Karte bio, alles gut? – Leider nicht…

Aktualisiert: 7. August 2017

Dr. Ralf Breuer

Sieht auf den ersten Blick überzeugend aus: Die neue Kreditkarte der Triodos Bank aus Biokunststoff ohne Rohöl. Bei 130 Mio. ausgegebener Geld- und Kreditkarten eine Strecke von 11.000 km vom Nordkap bis Kapstadt. Ist eine wichtige Anregung zur Lösung eines sehr viel größeren Problems, auf das Triodos Deutschland mit der Karte aufmerksam macht. Schließlich hat allein Visa in einem Jahr 690 Mio. neue Karten ausgegeben. Damit sind weltweit allein über die großen Anbieter schon mehr als 5 Mrd. Karten im Umlauf. Da kommen schon mehr als 22 Quadratkilometer zusammen.

Der Chip wird noch nicht gezüchtet

Chips werden aus wertvollen Rohstoffen hergestellt. So lange Chip und Magnetstreifen drin- und draufbleiben wird halt nur der größere Flächenanteil „bio“. Und der ist auch nicht unproblematisch wie Grüncard als Partner von Triodos auf seiner Seite darstellt. Und auch Triodos bezeichnet in der Presseerklärung vom 29. Juni 2017 die Karte nur als ein Anfang: „Die Karten aus PLA werden aus pflanzlichen Rohstoffen, hauptsächlich aus Mais, hergestellt. Dies hat zwei große Vorteile: Endliche, fossile Ressourcen werden geschont und der Ausstoß von Treibhausgasen bei der Produktion von PLA ist um rund 80 Prozent geringer als bei der Herstellung von konventionellen Kunststoffarten. Dazu Georg Schürmann: „Uns ist durchaus bewusst, dass es bei der Entwicklung von Biokunststoffen noch Luft nach oben gibt. Ideal wäre es zum Beispiel, wenn sie künftig aus biologischen
Abfallprodukten hergestellt werden könnten, um keine Anbauflächen dafür
verwenden zu müssen. Uns ist es wichtig, den Verbrauch von fossilen Rohstoffen zu reduzieren. Die Grünkauf Kreditkarte aus PLA ist für uns daher ein erster Schritt in die richtige Richtung.“

Auch Biokunststoff ist nicht CO2-frei

Gruenkauf weist auf der Informationsseite zur Gruencardplus dankenswerterweise auf die Nachteile der Biokunststoffe hin: Flächenverbrauch, Bewässerung, Produktion, Transport… – als wirklich nur ein Schritt. Und selbst, wenn es Abfallprodukte oder Durchforstungsholz werden sollte: bleiben immer noch die Chips und Magnetstreifen mit wertvollen Rohstoffen.

Kursänderung notwendig: Abschaffen!

Die einzig wirklich saubere Lösung für Geld- und Kreditkarten wäre ihre Abschaffung. Oder – realistischer – ein Ersatz ohne Chip und/oder Magnetstreifen. Auch bei rein „virtuellen“ Lösungen würden zwar immer noch Ressourcen verbraucht, aber immerhin nichts mehr physisch produziert und transportiert. Hier ist die Technik schon so weit, dass das im Prinzip denkbar ist. Und wenn dann noch virtuelle Lösungen für die ganzen Kundenkarten im Umlauf gefunden werden, reicht es mehrfach um die Erde.

Apropos: Visa allein hat mehr als 3 Mrd. Karten im Umlauf mit einem Jahresplus von 690 Mio. Stück. Vor allem auch in Hinblick auf die verstärkte Durchdringung weniger entwickelter Regionen wären Alternativen wünschenswert. Es gab schon einige marktreife Ansätze, mehrere Kartendienste mit einer Karte bzw. einem Gerät zu nutzen. Allerdings konnte sich keine dieser Entwicklungen durchsetzen. Auf der Basis eines nun vorliegenden weltweiten Standards für optische (QR-)Codes sind nunmehr neue Voraussetzungen gegeben.

Nach aktuellem Stand der Dinge liesse sich nicht nur Chips und Magnetstreifen, sondern auch das Trägermaterial sparen – vom Rest des Kartenarsenals ganz zu schweigen…

Kein Plädoyer für Bargeld

Bargeld hat leider auch keine besonders gute CO2-Bilanz, insbesondere die Logistik verbraucht wertvolle Ressourcen.

