Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Dreiundsiebzig

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Titelbild/Bild: Pressemappe 19. Jahreskonferenz Rat für Nachhaltige EntwicklungRNE 4.6.2019

Inhalt: Jahrestagung RNE 2019 – Folgen starken Worten Taten?; Unionskreise fordern CO2-Besteuerung; Beirat „Sustainable Finance“ der Bundesregierung; Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2019; Vom (Un-)Sinn quantitativer Nachhaltigkeitsratings; Consorsbank mit Aktion zur Nachhaltigkeitswoche; In eigener Sache: #nachhaltige100; Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

12. Juni 2019

Dr. Ralf Breuer

Jahrestagung RNE 2019: Folgen starken Worten Taten?

HANDELN!

Am 4.6.2019 fand in Berlin die Jahrestagung des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE) mit rund 1.000 Teilnehmern statt. Die Tagung stand unter dem Motto „Zukunft zur Heimat machen“. Neben Nachhaltigkeit und insbesondere dem Klimaschutz wurde auch der Verbindung mit Digitalisierung Raum eingeräumt. Alle Informationen sowie Reden und Videomitschnitte hat der RNE auf seiner Internetseite bereitgestellt: Rat für Nachhaltige Entwicklung – 19. Jahreskonferenz 4.6.2019.

Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie der Bundesminister Dr. Gerd Müller (Wirtschaftliche Zusammenarbeit), Olaf Scholz (Finanzen) und Svenja Schulze (Umwelt) betonten 25% der Regierungsmitglieder die Notwendigkeit, dem Klimawandel konsequent zu begegnen. Allerdings erwähnte die Bundesregierung auch den wohl entscheidenden Grund für ein gewisses Zögern: Der Ausgang der Europawahlen in den den ostdeutschen Bundesländern sowie die Landtagswahlen im weiteren Jahresverlauf.

Der Generalsekretär des Rates, Prof. Günther Bachmann moderierte launig durch das dichte Programm. Seine Bitte, den Grad der Zustimmung nicht durch die Länge, sondern die Intensität des Applauses auszudrücken fand Resonanz. Auch ohne Messung des Pegels dürfte gewiss sein, dass der höchste Wert bei Jakob Blasel, einem der Organisatoren der FridaysForFuture erreicht wurde. Er sprach unmittelbar vor den Begrüßungsworten der Bundeskanzlerin einen eindringlichen Appell der jüngeren Generation für konsequente Maßnahmen zum Klimaschutz aus.

2020 das Jahr der 17Ziele/SDGs

Die Bundesminister Müller und Schulze präsentierten trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit Einigkeit in der Sache. Allerdings fragt sich, warum erst 2020 das Jahr der „17Ziele“ bzw. SDGs werden soll. Auch 2019 wären sie für eine Orientierung in Richtung mehr Nachhaltigkeit eine nützliche Orientierung.

Unionskreise fordern CO2-Besteuerung

Eine Gruppe liberaler Unionspolitiker hat das wohl erste Konzept einer CO2-Besteuerung aus Unionskreisen vorgelegt: „Ohne Pillepalle: Klimaschutz – einfach machen“, so hat die „Union der Mitte“ ihr Konzept zum Klimaschutz überschrieben. Die Gruppe fordert eine allgemeine CO₂-Abgabe, die bei 60 Euro pro Tonne beginnen und bis 2030 kontinuierlich auf 120 Euro angehoben werden soll.

Die Bundesregierung wird außerdem aufgefordert, auf EU-Ebene eine einheitliche Lösung „zur CO₂-orientierten Besteuerung von Flugbenzin (Kerosin) und Schiffsdiesel zu erreichen“. Größte Befürchtung ist eine gesellschaftliche Spaltung der deutschen Gesellschaft: Laut Generalsekretärin der CDU drohe die Klimaschutzpolitik die Gesellschaft ähnlich zu spalten wie die Flüchtlingspolitik berichtet die Süddeutsche Zeitung am 8.6.2019.

Beirat „Sustainable Finance“ der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat am 6.6.2019 einen Beirat für „Sustainable Finance“ eingesetzt. Der Beirat soll die Bundesregierung bei der Ausarbeitung und Umsetzung ihrer Sustainable Finance-Strategie beraten, bestehende Expertise bündeln und den Dialog zwischen den relevanten Akteuren fördern. Unter Sustainable Finance (nachhaltige Finanzen) versteht die Bundesregierung die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei Entscheidungen der Finanzmarktakteure. Das Gremium setzt sich zusammen aus Vertreter/-innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft sowie verschiedener Bundesressorts. (Pressemitteilung Bundesfinanzministerium 6.6.2019).

