Mobile Payment: Glase gibt auf. Mittlerweile sind Neugründungen bei Zahlungsdiensten in einer Minderheit. „Payment-Startups können trotz der breiten öffentlichen Diskussion zum Thema mit zwei Prozent nur einen verschwindend geringen Anteil des Venture-Capital-Investitionsvolumens seit 2017 für sich verbuchen“ heisst es in der aktuellen comdirect Fintech-Studie. Der Markteintritt von Apple dürfte eher einen Konsolidierungsprozess beschleunigen.

Kommen und Gehen bei der Onlinevermögensverwaltung

Nach Santander (Sina) stellt auch die Werthstein GmbH ihr zum Jahresbeginn gestartetes (vgl. Nummer Sechsundzwanzig vom 12.1.2018) Angebot wieder ein: Pressemitteilung vom 17.12.2018: Werthstein GmbH stellt Geschäft ein. Die Bewegung im Markt für „Robo-Advice“ hat Heinz-Roger Dohms heute in Finanz-Szene.de beschrieben: Exklusiv: Deposit Solutions paktiert mit Robo-Advisor Quirion.

Eine Konsolidierung in diesem Markt war seit einiger Zeit sehr vorhersehbar: Kleiner Gesamtmarkt (ca. € 2 Mrd.) mit sehr vielen Anbietern (>40) bei sehr niedrigen Markteintrittsbarrieren aufgrund überschaubarer Investitionsaufwendungen: Robo-Advice – Viel Bewegung im Markt vom 17.11.2017.

 

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen. Ort wird noch bekannt gegeben und je nach Interesse ausgewählt.

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Zweiundsechzig bis Eins

 

 

 

What goes wrong with #SustainableFinanceEU?

2018-01-31 SusFin

Grafic: EU Commission

13. December 2018

Dr. Ralf Breuer

The year 2018 fueled a lot of optimism into my views on sustainability in the financial industry. Getting started with the EU Action Plan on financing sustainable growth (#SustainableFinanceEU) many factors brought sustainability into the industry’s mainstream. Facing tremendous tail risks from climate the global leaders strongly confirmed this view. The long and hot summer with it’s drought and wildfires strongly built up a broad awareness for the changing climate moving it up on the political agenda. However, since the end of last week the optimism has become muted. And is not because of the lacking progress at the COP24 in Katowice, it is first of all the consultation pack published by the technical expert group (TEG) working on the taxonomy of assets as outlined in the action plan.

Disputable points disputed

The action plan found criticism mainly in two points:

1. Green supporting factor not logical

The EU Commission proposed a green supporting factor, i.e. reduced capital burdens for environmentally friendly assets. This is understandable as it shares the French view and secured a strong support. This was confirmed by President Macron’s personal engagement. From the regulatory point of view, it is rather „brown“ resp. „fossile“ to burden as this imposed tremendous tail risks on the financial industry.

2. The sequence of distribution directives and taxonomy

The commission almost immediately intended to amend the distribution directives for banks (MiFIDII) and insurance companies (IDD) and work out a classification for sustainable assets afterwards. For good reasons some from the industries doubted this sequence and proposed a different order.

Ecology should only be the gateway, not all

The action plan seemed open to all (17) sustainable development goals. Climate risk was a sensible approach as a „hook“ as this secured the support of the supervisory bodies because they see that the financial industry faces tremendous tail risks currently not covered in regulation. In addition, risks from climate change and energy transition have already deeply eaten into portfolios and collatoral pools.

However, the United Nations for good reasons set out 17 sustainable development goals (the „SDGs“) going far beyond ecology. Since 2017 the consensus view on sustainability turned in this – forward looking – direction, away from – historical – ESG criteria. The sustainability ratings will follow this move rather sooner than later.

In sharp contrast to this, the TEG has narrowed it’s terms of reference on environmental factors:

In line with the Commission’s legislative proposals of May 2018, the European Commission has set up a Technical Expert Group on Sustainable Finance (TEG) to assist it in developing;
• an EU classification system – the so-called taxonomy – to determine whether an economic activity is environmentally sustainable;
• an EU Green Bond Standard;
• benchmarks for low-carbon investment strategies; and
• guidance to improve corporate disclosure of climate-related information.

Taxonomy subgroup – Progress report p. 6

Thus, the outlined result will be a narrow one as well:

An EU taxonomy would fill these gaps, as it would inter alia:
 create a uniform and harmonised classification system, which determines the activities that
can be regarded as environmentally sustainable for investment purposes across the EU;
 address and avoid further market fragmentation and barriers to cross-border capital flows as
currently some Member States apply different taxonomies;
 provide all market participants and consumers with a common understanding and a
common language of which economic activities can unambiguously be considered
environmentally sustainable/green;
 provide appropriate signals and more certainty to economic actors by creating a common
understanding and single system of classification while avoiding market fragmentation
 protect private investors by avoiding risks of green-washing (i.e. preventing that marketing is
used to promote the perception that an organization’s products, aims or policies are
environmentally-friendly when they are in fact not);
 provide the basis for further policy action in the area of sustainable finance, including
standards, labels, and any potential changes to prudential rules.

Taxonomy subgroup – Progress report p. 7

The approach to taxonomy would be strongly flawed

1. Why only one goal?

The narrow approach focussing on environmental sustainability will heavily flaw the action plan. While market consensus and reality turned to SDGs and thus looking forward, the consultation pack sticks to ESG, strongly stressing the E for ecology. This stands in a sharp contrast to the strong growth of not climate-related instruments, e.g. at the Luxembourg Exchange LGX, where the number of „social bonds“ is increasing“.

Sustainable Finance should not be „one trick pony“. Climate change is a severe problem of sustainability, but unfortunately by far not the only one. Why should a taxonomy therefore exclude other burning questions like education, hunger, housing, inclusion etc.?

2. Historical ESG can be misleading

It is not straightforward, but also no rocket science to show, that the common historical sustainability benchmarks such as carbon footprint and ESG-Scores can be misleading for investment decisions with impact intentions in the future. The consultation document seems to confirm this outdated view starting with the NACA classification highlighting sectoral emissions (see Taxonomy subgroup – Progress report p. 9f).

The alternative is straightforward

According to a paper of the German sustainability rating agency imug (Wirkungsorientierte Investments zur Erreichung der UN Sustainable Development Goals – Impact investments to achieve the UN Sustainable Development Goals) the industry is on the move away from particular and individual ESG approaches to the SDGs, thus defining „a new normal“.

In some cases this normal is already put into practice, e.g. at the Dutch pension fund PGGM and APG Asset Management. Very impressive is the system of the German development finance agency DEG (KfW Group) which benchmarks the whole portfolio in development finance: We measure development outcome. The group is using a IOOI model (Input, Output, Outcome, Impact) that is also advocated by rating agencies, e.g. vigeo eiris.

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundsechzig

Inhalt:  Globale Investoren fordern dringend Klimaschutz; Deutschland bei Nachhaltigkeit: Heiter bis wolkig; Zweite Woche 24. Weltklimagipfel in Katowice; Finanzthema Klimaschutz und Klimarisiken; Nachhaltigkeit als Maßstab bei der Kreditvergabe; Nachhaltige Finanzwoche in New York; Weltbankgruppe: USD 200 Mrd. für Klimaschutz; Weltweit 140 neue Nachhaltigkeitsfonds…; …starkes Wachstum bei ESG-Aktien-Indexfonds in Europa; Verbraucherzentrale prüfte Nachhaltigkeitskriterien; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

10. Dezember 2018

Dr. Ralf Breuer

Globale Investoren fordern dringend Klimaschutz

454 globale Investoren haben eine dringende Aufforderung an die Politik unterzeichnet, die Ziele des Klimaschutzabkommens zu erreichen. Eine weitere Erderwärmung jenseits der 1,5 Grad würde zu „substanziellen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen führen. Dies sei aufgrund der derzeit vorhandenen nationalen Beiträgen zu befürchten, da auf dem derzeitigen Niveau der Anstrengungen die Ziele deutlich verfehlt würden.

„This ambition gap is of great concern to investors and needs to be addressed, with urgency. It is vital for our long-term planning and asset allocation decisions that governments work closely with investors to incorporate Paris-aligned climate scenarios into their policy frameworks and energy transition pathways.“

Die Investoren betonen auch, dass die bei der Umsetzung der Klimaziele führenden Länder und Unternehmen wirtschaftlich erheblich profitieren werden und folglich auch attraktive Anlagemöglichkeiten für Investoren darstellen:

„The countries and companies that lead in implementing the Paris Agreement and enacting strong climate and low carbon energy policies will see significant economic benefits and attract increased investment that will create jobs in industries of the future.“

Quelle: 2018 Global Investor Statement to Governments on Climate Change

Mit Allianz Global Investors, Allianz SE, DWS und Union Investment haben auch einige prominente deutsche Investoren die Erklärung unterzeichnet. Auffallend ist aber vor allem das Fehlen der Deka Investment als Dienstleister der größten Finanzgruppe, der Sparkassen.

