Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundsechzig

Inhalt:  Vorneweg… Klimaschutz ist mehr Nachhaltigkeit…; …aber Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: EU-Taxonomie von Finanzanlagen – nur öko?; GLS Crowd mit Finanzierung in Rekordzeit; SRI, ESG, SDG – Etwas Entwirrung; Apple Pay in Deutschland gestartet; Kommen und Gehen bei FinTech; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Beitragsbild: https://d-pt.ppstatic.pl/kadry/k/r/1/66/7b/59a6ae4e19eef_o,size,969×565,q,71,h,109ff2.jpg

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

17. Dezember 2018, ergänzt 18.12.2018 (Plädoyers Klimaschutz; Artikel Dr. Ossig, Bankenverband; GLS Crowd; Konsolidierung bei FinTech)

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg…

Auf dem Beitragsbild heißt es Gefahr, Unfall – symbolisch für den Verlauf und das Ergebnis der Weltklimakonferenz COP24 in Katowice. Aber auch für den Vorschlag der von der EU-Kommission eingesetzten Expertengruppe für die Klassifizierung nachhaltiger Finanzpositionen. Mit der Konzentration auf den Umweltschutz ist die dringend notwendige „Taxonomie“ viel zu eng angelegt. Nach all den optimistisch stimmenden Entwicklungen für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft zwei derbe Dämpfer Mitte Dezember 2018!

Klimaschutz ist mehr Nachhaltigkeit…

Zu guter letzt gab es noch eine gute Nachricht von der Weltklimakonferenz: Die Beteiligten konnten sich in einer Konferenzverlängerung noch auf gemeinsame Schlusserklärung einigen. Mehr Berichtenswertes gibt es hier nicht. Das ist in den Medien alles geschrieben. „Klimaschutz lauwarm“ titelt der Bonner General-Anzeiger am 14.12.2018 auf S. 3 – völlig zu Recht.

Nummer Einundsechzig enthielt einen kurzen Bericht über das großartige Plädoyer der fünfzehnjährigen Greta Thunberg auf der Weltklimakonferenz. Am 14.12.2018 folgten Schüler in mindestens 14 Städten ihrem Beispiel und traten in einen Schulstreik für den Klimaschutz: Spiegel Online 14.12.2018. Auch eine Reihe von globalen Großunternehmen forderten zu einem konsequenteren Handeln auf, so z.B. BT Group Plc., Ikea und Mars (EN): Bloomberg 13.12.2018: From Mars to Ikea, Concerns Emerge About Vague Climate Rules.

…aber Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: EU-Taxonomie von Finanzanlagen – nur ökö?

Am 7.12.2018 legte die für die Umsetzung des EU-Aktionsplans (vgl, Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung) Expertengruppe (Technical Expert Group on Sustainable Finance (TEG)) nach fünfmonatiger Tätigkeit ein Konsultationspapier für die „Taxonomie“ von Finanzanlagen vor: Invitation for feedback and expert workshops on taxonomy. Das Ergebnis ist kurz formuliert: Sehr enttäuschend.

Das 108 Seiten starke Dokument zeugt zwar von Arbeit, allerdings nicht von einem zielführenden Ansatz. Der EU-Aktionsplan setzte zwar beim Klimaschutz an, erschien aber offen für andere nachhaltige Entwicklungsziele. Dies ist im Konsultationspapier allerdings nicht erkennbar. Klimarisiken waren und sind nur eines von 17 UN-Teilzielen und ein guter Ansatz für den Angang an die Finanzwirtschaft, da sie hiervon stark betroffen ist und die Bankaufsichtsbehörden ebenfalls von dieser Erkenntnis geleitet werden.

2018-12-13 Glorreiche17

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Die Arbeit der Expertengruppe hat sich dagegen ausschließlich mit Umweltfaktoren beschäftigt. Damit wird auch die resultierende Klassifizierung (Taxonomie) sehr eng gefasst und auf folgende Gebiete begrenzt:

  1. Milderung des Klimawandels
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Wasser und Ozeane
  4. Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung, Recycling
  5. Umweltverschmutzung
  6. Gesunde Ökosysteme

Damit wird aber nur ein enger Ausschnitt der globalen Probleme erfasst. Bei einer Orientierung an den SDGs wäre dies nicht der Fall und bspw. auch die Bekämpfung von Hunger sowie die Migration miterfasst.

Der Angang der EU-Experten erscheint vor allem deshalb sehr verwunderlich, weil sich das Konsensusverständnis seit dem Sommer 2017 stark gewandelt hat. Es stehen weniger die rückwirkend erfassten Werte für Ökologie, Soziales und Unternehmensführung (ESG) im Vordergrund, sondern vorausschauend nachhaltige Entwicklungsziele, die SDGs. Dieser Wandel ist auch im Rating zu erkennen, worüber hier kürzlich berichtet wurde: Nummer Neunundfünfzig.

Sofern die Expertengruppe ihre Arbeit so fortsetzt, wie es es das Konsultationspapier erwarten lassen muss, erscheint das Ziel in Gefahr, ein transparentes und nachvollziehbares Klassifizierungssystem zu erhalten, dass am Ende auch von privaten Geldanlegern als Entscheidungshilfe genutzt werden kann. Damit wird in der Konsequenz auch die ganze Intention des EU-Aktionsplans gefährdet.

Eine ausführliche „Würdigung“ (EN): What goes wrong with #SustainableFinanceEU?

Diese Entwicklung ist umso verwunderlicher als auch Branchenvertreter die Berechtigung von Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft anerkennen. Sicherlich hat der Klimaschutz hier eine prominente Bedeutung wie der aktuelle Beitrag des Hauptgeschäftsführers und Vorstands des Bundesverband deutscher Banken in Der Bank Blog zeigt: Christian Ossig: Klimaschutz macht vor Banken nicht halt Schlussfolgerungen aus der 24. Weltklimakonferenz in Kattowitz, 17.12.2018. Längst herrscht aber in der Branche ein umfassendes, an den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) orientiertes Nachhaltigkeitsverständnis, was sich bereits konkret in der Tätigkeit der globalen Branchenführer niederschlägt: Nummer Fünfunddreissig vom 16.4.2018

GLS Crowd mit Finanzierung in Rekordzeit

Dass Klima- und Umweltschutz auch beliebte Anlagethemen sind, zeigt die von der GLS Crowd am 14.12.2018 platzierte Finanzierung von autarq, einem Hersteller von Solardachziegeln aus Brandenburg. In nur 4,5 Stunden wurden € 1,25 Mio. eines Nachrangdarlehens platziert (7,5%, 3,5 Jahre, endfällig) Laut Pressemitteilung autarq vom 17.12.2018 konnten bereits in den ersten 15 Minuten € 195.000 eingeworben werden.