Quelle: Alexandra von Ascheraden: Papier, Druck Unterhalt und Entsorgung: Wie ökologisch ist unser Geld? www.beobachter.ch

Wirft vielleicht spontan ein neues Licht auf die Kryptowährungen Bitcoin & Co. Allerdings basieren die auf hohen Rechnerleistungen und damit auch einem hohen Stromverbrauch.

Erfolgsgrundlagen für FinTech

 

Dr. Ralf Breuer

zuletzt aktualisiert am 31. Juli 2017

For the English version please see Blog English

bildschirmfoto-2017-07-25-um-11-55-02

Quelle: www.paymentandbanking.com

 

Übersichten über FinTechs erinnern an die Schnittmusterbögen in den Modezeitschriften meiner Mutter. Sie geben erst mal kein klares Bild oder Orientierungshilfe zur Navigation. Ein Blick in diverse Geschäftsmodelle führte nicht notwendigerweise zu einer innovativen Idee, auch nicht bei genauerem Hinschauen. Vielmehr findet sich viel „alter Wein in neuen Schläuchen“, so dass sich die Frage stellt, was die beeindruckenden Mühen und finanziellen Einsatz rechtfertigt. Manch ein Anbieter weist auch nach zehn Jahren noch finanzielle Verluste mit steigender Tendenz aus. – Chris Skinners Blog „The Finanser“ ist immer inspirierend. Zwei jüngere Beiträge führten mich zu einer neuen und frischen Perspektive auf FinTechs. Zu meiner eigenen Überraschung eher eine geschichtliche Sichtweise.

Das Erbe früher Automatisierung

Als Bankenanalyst präsentierte ich Analysen zu deutschen Banken. Dabei erinnerte mich die EDV-Landschaft an ein Museum, dass die Entwicklung der letzten 40 bis 50 Jahre präsentierte. Dieses „Erbe“ erschien ein wesentlicher Teil der Erklärung für die unvorteilhafte Aufwand-/Ertragsrelation der deutschen Banken zu sein. Chris Skinner formulierte sinngemäß: Die Banken wollen in das Nirwana neuer Technologien, stecken aber in einem Geflecht alter Systeme (Banks “…want to get to the nirvana of new technologies, but are stuck in a spaghetti of old systems”, https://thefinanser.com/2017/07/fintech-start-ups-think-can-beat-banks.html/). Selten haben deutsche Banken versucht, ihre Systeme in klarere Strukturen zu transformieren. Zum Beispiel: Die Deutsche Bank kündigte erst 2015 an, die Anzahl der EDV-Systeme von 45 auf 4 zu reduzieren. Sind FinTech ein Ausweg aus diesem „Erbe“? In einem gewissen Maß ja, aber noch kein hinreichender Grund für ihre Entstehung. Trotz aller Inkubatoren, Kooperationen und Investitionen der verschiedenen Finanzgruppen.

Schlüssel für meine Sichtweise war Chris Skinners Feststellung, dass die erfolgreichsten FinTechs keine Banken ersetzen, sondern unterversorgte Marktbereiche bedienen. (“that…the most successful FinTech firms are not replacing banks, but serving markets that were under-served” https://thefinanser.com/2017/07/fintech-start-ups-think-can-beat-banks.html/). Oder unversorgte. Punkt, das ist es!

Un(ter)versorgung ist nicht notwendig „fehlendes“ oder „unzureichendes“ Angebot. Die Angebote können auch vernachlässigt, überteuert oder schlichtweg unbequem gestaltet sein. Beispiel hierfür sind Auslandsüberweisungen und Sorten. Diese Bereiche haben die deutschen Banken Spezialisten überlassen, die mit üppigen Margen operieren. Sie sind auch der Startpunkt für Neugründungen wie 1bank4all und Revolut in der Schweiz. Auch die seit 2011 lizensierte ProCredit Bank zielt in diese Richtung.

Deutsche Finanzgruppen entstanden durch unversorgten Bedarf

Das deutsche Privatkundengeschäft hat aus der ausländischen Sicht keine große Konsolidierung erfahren. Die meisten Entwicklungen vollzogen sich innerhalb der Finanzgruppen (Genossenschaftsbanken, Sparkassen), dem Aufstieg der ING Diba und dem Verschwinden einiger Landesbanken. Es gab nur wenige prominente Fusionen wie die von Commerzbank und Dresdner Bank sowie wenige Markteintritte ausländischer Banken wie Santander.