Nachhaltigkeit in Deutschland: Heiter bis wolkig

Das Statistische Bundesamt hat den aktuellen Indikatorenbericht zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie veröffentlicht. Diagnose: „Heiter bis wolkig„.

Bereits zum siebten Mal hat das Statistische Bundesamt den Indikatorenbericht erstellt. Er folgt im Aufbau den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs) und bewertet die jeweiligen Indikatoren mit Wettersymbolen, woraus eben die im Tweet zitierte Einschätzung „heiter bis wolkig“ entstammt. Der Bericht ist eine interessante Lektüre und erlaubt einen tiefen Einblick in den Zustand dieses Landes und seiner Gesellschaft: Destatis Nachhaltigkeite Entwicklung in Deutschland – Indikatorenbericht 2018.

Zweite Woche 24. Weltklimagipfel in Katowice

Der 24. Weltklimagipfel „COP24“ in Katowice geht in die zweite Woche. Das Programm und die Randveranstaltungen füllen viele Internetseiten. Hier die offizielle Seite der Vereinten Nationen, United Nations Climate Change. Das Beitragsbild bzw. die nachfolgende Grafik wollen einen Überblick über die Veranstaltung vermitteln.

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Beitragsbild/Grafik: www.klimafakten.de

Ein Video aus Katowice mit der fünfzehnjährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg und ihrem Appell für den Klimaschutz fand in sozialen Medien tausendfache Aufmerksamkeit. Sie trat in einen Schulstreik und protestierte auf der Straße, um Politiker auf die Notwendigkeit von Maßnahmen aufmerksam zum machen. Weitere Menschen gesellten sich zu ihrem Protest. Mittlerweile fand ihre Aktion in vielen Ländern Nachahmung.

In ihrem Interview beklagt sie die verbreitete Unkenntnis über den Klimawandel bei Journalisten, Politikern und der breiten Öffentlichkeit. Sie regt die stärkere Einbeziehung jüngerer Menschen an. – Sehr hörenswert: „Something big has to happen“!

Insbesondere bei Politikern sieht sie nicht nur Defizite beim Wissen, sondern auch bei der Motivation: Ihr Job sei nicht die Rettung der Welt, sondern der Wahlsieg.

Finanzthema Klimaschutz und Klimarisiken

Anläßlich des Weltklimagipfels haben sich fünf Banken zusammengeschlossen, um ihre Kreditportfolien mit den Klimazielen des Klimaabkommens von Paris in Einklang zu bringen. BBVA, BNP Paribas, ING Groep, Société Générale und Standard Chartered wollen gemeinsam Methoden entwickeln, die Vereinbarkeit ihrer Kreditportfolien mit dem Klimaabkkommen von Paris zu messen und entsprechend zu steuern.

Auch für die Zentralbanken und Bankaufsichtsbehörden sind Klimarisiken – insbesondere der Klimawandel und die Energiewende – ein wichtiges Thema. Im Oktover 2018 haben insgesamt 18 Zentralbanken gemeinsam erklärt, dass sie diese als Teil ihres Mandats sehen. Besonders weit fortgeschritten sind die Überlegungen in Großbritannien und den Niederlanden, u.a. weil beide Länder von einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels unmittelbar stark betroffen werden.

In der Financial Times wurde dem Thema am 4.12.2018 erneut ein ausführlicher, sehr lesenswerter Artikel gewidmet. Es geht nicht mehr um die Frage, ob Klimarisiken relevant sind, sondern wie sie praktisch in die Finanzmarktregulierung eingehen sollen.

Strittig bleibt allein die Frage, ob „grüne“ Investitionen kapitalseitig begünstigt werden sollen, wie es die EU-Komission bei der Vorstellung ihres Aktionsplans im März 2018 gefordert hat (Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung). Hierfür gibt es unmittelbar keine logische Begründung, da es sich um „klassische“ Investitionen handelt, während Klimarisiken Langfristcharakter haben, was in der aktuellen Systematik der Rechnungslegung und Unternehmensberichterstattung nur unzureichend abgebildet wird.

Nachhaltigkeit als Maßstab bei der Kreditvergabe

Die norwegischen Bank DNB setzt bei der Vergabe von Krediten nachhaltige Maßstäbe an. Unternehmen, die nicht nachhaltig sind und umweltbelastende Produkte herstellen, haben es schwerer, Geld von der Bank zu bekommen.

Bei der Einschätzung des Risikos neuer Kunden sind Umwelt- und Klimabewertungen ein Faktor. „Unternehmen, die in ihrer Geschäftsstrategie keine Nachhaltigkeit haben, werden auf lange Sicht nicht lebensfähig sein“, sagte eine DNB-Sprecherin. So sei einem Hersteller von Einmalplastik kürzlich ein Kredit verweigert worden. Auch immer weniger Unternehmen in der Fossilbranche würden Finanzierungshilfe bekommen. (dpa/Handelsblatt 7.12.2018

Nachhaltige Finanzwoche in New York

Zeitgleich zum Start des Klimagipfels in Polen fand in New York eine Nachhaltige Finanzwoche (Sustainable Finance Week, Programm) mir verschiedenen großen Einzelveranstaltungen statt. Der Dienstleister Bloomberg hat aus diesem Anlass sein Informationsangebot erweitert und betreibt nun ein auf Nachhaltigkeit bzw. Verantwortungsbewusstsein ausgerichtetes Informationsangebot, den Bloomberg Good Business Hub. Bloomberg bietet hier kostenfrei auch den Bezug von wöchentlichen aktuellen Informationen per E-Mail an, den englischen Good Business Newsletter.

Weltbankgruppe: USD 200 Mrd. für den Klimaschutz

Die Weltbankgruppe hat für die nächsten fünf Jahre ein Finanzierungsprogramm von USD 200 Mrd. für den Klimaschutz initiiert (Pressemitteilung 3.12.2018 (EN)). USD 100 Mrd. will die Gruppe dabei unmittelbar selbst bereitstellen. Neben Maßnahmen zur CO2-Reduktion sollen auch präventive Schritte zur Vorbereitung auf den Klimawandel finanziert werden. Bereits 2018 wird die Gruppe USD 20,5 Mrd. bereitstellen. Der Betrag war eigentlich erst in 2020 geplant.

Weltweit 140 neue Nachhaltigkeitsfonds…

Bloomberg berichtet, dass 2018 weltweit 140 neue Fonds mit Nachhaltigkeitskriterien neu aufgelegt wurden. Dabei handelt es sich im wesentlichen um „verantwortungsbewußte Produkte“, die an SRI- bzw. ESG-Kriterien ausgerichtet sind. In der nachfolgenden Grafik wird zusammengestellt, wie sich die zehn größten Fonds im Vergleich zum breiten Aktienindex S&P 500 entwickelt haben. Für die Vereinigten Staaten schätzt Bloomberg den Marktanteil dieser Produkte auf über 25%, was in etwa einem Wert von USD 12 Bio. entspricht.

Quelle mit ausführlichen Informationen und einer Übersichtstabelle: Bloomberg 30.11.2018

…starkes Wachstum bei ESG-Aktien-Indexfonds in Europa

Der Fondsdienstleister Morningstar meldet am 7.12.2018: „Nachhaltiges Investieren wird immer mehr zum Mainstream in Europa“ (Valerio Baselli: ESG-Aktien-Indexfonds 2018 stark gesucht, 7.12.2018). Ende September gab es laut Artikel 199 nachhaltig investierende Indexfonds, darunter 55 ETFs. Seit Jahresbeginn ist das Volumen der Fonds bei Zuflüssen von € 8,65 Mrd. von € 84,2 Mrd. auf € 97,6 Mrd. gestiegen. Die Fonds sind mehrheitlich (182) Aktienprodukte, während Rentenprodukte (16) und Mischfonds (1) nur einen kleinen Anteil haben.

Wachstum des in ESG-Indexfonds verwalteten Vermögens

Auch bei den 18 neuen Produkten im Laufe des Jahres 2018 dominierten mit 17 die Aktienfonds. 10 dieser Produkte sind ETFs.

Verbraucherzentrale prüfte Nachhaltigkeitskriterien

Die Verbraucherzentale Bremen hat bei 14 Banken in Deutschland die Nachhaltigkeitskriterien unter die Lupe genommen und in einer Übersicht aufbereitet. Sie alle haben für ihre Eigenanlagen und die Kreditvergabe ethische-ökologische Kriterien, darunter acht Kreditinstitute mit kirchlichen Wurzeln. Die  Verbraucherzentrale untersuchte erneut die Auswahl dieser Kriterien.

Das Ergebnis in Kürze:

  • Nachholbedarf beim Klimaschutz: Nur sieben von 14 Banken schließen Investitionen in fossile Energieträger konsequent aus
  • Für zwei Banken ist die Atomindustrie kein Ausschlusskriterium
  • Fünf Banken wenden alle untersuchten Ausschlusskriterien an

Die Übersicht macht für Verbraucher auf einen Blick deutlich, welche Banken die für sie wichtigen ethisch-ökologischen Kriterien erfüllen. Daneben bietet die Verbraucherzentrale Bremen mit Marktchecks zu den Konditionen von Girokonten und Sparanlagen bei diesen Banken weitere Orientierungshilfen.