Auch bei der vorausgegangenen Platzierung einer Finanzierung der akvola Technologies GmbH aus Berlin, einem Spezialisten für Wasseraufbereitung, dauerte es lediglich knapp fünf Stunden, um Investoren für € 750.000 (7%, 6 Jahre, Ratenzahlung ab dem dritten Jahr) zu gewinnen. Laut Pressemitteilung der GLS Bank vom 24.10.2018 waren bereits nach 1,5 Stunden € 500.000 erreicht.

Anmerkung aus der o.g. Pressemitteilung: „Die GLS Crowd ist eine von der GLS Crowdfunding GmbH betriebene, von der GLS Bank unabhängige Schwarmfinanzierungsplattform mit Sitz in Frankfurt am Main, die sich auf die Vermittlung von Finanzierungen für nachhaltige Unternehmen und Projekte spezialisiert hat. Die auf der Plattform angebotenen Finanzierungen werden ihr von der GLS Bank zur Vermittlung vorgeschlagen. Die GLS Crowd bietet Investor*innen die Möglichkeit, Beträge von 250 bis 10.000 Euro in nachhaltige Vorhaben zu investieren“

SRI, ESG, SDGs – Etwas Entwirrung

Anlageangebote mit einem weiten Spektrum von Nachhaltigkeit

Nachhaltige Anlageangebote haben ein weites Spektrum und z.T. erheblich abweichende Interpretationen von Nachhaltigkeit. Für interessierte Privatanleger ist diese Vielfalt ebenso verwirrend wie Finanzjournalisten, so dass deren Beiträge meist auch nicht besonders erhellend und damit hilfreich sind. Insofern bietet der im Portal justETF erschienene Beitrag eine Ausnahme: Dominique Riedel: Nachhaltige ETF-Portfolios zum Selberbauen, 9.12.2018. Der Beitrag stellt übersichtlich die Gemeinsamkeiten der häufigsten Abkürzungen SRI (=socially responsible investments/sozial verantwortliche Investments) und ESG (environment, social, governance/Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) zusammen. Seltener ist „SDGs“ für die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (sustainable development goals) der Vereinten Nationen. Hierzu mehr unten sowie hier im Blog auf SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

ETFs nach SRI- und ESG-Kriterien bieten zwar eher eine schwächere Ausprägung von Nachhaltigkeit, aber sie ermöglichen es bei geringen Kosten und hohem Grad an Streuung mit einem besseren Gewissen anzulegen. Hierbei sind die Ausführungen von Frau Riedel sehr hilfreich. In beiden Kategorien ist es bei einem stetig steigenden Angebot (vgl. u.a. Nummer Einundsechzig) global oder auch regional zu investieren. Dabei werden die Informationen von einem gesunden Grundgedanken geleitet:

„Jeder Mensch definiert nach den eigenen Erfahrungen und Einschätzungen, was für ihn „nachhaltig” oder „ethisch” bedeutet. Genau so ist es mit den unterschiedlichen Index-Regelwerken im Bereich des nachhaltigen Investierens, auf denen ETFs basieren.“

Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Index-Familien im Überblick

Merkmal MSCI SRI-Reihe MSCI ESG Screened-Reihe
Aufgenommene Unternehmen die nach ESG-Kriterien besten 25% jedes Sektors; bestimmte Sektoren werden ausgeschlossen (siehe unten) bestimmte Sektoren werden ausgeschlossen (siehe unten);
keine Berücksichtigung von ESG-Ratings
Gewichtung Marktkapitalisierung Marktkapitalisierung
Marktabdeckung eher gering durch Ausschluss von 75% der Unternehmen eher hoch, da nur bestimmte Sektoren ausgeschlossen werden (ohne Berücksichtigung des ESG-Ratings)
Tracking Error potenziell höher durch geringere Marktabdeckung potenziell geringer durch höhere Marktabdeckung
Kosten i. d. R. höher als Mutterindex wegen Research-Kosten für SRI-Rating sehr ähnlich zum Mutterindex wegen minimaler Research-Kosten für einfachen Filteransatz
Modifikationen MSCI SRI 5% Capped
MSCI Select ESG and Trend Leaders
bisher keine
ETF-Portfolios Nachhaltigkeit SRI Global BIP
Nachhaltigkeit SRI Regionen BIP
Nachhaltigkeit ESG Screened Global BIP
Nachhaltigkeit ESG Screened Regionen BIP
Quelle: iShares; Stand: 05.12.2018 via justETF

Neuer Fonds auf nachhaltige Fremdkapitalfinanzierungen

Produkte mit einer Orientierung an den SDGs bilden bisher die Ausnahme. Allerdings nimmt zumindest für institutionelle Anleger das Angebot weiter zu. Der NN (L) European Sustainable Infrastructure Debt Fonds, der am 15. November 2018 aufgelegt wurde, erweitert die nachhaltige Produktpalette von NN Investment Partners (NN IP) und erfüllt die steigende Nachfrage Institutioneller nach Investitionen in Sachwerte.

„Der neue Fonds zielt darauf ab, ein diversifiziertes Portfolio aus europäischen Infrastrukturfinanzierungen aufzubauen, die einem Investment-Grade-Rating entsprechen und aus fünf Sektoren bestehen. Dazu zählen soziale Infrastruktur, alternative Energie, nachhaltiger Transport und Wasser- und Abfallwirtschaft sowie digitale Infrastruktur. Die geringe Korrelation von Infrastrukturanlagen mit den Konjunkturzyklen ist besonders für langfristige Investoren reizvoll, die ihre Portfolios diversifizieren, ihre Verbindlichkeiten matchen und solide Erträge erzielen möchten. NN IP nutzt mit dem neuen Fonds seine langjährige Erfahrung am Infrastrukturmarkt und hat seine Strategie weiterentwickelt, um sich auf Infrastrukturanlagen zu konzentrieren, die eine messbare Wirkung, einen Impact auf Gesellschaft und Umwelt haben, ohne die finanziellen Erträge zu vernachlässigen. …  Der Fonds strebt eine jährliche Bruttorendite von 3-4% und eine Duration von 12-15 Jahren an.“ Quelle: NN investment partners (DE)

Apple Pay in Deutschland gestartet – Zahlung + Nachhaltigkeit?

