Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neun

28. September 2017

Inhalt: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit im Finanzsektor hinweisen.

Hub for Sustainable Finance bündelt Aktivitäten zu nachhaltiger Finanzwirtschaft in Deutschland

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und Die Deutsche Börse AG starten „h4sf – Hub for Sustainable Finance“. Einzelheiten zur Organisation und zur Besetzung des Steuerungskreises finden Sie in einer Presseerklärung des RNE, der die folgende Zustandsbeschreibung vorangestellt ist:

„Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bei dem Thema “Sustainable Finance” hinterher – so die Diagnose. Ein “Hub for Sustainable Finance” könnte Bewegung in die Entwicklung bringen. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und die Deutsche Börse AG arbeiten seit Sommer 2017 gemeinsam daran, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor zu koordinieren und weiter voranzutreiben.“

Als erste öffentliche Veranstaltung findet am 23. Oktober in Frankfurt ein „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ des Hub for Sustainable Finance im Hause der DVFA, Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management, statt. Da die Veranstaltung bereits ausgebucht ist, wird vom Sustainable Finance Gipfel am 23.10.2017 ein Livestream angeboten.

Börse Luxemburg notiert €63 Mrd. Klimaanleihen in den ersten 12 Monaten

„Luxembourg Green Exchange (LGX) hat gemäß einem Bericht von Bloomberg insgesamt € 63 Mrd. klimabezogene Anleihen (Greenbonds, Klimaanleihen u.ä.) gelistet und damit in den ersten 12 Monaten ihre eigenen Erwartungen übertroffen gesehen. Das Volumen stellt zwar nur 1 Prozent der gesamten Notierung an der Börse Luxemburg, sollte aber weiter wachsen. Das Marktvolumen von Greenbonds wird für 2017 bei USD 130+ Mrd. nach USD 95 Mio. im Vorjahr erwartet.

Die Abgrenzung von Anleihen mit Klimabezug ist etwas unscharf. Neben zertifizierten Greenbonds sind u.a. auch nicht-zertifizierte, aber qualifizierte Emissionen im Markt, z.B. eine Anleihe über USD 1,8 Mrd. des Automobilherstellers Tesla.

Die nächste größere Notierung erfolgt für eine Anleihe der chinesischen ICBC, der mit einer Bilanzsumme von USD 3,8 Bio. größten Bank der Welt. Die Platzierung erfolgt am 29.9.2017 und wurde von der Climate Bonds Initiative zertifiziert.

Studie von Schroders bestätigt die Marktdynamik

In der Studie Global investor study – Global perspectives on sustainable investing 2017 sieht die Vermögensverwaltungsgesellschaft Schroders  die starken Trends in Richtung verantwortungsbewusster/nachhaltiger Anlagen bestätigt. Vor allem die jüngere Generation der 18 bis 35 jährigen wird als starker Treiber dieser Entwicklung identifiziert. Da die „Generation Y“ zunehmend in das Berufsleben eintritt und nach und nach das Erbe der „Baby Boomer“ antreten wird kann sich die Finanzbranche diesen Entwicklungen nicht entziehen.

In eigener Sache…

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Inhalte Nummer Eins bis Sieben

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

 

 

FinTech – New Media, old Rules

FinTech – Neue Medien, alte Regeln

Abstract: FinTech are rather considered as a threat than opportunity. But they can only be successful, if the help someone, i.e. by serving un(der)served or facilitating processes. Thus long-standing rules still apply. Legacy banks appear helpless towards the growing FinTech industry. The majority rather thinks of threats than opportunities and much of in-house innovation is more about „me too“ and an abstractly exercised search for „customer experience (UX) than innovating services for un(der)served needs. But this would be exactly the key to success.

September 26th, 2017

Dr. Ralf Breuer

Excepitions don’t define the rules

Admittedly, sometimes FinTech might lead into a completely strange world not really matching to what we would consider to be an average European mentality. This applies to a case like Digital Green Finance. This exploits all options technology offers today. But things appealing 200m Chinese must not necessarily change the banking world. But it demonstrates the box of tools.

No new criteria for successful FinTech

The blog Guessing on the success of FinTechs was already dedicated to the issue whether or not a FinTech might be successful. The note was inspired by Chris Skinner stating “that…the most successful FinTech firms are not replacing banks, but serving markets that were under-served” (https://thefinanser.com/2017/07/fintech-start-ups-think-can-beat-banks.html/). This applies to markets as well that were intendedly left out such as international retail payment and Private Banking like services for mass retail clients.

Why looking at Africa?

Who would have had Nigeria on the list for FinTech hot spots? Indeed, 56 ones appear on the list: Africa – The Market of unexplored Opportunities. FinTech and things like blockchain may well help to leapfrog the gap in physical infrastructure. E.g. Monetha is based on Ethereum and Worldbank’s Financial Inclusion Global Initiative intends to provide additional access to financial services for 3m people in some of the poorest countries.

2017-09-25 Unbanked

Successful FinTech must provide help!

Steve McLaughlin, CEO FT Partners, an investment bank focussed on FinTech said in a recent inverview (Why the FinTech Game Has Just Begun): If you’re not helping someone in a major way, then we’re probably not going to be the bank for you. Obviously some rather focus on gadgets than solutions for real problems.

How can FinTech help?

For Africa it immediately becomes clear: FinTech can bridge gaps in physical infrastructure and distance via mobile devices, smartphones in particular. Thus they can bring (financial) services to the un(der)served.

This basically applies to mature markets as well. International retail payments offer decent margins, Roboadvice can leverage asset management ressources without investing into new expensive advisors.

A big potential is provided for internal processes of the banking and insurance industry. „RegTech“ can at the same time substantially speed up, improve and secure regulation compliance. However, regulatory bodies should consider this before launching new initiatives.

2017-09-13 RegTech EUR

Thus FinTech provide a lot of opportunities to mature markets as well. The legacy industry should turn away from priliminary stressing potential threats and exploit opportunities. There seem to be a lot of them!

In own affairs…

Investabel is for free. If you would like to do something and do not shy away from a German site, votes for the FinanzblogAward 2017 of comdirect are open until Oct. 4th here!

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Acht

26. September 2017

Inhalt: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit im Finanzsektor hinweisen.

FinTech – Neue Medien, alte Regeln

Im Beitrag FinTech – Neue Medien, alte Regeln werden die Erfolgsgrundlagen für FinTech thematisiert. Es gelten althergebrachte Grundsätze: Die Lösung von wirklichen Problemen, (Dienst-)Leistungen für un(ter)versorgte Kunden. Besonders pointiert hat dies der CEO der auf FinTech spezialisierten Investmentbank FT Partners formuliert: „If you’re not helping someone in a major way, then we’re probably not going to be the bank for you“ (John Mclaughlin, Why the FinTech Game Has Just Begun).

FinTech und nachhaltige Entwicklung

FinTech und andere technische Lösung wie die „Blockchain“ entwickeln sich zu wichtigen Bausteinen für die nachhaltige Entwicklung in Entwicklungs- und Schwellenländern. So werden allein für Nigeria 56 elektronisch basierte Finanzdienstleister gezählt. Mit virtuellen Lösungen können teilweise große Lücken in der physischen Infrastruktur in kurzer Zeit überbrückt werden.

