Robo-Advice – Viel Bewegung im Markt

Englisch abstract:

Robo-Advice seems to become adult rather sooner than later. In September, the third biggest bank in terms of clients (8m, €150m AuA), ING-Diba teamed up with the European market leader Scalable Capital. Within the first 10 weeks 7.000 clients moved about € 150m into Robo-Advice. This thus started the utmost likely market consolidation the tiny, but already crowded German market. (For more refer to: Robo-Advise in Germany)

Nach der Ankündigung der Zusammenarbeit von ING-DiBa mit Scalable Capital im September war es ist naheliegend, von einer baldigen Konsolidierung im Markt für den Onlinevertrieb von Vermögensverwaltung bzw. Anlageberatung (Robo-Advice) auszugehen: Viele Anbieter, kleine Volumina und die Mehrheit der großen Finanzgruppen noch gar nicht richtig am Start. Nach acht Wochen wurden erste Zahlen zur Kundenakzeptanz bei der ING-DiBa vorgelegt: Rund 7.000 Kunden haben € 150 Mio. zu Scalable verlagert. Interessant sind dabei auch einige Details sowie weitere Nachrichten aus dem Markt.

Quelle Beitragsbild (nach heutigem Stand unvollständig): http://www.brokervergleich.de/

17. November 2017

Dr. Ralf Breuer

 

ING-DiBa und Scalable Capital mit Zahlen zur Kooperation

ING Groep und ING-Diba gaben am 14.9.2017 in einer Presseerklärung die Zusammenarbeit mit dem größten europäischen Anbieter für Robo-Advice Scaleable Capital im deutschen Markt bekannt. Das Angebot stand den ING-DiBa-Kunden ab dem 15. September 2017 zur Verfügung.

ING-DiBa stellt den rund 8 Mio. Kunden mit € 150 Mrd. administrierten Anlagen (Einlagen und Wertpapiere) über Scalable Capital ein reines Onlineangebot bereit. Mindestanlagebetrag ist € 10.000, die Kosten schätzt die Bank auf 0,75% des im Jahresdurchschnitt verwalteten Vermögens zzgl. durchschnittlich 0,25% für die investierten ETF. Der Zeitaufwand für die Kunden soll für den Abschluss bei etwa 15 Minuten liegen.

Kooperation mit kraftvollem Antritt

ING-DiBa und Scalable Capital gaben am 9.11.2017 erste Zahlen zum bisherigen Verlauf der Kooperation bekannt: 7.000 Kunden haben rund € 150 Mio. auf die Online-Vermögensverwaltung von Scalable Capital verlagert, pro Woche kommen weitere 1.000 Kunden hinzu (vgl. Pressemitteilung von ING-DiBa vom 9.11.2017).

Interessant sind die Details zu den Kunden von Scalable Capital in einer Presseerklärung vom 9.11.2017: Das durchschnittliche Volumen beträgt € 32.000, Sparpläne bei € 400 pro Monat. Das Durchschnittsalter ist auf 50 Jahre gegenüber 42 Jahre vor einem Jahr gestiegen, Männeranteil 80 %, 90% der Kunden sind Akademiker.

Nach der kurzen Zeit konnte Scalable damit seine Kundenzahl auf 15.000 (46,7% ING-DiBa) und das verwaltete Vermögen auf € 500 Mio. steigern

Am Beispiel comdirect wurde mit der Einführung von cominvest deutlich, wie „prominentere“ Anbieter Kundengelder in Richtung Onlineangebote bewegen können. Innerhalb von nur zwei Monaten wurden € 100 Mio. angelegt, im dritten Quartal 2017 kamen weitere € 50 Mio. hinzu (vgl. comdirect Neunmonatsergebnis 2017).

Die meisten großen Finanzgruppen sind noch gar nicht richtig am Start

Bei den anderen Bankengruppen wird VisualVest gerade als „MeinInvest“ (in abgespeckter Form) bei den ersten Genossenschaftsbanken ausgerollt. In der Finanzgruppe der Sparkassen befindet sich bevestor eher noch in der Marktvorbereitung. Das von der Deutsche Asset Management (DeAM) konzipierte Produkt wird derzeit nur über die Basler Versicherungsgruppe als Baloise MONVISO vermarktet.

Deutscher Markt zersplittert, Angebot wächst trotzdem

Insgesamt ist der deutsche Markt sehr zersplittert wie im Beitrag Robo-Advisor – (K)eine Innovation aufgezeigt. Trotzdem kommen weitere Angebote an den Markt.

Mit einer Pressemitteilung von M.M. Warburg & Co am 13.10.2017 ging der Warburg NAVIGATOR an den Start. Er richtet sich an Kunden mit einer Mindestanlage € 20.000 und bietet eine Vermögensverwaltung zur Inklusivgebühr (All-in-Fee) von 1,2% p.a.: „Der Anlagebetrag wird in ein breit diversifiziertes, im Wesentlichen aus ETFs bestehendes Portfolio investiert, bei Bedarf werden nach intensiver Prüfung selektierte, aktiv gemanagte Fonds ergänzt. Die Einhaltung der Risikovorgaben der Kunden wird laufend überwacht. Wenn die Situation es erfordert, wird das Portfolio angepasst.“

Verschiedene Presseartikel vermelden heute den Start eines weiteren Angebots. Heinz-Roger Dohms berichtet am 17.11.2017 im Newsletter auf finanz-szene.de: „…Manche Meldungen klingen so schräg, dass man sie am besten betont sachlich behandelt. Also: Kai Diekmann, Ex-Chef der „Bild“, und Lenny Fischer, Ex-Chef von Dresdner Kleinwort Benson Wasserstein Perella Goldman Stanley, wollen zusammen einen digitalen Vermögensverwalter gründen, der als „Zukunftsfonds“ die Sparprobleme des deutschen Michel lösen und alsbald auf ein Volumen von 20 Mrd. Euro kommen soll (zum Vergleich: der momentan größte deutsche Mischfonds ist der von Union und bringt laut HB zurzeit knapp 15 Mrd. Euro auf die Waage). „Genial, größenwahnsinnig oder Midlife-Crisis?“, fragt bei Twitter der geschätzte Vizechef des „Manager Magazins“, das die Geschichte gestern in Umlauf brachte. Wir entscheiden uns für Antwort 3. Manager Magazin.

Weniger schräg, sondern eher naheliegend erscheint das (kolportierte) Konzept von Herrn Diekmann & Co, das Onlineangebot in journalistische Inhalte mit der Blickrichtung auf „Finanzielle Bildung“ einzubetten. Hier wurden gerade im Vorfeld des Weltspartag am 30.10.2017 wieder offenkundige Mängel bei den deutschen Kunden thematisiert, z.B. in der am 25.10. von der ING-DiBa veröffentlichten Studie.

 

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Quelle: ING-DiBa

Der Anbieter ginmon expandiert dagegen nach Presseberichten nach China (z.B. www.fondsprofessionell.de): Danach wird eine Kooperation mit China Everbright mit einem administrierten Vermögen von USD 579 Mrd. angestrebt.

Viel Verwirrung über Onlineangebote, wenig „grün“

Die Diskussionen beim Finanzbarcamp am 10.11.2017 (Kurzbericht: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunzehn) haben viel Verwirrung über den (Un-)Wert der online angeboten Vermögensverwaltung bzw. Anlageberatung offenbart. Hieran haben die Anbieter selbst einen gewissen Anteil. Ein „Selbstversuch“ offenbart schnell gewisse Mängel an Transparenz: Welchen Status hat der Anbieter – Vermittler oder lizensierter Verwalter ? Wie ist der Anlageprozess gestaltet – Mensch oder Maschine ? Wie werden die Renditeprognosen erstellt ? Die meisten Fragen können auch nicht ohne Rückfragen unmittelbar von der Kundenbetreuung beantwortet werden. Da fällt es sicher leichter, sich auf Angebote ohnehin großer und renommierter Dienstleister einzulassen.

Eigentlich erstaunlich, dass nur wenige Anbieter auf Nachhaltigkeit als Trendthema setzen. Zwar betonen einige Anbieter die steigende Bedeutung von Verantwortungsbewußtsein im Sinne von SRI (z.B. growney im Interview bei www.roboadvisor-portal.com, entsprechende Angebote sind aber noch eine Minderheit, z.B. bei investify (Ethisches Investieren) und VisualVest (GreenFolios).

Sicher ist allerdings: Echte Innovationen finden sich in den Angeboten weniger. Es handelt sich vielmehr um die Öffnung bestehender Dienstleistungen für breitere über einen neuen Vertriebskanal. Damit eher eine „Demokratisierung“ von Bankdienstleistungen, die bisher aus Kapazitäts- und Kostengründen nur für vermögendere Kunden reserviert waren. Insofern: Robo-Advisor – (K)eine Innovation.

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunzehn

Beitragsbild: Original Tafelbild: Sabina Kist, KLEINGELDHELDEN, Foto: comdirect

Inhalt: comdirect FINANZbarcamp 2017; Die Grenzen von Blockchain/Bitcoin; …der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

15. November 2017

Dr. Ralf Breuer

comdirect FINANZbarcamp am 10.11.2017

Im Rahmen der FinTech Week Hamburg 2017 lud die comdirect am 10.11.2017 zum FINANZbarcamp zum Thema „Geldanlagen der Zukunft“ ins Hamburger Betahaus ein. Insgesamt 24 Diskussionsrunden  à 45 Minuten streiften fast die ganze Bandbreite von aktuellen Themen in der Finanzwelt: Von der Emotionalität von Anlageentscheidungen bis zu digitaler Vermögensverwaltung, künstlicher Intelligenz und Kryptowährungen. „Investabel®“ war mit dem Thema „Zukunft = digital und nachhaltig(er) – Banken sind keine Insel“ in der Runde.

 

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Fotos: Tobias Baumgarten about#Fintech

Die Ergebnisse der kurzweiligen 45 Minuten mit Mitarbeitern aus der Finanzwirtschaft, Bloggern und Beratern sind im Beitragsbild bzw. nachfolgenden Tafelbild zusammengefasst. Das Bild wurde freundlicherweise von Sabina Kist, KLEINGELDHELDEN während der Sitzung erstellt und als Foto von comdirect zur Verfügung gestellt.

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Die Diskussionsrunde hat als Kerneigenschaften für nachhaltige Geldanlageprodukte vor allem Transparenz und Glaubwürdigkeit herausgestellt. Hieran mangelt es vor allem einer Vielzahl von Fonds, die sich zwar an Nachhaltigkeitskriterien (z. B. Ausschlüsse, ESG, Best-in-class, Wertekataloge etc.) orientieren, jedoch weder für Berater noch für Kunden wirklich nachvollziehbar sind.

Banken ist dazu zu raten, Nachhaltigkeit nicht nur als Konzept, sondern als Haltung zu positionieren. Zudem wirkt „nachhaltig“ ähnlich verschwommen wie „bio“ und bedarf klarer Standards. Dies ist bekanntermaßen auch Teil der Konzepte für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft in Europa. Vgl. Sustainable Finance Gipfel Deutschland und Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?.

Im Anschluss an den kommunikativen Tag mit einem sehr aufgeschlossenen Teilnehmerkreis wurden die Gewinner des diesjährigen comdirect finanzblog award 2017 bekanntgegeben und geehrt. Noch einmal einen herzlichen Glückwunsch an die Preisträger!

Die Fintech Week Hamburg 2018 ist bereits geplant: 15. bis 19. Oktober 2018.

Die Bitcoin grüßt von überall, aber…

Interessenten für Kryptowährungen und den Einsatz von Verfahren auf der Grundlage der Blockchain ist unbedingt der Artikel von Jürgen Siegert (COO von Traxpay) empfohlen: Die „disruptivste“ Zahlmethode… mit der kann man doch eigentlich gar nicht richtig bezahlen.

Kernaussage: „Wie sieht es aber bei diesem neuen, dezentralen, disruptiven und gehypten Bitcoin auf der Blockchain aus? Leider sehr sehr düster im Vergleich! Die Blockgröße von Bitcoin begrenzt die Anzahl der Transaktionen pro Sekunde auf maximal sieben. Realistisch in der Praxis ist eher drei bis vier Transaktionen pro Sekunde. Bitcoin müsste also 64.000 mal schneller werden um “nur” das diesjährige Alipay-Volumen zu verarbeiten. Bei der aktuellen Wachstumsrate von Alipay hieße dies: Kommendes Jahr müsste Bitcoin sogar 128.000 mal schneller sein und dann hat noch kein Europäer oder Amerikaner eine einzige weitere Transaktion verarbeitet.“

Botschaft: Die Abwicklung von Verkaufsrekorden wie bei Alibaba/AliPay am 11.11. sind auf der Grundlage von Blockchains geschwindigkeitsbedingt aktuell schlicht unmöglich. Ähnlich argumentiert Laura Cox auf disruptionhub.com.

