Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundvierzig

Beitragsbild: Greenpeace via Twitter (s.u.)

Inhalt:  Klimawandel: Gar nicht soo neue Erkenntnisse; Klimaschutz 1: In Deutschland wäre mehr möglich; Klimaschutz 2: Skandinavische Metropolen handeln; Nachhaltigkeit = Hoffnungslosigkeit?; Klimarisiken sind bei der DZ Bank sehr real; FinTech Zahlungsdienst Cringle meldet Insolvenz an; QR Code: Informativer Artikel, gute Perspektiven?; In eigener Sache: Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie; comdirect finanzblog award; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

28. August 2018

Dr. Ralf Breuer

Klimawandel: Gar nicht soo neue Erkenntnisse

In der vorletzten Woche verbreitete sich die nachfolgende Botschaft rasant in den sozialen Medien. Bereits 1912 wurde der Zusammenhang zwischen der Nutzung fossiler Energien und dem CO2-Ausstoß erkannt. Die Welt hat sich dann aber lieber in noch ganz andere Problem gebracht.

Klimaschutz 1: In Deutschland wäre mehr möglich

Laut Vorabberichten aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik in Kassel (im Auftrag von Greenpeace) könnte Deutschland das Klimaziel 2020 mit einigen wenigen Maßnahme noch erreichen: „Die ältesten Braunkohleblöcke müssten abgeschaltet und Wind- und Solarkraft wie im Koalitionsvertrag vereinbart ausgebaut werden, dazu eine leichte Leistungsdrosselung bei mehr als 20 Jahre alten Braunkohlekraftwerken – dann wären die 40 Prozent CO2-Reduktion bis 2020 noch drin.“

Klimaschutz 2: Skandinavische Metropolen handeln

Laut Kaj Embrén, einem renommierten Berater im Bereich Nachhaltigkeit, handelt es sich nicht um Kompensationsprogramme, bei denen die CO2-Emissionen durch Aufforstungsprogramme neutralisiert werden. Dies ist z.B. bei der britischen Stadt Liverpool der Fall. Insofern ist es etwas irreführend, was alles berichtet wird:

Und Blockchain? Nicht alles ist gleich genial, wenn sie genutzt wird, obwohl das auch ohne ginge…

Nachhaltigkeit = Hoffnungslosigkeit?

Diese Gleichung legt ein kürzlich in GEO erschienener Artikel von Peter Carstens – Warum nachhaltiger Konsum nicht funktioniert: 14 Thesen nahe. Die Thesen sind mehr Ausdruck der Verwirrung um das, was nachhaltig(er) ist, könnten aber leicht als Kapitulationsaufforderung missverstanden werden. Allerdings: These 5 ist nicht so ganz von der Hand zu weisen, wie der Abschnitt zeigt: „Kompensationssysteme machen umweltschädliches Verhalten moralisch erschwinglich.“

Klimarisiken sind bei der DZ Bank sehr real

Finanz-Szene.de berichtete am 28.8.2018 von massiven Verlusten der DZ BANK Gruppe im Geschäft mit der Öl- und Gasförderung: Grafik: Wie die DVB Bank in ihrem Offshore-Segment auf eine Rendite von minus 354,4% kam. In der aktuellen Investorenpräsentation avisiert der auf internationale Transportfinanzierung fokussierte DVB Bank Konzern: „Wir erwarten im Geschäftsjahr 2018, insbesondere angesichts der anhaltenden Krise im Offshore-Markt, eine über dem langjährigen Durchschnitt liegende Risikokostenentwicklung in unserem maritimen Portfolio – wenngleich deutlich unter dem Niveau von 2017.“ (Investorenpräsentation August 2018, S. 14, abgerufen 28.8.2018). Im Geschäftsjahr 2017 stieg der Verlust der DVB bei sinkenden Erträgen vor allem aufgrund einer von € 381,4 Mio. auf € 729,7 Mio. deutlich an: Das Konzernergebnis nach Steuern verschlechterte sich nach -€ 138,7 Mio. 2016 im Geschäftsjahr 2017 auf -€ 903,6 Mio. (vgl. Investorenpräsentation S. 6).

FinTech Zahlungsdienst Cringle meldet Insolvenz an

Laut einem Bericht von www.gruenderszene.de am 27.8.2018 hat das Fintech Cringle Insolvenz angemeldet. Cringle bietet sogenannte „Peer-to-Peer“ Zahlungen an Familie und Freunde an. Und ähnelt damit dem Produkt Kwitt der Sparkassen-Finanzgruppe. Gemäß Blogpost von Cringle hat vor allem die Unsicherheit über den Markteintritt großer Internetkonzerne wie Google, Apple, Facebook und Amazon (abgekürzt #GAFAs) als Absagegrund für eine neue Finanzierungsrunde genannt (vgl.: Cringle 27.8.2018: Einblick in die Zukunft. Allerdings hatte sich Cringle bisher vor allem über Schwarmfinanzierungen (Crowdfunding) auf der Plattform Companisto finanziert, was bei FinTech eher unüblich ist Finanz-Szene.de am 28.8.2018: Cringle stellt Insolvenzantrag – Hat P2P-Payment standalone überhaupt eine Chance?.

QR Code: Informativer Artikel, gute Perspektiven?

Bei dem immer sehr informativen Blog Payment & Banking erschien am 23.8.2018 ein sehr informativer Artikel von Kilian Thalhammer und Maik Klotz: QR Code – vom Saulus zum Paulus. Der Artikel beschreibt sehr anschaulich die Entwicklung und die technischen Möglichkeiten des QR Code.

Auch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist der Code interessant, insbesondere auch im Zahlungsverkehr: Wenn schon so viele Menschen (zumeist weit überausgestattete) Smartphones mit sich führen, kann über sie auch Zahlungsverkehr via QR Codes abgewickelt werden. Dies hat insbesondere zwei Vorteile: 1. Bankkarten und die dafür verwendeten Ressourcen, insbesondere Chips und Magnetstreifen werden nicht benötigt. 2. Für Systeme auf dieser Grundlage wird keine festinstallierte Infrastruktur mit einer netzgebundenen Stromversorgung benötigt. Damit ist diese Technik vor allem in Entwicklungsländern besonders vorteilhaft. Mehr dazu: Karte bio, alles gut? – Leider nicht….