Und auch für Mitteleuropa wird ein Zusammenhang zwischen FinTech und Nachhaltigkeit gesehen. Konkrete Anwendungen sollen auf dem „Climate FinTech Hack“ vom 17. bis 19. November 2017 in Zürich entwickelt werden. Veranstalter sind foraus – Forum Aussenpolitik und SwissFinTeCH – Swiss Finance and Technology Association.

Zuwachs staatlicher Greenbonds

Im aktuellen Marktbericht der Climate Bonds Initiative wird eine verstärkte Nutzung von Greenbonds durch staatliche Emittenten deutlich.

2017-09-26 Greenbonds

Bei der Mittelverwendung ist anteilig vor allem ein Anstieg im Bereich Forst- und Landwirtschaft zu verzeichnen.

2017-09-26 Greenbonds sectors

Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Die Triodos Bank N.V. hat mit einem „White Paper“ zu einem nachhaltigen Umbau der europäischen Finanzwirtschaft aufgerufen: New pathways: Building blocks for a sustainable finance future for Europe. Dabei werden Anstrengungen aller Interessensgruppen angeregt:

  • Regulierung, insbesondere auch Kapitalanforderungen
  • Stärkere Orientierung der Kreditwirtschaft an Nachhaltigkeitszielen
  • Beseitigung von Markthürden bei nachhaltigen/wirkungsorientierten Geldanlagen für Privatanleger
  • Nachhaltigkeit als wesentlicher Werttreiber für Finanzinstitutionen
  • Anpassung der Berichterstattung in Hinblick auf Nachhaltigkeitsbeiträge

Auf insgesamt 28 Seiten für die Bank aus, wie sich eine konkrete Ausgestaltung darstellen ließe. Sie argumentiert damit in die gleiche Richtung wie der Zwischenbericht der EU-Expertengruppe im Juli 2017, über den hier der Beitrag Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung? informierte.

 

In eigener Sache…

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Inhalte Nummer Eins bis Sieben

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

 

 

FinTech – Neue Medien, alte Regeln

English version: FinTech – New Media, old rules Abstract: FinTech are rather considered as a threat than opportunity. But they can only be successful, if the help someone, i.e. by serving un(der)served or facilitating processes. Thus long-standing rules still apply.

Die etablierte Kreditwirtschaft steht den Anbietern von Finanzdienstleistungen auf der Grundlage der aktuellen technischen (Kommunikations-)Möglichkeiten scheinbar etwas hilflos und eher sorgenvoll gegenüber. Mehrheitlich dominiert mehr die Kopie und ein „wir auch“ in Verbindung mit der eher abstrakten Suche nach „Kundenerlebnis“ als Reaktion auf eine z.T. mehr abstrakte Bedrohung. Viel weniger werden Potenziale und Chancen in den Vordergrund gestellt. Dabei scheinen die Erfolgsgrundlagen für neue Dienstleistungsangebote eher einfach und hinreichend bekannt: Die Deckung bisher un(ter)versorgter Kundenbedürfnisse. Oder schlicht die Lösung von Problemen.

26. September 2017

Dr. Ralf Breuer

Ausnahmen machen noch keine Regeln

Zugegeben: Manchmal eröffnen FinTech eine fremde Welt, die so gar nicht in das Bild des durchschnittlichen Mitteleuropäers passt. So bei Digital Green Finance, einem Beispiel, bei dem alle Register der aktuellen Technik bis hin zu spielerischen Elementen gezogen wurden. Aber was in China 200 Mio. Nutzer hat, muss noch lange nicht die (Banken-)Welt verändern. Und trotzdem ein interessantes, was machbar sein kann und trotzdem genutzt wird.

Erfolgsgrundlagen für FinTech altbekannt

Schon der Beitrag Erfolgsgrundlagen für FinTech war den Chancen neuer Dienstleistungsangebote gewidmet. Neu ist dabei nicht unbedingt das Angebot selbst. Vielmehr findet sich viel „alter Wein in neuen Schläuchen“. Chris Skinner, ein bekannter Bankenberater und Kolumnist stellte fest, dass die erfolgreichsten FinTechs keine Banken ersetzen, sondern unterversorgte Marktbereiche bedienen. (“that…the most successful FinTech firms are not replacing banks, but serving markets that were under-served” https://thefinanser.com/2017/07/fintech-start-ups-think-can-beat-banks.html/). Oder bisher bewusst oder unbewusst unversorgte. Dies scheint insbesondere im internationalen Zahlungsverkehr und auch bei Private Banking der Fall, wo neue Vertriebswege die Kundenansprache verbreitern oder aber exzessiv hohe Margen ausbeuten.

Warum ein Blick nach Afrika?

Bei der Suche nach innovativen Dienstleistungen hätte wohl kaum jemand hätte Nigeria auf der Liste der „heissen“ Kandidaten. Und trotzdem werden alleine hier mehr als 50 FinTech registriert, wie der Beitrag Africa – The Market of unexplored Opportunities zeigt. Gerade bei der Entwicklung des afrikanischen Kontinents und seinen brennen Problemen werden modernste technische Möglichkeiten genutzt, wie z.B. der kürzlich bei PAYMENTANDBANKING erschienene Beitrag aufzeigt.

Es wurden auch schon Potenziale der Blockchain für die Unterstützung einer nachhaltiger Entwicklung in Schwellenländern anvisiert: So basiert Monetha auf Ethereum und soll im Rahmen der Financial Inclusion Global Initiative der Weltbank als Basis für den Zugang zu Finanzdienstleistungen von weiteren 3 Mio. Menschen genutzt werden. Hier wird die Technik zunächst in Ländern mit den größten Entwicklungsrückständen verwendet.

2017-09-25 Unbanked

Erfolgreiche FinTech müssen helfen!

Steve McLaughlin, CEO der auf FinTech spezialisierten Investmentbank FT Partners stellte in einem Interview kürzlich fest, dass sich die Entwicklung der Branche eher am Anfang befindet. Weiterhin stellt er in Why the FinTech Game Has Just Begun fest, dass sich die Bank nur solchen Kunden widmet, deren Geschäftsmodell „jemanden wesentlich helfen“ (If you’re not helping someone in a major way, then we’re probably not going to be the bank for you). FinTech sind eben kein Selbstzweck, sondern müssen „reale“ Probleme lösen (helfen).  Das erscheint logisch, wird aber bei einem Blick auf die Branche nicht unmittelbar klar.

Wie können FinTech helfen?

In Afrika werden die Zusammenhänge unmittelbar klar: FinTech überbrücken auf der Basis von Mobilfunktechnik die Lücken in der physischen Infrastruktur und räumliche Distanzen. Damit können bisher völlig unversorgten Menschen Dienstleistungen angeboten werden.