…und der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Sehr interessant ist auch eine Präsentation von Benoit Legrand, Global Head of Fintech, CEO ING Ventures bei der ING Group: Innovation for success in the digital age: sharing ING’s experience.

Kernaussage/Schlusssatz letzte Folie: „The main challenge of the digital revolution is not digital … it is human and cultural“.

Übersicht Blogbeiträge

Aktuelles – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtzehn bis Eins

Nummer Achtzehn am 8.11.2017: Global Financial Development Report 2017/2018; UN Environment/World Bank Group – Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP23; Glücksatlas 2017; Consorsbank mit Nachhaltigkeit im Angebot; NRW Pensionsfonds mit nachhaltigen Kriterien

Nummer Siebzehn am 6.11.2017: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtzehn

Grafik: UN environment

Inhalt: Global Financial Development Report 2017/2018; UN Environment/World Bank Group – Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP23; Glücksatlas 2017; Consorsbank mit Nachhaltigkeit im Angebot; NRW Pensionsfonds mit nachhaltigen Kriterien

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

8. November 2017

Dr. Ralf Breuer

Global Financial Development Report 2017/2018

Die Weltbankgruppe veröffentlichte am 7.11.2017 den diesjährigen Global Financial Development Report 2017/2018. Neben den Risiken des globalen Finanzsystems wird u.a. die Mobilisierung von Finanzmitteln für kleine und mittlere Unternehmen, finanzielle Inklusion und die steigende Bedeutung von FinTech thematisiert. Über die Kernbotschaften der Studie gibt die Gruppe hier einen Überblick.

Roadmap for a Sustainable Financial System

UN Environment und Weltbankgruppe stellen auf dem Klimagipfel am 13.11.2017 in einer Studie Wege zu einer nachhaltigeren Finanzwirtschaft vor, die Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP 23. Die Vorschläge sind in den folgenden Übersichten zusammengefasst:

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Quelle: UN environment

Glücksatlas 2017 – Schwerpunktthema Nachhaltigkeit

Nachhaltiges Engagement ist das Schwerpunktthema im diesjährigen Deutsche Post Glücksatlas. Nach der Studie ist die Lebenszufriedenheit in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau. Nachhaltiges Engagement macht hiernach (noch) glücklicher und wäre bei der Geldanlage auch gewünscht und bei entsprechenden Angeboten leicht zu realisieren, wie in Nummer Sechzehn zitierte Studie des NKI – Institut für nachhaltige Kapitalanlagen gezeigt hat.

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Quelle: Deutsche Post Glücksatlas 2017 – Kernbotschaften

Consorsbank platziert Nachhaltigkeit prominent

Die Consorsbank hat in ihrer aktuellen Kundeninformation und auch auf ihrer Zugangsseite Informationen zum Klimagipfel COP23 in Bonn sowie zu nachhaltigen Geldanlagen prominent platziert unter Wissen aktuell. Angeboten werden Fonds der Muttergesellschaft BNP Paribas bzw. dem gruppenzugehörigen Vermögensverwalter BNP Paribas Asset Management.

Angeboten werden zwei Aktienfonds mit den Themen Umwelt bzw. Wasser sowie ein „balanced“ Mischfonds. Consorsbank stellt ganz zutreffend die Aktualität von Nachhaltigkeit als Anlagethema heraus. Im Informationsangebot der Consorsbank findet sich – ebenfalls von BNP Paribas Asset Management – einer der wenigen Rentenfonds auf Klima-und Umweltschutzanleihen (Green Bonds) im Vertrieb für Privatanleger in Deutschland, der Parvest Green Bond Classic, der anlässlich der Nachhaltigkeitswoche im Oktober lanciert wurde (Informationen in Nummer Zwölf).

NRW-Pensionsfonds am FNG-Siegel orientiert

Der aus den Beständen von Versorgungsrücklage und Versorgungsfonds neu geschaffene Pensionsfonds des Landes NRW hat seine Anlagerichtlinien erlassen und richtet sich explizit auf die Nachhaltigkeitsforderungen des FNG-Siegels aus. Der z.Zt. mit € 10,4 Mrd. bestückte Pensionsfonds hat sich bei der Definition von Ausschlusskriterien im vollen Umfang am FNG-Siegel orientiert. In den Anlagerichtlinien ist bestimmt, dass Investitionen in Waffen und Kernenergie wie beim FNG-Siegel ausgeschlossen sind. Auch Verstöße gegen international anerkannte Normen auf den Gebieten Menschenrechte, Arbeitsrechtsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung führen zum Ausschluss aus dem Fonds. Diese Bestimmungen gelten auch für Fonds, in die die Gelder des Pensionsfonds investiert werden. Fonds, die das FNG-Siegel tragen, qualifizieren sich automatisch für den Fonds. Dem NRW-Pensionsfonds werden jedes Jahr mehr als EUR 200 Mio. durch den Landeshaushalt zugeführt. Quelle: Pressemitteilung FNG Siegel – GNG – Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH vom 7.11.2017

 

Übersicht Blogbeiträge

Aktuelles – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Siebzehn bis Eins

Nummer Siebzehn am 6.11.2017: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebzehn

Grafik: ING DiBa

Inhalt: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

6. November 2017

Dr. Ralf Breuer

Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft ?

Bundesminister Peter Altmaier bezeichnete in einem Interview bei Zeit online Nachhaltigkeit als die verbindende Idee zwischen den Verhandlungspartnern der „Jamaika-Koalition“. Zwar hatte keine der verhandelnden Parteien eine nachhaltigere Finanzwirtschaft dediziert im Wahlprogramm (vgl. Nummer Fünf vom 12.9.2017), vor dem Hintergrund der starken Sachzwänge insbesondere die Eindämmung des Klimawandels erscheint aber eine Aufnahme in das Arbeitsprogramm einer neuen Regierung sehr naheliegend.

Die Passage aus dem Interview bei Zeit online im Wortlaut:

ZEIT: Sehen Sie eine gemeinsame Idee, eine Überschrift für Jamaika?

Altmaier: Auch wenn man diese Konstellation ideologisch nicht überhöhen sollte, gibt es etwas, was uns alle verbindet: die Idee der Nachhaltigkeit. Wenn man ein nachhaltig hohes Wachstum will, muss man für nachhaltige ökologische Rahmenbedingungen sorgen. Umgekehrt kenne ich kein Land, das beim Thema Umwelt vorne liegt, aber wirtschaftlich schwach ist – ganz einfach, weil der Umweltschutz Geld kostet.

McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal

In einem gemeinsamen Artikel von McKinsey-Mitarbeitern aus Boston, Paris und Stockholm wird Nachhaltigkeit als neue Normalität bei institutionellen Investoren beschrieben. S. Bernow/B. Klempner/Clarisse Magnin: From ‚why! to ‚why not‘: Sustainable Investments as the new normal. Gemeint ist hierbei eher „verantwortungsbewußt“ im Sinne von Ausschluss- und Negativkriterien sowie die Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und Unternehmungsführungsfaktoren (ESG). Auch wird die Orientierung an den 17 nachhaltigen globalen Entwicklungszielen kurz angerissen, da sich an ihnen positive Wirkungen festmachen lassen.

Französische Banken: Green Supporting Factor

Der französische Bankenverband FBF – Fédération Bancaire Francaise hat mit dem „Green Supporting Factor“ einen Vorschlag zur Unterstützung der Finanzierung der Energiewende vorgelegt: How to successfully finance the Energy Transition. Der Vorschlag beinhaltet:

  1. Eine Kapitalentlastung für Klimafinanzierungen
  2. Zertifizierung von Projekten/Aktivpositionen
  3. Berücksichtigung aller Projekte, unabhängig vom Status als Privatperson, Unternehmen oder öffentliche Institution

Insgesamt ein sehr „schlanker“ und einleuchtender Vorschlag, der sehr im Sinne der europäischen Bestrebungen für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft wäre.

FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen

Eine wahre Fundgrube aktueller Entwicklungen im Finanzsektor ist das Internetangebot der spanischen Großbank BBVA mit dem von ihr seid 2009 ausgeschriebenen Open Talent Award. Neben den Preiskategorien „Identität“, „Künstliche Intelligenz“, „FinTech für Unternehmen“, „Global Trends“ und „Regional“ werden zusätzliche Sonderpreise für „Financial Inclusion“, „Women in FinTech“ sowie „2 Tickets for Pioneers 18“ ausgeschrieben.

Die Grenzen zwischen den verschiedenen Kategorien sind dabei eher weniger scharf gesetzt. Preisträger für „Financial Inclusion“ 2017 ist der mexikanische Anbieter ePesos, der Geschäftskunden direkte Zahlungen via Facebook, Mobilfunk oder Email ermöglicht.  Finanziert wird ePesos unter anderem von dem mit USD 200 Mio. ausgestatteten Fond „Santander InnoVentures“. Auch der Regionalpreisträger Pago46 aus Chile bietet Zahlungen für Menschen ohne Kontoverbindung.

Viele Teilnehmer des Wettbewerbs bedienen auch Elemente der finanziellen Bildung, die nicht nur in Schwellenländern eine größere Bedeutung hat. So richtet sich das für Mexiko ausgezeichnete Projekt akiba – Caja de Empleados auf die Ersparnisbildung von Berufstätigen.

Globales Dauerthema Finanzbildung

Im Vorfeld des Weltspartages am 30.10.2017 wurden die Meldungen zum Thema „Finanzbildung“ immer zahlreicher und nicht nur für Entwicklungs- und Schwellenländer. Auch für Westeuropa einschließlich Deutschland bestehen deutliche Mängel. Sowohl bei den Privatkunden (vgl. ING DiBa Research vom 25.10.2017 und Beitragsbild) als auch den Beratern in der Finanzwirtschaft werden deutliche Defizite beklagt (vgl. Nummer Sechzehn).

 

Übersicht Blogbeiträge

Aktuelles – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechzehn bis Eins

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Die FinTech-Welt ist (k)eine Scheibe!

Quelle/source Grafik: Santander

English abstract: The World of FinTech is (not) a Slice! Many FinTech views suggest a perspective on a slice: Based on technology something is offered to businesses or consumers via internet and/or mobile devices. FinTech are rarely analysed with regard to their business cases and likelihood for success. Thus, some survived  even ten years of loss-making despite lacking business case,  many didn’t make it to critical mass/break-even despite convincing technological and commercial concepts. This articles tries to shade some additional light.

Die Sicht auf FinTech erscheint in vielen Medien stark vereinfacht: Technologische Basis, Vertrieb über Internet bzw. mobile Medien. Die Geschäftsmodelle und ihre Erfolgswahrscheinlichkeit werden dabei seltener beleuchtet. Dieser Beitrag folgt einer etwas anderen Systematik, die sich stärker an den Geschäftszwecken orientiert.

2. November 2017

Dr. Ralf Breuer

Die Welt der FinTech als Scheibe

Beschreibungen der FinTech-Welt lesen sich manchmal einfach: Basis Technologie, Vertrieb Internet, B2C, B2B, B2B(2C), P2P. Dabei werden noch einige wenige Subkategorien unterschieden: Investment, Finanzierung, Immobilien, Versicherungslösungen (InsurTech – Insurance Technology), Zahlungsverkehr (Payments). So auch die Profilierung in der Studie von comdirect, der die nachfolgende Übersicht entnommen ist. Hinzu kommen noch Lösungen für Compliance und Regulierung (RegTech – Regulatory Technology) bzw. von den Aufsichtsbehörden entwickelte Anwendungen (SupTech – Supervisory Technology).

2017-10-26 FinTech Comdirect

Damit erschließen sich zwar grob die Blickrichtungen, aber keinesfalls die Motivation für die Entwicklung weiterer Lösungen.

GAFA+ helfen zu verstehen

Die Finanzdienstleistungsangebote der großen Technologiekonzerne haben es in eine eigene Liga der FinTech geschafft. GAFA steht für Google, Apple, Facebook und Amazon. GAFA+ soll andeuten, dass dabei mindestens zwei wichtige Anbieter fehlen: PayPal und Alipay bzw. Ant Financial aus dem chinesischen Alibaba-Konzern.

Die GAFA+ sind nicht auf dem Weg, die Banken zu ersetzen, wohl aber die finanziellen Bedürfnisse ihrer Nutzerbasen zu befriedigen. Dies zeigt insbesondere AliPay mit Angeboten für chinesische Touristen im Ausland, die von den europäischen bzw. us-amerikanischen Banken nicht vorgehalten werden. Mehr hierzu in Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Dreizehn

Welche FinTech braucht die Welt?