Was sind die gemeinsamen Wurzeln der heutigen Säulen der Kreditwirtschaft? Tatsächlich wurde der Großteil der Kreditinstitute zur für zuvor unversorgte Kundenkreise gegründet. Genossenschaftsbanken, Sparkassen, die Postbank und sogar die Diba entstanden zur Versorgung von Kunden, die keinen Zugang zu den damals existierenden Banken hatten. – Auch die Großbanken entstanden als der Finanzierungsbedarf im Zuge der Industrialisierung durch die Möglichkeiten der Privatbankiers nicht mehr gedeckt werden konnte. – Bankengeschichte als Ansatz zur Beurteilung von Innovationen heute?!

Ein globaler Blick auf die Finanzmärkte

Die zweite inspirierende Idee aus dem Blog von Chris Skinner ist die globale Finanzwelt als eine mit drei verschiedenen Entwicklungsgeschwindigkeiten zu sehen: Während die Vereinigten Staaten und Europa mit den ererbten System ringen, überspringen China, Indien und andere Wachstumsökonomien diese Phase mit Systemen teilweise aus der Zeit nach der Geburt von Mark Zuckerberg (dem Gründer von Facebook). (“For me however, it illustrated a different conundrum. Whilst the United States and Europe are wrestling with legacy systems, I see China, India and other growth economies leap-frogging their counterparts thanks, in part, to implementing systems after Mark Zuckerberg was born.”, https://thefinanser.com/2017/07/three-stream-financial-world-one-watch.html/). Und tatsächlich: Bei der Analyse europäischer Banken waren Zusammenhänge zwischen einer günstigen Relation Aufwand/Ertrag und einer späten Einführung von EDV zu erkennen. (Alternativ waren in einigen wenigen Fällen die Systeme konsequent restrukturiert worden.)

Die dritte Geschwindigkeitsstufe bringt es auf den Punkt: Der Aufstieg mobiler Zahlungsverkehrslösungen in Schwellen- und Entwicklungsländern wird von Gesellschaften aus der Telekommunikationsbranche und eben FinTechs getragen. Die Übersicht über die Marktdurchdringung bestätigt diese Überlegungen:

Eine solche Sichtweise hilft, die Welt der FinTech besser zu verstehen und Innovationen zu erkennen. Gewissermaßen können so die unnötigen Teile aus dem Schnittmusterbogen entfallen. Die Orientierung wird deutlich leichter.

Die Lektion?

Zugegebenermaßen wurde mit Dingen, die niemand braucht, viel Geld verdient, aber das in der Regel nur kurzfristig. Man denke nur an Skoubidou, Tamagotchi, Pokemon Go usw. Für die kurze Frist lohnt sich aber der Aufbau einer Finanzdienstleistung nicht. So werde ich zukünftig nach Angeboten Ausschau halten, die zumindest bestehende Angebote „demokratisieren“, die beispielsweise bestimmten Kundenkreisen nicht zugänglich waren, stumpfsinnige Tätigkeiten abschaffen oder vielleicht auch dauerhafte Qualitätsprobleme beheben. Als Daumenregeln für die Erfolgswahrscheinlichkeit eines FinTech erscheint das mit allen drei skizzierten Entwicklungstempi vereinbar. Und tatsächlich fällt es mir jetzt leichter, wahrscheinlich echte und nachhaltige erfolgreiche neue Produktangebote zu erkennen.

Immer noch Zweifel?

Einige Tage nach der Veröffentlichung der Ursprungsfassung drängte sich noch ein weiterer Ansatz auf: Alles aus der Geschichte und dem aktuellen Umfeld kann erst mal ausgeblendet werden. Erst mal schauen, ob eine Idee positiv zu Nachhaltigkeit bzw. den nachhaltigen Entwicklungszielen 17Ziele/SDGs beitragen kann. Vorschläge, die hier hineinpassen sollten eine faire Erfolgschance haben.

Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?