Auch in den etablierten Märkten konzentrieren sich die FinTech überwiegend auf bisher un(ter)versorgte Bedürfnisse. Ein Schwerpunkt ist der internationale Zahlungsverkehr für private Kunden, den die Banken spezialisierten Anbietern mit sehr auskömmlichen Margen überlassen haben. Ein zweites Beispiel ist die Vermögensberatung/-verwaltung online. Sogenannte RoboAdvisor erschliessen Leistungen für neue Kundengruppen, die bisher aus Kapazitäts- und Kostengründen nur selektiv, z.B. für größere Vermögen angeboten werden. Es muss sich als nicht zwangsläufig um ein neues „Problem“ handeln, sondern schlicht eine „Demokratisierung“ von Dienstleistungen.

Sehr große Potenziale ergeben sich in technischen Neuerungen für die Anwendung in internen Prozessen der Bank- und Versicherungswirtschaft. Sogenannte „RegTech“ können insbesondere in der Regulierung und bei Compliance Prozesse erheblich vereinfachen, beschleunigen und dabei gleichzeitig besser absichern. Hier bietet die Automatisierung eine Chance, der massiv gestiegenen Komplexität etwas Wirksames entgegenzusetzen, wobei auch die Regulierungsbehörden gefordert sind, die technische Umsetzung mitzugestalten.

2017-09-13 RegTech EUR

Fazit

FinTech sind keine einseitige Bedrohung, sondern bieten auch der etablierten Kreditwirtschaft vielfältige Chancen, die erkannt und genutzt werden wollen. Es geht dabei weniger darum, Bestehendes auf eine „App“ zu bringen und mit „Kundenerlebnis“ zu versehen, sondern Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Dabei kann z.B. der Beitrag Maik Klotz bei PAYMENTANDBANKING sehr hilfreich sein: Was Nutzer vom Online-Banking wirklich erwarten…?!

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Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sieben

20. September 2017

Inhalt: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit im Finanzsektor hinweisen.

Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt

Die ING-DiBa startete zum 15.9.2017 eine Zusammenarbeit mit dem größten deutschen Onlineanbieter Scalable Capital (Blogartikel: Robo-Advice – Die Konsolidierung beginnt). Zuvor hatten schon die Hamburger Sparkasse (HASP) eine Zusammenarbeit mit Investify und Volkswagen Financial Services eine Kooperation mit Whitebox angekündigt. (Wirtschaftswoche: Boomende Fintechs verbrüdern sich mit Banken)

Der deutsche Markt ist noch sehr klein und stark fragmentiert. Die großen Finanzgruppen sind noch gar nicht richtig am Start. Mit € 100 Mio. Zuflüssen in den ersten beiden Monaten nach dem Start machte „cominvest“ der comdirect deutlich, welche Mittel bei den prominenteren Branchenteilnehmern bewegt werden könnten.

ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot

Ohne größere Medienarbeit hat ING-DiBa zwei nachhaltige Produkte prominent in ihrem Internetangebot platziert. In einem begleitenden Artikel im Internetangebot der Bank wird das Kundeninteresse wie auch in anderen Quellen auf etwa 75% geschätzt (Nachhaltige Geldanlage – Investieren ohne Reue). Die Bank hatte bisher schon unter der Suche „Aktien Ökologie/Nachhaltigkeit“ 117 Fonds und ETFs im Angebot. Dieses aber nicht so stark herausgestellt.

Damit bietet ein großer Anbieter mit mehr als 8 Mio. Kunden nachhaltige Produkte prominent platziert in der Breite an. Aufgrund des Kundenfokus und dem mit rund 15% beachtlichen Wachstum im Wertpapier- und Fondsgeschäft 2016 könnte sich ein beachtenswerter Anteil bei den Neuanlagen ergeben. Mehr: ING-DiBa bietet verantwortungsbewusste Investments für alle.

Mikrokredit in Westeuropa?

Mikrokredite waren in den letzten Jahrzehnten ein beliebtes und in Teilen auch sehr erfolgreiches Instrument in der Entwicklungszusammenarbeit. Aber auch in Europa können sie sinnvoll eingesetzt werden wie das Beispiel von Microlux zeigt. Hier ein Auszug aus dem sehr lesenswerten Artikel bei der Europäischen Investitionsbank:

Der heißeste Tipp in Luxemburgs Gastronomieszene ist derzeit das Syriously, ein orientalisches Restaurant, das der syrische Flüchtling Mahmoud Al Fayyad in diesem Mai eröffnete. Nachdem er ein Jahr lang in einer Apotheke gearbeitet hatte, hörte er von dem einheimischen Mikrokreditunternehmen microlux. „Ich habe schon immer leidenschaftlich gern gekocht“, sagte er sich. „Warum soll ich es nicht einfach versuchen? Schließlich schlägt das Kochen eine Brücke zwischen den Kulturen.“

Im Syriously werden alle Gerichte von syrischen Flüchtlingsfrauen zubereitet. Das Restaurant bringt hundert Gäste in einem Gebäude unter, das Mahmoud für einen symbolischen Euro vom Eigentümer übernahm, den er über das luxemburgische Rote Kreuz kennenlernte. Abends ist das Restaurant für seine zwei Durchgänge oft ausgebucht. Auf der Speisekarte stehen traditionelle Gerichte aus Aleppo: Bulgur, Kibbeh, Hummus, Tabbouleh, Fatousch, Labaneh, Shawarma, Mujaddara, Shanklish, Pastırma, Sucuk und Baklava – alles zu sehr günstigen Preisen…

Vollständiger Text: Mikrokredite für einen syrischen Flüchtling und einen Tangolehrer

Blockchains können auch Nachteile haben

In ihrem aktuellen Monatsbericht September 2017 erörtert die Deutsche Bundesbank den Einsatz der „Blockchain“ im Finanzsektor, insbesondere im Zahlungsverkehr und Wertpapiergeschäft.

In vielen Bereichen der Wirtschaft und auch der öffentlichen Verwaltung wird über den Einsatz von Systemen auf der Basis der Blockchain-Technologie diskutiert. Die beiden folgenden Grafiken erschienen fast zeitgleich auf Twitter. Zumindest sind mögliche Nachteile zu bedenken/abzuwägen. Sehr nüchtern und sachlich bei Gartner:

2017-09-18 Blockchain SWOT

Etwas weniger trocken, aber dafür pointierter bei Finance Practique:

2017-09-18 Blockchain Myth and reality.jpg

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Inhalte Nummer Eins bis Fünf

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

 

 

ING-DiBa brings Responsibility to German Mass Retail Banking

German: ING-DiBa bietet verantwortungsbewusste Investments für alle

In comparison to the neighboring countries responsible investments in Germany have been substantially lagging. For the last ten years they have been reserved to institutional investors, higher net worth individuals and some successfull niche players with strong ethical and/or ecological focus. German highstreet banks hardly took any notice of the strong momentum and the success on the back of it. Now and without big noice ING-DiBa, the German arm of ING Group launched an offer for it’s more than €8m private clients. The bank ranks third in terms of  individual banks‘ client base and currently bank administrates some €150bn assets in deposits and securities. It thus provides a broad base for how to see how the market in Germany might develop and possibly catch up.

September 16th, 2017, updated September 18th, 2017

Dr. Ralf Breuer

In it’s self-directed online investment service DiBa offers two products prominently placed and with a accompanying article on sustainabilily or better responsibility as an investment topic: An equity fund from Nordea investing in climate solutions and  a BlackRock ETF on European ESG quality. Some 20% to 30% would be a natural share with regard to demographic criteria in DiBa’s client focus. Interesting to see how this is going to work out. As the bank faced strong momentum in it’s security business growing at some 15% in 2016 net new money could fuel the recently opened SRI line.