In eigener Sache

Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie

Die Bundesregierung (bzw. das Bundespresseamt) hat die bisher eingegangenen Beiträge zur Diskussion um die Aktualisierung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zugänglich gemacht. Die bisher eingegangenen Beiträge sind in zwei Dokumenten als „Zuschriften zum Dialog“ nach „Privatpersonen“ bzw. „Unternehmen und Institutionen“ zusammengefasst. Alle relevanten Dokumente finden Sie auf der Seite NACHHALTIGE ENTWICKLUNG – Wir aktualisieren die Strategie: Machen Sie mit!. Mein Beitrag ist im Dokument Zuschriften zum Dialog – Privatpersonen. Der Beitrag hier auf dieser Seite lautet: Beitrag Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie.

comdirect finanzblog award

Investabel® stellt sich auch in diesem Jahr der Jury und der Publikumsabstimmung beim comdirect finanzblog award. Insgesamt 65 Finanzblogs stehen zur Wahl. Die Sieger werden beim „comdirect Finanzbarcamp 2018“ am 20.10.2018 in Hamburg bekannt gegeben.

comdirect hat angeregt, die Blogs im Forum der Bank, der „comdirect community“ vorzustellen. Dafür wurde am 14.8. der Beitrag comdirect finanzblog award – angenommen, ich gewinne… mit Überlegungen zur Anlage bzw. Verwendung des Siegerpreisgeldes von € 3.000 veröffentlicht. Verwendung deshalb, weil auch die Anschaffung von Bierdeckeln mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der UN enthalten ist – ein hervorragendes didaktisches Mittel für Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit.

2018-03-23 id-17ziele_projekte_bierdeckel_gross

Ansonsten enthält der Beitrag Überlegungen, wie sich aus dem heutigen Marktangebot auch mit einem vergleichsweise kleinen Anlagebetrag eine nachhaltige Geldanlage konzipieren lässt.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundvierzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechsundvierzig

Beitragsbild: comdirect

Inhalt:  Hitzewelle rückt den Klimawandel in das Bewusstsein; Weltweiter Aktionstag für die SDGs; Zweiter Sustainable Finance Gipfel Deutschland; BaFin zu Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft; Warum sagen Banken eigentlich nicht, was ihre Kunden hören wollen?; Kreditinstitute in sozialen Medien; In eigener Sache: comdirect finanzblog award; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

16. August 2018

Dr. Ralf Breuer

Hitzewelle rückt den Klimawandel in das Bewußtsein

Die Hitzewelle des Sommers und die damit verbundenen Auswirkungen haben den Klimawandel stärker in das Bewußtsein gerückt. In Schweden ist er vor den Parlamentswahlen am 5. September sogar das Topthema – noch vor der Zuwanderung (Quelle: Bloomberg). Besonders die mit den außergewöhnlich hohen Temperaturen einhergehenden und mit Hilfe aus dem Ausland bekämpften großen Waldbrände haben das Land aufgerüttelt. In Göteborg weisen einige Restaurants auf die klimatischen Auswirkungen der angebotenen Speisen hin.

Grundsätzlich ist Klimaschutz auch ein gutes Thema für die Geldanlage. Allerdings hat der alleinige Bezug auf den Ausstoß von Klimagasen Tücken bei der Produktkonzeption und kann sogar vollkommen in die Irre führen. Mehr dazu im Beitrag Klimaschutz ein guter Ansatz, aber….

Weltweiter Aktionstag für die Entwicklungsziele (SDGs)

Die Vereinten Nationen haben für den 25.9.2018 zu einem weltweiten Aktionstag für die 17 globalen nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs/17Ziele) aufgerufen. Die deutsche Landkarte erscheint dabei auch sehr dünn besiedelt. Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten an „We #ACT4SDGs“ (We act for SDGs) gibt es auf der hierfür eingerichteten Internetseite http://act4sdgs.org/.

Diese Kampagne ist für die Entwicklung eines breiten Nachhaltigkeitsverständnisses sehr wichtig. Die frühere Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, hat die „SDGs“ bei mehreren Gelegenheiten als eines der bestgehüteten Geheimnisse in Deutschland bezeichnet. Dies ist umso bedauerlicher, als sie gegenüber den verbreiteteren Ansätzen (namentlich „ESG“) und den hierauf basierenden Einschätzungen (bzw. Ratings) einen zukunftsgerichteten Orientierungsrahmen für nachhaltig(er)es Handeln bieten. Mit ihnen lösen sich viele Probleme der bisher gängigen Konzepte auf, die bestenfalls über die Zeit und relative Orientierung bieten konnten.

Zweiter Sustainable Finance Gipfel Deutschland

2017-10-24 H4SF

Passend zu diesem Aufruf findet in Frankfurt am Main auf Einladung des H4SF – Hub for Sustainable Finance Germany der Zweite Sustainable Finance Gipfel statt. Informationen und Teilnahmemöglichkeiten an der Veranstaltung finden Sie hier.

BaFin zu Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft

Cover BaFinJournal 07/2018

Das BaFin Journal im Juli ging u.a. der Frage nach, welche Rolle Nachhaltigkeit bei der Mittelanlage in der Versicherungswirtschaft spielt. Danach werden zwar mehrheitlich Nachhaltigkeitskriterien angewendet, allerdings eher in abgeschwächten Versionen, z.B. durch Verwendungsausschlüsse (BaFinJournal Juli 2018, S. 17ff.).

Offenbar ist die italienische Versicherungsbranche da schon etwas flotter unterwegs.

Warum sagen Banken eigentlich nicht, was ihre Kunden hören wollen?

Einen wuchtigen und sehr bedenkenswerten Beitrag unter diesem Titel hat der Kommunikationsberater Jörg Forthmann bei „Der Bank Blog“ veröffentlicht. Während alle Welt über Digitalisierung, Regulierung, Niedrigzins etc. stöhnt, mahnt er Ideen, Konzepte und Mut an, Banken für ihre Kunden sympathischer zu machen. Zwar verwendet Herr Forthmann in seinem Beitrag Warum sagen Banken eigentlich nicht, was ihre Kunden hören wollen? ganz andere Worte, grundsätzlich trifft er aber ganz tief in die gleiche Kerbe wie die hier präsentierten Themen: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0.