2018-12-11 ApplePay

Beitragsbild/Bild: Apple Pay

Mit einer Verspätung von vier Jahren gegenüber europäischen Nachbarländern sind jetzt auch in Deutschland Zahlungen mit Apple Pay möglich. Google Pay war im Juni 2018 gestartet. Die Vorteile beschreibt der Anbieter folgendermaßen:

„Apple Pay funktioniert ganz einfach. Und vor allem ganz sicher. Denn mit Apple Pay wird deine Kartennummer nie auf deinem Gerät oder Apple Servern gespeichert. Und Apple Pay speichert auch keine Daten zu deiner Transaktion, die auf dich zurück­zuführen sind. So kannst du sicher in Geschäften, Apps und im Internet bezahlen. Ganz einfach.“

 Quelle: Apple Pay

Wie funktioniert Apple Pay?

Tatsächlich werden weniger missbrauchsgefährdete Daten mit dem Händler ausgetauscht, da die Zahlung nur über eine Gerätenummer in Verbindung mit einem einmaligen Transaktionscode ausgelöst. Das Smartphone wird mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung entsperrt. Insofern können weder bei der Transaktion noch aus dem Gerät sensible Daten ausgelesen werden. Bei einem Geräteverlust ist damit im Gegensatz zu einer physischen Karte ein Missbrauch ausgeschlossen.

Nicht verwendbar sind Girocards ohne Zugang zu Maestro (d.h. Mastercard). Auch ist der von vielen Banken angebotene Zahlungsdienst VPay (Visa) nicht unter den Anbietern. Die Nutzung solcher Karten ist über die Angebote der Genossenschaftsbanken (Digitale Karten in der VR-Banking-App) und Sparkassen (Mobiles Bezahlen) möglich. Allerdings wird hier für Beträge ab € 25 wiederum ein PIN benötigt.

Zum Start sind die Banken in der nachfolgenden Übersicht mit Apple Pay im Angebot. Weitere Banken haben den Zahlungsdienst für 2019 avisiert.

Apple hat die Liste mit den teilnehmenden Banken veröffentlicht.

Quelle: Apple Pay

Mobile Zahlungen können nachhaltiger sein

In Deutschland werden rund 57 Mio. Smartphones genutzt (Quelle: statista 11.12.2018), die technisch reichlich dimensioniert sind. Gleichzeitig tragen alle 130 Mio. Bank- und Kreditkarten leistungsfähige Chips sowie Magnetstreifen, die zu einem erheblichen Teil nur wenig genutzt werden. Insofern wäre es deshalb naheliegend, andere Lösungen zu wählen, die diesen Materialeinsatz verringern. Eine Variante wären optische Lösungen (QR-Codes, vgl. Weniger Karten in die Brieftasche hier im Blog) oder die von den mobilen Bezahlangeboten genutzte NFC-Funktion der Smartphones, die dann auf den Karten selbst entfallen könnte.

Eine besonders interessante Lösung hat deshalb die Deutsche Bank zum Marktstart in das Angebot genommen: Eine vollständig virtuelle Karte, die allein elektronisch ausgegeben wird. Entgegen den Informationen auf der Internetseite der Bank kursierten zunächst Informationen, wonach Kunden zur Bestellung der Karte eine Filiale besuchen müssten. Dies hätte dieses Angebot natürlich verwässert, ist aber nicht der Fall: „Mit einem Deutsche Bank Konto erhalten Sie zur weltweiten Nutzung von Apple Pay eine virtuelle Mastercard Debitkarte (Deutsche Bank Card Virtual) – dauerhaft ohne Jahresgebühr. Diese können Sie im Rahmen der Apple Pay Aktivierung in der Deutsche Bank Mobile App bestellen.“ Homepage Deutsche Bank – Jetzt: Deutsche Bank mit Apple Pay.

Quelle: Jochen Siegert via Twitter/Deutsche Bank

Viel Andrang zum Start

Jochen Siegert hat auf Payment & Banking am 12.12.2018 seine persönlichen Eindrücke von der Auftaktveranstaltung in der Allianz-Arena in München geschildert: Launchevent von Apple Pay in Deutschland. „Michael Koch, verantwortlich für Online- und Mobilebanking der Deutschen Bank, sprach bezüglich von der MasterCard Debit-Karte und Apple Pay als dem stärksten Produktlaunch der Deutschen Bank überhaupt. Wesentliche KPIs hätten die Erwartungen weit übertroffen. So konnte die Deutsche Bank gestern Vormittag hohe dreistellige Kartenanträge pro Minute verzeichnen und die Besuche der Deutschen Bank Homepage war sechsfach höher als sonst. Dieser Kundenansturm ist sehr beeindruckend. Ich denke das Institut wird so alleine über 50.000 neue Karten am gestrigen Tag abgesetzt bzw. aktiviert haben. Auch ein Comdirect Mitarbeiter schrieb bei Twitter von einem selbstgesetzten Tagesziel von 10.000 Registrierungen (leider Tweet nicht mehr auffindbar) und die im Vergleich eher kleine Hanseatic Bank berichtete auch von 1.200 Registrierungen in den ersten Stunden.“

Akzeptanz ca. 50%

Die Einsatzmöglichkeiten in Deutschland dürften grundsätzlich bei 50% liegen, also überall dort, wo NFC-fähige Terminals genutzt werden. Zusätzlich ist aber eine Vereinbarung mit Apple Pay Voraussetzung. Die folgende Übersicht stellt die beim Start vereinbarten Akzeptanzpartner:

 

Bildergebnis für apple pay akzeptanz

Quelle: Apple Pay

Weitere Partnerbanken für 2019 avisiert

Quelle: Apple Pay

Die Zahlungsdienste im Kurzvergleich

Besonders bei der Freigabe der Zahlungsdienste auf dem Smartphone unterscheiden sich die Angebote Bei Apple-Pay und Google-Pay genügt die Freigabe des Handys bei Touch-ID oder Face-ID, um eine Zahlung zu legitimieren. Für Kleinbeträge ist bei Apple-Pay nicht einmal der Bildschirm des iPhones zu entsperren. Der Vorteil der einfachen Bedienbarkeit mit einer einzigen Aktion ist beim Bezahlen mit den Apps von Sparkasse und VR-Banken jedoch dahin. Bei Beträgen über 25 Euro ist es erforderlich, die Karten-PIN am Smartphone einzugeben.