To be precise: The bank has been offering some 117 funds and ETFs labelled as ecological or sustainable beforehand. But this applies to almost all competitors as well. But these offers are mainly „amongst others“ or „if you want so“ and apart from niche players not really put in the limelight.

The bank administrated some €30.8bn in securities with €10.4bn in funds by the end of 2016. Gross inflows into funds were some €1.4bn in the course of the year thus providing critical mass for responsible investments to gain share, esp. because the bank is strongly positioned in the client group with the presumably highest affinity.

In the German banking market ING-DiBa is some sort of „odd number“: In a overall dull market said to be under fierce competition (by bankers) since 2008 it grew on average by 9% p.a. doubling market share to some 4%. Different to the sector average it also steadily  reports outstanding figures on profitability and efficiency. This is based on a business model absolutely focussed on products and services where the bank can deliver price and qualitity leadership completely refraining from products where this is not the case.

ING-DiBa bietet verantwortungsbewusste Investments für alle

English note: ING-DiBa brings Responsibility to German Mass Retail Banking

Nahezu jede Statistik belegt das starke Momentum nachhaltiger Anlagen, selten wird aber der Anstieg bei den nicht-institutionellen Anlegern so deutlich wie in der vorstehenden Grafik. Rund 75% der Privatanleger sind an Nachhaltigkeit als Anlagethema interessiert und der Rest hat zumindest nichts dagegen, aber warum sehen die Anleger in Deutschland nur begrenzte Angebote? Eine Frage von Henne und Ei? Das wird sich jetzt zeigen, nachdem ING-DiBa neuerdings verantwortungsbewusste Geldanlagen prominent platziert, aber ohne großen Werbeaufwand in sein Onlineangebot aufgenommen hat.

Bitte beachten Sie, dass die nachstehenden Informationen keinerlei Empfehlungen für bestimmte Anbieter oder Produkte darstellen, sondern lediglich die aktuelle Marktlage beschreiben!

16. September 2017, aktualisiert/ergänzt 18. September 2017

Dr. Ralf Breuer

Deutscher Markt im Auslandsvergleich unterentwickelt

Verantwortungsbewusste (oder auch ethisch-nachhaltige) Geldanlagen wurden bisher überwiegend nur institutionellen und auch vermögenderen Privatanleger angeboten, kaum aber flächendeckend. Die aktuelle Marktlage beschreibt das folgende Zitat aus der Mail einer Kollegin:

„…vor einigen Wochen rief mich eine Bekannte meiner Eltern an, die völlig unverhofft … eine Million Euro geerbt hat. Die wollte sie nachhaltig anlegen. Ihr Sparkassenberater machte angesichts dieses Wunsches kein Angebot und ließ sie ziehen“.

Eigentlich hätten eine Million Euro als Eintrittsgeld zum Private Banking oder zu einem Individualkundenbetreuer reichen sollen, praktisch blieb der ja hinreichend kaufkräftig vorgetragene Kundenwunsch unerfüllt.

ING-Diba eröffnet den Massenmarkt

Ohne großen Presserummel hat ING-DiBa für sein „Direktdepot“ (als Selbstbedienung) ein Angebot für nachhaltige Geldanlagen für die deutschen Privatkunden in der Breite – das sogenannte Mengengeschäft – prominent platziert. Nachhaltigkeit gab bisher „auch“ schon mit „Aktien Ökologie/Nachhaltigkeit“ als Suchmöglichkeit mit insgesamt 117 sehr unterschiedlichen Fonds und ETFs als Ergebnis.

Herausgehoben im aktuellen Angebot werden ein Nordea Aktienfonds auf Klimalösungen sowie ein Indexfonds (ETF) von BlackRock, der sich an Nachhaltigkeitsbewertungen im Sinne von Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG – Environmental/Social/Governance) orientiert. Es wird interessant sein, wie diese Angebote angenommen werden. 20 bis 30% Anteil gegenüber vergleichbaren Investments wären keine Überraschung. Dies entspräche etwa dem demographischen Anteil der Kernzielgruppe nach Bildung und Einkommen. Mit Wachstumsraten von rund 15% im Wertpapier- (€ 31 Mrd.) und Fondsgeschäft (€ 10 Mrd.) im Jahr 2016 besteht hierfür eine gute Grundlage.

Bei den ausgewählten Produkten wird leider auch das Dilemma für die Einschätzung von Produkten deutlich, auf das hier bereits mehrfach hingewiesen wurde: Mehr Transparenz bei Investmentfonds und Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig!. Der Nordea Aktienfonds klingt evtl. „grüner“, enthält aber Unternehmen wie Linde und Air Liquide. Sowohl beim Klimaabdruck als auch der qualitativen Einschätzung der (Ist-)Nachhaltigkeit weist er beim Informationsdienst yourSRI.com eine deutlich weniger vorteilhafte Einschätzung auf als der iShare von Blackrock.

Nachhaltigkeit ein bisher vernachlässigtes Thema

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass „Nachhaltigkeit“ als Kriterium der Geldanlage bei privaten Kunden zwar nicht stark aktiv nachgefragt, aber sehr positiv passiv aufgenommen wird. Damit bieten nachhaltige Angebote sehr gute geschäftspolitische Perspektiven, die aber in der Breite der deutschen Kreditwirtschaft bisher nur sehr verhalten genutzt werden. Dies ist ziemlich unverständlich, bieten doch entsprechende Produkte mit einem „guten Gefühl“ ganz nebenbei die Emotionalisierung, nach der bei Gestaltung von Vertriebskanälen so intensiv gesucht wird. Und es gibt durchaus einige z.T. sehr erfolgreiche Beispiele für Nachhaltigkeit als Anlagethema:

Beispiel 1: Das Wachstum der Öko- und Kirchenbanken

Während der deutsche Bankenmarkt seit 2008 weitgehend stagnierte (Bilanzsumme aller Kreditinstitute gemäß Deutsche Bundesbank), wuchsen die ökologisch, ethisch oder kirchlich orientierten Banken mit einer Jahresrate von mehr als 4% (Quelle: Deutsche Bundesbank, Unternehmensberichte, Eigene Berechnungen). Die GLS Bank als einer der grünsten und prominentesten Vertreter dieser Gruppe konnte ihre Bilanzsumme mit jährlichen Zuwachsraten von rund 20% p.a. bei Forderungen und Einlagen in dieser Zeit mehr als vervierfachen. Mit einer kumulierten Bilanzsumme von gut € 50 Mrd. übertreffen die in der Gruppe erfassten 13 Banken die Größenordnung der größten deutschen Sparkasse, der Hamburger Sparkasse Haspa, um etwa ein Viertel und erreichen das kumulierte Volumen der zweit- und drittgrößten deutschen Sparkassen in Köln.

Eine Übersicht über die jeweils aktuellen Marktangebote in Deutschland veröffentlicht regelmäßig die Verbraucherzentrale Bremen.