Kreditinstitute in sozialen Medien

SpringerProfessional hat eine Bewertung der Aktivitäten deutscher Kreditinstitute in sozialen Medien publiziert. Ergebnis: Große Diskrepanzen und überwiegend schlecht. Dies deckt sich voll und ganz mit den eigenen Eindrücken. Offenbar macht sich kaum jemand Gedanken, wieso die Kanäle mancher lokalen Institute mehr Anhänger haben als bundesweit tätige Anbieter…

In eigener Sache

comdirect finanzblog award

Investabel® stellt sich auch in diesem Jahr der Jury und der Publikumsabstimmung beim comdirect finanzblog award. Insgesamt 65 Finanzblogs stehen zur Wahl. Die Sieger werden beim „comdirect Finanzbarcamp 2018“ am 20.10.2018 in Hamburg bekannt gegeben.

comdirect hat angeregt, die Blogs im Forum der Bank, der „comdirect community“ vorzustellen. Dafür wurde am 14.8. der Beitrag comdirect finanzblog award – angenommen, ich gewinne… mit Überlegungen zur Anlage bzw. Verwendung des Siegerpreisgeldes von € 3.000 veröffentlicht. Verwendung deshalb, weil auch die Anschaffung von Bierdeckeln mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der UN enthalten ist – ein hervorragendes didaktisches Mittel für Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit.

2018-03-23 id-17ziele_projekte_bierdeckel_gross

Ansonsten enthält der Beitrag Überlegungen, wie sich aus dem heutigen Marktangebot auch mit einem vergleichsweise kleinen Anlagebetrag eine nachhaltige Geldanlage konzipieren lässt.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Fünfundvierzig bis Eins

 

 

 

comdirect finanzblog award – angenommen, ich gewinne…

comdirect finanzblog award 2018_Publikumspreis

Gestern kam die Mail mit der Nominierung für den „comdirect finanzblog award 2018″: Liebe Bloggerin, lieber Blogger, herzlichen Glückwunsch! Dein Blog hat die Vorabprüfung für den finanzblog award 2018 bestanden und erfüllt die formalen Kriterien. Somit ist Dein Blog für die Bewertung der Jury zugelassen. … Zudem wird der Start des Online-Votings mit einer Blogparade begleitet. Alle Blogger können zu der Fragestellung „Angenommen Du gewinnst den #fba18 und erhältst 3.000 Euro Siegprämie. Wie würdest Du diesen Betrag langfristig anlegen?“ mit Beiträgen auf sich aufmerksam machen. …“ Diese Beiträge für den comdirect finanzblog award“ werden dann in der „comdirect Community“ vorgestellt. Gerne doch!

14. August 2018

Dr. Ralf Breuer

Auf jeden Fall nachhaltig!

Starke Trends gegen wacklige Prognosen

Karbonblase, Klimawandel, Energiewende, Niedrigzinsen, auslaufende Konjunktur, Handelskrieg, Liracrash u.v.a.m bestimmt derzeit die Schlagzeilen. Also gilt es sorgfältig zwischen Risiken und Chancen auszuwählen. Politik ist aktuell unberechenbar, Notenbankpolitik irgendwie auch. Also Reduzierung der Entscheidung auf eine klare, durchschaubare Logik: Klimawandel und Energiewende verändern die Welt. Wenn wir den nachfolgenden Generationen noch eine lebenswerte Erde hinterlassen wollen, müssen wir den Temperaturanstieg stoppen und uns an nachhaltigen Entwicklungszielen orientieren.

Grüne Ökospinnerei? Längst nicht mehr, sondern harte Realität und vielfach im Kern geschäftspolitischer Logik. Nicht nur Versicherungskonzerne steigen aus der Kohle aus, auch der größte Minenkonzern der Welt baut keine Kohle mehr ab (Bloomberg 27.3.2018: Rio Exits Coal Business With $4 Billion of Deals in a Week) – zu große Risiken bei immer wettbewerbsfähigeren Preisen für erneuerbare Energien.

Aber nicht nur Energiekonzerne müssen sich vor der Entwertung von Investitionen in fossile Erzeugungstechniken fürchten. „Stranded assets“, die im Zuge der Energiewende an Wert verlieren sind allgegenwärtig: Handwerkerfahrzeuge, Produktionsanlagen für Verbrennungsmotoren und auch private Dieselfahrzeuge verlieren durch Fahrverbote und einen steigenden Anteil von Elektromobilität an Wert. Kaum ein Bereich, der nicht betroffen ist.

Dies haben auch weite Teile der globalen Finanzindustrie erkannt und argumentieren kurz und knapp: Das Klima bestimmt mit Klimawandel und Energiewende die Risiken, Nachhaltigkeit im Sinne der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen die Chancen (vgl. z.B. HSBC Sustainable Finance Briefings 2017).

Deutschland nicht das Maß der Dinge

Nicht zuletzt aufgrund der langen Zeit der Regierungsbildung ist Deutschland gegenüber den europäischen Nachbarländern in einen gewaltigen Rückstand geraten: Die EU-Kommission und der französische Staatspräsident haben zum Jahresbeginn eine wuchtige Initiative für eine Finanzwirtschaft im Dienste der Nachhaltigkeit gestartet, die praktisch immer noch ohne bedeutende Beteiligung Deutschlands stattfindet. Selten, dass etwas mit so viel Unterstützung so wenig Aktivität findet. Immerhin haben schon BaFin, Bundesbank und auch der Deutsche Bundesrat das Aktionsprogramm #SustainableFinanceEU klar befürwortet. Klimawandel und Energiewende sind nun einmal real und haben längst auch die Bilanzen und Sicherheitenbestände der deutschen Finanzwirtschaft erfasst.

2018-01-31 SusFin

Aufbauend auf der Existenz von Klimarisiken soll die Finanzwirtschaft verstärkt Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Dies erscheint im eigenen Interesse. Konkret plant die Kommission eine Klassifizierung von Anlagen sowie die Einführung von Beratungspflichten durch Anpassung der entsprechenden Vertriebsrichtlinien für Banken (MiFIDII) und Versicherungsgesellschaften (IDD).