Während bei Apple und Google nur Debit- und Kreditkarten genutzt werden können, binden die Bankenangebote auch die Girocards ein. Unterschiedlich ist natürlich auch, wer welche Daten hat. Da sind sie allerdings auf jeden Fall, fragt sich immer noch wo. Und das ist eher Geschmacksache.

Kommen und Gehen bei FinTech

Apple Pay kommt, Glase® geht

Am 11.12.2018 hat Glase® (früher SEQR) vormittags die Einstellung seines Zahlungsdienstes für den Nachmittag angekündigt. Ähnlich wie Apple Pay basierte das Angebot auf einem kontaktlosen Bezahlvorgang per NFC-Technik. (heise online 11.12.2018 – Mobile Payment: Glase gibt auf. Mittlerweile sind Neugründungen bei Zahlungsdiensten in einer Minderheit. „Payment-Startups können trotz der breiten öffentlichen Diskussion zum Thema mit zwei Prozent nur einen verschwindend geringen Anteil des Venture-Capital-Investitionsvolumens seit 2017 für sich verbuchen“ heisst es in der aktuellen comdirect Fintech-Studie. Der Markteintritt von Apple dürfte eher einen Konsolidierungsprozess beschleunigen.

Kommen und Gehen bei der Onlinevermögensverwaltung

Nach Santander (Sina) stellt auch die Werthstein GmbH ihr zum Jahresbeginn gestartetes (vgl. Nummer Sechsundzwanzig vom 12.1.2018) Angebot wieder ein: Pressemitteilung vom 17.12.2018: Werthstein GmbH stellt Geschäft ein. Die Bewegung im Markt für „Robo-Advice“ hat Heinz-Roger Dohms heute in Finanz-Szene.de beschrieben: Exklusiv: Deposit Solutions paktiert mit Robo-Advisor Quirion.

Eine Konsolidierung in diesem Markt war seit einiger Zeit sehr vorhersehbar: Kleiner Gesamtmarkt (ca. € 2 Mrd.) mit sehr vielen Anbietern (>40) bei sehr niedrigen Markteintrittsbarrieren aufgrund überschaubarer Investitionsaufwendungen: Robo-Advice – Viel Bewegung im Markt vom 17.11.2017.

 

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen. Ort wird noch bekannt gegeben und je nach Interesse ausgewählt.

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Zweiundsechzig bis Eins

 

 

 

What goes wrong with #SustainableFinanceEU?

2018-01-31 SusFin

Grafic: EU Commission

13. December 2018

Dr. Ralf Breuer

The year 2018 fueled a lot of optimism into my views on sustainability in the financial industry. Getting started with the EU Action Plan on financing sustainable growth (#SustainableFinanceEU) many factors brought sustainability into the industry’s mainstream. Facing tremendous tail risks from climate the global leaders strongly confirmed this view. The long and hot summer with it’s drought and wildfires strongly built up a broad awareness for the changing climate moving it up on the political agenda. However, since the end of last week the optimism has become muted. And is not because of the lacking progress at the COP24 in Katowice, it is first of all the consultation pack published by the technical expert group (TEG) working on the taxonomy of assets as outlined in the action plan.

Disputable points disputed

The action plan found criticism mainly in two points:

1. Green supporting factor not logical

The EU Commission proposed a green supporting factor, i.e. reduced capital burdens for environmentally friendly assets. This is understandable as it shares the French view and secured a strong support. This was confirmed by President Macron’s personal engagement. From the regulatory point of view, it is rather „brown“ resp. „fossile“ to burden as this imposed tremendous tail risks on the financial industry.

2. The sequence of distribution directives and taxonomy

The commission almost immediately intended to amend the distribution directives for banks (MiFIDII) and insurance companies (IDD) and work out a classification for sustainable assets afterwards. For good reasons some from the industries doubted this sequence and proposed a different order.

Ecology should only be the gateway, not all

The action plan seemed open to all (17) sustainable development goals. Climate risk was a sensible approach as a „hook“ as this secured the support of the supervisory bodies because they see that the financial industry faces tremendous tail risks currently not covered in regulation. In addition, risks from climate change and energy transition have already deeply eaten into portfolios and collatoral pools.

However, the United Nations for good reasons set out 17 sustainable development goals (the „SDGs“) going far beyond ecology. Since 2017 the consensus view on sustainability turned in this – forward looking – direction, away from – historical – ESG criteria. The sustainability ratings will follow this move rather sooner than later.

In sharp contrast to this, the TEG has narrowed it’s terms of reference on environmental factors:

In line with the Commission’s legislative proposals of May 2018, the European Commission has set up a Technical Expert Group on Sustainable Finance (TEG) to assist it in developing;
• an EU classification system – the so-called taxonomy – to determine whether an economic activity is environmentally sustainable;
• an EU Green Bond Standard;
• benchmarks for low-carbon investment strategies; and
• guidance to improve corporate disclosure of climate-related information.

Taxonomy subgroup – Progress report p. 6

Thus, the outlined result will be a narrow one as well:

An EU taxonomy would fill these gaps, as it would inter alia:
 create a uniform and harmonised classification system, which determines the activities that
can be regarded as environmentally sustainable for investment purposes across the EU;
 address and avoid further market fragmentation and barriers to cross-border capital flows as
currently some Member States apply different taxonomies;
 provide all market participants and consumers with a common understanding and a
common language of which economic activities can unambiguously be considered
environmentally sustainable/green;
 provide appropriate signals and more certainty to economic actors by creating a common
understanding and single system of classification while avoiding market fragmentation
 protect private investors by avoiding risks of green-washing (i.e. preventing that marketing is
used to promote the perception that an organization’s products, aims or policies are
environmentally-friendly when they are in fact not);
 provide the basis for further policy action in the area of sustainable finance, including
standards, labels, and any potential changes to prudential rules.