Beispiel 2: Der FairWorldFonds

Zum 1.6.2017 wurde der FairWorldFonds (WKN: A0YCZ3 / ISIN: LU0458538880, http://www.fairworldfonds.de/) mit einem Volumen von € 940 Mio. für neue Anleger geschlossen (sogenanntes „soft closing“). Dieser 2010 aufgelegte von GLS Bank und KD Bank initiierte Mischfonds wird von der Union Investment und damit dem zentralen Dienstleister der Genossenschaftsbanken verwaltet. Allerdings wurde der von nur selektiv von einzelnen Mitgliedern der genossenschaftlichen Finanzgruppe vertrieben und nicht in der Gruppe insgesamt bzw. von der Union Investment beworben. Zum Stand 30.6.2017 überstieg sein Volumen das kumulierte Volumen aller „offiziell“ in der Breite vertriebenen Nachhaltigkeitsprodukte bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Grund hierfür dürften vor allem das wohlbedachte Konzept mit entwicklungspolitischem Anspruch und die Namensgebung durch Brot für die Welt gewesen sein.

Beispiel 3: Steigende Zahl nachhaltiger Fonds und ETFs

Im Beitrag „Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig“ vom 6. Juli 2017 wurde hier der aktuelle Markt für Investmentfonds bereits einmal beleuchtet. Eine kostengünstige Alternative sind ETFs (Exchange Traded Funds), von denen etwa 20 als nachhaltig etikettierte in Deutschland gehandelt werden. „Etikettiert“ heisst, dass sie „verantwortungsbewussten“ (ESG-)Kriterien bei der Auswahl der abgebildeten zugrundeliegenden Wertpapieren folgen. Es läßt sich zwar in Regionen und auch unterschiedliche Unternehmensgrößen investieren, jedoch keine Themen wie erneuerbare Energien oder Wasser etc..

Der Anbieter BlackRock verzeichnete für die angebotenen „nachhaltigen“ iShares seit 2012 eine Verdreifachung des Volumens auf knapp USD 3 Mrd. zum Jahresende 2016. Dies entspricht jährlichen Zuwächsen von durchschnittlich 37%.

Quelle: Blackrock, https://assets.blackrock.com/uk-retail-assets/cache-1492015324000/images/media-bin/web/ishares/emea/insights-and-guides/etf-desk-reference/chart-sustainability-2.png)

Beispiel 4: Online-Vermögensverwalter (RoboAdvisor)

EXtra-Magazin hat das aktuelle Marktvolumen für Online-Vermögensverwalter Deutschland auf rund € 1 Mrd. geschätzt, wobei Scalable Capital mit rund € 200 Mio als größter Anbieter und der zu den Top-5 gezählte Anbieter Quirion zum Jahresende 2016 lediglich gut € 50 Mio. verwaltete.

Online-Vermögensverwalter „demokratisieren“ Bankangebote, die bisher nur Kunden mit größeren Vermögen zugänglich waren (z.B. Private Banking, Individualkundengeschäft). So ist es zutreffend im Selbstverständnis von Whitebox formuliert.

Unter den Online-Vermögensverwaltern konkurrieren unterschiedliche Spielarten, je nach Lizensierung und Konzept. Nachhaltige Anlagekonzepte sind unter diesen Angeboten selten.

Investify bietet verschiedene thematische Schwerpunkte im Anlagekonzept, u.a. auch Nachhaltigkeit als Ergänzung der Basisanlage. Hierfür wird ein Investmentfonds angeboten, während die Basisanlage über ETF ohne Nachhaltigkeitsanspruch realisiert wird.

Der US-Markt für Onlineanbieter ist mit etwa USD 300 Mrd. deutlich größer und auch strukturell anders. Betterment verwaltet rund USD 9 Mrd. Hier können breite Marktsegmente wie der US-Aktienmarkt wahlweise mit nachhaltig orientierten ETFs investiert werden. Der auch in den USA operierende kanadische Anbieter Wealthsimple (AuM CAN-$ >1 Mrd.) hat sogar ein komplett an sozial verantwortlichen Kriterien ausgerichtetes Angebot mit ETFs, ebenso Wealthfront mit USD 5 Mrd. in den USA.

Ein komplett „grünes“ Onlineangebot findet sich in Deutschland bisher nur bei Visualvest, einer Tochtergesellschaft der Union Investment. Im Gegensatz zu den anderen genannten Anbietern arbeitet Visualvest nicht mit einer Lizenz als Vermögensverwalter, sondern als Finanzvermittler. Im Angebot ist ein „grünes“ Musterportfolio auf der Basis konventioneller, aber nachhaltig orientierter bzw. thematisch begrenzter Investmentfonds anbietet. Allerdings hat der Anspruch hier seinen Preis, da die jährlichen Belastungen um rund 1% über den weitgehend mit ETF dargestellten Alternativen liegen. Visualvest ist auch sogenannter „Whitelabel“ Anbieter für die gesamte genossenschaftliche Bankengruppe.

Fazit

Nachhaltige Geldanlagen hatten in Deutschland bisher eher einen Exotenstatus und es bestand der Eindruck, dass der Wunsch nach ihnen schnell in die Schmuddelecke der Finanzanlage mit intransparenten Angeboten und erhöhten Risiken führen konnte. Das muss nicht der Fall sein. Es geht auch langweilige, solide und risikoärmer wie die aufgeführten Beispiele zeigen sollten. Mit ING-DiBa wurde erstmals ein Angebot für private Kunden lanciert. Es wird interessant, wie sich der Absatz bei aktuell wenig Werbung, aber prominentem Platz auf der Internetseite der Bank entwickeln wird.

In eigener Sache…

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Robo-Advice – Die Konsolidierung beginnt

Englisch abstract:

Robo-Advice seems to become adult rather sooner than later. In the U.S., no. 3 Betterment further broadens it’s offers with portfolios designed by Goldman Sachs and BlackRock, in Germany, the third biggest bank in terms of clients (8m, €150m AuA), ING-Diba teams up the European market leader Scalable Capital. Thus, ING-Diba is in a strong position gaining another substantial market share. Others seem to be looking for possible partnership going into the utmost likely market consolidation the tiny, but already crowded German market. (For more refer to: Robo-Advise in Germany)

Es ist naheliegend, von einer baldigen Konsolidierung im Markt für computergestützte Anlageberatung (Robo-Advice) auszugehen: Viele Anbieter, kleine Volumina und viele große Finanzdienstleister noch nicht richtig am Start. Nur kurz nach dem ersten Blogbeitrag Robo-Advisor – (K)eine Innovation erfolgen die ersten Schritte: In den USA vetreibt Betterment zukünftig Produkte von Blackrock und Goldman Sachs. In Europa wurde heute die Zusammenarbeit von ING Group und Scalable Capital bekannt gegeben. Um andere Anbieter gibt es Gerüchte…

14. September 2017

Dr. Ralf Breuer

Robo-Advice wird erwachsen

Es ist eine einfache Rechnung: Viele Anbieter, kleine Volumina und die grossen Finanzgruppen nur ausnahmsweise schon im Markt. Da ist Konsolidierung eine logische Folge.