Die Nische wird zum zentralen Raum

Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft hatte bisher eine Nischenexistenz. Die hatten auch einmal Bio, Outdoor und Manufactum. Alles ist irgendwann mal aus einer Nische heraus größer und groß geworden, aber selten so explosionsartig wie nachhaltig. Das Thema trieft geradezu aus allen Poren der Gesellschaft, mit Ausnahmen natürlich: Weite Teile der Kreditwirtschaft sind davon ebenso frei wie große Bereiche unseres persönlichen Handelns. Und trotzdem haben Marketingstrategen die Wirkung erkannt, wie die Sammlung von Alltagsfotos Nachhaltigkeit zeigt. Und auch Bankstrategen: Bei HSBC als größter europäischer Bank liegen Strategie und Nachhaltigkeit in einer gemeinsamen Verantwortung.

2018-05-03 CA Nimes

Foto: Geldautomatennische bei der Crédit Agricole in F-34000 Nimes

Die Anlage ist fast klassisch

Aufgrund eines nicht mehr ganz frischen Führerscheins wäre die Anlage von einer Aufteilung risikoarm/risikoreicher 70/30, da ich für einen vergleichsweise kurzen Anlagezeitraum betrachte. Und in den risikoreicheren Teil würde gleich der erste Baustein fallen, deshalb nur „fast klassisch“:

„Anlage“ Nummer 1: Bierdeckel!

Zugegeben: Keine wirkliche Anlage, sondern Marketing bzw. Arbeitsmittelaufwand: Investabel® ist ein junges Projekt, das auf starken, aber noch nicht breit verstandenen Trends aufbaut. Die ehemalige Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat bei mehreren Gelegenheiten die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) als das in Deutschland bestgehütete Geheimnis bezeichnet. Studenten des Bereichs Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Köln haben eine Idee umgesetzt, dies zu ändern: Sie haben die 17 Ziele auf Bierdeckel gebracht und 85.000 Exemplare in der Kölner Gastronomie verteilt.

2018-03-23 id-17ziele_projekte_bierdeckel_gross

Foto: Von Studierenden des Studiengangs Kommunikationsdesign an der Rheinischen Fachhochschule Köln in Kooperation mit #17Ziele gestalteter Bierdeckel

Kaum ein Printmedium wird so oft in der Hand gehalten, angeschaut und mehrfach gelesen wie ein Bierdeckel. Insofern ist er ein hervorragendes Anschauungsmittel für Veranstaltungen von/mit Investabel®.

Anlage 2: Klimaanleihen

Auch wenn die deutsche Google das Wort noch nicht kennt, sind Klimaanleihen (Wikipedia: Climate Bonds) der neue Trend. Als Green Bonds oder Climate Bonds werden sie zweckgebunden mit dem Ziel der CO2-Reduktion begeben. Immer mehr Staaten, Gebietskörperschaften, Kommunen und Unternehmen lassen den Markt rapide wachsen. Sie werden in immer mehr Varianten verfügbar, so dass sich wie im klassischen Anleihemarkt auch unterschiedlichste Risiko- und Währungsallokationen darstellen lassen. Vor dem Hintergrund der transparenten Mittelverwendung erscheint es vorstellbar, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft die herkömmlichen Anleihen verdrängen werden.

Der erste „Green Bond“ wurde im Jahre 2008 von der Weltbankgruppe begeben. In dem Segment sind Staaten (z.B. China, Frankreich und Polen), Spezialbanken (z.B. EIB – Europäische Investitionsbank, KfW – Kreditanstalt für Wiederaufbau), Unternehmen (z.B. Apple, Pariser Verkehrsbetriebe RATP) und zunehmend auch große Gebietskörperschaften sowie Städte (z.B. Nordrhein-Westfalen, Kalifornien, New York, Paris) aktiv. Auch Schwellenländer zeigen eine zunehmende Aktivität. An der LGX – Luxembourg Green Exchange werden bereits mehr als 200 Anleihen dieser Art mit einem Volumen von über € 100 Mrd. notiert. Daneben wächst auch ein Segment von Anleihen für andere Nachhaltigkeitsziele als den Klimaschutz.

Bisher sind in Deutschland nur wenige Fonds auf Green Bonds für private Investoren im Vertrieb. Ein schnell wachsendes Angebot und damit auch eine vergleichsweise positive Kursentwicklung der zugrunde liegenden Märkte erscheint damit wahrscheinlich.

2018-07-17 Bloomberg Green Bonds Volumina

Neuemissionsvolumen Green Bonds lt. Bloomberg

Klimaschutz ist zwar ein insgesamt überzeugender Ansatz für Anlagekonzepte, allerdings tückisch in der Umsetzung. Hierzu der Beitrag Klimaschutz ein guter Ansatz, aber….

Anlage 3: Mischfonds mit überzeugendem Konzept

Leider wurde bisher in Deutschland nur ein Fonds aufgelegt, der ein wirklich überzeugendes Konzept und auch eine solide Wertentwicklung hatte: Der FairWorldFonds. Er wurde allerdings im Juni 2017 für neue Anleger geschlossen.  Schade bei einer soliden Wertentwicklung (ca. 3%) in den vergangenen Jahren und einem überzeugenderem Konzept sowie „Brot für die Welt“ als Namensgeber.

Nur auf den ersten Blick überzeugend ist CO2 als Konzeptionsgrundlage: Einige Anbieter haben ihre Fonds am Klima-Fussabdruck bzw. den CO2-Emissionen der Emittenten ausgerichtet. Auf den ersten Blick ein gangbarer Weg, leider aber nicht unbedingt mit den gewünschten Ergebnissen, was auch eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bremen zeigt: Namen ähnlich, CO2 unterschiedlich. Die möglichen Irritationen wurden einmal in einem anderen Beitrag beleuchtet: Mehr Transparenz bei Investmentfonds.