Zur Übersicht: Anlagekriterien_bei Banken_Nachhaltigskeitsstandards

©Verbraucherzentrale Bremen e.V.

Die Verbraucherzentrale hat auf ihrer Internetseite auch Informationen über nachhaltige Geldanlagen für Privatanleger zusammengestellt. Links finden sich auf der Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Einundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechzig

Inhalt:  24. Weltklimagipfel: „Nur eine Existenzfrage“; Frankreich: Drei Tage Klimafinanzierung; Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft; Ohne Nachhaltigkeit ist es Selbstmord; FNG-Siegel mit starkem Wachstum; Irgendwas Digitales ist noch keine Digitalisierung Apropos: Digitaler Kanal und Kommunikation; In eigener Sache: #nachhaltige100: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

3. Dezember 2018, ergänzt 4.12.2018 (Pressemitteilung Climate Action Network Europe, Zitat Richard David Precht, Bericht Finanz-Szene.de)

Dr. Ralf Breuer

24. Weltklimagipfel: „Nur eine Existenzfrage“

Heute beginnt in Katowice, Polen, der 24. Weltklimagipfel „COP24“. Das Programm und die Randveranstaltungen füllen viele Internetseiten. Hier die offizielle Seite der Vereinten Nationen, United Nations Climate Change. Das Beitragsbild bzw. die nachfolgende Grafik wollen einen Überblick über die Veranstaltung vermitteln.

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Beitragsbild/Grafik: www.klimafakten.de

Der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat gleich zur Eröffnung des deutschen Pavillons deutlich gemacht, um was es bei der Bekämpfung des Klimawandels geht: Dem Überleben der Menschheit.

Ein Jahr nach COP23 in Bonn wurden bei der Bekämpfung des Klimawandels kaum Fortschritte erzielt. Allerdings haben der heiße Sommer und auch die Berichterstattung um den Hambacher Forst das Bewusstsein in der breiten Bevölkerung deutlich verändert. Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen haben noch einmal deutlich gezeigt, dass das Wählerinteresse an Nachhaltigkeit deutlich ausgeprägter ist als dies im Wahlkampf von den großen Parteien zum Ausdruck gebracht worden ist.

Dies wurde besonders in der Berichterstattung zur Wahl in Bayern deutlich, zu der die Nummer Dreiundfünfzig folgende Übersicht enthielt:

Quelle: Twitter/Jörg Schönenborn, WDR, Daten: infratest Dimap

Während die Politik nachhaltige personelle Querelen bot, war das Interesse an nachhaltigen Themen wir Bildung, Wohnen und Klimaschutz deutlich stärker ausgeprägt als an der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Dies war ebenfalls in Schweden der Fall, das bekanntlich von der Sommerhitze und großen Waldbränden besonders betroffen war (vgl. Nummer Sechsundvierzig).

Gleich zu Beginn des Gipfels am 3.12. sorgten einige Länder für positive Schlagzeilen und setzen Ausrufungszeichen: Der niederländische Ministerpräsident kündigte für sein Land ein ambitionierteres Klimaziel mit 55% CO2-Reduktion per 2030 an. Finnland, Luxemburg, Österreich und Spanien betonten die Notwendigkeit größerer Anstrengungen in ihren Ländern und der gesamten EU, sie erneuerten ihre Unterstützung einer CO2-Neutralität per 2050. (Pressemitteilung Climate Action Network Europe vom 3.12.2018

 

Frankreich: Drei Tage Klimafinanzierung

Vom 26. bis 28. November fand in Paris „der“ Climate Finance Day (#CFD2018) statt. Trotz der Ausdehnung der Veranstaltung von einem auf drei Tage wurde der Name beibehalten. Die Anzahl der Teilnehmer stieg gegenüber dem Vorjahr um 50% auf 1.500. Insgesamt sprachen 100 Personen, darunter auch die Spitzen der großen französischen Finanzakteure. Der französische Staatspräsident und der Minister für Wirtschaft und Finanzen hatten die Schirmherrschaft übernommen. Zum Ende der Veranstaltung wieder holte der Minister praktisch die Aussagen des Präsidenten der EU-Kommission am 28.3.2018 in Brüssel: All finance has to be sustainable!. Nummer Zweiunddreissig bzw. Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung.

In den sozialen Medien wurde das Motto der Veranstaltung als Schlagwort benutzt: #GetUpScaleUp. Die Veranstaltung war geradezu gespickt mit Bekenntnissen zu Nachhaltigkeit und nachhaltiger Finanzwirtschaft. Mehr Informationen über die Seite https://financefortomorrow.com/.

Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft

Gleich zu Beginn der Veranstaltung lancierten 28 Banken unter dem Dach der UNEP Finance Initiative einen Entwurf für die „Principles of Responsible Banking“, die bis zum 29.5.2018 offen für Konsultationen sind. Während sich große Finanzgruppen aus Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien engagiert haben, sucht man deutsche Unterzeichner vergeblich. Allerdings sind Consorsbank, ING Deutschland und Triodos Bank Deutschland über ihre Muttergesellschaften einbezogen. Weitere Informationen und weiterführende Links (EN): hier.

Quelle: http://www.unepfi.org/banking/bankingprinciples/

Vom Grundsatz geht es vor allem um eine Harmonisierung der Geschäftspolitik mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, den SDGs und die externe Transparenz. Und in diesem Fall sind Träger der Initiative nicht die Banken, die sich schon für ein wertegetriebenes Bankgeschäft engagiert haben, sondern eben auch globale Geschäftsbanken.

Ohne Nachhaltigkeit ist es Selbstmord

Starke Worte wählte Adrie Heinsbroek, Principal Responsible Investment bei NN Investment Partners, der Vermögensverwaltungsgesellschaft der niederländischen NN Group:

Kaum noch etwas hinzuzufügen, vielleicht noch die positive Formulierung: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0.

 

FNG-Siegel mit starkem Wachstum

Die Anzahl der Fonds, die sich 2018 um das FNG-Siegel beworben haben, lag mit 66 um 40% über dem Vorjahreswert. 65 Fonds wurden ausgezeichnet, davon 25 mit drei und 28 mit zwei Sternen, 11 Fonds erhielten nur einen Stern, ein Fonds keinen, aber das Siegel. Gegenüber der Gesamtzahl von Fonds mit „nachhaltig“ im Etikett bleibt die Anzahl der Bewerbungen allerdings klein: Je nach Datenquelle werden 643 (Scope) bzw. 450 (SBI) genannt.

2018-11-29 FNG

Foto: Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH

Auffällig bleibt, dass unter den Fonds die Produktangebote für private Kunden der größten deutschen Fondsgesellschaften völlig fehlen: Deka Investment und DWS Deutschland haben sich gar nicht beworben, Union Investment nur mit Fonds für institutionelle Kunden: FNG-Siegel 2018Präsentation Vergabefeier 29.11.2018

Irgendwas Digitales ist noch keine Digitalisierung

In der Nummer Nummer Neunundfünfzig war ein Teil dem Thema Digitalisierung gewidmet, die kein Selbstzweck ist, sondern sich auch über die SDGs definieren lässt. Einen Tag später erschien ein Beitrag des bekannten britischen Autors, Beraters und Redners Chris Skinner, der diesen Aspekt noch einmal betont:

Er stellt sehr pointiert fest, dass die Banken zwar alle etwas Digitales machen, das Ziel einer digitalen Transformation aber weit verfehlen:

But it is the case that when I take the pulse of the majority of banks doing digital, they are doing stuff that is digitally-related but it is often missing the mark. They are doing apps and redeveloping services, but they’re not really committed to transformation or to really reinvent the bank for the 21st century to compete with Amazon and Alibaba.

Chris Skinner; Are you really ‚Doing digital‘??

Auch der Autor und Philosoph sieht Digitalisierung zu allererst als Mittel zum (nachhaltigen) Zweck:

Apropos: Digitaler Kanal und Kommunikation

Passend zu den Aussagen oben sind auch die Eindrücke über viele „Auftritte“ in sozialen Medien. Viele Betreiber von Kanälen bei Facebook, Twitter etc. verstehen ihre Konten als weiteren Kanal von Einwegbotschaften. Auf Fragen, Kommentare etc. wird kaum oder gar nicht reagiert. Das ist aber für Menschen, die dort unterwegs sind ein klares Signal zum Abschalten.

Die wenigen erfolgreichen und interessanten Auftritte in sozialen Medien zeichnen sich durch ein inhaltliches Konzept und ganz besonders auch durch „Zulesen“ aus, was allerdings eine qualifizierte und vor allem auch ressourcenfordernde Betreuung voraus setzt. Beides ist in Finanzwirtschaft und auch in der Politik eher die Ausnahme.

Dabei lassen sich die guten Kanäle leicht anhand von „gefällt mir“, Abonnenten oder Followern erkennen. Wer das einmal selbst versucht hat, ist erschrocken wie unbeliebt manche Betreiber sind. Die Gründe hierfür sind praktisch immer in Konzeptionslosigkeit und eine wenig qualifizierte bzw. intensive Betreuung zu erkennen.