Dr. Ralf Breuer

aktualisiert/last updated 02/08/2017, ergänzt/supplemented 15/12/2017

Sustainability on it’s way into reporting and regulation? – English abstract below.

dfacwkrxyaazf32

Am 18. (Brüssel) und 20. Juli 2017 (London) präsentierte eine hochrangige Expertengruppe der EU ihre ersten Vorschläge für eine nachhaltige(re) Finanzwirtschaft in der Europäischen Union. Die Vorschläge fanden in Deutschland weder bei der Presse noch der Kreditwirtschaft große Beachtung. Zu Unrecht: Ihre Umsetzung kann bedeutenden Einfluss auf die zukünftige Rechnungslegung und auch die Regulierung haben.

Viel Hirn, viel -schmalz, viel Arbeit

Die zwanzigköpfige Expertenkommission unter dem Vorsitz von Christian Thimann (Axa, Group Head of Regulation, Sustainability & Insurance Foresight) war mit hochrangigen Vertretern aus der Finanzwirtschaft und anderen Interessenvertretern (u.a. WWF Frankreich) besetzt. Deutschland war durch Michael Schmidt, Geschäftsführer der Deka Investment, vertreten. Unter den weiteren neun internationalen Beobachtern war kein Vertreter aus Deutschland.

Die von der EU eingesetzte Kommission präsentierte ihre vorläufigen Ergebnisse am 18.7. ganztägig vor 500 Teilnehmern in Brüssel und am 20.7. halbtägig vor 100 Teilnehmern in London. In den Schlussbericht zum Jahresende sollen dann u.a. auch die kürzlich beim Financial Stability Board (FSB) erarbeiteten Vorschläge zur Berichterstattung über klimabedingte Risiken (Task Force for clima-related Financial Disclosures, TCFD) eingehen.

Die Vorschläge sind sehr weitreichend, da sie auch rechtliche Rahmenbedingungen, Rechnungslegung und institutionelle Gegebenheiten beinhalten. Insofern handelt es sich um ein Rahmenkonzept, dessen praktische Umsetzung mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Insgesamt wirken die aufgezeigten Mechanismen aber stimmig, so dass die Finanzwirtschaft auf diese Weise tatsächlich einen höheren und systematischen Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Europäischen Union leisten könnte. Dabei geht es nicht um die Überwälzung von Kosten auf den Finanzsektor, sondern vor allem um den Abgleich öffentlicher und privater Interessen auf einer marktwirtschaftlichen Basis.

Die von der Kommission vorgestellten acht Vorschläge in Kürze:

  1. Klassifizierungssystem für nachhaltige finanzielle Vermögenspositionen: Was ist nachhaltig, was nicht?
  2. Europäische Standardisierung und Zertifizierung von Nachhaltigkeitsanleihen (Green Bonds, Klimaanleihen etc.) und anderer nachhaltiger finanzieller Vermögenspositionen.
  3. Rechtliche Verankerung von Nachhaltigkeit als Handlungsgebot (fiduciary duty/Treuhänderische Pflicht gegenüber künftigen Generationen)
  4. Verstärkte Berichtspflicht über ökologische, soziale und Unternehmensführungskomponenten (ESG, ecological/social/governance).
  5. Einen „Nachhaltigkeitstest“ für die EU-Gesetzgebung: Entspricht der aktuelle Rahmen den erforderlichen Kriterien?
  6. Schaffung einer „Nachhaltigen Infrastuktur Europa“ zur Moderation und Steuerung privater Investitionsinteressen in die Richtung von Projekten, die die Nachhaltigkeit stärken. Z.B. CO2-Ersparnis im Verkehr, Energie, Bauten, Landschaftsbau, soziale Strukturen etc.
  7. Verstärkte Einbindung der Aufsichtsbehörden in die Analyse von nicht-finanziellen Risiken (ESG)
  8. Berichtsstandards für Energieeffizienz. Dies zielt insbesondere auf den Zeithorizont bei der Bewertung ab. So könnte z.B. eine erhebliche Zahl von Kraftwerken durch den Kapazitätsaufbau bei erneuerbaren Energien wertlos werden.

Die vorläufigen Vorschläge haben eine ganzheitliche Sichtweise als Grundlage und damit auch die Gesamtheit der Europäischen Union. Für die Finanzwirtschaft hätte ihre Umsetzung eine Reihe von Konsequenzen, aber auch Vorteile.