Taxonomy subgroup – Progress report p. 7

The approach to taxonomy would be strongly flawed

1. Why only one goal?

The narrow approach focussing on environmental sustainability will heavily flaw the action plan. While market consensus and reality turned to SDGs and thus looking forward, the consultation pack sticks to ESG, strongly stressing the E for ecology. This stands in a sharp contrast to the strong growth of not climate-related instruments, e.g. at the Luxembourg Exchange LGX, where the number of „social bonds“ is increasing“.

Sustainable Finance should not be „one trick pony“. Climate change is a severe problem of sustainability, but unfortunately by far not the only one. Why should a taxonomy therefore exclude other burning questions like education, hunger, housing, inclusion etc.?

2. Historical ESG can be misleading

It is not straightforward, but also no rocket science to show, that the common historical sustainability benchmarks such as carbon footprint and ESG-Scores can be misleading for investment decisions with impact intentions in the future. The consultation document seems to confirm this outdated view starting with the NACA classification highlighting sectoral emissions (see Taxonomy subgroup – Progress report p. 9f).

The alternative is straightforward

According to a paper of the German sustainability rating agency imug (Wirkungsorientierte Investments zur Erreichung der UN Sustainable Development Goals – Impact investments to achieve the UN Sustainable Development Goals) the industry is on the move away from particular and individual ESG approaches to the SDGs, thus defining „a new normal“.

In some cases this normal is already put into practice, e.g. at the Dutch pension fund PGGM and APG Asset Management. Very impressive is the system of the German development finance agency DEG (KfW Group) which benchmarks the whole portfolio in development finance: We measure development outcome. The group is using a IOOI model (Input, Output, Outcome, Impact) that is also advocated by rating agencies, e.g. vigeo eiris.

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundsechzig

Inhalt:  Globale Investoren fordern dringend Klimaschutz; Deutschland bei Nachhaltigkeit: Heiter bis wolkig; Zweite Woche 24. Weltklimagipfel in Katowice; Finanzthema Klimaschutz und Klimarisiken; Nachhaltigkeit als Maßstab bei der Kreditvergabe; Nachhaltige Finanzwoche in New York; Weltbankgruppe: USD 200 Mrd. für Klimaschutz; Weltweit 140 neue Nachhaltigkeitsfonds…; …starkes Wachstum bei ESG-Aktien-Indexfonds in Europa; Verbraucherzentrale prüfte Nachhaltigkeitskriterien; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

10. Dezember 2018

Dr. Ralf Breuer

Globale Investoren fordern dringend Klimaschutz

454 globale Investoren haben eine dringende Aufforderung an die Politik unterzeichnet, die Ziele des Klimaschutzabkommens zu erreichen. Eine weitere Erderwärmung jenseits der 1,5 Grad würde zu „substanziellen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen führen. Dies sei aufgrund der derzeit vorhandenen nationalen Beiträgen zu befürchten, da auf dem derzeitigen Niveau der Anstrengungen die Ziele deutlich verfehlt würden.

„This ambition gap is of great concern to investors and needs to be addressed, with urgency. It is vital for our long-term planning and asset allocation decisions that governments work closely with investors to incorporate Paris-aligned climate scenarios into their policy frameworks and energy transition pathways.“

Die Investoren betonen auch, dass die bei der Umsetzung der Klimaziele führenden Länder und Unternehmen wirtschaftlich erheblich profitieren werden und folglich auch attraktive Anlagemöglichkeiten für Investoren darstellen:

„The countries and companies that lead in implementing the Paris Agreement and enacting strong climate and low carbon energy policies will see significant economic benefits and attract increased investment that will create jobs in industries of the future.“

Quelle: 2018 Global Investor Statement to Governments on Climate Change

Mit Allianz Global Investors, Allianz SE, DWS und Union Investment haben auch einige prominente deutsche Investoren die Erklärung unterzeichnet. Auffallend ist aber vor allem das Fehlen der Deka Investment als Dienstleister der größten Finanzgruppe, der Sparkassen.

Nachhaltigkeit in Deutschland: Heiter bis wolkig

Das Statistische Bundesamt hat den aktuellen Indikatorenbericht zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie veröffentlicht. Diagnose: „Heiter bis wolkig„.

Bereits zum siebten Mal hat das Statistische Bundesamt den Indikatorenbericht erstellt. Er folgt im Aufbau den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs) und bewertet die jeweiligen Indikatoren mit Wettersymbolen, woraus eben die im Tweet zitierte Einschätzung „heiter bis wolkig“ entstammt. Der Bericht ist eine interessante Lektüre und erlaubt einen tiefen Einblick in den Zustand dieses Landes und seiner Gesellschaft: Destatis Nachhaltigkeite Entwicklung in Deutschland – Indikatorenbericht 2018.

Zweite Woche 24. Weltklimagipfel in Katowice

Der 24. Weltklimagipfel „COP24“ in Katowice geht in die zweite Woche. Das Programm und die Randveranstaltungen füllen viele Internetseiten. Hier die offizielle Seite der Vereinten Nationen, United Nations Climate Change. Das Beitragsbild bzw. die nachfolgende Grafik wollen einen Überblick über die Veranstaltung vermitteln.

cop-grafikthumb

Beitragsbild/Grafik: www.klimafakten.de

Ein Video aus Katowice mit der fünfzehnjährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg und ihrem Appell für den Klimaschutz fand in sozialen Medien tausendfache Aufmerksamkeit. Sie trat in einen Schulstreik und protestierte auf der Straße, um Politiker auf die Notwendigkeit von Maßnahmen aufmerksam zum machen. Weitere Menschen gesellten sich zu ihrem Protest. Mittlerweile fand ihre Aktion in vielen Ländern Nachahmung.