Anlage 4: Energieprojekte mit Entwicklungspotenzial

Neben Direktinvestments mit relativ hohen Einstiegsbeträgen können mittlerweile auch Anlagen über Schwarmfinanzierungen (Crowdfunding) getätigt werden, die eine angemessene Risikostreuung für private Investoren erlauben. Es handelt sich in der Regel um Nachrangdarlehen für Energieprojekte mit sehr attraktiven Zinsversprechen.

Bei den Anbietern von Schwarmfinanzierungen können teilweise schon Anlagen ab € 50 bis zur gesetzlichen Höchstgrenze von € 10.000 gezeichnet werden. Aufgrund fehlender Erfahrungswerte über die Planmäßigkeit von Zins- und Tilgungszahlungen weist die Verbraucherzentrale berechtigterweise auf die Risiken hin: Nachhaltig investieren mit der Crowd.

Andererseits haben diese Anlagen klare Vorteile, weil sie einen unmittelbaren Wirkungsbezug haben, der beispielsweise in der Reduzierung des CO2-Ausstosses, sozialer Infrastruktur oder aber der dezentralen Stromversorgung in Entwicklungsländern besteht. Damit entsprechen die Anlageangebote vielfach dem Wunsch einen unmittelbaren Beitrag zur nachhaltige(re)n Entwicklung im Sinne der 17 SDG zu leisten. Zudem erlauben die niedrigen Mindestbeträge ein deutlich höheres Ausmaß an Diversifikation, die naturgemäß aber mehr Mühe bereitet.

Am 24.7.2018 um 10h startete die GLS Crowd mit der Platzierung eines mit 7 % verzinsten fünfjährigen Darlehens über € 550.000 für eine innovative Speicherung erneuerbarer Energien. Bei Zeichnungsbeträgen zwischen € 250 und € 10.000 war das Volumen innerhalb von knapp drei Stunden erreicht. Interessenten sind offenbar stärker an Projekten mit Energiebezug als anderen Nachhaltigkeitsaspekten interessiert. So dauert die Vermarktung von Projekten im Handels- oder Ernährungsbereich deutlich länger. EXYTRON Innovative Energiespeicher vermochte trotz der technischen Komplexität mit der Projektbeschreibung schnell zu überzeugen.

Neben Energie können auch Immobilien mit sozialen Nutzen in Betracht gezogen werden: Einige Anbieter haben Objekte wie Kindertagesstätten, Pflegeheime, Universitätsgebäude etc. im Programm. Auch Finanzierungen zur energetischen Sanierung von Gebäuden finden sich unter den Angeboten. Bei den hochverzinslichen Angeboten (z.B. http://www.zinsland.de) handelt es sich teilweise um die Finanzierung der Projektphase, nicht des Objekts selbst. Insofern signalisiert die vergleichsweise hohe Rendite auch das vorhandene (Projekt-)Risiko.

Ein hoher möglicher Nutzen für die globale nachhaltige Entwicklung kann mit Wasser- und Energieprojekten in Entwicklungsländern entstehen, da im Beispiel der dezentralen Energieerzugung neben einer CO2-Einsparung auch weitere soziale Ziele erfüllt werden können, z.B. Armutsbekämpfung durch neue Möglichkeiten der Einkommenserzielung und Bildung durch die Nutzung elektronischer Medien. Gerade in Afrika wird auf der Grundlage von Mobilfunk z.T. ein Jahrhunderte alter Rückstand in der Infrastruktur einfach übersprungen. Solche Projektbeteiligungen werden beispielsweise von bettervest und ecoligo angeboten. Mehr: Neue Produkte/Dienstleistungen.

Die teilweise üppigen Zinssätze lassen in jedem Fall zu Vorsicht raten. Diversifikation bereitet zwar mehr Mühe, kann aber die Risiken deutlich vermindern, was bei kleinen Zeichnungsbeträgen durchaus möglich ist. Der Hinweis der Verbraucherzentrale auf die Risiken ist vor allem nach einem Projektausfall in Deutschland und der Insolvenz eines Plattformbetreibers sehr berechtigt.

2018-08-14 Solartainer

Foto: Solartainer® von Africa GreenTec AG, Quelle: http://ahp-cm.com/

Insbesondere Projekte in Afrika könnten in einem gewissen Umfang auch als Alternative zu Spenden mit der Perspektive auf eine attraktive Verzinsung im Bereich von 7% und mehr und Rückzahlung betrachtet werden. Allerdings trifft für die Angebote auch der bei Spendenaktionen vielfach geltende Einwand zu, dass die Mittel nicht voll für die Zwecke, sondern auch in Verwaltungsaufwendungen etc. fließen, da die Plattformbetreiber eine Vergütung erhalten. Mehr zu aktuellen Angeboten auf der Seite Neue Produkte/Dienstleistungen.

Anlage 5: Aktien(fonds) Energiepioniere

Letzter Baustein wären Beteiligungen an Pionierunternehmen der Energiewende. Während die Risiken fossiler Energieerzeugung klar erkennbar sind, ist die Einschätzung der Potenziale neuer Technologien für den Laien schwierig. Auch hier erscheint Diversifikation angezeigt, weshalb die fachkundige Umsetzung durch einen entsprechend ausgerichteten Fonds angezeigt scheint.

Die größte Bandbreite von Nachhaltigkeitsverständnissen findet sich bei den Investmentfonds. Die Berücksichtigung von Kriterien bezüglich Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung (ESG – Ecology, Social, Governance) ist bei den großen Anbietern Standard. Dagegen streuen die Kriterien für als „nachhaltig“ vermarktete Fonds sehr stark und reichen von einfachen Ausschlüssen (z.B. Personenlandminen, Streumunition) über CO2-Emissionen bis hin zu Wirkungsansprüchen, wobei letzteres eher die Ausnahme darstellt.

Die Mehrheit derart ausgerichteter Fonds könnte ist eher konzipiert, Schlimmeres zu verhindern, weniger dagegen Gutes mit positiven Nachhaltigkeitswirkungen zu finanzieren. Bei den Aktienfonds sind wirkungsorientierte Fonds ebenfalls noch die Ausnahme.

Und das alles mit € 3.000?