Konsequenzen für die Kreditwirtschaft

Die gemeinsame Stellungnahme der fünf Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft lässt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Vorschlägen vermissen. Die Arbeit wird zwar grundsätzlich als „wichtiger Diskussionsbeitrag“ begrüßt, vorwiegend aber vor einer möglichen regulatorischen Mehrbelastung gemahnt. https://die-dk.de/themen/pressemitteilungen/deutsche-kreditwirtschaft-zum-eu-zwischenbericht-fur-ein-nachhaltiges-finanzwesen-anreize-fur-investitionen-sinnvoll-unnotige-regulierung-vermeiden/

Die formelle Verankerung von nachhaltigem Handeln muss aber zwingend zu Veränderungen in der externen Berichterstattung und Bankenaufsicht führen. In der Aufsicht müssen die Anforderungen dadurch aber nicht zwangsläufig vermehrt und verkompliziert, sondern vielmehr zielführend verändert werden. Insofern sollte die Regulierung zumindest anders werden.

Die größten Veränderungen sind für die externen Berichterstattung vorhersehbar. 1. Erweiterung der Berichtspflichten auf nicht-finanzielle Kriterien 2. Explizite Berücksichtigung von langfristigen Risiken (z.B. aus dem Klimawandel) 3. Angleichung der Zeithorizonte in Berichten und nachhaltigen Handlungsfeldern. Letzteres erfordert eine Trendumkehr, nachdem durch den Übergang auf eine angelsächsisch geprägte Rechnungslegung der Zeithorizont stark verkürzt und auf das aktuelle Marktumfeld gerichtet wurde. Plötzlich ist von entwerteten Vermögenspositionen (stranded assets) im Jahr 2030 die Rede. Insofern muss sich die Berichterstattung auf eine fernere Zukunft richten.

Eine ganze Reihe von Banken weltweit hat die am 29. Juni 2017 vorgelegten Vorschläge der Task Force des Financial Stability Board zur Berichterstattung über finanzielle Klimarisiken (TCFD) ausdrücklich begrüßt. Ein Blick in die speziell für Kreditinstitute vorgeschlagene Berichtspflicht sollte eigentlich beruhigen und die Regulierungsängste in Grenzen halten. (https://www.fsb-tcfd.org/wp-content/uploads/2017/06/FINAL-TCFD-Report-062817.pdf, S. 15)

Den vollständigen Bericht der EU Expertenkommission finden Sie hier:

http://www.eurosif.org/wp-content/uploads/2017/07/HLEG-on-Sustainable-Finance-IR-For-website-publication.pdf

Die zusammenfassende Präsentation des Vorsitzenden der Kommission finden Sie hier:

https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/170718-sustainable-finance-presentation-christian-thimann_en.pdf 

Die fünf französischen Vertreter in der Expertengruppe haben zwischenzeitlich eine Zusammenfassung mit den Implikationen für den Finanzplatz Paris vorgelegt: Décryptage: La vision des experts de HLEG membres de Finance for Tomorrow

Zwischenzeitlich hat die EU-Kommission ihre Absicht bestätigt, im März 2018 auf der Grundlage des Schlussberichtes der Expertenkommission einen Aktionsplan für das europäische Parlament vorzulegen. Vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundzwanzig.

Eine Reihe von nationalen und internationalen Institutionen hat weitere Initiativen avisiert, die Finanzwirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu entwickeln. Hierüber wurde in verschiedenen Beiträgen berichtet. Eine Übersicht findet sich auf Übersicht – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundzwanzig bis Eins.

English abstract

The interim report and the public hearings of the EU Commission’s high-level expert group on sustainable finance were poorly covered by the German press. The press release of the The German Banking Industry Committee did not really reflect the proposals. The headline almost summarizes the content of the whole text: „Incentives for investment are appropriate; unnecessary regulation should be avoided“. https://die-dk.de/en/topics/press-releases/position-german-banking-industry-committee-eu-interim-report-sustainable-finance-incentives-investment-are-appropriate-unnecessary-regulation-should-be-avoided/.

Germany is to be seen as a laggard in sustainable finance, the German banking sector in particular. Astonishing enough as almost all neighbouring countries show strong momentum in sustainable/responsible/green investment and finance.

In France, the five members of the commission submitted a summary with the implications for Paris on Aug. 2nd, 2017: Dectyptage: La vision des experts du HLEG membres de Finance for Tomorrow

In the meantime the EU-Commission confirmed to submit an action plan on the the back of HLEG’s final report by March 2018. Several national and international bodies point into the same direction. News on this were reported (in German) on Übersicht – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundzwanzig bis Eins.