In ihrem Interview beklagt sie die verbreitete Unkenntnis über den Klimawandel bei Journalisten, Politikern und der breiten Öffentlichkeit. Sie regt die stärkere Einbeziehung jüngerer Menschen an. – Sehr hörenswert: „Something big has to happen“!

Insbesondere bei Politikern sieht sie nicht nur Defizite beim Wissen, sondern auch bei der Motivation: Ihr Job sei nicht die Rettung der Welt, sondern der Wahlsieg.

Finanzthema Klimaschutz und Klimarisiken

Anläßlich des Weltklimagipfels haben sich fünf Banken zusammengeschlossen, um ihre Kreditportfolien mit den Klimazielen des Klimaabkommens von Paris in Einklang zu bringen. BBVA, BNP Paribas, ING Groep, Société Générale und Standard Chartered wollen gemeinsam Methoden entwickeln, die Vereinbarkeit ihrer Kreditportfolien mit dem Klimaabkkommen von Paris zu messen und entsprechend zu steuern.

Auch für die Zentralbanken und Bankaufsichtsbehörden sind Klimarisiken – insbesondere der Klimawandel und die Energiewende – ein wichtiges Thema. Im Oktover 2018 haben insgesamt 18 Zentralbanken gemeinsam erklärt, dass sie diese als Teil ihres Mandats sehen. Besonders weit fortgeschritten sind die Überlegungen in Großbritannien und den Niederlanden, u.a. weil beide Länder von einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels unmittelbar stark betroffen werden.

In der Financial Times wurde dem Thema am 4.12.2018 erneut ein ausführlicher, sehr lesenswerter Artikel gewidmet. Es geht nicht mehr um die Frage, ob Klimarisiken relevant sind, sondern wie sie praktisch in die Finanzmarktregulierung eingehen sollen.

Strittig bleibt allein die Frage, ob „grüne“ Investitionen kapitalseitig begünstigt werden sollen, wie es die EU-Komission bei der Vorstellung ihres Aktionsplans im März 2018 gefordert hat (Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung). Hierfür gibt es unmittelbar keine logische Begründung, da es sich um „klassische“ Investitionen handelt, während Klimarisiken Langfristcharakter haben, was in der aktuellen Systematik der Rechnungslegung und Unternehmensberichterstattung nur unzureichend abgebildet wird.

Nachhaltigkeit als Maßstab bei der Kreditvergabe

Die norwegischen Bank DNB setzt bei der Vergabe von Krediten nachhaltige Maßstäbe an. Unternehmen, die nicht nachhaltig sind und umweltbelastende Produkte herstellen, haben es schwerer, Geld von der Bank zu bekommen.

Bei der Einschätzung des Risikos neuer Kunden sind Umwelt- und Klimabewertungen ein Faktor. „Unternehmen, die in ihrer Geschäftsstrategie keine Nachhaltigkeit haben, werden auf lange Sicht nicht lebensfähig sein“, sagte eine DNB-Sprecherin. So sei einem Hersteller von Einmalplastik kürzlich ein Kredit verweigert worden. Auch immer weniger Unternehmen in der Fossilbranche würden Finanzierungshilfe bekommen. (dpa/Handelsblatt 7.12.2018

Nachhaltige Finanzwoche in New York

Zeitgleich zum Start des Klimagipfels in Polen fand in New York eine Nachhaltige Finanzwoche (Sustainable Finance Week, Programm) mir verschiedenen großen Einzelveranstaltungen statt. Der Dienstleister Bloomberg hat aus diesem Anlass sein Informationsangebot erweitert und betreibt nun ein auf Nachhaltigkeit bzw. Verantwortungsbewusstsein ausgerichtetes Informationsangebot, den Bloomberg Good Business Hub. Bloomberg bietet hier kostenfrei auch den Bezug von wöchentlichen aktuellen Informationen per E-Mail an, den englischen Good Business Newsletter.

Weltbankgruppe: USD 200 Mrd. für den Klimaschutz

Die Weltbankgruppe hat für die nächsten fünf Jahre ein Finanzierungsprogramm von USD 200 Mrd. für den Klimaschutz initiiert (Pressemitteilung 3.12.2018 (EN)). USD 100 Mrd. will die Gruppe dabei unmittelbar selbst bereitstellen. Neben Maßnahmen zur CO2-Reduktion sollen auch präventive Schritte zur Vorbereitung auf den Klimawandel finanziert werden. Bereits 2018 wird die Gruppe USD 20,5 Mrd. bereitstellen. Der Betrag war eigentlich erst in 2020 geplant.

Weltweit 140 neue Nachhaltigkeitsfonds…

Bloomberg berichtet, dass 2018 weltweit 140 neue Fonds mit Nachhaltigkeitskriterien neu aufgelegt wurden. Dabei handelt es sich im wesentlichen um „verantwortungsbewußte Produkte“, die an SRI- bzw. ESG-Kriterien ausgerichtet sind. In der nachfolgenden Grafik wird zusammengestellt, wie sich die zehn größten Fonds im Vergleich zum breiten Aktienindex S&P 500 entwickelt haben. Für die Vereinigten Staaten schätzt Bloomberg den Marktanteil dieser Produkte auf über 25%, was in etwa einem Wert von USD 12 Bio. entspricht.

Quelle mit ausführlichen Informationen und einer Übersichtstabelle: Bloomberg 30.11.2018

…starkes Wachstum bei ESG-Aktien-Indexfonds in Europa

Der Fondsdienstleister Morningstar meldet am 7.12.2018: „Nachhaltiges Investieren wird immer mehr zum Mainstream in Europa“ (Valerio Baselli: ESG-Aktien-Indexfonds 2018 stark gesucht, 7.12.2018). Ende September gab es laut Artikel 199 nachhaltig investierende Indexfonds, darunter 55 ETFs. Seit Jahresbeginn ist das Volumen der Fonds bei Zuflüssen von € 8,65 Mrd. von € 84,2 Mrd. auf € 97,6 Mrd. gestiegen. Die Fonds sind mehrheitlich (182) Aktienprodukte, während Rentenprodukte (16) und Mischfonds (1) nur einen kleinen Anteil haben.

Wachstum des in ESG-Indexfonds verwalteten Vermögens

Auch bei den 18 neuen Produkten im Laufe des Jahres 2018 dominierten mit 17 die Aktienfonds. 10 dieser Produkte sind ETFs.