Ein Beispiel für ein erfolgreicheres Konzept bieten „AINO“ bzw. „Heute in Hamburg“, eine App für „Events, Locations & Wissenswertes in Hamburg“. Betreiber ist eine Tochtergesellschaft der Hamburger Sparkasse Haspa, die Haspa Next GmbH.

Damit soll bei einer jungen lokalen Zielgruppe das erreicht werden, was als „Relevanz“ von morgen gesucht wird (Nummer Achtundfünfzig). Und zwar gerade nicht als schriller Werbe- und Verkündigungskanal, sondern Informations- und Kommunikationsangebot. Damit wird die Zahl der interessierten Nutzer und „gefällt mir“ bei den meisten bundesweiten Finanzdienstleistern deutlich übertroffen.

Finanz-Szene.de: Stefan Effenberg zur Volksbank

Der Bericht von Heinz-Roger Dohms in dem auflagenstarken Branchendienst Finanz-Szene.de vom 4.12.2018 fand für nationales Medieninteresse: Exklusiv: Stefan Effenberg startet zweite Karriere – und wird Banker. Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden will damit ihre Fussball-Expertise weiter verstärken. In einem Land voller Fussballexperten völlig naheliegend, die Kenntnisse der 229-X Mitarbeiter/-innen für Geschäfte im internationalen Fussball zu nutzen. Hierüber war am 21.11.2018 ebenfalls in Finanz-Szene.de schon berichtet worden: Exklusiv: Das endcoole Kreditbuch einer kleinen thüringischen Volksbank, u.a. mit Atletico Madrid und dem 1. FC Köln als Kunden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® gegenüber dem Vormonat Oktober 2018 von Rang 91 auf 84 geklettert.  Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97) und im Oktober auf 91 platziert.

Die Akteure der Übersicht waren zu einem Treffen auf dem Heldenmarkt am 17.11.2018 in Berlin eingeladen. Spannend, einmal viele der anderen Blogger persönlich kennen zu lernen!

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunundfünfzig

csm_Das_sind_die_SDGs_17_Ziele_UN_c70fe655be

Inhalt:  Vorneweg: Und wie sie sich bewegt!; SDGs – Schluss mit der Verwirrung bei Nachhaltigkeit!?; DNS-Aktualisierung: Nachhaltige Finanzwirtschaft drin; Tomorrow macht Nachhaltigkeit bei Finanzen „hip“; SDGs und der Sinn der Digitalisierung; Digitalisierung: Hoher Nutzen in Entwicklungsländern; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

26. November 2018

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg: Und wie sie sich bewegt!

Der Otto-Katalog macht Schluss und die Nachhaltigere Finanzwirtschaft legt ihre neunundfünfzigste Ausgabe vor. Und die fünfunddreissigste im Jahr 2018 wird wohl kaum schon die letzte sein. Nachhaltigkeit in und außerhalb der Finanzwirtschaft hat im laufenden Jahr deutlich an Dynamik, Momentum, Wucht oder wie auch immer gewonnen. Die nachfolgenden Informationen sind dafür ein guter Beleg. So füllt sich die nächste Ausgabe nach der Veröffentlichung einer Ausgabe mit 1.000+ Worten jeweils fast von selbst wieder.

Und dabei kann noch lange nicht alles aufgenommen und kolportiert werden, was es vielleicht gäbe. Manches ist interessant, aber doch nicht interessant genug. Z.B. auch der aktuelle Gang zum Zeitschriftenkiosk:

Capital Magazin vom 22.11.2018 mit dem Titel „Grüne Renditen – Nachhaltige Geldanlage ist das neue Trendthema. Man kann sogar gut damit verdienen – wenn man es richtig macht

FinanzTest vom 13.11.2018: „Nach­haltige Geld­anlagen: Bequem ökologisch und ethisch anlegen“ (Link)

Im aktuellen Heft der Öko-Test vom 22.11.2018 gibt es „Nachhaltige Fischzucht“ und „Frohe Nachhaltigkeit – Viele gute Tipps zum Fest„, leider hat die Redaktion es aber versäumt, Nachhaltigkeit auch bei der „Übersicht Geldanlage für Kinder – Für den guten Start ins Leben„. Eigentlich fatal angesichts der Langfristrisiken, insbesondere aus Klimawandel und Energiewende. Da wurde leider nur auf vergünstigte kurzfristige Zinsangebote, nicht aber auf längerfristige Geldanlagen geschaut, die diesen Namen wirklich verdient hätten.

Nachhaltigkeit quillt derzeit nur so aus den Werbeständern, Wochenprospekten des Lebensmitteleinzelhandels (siehe Alltagsfotos Nachhaltigkeit), vielen auflagenstarken Zeitschriften (s.o.), weniger bekannten Onlineportalen (z. B. enorm-magazin.deutopia.de und sogar der Radiowerbung für Mineralwasser quillt (aktuell: Ensinger SPORT Nachhaltig und modern). Und trotzdem passieren die wirklich wichtigen Dinge eher am Rande und schaffen es auch nur ausnahmsweise (z.B. Tomorrow, s.u.) in die Massenmedien.

Ja, ausnahmsweise einmal eine Art Superlativ: Die nachfolgenden Meldungen sind wirklich wichtige Signale. „Breaking News“ für die „Denglish“-Liebhaber!

Denn:

1. Die verwirrende Vielfalt der z.T. widersprüchlichen externen Nachhaltigkeitsratings könnte ein baldiges Ende haben

2. Die Bundesregierung nimmt Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft endlich ernst

3. Nachhaltigkeit wird nicht nur „Mainstream“, sondern aktuell sogar zu einem hippen Bankangebot

4. Digitalisierung ist als Beitrag zu Nachhaltigkeit leichter zu verstehen, ohne einen sichtbaren Beitrag kann auch alles analog bleiben. Das erschließt sich allerdings in Afrika unmittelbarer als hier. Allerdings: Auf der Konferenz Bits & Bäume wurden am 17. und 18. November 2018 in Berlin den 1.700 (!) Besucher/-innen die vielfältigen Beziehungen zwischen den bedauerlicherweise sehr oft von einander isolierten Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit aufgezeigt: Programm Bits & Bäume.

SDGs – Schluss mit der Verwirrung bei Nachhaltigkeit!?

Nach der Vorstellung des neuen Ratingsystems „DERa“ der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG) drängte sich die Frage auf, wann solche an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) die herkömmlichen Nachhaltigkeitsratings verdrängen werden und damit – endlich – eine einheitliche Transparenz herstellen. DERa durchleuchtet das Finanzierungsportfolio der DEG komplett auf der Basis der 17Ziele und nutzt ein sogenanntes „IOOI-Modell“. Bei diesem Modell werden auf Basis der eingesetzten Mittel (‚Input‘) die konkreten Maßnahmen und Angebote (‚Output‘) erhoben und in der der Stufe ‚Outcome‘ das Ergebnis erhoben. Dies ist konkret die  Veränderung bei der Zielgruppe des Investments.‚Impact‘ als letzte Stufe wird nach dieser Methode erreicht, wenn gesellschaftliche Veränderungen eintreten. (vgl. Nummer Vierundfünfzig bzw. die dort enthaltenen Links zu den Originalquellen).

Die Frage, wann ein IOOI-Modell wie DERa die herkömmlichen Nachhaltigkeitsratings in ihrer verwirrenden Vielfältigkeit ablösen werde, wurde vom Podium mit einem augenzwinkenden Lächeln und Schulterzucken beantwortet. Die Antwort gab es nun knapp einen Monat später: Sehr bald!

„Die SDGs sind dabei eine große Chance, Klarheit und Transparenz für Emittenten, Investoren und Intermediäre zu schaffen. Gleichzeitig sei davor gewarnt, die SDGs allzu leicht als Marketing-Tool verwässern zu lassen. Nur ehrgeizige Ansätze, die eine angemessene Menge an SDG-Zielen ambitioniert adressieren, haben eine Chance, einen wirklichen Mehrwert zu bieten. Die Zeiten dafür sind dringlicher denn je.“

Heisst es im Fazit auf S. 16 eines Papiers der Ratingagentur imug: imug_Impuls_2018 -Wirkungsorientierte Investments zur Erreichung der UN Sustainable Development Goals. S. 8 beschreibt abstrakt exakt jenen Modellansatz, die die DEG bei DERa bereits praktisch für sich umgesetzt hat. imug selbst ist bereits mit seinem „imug Impact 360° Standard“ aktiv, der eine nützliche Entscheidungshilfe für Investoren darstellt und teilweise bereits im institutionellen Bereich genutzt wird (vgl. 16).

Insgesamt ist das Papier von imug sehr informativ in seiner kritischen Abwägung der SDGs als Orientierungsrahmen für Nachhaltigkeit und Investitionsentscheidungen. Der Tenor des Papiers wird aber sehr klar: SRI und ESG mit einer darauf aufbauenden Ratingvielfalt war gestern, die Zukunft wird von den SDGs geprägt – siehe obiges Zitat aus dem Fazit!