Die Erfolgswahrscheinlichkeit von FinTech war bereits einmal Gegenstand eines früheren Beitrags: Erfolgsgrundlagen für FinTech. Die Kernthese besteht darin, „wirkliche Probleme zu lösen“, im Wesentlichen un(ter)versorgte Kundenbedürfnisse zu bedienen. Dies ist aber bei vielen Angeboten nicht der Fall. Sie sind eher auf die Nutzung von bestehenden Angebotsdefiziten gerichtet, z.B. exzessive Margen im privaten internationalen Zahlungsverkehr, den etwa die deutschen Banken fokussierten, sehr profitablen Nischenanbietern wie Western Union überlassen haben.

Grundsätzlich gilt aber für FinTech – Neue Medien, alte Regeln. Neue Banken entstanden überwiegend aus Lücken in bestehenden Angeboten.

Ein Blick nach Afrika vereinfacht die Sicht: Dort haben weite Teile der Bevölkerung noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen, FinTech überbrücken das Fehlen physischer Infrastruktur und zielen auf Einbeziehung von mehr Menschen in den Markt für Finanzdienstleistungen, finanzielle Inklusion. (Die historisch bekanntermaßen die Gründung von Genossenschafts- und Postbanken sowie Sparkassen motivierte).

Untervorsorgung von Kundenbedürfnissen ist in den Teilen des Angebots zu beobachten, die aus Kostengründen nur für bestimmte, vermögendere Kundenkreise reserviert wurden, z.B. in der Vermögensverwaltung. Hierbei handelt es sich also vorrangig um die Beseitigung von Diskriminierung oder „Demokratisierung von bestehenden Leistungsangeboten“. Dies ist insbesondere bei internetbasierten Angeboten im Wertpapiergeschäft, z.B. in der Vermögensverwaltung durch einen Robo-Advisor der Fall (vgl. auch Robo-Advisor – (K)eine Innovation).

In Deutschland ist eine weitreichende Untervorsorgung von nachhaltigen und alternativen Geldanlagen durch weite Teile der Kreditwirtschaft zu beobachten. Dies belegt auch die jüngste Studie des Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen: Während 40% der Privatanleger nachhaltige Geldanlagen wünschen, haben sie nur 4,8% auch realisiert. Dies ist einem Mangel an Produktangeboten und fehlender Beraterqualifikation geschuldet. Vor diesem Hintergrund erklärt sich zumindest teilweise die beachtliche Zahl von Angeboten zur Schwarmfinanzierung (Crowdfunding) im deutschsprachigen Raum: Das Informationsportal www.crowdfunding.de führt derzeit mehr als 100 Angebote für Deutschland, Österreich und die Schweiz auf seiner Liste.

Die Praxis ignoriert Zusammenhänge

Offenbar werden in der Praxis bestehende Zusammenhänge dadurch systematisch ignoriert, dass die bestehenden Herausforderungen des Umfelds nicht zusammenhängend, sondern isoliert bearbeitet werden. Anders sind Beiträge wie der von Eric Salzmann am 1. November 2017 mit dem Titel Digitaler Wandel in der Bank: Einfacher als gedacht nicht zu erklären. Vielmehr gilt, dass Digitalisierung, Regulierung und auch das Thema Nachhaltigkeit viele inhaltliche Verbindungen aufweisen und deshalb auch verbunden bearbeitet werden müssen. Mehr hierzu: Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit mit engen Verbindungen.

Angriff ist kein Selbstzweck

Die Entstehung von neuen Kundenangeboten und mögliche Angriffe auf bestehende Angebote ist kein Selbstzweck, sondern folgt altbekannten Regeln, Lücken im Marktangebot oder exzessive Margen. Ein erheblicher Anteil der FinTech ist eher als Serviceangebot und Ersatz technischer Infrastruktur zu verstehen.

Einen erfrischenden Blick bietet die Liste der 10 Preisträger des diesjährigen Preisträger für Innovationen im Privatkundengeschäft im efma-Accenture Banking Innovation award program: Bei neun der zehn prämierten Ideen ist ihr praktischer Wert aus der kurzen Beschreibung leicht nachvollziehbar. Gedanken zu Nr. 10 gerne auf Nachfrage hier: Kontakt/Contact.

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechzehn

Grafik: BNP Paribas Asia Pacific

Inhalt: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

27. Oktober 2017

Dr. Ralf Breuer

Sustainable Finance Gipfel 23.10.2017 Frankfurt/Main

Der „Hub for Sustainable Finance Germany (H4SF)“ lud für den 23.10.2017 zum „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ in Frankfurt ein. Die Veranstaltung mit einem dichten Programm war mit mehr als 150 Anwesenden und weiteren 80 Beobachtern in einem Livestream sehr gut besucht. Ein Videomitschnitt ist über den obigen Link verfügbar. – Die Veranstaltung ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer Nachhaltige(re)n Finanzwirtschaft in Deutschland. Nachfolgend einige (subjektive) Eindrücke von der Veranstaltung. Nähere Eindrücke im Beitrag Sustainable Finance Gipfel Deutschland.

Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz

Der erste Artikel in diesem Blog war dem Thema Geld anlegen und Gutes tun? – Leichter gesagt als getan gewidmet. Spiegel Online berichtet am 27.10.2017 über eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI)Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI): Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht: „Das Interesse von deutschen Anlegern an nachhaltigen Geldanlagen ist nicht gerade gering: Immerhin 40 Prozent aller Privatanleger in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren würden. … Doch für ein solches Investment haben sich bislang nur mickrige 4,8 Prozent der Privatanleger entschieden.“

Die Anleger bemängeln vor allem fehlende Transparenz (40%) und unklare Wirkungen für eine nachhaltigere Entwicklung (35%) sowie höhere Risiken (31%) und unzureichende Beratung durch die Hausbank (22%, Mehrfachnennungen möglich). Leider ist diese Einschätzung sehr gut nachvollziehbar und weist den Weg zu einem größeren Markterfolg nachhaltiger Geldanlagen. Den Bericht bei Spiegel Online finden Sie hier: Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht. Auch die zwölfseitige Studie des NKI ist online verfügbar: Nachhaltige Kapitalanlagen bei Privatanlegern.

Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen

Am 26.10.2017 fanden u.a. in Singapur und Dublin Veranstaltungen zu einer Nachhaltigeren Finanzwirtschaft statt. Das von der französischen Großbank BNP Paribas veranstaltete Sustainable Finance Forum fand bereits zum zweiten Mal und prominenter Besetzung statt.

In Dublin referierte Niall Bohan von der EU-Kommission zu den bisherigen Ergebnissen der von der Kommission mandatierten High-Level Expert Group on Sustainable Finance (HLEG). Der Abschlussbericht der HLEG wird zum Jahresende 2017 vorgelegt. Auf dessen Grundlage wird die EU-Kommission dem EU-Parlament zum Jahresbeginn 2018 Empfehlungen für eine nachhaltigere Gestaltung des europäischen Finanzmarktes unterbreiten.

Börse Johannesburg mit Green Bonds

Am 25.10.2017 eröffnete die Börse Johannesburg (Johannesburg Stock Exchange, JSE) das Segment für Green Bonds. An der Börse ist bereits eine Anleihe Kapstadt mit einem Volumen von rund € 165 Mio. notiert. JSE hat sich auf die international geltenden Standards verpflichtet. In der Presseerklärung beziffert sie das aktuelle Marktvolumen mit USD 895 Mrd.

GAFA+ Alipay(cab) in den USA

Zusammen mit dem Partner Verifone ermöglicht Alipay chinesischen Reisenden zukünftig die Nutzung mobiler Zahlungsdienste bei Taxifahrten in Las Vegas (2.100) und New York (14.000). Der chinesische Zahlungsverkehrsdienstleister folgt somit weiter den Zahlungsströmen der Nutzer im Ausland, u.a. in europäische Geschäfte mit Luxusgütern (vgl. Nummer Dreizehn).

Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren

Das it-finanzmagazin.de berichtet über die Zusammenarbeit des auch in Deutschland tätigen Zahlungsdienst Revolut mit dem Onlineversicherungsdienst simpleinsurance. Revolut-Kunden können zukünftig online (innerhalb von 30 Sekunden) eine von der Allianz gedeckte weitreichende Versicherung ihrer Smartphones abschliessen. Revolut ist vor allem auf Vielreisende fokussiert und bietet den günstigen Transfer zwischen z.Zt. 25 Währungen an. Einzelheiten zum Angebot für € 1,– pro Woche auf der deutschen Angebotsseite von Revolut.

Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Roboadvisor trifft finanzielle Bildung: Stash ist ein Anbieter von Bank- und Anlagedienstleistungen ab USD 5,00 auf der Basis von Smartphones. Der Anleger kann nicht nur, er soll thematisch nach seinen Vorlieben und Überzeugungen investieren. Hierfür stehen 30 ETF zur Verfügung, die unter flotten Bezeichnungen wie z.B. „The Activist – Green and Clean“ oder „The Techie – American Innovators“ nach drei Risikoneigungen (konservativ/modarat/agressiv) investiert. Hierfür steht mit Auto Stash ein Programm zur Verfügung. Damit ist Stash auch Roboadvisor.

Besonders herausgehoben werden edukative Elemente. Stash richtet sich ausdrücklich an Kunden mit wenig oder ohne Wertpapiererfahrung, denen vielfältige Informationsmöglichkeiten und Ratschläge geboten werden. Leider sind einige Dinge nicht ganz transparent, z.B. der Mix in den Risikoklassen. Insgesamt aber sehr flott gemacht und mit aufwändigen Informationen didaktisch aufgebaut. Sicherlich ein gutes Beispiel für „Kundenerlebnis“ in der jungen Zielgruppe.

Übersicht Blogbeiträge

Aktuelles – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Fünfzehn bis Eins

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Sustainable Finance Gipfel Deutschland

Der „Hub for Sustainable Finance Germany (H4SF)“ lud für den 23.10.2017 zum „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ in Frankfurt ein. Die Veranstaltung mit einem dichten Programm war mit mehr als 150 Anwesenden und weiteren 80 Beobachtern in einem Livestream sehr gut besucht. Ein Videomitschnitt ist über den obigen Link verfügbar. – Die Veranstaltung ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer Nachhaltige(re)n Finanzwirtschaft in Deutschland. Nachfolgend einige (subjektive) Eindrücke von der Veranstaltung. Weitere Eindrücke finden sich unter den nachstehenden Links sowie auf Twitter unter #SFGD bzw. #H4SF.

Beitragsbild: Rat für Nachhaltige Entwicklung

24. Oktober 2017, ergänzt 25. Oktober 2017

Dr. Ralf Breuer

Deutschland im Rückstand

Der „Hub for Sustainable Finance“ startet auf der Grundlage einer wenig positiven Diagnose: „Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bei dem Thema “Sustainable Finance” hinterher – so die Diagnose. Ein “Hub for Sustainable Finance” könnte Bewegung in die Entwicklung bringen. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und die Deutsche Börse AG arbeiten seit Sommer 2017 gemeinsam daran, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor zu koordinieren und weiter voranzutreiben.“ (www.nachhaltigkeitsrat.de).

Ein Blick in die Nachbarländer und einige andere europäische Länder bestätigt dies. Einige Informationen am Beispiel Frankreich im Beitrag Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zwölf.

Dichtes Programm

Der Sustainable Finance Gipfel Deutschland hatte eine sehr lange und dichte Agenda, die fast ohne Powerpointfolien in einen offenen Austausch der Anwesenden mündete. In insgesamt sieben Panels und drei Referaten wurden die verschiedenen Problemfelder für ein „Mehr“ an Nachhaltigkeit in der deutschen Finanzwirtschaft beleuchtet.

Die Veranstaltung basierte auf den Thesenpapier des Steuerungskreises: „Thesenpapier:

Die Thesen wurden vom Steuerungskreis des Hub for Sustainable Finance (H4SF) mit dem Ziel entwickelt, die wichtigsten Handlungsfelder zur Umsetzung eines nachhaltigen Finanzsystems zu definieren. Sie speisen sich aus der inhaltlichen Schnittmenge zwischen dem Interimsbericht der High Level Expert Group on Sustainable Finance der EU Kommission, der PRI Roadmap für Deutschland, dem Living Document Sustainable Finance des Rates für Nachhaltige Entwicklung, der Zielsetzung der Accelerating Sustainable Finance Initiative der Deutschen Börse und den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures des Finanzstabilitätsrates. Originalquellen unter folgendem Link

1. Der Politik kommt eine impulssetzende Rolle als Gestalterin zu, die sie bislang noch
nicht ausreichend wahrnimmt.

2. Der Staat muss seine Vorbild- und Lenkungsfunktion zur konkreten Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie voll wahrnehmen.

3. Nachhaltiges Finanzieren erfordert ein neues Verhältnis zwischen Staat und
Finanzwirtschaft, das gesellschaftlichen Zielen und allgemeiner Integrität dient. Dies
verlangt eine strategische Ausrichtung und Steuerung mit Indikatoren und Zielen.