Meine Frau stellt ganz zu Recht die Frage, ob ich das alles mit dem Preisgeld realisieren kann und möchte. Zugegeben, die Bierdeckel werden relativ viel Risikobudget verbrauchen, aber auf die möchte ich am wenigsten verzichten. Ansonsten die berühmte Antwort: Im Prinzip ja! Ist für die genannten Instrumente auch mit vergleichsweise kleinen Anlagebeträgen indirekt über Fonds darstellbar. Allerdings ist die Auswahl nicht besonders groß.

Gewissermaßen aus Gründen der „Haltbarkeitsdauer“ dieses Artikels werden die einzelnen Bausteine nicht konkreter benannt. Das Angebot nachhaltiger Anlagemöglichkeiten für Privatanleger entwickelt sich sehr dynamisch. Für den institutionellen Bereich gibt es schon ein deutlich breitetes Angebot. Diese Lücke sollte bald kleiner werden. Schließlich handeln für die Institutionen ebenfalls Menschen mit den gleichen Wünschen und Vorlieben. Deshalb erscheint die derzeitige Angebotsdiskrepanz eine sehr unnatürliche zu sein.

Freue mich auf viele Diskussionen, hier,  beim „comdirect finanzblog award“ und natürlich auch in der „comdirect Community

 

 

 

Klimaschutz ein guter Ansatz, aber…

Beitragsbild: Mäandernder Jetstream, Quelle: NASA/InsideClimate News

Der heiße Sommer hat das Bewußtsein für den Klimawandel verstärkt. Biergarten, Boulevardpresse, Lokalzeitung, Internet, soziale Medien: Überall wird das Stichwort häufiger verwendet. Auf der Titelseite der Bonner Lokalzeitung „General-Anzeiger“ finden sich Visualisierungen der NASA. Ein mäandernder Jetstream sorgt für stabiles Wetter, lenkt kalte und warme Luftströmungen in ungewohnte Richtungen. Und ausgerechnet in diesen Zeiten stellt die Union Investment ihren Aktienfonds „UniSector: Klimawandel“ mangels Erfolg ein? Verkehrte Welt oder Tücke des Konzepts? Einige Überlegungen.

6. August 2018

Dr. Ralf Breuer

2018-08-06 jetstream

Quelle: NASA/InsideClimateNews. Der mäandernde Jetstream lenkt kalte und warme Luft in ungewohnte Richtungen und befeuert so den Klimawandel.

Medienpräsenz ohne Anlegerresonanz?

Union Investment wird ihren seit 2007 bestehenden Fonds „UniSector: Klimawandel“ zum 30.9.2018 auf den Fonds „UniAktien Nachhaltig Global“ verschmelzen. Als Grund wird das mit € 33 Mio. geringe Fondsvolumen angegeben. Allerdings konnte auch der aufnehmende Fonds in den knapp neun Jahren seines Bestehens nur € 157 Mio. gewinnen.

In ihrem Halbjahresbericht zum 30.6.2018 berichtet die Union Investment von einem deutlichen Anstieg nachhaltiger Mandate: € 42 Mrd. im Vergleich zu € 30 Mrd. im Vorjahr (Pressemitteilung vom 24.7.2018), bezieht dies allerdings ausdrücklich auf das gestiegene Interesse institutioneller Investoren. So wird sich das Volumen privater Anleger gegenüber dem Jahresende 2017 nicht proportional erhöht haben. Für den 31.12.2017 wurden die Bestände nachhaltiger Fonds für institutionelle und private Anleger auf € 30,7 Mrd. bzw. € 2,8 Mrd. beziffert. Immerhin wurde ein prozentualer Anteil von 12,6 % des gesamten Mittelvolumens von € 332 Mrd. erreicht.

Eine Durchsicht der angebotenen Fonds zum 1.8.2018 ergibt aktuell ein Volumen von € 914,1 Mio. im aktuellen Angebot der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Bei der Sparkassenorganisation ergibt sich (bei höherem Marktanteil) ein Wert von € 1,6 Mrd. beim zentralen Wertpapierdienstleister Deka Investments (Stand 1.8.2018, Quelle: Fondssuche Stichwort „nachhaltig“, ohne Deka Stiftungen Balance CF, € 1,6 Mrd.).

Interessante Vergleichswerte bieten die von Union Investment betreuten Nachhaltigkeitsfonds auf fremde Initiative, die nicht offiziell über alle Genossenschaftsbanken vertrieben werden: Die für einige Kirchenbanken aufgelegten „KCD-Union“ Nachhaltigkeitsfonds haben ein Volumen von € 735 Mio., der von GLS Bank und KD Bank initiierte „FairWorldFonds“ sogar € 956,4 Mio. und damit mehr als die gesamte Fondsfamilie der Finanzgruppe.

Für die Ursachen dieses überraschenden Zahlenbildes gibt es wohl klare Ursachen: Wenig Vertriebsaufwand und fehlende Beraterqualifikation. Dies erscheint eine geeignete Erklärung für die vergleichsweise hohen Volumina der Fonds, die für Banken mit einem vergleichsweise sehr kleinen Marktanteil aufgelegt wurden: Deutlich stärkere Vertriebsanstrengungen und Berater, die hinter den Konzepten stehen.

Der institutionelle Irrglaube

In der genannten Pressemitteilung der Union Investment werden vor allem institutionelle Investoren als Treiber für nachhaltige Mandate genannt. Dies ist insofern richtig, als das diese aktiver Nachhaltigkeit einfordern. Ansonsten befördert der Vergleich von Studien über private und institutionelle Investoren ein erstaunlich stimmiges Bild: Die Menschen in beiden Anlegergruppen fordern Beratung und Transparenz, insbesondere in Hinblick auf die Wirkungen der Geldanlage. Insofern ist die Finanzwelt auf dem richtigen Weg, Nachhaltigkeit vorausschauend an ihren Beiträgen zu den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) der Vereinten Nationen und nicht länge an historischen Daten wie Energieverbrauch, Gleichstellung und anderen (ESG-)Kriterien zu messen.