325 Mio. wirkungsorientierte US-Dollar von Bono, Branson, Jobs und Co.

Dr. Ralf Breuer

Steter Tropfen höhlt nicht nur den Stein, sondern lässt bei entsprechenden Inhalten auch nachhaltig etwas wachsen. Dieser Eindruck bestätigt sich im Nachrichtenfluss zu nachhaltigen Geldanlagen ganz besonders.

Die Schweizer UBS hat Mittel in Höhe von 325 Mio. US-Dollar u.a. von prominenten Kunden akquiriert, die im „The Rise Fund“ wirkungsorientiert investiert werden sollen https://www.reuters.com/article/us-ubs-group-ag-philanthropy-wealth-idUSKBN19V0Z7.

Die Liste der Mitgründer des Fonds umfasst einige prominente Namen wie den Popstar Bono, Richard Branson und Laurene Powell Jobs. http://therisefund.com/ Der Fonds wird in den Bereichen Bildung, Energie, Finanzdienstleistungen, Gesundheit, Infrastruktur, Nahrung und Landwirtschaft sowie Technologie, Medien und Telekommunikation investieren.

Nahezu täglich sind Nachrichten über ein weiteres Wachstum nachhaltiger Anlagen zu verzeichnen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch die Breite der Bankkunden entsprechende Anlageangebote nutzen kann.

Nachhaltigkeit im Bankgeschäft als Überlebensstrategie

Dr. Ralf Breuer

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 stellt sich die Frage nach der Überlebensfähigkeit von Banken. Beherrschende Themen sind Regulierung, Digitalisierung und Kosten, Kosten, Kosten – leider! Offenbar sind die EDV-Spezialisten teilweise etwas weiter, wenn sie „Kundenerlebnis“ teilweise vor (bank-)technische Systeme setzen. M.E. kann kein Bankverantwortlicher an den genannten Themen vorbei, sollte aber mal etwas genauer beim Thema Nachhaltigkeit hinschauen (lassen). Im Zusammenhang mit Marketing und Vertriebskanälen ist viel vom „Kundenerlebnis“ und der emotionalen Ansprache die Rede. Mit einem guten Gefühl bei der Geldanlage ist dieser Weg erheblich kürzer.

  1. Nachhaltigkeit ist ein hervorragendes Thema für die Kundenansprache
  2. Nachhaltigkeit kann helfen, die eigene (lokale oder regionale) Existenz zu sichern
  3. Wird immer mehr zur gesellschaftlichen und regulatorischen Pflicht. (ab 2017 für alle Kreditinstitute mit mehr als 500 Mitarbeitern

Immer mehr Banken entdecken das Thema für sich, konzentrieren sich dabei aber noch vielfach auf Stiftungen, institutionelle und sehr vermögende Kunden. Wieso erklärt sich eigentlich nur an einem Mangel an Produkten für den breiten Markt. Die erscheint aber in Anbetracht der Wachstumsraten bei entsprechenden Finanzanlageprodukten, entsprechend fokussierten Banken und der gesellschaftlichen Dynamik völlig unverständlich. Jedenfalls ist dieses Phänomen mit gesundem Menschenverstand nicht zu erfassen. Hört man in große Finanzgruppen hinein, so steht oft der persönliche Geschmack einzelner prominenter/wichtiger Meinungsbildner über der Ratio.

Am 13. Juli 2017 veröffentlichte eine von der EU-Kommission eingesetzte Expertenkommission ihre ersten Empfehlungen zu mehr Nachhaltigkeit im Finanzsektor http://www.eurosif.org/wp-content/uploads/2017/07/HLEG-on-Sustainable-Finance-IR-For-website-publication.pdf. Darin werden Ansätze diskutiert, wie bessere Beiträge zu den längerfristigen, nachhaltigen Entwicklungszielen erzielt werden können.

U.a. werden Anreize für verstärkte private Investitionen z.B. in Richtung Infrastruktur und CO2-Reduktion. Vorgeschlagen wird u.a. ein europäischer Standard für „Green Bonds“. Die Empfehlungen sind weitgehend konsistent mit der am Vortag veröffentlichten Germany Roadmap, die gemeinsam von PRI, UNEP FI und The Generation Foundation verfasst wurde.

https://www.unpri.org/download_report/36942

Allerdings gehen die Vorschläge der Expertenkommission deutlich darüber hinaus.