Verbraucherzentrale prüfte Nachhaltigkeitskriterien

Die Verbraucherzentale Bremen hat bei 14 Banken in Deutschland die Nachhaltigkeitskriterien unter die Lupe genommen und in einer Übersicht aufbereitet. Sie alle haben für ihre Eigenanlagen und die Kreditvergabe ethische-ökologische Kriterien, darunter acht Kreditinstitute mit kirchlichen Wurzeln. Die  Verbraucherzentrale untersuchte erneut die Auswahl dieser Kriterien.

Das Ergebnis in Kürze:

  • Nachholbedarf beim Klimaschutz: Nur sieben von 14 Banken schließen Investitionen in fossile Energieträger konsequent aus
  • Für zwei Banken ist die Atomindustrie kein Ausschlusskriterium
  • Fünf Banken wenden alle untersuchten Ausschlusskriterien an

Die Übersicht macht für Verbraucher auf einen Blick deutlich, welche Banken die für sie wichtigen ethisch-ökologischen Kriterien erfüllen. Daneben bietet die Verbraucherzentrale Bremen mit Marktchecks zu den Konditionen von Girokonten und Sparanlagen bei diesen Banken weitere Orientierungshilfen.

Zur Übersicht: Anlagekriterien_bei Banken_Nachhaltigskeitsstandards

©Verbraucherzentrale Bremen e.V.

Die Verbraucherzentrale hat auf ihrer Internetseite auch Informationen über nachhaltige Geldanlagen für Privatanleger zusammengestellt. Links finden sich auf der Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Einundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechzig

Inhalt:  24. Weltklimagipfel: „Nur eine Existenzfrage“; Frankreich: Drei Tage Klimafinanzierung; Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft; Ohne Nachhaltigkeit ist es Selbstmord; FNG-Siegel mit starkem Wachstum; Irgendwas Digitales ist noch keine Digitalisierung Apropos: Digitaler Kanal und Kommunikation; In eigener Sache: #nachhaltige100: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

3. Dezember 2018, ergänzt 4.12.2018 (Pressemitteilung Climate Action Network Europe, Zitat Richard David Precht, Bericht Finanz-Szene.de)

Dr. Ralf Breuer

24. Weltklimagipfel: „Nur eine Existenzfrage“

Heute beginnt in Katowice, Polen, der 24. Weltklimagipfel „COP24“. Das Programm und die Randveranstaltungen füllen viele Internetseiten. Hier die offizielle Seite der Vereinten Nationen, United Nations Climate Change. Das Beitragsbild bzw. die nachfolgende Grafik wollen einen Überblick über die Veranstaltung vermitteln.

cop-grafikthumb

Beitragsbild/Grafik: www.klimafakten.de

Der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat gleich zur Eröffnung des deutschen Pavillons deutlich gemacht, um was es bei der Bekämpfung des Klimawandels geht: Dem Überleben der Menschheit.

Ein Jahr nach COP23 in Bonn wurden bei der Bekämpfung des Klimawandels kaum Fortschritte erzielt. Allerdings haben der heiße Sommer und auch die Berichterstattung um den Hambacher Forst das Bewusstsein in der breiten Bevölkerung deutlich verändert. Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen haben noch einmal deutlich gezeigt, dass das Wählerinteresse an Nachhaltigkeit deutlich ausgeprägter ist als dies im Wahlkampf von den großen Parteien zum Ausdruck gebracht worden ist.

Dies wurde besonders in der Berichterstattung zur Wahl in Bayern deutlich, zu der die Nummer Dreiundfünfzig folgende Übersicht enthielt:

Quelle: Twitter/Jörg Schönenborn, WDR, Daten: infratest Dimap

Während die Politik nachhaltige personelle Querelen bot, war das Interesse an nachhaltigen Themen wir Bildung, Wohnen und Klimaschutz deutlich stärker ausgeprägt als an der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Dies war ebenfalls in Schweden der Fall, das bekanntlich von der Sommerhitze und großen Waldbränden besonders betroffen war (vgl. Nummer Sechsundvierzig).

Gleich zu Beginn des Gipfels am 3.12. sorgten einige Länder für positive Schlagzeilen und setzen Ausrufungszeichen: Der niederländische Ministerpräsident kündigte für sein Land ein ambitionierteres Klimaziel mit 55% CO2-Reduktion per 2030 an. Finnland, Luxemburg, Österreich und Spanien betonten die Notwendigkeit größerer Anstrengungen in ihren Ländern und der gesamten EU, sie erneuerten ihre Unterstützung einer CO2-Neutralität per 2050. (Pressemitteilung Climate Action Network Europe vom 3.12.2018

 

Frankreich: Drei Tage Klimafinanzierung

Vom 26. bis 28. November fand in Paris „der“ Climate Finance Day (#CFD2018) statt. Trotz der Ausdehnung der Veranstaltung von einem auf drei Tage wurde der Name beibehalten. Die Anzahl der Teilnehmer stieg gegenüber dem Vorjahr um 50% auf 1.500. Insgesamt sprachen 100 Personen, darunter auch die Spitzen der großen französischen Finanzakteure. Der französische Staatspräsident und der Minister für Wirtschaft und Finanzen hatten die Schirmherrschaft übernommen. Zum Ende der Veranstaltung wieder holte der Minister praktisch die Aussagen des Präsidenten der EU-Kommission am 28.3.2018 in Brüssel: All finance has to be sustainable!. Nummer Zweiunddreissig bzw. Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung.

In den sozialen Medien wurde das Motto der Veranstaltung als Schlagwort benutzt: #GetUpScaleUp. Die Veranstaltung war geradezu gespickt mit Bekenntnissen zu Nachhaltigkeit und nachhaltiger Finanzwirtschaft. Mehr Informationen über die Seite https://financefortomorrow.com/.

Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft

Gleich zu Beginn der Veranstaltung lancierten 28 Banken unter dem Dach der UNEP Finance Initiative einen Entwurf für die „Principles of Responsible Banking“, die bis zum 29.5.2018 offen für Konsultationen sind. Während sich große Finanzgruppen aus Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien engagiert haben, sucht man deutsche Unterzeichner vergeblich. Allerdings sind Consorsbank, ING Deutschland und Triodos Bank Deutschland über ihre Muttergesellschaften einbezogen. Weitere Informationen und weiterführende Links (EN): hier.