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Stand: Juli 2017

Betterment ist nach Vanguard und Schwab der drittgrößte US-Anbieter für computerunterstützte Anlageberatung. Das Angebot wurde zuletzt in Richtung hybrid, d.h. mit Beraterzugang und nachhaltigen Elementen weiterentwickelt. Zukünftig werden zukünftig Portfoliovarianten von Goldman Sachs (Smart-Beta mit höherem Risiko) und BlackRock (einkommensorientiertes ETF-Portfolio) angeboten (Quelle: Betterment joins forces with Goldman Sachs and BlackRock).

BI Business Intelligence schätzt den Robo-Markt auf USD 1 Bio. in 2020 und USD 4,6 Bio. in 2022.

ING-Diba und Scalable Capital kooperieren in Deutschland

ING Groep und ING-Diba gaben heute in einer Presseerklärung die Zusammenarbeit mit dem größten europäischen Anbieter für Robo-Advice Scaleable Capital im deutschen Markt bekannt. Die ING-DiBa erweitert in Deutschland ihr Angebot im Privatkundengeschäft um die Online-Vermögensverwaltung von Scalable Capital. Dafür geht die nach Kundenzahl drittgrößte deutsche Bank eine Partnerschaft mit dem führenden Online-Vermögensverwalter in Deutschland ein. Das Angebot steht allen ING-DiBa-Kunden ab dem 15. September 2017 zur Verfügung.

ING-DiBa stellt den rund 8 Mio. Kunden mit € 150 Mrd. administrierten Anlagen (Einlagen und Wertpapiere) über Scalable Capital ein reines Onlineangebot bereit. Mindestanlagebetrag ist € 10.000, die Kosten schätzt die Bank auf 0,75% des im Jahresdurchschnitt verwalteten Vermögens zzgl. durchschnittlich 0,25% für die investierten ETF. Der Zeitaufwand für die Kunden soll für den Abschluss bei etwa 15 Minuten liegen.

ING-DiBa mit kraftvollem Antritt

Die Bank hat sich mit der heute bekannt gegebenen Kooperation in eine gute Position für Marktanteile im Markt für computergestützte Anlageberatung gebracht. Sie greift auf einen „reiferen“ Partner zurück und hat eine ohnehin onlineaffine Klientel. Am Beispiel comdirect wurde mit der Einführung von cominvest deutlich, wie die „Prominenz“ eines Anbieters Kundengelder in Richtung Onlineangebote bei der Vermögensverwaltung bewegt: Innerhalb von nur zwei Monaten wurden bei cominvest € 100 Mio. angelegt.

Auch Nachhaltigkeit prominent im Programm

ING-DiBa hat mittlerweile auch ethisch-nachhaltige Anlagen prominent im Programm. Über das Direktdepot kann in Fonds und ETF sowie ökologische Anlagen investiert werden: ING-DiBa Nachhaltigkeit.

Und sonst?

Bei den anderen Bankengruppen wird VisualVest gerade als „MeinInvest“ (in abgespeckter Form) bei den ersten Genossenschaftsbanken ausgerollt. In der Finanzgruppe der Sparkassen befindet sich bevestor eher noch in der Marktvorbereitung.

Insgesamt ist der deutsche Markt sehr zersplittert wie im Beitrag Robo-Advisor – (K)eine Innovation aufgezeigt. Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass viele weitere Meldungen über mögliche Partnerschaften wie die über Quirin Privat Bank und Outbank gestern/heute folgen werden: Exklusiv: Quirion/Quirin Privatbank und Outbank sprechen über möglichen Zusammenschluss. Zu der Geschäftsentwicklung von Quirion finden Sie etwas in Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Drei.

Zum Schluss noch in eigener Sache…

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Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechs

14. September 2017

Inhalt: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die für sich (noch) nicht mit einem Beitrag im Blog aufgegriffen wurden, aber auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit im Finanzsektor hinweisen.

Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?

Zugegeben: Das Beitragsbild stammt aus einer Nische. Nämlich aus der, in dem ein Geldautomat der französischen Großbank Crédit Agricole montiert ist. In Deutschland erscheint das eher als Nischenthema. Obwohl: Die 13 ethisch/ökologisch/kirchlich orientierten Banken sind zusammen etwa so groß wie die größte deutsche Sparkasse in Hamburg oder die beiden zweit- und drittgrößten in Köln zusammen (Quelle: Deutsche Bundesbank, Unternehmensangaben, DSGV, BVR, Eigene Berechnungen). – Also schon eine große Nische von mehr als € 50 Mrd. und mit imponierenden Wachstumsraten.

RegTech – Technik macht Regulierung sicherer…

Alle haben offenbar Angst oder zumindest Respekt vor Digitalisierung und technikbasierten neuen Angeboten, sog. FinTech. Technikbasierte Systeme für Regulierung und Compliance – kurz: RegTech – versprechen dagegen den Abbau von Stumpfsinn und (menschlichen) Risiken bei Banken. Vor allem in Deutschland beklagt die Kreditwirtschaft auf nahezu allen Kanälen und bei jeder Gelegenheit ein Zuviel an Regulierung. Dabei scheint dies eines der wenigen Themen, bei denen schneller als gedacht Abhilfe geschaffen werden könnte. Erstaunlicherweise ist dieses Thema aber gerade in Deutschland eher dünn besetzt wie die folgende Übersicht zeigt:

2017-09-13 RegTech EUR.jpg

Quelle: LTP Let´s Talk Payments

In anderen Ländern hat man offenbar die (technischen) Möglichkeiten schon stärker erkannt. So auch in den USA:

2017-09-13 RegTech US

Quelle: LTP Let´s Talk Payments

…aber auch die Regulierer sollten aufrüsten

Zumeist wird darauf hingewiesen, dass RegTech nicht nur für die Banken Erleichterungen und Risikominderung bringen kann, die stumpfsinnige Arbeiten und (menschliche) Risiken reduziert. Wichtig ist aber auch, dass sich Regulierer auch mit der Nutzung von RegTech und nicht nur der Regulierung von FinTech beschäftigen, um ihrerseits Prozesse zu vereinfachen und abzusichern. In den meisten Analysen zur „Digitalisierung“ fehlt dieser Aspekt. Mehr dazu bei Nidhi Prabhu: RegTech – the Missing Piece in an As-Yet Emerging Area. Dafür spricht auch, die von Thomson Reuters erhobene, deutlich gestiegene Regulierungsaktivität in der folgenden Übersicht.

2017-09-14 Regulatory Publications

Gesellschaftliche Langfristkosten stark gestiegen

Bei allem Fortschritt, aber dort, wo es die Gesellschaft am meisten drückt steigen die Kosten am stärksten. Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheit, Nahrung, Wohnen. Alles was „nachhaltig“ zu Verbesserungen beiträgt zeigt eine rasante Preisentwicklung:

2017-09-08 WEF Inflation

In eigener Sache…

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Inhalte Nummer Eins bis Fünf

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünf

12. September 2017, aktualisiert 13. September 2017

Inhalt: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; in eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die für sich (noch) nicht mit einem Beitrag im Blog aufgegriffen wurden, aber auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit im Finanzsektor hinweisen.