DNS-Aktualisierung: Nachhaltige Finanzwirtschaft drin

Im Juni 2018 rief die Bundesregierung zu Konsultation zur anstehenden Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) auf. Zum damaligen Zeitpunkt hatte Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft sowie der darauf gerichtete Aktionsplan der EU-Kommission keine sichtbare Bedeutung. Dies stand auch bei dem in diesem Blog veröffentlichten Beitrag Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie im Hintergrund wie auch schon bei dem mitunterzeichneten Offener Brief zum Thema Sustainable Finance an Brüssel und Berlin.

Erfreulicherweise finden sich in der nunmehr dem Deutschen Bundestag von der Bundesregierung vorgelegten Unterrichtung klare Bekenntnisse zum Aktionsplan der EU-Kommission und der Absicht der Regierung, eine Umsetzung voran zu treiben, z.B. auf den Seiten 15 und 28 (Textrahmen): Deutscher Bundestag, Drucksache 19/5700 vom 8.11.2018: Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie – Aktualisierung 2018

Tomorrow macht Nachhaltigkeit bei Finanzen „hip“

Die Ausgaben Nummer Siebenundfünfzig und Nummer Achtundfünfzig enthielten bereits Berichte über den offiziellen Start der Tomorrow Bank aus Hamburg am 16.11.2018 und tatsächlich haben die Gründer bisher schon vieles richtig gemacht, z.B. die in der Branche als gelungen angesehene Kampagne und auch den Angang in sozialen Medien.

Quelle: Tomorrow via Facebook

Noch immer ist nicht ganz klar, wie die nachhaltigen Versprechen eingelöst werden sollen, aber immer wieder tauchen neue, ansprechende Bausteine auf. So z.B. der Wirkungsmonitor (Impact Board) in der App:

Quelle: Tomorrow via Tobias Baumgarten @aboutfintech auf Twitter

SDGs und der Sinn der Digitalisierung

Am 14.11.2018 traf sich die Bundesregierung zur Digitalklausur. Am 15./16.11.2018 entwickelte sich dann auf Twitter eine Diskussion, die einiges an Tragweite auf die Sicht der Dinge hat. Ausgelöst haben Sie eine Mitarbeiterin beim Rat für Nachhaltige Entwicklung und die Bundesumweltministerin Svenja Schulze:

Am darauf folgenden Wochenende fand in Berlin die Konferenz „Bits und Bäume“ mit 1.700 Teilnehmenden statt. Die SDGs helfen nicht nur bei der Nachhaltigkeit, sondern auch der Sinnsuche in der Digitalisierung (vgl. auch hier im Blog Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit mit engen Verbindungen). Das zweitägige Programm bot vielfältige Einblicke in die zahlreichen Verbindungen zwischen den beiden, oft scheinbar isoliert bearbeiteten Themengebieten: Programm Bits & Bäume 17./18.11.2018.

Wie sich Nachhaltigkeit und Konsum in der analogen Welt besser in Einklang bringen lässt zeigte der zeitgleich ebenfalls in Berlin stattfindende Heldenmarkt mit 200 Ausstellern. In diesem Rahmen organisierte die Triodos Bank Deutschland ein Treffen der #nachhaltige100, Menschen, die in sozialen Medien zum Thema Nachhaltigkeit aktiv sind – vgl. Nummer Achtundfünfzig.

Digitalisierung: Hoher Nutzen in Entwicklungsländern

Wie wichtig die Zusammenhänge zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind, zeigt sich immer wieder, z.B. in Afrika, aktuell in einem von der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG)  in Äthiopien finanzierten Projekt:

Noch immer haben etwa 2 Mrd. Menschen keinen Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen. Und unter diesem Mangel leiden sie nicht nur z.B. in Hinblick auf Lästigkeiten, sondern u.a. auch finanziell, indem sie gezwungen sind teure Dienstleister für den Zahlungsverkehr in Anspruch zu nehmen – internationale Zahlungen bei Western Union & Co können durchaus 20% Provision verursachen! Die in der Gründung befindliche Bank 1bank4all will genau hier und bei den täglich von Nord nach Süd transferierten € 2 Mrd. (!!!) ansonsten und günstige Leistungen anbieten. Andere Anbieter tun dies ebenfalls schon in einer von den Banken aus dem eigenen Kostenblick heraus geöffneten sehr margenstarken Nische!

Diese besteht auch noch mehr als 10 Jahre nach dem Start von M-Pesa in Kenia, einem von der kenianischen Mobilfunkfirma Safaricom in Kooperation mit dem Kommunikationsunternehmen Vodafone entwickelten System. Es wurde Anfang 2007 in Kenia eingeführt und  ermöglicht die Abwicklung von grundlegenden Funktionen des Geldtransfers und des bargeldlosen Zahlungsverkehrs über Mobiltelefone. Zuletzt kam das Unternehmen allerdings aufgrund hoher Ausfälle der mittlerweile ebenfalls eingeführten kleinen und kleinsten Konsumentenkredite in Verruf (vgl. Digitale Mikrokredite sorgen für steigendes Ausfallrisiko, Die Vorbänker 23.11.2018).

Finextra berichtete nun von einer neuen Dimension des mobilen Zahlungsverkehrs auf dem afrikanischen Kontinent: Zwei der größten Mobilfunkanbieter (MTN und Orange) haben sich zu dem Projekt „Mowali“ zusammengeschlossen, um netz- und grenzübergreifende Zahlungen in 22 von 46 Märkten der Sub-Sahara zu ermöglichen. Damit sollen über 100 Mio. mobile Zahlungsverkehrskonten in Echtzeit und zu niedrigen Gebühren verbunden werden.

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtundfünfzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundfünfzig

2018-11-14 Green Bonds 500

Beitragsbild/Bild: Environmental Finance

Inhalt:  Herbst 2018: Der Finanzmarkt wird bunter; Es grünt weiter an den Anleihemärkten; Deutsche Börse mit neuem Segment; BlackRock bietet Green Bonds für alle; Brown to Green Report: Viel Lärm, wenig Taten; Neue Angebote für nachhaltige Finanzdienstleistungen – Tomorrow + Vividam; Sparkassen: Suche nach der Relevanz von morgen; Treffen #Nachhaltige100; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

21. November 2018

Dr. Ralf Breuer

Herbst 2018: Der Finanzmarkt wird bunter

Die Deutsche Börse AG eröffnet ein Segment für „grüne Anleihen“, die DZ Bank platziert „blaue Schuldscheine“, Tomorrow bietet nachhaltige Girokonten, Vividam nachhaltige Geldanlagen: Der deutsche Finanzmarkt hat in kurzer Zeit weiter an Farbe gewonnen. Einige aktuelle Inspiration für Sparkassen, die sich aktuell auf dem FI-Forum, der Hausmesse der Finanz Informatik (FI) in Frankfurt, auf die Suche nach der Relevanz von morgen begeben haben. Und vielleicht findet sich ein Schlüssel: „Regionalität nutzen, um gesellschaftlichen Nutzen vor Ort zu stiften“ findet sich auf Twitter (s.u.) könnte passen.

Es grünt weiter an den Anleihemärkten

In den elf Jahren seit seiner Existenz hat das Volumen der begebenen „grünen Anleihen“ (Green Bonds) kürzlich die Schwelle von USD 500 Mrd. überschritten. Davon entfielen USD 162 Mrd. auf das Jahr 2017 sowie USD 132,7 Mrd. auf das laufende Jahr bis November. Einige Beobachter gehen davon aus, das bereits jetzt das Volumen des Vorjahres erreicht wurde. Die Erwartungen für das gesamte Jahr 2018 stehen bei USD 210 Mrd. (vgl. Climate Bonds Initiative).

Immer mehr Emittenten und Varianten

Neben der Commerzbank und der KfW Gruppe (Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag) sind weitere Finanzinstitute zuletzt aktiv geworden: ING Grouß begab insgesamt € 2,6 Mrd. und nach dem Debut der DZ Bank (€ 250 Mio., Nummer Einundfünfzig) wurde für den Jahresbeginn 2019 eine Emission der Tochter DZ Hyp avisiert (DZ Hyp primed to start green bond project after post-merger debut). DZ Hyp ist einer der größten Emittenten für „gedeckte Anleihen“ (covered bonds), zu denen Hypothekenpfandbriefe zählen. Während die meisten Green Bonds unbesicherte Unternehmensanleihen mit einer zweckgebundenen Mittelverwendung sind, steigt der Anteil der Anleihen, deren Rückzahlung und Verzinsung unmittelbar mit den finanzierten Projekten gedeckt wird. Der insgesamt steigende Anteil liegt gemäß Moody’s aktuell bei etwa 17%.

Green Bonds nur eine Erscheinungsform

Anleihen mit nachhaltigen Finanzierungszwecken orientieren sich vermehrt auch an anderen nachhaltigen Entwicklungszielen als dem Klima- und Umweltschutz, z.B. dem Schutz der Ozeane oder sozialen Zwecken. So gat due DZ Bank kürzlich eine Privatplazierung im Genossenschaftssektor arrangiert, die ausschliesslich Projekten in den Bereichen Wasser und Maritimes dient.