Quelle: http://www.unepfi.org/banking/bankingprinciples/

Vom Grundsatz geht es vor allem um eine Harmonisierung der Geschäftspolitik mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, den SDGs und die externe Transparenz. Und in diesem Fall sind Träger der Initiative nicht die Banken, die sich schon für ein wertegetriebenes Bankgeschäft engagiert haben, sondern eben auch globale Geschäftsbanken.

Ohne Nachhaltigkeit ist es Selbstmord

Starke Worte wählte Adrie Heinsbroek, Principal Responsible Investment bei NN Investment Partners, der Vermögensverwaltungsgesellschaft der niederländischen NN Group:

Kaum noch etwas hinzuzufügen, vielleicht noch die positive Formulierung: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0.

 

FNG-Siegel mit starkem Wachstum

Die Anzahl der Fonds, die sich 2018 um das FNG-Siegel beworben haben, lag mit 66 um 40% über dem Vorjahreswert. 65 Fonds wurden ausgezeichnet, davon 25 mit drei und 28 mit zwei Sternen, 11 Fonds erhielten nur einen Stern, ein Fonds keinen, aber das Siegel. Gegenüber der Gesamtzahl von Fonds mit „nachhaltig“ im Etikett bleibt die Anzahl der Bewerbungen allerdings klein: Je nach Datenquelle werden 643 (Scope) bzw. 450 (SBI) genannt.

2018-11-29 FNG

Foto: Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH

Auffällig bleibt, dass unter den Fonds die Produktangebote für private Kunden der größten deutschen Fondsgesellschaften völlig fehlen: Deka Investment und DWS Deutschland haben sich gar nicht beworben, Union Investment nur mit Fonds für institutionelle Kunden: FNG-Siegel 2018Präsentation Vergabefeier 29.11.2018

Irgendwas Digitales ist noch keine Digitalisierung

In der Nummer Nummer Neunundfünfzig war ein Teil dem Thema Digitalisierung gewidmet, die kein Selbstzweck ist, sondern sich auch über die SDGs definieren lässt. Einen Tag später erschien ein Beitrag des bekannten britischen Autors, Beraters und Redners Chris Skinner, der diesen Aspekt noch einmal betont:

Er stellt sehr pointiert fest, dass die Banken zwar alle etwas Digitales machen, das Ziel einer digitalen Transformation aber weit verfehlen:

But it is the case that when I take the pulse of the majority of banks doing digital, they are doing stuff that is digitally-related but it is often missing the mark. They are doing apps and redeveloping services, but they’re not really committed to transformation or to really reinvent the bank for the 21st century to compete with Amazon and Alibaba.

Chris Skinner; Are you really ‚Doing digital‘??

Auch der Autor und Philosoph sieht Digitalisierung zu allererst als Mittel zum (nachhaltigen) Zweck:

Apropos: Digitaler Kanal und Kommunikation

Passend zu den Aussagen oben sind auch die Eindrücke über viele „Auftritte“ in sozialen Medien. Viele Betreiber von Kanälen bei Facebook, Twitter etc. verstehen ihre Konten als weiteren Kanal von Einwegbotschaften. Auf Fragen, Kommentare etc. wird kaum oder gar nicht reagiert. Das ist aber für Menschen, die dort unterwegs sind ein klares Signal zum Abschalten.

Die wenigen erfolgreichen und interessanten Auftritte in sozialen Medien zeichnen sich durch ein inhaltliches Konzept und ganz besonders auch durch „Zulesen“ aus, was allerdings eine qualifizierte und vor allem auch ressourcenfordernde Betreuung voraus setzt. Beides ist in Finanzwirtschaft und auch in der Politik eher die Ausnahme.

Dabei lassen sich die guten Kanäle leicht anhand von „gefällt mir“, Abonnenten oder Followern erkennen. Wer das einmal selbst versucht hat, ist erschrocken wie unbeliebt manche Betreiber sind. Die Gründe hierfür sind praktisch immer in Konzeptionslosigkeit und eine wenig qualifizierte bzw. intensive Betreuung zu erkennen.

Ein Beispiel für ein erfolgreicheres Konzept bieten „AINO“ bzw. „Heute in Hamburg“, eine App für „Events, Locations & Wissenswertes in Hamburg“. Betreiber ist eine Tochtergesellschaft der Hamburger Sparkasse Haspa, die Haspa Next GmbH.

Damit soll bei einer jungen lokalen Zielgruppe das erreicht werden, was als „Relevanz“ von morgen gesucht wird (Nummer Achtundfünfzig). Und zwar gerade nicht als schriller Werbe- und Verkündigungskanal, sondern Informations- und Kommunikationsangebot. Damit wird die Zahl der interessierten Nutzer und „gefällt mir“ bei den meisten bundesweiten Finanzdienstleistern deutlich übertroffen.

Finanz-Szene.de: Stefan Effenberg zur Volksbank

Der Bericht von Heinz-Roger Dohms in dem auflagenstarken Branchendienst Finanz-Szene.de vom 4.12.2018 fand für nationales Medieninteresse: Exklusiv: Stefan Effenberg startet zweite Karriere – und wird Banker. Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden will damit ihre Fussball-Expertise weiter verstärken. In einem Land voller Fussballexperten völlig naheliegend, die Kenntnisse der 229-X Mitarbeiter/-innen für Geschäfte im internationalen Fussball zu nutzen. Hierüber war am 21.11.2018 ebenfalls in Finanz-Szene.de schon berichtet worden: Exklusiv: Das endcoole Kreditbuch einer kleinen thüringischen Volksbank, u.a. mit Atletico Madrid und dem 1. FC Köln als Kunden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® gegenüber dem Vormonat Oktober 2018 von Rang 91 auf 84 geklettert.  Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97) und im Oktober auf 91 platziert.

Die Akteure der Übersicht waren zu einem Treffen auf dem Heldenmarkt am 17.11.2018 in Berlin eingeladen. Spannend, einmal viele der anderen Blogger persönlich kennen zu lernen!

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechzig bis Eins