Für den Beirat wurden insgesamt 37 Mitglieder sowie 11 Beobachter benannt: Sustainable Finance-Beirat.

Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2019

Am 3.6.2019 veröffentlichte das Forum Nachhaltige Geldanlagen seinen Marktbericht 2019. Erneut wurde für verantwortungsbewusste und nachhaltige Anlageformen in Deutschland ein deutliches Wachstum von 28% bzw. um € 48 Mrd. auf € 219 berichtet. Bei nachhaltigen Investmentfonds und Mandaten war der Zuwachs mit 45% sogar noch ausgeprägter.

Für 2019 werden von den Marktteilnehmern weitere deutliche Wachstumsraten erwartet. 27 von 54 Befragten gehen von einem Wachstum bis zu 15% aus. 23 erwarten Zuwächse im Bereich von 15 bis 30%, 4 sogar darüber. Einzelheiten zu den einzelnen Marktsegmenten im FNG – Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2019.

Der Marktbericht gibt schon zu Beginn einen Ausblick auf die weitere qualitative Entwicklung des Marktes: Auch das FNG erwartet eine verstärkte Hinwendung zu wirkungsorientierten Anlagen, weg von rückblickenden ESG-Kriterien. Hierzu die Zusammenfassung im Bericht auf S. 4

Zur zukünftigen Entwicklung des Marktes für verantwortliche
Investments und Nachhaltige Geldanlagen
1. Spätestens seit dem Erscheinen des EU-Aktionsplans im März 2018 zeichnet sich der Markt für verantwortliche Investments und Nachhaltige Geldanlagen durch eine bis dahin nicht gekannte Dynamik aus.
2. Die verpflichtende Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenz in der Anlageberatung wird großen Einfluss auf die Entwicklung des Marktes für Nachhaltige Geldanlagen haben.
3. Derzeit spricht einiges dafür, dass die Frage nach der Wirkungsorientierung von Investments zu einer nächsten Entwicklungsstufe Nachhaltiger Geldanlagen führen wird.
4. Durch die Transparenzanforderungen für Asset Manager und Asset Owner wird ESG-Integration ein inhaltlicher Treiber für die qualitative Weiterentwicklung des Marktes für Nachhaltige Geldanlagen.

Vom (Un-)Sinn quantitativer Nachhaltigkeitsratings

Manche Meldung samt beigefügtem Link erweist sich bei näherer Betrachtung als wahre Schimäre oder besser: Ausgemachte Meldungsente. So z.B. die in den „Broker-News“ von https://www.brokervergleich.de/ am 11.6.2019 enthaltene nachstehende Meldung:

Unternehmen berichten nur spärlich über ihre Nachhaltigkeit

Die Nachhaltigkeitsberichte deutscher Unternehmen sind oft voller Worthülsen und schwer zu vergleichen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die 131 Unternehmen aus den Deutschen Aktien Indizes untersucht hat. Einheitliche Standards sind dringend nötig.

…erfahren Sie mehr

Der Link führt zu einer Wiedergabe einer Studie der cometis AG , Wiesbaden, bei Investmentsparen.net, der bereits viele kritische Bemerkungen zur aktuellen Berichterstattung enthält. Von dort aus führt ein Link zum Original der Pressemitteilung der cometis AG vom 27.5.2019, die selbst die eigenen Erhebungen in der Studie kritisch beleuchtet:

„Die Unternehmen der verschiedenen DAX-Segmente hat cometis hinsichtlich des Umfangs der bereitgestellten Informationen durchleuchtet. Für qualitative Aussagen vergab cometis lediglich 1 Punkt und für quantifizierte Angaben jeweils 2 Punkte. Bei der Untersuchung blieb die Aussagekraft der bereitgestellten Informationen allerdings unberücksichtigt. So erhielt der Nachhaltigkeitsbericht von Adidas zwar lediglich 66 Punkte. „Aber Adidas überzeugt mit klaren Nachhaltigkeitszielen. Zudem kommuniziert das Unternehmen die festgestellten Verstöße gegen die Compliance in außergewöhnlich transparenter Form,“…

Insofern relativieren sich natürlich die 450 Punkte des vermeintlichen „CSR-Berichtschampions“ im Dax30 ebenso wir die mageren 44/45 Punkte der Unternehmen mit den „spärlichsten CSR-Informationen.  Zur Einordnung der 45 Punkte nach eigener Anschauung sei ein Blick in den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2018 der Allianz SE empfohlen (EN): Shaping our Sustainable Future.