Deutsche Börse mit neuem Segment Green Bonds

Am 12.11.2018 gab die Deutsche Börse AG die Eröffnung ihres neuen Marktsegments bekannt Pressemitteilung 12.11.2018: „Die Deutsche Börse hat ein neues Segment für Green Bonds an der Frankfurter Börse eingeführt. Darin sind zum Start 150 Anleihen enthalten, die den Green Bond Principles der International Capital Markets Association entsprechen. …

… Die Green Bond Principles der International Capital Markets Association berücksichtigen unter anderem die Verwendung des Emissionserlöses, den Prozess der Projektauswahl, das Management und das fortlaufende Reporting.

Das Green Bond-Segment ist Teil eines großen Ganzen. Die Deutsche Börse setzt sich bereits seit Längerem für nachhaltige Finanzierung ein. Neben einem Produktportfolio von rund 100 Nachhaltigkeitsindizes hat die Deutsche Börse in diesem Jahr gemeinsam mit dem Hessischen Wirtschaftsministerium das Green and Sustainable Finance Cluster Germany initiiert. Die Initiative verfolgt das Ziel, die Expertise rund um das Thema nachhaltige Finanzwirtschaft effizient zu nutzen und konkrete Handlungsansätze für die Zukunftsfähigkeit von Finanzmarktstrukturen umzusetzen – national wie international.“

Die Deutsche Börse folgt damit den Nachbarbörsen in London und Luxemburg, die bereits 2015 bzw. 2016 entsprechende Segmente eröffneten.

BlackRock bietet Green Bonds für alle

Die Möglichkeiten einer privaten Geldanlage in Green Bonds waren bisher für private Anleger auf einige wenige  Investmentfonds beschränkt. BlackRock hat nun diesen Markt zunächst in den USA mit einem ETF (Exchange-trade fund) geöffnet, dem iShares Global Green Bond ETF, mit dem auch private Anleger mit kleinen Beträgen und geringen Kosten in den global stark wachsenden Markt investieren können (weitere Informationen (EN)). Es ist zu erwarten, dass sich die starke Zunahme nachhaltiger Anlagevarianten bei diesem (vgl. Nummer Vierundfünfzig) und weiteren Anbietern rasch fortsetzt.

Brown to Green Report: Viel Lärm, wenig Taten

Der kürzlich erschienene „Brown to Green Report“ des New Climate Institute stellt den Industriestaaten der G20 ein schlechtes Zeugnis für den Klimaschutz aus. Danach müssten die Staaten in der Summe ihre CO2-Emissionen bis 2030 halbieren, im den Temperaturanstieg auf 1,5% zu begrenzen. Derzeit sei von einem Anstieg um 3,2% auszugehen. Lediglich Indien habe derzeit die Nähe einer Zielerreichung umsetzen können. Einzelheiten: Informationsseite Brown to Green Report 2018 (EN).

Neue Angebote für nachhaltige Finanzdienstleistungen

Tomorrow

Wie avisiert startete am 16.11.2018 das Angebot der Tomorrow Bank aus Hamburg (vgl. S. Nummer Sechsundfünfzig und Nummer Siebenundfünfzig). Auf die immer wieder gestellte Frage, wie die Mittelverwendung und damit die Aktivseite nachhaltig gestaltet werden sollte, gab Tomorrow jetzt eine vorläufige erste Antwort per Mail in ihrem Newsletter vom 16.11.:

€ 50.000 sollen in die Finanzierung von Mikrokrediten investiert werden: „Zum Start investieren wir in einen Mikrofinanzfonds, der mehrere Dutzend Institute weltweit finanziert. Der Fokus liegt auf Süd- und Mittelamerika, Asien und Osteuropa. Im Schnitt betragen die Mikrokredite rund 1.300€ und werden zum großen Teil an Frauen ausgehändigt. Häufig bieten die Institute den Kreditnehmer*Innen auch Weiterbildung an, z.B. Kurse in Buchhaltung, um das Mikrounternehmen erfolgreicher leiten zu können. Während solche Angebote den Kunden neue Perspektiven eröffnen, senken sie für die Mikrofinanzinstitution das Kreditausfallrisiko.“

Nähere Informationen zu dem gekauften KCD Mikrofinanzfonds III finden sich hier.

Vividam – nachhaltige Vermögensverwaltung

Nach ebenfalls längerer Anlaufphase startet mit Vividam ein hybrides Online -Anlageangebot. Die Anlagestrategien sollen mit aktiv gemanagten Fonds umgesetzt werden, die sich an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen orientieren. Derzeit stehen drei Strategien mit 30, 50 und 70% Aktienquote zur Wahl. Aufbauend auf einer Einmalanlage von € 3.500 können auch Sparpläne ab € 75 monatlich abgeschlossen werden. Einzelheiten und das Angebot: www.vividam.de/

Sparkassen: Suche nach der Relevanz von morgen

Auf dem FI-Forum, der Hausmesse der Finanz Informatik (FI) in Frankfurt, begeben sich die Sparkassen vom 20. bis 22.11.2018 auf die Suche nach der Relevanz von morgen. Zwar mögen die Versionen 2.0 und 3.0 unklar bleiben, aber 1.0 lautete klar die Versorgung un(ter)versorgter Bedürfnisse der Bevölkerung (vor allem in Städten).

Bild: @aboutfintech via Twitter

Besonders relevant erscheint folgende Feststellung:

Auf der Grundlage der eigenen Spendenvergabe (mit der Gießkanne) wird zwar Gemeinnützigkeit immer wieder betont, aber nicht wirklich im Sinne der obigen Aussage gelebt. Dabei ist genau das die Lösung für die Suche nach der eigenen Relevanz: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0. Wie groß die Potenziale in Einzelfällen sein könnten, lässt sich aus der letzten Übersicht des Fair Finance Guide ableiten, auch wenn dessen Perspektive eher nach innen gerichtet ist:

2018-10-30 FairFinanceGuide

Quelle: Bankencheck 3.0 – Fair Finance Guide

Treffen #nachhaltige100

Die Triodos Bank Deutschland hatte am 17.11.2018 zum Treffen der #nachhaltige100 eingeladen: Menschen, die in sozialen Netzwerken zum Thema Nachhaltigkeit aktiv sind. Die Bank aktualisiert monatlich in ihrem Blog eine Liste mit den Aktivitäten: #nachhaltige100. Investabel® wird derzeit auf Rang 91 geführt.

Der Heldenmarkt, eine Messe für nachhaltigen Konsum, bildete in Berlin den Rahmen. Mit bettervest, Facing Finance e.V., GLS Bank, Oikocredit, Triodos Bank Deutschland, Umweltbank waren einige nachhaltige Finanzangebote bzw. Beobachter vertreten. Es war interessant, sich mit den Ausstellern und vielen der in den Medien aktiven Menschen einmal persönlich kennen zu lernen und sich auszutauschen.

Dabei gab es auch ein Plakat zu sehen, dass die Vielfalt der nachhaltigen Angebote für private Menschen eindrucksvoll zusammenstellt:

Quelle/Bezug: https://www.hilfswerft.de/poster/

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

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Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Siebenundfünfzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundfünfzig

2018-11-08 GABV

Beitragsbild/Bild: Global Alliance for Banking on Values

Inhalt: Bundesregierung + Nachhaltigkeit: Prominente Schelte; Nachhaltige Finanzen im Parlamentarischen Beirat; …und bei der Deutschen Bundesbank; Tu Gutes und rede darüber!; Dematerialisierung – Nachhaltigkeit und Digitalisierung; Nachhaltigkeit und kognitive Dissonanz; Handelsblatt: Neue Fonds mit Nachhaltigkeit; CSR Kooperationsveranstaltung am 15.11.2018 in Bonn; 16.11.2018: The first Day of Tomorrow!; 17.11.2018: Treffen #nachhaltige100 auf dem Heldenmarkt;  20.11.2018: Globe EU High-Level Conference Brüssel; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

12. November 2018

Dr. Ralf Breuer

Bundesregierung + Nachhaltigkeit: Prominente Schelte

In einem Interview für das Hamburger Abendblatt am 6.11.2018 äußerte sich der frühere Regierende Bürgermeister der Hansestadt Ole von Beust zur Positionierung der großen Parteien unter der Überschrift „Der CDU scheint Nackensteak wichtiger als Nachhaltigkeit“: „Programmatisch versteht die SPD Sozialpolitik immer noch als Alimentierung statt Vorbeugung. Und der CDU scheint das Schweinenackensteak, der Verbrennungsmotor und Arbeit bis zum Umfallen wichtiger zu sein als Nachhaltigkeit und Work-Life-Balance.“ Text: Hamburger Abendblatt 6.11.2018.

Nachhaltige Finanzen im Parlamentarischen Beirat

Über den Fragenkomplex der „Nachhaltigen Finanzen“ und die Pläne der EU-Kommission für eine Nachhaltigkeits-Taxonomie hat der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung unter Leitung von Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU) am Mittwoch, 7. November 2018, mit drei Experten in einem öffentlichen Fachgespräch diskutiert.