4. Es bedarf derIdentifikation und Entwicklung geeigneterInstrumente, um die
Infrastrukturen der Zukunft zu finanzieren.

5. Das Wissen und die Kompetenzen um treuhänderische Pflichten und die spezifische
Verantwortung in der Finanzwirtschaftist weiterzuentwickeln.

6. Die Finanzwirtschaft in Deutschland sollte einen sichtbaren Beitrag leisten, um die
globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

7. Integriertes Nachhaltigkeitsmanagement sollte selbstverständlicher Bestandteil
unternehmerischen Verhaltens aller Marktakteure sein.

8. Eine gute Berichterstattung ist eine wichtige Grundlage zur Bewertung gesellschaftlicher Beiträge von Wirtschaft und Finanzindustrie. Qualität, Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit der Daten sind deutlich auszubauen.

9. Nachhaltigkeitsaspekte müssen Eingang finden in die Risikokultur der Finanzwirtschaft.

10. Institutionelle Investoren sollten ihren Einfluss als Aktionäre aktiv und
verantwortungsvoll ausüben.

Diese Thesen wurden im Laufe des Tages im wesentlichen bestätigt und bilden die Leitlinien für die weitere Arbeit des H4SF.

Lieber unvollkommen anfangen, als perfekt zögern

Michael Schmidt, Geschäftsführer der Deka und einziges deutsches Mitglied der hochrangigen Expertengruppe der EU-Kommission (High-Level Expert Group on Sustainable Finance, HLEG), leitete das Programm mit einem Zitat von Thomas Alva Edison ein „Es ist besser, unvollkommen anzupacken, als perfekt zu zögern“.

2017-10-24 Apathy

In seinem Grußwort charekterisierte der hessische Staatsminister Tarek Al-Wazir eine nachhaltigere Finanzwirtschaft als „nachhaltig alternativlos“. Dr. Ludger Schuknecht vom Bundesministerium der Finanzen forderte die Finanzwirtschaft auf, in Sachen Nachhaltigkeit nicht nur „Maker und nicht nur Taker“ zu sein.

Der Vorsitzende der HLEG, Christian Thimann, Head of Regulation, Sustainability & Insurance Foresight AXA Group, stellte in seinem Impulsreferat die fünf Kernthemen des Zwischenberichts der HLEG vor, die auch die verschiedenen Akteure und die von Ihnen notwendigen Maßnahmen ansprechen. Dabei sind politische Instanzen ebenso gefordert wie die Akteure an den Finanzmärkten.

In seiner Keynote „Die Rolle von Notenbanken in einem nachhaltigen Finanzsystem“ referierte Vorstandsmitglied Prof. Dr. Joachim Wuermeling den Arbeitsstand bei der Deutschen Bundesbank. Nachhaltigkeit wirkt hier in die verschiedenen Aufgabengebiete Finanzmarkt- und Bankenaufsicht, Geldpolitik und die Fremdportfolioverwaltung hinein.

Prof. Wuermeling schloss seine Ausführungen mit einem klaren Appell: „Meine Damen und Herren, Vernetzung und Reden ist wichtig. Dafür sind wir hier. Das ist die wichtige Aufgabe des Hub for Sustainable Finance. Es ist aber genauso bedeutsam, dass wir morgen in unsere Institutionen und Unternehmen zurückgehen und den Worten Taten folgen lassen. Diese Konferenz kann ein Startpunkt sein. Denn Nachhaltigkeit entsteht nicht nur durch Diskussionen, sondern vor allem durch Handeln.“

Wahrnehmungs-/Bewusstseinschwäche(n) ?

Nur wenige deutsche Kreditinstitute außerhalb der ethisch oder ökologisch geprägten Gruppe stellen die geschäftspolitische Bedeutung von Nachhaltigkeit so stark heraus wie die Kreissparkasse Köln, die mit ihrem Vorstandsmitglied Dr. Klaus Tiedeken im Panel II vertreten war. Auch die Ausführungen von Dr. Henrik Pontzen, Trinkaus & Burkhardt AG, im Panel I ließen erkennen, dass Nachhaltigkeitskriterien als Leitlinien der Unternehmensführung anerkannt werden.

Nachhaltig orientierte Produktangebote sind in Deutschland noch ein Nischenmarkt. Michael Schmidt stellte in seinen abschließenden Bemerkungen vor diesem Hintergrund die Frage in den Raum, ob die deutsche Finanzwirtschaft in Bezug auf nachhaltige Produktangebote einer Wahrnehmungs- oder Bewußtseinsschwäche unterliegt. Da Nachhaltigkeit als geschäftspolitisches Thema im benachbarten Ausland bereits sehr prominent positioniert ist, spricht einiges für diese These.

Leider besteht der ungesunde Eindruck, dass nachhaltige oder ökologische Themen vor allem leicht zu erhöhten Risiken und/oder in die Schmuddelecken der Finanzwirtschaft führen könnten. Über entsprechend schlechte Erfahrungen berichtete auf dem Gipfel auch Prof. Bachmann vom Rat für Nachhaltige Entwicklung. Ein Bericht in ÖKO-Test 4/2017 (S. 128ff., Grüne Geldanlage – Wenig Licht, viel Schatten) stützt eine solche Beobachtung. Alternativ werden Anlagen beschrieben, die aufgrund ihrer mangelnden Transparenz eher zu verwirrenden Ergebnissen führen (ÖKO-Test 10/2017, S. 66ff., Nachhaltige Indizes und Indexfonds – (K)eine bessere Wahl. Die guten Anlagekonzepte bleiben dabei leider im Hintergrund.

Dass die Berücksichtigung von Werten keinesfalls die Rendite schädigen und das Risiko erhöhen muss, ist in Fachkreisen anerkannt. Große professionelle Investoren (wie z.B. Pimco) orientieren sich mittlerweile an den globalen nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) als Richtungswerte bei ihren Anlageentscheidungen.

Versuch einer kurzen Synopse

Das sehr dichte und ausführliche Programm beleuchtete viele Facetten des Themas. Nachstehend die Kernpunkte in einer stark verkürzten persönlichen Sicht:

  • Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden sollten die Finanzwirtschaft zu Nachhaltigkeit motivieren. Hierzu müssen auch Voraussetzungen derart geschaffen werden, dass das Rechnungswesen sich an einem längeren Zeithorizont ausrichtet und längerfristige, weniger liquide Finanzierungen als Beitrag zur Nachhaltigkeit nicht länger durch erhöhte Kapitalanforderungen sanktioniert werden.
  • Unter den genannten Voraussetzungen sollten die Akteure an den Finanzmärkten ihre Geschäftsmodelle längerfristig auslegen und damit zu einer nachhaltigen Stabilität der Finanzmärkte beitragen.
  • Nachhaltigkeit muss insgesamt stärker in den Fokus der Geschäftspolitik rücken. Bislang ist die Thematik eher „beauftragt“ und nur mit knappen Ressourcen ausgestattet. Ist entspricht den Herausforderungen, denen sich die Branche  gegenüber sieht. Vgl. Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit mit engen Verbindungen.
  • Eine gewisse Uneinigkeit besteht in den Kundenwünschen: Fehlt das Produktangebot oder ist die Nachfrage (noch) zu gering. Auch wenn die aktive Kundennachfrage relativ gering ist, so ist die passive Aufnahme sehr positiv. Leider fehlt es aber an Produkten und Beraterwissen. Der gesellschaftliche  Trend zu Nachhaltigkeit ist unbestritten. Eigentlich Grund genug, an passenden Angeboten zu arbeiten. Und es besteht eigentlich hinreichend Eigeninteresse: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0. Die wenigen Angebote in Deutschland sprechen insgesamt für eine Bewusstseinsschwäche in der Finanzwirtschaft.

Offen blieben die nächsten Schritte des H4SF. Konkreter kann es wahrscheinlich auch erst nach einer Regierungsbildung werden, wenn die deutsche Politik wieder handlungsfähig wird.

Links zum Sustainable Finance Gipfel am 23.10.2017 in Frankfurt/Main

Informationen und Agenda zum Sustainable Finance Gipfel Deutschland

Videomitschnitt (9 Stunden!)

Key Note von Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Keynote von Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Vorstandsmitglied Deutsche Bundesbank: „Die Rolle von Notenbanken in einem nachhaltigen Finanzsystem“

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfzehn

Grafik: https://paymentandbanking.com/german-fintech-overview-unbundling-banks/

Inhalt: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. Oktober 2017

Dr. Ralf Breuer

Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech

Drei amerikanische Rechtswissenschaftler haben über das CFA Institute eine knappe, aber erschöpfende Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech mit Ausblicken für die weitere Entwicklung publiziert: FinTech and RegTech in a Nutshell, and the Future in a Sandbox. Die 20 Seiten können hilfreich sein, die aktuellen Entwicklungen einzuordnen.

Die aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland

http://www.paymentandbanking.com macht sich regelmäßig große Mühe mit der Aktualisierung der Übersichten über die deutsche FinTech-Landschaft. Das Beitragsbild hier noch einmal in voller Größe zur Übersichtlichkeit:

2017-10-12 German FinTech

Das Original findet sich auf https://paymentandbanking.com/german-fintech-overview-unbundling-banks/

Bei der Betrachtung der Übersicht fällt auf, dass das Feld Rating/Risk nur dünn besetzt ist. Überhaupt erscheinen Lösungen für Regulierung und Compliance in Deutschland weniger stark vertreten. Tatsächlich ergeben sich aus sogennanten RegTech-Lösungen aber interessante Perspektiven für den Umgang mit dem wandelnden Regulierungsrahmen. Dies haben auch die Aufsichtsbehörden erkannt und arbeiten ebenfalls an technologisch basierten Lösungen, den SupTech (Supervisory Technology). Mehr im am 13.10.2017 erschienenen Beitrag Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit mit engen Verbindungen.

Beim Betrachten der obigen Übersicht und der aktuellen Entwicklungen fällt noch auf: Banken können in ihren Funktionen modular gestaltet werden, nicht aber die Bewältigung der verbundenen realen Umfeldentwicklung. Tatsächlich ist dies aber in Realität der Fall, was der genannte Blogbeitrag thematisiert: Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit weisen viele wechselseitige Beziehungen auf. In der Praxis werden die Themenfelder jedoch in Silos, von oft sehr unterschiedlich orientierten Personen bearbeitet.

FinTech und GAFA – Situation erkannt?

Interessantes Kontrastprogramm: Dr. Holger Schmidt (https://netzoekonom.de/, Ko-Autor von Deutschland 4.0 – Wie die Digitale Transformation gelingt) stellt fest: Digitales Banking: Tech-Giganten sind die wahre Bedrohung (=GAFAs, s.u.). Das www.it-finanzmagazin.de berichtete dagegen über eine weitere Studie: Sparkassen und Genossenschaftsbanken nehmen Fintechs nicht als Bedrohung wahr. Demnach haben bei den regionalen Kreditinstituten Ertragssteigerungen, das Auffangen der aktuellen Niedrigzinsphase und die Bewältigung der regulatorischen Anforderungen höchste Priorität. Allerdings liegen Digitalisierung/Konkurrenz durch FinTech nicht abgeschlagen. Ähnliche Ergebnisse waren bereits in einer anderen Studie berichtet worden: Vgl. Nummer Zwölf.

Es stellt sich die Frage, ob die Antworten eher strategisch waren oder dem tatsächlichen Stimmungsbild entsprechen. Einige Fakten sprechen für mangelndes Problembewußtsein in der deutschen Kreditwirtschaft Weshalb bleiben die offensichtlichen Potentiale nachhaltiger Anlageprodukt ungenutzt ? Weshalb sind die großen Bankengruppen nicht für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft engagiert, obwohl dies ein probater Ansatz für die eigene Überlebensstrategie wäre? Mehr hierzu im Beitrag Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0. und unten zum „Sustainable Finance Gipfel“.

Auch die aktuelle Berichterstattung zu den Aktivitäten von Google & Co (sog. GAFA, vgl. Nummer Zehn) bilden hierzu einen interessanten Kontrast. Die Finanzierungstochter von Alibaba, Ant Financial wurde von einer Jury der Financial Times gerade als Innovativer und wirkungsvoller Kandidat für den „Future of FinTech Award 2017“ nominiert: „The judges: This is clearly one of the most innovative and impactful fintech companies of the moment, changing the landscape completely.“

Das von der Muttergesellschaft geplante Forschungsprogramm mit einem Volumen von USD 15 Mrd. (vgl. Nummer Vierzehn) könnte beitragen, diese Position noch weiter auszubauen. Der renommierte Bankenexperte Chris Skinner hat einen sehr lesenswerten Artikel über die Finanztochter Ant Financial publiziert, der auch eine gewisse Entwarnung beinhaltet: „In conclusion, Ant Financial’s aim is inclusion“. Die gesättigten westlichen Märkte sind eher Randgebiete. Wachstumsfeld sind vor allem un(ter)versorgte Segmente, z.B. in Schwellenländern.