 

Bundestagswahl 2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft nicht im Fokus der großen Parteien

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) hat die Parteien vor der Bundestagswahl 2017 nach ihren Positionen zur nachhaltigen Finanzwirtschaft befragt. Die FNG-Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2017 zeigen dabei ein trauriges Bild. Deutschland präsidiert zwar die Nachhaltigkeit, in den Parteiprogrammen findet sich von mehr Nachhaltigkeit in der Kreditwirtschaft wenig.

Das Südwind Institut kommt im Parteiencheck leider auch zu keinem optimistischerem Ergebnis:

  • CDU/CSU schätzen die von ihnen unterstützten Gesetze für weitestgehend ausreichend ein. Den Hauptreformbedarf sehen sie in einer erhöhten Proportionalität der Regulierung und fordern daher Ausnahmen für kleine Banken („Small Banking Box“).
  • Die SPD scheint grundsätzlich mit den mitgetragenen Reformen zufrieden. Sie will allerdings den gefährlichen Hochfrequenzhandel eindämmen und wirbt offensiv für eine Finanztransaktionssteuer.
  • Die Linke spricht sich für eine radikale Veränderung der Finanzmarktarchitektur aus, zum Beispiel für eine Vergesellschaftung der privaten Banken, mit starker Betonung der Rolle von Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Zusätzlich strebt die Partei die Einführung eines „Finanz-TÜV“ an, d.h. es werden nur Finanzprodukte zugelassen, die nachweislich keine negativen Auswirkungen auf Gesellschaft oder Verbraucherrechte haben.
  • Bündnis 90/Die Grünen fordern deutlich einfachere, aber härtere Regeln für die Finanzindustrie, damit große Banken weniger Schlupflöcher nutzen können und kleine Banken mit den bürokratischen Anforderungen zurechtkommen. Ein Beispiel ist eine deutlich höhere Eigenkapitalquote, die nicht durch interne Risikomodelle kleingerechnet werden kann, sowie die Offenlegung von Klimarisiken.
  • Die FDP setzt tendenziell eher auf die disziplinierende Kraft des Marktes und will daher Aktionäre und Gläubiger konsequenter in die Haftung nehmen, wenn Banken in Schieflage geraten.
  • Die AfD äußert sich systemkritisch, bleibt aber in ihrer Analyse sehr pauschal und bietet kaum Lösungsvorschläge.

Trauriges Zitat bei der FDP: „ Das Angebot an Finanzprodukten ist bereits sehr vielfältig und schließt heute zahlreiche Produkte ein, die auch  ökologische und soziale Ziele in ihre Geschäftsmodelle integrieren. Letztlich stellt der Finanzsektor über diverse Finanzprodukte Kapital für nachhaltige Projekte und Sektoren, die zur Nachhaltigkeit der Wirtschaft als solche beitragen, zur Verfügung. Entscheiden jedoch Millionen von Kleinanlegern und großen Investoren mit ihrem Nachfrageverhalten darüber, welche dieser Produkte sich in einem fairen Wettbewerb durchsetzen.“ Würden die Anleger sicher gerne machen, wenn es die Produkte in der Breite gäbe. – Erinnert an Henne und Ei…

Passend dazu das Handelsblatt Dossier Nachhaltigkeit vom selben Tag:

Handelsblatt: Politik-Ignoranz kontern…

…fordert Susanne Bergius in ihrem Editorial zum Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments vom 8. September 2017 und trifft damit fast gleichzeitig die gleiche Kerbe wie das FNG. Frau Bergius stellt fest: „Als einzige Partei formulieren die Grünen konkrete Ansätze für eine Wende an den Finanzmärkten, damit diese ‚der Gesellschaft und der Realwirtschaft dienen‘.“

Im Artikel „Auf den Zahn gefühlt“ geht Frau Bergius weiter auch mit den Investmentfonds kritisch ins Gericht – völlig zu Recht!

Die Situation ist wirklich „Henne und Ei“. Laut sparkasse.de würden 70% der Kunden gerne bei der Geldanlage etwas Gutes tun. Wie aber, wenn nicht mal 7% der Kundenberater vernünftige Möglichkeiten anbieten zu können? Das war schon Thema des ersten hier erschienen Blogs Geld anlegen und Gutes tun? – Leichter gesagt als getan. Leider bleiben die kritischen Stimmen bei der deutschen Kreditwirtschaft noch ohne Resonanz, aber das Thema ist in Arbeit Nachhaltige Finanzwirtschaft in Deutschland – einige Beobachtungen und Gedanken und in Europa ist die Entwicklung schon unübersehbar: Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung? Scheint gar nicht mehr so weit bis Deutschland…

Nachhaltige Entwicklungsziele vor der Wahl

In Bezug auf alle 17 nachhaltigen Entwicklungsziele stellt das Netzwerk Weitblick BTW17-Spezial: Wie halten es die Parteien mit den SDGsfest: „Trotzdem werden Nachhaltigkeit und die SDGs im Wahlkampf bislang allenfalls am Rande thematisiert.“

Bank für Sozialwirtschaft mit neuem Aktienfonds

Die Bank für Sozialwirtschaft legt einen neuen Fonds auf: BFS Nachhaltigkeitsfonds Aktien I an. Schön, dass die Bank weiter „nachhaltig“ auflegt. Leider läßt die Beschreibung des Fonds nicht nur Gutes erwarten: „Aus den 600 größten europäischen Aktien werden 50 nachhaltige Unternehmen aus der Eurozone mittels eines strikten Selektionsprozesses ausgewählt. Aus diesem Anlageuniversum der 50 werthaltigsten Unternehmen werden nun die 30 Aktien ausgewählt, die unseren Anlegern eine hohe Dividendenerwartung bieten können.“ – Könnte viele Finanzwerte bedeuten und nicht unbedingt Fortschritt. Ähnliche Produkte gibt es leider schon…

Die genaue Fondszusammensetzung wird erst mit dem Verkaufsstart am 2.10.2017 bekannt. Laut BFS ist die Anzahl der Titel pro Branche auf fünf begrenzt. Dies lässt aber immer noch viel Raum für das befürchtete starke Gewicht auf Finanzwerte, da Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistungen als separate Branchen gelten können und zudem noch Immobilienaktiengesellschaften in Betracht kommen.

 

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Inhalte Nummer Eins bis Vier

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vier

7. September 2017

Inhalt: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Green Bonds

Zurich Insurance Group gab am 30.8.2017 bekannt, dass sie aktuell USD 2 Mrd. Green Bonds hält. Es wurde in insgesamt 120 Anleihen von 75 Emittenten investiert. Sieben verschiedene Währungen sind im Portfolio.

2017-08-31 Zurich 2bn green bonds

BB Fund – Based Blockchain Fund

Der BB Fund zielt auf Investments in Kryptowährungen bzw. virtuellen Emissionen im Rahmen von ICOs und ITOs (Initial Coin/Token Offerings). Der geschlossene Fonds selbst wird via „Token“, also elektronisch platziert.

2017-08-28 BBFund

Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen

Bild: Nachhaltige Infrastruktur für unser Brasilien – Das Land könnte der nächste große Emittent von Green Bonds werden. Damit dürfte „ClimateBonds“ recht behalten: „Brazil has a huge investment opportunity. And is ready to join China and India on the international stage“.

Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschliessen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Neuer Hub for Sustainable Finance bündelt gemeinsame Aktivitäten / „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ am 23. Oktober in Frankfurt

Die gemeinsamen Aktivitäten der Deutschen Börse und des Rates für Nachhaltige Entwicklung werden in einem Steuerungskreis für einen so genannten Hub for Sustainable Finance (H4SF, www.h4sf.de) koordiniert und weiterentwickelt. Mitglieder dieses Gremiums sind zunächst Prof. Dr. Alexander Bassen, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, Kristina Jeromin, Head of Group Sustainability bei der Deutschen Börse, Michael Schmidt, Mitglied der Geschäftsführung der Deka Investment und Mitglied der High-Level Expert Group on Sustainable Finance der EU-Kommission, Dustin Neuneyer, Head of Continental Europe von PRI Principles for Responsible Investment sowie das hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung. Die Aktivitäten des Hub for Sustainable Finance werden vom Dialog mit der Wirtschaft und mit zivilgesellschaftlichen Akteuren geprägt sein.

Vollständiger Text: Presseerklärung.

 

Inhalte Nummer Eins bis Drei

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

 

 

Mehr Transparenz bei Investmentfonds

Foto: yourSRI.com

English version will follow. Abstract: yourSRI.com brings transparency to climate footprint and ESG-quality currently covering some 80% of the European funds market. However, criteria look backward, while sustainability investors aim at impact going forward. Thus the selection still requires additional research on impacts going forward.

Mit yourSRI.com wirbt ein weiteres Portal mit mehr Transparenz bei Investmentfonds für jedermann. Grundsätzlich eine gute Sache, aber leider noch nicht alles, was zur Fondsauswahl notwendig ist.

Transparenz und Glaubwürdigkeit für Fondskonzepte

Mit yourSRI.com bietet nach Climetrics ein weiterer Dienst Einblick in den Klima-Fußabdruck und die Nachhaltigkeit von Investmentfonds. Nachhaltigkeit umschreibt dabei die externe Bewertung der Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, kurz ESG für Environmental/Social/Governance.

Dies ist grundsätzlich zu begrüßen, löst aber nur einen Teil der Probleme bei der Auswahl nachhaltiger Anlageprodukte (vgl. auch hier im Blog Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig!). Und leider: Ein Vergleich des Klima-Fußabdrucks von ethischen Aktien-Investmentfonds durch die Verbraucherzentrale Bremen hat schon 2014 gezeigt, dass diese Befürchtungen nur allzu berechtigt sind.  Bei vergleichbarem „Anspruch“ in den Namen der Fonds waren erhebliche Unterschiede im Klima-Fußabdruck festzustellen: Namen ähnlich, CO2 unterschiedlich.

Weder CO2 noch ESG-Bewertungen können abschließend zwischen nachhaltig und nicht nachhaltig unterscheiden. Sie können lediglich helfen, den Unterschied zu sehen.

CO2 klingt logisch, kann aber irreführen

Der Vergleich der Verbraucherzentrale lief darauf hinaus, dass Nachhaltigkeit und Klima-Fußabdruck zwei ganz unterschiedliche Kriterien sind. Auch der Vergleich von Fonds innerhalb einer vermeintlichen „Güteklasse“ (=externe Bewertung, z.B. Climetrics) kann auf sehr unterschiedlichen Ausprägungen und Kombinationen von CO2 bzw. ESG Kriterien beruhen, wie im Blogbeitrag Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig! anhand einiger Beispiele gezeigt.

Eine zu starke Orientierung CO2 kann sogar völlig von Nachhaltigkeit wegführen wie der Deka Oekom ETF zeigt: Er beinhaltet 30 Werte aus dem EuroStoxx50 und hat etwa 35% in Finanzwerten investiert. Also mehr eine Wette auf den Euro sowie den Banken- und Finanzsektor in Westeuropa als das, was unter dem Etikett „Nachhaltigkeit“ gesucht wird.

Manch anderer Nachhaltigkeitsfonds oder -index hat z.B. kaum Finanzwerte und dann vor allem Rückversicherungsunternehmen die über ihr Geschäft ganz natürlich längerfristig und an einer nachhaltigeren Entwicklung der Welt interessiert sind.

Warum reicht Transparenz nicht?

Ganz einfach: Alle Kriterien sind rückblickend, nicht vorausschauend. Dabei geht es aber gerade, wenn Nachhaltigkeit als Anlagethema gesucht wird. Interessanter als die Bewertung der einzelnen Fonds ist der Vergleich ähnlicher Fonds und vor allem auch die Entwicklung der Bewertungskriterien über die Zeit.

Insofern gilt für die neuen Portale das Gleiche, was auch für die sehr heterogenen externen Umwelt-/ESG-Ratings gilt. Sie haben für sich keinen Stellenwert und beruhen auf derart unterschiedlichen Ansätzen, dass sie für ein Unternehmen sogar zu völlig gegenläufigen Ergebnissen kommen können. Es zählt nur die Veränderung/Entwicklung über die Zeit. Aber die ist auch dann Vergangenheit, deren Verlauf Hoffnung auf die Zukunft gibt.

Wonach denn Suchen?

Nach vorne gerichtet können Kriterien, wie sie von yourSRI.com veröffentlicht werden, etwas irreführend sein. Dies zeigt das Beispiel der beiden Nachhaltigkeitsfonds der Triodos Bank Deutschland im Beitrag Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft heisst (Aus-)Wirkungsbewußtsein:

Name CO2e / Mio. € ESG Wert ESG Rating
Triodos Sustainable Equity Fund R Cap 34,9 6,5 A
Triodos Sustainable Pioneer Fund R Cap 141,9 5,9 A

Quelle: yourSRI.com Stand: 23.8.2017

Bei dem ersten Fonds handelt es sich um einen Aktienfonds mit „klassischen“ europäischen Unternehmen. „Der Fonds investiert ausschließlich in Aktien , die von börsennotierten, finanzstarken Unternehmen emittiert werden, die eine überlegene soziale und ökologische Performance erzielen.

(https://www.triodos.de/de/privatkunden/investments/investmentfonds/sustainable-equity-fund1/ueber-diesen-fonds/)

Der „Sustainable Pioneer Fund“ investiert dagegen weltweit in kleinere Technologieführer mit geschäftlichen Fokus auf einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit in der Zukunft. Also in „…globale Aktien, die von börsennotierten Unternehmen ausgegeben werden, die in folgenden Bereichen als Pioniere gelten: Klimaschutz (nachhaltige Energie), Gesunde Menschen (Medizintechnologie), Sauberer Planet (Umwelttechnologie und Wasser), Corporate Social Responsibility (CSR)“.

Insofern bleibt die Erkenntnis, sich über die verschiedenen Fondskonzepte zu informieren. So herrscht bei Aktienfonds eine Vielfalt mit Ethikfonds, ethisch-ökologischen Fonds, Öko-Pioneerfonds, Öko-Effizienzfonds, Umweltfonds und sogar CO2-Fonds. Was dahinter steckt oder auch nur stecken kann, wird hier bald zusammengefasst.