Ähnliche Bedürfnisse bei privaten…

Spiegel Online berichtet am 27.10.2017 über eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI)Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht: „Das Interesse von deutschen Anlegern an nachhaltigen Geldanlagen ist nicht gerade gering: Immerhin 40 Prozent aller Privatanleger in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren würden. … Doch für ein solches Investment haben sich bislang nur mickrige 4,8 Prozent der Privatanleger entschieden.“

Die Anleger bemängeln vor allem fehlende Transparenz (40%) und unklare Wirkungen für eine nachhaltigere Entwicklung (35%) sowie höhere Risiken (31%) und unzureichende Beratung durch die Hausbank (22%, Mehrfachnennungen möglich). Leider ist diese Einschätzung sehr gut nachvollziehbar und weist den Weg zu einem größeren Markterfolg nachhaltiger Geldanlagen. Den Bericht bei Spiegel Online finden Sie hier: Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht. Auch die zwölfseitige Studie des NKI ist online verfügbar: Nachhaltige Kapitalanlagen bei Privatanlegern.

…und institutionellen Anlegern

In der am 4.6.2018 veröffentlichten Präsentation zur Nachhaltigkeitsstudie 2018 bestätigt die Union Investment dieses Bild – allerdings für institutionelle Anleger: Nachhaltiges Vermögensmanagement institutioneller Anleger 2018 in Deutschland. Interessanter Weise ähneln sich die Aussagen sehr stark: Über die Hälfte der 202 Befragten schätzt den Beratungsbedarf als hoch oder sehr hoch ein (S. 8), 78 % würden mehr in Nachhaltigkeit investieren, wenn Messansätze vorhanden wären (S. 12). Offenbar sind die Bedürfnisse der Menschen (!) beruflich und privat deutlich ähnlicher als vielfach dargestellt.

Klima gerne, Fußabdruck bitte nicht

Einige Anbieter konzipieren ihre Fonds nach dem Klima-Fußabdruck der Unternehmen, deren Wertpapiere sie kaufen. Die Verbraucherzentrale Bremen hatte bereits 2014 verschiedene Fonds verglichen und hatte dabei für Nachhaltigkeitsfonds sehr heterogene Ergebnisse erzielt. M.a.W.: Die CO2-Bilanz und Nachhaltigkeit stehen in keiner engen Beziehung. So kann eine Minimierung von CO2-Werten in Aktienfonds zu sehr unerwünschten Ergebnissen führen, z.B. einem weit überdurchschnittlichen Anteil von Finanzwerten. CO2 und rückschauende Nachhaltigkeitsbewertungen (z.B. „ESG-Scores“) sind in Bezug auf die von den Anlegern gewünschte Wirkungsorientierung nicht zielführend. Mehr dazu im Beitrag Mehr Transparenz bei Investmentfonds.

Leider wird Klimaschutz bzw. CO2-Neutralität oder sogar CO2-Positivität in einen irreführenden Kontext gesetzt. So in Schlagzeilen der Stadt Liverpool und dem dort beheimateten Autoproduzenten BAC: Beide Institutionen kooperieren mit https://poseidon.eco/carbon.html. Poseidon misst vereinfacht den CO2-Ausstoß von Aktivitäten und sorgt für eine Kompensation z.B. Wiederaufforstungsprogramme durch den Dienstleister Ecosphere+. Während die Stadt Liverpool eine Überkompensation ihrer Aktivitäten verspricht, widerspricht sich der Text der entsprechenden Pressemitteilung von BAC vom 28.6.2018. Im Titel verspricht sie „BAC Partners With Poseidon to Become First Car Manufacturer to Go Climate Positive„, im Text ist es dagegen ein Angebot an die Kunden: „Whenever a BAC customer completes a transaction – from purchasing to servicing a Mono – they will be offered the opportunity to make an additional contribution through Poseidon’s platform which goes directly towards forest conservation.“

CO2-Vermeidung der Kompensation überlegen

Anlagen in die Vermeidung von CO2-Ausstößen sind einer (Über-)Kompensation überlegen, da diese erst im Zeitverlauf über die Lebenszeit der gepflanzten Bäume entsteht. Investionen in die Vermeidung können z.B. über Aktien von Unternehmen mit entsprechenden Technologien, Klimaanleihen (Green Bonds) oder auch Schwarmfinanzierungen möglich, die teilweise noch weitere Entwicklungsziele fördern. Einen Überblick bietet die Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Klimaschutz ein guter Ansatz, aber…

Die Untersuchungen über Anlegerbedürfnisse legen nahe, dass Anlageprodukte vor allem transparent und glaubwürdig sein sollte. Beide Kriterien sind in der heutigen Produktlandschaft allerdings eher Mangelware. Allerdings macht der Erfolg bestimmter Angebote trotz vergleichsweise schmaler Vertriebsbasis deutlich, dass sie die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Verbindung von Geldanlagen und positiven Nachhaltigkeitseffekten sind.

Um auf die einleitende Frage zurück zu kommen: Weniger verkehrte Welt als Tücke des Konzepts. Stichworte reichen weder den Kunden noch ihren Betreuern. Es bedarf schon viel Transparenz und Glaubwürdigkeit, um ein entsprechendes Produkt „in die Hand zu nehmen“. Werte haben ist notwendig, aber nicht hinreichend für überzeugende Produkte, insbesondere bei Investmentfonds.

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundvierzig

Beitragsbild: Handelsverband Deutschland – HDE e.V.

Inhalt:  Milliardenmarkt Nachhaltigkeit (Wh.); Deutsches Fondsangebot: Henne, Ei und Nachhaltigkeit; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

2. August 2018

Dr. Ralf Breuer

Milliardenmarkt Nachhaltigkeit (Wh.)

2018-07-26 Handel

Das war schon in der Nummer Vierundvierzig vom 26.7.2018 ist aber ein schönes Intro für die nachfolgenden Überlegungen: Mit eindrucksvollen Zahlen und Wachstumsraten unterstreicht der HDE als Spitzenverband des deutschen Einzelhandels die Marktdimension und das anhaltende Momentum. Umso verwunderlicher, dass nur wenige Banken dem starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichem Trend wirklich folgen. Die Teile der Kreditwirtschaft, die Nachhaltigkeit als geschäftspolitischen Treiber erkannt haben, erfreuen sich dagegen beachtlicher Wachstumsraten wie in einigen nachfolgenden Beispielen deutlich wird. Der HDE hat selbst eine umfangreiche Nachhaltigkeitsstrategie.