Commerzbank-Analyse „What if the game changes?“

finanz-szene.de zitiert heute eine Studie von Commerzbank Research mit der Frage, was in der Bankenwelt passieren kann. Der Titel der Studie müsste allerdings richtig lauten: What as the game changes? Es ist unbestrittener Konsensus unter Bankexperten, dass sich die Bankenwelt in wesentlichen Zügen ändert. Nicht allein PSD2 motiviert zu offenen Architekturen und eine ganze Reihe von Banken hat sich auch in diese Richtung schon verändert.

Der britische Bankenexperte und Kolumnist Chris Skinner hat die Veränderungen im Beitrag Lego Bank is here, but it’s not built with Lego anschaulich beschrieben: Die alte Bankenwelt als „Spaghetti“ mit verwobenen, teilweise jahrzehntealten (EDV-)Systemen und Prozessen. Die Zukunft erinnert eher an „Lego“ mit der Bank als Plattform, an/auf die interne und externe Leistungen/Systeme aufgesetzt werden.

Viele Banken versuchen allerdings, den Status quo digital nur fortzuschreiben, was nicht möglich erscheint. Die grundlegenden Fehler in der Digitalisierung greifen die Artikel von Jochen Siegert und Miriam Wohlfahrt auf paymentandbanking.com auf.

Scheint tatsächlich noch nicht vollkommen verbreitet: „Many (banking) executives haven’t quite realized how crucial digital is to their institutions and talk about an evolution, when, in reality, what we are facing is a revolution,” warned Chris Skinner, one of fintech’s leading global experts…“ Quelle: The financial services of the future will be open source and real-time

Sustainable Finance Gipfel am 23.10.2017

Quelle für den nachstehenden, kursiv wiedergegebenen Text: Rat für Nachhaltige Entwicklung

Bei dem „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ in Frankfurt kommen Politikvertreter/-innen, Wirtschafts- und Finanzexpert/-innen, Investor/-innen und Wissenschaftler/-innen zusammen. Das Bundesfinanzministerium hat die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir kommt, um ein Grußwort zu halten. Ziel der Veranstaltung ist es, die wichtigsten Aspekte für eine Agenda nachhaltiger Finanzwirtschaft in Deutschland aufzustellen und die Politik darauf aufmerksam zu machen.

Aufgrund des großen Interesses ist die Veranstaltung bereits ausgebucht. Für alle Interessierten steht am 23.10. für die gesamte Dauer der Veranstaltung von 9 bis 18 Uhr ein Livestream auf www.h4sf.de zur Verfügung.

Auffällig ist die Besetzung der hochkarätigen Diskussionsrunden: Die deutsche Kreditwirtschaft ist wenig repräsentiert und eher mit der zweiten oder dritten Ebene. Allerdings fehlen auch diejenigen Banken völlig, die Nachhaltigkeit bzw. Ökologie als Erfolgsrezept erkannt und zum Handlungsprinzip gemacht haben. Neben GLS Bank, Triodos Bank & Co wären u.a. auch Kollegen französischer Großbanken interessant. Fünf der sieben größten Banken in Frankreich haben Nachhaltigkeit eng im geschäftspolitischen Fokus: Mehr in der Nummer Elf.

Emmanuel Macron zu Green Finance

Der französische Präsident hat sich in einem Artikel: Mobilising financing is key to tackling climate change klar für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft in Europa positioniert. Er stellt drei wesentliche Punkte heraus: 1. Berichterstattung 2. Entwicklung von Finanzinstrumenten 3. Verbindung privater und öffentlicher Interessen.

Macron äußert u.a. die Überzeugung, dass die von der EU-Kommission mandatierte hochrangige Expertengruppe HLEG auf europäischer Ebene einen „neuen Impetus“ vermittelt. U.a. wird die Umsetzung der Vorschläge der „TCFD“ (Task Force on climate related financial disclosures) zur Einführung nicht-finanzieller Komponenten wie Klimarisiken befürwortet.

Übersicht Blogbeiträge

Aktuelles – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Fünfzehn bis Eins

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierzehn

Grafik: GOV.UK: The Clean Growth Strategy, S. 14

Inhalt: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

 

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

16. Oktober 2017

Dr. Ralf Breuer

Britische Regierung: Strategie für sauberes Wachstum

Die britische Regierung veröffentlichte am 12.10.2017 ihr Strategiepapier für „Sauberes Wachstum“:  GOV.UK: The Clean Growth Strategy . Nachhaltige Finanzierungsformen werden auf S. 14 als erster Punkt der Vorschläge aufgeführt.

2017-10-12 UK Green Growth

Es soll eine Arbeitsgruppe zu „Green Finance“ eingerichtet werden. Großbritannien sieht sich mit dem Finanzplatz London in einer Führungsrolle. An der Börse sind gemäß S. 48 derzeit 50 Green Bonds mit einem Volumen von USD 14,8 Mrd. notiert. In Luxemburg sind es rund 120 Anleihen im Wert von USD 63 Mrd. (vgl. Nummer Neun). Interessant ist auch die prominente Nennung „grüner“ Immobilienfinanzierung.

Das Regierungspapier ist sicher eine weitere „Pflichtlektüre“ für den in Deutschland startenden „Hub for Sustainable Finance – H4SF (Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neun).

Green Bonds mit starkem Momentum

Aktuelle Marktberichte bestätigen das anhaltend starke Wachstum von Green Bonds. Bemerkenswert war vor allem die Emission der weltweit größten Bank, der chinesischen ICBI mit einem Volumen von USD 2,1 Mrd. Die Anleihe zur Finanzierung klimafreundlicher Infrastruktur wird an der Börse Luxemburg notiert.

Eine Zusammenstellung von Emissionen findet sich bei der Climate Bond Initiative. Während der Marktkonsensus bisher für 2017 von einem Wachstum der Emissionen um etwa 50% auf USD 120 Mrd. ausging, beschreibt eine aktuelle  Studie von Morgan Stanley den Markt als auf dem Weg zu einer weiteren Verdopplung des Emissionsvolumens.

Warburg Navigator live

Mit dem Warburg Navigator ist nun ein weiteres Onlineangebot in der Vermögensverwaltung gestartet. Trotz des noch geringen Marktvolumens ist die Zahl der Anbieter in Deutschland bereits beträchtlich und die großen Finanzgruppen stehen hier erst noch am Anfang. Mehr dazu in den Beiträgen Robo-Advisor – (K)eine Innovation und Robo-Advice – Die Konsolidierung beginnt.

Das Angebot richtet sich an Kunden ab € 20.000 und investiert breit in ETF und aktiv gemanagte Fonds. Auf den Blick ein optisch ansprechendes Angebot mit klaren Informationen zu den Inhalten. Transparenz ist bei Wettbewerbern nicht unbedingt der allererste Eindruck. Im Gegensatz zu einigen (wenigen) Wettbewerbern ist auch bei Warburg keine thematische Ausrichtung z.B. Richtung Nachhaltigkeit und Ökologie möglich. Allein das Weltbild des Anlageausschusses bestimmt die Positionierung.

Der Navigator will den Anspruch „echte Innovation“ gar nicht vertreten. Es handelt sich um ein hybrides System, in dem ein Anlageausschuss seine Erwartungen einbringt. in einem Beitrag auf plus.faz.net bestreitet der Digitalisierungsexperte der Bank ausdrücklich den Vergleich mit „Robo-Advice“. Er sieht das Angebot als führend in der Qualität und begründet damit die vergleichsweise hohe Inklusivprovision von 1,2 %.

Interessantes Detail am Rande: Die Realisierung der Plattform erfolgte durch Elinvar, einem Gemeinschaftsunternehmen von Talanx Asset Management und dem Seriengründer FinLeap.

Alibaba plant USD 15  Mrd. für Forschung

In der Nummer Dreizehn war eine Notiz über die globalen Aktivitäten von Alipay bzw. Ant Financial (Beschreibung in einem Artikel auf www.thebanker.com durch Chris Skinner). Auch diese Unternehmensbereiche werden von den am 11.10.2017 bekannt gegebenen Forschungsaktivitäten erfasst:  Die Muttergesellschaft, der chinesische Online(handels-)konzern Alibaba plant, in den kommenden drei Jahren USD 15 Mrd. für Forschung und Entwicklung zu investieren. Das Programm „Alibaba DAMO Academy“ (Academy for Discovery, Adventure, Momentum and Outlook). Das Programm startet mit einer Zusammenarbeit mit sieben Forschungseinrichtungen in China, Israel, Russland, Singapur und den USA und soll praktisch alle neueren technologischen Entwicklungen erfassen. Weitere Kooperationen sind geplant.

Handelsblatt Business Briefing Nachhaltigkeit

Sehr lesenswert ist wieder die aktuelle Ausgabe des Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments. Frau Bergius widmet sich eingehend den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der UN (sogenannte SDGs, Sustainable Development Goals) als Leitlinien für die Unternehmenspolitik. Tatsächlich wird langfristiger Erfolg mit einer Ausrichtung an den Zielen (einige genügen) deutlich wahrscheinlicher. Diese Empfehlung hatten auch schon einmal die Beiträge Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0 mit einem Zitat von Pimco und Erfolgsgrundlagen für FinTech aufgenommen.

Übersicht Blogbeiträge

Inhalte Nummer Dreizehn bis Eins

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit mit engen Verbindungen

English abstract: Digitization and regulation are top of the (problem) list of the German financial sector, sustainability and sustainable (green) finance are not. In Germany, sustainable finance is still in a niche stadium while filling the niche of the biggest bank’s ATMs in France. Disregarding the strong interdepencies between the three issues, work is organized in silos, mostly by completely differently minded (and educated) people hardly talking to each other. One may easily unbundle a bank, but not it’s problems. But this is what Ger,am banks actually do.

Digitalisierung und Regulierung sind anerkannte Großthemen der deutschen Kreditwirtschaft, Nachhaltigkeit nicht. Die Wechselwirkungen und geschäftspolitisch gleichrangige Bedeutung der drei Themen ist bisher nur in Teilen erkannt, so dass sich die jeweiligen Verantwortlichen in den Kreditinstituten nur selten wirklich begegnen. Tatsächlich sind die Themen sehr viel enger verwoben und müssten deshalb auch intern verbunden bearbeitet werden.

Foto: Ralf Breuer

12. Oktober 2017

Dr. Ralf Breuer

Nachhaltigkeit gegen alle Trends noch Nischenthema

Im deutschen Bankenmarkt erscheint Nachhaltigkeit als Nischenthema bei Banken wie Ethikbank, Evenord Bank, GLS Bank, Triodos Bank, den Kirchenbanken & Co.. In Frankreich füllt der Anspruch auf Nachhaltigkeit bereits die Nische an den Geldautomaten der größten Bank des Landes Crédit Agricole (s. Beitragsfoto). Fünf der sieben größten französischen Banken haben nachhaltige Entwicklung bereits eng im geschäftspolitischen Fokus und die Themenwoche (vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zwölf) war prall gefüllt mit hochkarätigen Veranstaltungen.

Auch in Spanien hat Nachhaltigkeit bereits einen hohen Grad an Aufmerksamkeit erreicht. Bei der Großbank BBVA bestehen zwei Twitterkanäle (@BBVABancaReponsa und @BBVAMomentum), die seit Jahren rege Informationen verbreiten und rund von 8.000 Nutzern verfolgt werden. Das hat manche größere deutsche Bank nicht einmal näherungsweise im „offiziellen“ Kanal. Am Rande: Dem Innovationskanal @BBVAOpenInnovation folgen mehr als 50.000 Nutzer, was bei mancher großer Bank nicht der Fall ist.

Klischee: Die Themenwelt der Banken ist streng geteilt

In der deutschen Kreditwirtschaft wird die reale Welt in unterschiedliche Verantwortungsbereiche mit verschiedenartigen Charakteren aufgeteilt: Die Digitalisierung machen Techniker/Nerds, die Regulierung Juristen/Bürokraten und die Nachhaltigkeit irgendwer – vielleicht ein Philosoph, zumeist eher eine Art „Gutmensch“. Nachhaltigkeit ist überwiegend in Stabs- oder Kommunikationsabteilungen „beauftragt“, nur selten wirklich „Chefsache“. Nur ausnahmsweise dürfte man die drei Bereiche auf Augenhöhe am gleichen Tisch sehen.

Nachhaltigkeit wird gerade Regulierungsthema

Bisher wurde Nachhaltigkeit eher in Hinblick auf die  ab 2017 geltenden (CSR-)Berichtspflicht für Banken ab 500 Mitarbeitern gesehen. In den letzten Wochen haben sich einige prominente Vertreter der Finanzmarktregulierung positioniert: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und die niederländische Zentralbank werden nachhaltige Aspekte in die Regulierung einbringen, z.B. Klimarisiken. Die EU hat hierzu eine Expertenkommission mandatiert, die zum Jahresende einen abschließenden Bericht vorlegt. – Quellen und einige Informationen in Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zwölf und einigen weiteren Beiträgen im Blog).