Die Experten waren:

Kristina Jeromin, Leiterin der Abteilung Nachhaltigkeit bei der Deutschen Börse AG: „Das ist kein Nischenthema, sondern sollte uns als Wirtschaftsstandort permanent ganz zentral interessieren. Das derzeitige Finanzsystem sei den heutigen Herausforderungen nicht mehr gewachsen. Es sei nicht in der Lage, mit dem Klimawandel, den demografischen Veränderungen und den internationalen Migrationsbewegungen derart umzugehen, dass es die Realwirtschaft nach wie vor zur Wertschöpfung befähigt.“

Dr. Bert Flossbach, Vermögensverwaltung Flossbach von Storch: Begrüßenswert, so Flossbach, sei die Betonung der Längerfristigkeit im Aktionsplan der EU-Kommission. Der größte Feind der Nachhaltigkeit sei schließlich kurzfristiges Denken, sagte der Vermögensverwalter. Ein Beispiel dafür sei die Finanzkrise gewesen, als die kurzfristig ausgerichtete Gewinnmaximierung der Banken zu einem Kahlschlag geführt habe.“

Dr. Andreas K. Gruber, Deutsche Kreditbank (DKB): Finanzmarktakteure müssten zudem Nachhaltigkeit als Kernthema begreifen, „nicht nur als grüne Visitenkarte“. Neben der Digitalisierung müsse Nachhaltigkeit das zweite Mega-Thema für Kreditinstitute sein, die damit nicht nur wachsen könnten, „sondern im gleichen Atemzug für eine nachhaltigere Welt sorgen“

…und bei der Deutschen Bundesbank

Einige Auszüge aus dem Bericht über eine Veranstaltung in ihrem Berliner Sitz Green Finance: NGFS/CEP-Konferenz bei der Bundesbank 09.11.2018, den die Deutsche Bundesbank auf ihrer Internetseite veröffentlichtet:

Welche Rolle spielen Zentralbanken bei der Bekämpfung des Klimawandels? Diese Frage diskutierten über 100 Teilnehmer bei einer zweitägigen wissenschaftlichen Konferenz in Berlin. Das Central Banks and Supervisors Network for Greening the Financial System (NGFS) und der Council on Economic Policies (CEP) haben hierzu zu einer Konferenz über den Einfluss von Klimarisiken auf Finanzmärkte, Finanzstabilität und Geldpolitik in den Räumlichkeiten der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Berlin eingeladen.

Für Bundesbankvorstand Sabine Mauderer ist gesamtgesellschaftlich die Förderung eines grünen Finanzsystems längst keine Frage des Ob mehr, sondern eine Frage des Wie, angesichts der beispiellosen Herausforderungen des Klimawandels.

Benoît Cœuré, Direktoriumsmitglied der EZB und zuständig für Marktoperationen, befasste sich in seinem Vortrag ausführlich mit dem Einfluss des Klimawandels auf die Geldpolitik. Nach seiner Ansicht kann der Klimawandel das richtige Erkennen von Schocks für den mittelfristigen Inflationsausblick weiter erschweren und die Gefahr extremer Ereignisse erhöhen.

Der Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling bezeichnete grüne Investments als aufsteigenden Stern am Finanzhimmel.

Mit dieser Konferenz haben das NGFS und das CEP den akademischen Austausch mit Expertinnen und Experten außerhalb des Zentralbanksektors weiter gefördert. Die zahlreichen Ideen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen in den Fortschrittsbericht des NGFS einfließen, dessen Veröffentlichung für April 2019 geplant ist.

Tu Gutes und rede darüber!

So hat es jedenfalls der Allianz-Konzern im Rahmen seiner Berichterstattung über das dritte Quartal 2018 getan. Zwar nicht in der Analystenkonferenz, aber immerhin mit der nachfolgenden Grafik:

2018-11-09 Allianz Q3 Nachhaltigkeit

Quelle: www.allianz.com

Dematerialisierung – Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Es gibt viele Berührungspunkte zwischen den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung (vgl. Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit mit engen Verbindungen). Finanzielle Inklusion, Finanzbildung, Bildung, administrative Anwendung u.v.a.m. ist nicht mehr an physische Infrastruktur gebunden. Dies zeigt sich bei vielen Entwicklungen in Entwicklungs- und Schwellenländern, ganz besonders in Afrika. Die Abschaffung physische Güter, die „Dematerialisierung“ durch Digitalisierung ist dagegen ein relativ neuer, wenig gebrauchter Begriff, obwohl das papierlose/-arme Büro durchaus geläufig ist. Der Begriff klingt vielleicht etwas wie der Beamer von Scotty im Raumschiff Enterprise, hat aber einen sehr konkreten Hintergrund.

Zunächst einmal stellt sich immer die Frage, was eine echte Innovation ausmacht. Darüber streiten sich bekanntlich viele Geister. Wer nur an schnellere Pferde gedacht hätte, wäre nie bei Autos, Flugzeugen, Eisenbahnen etc. gelandet (Chris Skinner). Insofern beinhalten Innovationen die Aufhebung und/oder deutliche Verschiebung von (physischen) Grenzen. Über das Meer kamen irgendwie immer wieder irgendwelche Menschen, aber nicht so sicher wie heute.

Ein Beitrag (FinTech – Neue Medien, alte Regeln) hat die Erfolgskriterien neuer Angebote beleuchtet: Es geht um die Lösung bzw. Beseitigung von bestehenden Problemen, nicht um solche, die wir ohne die neuen Lösungen gar nicht gehabt hätten. Und Kopien an sich sind per se nicht innovativ. Heinz-Roger Dohms hat am 6.11.2018 in Finanz-Szene.de einmal die „Digitalfabrik“ der Deutschen Bank näher beleuchtet. Da ist nichts dabei, was es nicht schon gäbe: Der große Check – wie digital ist die Deutsche Bank wirklich?. Die Idee, kostenlos Kundenkarten auf dem Smartphone zu verwalten, ist bereits mehrfach realisiert. Wieso muss sich hier die Bank noch „nützlich“ machen wollen?

Mit der virtuellen Verwaltung von Kundenkarten ist aber auch die Schleife zur „Dematerialisierung“ gezogen: Wieso überhaupt physische Kundenkarten, wenn es auch komplett ohne geht? Spart Material, Energie, Transport und Platz in der Brieftasche. Die Drogeriekette Rossmann und Edeka haben genau das bereits mit ihren Apps realisiert. Keine physischen Karten und Coupons, sondern direkte Verrechnung an der Kasse.

Und die chinesischen Zahlungsgewohnheiten haben sich bis zu den Bauernmärkten von physischen Kreditkarten gelöst. Gezahlt wird über QR-Code, für den es einen globalen Standard gibt. Der Code zum Einlesen der Empfängerdaten für die Zahlung hängt dann evtl. am Hals des Esels vor dem Karren: No cash, no cards: paying by phone rules in China’s cultural revolution. Diese Version wird als „Active Payment“ bezeichnet, bei der Zahlungspflichtige die Empfängerdaten einliest. Eine zweite Version ist „Passive Payment“ bei der der Zahlungsempfänger einen einmaligen Code vom Smartphone des Zahlungspflichtigen ausliest. Für Kunden von AliPay funktioniert das mittlerweile auch in europäischen Luxusgeschäften, WMF-Stores, Flughäfen und in New Yorker Taxis. Der Vorteil dieser Verfahren ist die Unabhängig von stationärer Infrastruktur und Stromversorgung. Im Prinzip funktionieren alle Geräte mit einer Kamera als Terminals. Mehr zu Zahlungen mit QR-Codes in einem anschaulichen Artikel vom 23.8.2018 bei Payment & Banking: Kilian Thalhammer/Maik Klotz: QR-Code – vom Saulus zum Paulus.

Bei 130 Mio. Bank- und Kreditkarten in Deutschland, die längs aneinander die Strecke von 11.000 km – Nordkap bis Kapstadt – ergeben, eine durchaus bedenkenswerte Alternative, vor allem in Hinblick auf die Chips mit wertvollen Rohstoffen, die wir kaum genutzt und oft ein erklecklicher Anzahl durch die Gegend tragen. Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe für das Material der Karten ist nur eine zweitbeste Alternative: Karte bio, alles gut? – Leider nicht….

Nachhaltigkeit und kognitive Dissonanz

Sport treiben, gesünder Essen, umweltfreundlich Leben: Anspruch und Wirklichkeit klaffen in unserem Verhalten oft auseinander. (Nicht-)Handeln wider besseres Wissen wird als „kognitive Dissonanz“ bezeichnet. Ein Beitrag von GEO stellte fest: Nachhaltiges Leben ist ein Tummelplatz der kognitiven Dissonanzen (Peter Carstens, Warum wir uns so leicht selbst betrügen, 10.1.2018).