Deutsches Fondsangebot: Henne, Ei und Nachhaltigkeit

In Nummer Sechzehn am 27.10.2017 war folgender Abschnitt enthalten:

Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz – Der erste Artikel in diesem Blog war dem Thema Geld anlegen und Gutes tun? – Leichter gesagt als getan gewidmet. Spiegel Online berichtet am 27.10.2017 über eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI)Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht: „Das Interesse von deutschen Anlegern an nachhaltigen Geldanlagen ist nicht gerade gering: Immerhin 40 Prozent aller Privatanleger in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren würden. … Doch für ein solches Investment haben sich bislang nur mickrige 4,8 Prozent der Privatanleger entschieden.“

Die Anleger bemängeln vor allem fehlende Transparenz (40%) und unklare Wirkungen für eine nachhaltigere Entwicklung (35%) sowie höhere Risiken (31%) und unzureichende Beratung durch die Hausbank (22%, Mehrfachnennungen möglich). Leider ist diese Einschätzung sehr gut nachvollziehbar und weist den Weg zu einem größeren Markterfolg nachhaltiger Geldanlagen. Den Bericht bei Spiegel Online finden Sie hier: Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht. Auch die zwölfseitige Studie des NKI ist online verfügbar: Nachhaltige Kapitalanlagen bei Privatanlegern.

Union Investment bestätigt den Trend

In der am 4.6.2018 veröffentlichten Präsentation zur Nachhaltigkeitsstudie 2018 bestätigt die Union Investment dieses Bild – allerdings für institutionelle Anleger: Nachhaltiges Vermögensmanagement institutioneller Anleger 2018 in Deutschland. Interessanter Weise ähneln sich die Aussagen sehr stark: Über die Hälfte der 202 Befragten schätzt den Beratungsbedarf als hoch oder sehr hoch ein (S. 8), 78 % würden mehr in Nachhaltigkeit investieren, wenn Messansätze vorhanden wären (S. 12). Hier bietet die Hinwendung zu den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs, Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen gute Ansätze, die bereits von einigen Anbietern für die Bewertung von Anlagen aufgegriffen weden. Grundsätzlich stellt sich (erneut) die Frage, ob die Unterschiede zwischen privaten und institutionellen Anlegern nicht eigentlich viel geringer sind als zumeist dargestellt.

Am 24.7.2018 veröffentlichte die Union Investment ihren Bericht über das erste Halbjahr 2018. Darin wird zitiert:

Für immer mehr institutionelle Kunden wird Nachhaltigkeit ein unabdingbarer Bestandteil ihrer Investmentstrategie

Hans Joachim Reinke

Vorstandsvorsitzender von Union Investment

 

Tatsächlich ist der Bestand an nachhaltig verwalteten Mitteln in den vergangenen Monaten von rund € 30 Mrd. auf über €  42 Mrd. gestiegen. Zum Jahresende waren es noch € 33,5 Mrd., so dass nachhaltige Anlagen bedeutend zu dem Bruttoanstieg der verwalteten Mittel von € 324 auf € 332,7 Mrd. beigetragen haben dürften.

In der Präsentation für das Jahr 2017 war eine Aufteilung nachhaltiger Anlagen auf institutionelle (€ 30,7 Mrd.) und private Anleger (€ 2,8 Mrd.) enthalten. Das Gesamtvolumen der als nachhaltig etikettierten Fonds bei der Union Investment liegt bei etwa € 2,6 Mrd. Darin sind auch Fonds auf fremde Initiative, z.B. die KCD-Union Fonds von Kirchenbanken (€ 735 Mio.) enthalten (Quelle: https://www.union-investment.de/handle?action=viewFundslist 2.8.2018, eigene Berechungen).

Trendthema ohne Lobby? – Oder Vertrieb ohne Power?

Nachhaltigkeit ist ein unbestrittenes Trendthema. Klimawandel ist in aller Munde. Da stellt sich die Frage, wieso der schon 2007 aufgelegte „UniSektor Klimawandel“ aktuell nur € 33 Mio. verwaltet. Alle Nachhaltigkeitsfonds im Vertrieb der genossenschaftlichen Finanzgruppe weisen aktuell zusammen ein Volumen von € 947 Mio. aus – bei € 332,7 Mrd. Gesamtvolumen.

Im Vergleich dazu hat der von der GLS Bank und der KD Bank initiierte „FairWorldFonds“, der nur selektiv im Vertrieb von Banken war, ein Volumen von € 956,4 Mio. Die für Kirchenbanken aufgelegten „KCD-Union“ Fonds verwalten immerhin auch € 735,5 Mio. Eigene Stichproben haben bisher keine Spuren von Nachhaltigkeit im stationären Vertrieb der genossenschaftlichen Finanzgruppe erkennen lassen. Vielleicht wäre dies eine mögliche Erklärung.

Bei der Finanzgruppe der Sparkassen lassen sich vergleichbare Zahlen finden: Deka Investment verwaltet € 1,4 Mrd. in Nachhaltigkeitsfonds bei € 282,9 Mrd. Gesamtvolumen (Stand 31.12.2017, Halbjahresbericht am 22.8.2018).

Auf die Produkte kommt es an

Nach eigener Analyse stellen Investmentfonds die Königsdisziplin nachhaltiger Geldanlagen dar. Die meisten Analysen und Testversuche münden mit einer Fülle von Risiken und Nebenwirkungen, die schon die Kundenberater abschrecken müssen. Wie Produkte beschaffen sein sollten und worin die Probleme bestehen zeigt der Beitrag Mehr Transparenz bei Investmentfonds. Schon im Interesse der Berater sind Transparenz und Glaubwürdigkeit Grundvoraussetzungen für einen Markterfolg. Leider wird der manchmal mit Ansätzen gesucht, die zwar plausibel erscheinen, es bei näherer Betrachtung aber nicht unbedingt sind, z.B. CO2 bzw. der Klima-Fußabdruck. Dies bestätigt leider auch der jüngste Beitrag von Vanessa Bolmer im GLS-Blog: Klimatransparenz – Der Carbon Footprint

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

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