Einige Banken haben sich bewusst auf nachhaltige/ökologische/wertorientierte Themen fokussiert und fahren sehr gut dabei, wie ein Blick in die Ergebniszahlen von GLS Bank, Triodos oder auch Evenord-Bank zeigt. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann die deutsche Kreditwirtschaft Nachhaltigkeitsthemen als überlebenswichtig einstuft: Staat und Kunden wollen es, die Welt braucht es.

Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig!


 

Dr. Ralf Breuer

Aktualisiert: 11.7.2017

Rendite allein genügt nicht mehr

Geld anlegen und Gutes tun oder zumindest die schmutzigsten Geschäfte vermeiden. Dieser Ansatz scheint sehr mehrheitsfähig zu sein. Leider wird aber nur wenigen Kunden dieses Angebot gemacht. Dies ist in sehr vielen Fällen vor allem auf mangelnde Transparenz und Glaubwürdigkeit zurückzuführen, was bereits die Kundenbetreuer abschreckt. Sie fürchten – völlig zu Recht – schwierige Beratungsgespräche.

Die Stiftung Warentest hat dies im Heft Finanztest 7/2017 auf den Punkt gebracht: „Genau hier liegt wohl eine der Ursachen für das Missverhältnis zwischen dem Interesse an ethischen Geldanlagen und dem investierten Geld: Anleger sehen sich zahlreichen Ansätzen gegenüber – und sie fürchten, dass ihr Ökofonds nicht so öko ist, wie sie dachten.“ (Finanztest 7/2017, Für eine bessere Welt, S. 33).

Der Klima-Fußabdruck offenbart einiges

Ein Vergleich des Klima-Fußabdrucks von ethischen Aktien-Investmentfonds durch die Verbraucherzentrale Bremen hat schon 2014 gezeigt, dass diese Befürchtungen nur allzu berechtigt sind.  Bei vergleichbarem „Anspruch“ in den Namen der Fonds waren erhebliche Unterschiede im Klima-Fußabdruck festzustellen: https://www.verbraucherzentrale-bremen.de/media233229A.pdf. Allerdings kann ein hoher Anteil von Werten aus bestimmten Branchen wie Banken und Versicherungen auch zu niedrigeren Werten führen. Insofern bleibt genaueres Hinschauen notwendig.

Dennoch erscheint CO2-Ersparnis ein Ansatz für die Objektivierung des ethischen bzw. ökologischen Anspruchs, den ein Fonds verfolgt. Ganz ausdrücklich tut dies z.B. die Steyler Ethik Bank mit ihrem Aktienfonds „Steyler Fair und Nachhaltig – Aktien“ (WKN A1JUVL/ISIN DE000A1JUVL8). Informationen unter https://www.fun-fonds.de/Aktienfonds/c1270.html.

Öko-Ratings wenig hilfreich

Leider sind auch die Öko-Ratings der jeweiligen Unternehmen nur dann hilfreich, wenn ihre Entwicklung über die Zeit betrachtet wird. Aufgrund abweichender Ansätze und Datengrundlagen sind sie absolut gesehen wenig hilfreich und kaum vergleichbar. Dies scheint aktuell auch nicht gewollt zu sein, zumindest nicht von den Dienstleistern, die Öko-Ratings anbieten. Allerdings erwarte ich, dass der Druck des Marktes stark zunehmen wird. Am 6.7.2017 wurde zum Beispiel bekannt, dass der Rückversicherer Swiss Re seine Anlagen komplett an nachhaltigen, verantwortungsbewussten Kriterien ausrichten wird.(http://www.swissre.com/about_us/about_our_business/asset_management/responsible_investing_in_practice.html)

Neue Transparenz in Sicht

Mit „Climetrics“ (http://www.climetrics-rating.org) startete heute ein neuer Dienst, der die Nachhaltigkeit von Aktien-Investmentfonds beurteilt. Allerdings sollte das Rating nicht automatisch mit „klimafreundlich“ gleich gesetzt werden, wie dies im Artikel bei http://www.spiegel.de der Fall ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/klimawandel-so-geht-klimafreundliche-geldanlage-a-1156999.html#ref=rss

Nachfolgende Tabelle stellt die Beurteilung der Nachhaltigkeit und die CO2-Intensität der Fonds im einzelnen dar und offenbart die großen Unterschiede zwischen den vermeintlich „grünsten“ Fonds mit einem Rating von jeweils fünf Blättern.