In der deutschen Finanzwirtschaft scheinen in Bezug auf Nachhaltigkeit die kognitiven Dissonanzen aktuell besonders stark ausgeprägt zu sein:

1. Nachhaltigkeit in der Kreditwirtschaft ist in Deutschland nach wie vor ein Rand- bzw. Nischenthema, was nach vielen Expertenurteilen (s.o.) unangemessen ist. In vielen Nachbarländern nicht! Aktuell hierzu zwei Beiträge in „Die Farbe des Geldes“, dem Blog der Triodos Bank Deutschland: Michael Rebmann: Die deutsche Finanzbranche schläft einen tiefen Schlaf, 6.11.2018Ralf Breuer: Deutsche Banken hinken bei Nachhaltigkeit hinterher, 25.10.18.

2. Auch den Bereichen, in denen die geschäftspolitische Bedeutung von Nachhaltigkeit erkannt wurde, wird nicht konsequent danach gehandelt. Ein leider sehr anschauliches Beispiel ist die Union Investment als zentraler Fondsdienstleister der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Das Thema wurde in verschiedener Form relativ prominent dargestellt, u.a. in der Rede des Vorstandsvorsitzenden bei der Jahrespressekonferenz (Rede von Hans Joachim Reinke am 22.2.2018, S. 19f.). Am 6.6.2018 lud die Union Investment bereits zu ihrer siebten Nachhaltigkeitskonferenz ein. Tenor: Union Investment bleibt beim Thema Nachhaltigkeit auch zukünftig in einer Vorreiterrolle.

Am 7.11.2018 publizierte das Unternehmen eine Studie, die großes Interesse der deutschen Sparer an diesem Thema feststellt. Allerdings zeigt die Präsentation zur Jahrespressekonferenz 2018, das nur € 2,8 Mrd. der € 136 Mrd. Anlagen privater Kunden nachhaltig investiert sind (Präsentation S. 6), was im Umkehrschluss viel Absatzpotenzial signalisiert.

Der FairWorldFonds wurde von GLS Bank und KD Bank initiiert, wird den Genossenschaftsbanken nach Nachfrage vertrieben. Er wird auf der Informationsseite unter „Bankenindividuelle Fonds“ geführt, bei denen die Union Investment sich als Dienstleister, nicht als Produkteigner sieht. Dies ist auch bei fünf weiteren Fonds „KCD Union Nachhaltig …“ der Fall, die für eine Gruppe kirchlicher Banken aufgelegt wurden und nur über diese erworben werden können.

Die drei „offiziellen“ Nachhaltigkeitsprodukte der Gesellschaft ein Anlagevolumen von zusammen etwa € 750 Mio. (Stand: Oktober 2018) aufweisen, hat der FairWorldFonds die Marke von € 1 Mrd. trotz der schmaleren Vertriebsbasis und einer elfmonatigen Schließung für neue Anleger knapp überschritten. Die fünf Fonds aus der „KCD-Union Nachhaltig“-Serie haben aktuell (8.11.2018) ein kumuliertes Volumen von etwa € 450 Mio. – Ein Hinweis auf kognitive Dissonanz?

If you wanna make the world a better place
Take a look at yourself and then make that change

(Michael Jackson, Refrain zu „Main in the Mirror“, 1988)

Handelsblatt: Neue Fonds mit Nachhaltigkeit

Auch im November 2018 hat Susanne Bergius wieder eine pralle, sehr lesenswerte Ausgabe produziert: Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments. S. 7ff. beschreiben die aktuelle Entwicklung im Fondsgeschäft. Tenor: Immer mehr Wirkungsorientierung. Auf S. 10 eine interessante, wahrscheinlich aber nicht vollständige Liste neuer bzw. umgestellter Fonds und ETFs.

Mehr Informationen, mehr Veranstaltungen…

Zur Illustrierung neben den oben beschriebenen Veranstaltungen bzw. Ereignissen ein kleiner Auszug aus den Terminen in den kommenden acht Tagen:

CSR Kooperationsveranstaltung am 15.11.2018 in Bonn

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg und das CSR Kompetenzzentrum Rheinland organisieren eine Veranstaltung zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften: „Wir haben den Dreh raus! Fachkräfte gewinnen und binden mit Lebensfinanzplanung“. Niemand würde protestieren, „nachhaltig solide Finanzen“ als Ziel einer solchen Finanzplanung zu nennen. In der Moderation soll aber ganz deutlich werden, das wir und mit dem Begriff Nachhaltigkeit schwer tun: Dauerhaft ist nicht auch nachhaltig!

Die zweistündige Veranstaltung steht allen Interessierten offen. Anmeldung über IHK Bonn/Rhein-Sieg

16.11.2018: The first Day of Tomorrow!

(Wiederholung aus Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechsundfünfzig)

2018-11-03 tomorrow-bank-coming-soon-banner

Beitragsbild: Tomorrow GmbH Hamburg

Ausnahmsweise mal Englisch hier: Am 16.11.2018 beendet das Projekt Tomorrow seine Beta-Testphase und will mit nachhaltigen Finanzdienstleistungsangeboten an den Markt gehen.

Hier die Ideen zum Start im Originaltext:

DEIN GELD, DEIN IMPACT. UNSER NACHHALTIGKEITS-VERSPRECHEN.
1. Sparen mit Sinn – die besten & sinnvollsten Geldanlagen rund um Zukunftsbranchen wie regenerative Energien, Elektromobilität und Bio-Landwirtschaft.

2. Die Impact Card – eine Kreditkarte, die Bäume pflanzt. Mit jeder Zahlung finanzieren wir unseren „Wald von morgen“. Die Erträge fließen in soziale & ökologische Projektarbeit.

3. Nachhaltige Verwahrung der Einlagen – bei uns fließt kein Cent in Rüstung, Kohlekraft, Gentechnik oder andere Industrien von gestern. Versprochen.

4. Starthilfe für die Firmen von morgen – auf unserer Crowdinvestment-Plattform findet man öko-soziale Projekte und kann direkt investieren.

Zum Beginn der öffentlichen Beta-Testphase im September 2018 wurde bereits kurz in der Nummer Neunundvierzig berichtet: „Das Angebot der Tomorrow Bank aus Hamburg ist derzeit in der öffentlichen Testphase mit einer geschlossenen Nutzergruppe. Auf jeden Fall schon gelungen erscheint das (lindgrüne) Design von Grafiken und Texten, vielleicht mit Ausnahme des etwas hohen Anteils englischer Worte, für die es durchaus auch andere Möglichkeiten gäbe. Dennoch ist das optisch schon mal ein sehr gelungener Start“. Daran hat sich wenig geändert.

Tomorrow berichtet von einer Warteliste mit 3.952 Interessenten. Investabel® ist natürlich neugierig, wann die Warteliste abgearbeitet sein wird und wie viele Kunden aus ihr gewonnen werden können. D’Englisch heisst das dann, wie viele „Onboardings“…

Tomorrow war ursprünglich einmal unter dem Namen „Goodfolio“ an den Start gegangen: Nummer Zwanzig.

Es ist derzeit offen, wie Tomorrow seine Versprechen in Bezug auf die zukünftige Mittelverwendung (Aktivseite) sowie nachhaltige Geldanlageangebote darstellen wird. Auch ein Blick in den öffentlich zugänglichen“Maschinenraum“ des Projekts mit den aktuellen und geplanten Aufgaben bietet da wenig Aufschluss. Die geplanten Fondsangebote werden nur vage hinsichtlich ihrer Eigenschaften beschrieben: Nachhaltige Geldanlage/Fonds. Die interne Mittelverwendung bleibt aktuell ebenfalls offen. Lediglich der Kooperationspartner für das Girokonto wurde bisher bekannt gegeben: Tomorrow nutzt die Systeme und auch die Banklizenz der solarisBank. Pressemitteilung vom 12.4.2018.

Es bleibt deshalb abzuwarten, wie die Angebote tatsächlich ausgestaltet werden. Die unter Fachkollegen sehr ansprechend aufgenommene Kampagne setzt jedenfalls auch hier hohe Ansprüche. Für die Umsetzung: Viel Erfolg!

17.11.2018: Treffen #nachhaltige100 auf dem Heldenmarkt

Die Triodos Bank Deutschland hat die auf ihrer Liste  geführten Menschen hinter Kanälen zum Thema Nachhaltigkeit in sozialen Netzwerken zu einem Treffen auf dem Heldenmarkt in Berlin am 17.11.2018 eingeladen: Um 13 Uhr geht es los. Meet&Greet im exklusiven Raum. Dafür erhälst du an der Kasse ein Bändchen. Danach auf der großen Bühne u.a. mit Milena. Die aktuelle Liste: Die Nachhaltigen Einhundert – mit @Investabel aktuell auf Platz 91.

20.11.2018: Globe EU High-Level Conference Brüssel

Im Europäischen Parlament findet am 20.11.2018 eine hochrangig besetzte Konferenz statt: GLOBE EU High-Level Conference – Missing Links in the Evolution of Sustainable Finance (European Parliament, November 20th, 09:00 – 15:00). Wenig überraschend ist das Programm ohne erkennbares deutsches Engagement. Programm 20.11.2018

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

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