Regulierung ist bereits Digitalisierungsthema

Das sich die Regulierung mit der Digitalisierung, also den technikbasierten Dienstleistern FinTech beschäftigt wird allgemein wahrgenommen. Nicht aber, dass sich Dienstleister (RegTech) und Regulierer mit der der Digitalisierung von regulatorischen Prozessen (SupTech) beschäftigen.

Nur ein kleinerer Teil der Investitionen in FinTech ist auf neue Marktangebote für Endkunden gerichtet. Ein großer Teil aber auch auf regulatorische Prozesse und Compliance. In den Kategorien „InsurTech“ und „Investment“ ist ein erheblicher Anteil der Geschäftsmodelle auf Regulatorik und Compliance ausgerichtet.

Gemäß Fintech Global werden seit 2014 bei etwa 70 Transaktionen rund USD 600 Mio. in sog. RegTech investiert – jährlich und mit steigender Tendenz. Damit erreicht das Volumen in etwa die für Deutschland in der obigen Darstellung ermittelte Größenordnung für alle FinTech.

RegTech wirken dem entgegen, was die deutsche Kreditwirtschaft so massiv beklagt, nämlich dem stetigen Regulierungsdruck. Zusätzlich helfen die Anwendungen, Prozesse gleichzeitig zu beschleunigen und gegenüber (menschlichen) Risiken abzusichern. Dies haben auch die Regulierungsbehörden erkannt und befassen sich ihrerseits mit technischen Instrumenten für die Anwendung von Regulierung, sogenannten „SupTech“ (von supervisory technology). In Deutschland ist dieser Bereich vergleichsweise schwach vertreten, wie die nachfolgende Übersicht über die Standorte der von FinTech Global erfassten Unternehmungen deutlich macht.

Und nebenbei: Diese Entwicklung hilft auch, aufwendige manuelle Tätigkeiten bis hin zur Prüfung zur reduzieren und damit Freiraum für interessantere Aufgaben zu schaffen. Und RegTech/SupTech bieten die Chance, dass eine in Hinblick auf Nachhaltigkeit „andere“ Regulierung nicht automatisch zu einem „Mehr“ führen muss.

Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein Digitalisierungsthema

Die Mehrzahl der marktorientierten FinTech zielt auf (mehr oder weniger bewusst) un(ter)versorgte Kundengruppen. Selbst in ärmsten Schwellenländern werden elektronische Lösungen auf der Grundlage von Mobilfunknetzen eingeführt. FinTech sind kein Thema allein für das Silicon Valley. Allein für Nigeria wurden 56 neue Anbieter gezählt. Dabei beschränken sich die Entwicklungen nicht nur auf den Zahlungsverkehr, sondern zielen auch auf Versicherungs- und Handelslösungen. Einen aktuellen Überblick über 50 Fintech weltweit findet sich bei Financial IT.

Auch in der entwickelten Welt dominiert mehr eine „Demokratisierung“ von Finanzdienstleistungen als die wirkliche Innovation: So erschließen bspw. „Robo-Advisor“ schlicht Leistungen für neue Kundengruppen.

Fazit

Nachhaltigkeit ist ein geschäftspolitisches Großthema mit starken Trends in Gesellschaft, Politik und Regulierung. Die inhaltliche Verknüpfung mit den Themen Digitalisierung und Regulierung wird in Deutschland vielfach (noch) nicht ganz wahrgenommen. Das benachbarte europäische Ausland ist in dieser Hinsicht teilweise deutlich voraus. Änderungen sollen mit dem Hub for Sustainable Finance (H4SF) angestossen werden, dessen erste größere Veranstaltung am 23. Oktober 2017 in Frankfurt stattfindet.

Und zum guten Schluss: Ein exotisches Beispiel, wie ein Zahlungsdienst nicht nur reales Nutzerverhalten beeinflusst, sondern auch für Verbesserung einer Landschaft sorgt, finden Sie in Green Digital Finance.

Übersicht Blogbeiträge

Aktuelles – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierzehn bis Eins

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Dreizehn

Grafik: Tobias Baumgarten (aboutfintech.de)

Inhalt: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

11. Oktober 2017

Dr. Ralf Breuer

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

FNG: Neuer Leitfaden nachhaltige Geldanlagen

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) hat einen neuen Leitfaden für institutionelle Investoren publiziert: Nachhaltige Kapitalanlagen für institutionelle Investoren bietet einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten nachhaltiger Anlagen. Leider kann er aber im Bereich von Wertpapieren nur begrenzte Hilfestellung leisten, was überwiegend in der „Natur der Sache“ liegt. Leider bieten externe Nachhaltigkeitsratings auch nur Orientierung, aber noch keine abschließende Entscheidungshilfe. Mehr hierzu im nächsten Abschnitt und im Beitrag Mehr Transparenz bei Investmentfonds.

ÖKO-TEST mit nachhaltigen Indices und Indexfonds

Auch der kostenpflichtige Artikel Nachhaltige Indexfonds und Indices – (K)eine bessere Wahl im aktuellen Heft 10/2017 (S. 66-75) kommt nur mit Einschränkungen zu einem positiven Ergebnis. Liegt z.T. an den oben zitierten Gründen, in Teilen aber auch an den uneinheitlichen Maßstäben für „nachhaltig“, was auch bei den verschiedenen Ratingagenturen der Fall ist.

Irgendwie wundert sich der Kenntnisreichere etwas, was dieser Test dem Leser am Ende bringen soll:

  1. ÖKO-TEST rät nur zu ETF zu greifen, „…wenn die Auswahlkriterien des Index Ihren Vorstellungen entsprechen. Ansonsten sind erstklassige aktiv gemanagte ÖKO-Fonds im Zweifel die bessere Wahl“.
  2. In diesem Sinne bleibt auch für den Testsieger Deka Oekom Euro Nachhaltigkeit offen, warum er eine gute Wahl sein könnte. Wäre doch mal interessant zu erfahren, dass es sich um 30 Werte aus dem EuroStoxx50 handelt, bei denen Finanzwerte einen Anteil von rund 35% haben. Wer z.B. wenig CO2 möchte, kann leider bei einer solchen Zusammensetzung landen. So dargestellt in dem Beitrag Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig!
  3. Auch nach Ausgabe von € 4,50 am Kiosk bleibt der auf S. 71 versprochene Zugriff auf die detaillierten Testergebnisse und die Liste der fragwürdigen Titel in den Fonds kostenpflichtig.

Damit bleibt eigentlich offen, was sich Leser von einem solchen Test erhoffen. Sie müßten sich schon intensiv mit den Indices bzw. dem Vorgehen der Ratingagenturen beschäftigen um der unter 1. zitierten Empfehlung zu folgen.

Apropos Ratingagenturen: Eher zum Schmunzeln (und deshalb ohne eigene Überschrift) ist der Fall der schweizer Einzelhandelsketten Migros und Coop, die sich gemäß einem Artikel bei Blick www.blick.ch auf der Basis der Bewertung von oekom research beide als „Nachhaltigste Detailhändler der Welt“ bezeichnen dürfen. Grund dafür ist die Vergabe der Ratings in verschiedenen Jahren. Eher eine Realschmonzette mit Peinlichkeitsfaktor. Deshalb nur als Randnotiz.

Alipay weltweit und in Europa

Auf der Übersicht über die sogenannten „GAFA“ (=Google/Apple/Facebook/Amazon & Co) im Titel (mit herzlichem Dank an Tobias Baumgarten, aboutfintech.de) könnte noch Alipay bzw. Ant Financial als Finanzdienstleister des chinesischen Onlinehändlers Alibaba ergänzt werden. In einem Artikel auf www.thebanker.com beschreibt der bekannte Bankenexperte Chris Skinner die Aktivitäten der Unternehmensgruppe im Bereich Finanzdienstleistungen.

Ein Artikel auf www,nationmultimedia.com vom 7.10.17 beschreibt die internationalen Aktivitäten der Gruppe mit weltweit rund 4.500 Vertragspartnern. Ziel ist insbesondere der Einzelhandel mit Luxusgütern, in denen chinesische Kunden ihre Zahlungen auf der Basis optischer (QR-)Codes über  ihre Smartphones durchführen können. Dieses Verfahren ist in Europa bisher weniger verbreitet. Allerdings gibt es bereits einen globalen Standard für die Nutzung von QR-Codes im Zahlungsverkehr.

 

Inhalte Nummer Eins bis Zwölf

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zwölf

9. Oktober 2017

Grafik: BNP Paribas

Inhalt: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Dr. Ralf Breuer

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

EU-Kommission

Die EU-Kommission stellt in ihrem Kommuniqué vom 20. September 2017 Eckpunkte für die europäische Kapitalmarktunion vor. Auf S. 11 stellt sie die Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien in die Bankenaufsicht in Aussicht. Konkrete Vorschläge an das europäische Parlement werden für den Jahresbeginn 2018 avisiert. Offenbar arbeiten die Zentralbanken bereits an der Thematik wie die nachfolgenden Informationen deutlich machen.

Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken

Bundesbank Vorstand Andreas hat in einer vom Handelsblatt zitierten Rede in Singapur zu einer verstärkten Berücksichtigung von Klimarisiken in der Kreditwirtschaft auf: „Wir mögen die Risiken identifiziert haben, aber wir wissen nicht wie gravierend sie sind. Das muss sich ändern“, sagte Dombret. Banken sollten beispielsweise Klimagefahren in ihrem Risikomanagement stärker berücksichtigen – etwa bei der Finanzierung langfristiger Projekte. Die Bankenaufsicht könne zudem dafür sorgen und sicherstellen, dass diese Risiken von den Geldhäusern auch beachtet und ernst genommen würden.“

Niederländische Zentralbank: Klimarisiken berücksichtigen, Nachhaltigkeit ist marktrelevant

In ihrem DNBulletin vom 5. Oktober 2017 geht die Niederländsche Zentralbank (De Nederlansche Bank, DNB) ausführlich auf Nachhaltigkeit im Bankensektor ein. Auf S. 49 ff. stellt sie  auch eine Marktrelevanz fest, dass Kunden z.B. bereit sind, bei nachhaltigen Anlageangeboten Abschläge bei der Einlagenverzinsung zu akzeptieren.

Für das weitere Vorgehen stellt die DNB die Einführung eines „Klima-Stressts“ in Aussicht, wie er derzeit für Sachversicherer durchgeführt wird: „DNB intends to take additional steps to embed climate-related risks more firmly into the supervisory approach.We will incorporate climaterelated risks in our assessment frameworks and address them as well in our interviews with supervised institutions. Also we will continue to work on the implementation and further development of climate stress tests. We are currently conducting a climate-related stress test at non-life insurers and we are working on a stress test for transition risks, focused on the impact of an energy  transition from a macroeconomic and macro-prudential perspective.“ (S. 58)

Im Zuge der Umsetzung der Empfehlungen von TCFD (Task Force on Climate related Financial Disclosures – Arbeitsgruppe zur Berichterstattung von Klimarisiken) werden die Berichtspflichten auf jeden Fall erhöht werden. Die Empfehlungen für die Kreditwirtschaft sind allerdings relativ milde und könnten nach den Aussagen auch schärfer ausfallen.

Auf der Grundlage der vorstehenden Informationen wird eine praktische Umsetzung der Empfehlungen der von der EU mandatierten hochrangigen Expertengruppe (EU High-Level Expert Group on Sustainable Finance) in ihren wesentlichen Faktoren wahrscheinlich. Leider fand der Zwischenbericht in Deutschland nur wenig Beachtung. Mehr hierzu finden Sie in dem Beitrag „Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?“.

Verantwortungsbewusste Finanzwoche in Frankreich

In Frankreich endete am 5.10.2017 die Woche zur verantwortungsbewussten Finanzwirtschaft mit einem gut gefüllten Programm: La Semaine de la Finance Responsable. In Deutschland gibt es keine ähnliche Veranstaltung. Die deutsche Kreditwirtschaft hat sich bei den seit 2015 jährlichen Europäischen Nachhaltigkeitswochen ebenfalls noch nicht engagiert. Es wurden überwiegend Einzelaktivitäten auf lokaler/regionaler Ebene initiiert. Während Nachhaltigkeit in der deutschen Kreditwirtschaft eine Nischenposition darstellt, füllt der Begriff bereits die Nische an der Geldautomaten.