Deutsche Aktien

Fondsname (ISIN)

Rating Umwelt, Soziales, Unternehmens-führung

Klimaintensität Investment

CO2 t/€ Mio.

Klimaintensität Produktion

CO2 t/Umsatz € Mio.

db x-trackers DAX UCITS ETF (DR)
(LU0274211480)

AA

475,2

391,5

Deutsche Invest I German Equities LC
(LU0740822621)

AA

143,0

144,2

DWS Deutschland LC
(DE0008490962)

A

118,5

139,3

UniDeutschland
(DE0009750117)

n.a.

n.a.

n.a.

UniFonds
(DE0008491002)

A

332,6

282,5

Quelle: https://climetrics-rating.org bzw. https://yoursri.com/funds/

Die Angaben für den UniDeutschland waren zum Zeitpunkt der Abfrage nicht verfügbar. Stand 11.7.2017 13:34h

Fonds US-Aktien

Fondsname (ISIN)

Rating Umwelt, Soziales, Unternehmens-führung

Klimaintensität Investment

CO2 t/€ Mio.

Klimaintensität Produktion

CO2 t/Umsatz € Mio.

AB SICAV I-Concentrated US Equity Pf A USD
(LU1011998942)

BBB

9,7

37,2

Amundi ETF Nasdaq-100 UCITS ETF – EUR
(FR0010892216)

BBB

17,1

57,9

ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA USD A
(AT0000858584)

A

53,2

144,4

iShares NASDAQ 100 UCITS ETF USD (Acc)
(IE00B53SZB19)

BBB

17,4

58,7

WP Stewart Holdings USD
(LU0237485098)

BBB

9,4

36,6

Quelle: https://climetrics-rating.org bzw. https://yoursri.com/funds/

Stand: 11.7.2017

Fonds Globale Aktien

Fondsname (ISIN)

Rating Umwelt, Soziales, Unternehmens-führung

Klimaintensität Investment

CO2 t/€ Mio.

Klimaintensität Produktion

CO2 t/Umsatz € Mio.

DB Platinum CROCI Sectors Fund R3C
(LU0419225247)

BBB

110,3

138,8

Deutsche AM Smart Industrial Technologies LD
(DE0005152482)

A

139,3

183,5

DWS Akkumula LC
(DE0008474024)

BBB

28,4

53,6

DWS Telemedia Typ O
(DE0008474214)

BBB

22,0

39,4

KCD-Union Nachhaltig AKTIEN MinRisk
(DE0005326532)

A

232,0

269,3

Suedwestbank Vermoegensmandat Aktien
(LU0347049883)

A

166,1

243,3

Uni21. Jahrhundert -net-
(DE0009757872)

BBB

197,1

280,8

Quelle: https://climetrics-rating.org bzw. https://yoursri.com/funds/

Stand: 11.7.2017

Die Beurteilungen für die besten Fonds sind kostenlos verfügbar. Aktuell sind rund 55% der europäischen Aktienfonds mit einem Volumen von rund € 2 Billionen erfasst. Neben Angaben des CO2-Ausstoßes pro investiertem Euro und Umsatz der Unternehmen finden sich auch Angaben zur Unternehmensführung nach sogenannten ESG-Kriterien (environmental/social/governance = Umwelt/Soziales/Unternehmensführung). Damit gewinnt der Anlagemarkt deutlich an Transparenz, auch für den privaten Anleger. Allerdings werden sich kurzfristig auch die Finanzberater der Branche näher mit diesen Kriterien befassen müssen.

Fazit

Mängel bei Transparenz und Glaubwürdigkeit verhindern aktuell noch ethische Geldanlagen für einen breiteren Anlegerkreis. Einige wenige Fonds haben mit Erfolg gezeigt, wie private Anleger überzeugt werden können. Der Trend geht zu mehr Verantwortungsbewußtsein oder auch mehr „grün“ in der Geldanlage. Dringend notwendig, dass die Finanzbranche hier aufrüstet und ihr Angebot erweitert – im Interesse aller,  vor allem auch im eigenen Interesse.