Während die Unsinnigkeit einer simplen „Indikatorenzählerei“ bzw. -bepunktung relativ leicht nachvollziehbar erscheint, wird dies bei bei höher verdichteten Kennzahlen wie „ESG-Scores“ schon schwerer verdaulich. Trotzdem gibt es hierzu klare Aussagen:

„Es zeigt aber in aller Deutlichkeit, dass ein reiner ESG-Portfolio-Score zwar einfach und daher verführerisch erscheint, aber letzten Endes keinen Sinn macht.“

schreibt Roland Kölsch, Geschäftsführer der Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH, die das FNG-Siegel betreut, in einer Mail vom 14.5.2019. Beigefügt ist eine interessante empirische Auswertung unterschiedlicher Ratingansätze (hier MSCI versus Sustainalytics): Man numeric – ESG Data: Building a solid Foundation, March 2019.

Der Mail enthält die folgende Grafik aus der lediglich fünf Seiten umfassenden, aber äußerst aussagefähigen Studie (S. 3, erste Spalte oben):

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Die Grafik zeigt eindrucksvoll, dass die numerischen summarischen Nachhaltigkeitsratings der Anbieter MSCI und Sustainalytics (ESG Composite) zwar stabil, aber mit etwa 0,5 nicht besonders hoch korreliert sind. Dagegen fallen die Wertungen in den Teilbereichen Umwelt (Env. Composite), Soziales (Soc. Composite) und Unternehmensführung (Gov. Composite) deutlich auseinander. Dies ist angesichts der deutlich abweichenden Methodik kaum verwunderlich:

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Vor diesem Hintergrund scheint die Schlussfolgerung der Studie logisch:

„The result is a principles-based approach that aims to identify companies making thoughtful long-term decisions. We believe that companies that take a long-term view towards being good stewards will ultimately be the ones that succeed.“

Consorsbank mit Aktion zur Nachhaltigkeitswoche

Nachhaltigkeitswoche: Sie legen an, wir spenden

Guten Tag,

anlässlich der Europäischen Nachhaltigkeitswoche machen wir Ihnen ein besonderes Angebot: Investieren Sie mit dem Parvest Aqua in effiziente Lösungen für sauberes Wasser. Wir geben Ihnen 100 Prozent Discount auf den Ausgabeaufschlag. Zusätzlich spenden wir 10 Euro je Investor an die gemeinnützige Umweltorganisation „One Earth – One Ocean“.

Jetzt investieren: Link Aktion Consorsbank

Viele Grüße aus Nürnberg

Grundsätzlich ein weiteres Indiz, wie viel mehr Aufmerksamkeit Nachhaltigkeit auch bei eher „konventionellen“ Banken gewonnen hat.

DKB Bank – Fondspalette auf Nachhaltigkeit

Am 3.6.2019 kündigte die DKB Bank mit ihrem Fondspartner BayernInvest eine Umstellung der Fondspalette an. Unter der Überschrift „Nachhaltigkeitsfonds setzen auf Klimaschutz, SDG-Ziele oder ESG-Vorreiter“ wird das zukünftige Fondsangebot in einer Pressemitteilung beschrieben:

  • DKB Nachhaltigkeitsfonds Klimaschutz
  • DKB Nachhaltigkeitsfonds SDG
  • DKB Nachhaltigkeitsfonds Europa

Bei den Fonds werden sowohl thematische Anknüpfungen als auch ESG-Kriterien genutzt. Teilweise handelt es sich um die Verschmelzung bestehender kleinerer Fonds mit einer verstärkten thematischen Ausrichtung. Dies erklärt u.a., warum unter dem Link zu den Portfolioinformationen de DKB Nachhaltigkeitsfonds Klimaschutz Informationen zum DKB Pharma Fonds – ANL EUR DIS (Stand: 12.6.19) hinterlegt sind. Leider besteht aktuell keine hinreichende Transparenz über die Portfolien und die verfolgten Anlagekonzepte. Sie werden etwas ungenau beschrieben.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die von der Triodos Bank Deutschland geführte Liste #nachhaltige100 umfasst 100 Auftritte in sozialen Medien mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Investabel® rückte bei insgesamt wenig Bewegung in der Rangfolge im Mai um ganze 15 Plätze von Rang 72 auf 57: https://diefarbedesgeldes.de/nachhaltige100/.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

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