Französische Banken stark nachhaltig engagiert

Die französische Finanzwirtschaft ist bereits deutlich stärker von Überlegungen der Nachhaltigkeit durchdrungen. Crédit Agricole als die mit 52 Mio. kundenstärkste Bankengruppe stellt sich als Bank der nachhaltigen Entwicklung auch in ihrer Außenwerbung am Geldautomaten dar:

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Foto: Ralf Breuer

BNP Paribas hat sich als „Bank for a changing World“ positioniert Die Bank richtete am 4.10.2017 in Paris das Sustainable Future Forum 2017 Forum aus. Verschiedene Internetauftritte bieten eine Fülle von Informationen zum Thema Nachhaltige Finanzwirtschaft. Eine Zusammenstellung redaktioneller Beitrag findet sich in Green finance, the driving force for a new sustainable world. Zitat der Überschrift bei Yann Gérardin, BNP Paribas Head of Corporate and Institutional Banking: „Sustainable finance is an existential question for banks”. Ohne Frage! Nachhaltigkeit im Bankgeschäft als Überlebensstrategie vom 13.7.2017. Bedeutend erscheint, dass das Zitat nicht von einem „Turnschuhbanker“, sondern dem Leiter des Investmentbanking zugeschrieben wird. Chapeau!

Ausführlichere Informationen zum Thema Nachhaltigkeit im  französischen Bankensektor finden Sie in dem Beitrag Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0 vom 5.10.2017. Der Vollständigkeit halber auch ein kritischer Artikel zur Nachhaltigkeit bei BNP Paribas: dereactie.be: Banken konzentrieren sich noch zu wenig auf Klima und Nachhaltigkeit.

BNP Paribas mit Publikumsfonds auf Green Bonds

BNP Paribas Asset Management lancierte am 4.10.2017 den Parvest Green Bond, einen Fonds auf Anleihen mit Klimabezug. Nach Angaben der Presseerklärung (engl.) verwaltet die Gesellschaft derzeit Mittel von € 500 Mio., die in derartigen Anleihen investiert sind. Die Lancierung erfolgte anläßlich des von der Bank im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche ausgerichteten Sustainable Future Forum.

FinTech, RegTech, SupTech und die GAFA(s)

Neue Regulierungsansätze bieten durch den Einsatz von technologiebasierten Systemen (RegTech) Raum für die Minderung der Belastungen bei den Unternehmen. Insofern sollte die Kreditwirtschaft die Chancen nutzen, von vornherein an systemgestützten Lösungen zu arbeiten. Grundsätzlich arbeiten auch die Aufsichtsbehörden an solchen Ansätzen, sogenannte „SupTech“. Neue regulatorische Vorschriften erzwingen zwar Veränderungen, müssen aber nicht zwangsläufig in höheren Belastungen münden.

comdirect veröffentlichte am 6.10.2017 die Ergebnisse der comdirect Fintech-Studie: Das Wachstum hält an. Die Ergebnisse wurden in der nachfolgenden Grafik zusammengestellt:

Nach den Ergebnissen ist die Zahl der Neugründungen bei nur leicht rückläufigen Investitionen deutlich zurückgegangen. Aus dem hohen Anteil der „InsurTech“ und „Investment“ zugerechneten Unternehmen wird deutlich, dass der Schwerpunkt viel stärker auf prozessorientierten Lösungen liegt als vielfach angenommen. Auch die heute vom Bankenverband veröffentlichte Liste von 11 FinTech als außerordentliche Mitglieder bestätigt dies. Bei der Mehrheit der Anbieter handelt es sich um Lösungen für die Infrastruktur und nicht um neue Marktangebote.

Offenbar hat die Branche in diesem Bereich ein Wahrnehmungsproblem, weil bei Umfragen in der Finanzbranche FinTech mehr als Bedrohungspotenzial gesehen werden.

Das Bedrohungspotenzial kommt anscheinend zunächst einmal von innen mit einem Problem der Wahrnehmung der aktuellen Umfeldentwicklungen. Dies zeigt eine Umfrage, die die Beratungsgesellschaft Sopra Steria GmbH im Mai 2017 bei 107  Entscheidern von Banken mit Bilanzsummen über 500 Millionen Euro durchgeführt hat. Ergebnis: Deutsche Banken haben kaum Angst vor GAFA (Google, Apple, Facebook , Amazon & Co., eine Übersicht finden Sie in Nummer Zehn).

FinTech-Experten sehen das ganz anders. Die Integration von Finanzdienstleistungen in Onlinehandel und andere Dienste erodiert tatsächlich den Bankenmarkt und entzieht dem Sektor Geschäftspotenziale. So z.B. auch die globalen Aktivitäten von AliPay aus China: Alipay deal makes shopping easier abroad. Dagegen zielen die Angebote der FinTech vielfach auf un(ter)versorgte Kundenpotenziale, die die Banken oft gar nicht erschließen woll(t)en. Mehr hierzu u.a. im Beitrag FinTech – Neue Medien, alte Regeln.

In eigener Sache…

Investabel wurde für den FinanzblogAward 2017 der comdirect nominiert. Die Abstimmung für den Publikumspreis endete am 4.10.2017. Alle Teilnehmer haben sich über Ihre Stimmen sehr gefreut. Die Gewinner der Jurypreise und der Publikumsabstimmung werden im Rahmen des comdirect FINANZbarcamp am 10.11.2017 in Hamburg bekannt gegeben. Am 11.10.2017 wird eine verkürzte Nominierungsliste der chancenreichen Blogs veröffentlicht. 2016 wurden vier der zehn aufgenommenen Blogs mit Preisen ausgezeichnet.

Inhalte Nummer Eins bis Elf

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0

5. Oktober 2017, aktualisiert 6. Oktober 2017

Grafik: BNP Paribas vom 4.10.2017

Englisch abstract: In comparison to the neighbouring countries the German financial sector is massively lacking activity and engagement for setting sustainability in the core of there business. Instead, the lobbyists keep on mourning with regard the regulatory burdens. However, as the EU-Kommission and as well Deutsche Bundesbank became clear on their willingness to implement a more sustainability-minded regulation it has to change, implying some new and different, but not necessarily additional burdens for the going concern.

In einem Beitrag vom 13. Juli 2017 wurde bereits einmal ein Mehr an Nachhaltigkeit als geeigneter Weg zur Sicherung der Existenz von Kreditinstituten beleuchtet. Im Gegensatz zur Finanzwirtschaft in den meisten unmittelbaren Nachbarländern bleibt die deutsche Finanzwirtschaft sehr zurückhaltend. Unverständlich vor allem auch im Vergleich zum Ausland, wie das Beispiel Frankreich zeigt.

EU-Kommission will Nachhaltigkeit in der Regulierung

Der im Juli vorgelegte Zwischenbericht der „High Level Expert Group“ (HLEG) fand in Deutschland nur eine schwache Resonanz. Während die Präsentationen des Berichts in Brüssel (500 Teilnehmer) und London (100) sehr gut besucht wirkten, blieb die Mehrheit der deutschen Kreditwirtschaft abwesend.

Die von der gemeinsamen Interessenvertretung der fünf Spitzenverbände Deutsche Kreditwirtschaft verfasste Presseerklärung vom 18. Juli 2017 zum Zwischenbericht lässt eine inhaltliche Würdigung der Vorschläge weitgehend vermissen. Vielmehr beschränkt sich der Inhalt auf die altbekannte Mahnung vor weiteren regulatorischen Belastungen. Auch dies geht am Thema vorbei: In Hinblick auf Nachhaltigkeit zu regulieren heisst nicht notwendigerweise „mehr“, aber auf jeden Fall „anders“. Diese Absicht besteht und wird auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit umgesetzt, wie die EU-Kommission in ihrem Kommuniqué vom 20.9.2017 auf S. 11 deutlich macht. Konkrete Umsetzungsvorschläge sollen zu Beginn des Jahres 2018 vorgelegt werden.

Klimarisiken sollen stärker berücksichtigt werden

Bundesbank Vorstand Andreas hat in einer vom Handelsblatt am 2.10.17 zitierten Rede in Singapur zu einer verstärkten Berücksichtigung von Klimarisiken in der Kreditwirtschaft auf: „Wir mögen die Risiken identifiziert haben, aber wir wissen nicht wie gravierend sie sind. Das muss sich ändern“, sagte Dombret. Banken sollten beispielsweise Klimagefahren in ihrem Risikomanagement stärker berücksichtigen – etwa bei der Finanzierung langfristiger Projekte. Die Bankenaufsicht könne zudem dafür sorgen und sicherstellen, dass diese Risiken von den Geldhäusern auch beachtet und ernst genommen würden.“

Auch die niederländische Zentralbank beabsichtigt, Klimarisiken in die Aufsicht einzubeziehen. Im Bulletin vom 5.10.2017 wird dies deutlich zum Ausdruck gebracht: „DNB intends to take additional steps to embed climate-related risks more firmly into the supervisory approach“. In der zeitgleich veröffentlichten Studie Waterproof? – An exploration of climate-related risks for the Dutch financial sector wird auf S. 49ff. die steigende Marktrelevanz von Nachhaltigkeitskriterien für Kunden dargelegt. Danach sind 60% der Kunden bereit, für Nachhaltigkeit Abschläge bei der Verzinsung zu akzeptieren.

Im Zuge der Umsetzung der Empfehlungen von TCFD (Task Force on Climate related Financial Disclosures – Arbeitsgruppe zur Berichterstattung von Klimarisiken) werden die Berichtspflichten erhöht werden. Die Empfehlungen für die Kreditwirtschaft sind allerdings relativ milde und könnten nach den Aussagen auch schärfer ausfallen. Mehr in dem Beitrag „Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?“.

Vor dem Hintergrund der klaren Aussagen von EU-Kommission und eines Vorstands der Deutschen Bundesbank sollte damit feststehen: Die Regulierung wird zwingend und zielführend anders. Sicherlich auch eine Art von „Belastung“, aber eigentlich eine zielführende. In Blick in das benachbarte Ausland und hier insbesondere nach Frankreich zeigt, dass die Finanzwirtschaft dies schon sehr aktiv betreibt, nämlich Nachhaltigkeit im Bankgeschäft als Überlebensstrategie. Sechs von sieben der kundenstärksten Banken sehen Nachhaltigkeit in den Kern ihrer Geschäftspolitik und engagieren sich entsprechend und eher „durch und durch“ anstatt nur mal am Rande.

Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich

In Frankreich endete am 5.10.2017 die Woche zur verantwortungsbewussten Finanzwirtschaft La Semaine de la Finance Responsable. In Deutschland gibt es keine ähnliche Veranstaltung. Die deutsche Kreditwirtschaft hat sich auch bei den seit 2015 jährlichen Europäischen Nachhaltigkeitswochen noch nicht engagiert. Es wurden eher Einzelaktivitäten zum Thema außerhalb des Kerngeschäfts und überwiegend auf lokaler/regionaler Ebene initiiert.

Französische Banken stark nachhaltig engagiert

Die französische Finanzwirtschaft ist bereits deutlich stärker von Überlegungen der Nachhaltigkeit durchdrungen. Crédit Agricole (52 Mio. Kunden/138.000 Mitarbeiter) als einer der größten Bankengruppen stellt sich als Bank der nachhaltigen Entwicklung auch in ihrer Außenwerbung dar:

2017-09-12_CA.jpg

Foto: Ralf Breuer

BNP Paribas (32 Mio. Kunden/192.000 Mitarbeiter) positioniert sich als „Bank for a changing World“. Die Bank richtete am 4.10.2017 in Paris das Sustainable Future Forum 2017 Forum aus. Verschiedene Internetauftritte bieten eine Fülle von Informationen zum Thema Nachhaltige Finanzwirtschaft. Eine Zusammenstellung redaktioneller Beitrag findet sich in Green finance, the driving force for a new sustainable world. Zitat der Überschrift bei Yann Gérardin, BNP Paribas Head of Corporate and Institutional Banking: „Sustainable finance is an existential question for banks”. Ohne Frage! Nachhaltigkeit im Bankgeschäft als Überlebensstrategie vom 13.7.2017.

Folgerichtig hat die Bank einen Fonds für Investments in Green Bonds initiiert, den Parvest Green Bond, der auch Privatanlegern die Anlage in Anleihen mit Klimabezug ermöglicht. Der Vertrieb startet auf der Basis eines Volumens von € 100 Mio., mit denen der Fonds bereits bestückt ist.

2017-10-04 BNP Paribas Forum

Foto: BNP Paribas

Auch La Banque Postale (10,7 Mio. Kunden/4.200 Mitarbeiter) positioniert sich als „Bürgerbank“ (engl.) (Banque Citoyenne) und hat Nachhaltigkeit prominent im Programm. Die Anlageangebote (franz.) für Privatanleger haben unterschiedliche thematische und geografische Schwerpunkte. U.a. kooperiert die Bank auch mit KissKissBankBank, einer auch in Deutschland tätigen Plattform für das Crowdfunding sozialer und kultureller Projekte. Nach eigenen Angaben wurden bereits mehr als 27.000 Projekte durch 1,2 Mio Nutzer mit einem Betrag von über als € 73 Mio. finanziert.

Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

In einem Blogbeitrag von Pimco werden die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) als geeignete Basis für die Konzeption von privaten wirkungsorientierten Anlagen herausgestellt. Die Autoren betonen, dass eine derartige Ausrichtung nicht die Renditeerwartungen beeinträchtigen muss, sondern vielmehr in einigen Fällen sogar erhöhen könnte.

Deutschland noch im Stadium der „Initiativen“

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und Die Deutsche Börse AG starten „h4sf – Hub for Sustainable Finance“. Einzelheiten zur Organisation und zur Besetzung des Steuerungskreises finden Sie in einer Presseerklärung des RNE, der die folgende Zustandsbeschreibung vorangestellt ist:

„Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bei dem Thema “Sustainable Finance” hinterher – so die Diagnose. Ein “Hub for Sustainable Finance” könnte Bewegung in die Entwicklung bringen. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und die Deutsche Börse AG arbeiten seit Sommer 2017 gemeinsam daran, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor zu koordinieren und weiter voranzutreiben.“

Als erste öffentliche Veranstaltung findet am 23. Oktober in Frankfurt ein „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ des Hub for Sustainable Finance im Hause der DVFA, Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management, statt. Da die Veranstaltung bereits ausgebucht ist, wird vom Sustainable Finance Gipfel am 23.10.2017 ein Livestream angeboten.

Eigentlich nicht mehr verwunderlich, dass die deutsche Kreditwirtschaft auch bisher kein besonderes Engagement erkennen liess …

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Elf

4. Oktober 2017

Foto: BNP Paribas

Inhalt: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken

Bundesbank Vorstand Andreas hat in einer vom Handelsblatt zitierten Rede in Singapur zu einer verstärkten Berücksichtigung von Klimarisiken in der Kreditwirtschaft auf: „Wir mögen die Risiken identifiziert haben, aber wir wissen nicht wie gravierend sie sind. Das muss sich ändern“, sagte Dombret. Banken sollten beispielsweise Klimagefahren in ihrem Risikomanagement stärker berücksichtigen – etwa bei der Finanzierung langfristiger Projekte. Die Bankenaufsicht könne zudem dafür sorgen und sicherstellen, dass diese Risiken von den Geldhäusern auch beachtet und ernst genommen würden.“

Im Zuge der Umsetzung der Empfehlungen von TCFD (Task Force on Climate related Financial Disclosures – Arbeitsgruppe zur Berichterstattung von Klimarisiken) werden die Berichtspflichten erhöht werden. Die Empfehlungen für die Kreditwirtschaft sind allerdings relativ milde und könnten nach den Aussagen auch schärfer ausfallen. Mehr in dem Beitrag „Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?“.

Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich

In Frankreich endet am 5.10.2017 die Woche zur verantwortungsbewussten Finanzwirtschaft La Semaine de la Finance Responsable. In Deutschland gibt es keine ähnliche Veranstaltung. Die deutsche Kreditwirtschaft hat sich bei den seit 2015 jährlichen Europäischen Nachhaltigkeitswochen noch nicht engagiert. Es wurden überwiegend Einzelaktivitäten auf lokaler/regionaler Ebene initiiert.

Französische Banken stark nachhaltig engagiert

Die französische Finanzwirtschaft ist bereits deutlich stärker von Überlegungen der Nachhaltigkeit durchdrungen. Crédit Agricole als einer der größten Bankengruppen stellt sich als Bank der nachhaltigen Entwicklung auch in ihrer Außenwerbung dar:

2017-09-12_CA.jpg

Foto: Ralf Breuer

BNP Paribas positioniert sich als „Bank for a changing World“. Die Bank richtet am heutigen 4.10.2017 in Paris das Sustainable Future Forum 2017 Forum aus. Verschiedene Internetauftritte bieten eine Fülle von Informationen zum Thema Nachhaltige Finanzwirtschaft. Eine Zusammenstellung redaktioneller Beitrag findet sich in Green finance, the driving force for a new sustainable world. Zitat der Überschrift bei Yann Gérardin, BNP Paribas Head of Corporate and Institutional Banking: „Sustainable finance is an existential question for banks”. Ohne Frage! Nachhaltigkeit im Bankgeschäft als Überlebensstrategie vom 13.7.2017.

2017-10-04 BNP Paribas Forum

Foto: BNP Paribas

Auch La Banque Postale positioniert sich als „Bürgerbank“ (engl.) (Banque Citoyenne) und hat Nachhaltigkeit prominent im Programm. Die Anlageangebote (franz.) für Privatanleger haben unterschiedliche thematische und geografische Schwerpunkte. U.a. kooperiert die Bank auch mit KissKissBankBank, einer auch in Deutschland tätigen Plattform für das Crowdfunding sozialer und kultureller Projekte. Nach eigenen Angaben wurden bereits mehr als 27.000 Projekte durch 1,2 Mio Nutzer mit einem Betrag von über als € 73 Mio. finanziert.

Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

In einem Blogbeitrag von Pimco werden die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) als geeignete Basis für die Konzeption von privaten wirkungsorientierten Anlagen herausgestellt. Die Autoren betonen, dass eine derartige Ausrichtung nicht die Renditeerwartungen beeinträchtigen muss, sondern vielmehr in einigen Fällen sogar erhöhen könnte.

In eigener Sache…

Investabel ist und bleibt natürlich kostenlos. Der Blog wurde auf Anhieb für den FinanzblogAward 2017 der comdirect nominiert. Die Abstimmung für den Publikumspreis ist bis zum heutigen 4.10.2017 hier offen!

Inhalte Nummer Eins bis Zehn

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

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Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Mikrofinanz in Westeuropa?!

Text- und Bildquelle:

MIKROKREDITE FÜR EINEN SYRISCHEN FLÜCHTLING UND EINEN TANGOLEHRER

Source: MICROFINANCE FOR A SYRIAN REFUGEE AND A TANGO MAESTRO

 

Microlux gibt sozial ausgegrenzten Menschen in Luxemburg eine Chance, ihr eigenes Unternehmen zu gründen

Mikrofinanz wird allgemein mit Entwicklungs- und Schwellenländern in Verbindung gebracht. Sie werden auch als wirkungsorientierte Investments vertrieben, wie es bspw. die GLS Bank in ihrem heutigen Blogbeitrag beschreibt. Dass Mikrofinanzierungen auch in Mitteleuropa seit Jahrzehnten eingesetzt werden (können) ist weniger bewusst bzw. wird mit dem Begriff wenig in Verbindung gebracht. Wikipedia liefert hierzu einen kurzen Überblick.

Der nachfolgende Text ist ein Auszug aus dem o.g  bei der Europäischen Investitionsbank erschienenen Artikels, der die Existenzgründung von Flüchtlingen in Luxemburg beschreibt. Er beschreibt anschaulich, wie solche Finanzierungen bei der Etablierung in einem wohlhabenden Land in Mitteleuropa unterstützen können.

Der heißeste Tipp in Luxemburgs Gastronomieszene ist derzeit das Syriously, ein orientalisches Restaurant, das der syrische Flüchtling Mahmoud Al Fayyad in diesem Mai eröffnete. Nachdem er ein Jahr lang in einer Apotheke gearbeitet hatte, hörte er von dem einheimischen Mikrokreditunternehmen microlux. „Ich habe schon immer leidenschaftlich gern gekocht“, sagte er sich. „Warum soll ich es nicht einfach versuchen? Schließlich schlägt das Kochen eine Brücke zwischen den Kulturen.“

Im Syriously werden alle Gerichte von syrischen Flüchtlingsfrauen zubereitet. Das Restaurant bringt hundert Gäste in einem Gebäude unter, das Mahmoud für einen symbolischen Euro vom Eigentümer übernahm, den er über das luxemburgische Rote Kreuz kennenlernte. Abends ist das Restaurant für seine zwei Durchgänge oft ausgebucht. Auf der Speisekarte stehen traditionelle Gerichte aus Aleppo: Bulgur, Kibbeh, Hummus, Tabbouleh, Fatousch, Labaneh, Shawarma, Mujaddara, Shanklish, Pastırma, Sucuk und Baklava – alles zu sehr günstigen Preisen.

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zehn

2. Oktober 2017

Inhalt: http://www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt; Finanzblog Award 2017

Bildquelle: @PRI_News

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

Nachhaltigkeit für alle – neues Informationsangebot

Die Verbraucherzentralen haben mit www.geld-bewegt.de ein neues Informationsangebot zu ethisch-nachhaltigen Geldanlagen eröffnet. Inbesondere die Verbraucherzentrale Bremen hat seit geraumer Zeit immer wieder wertvolle Informationen zum Thema bereitgestellt und nun auf der neuen Internetseite gebündelt. Die Seite ist das Ergebnis des Projektes „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ mit folgender Beschreibung:

Das Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ der Verbraucherzentrale Bremen findet in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein statt und läuft von Oktober 2015 bis September 2018. Das Projekt wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

Insbesondere Investmentfonds sind – nicht nur für Anleger – ein besonders schwieriges Thema, wie auch bei auf der neuen Seite festgestellt wird. Im Blog waren dazu schon die Beiträge Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig! und Mehr Transparenz bei Investmentfonds mit weitergehenden Informationen bzw. Problemaufrissen.

Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter

„Luxembourg Green Exchange (LGX) hat gemäß einem Bericht von Bloomberg insgesamt € 63 Mrd. klimabezogene Anleihen (Greenbonds, Klimaanleihen u.ä.) gelistet und damit in den ersten 12 Monaten ihre eigenen Erwartungen übertroffen gesehen. Das Volumen stellt zwar nur 1 Prozent der gesamten Notierung an der Börse Luxemburg, sollte aber weiter wachsen. Das Marktvolumen von Greenbonds wird für 2017 bei USD 130+ Mrd. nach USD 95 Mio. im Vorjahr erwartet.

Die Abgrenzung von Anleihen mit Klimabezug ist etwas unscharf. Neben zertifizierten Greenbonds sind u.a. auch nicht-zertifizierte, aber qualifizierte Emissionen im Markt, z.B. eine Anleihe über USD 1,8 Mrd. des Automobilherstellers Tesla.

Die nächste größere Notierung erfolgt für eine Anleihe der chinesischen ICBC, der mit einer Bilanzsumme von USD 3,8 Bio. größten Bank der Welt. Die Platzierung erfolgt am 29.9.2017 und wurde von CICERO als externem Gutachter als „dunkelgrün“ bewertet. Die Climate Bond Initiative hat die Anleihe als Greenbond zertifiziert.

FinTech und deutsche Kreditinstitute

PAYMNENTANDBANKING hat eine aktuelle Übersicht der Kooperationen zwischen deutschen Kreditinstituten und FinTech erstellt.

2017-09-29 FinTech Coop GER

Quelle: https://paymentandbanking.com/cooperations-between-banks-and-fintechs-in-ger/

Bisher weniger Aufmerksamkeit fanden Lösungen für Regulierung und Compliance (RegTech), mit denen Prozesse vereinfacht, beschleunigt und abgesichert werden können. Es ist davon auszugehen, dass auch die Aufsichtsbehörden verstärkt auf solche Lösungen zurückgreifen werden. In einer Präsentation der BaFin fand sich die Abkürzung „SupTech“ – Supervisory Technology.

Apropos Abkürzungen:

GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

„GAFA“ steht für Google/Apple/Facebook/Amazon und fasst die Angebote an Finanzdienstleistungen aus von Anbietern aus dem Bereich E-Commerce zusammen. Mittlerweile wurde auch GAFA(P) unter Einbeziehung von PayPal kreiert. Die Buchstabenkette müsste allerdings wohl noch um ein weiteres A für Alibaba/Ant Financial/AliPay mit Aktivitäten vornehmlich in China und Indien weiter gedehnt werden.

2017-09-28-GAFAP_Aktivitaeten_in_Payment_und_Banking_V1.11

Die Übersicht ist Tobias Baumgarten von http://aboutfintech.de zu verdanken!

In eigener Sache…

Investabel ist und bleibt natürlich kostenlos. Der Blog wurde auf Anhieb für den FinanzblogAward 2017 der comdirect nominiert. Zur bis zum 4.10. offenen Abstimmung für den Publikumspreis geht es hier!

Inhalte Nummer Eins bis Neun

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neun

28. September 2017

Inhalt: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit im Finanzsektor hinweisen.

Hub for Sustainable Finance bündelt Aktivitäten zu nachhaltiger Finanzwirtschaft in Deutschland

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und Die Deutsche Börse AG starten „h4sf – Hub for Sustainable Finance“. Einzelheiten zur Organisation und zur Besetzung des Steuerungskreises finden Sie in einer Presseerklärung des RNE, der die folgende Zustandsbeschreibung vorangestellt ist:

„Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bei dem Thema “Sustainable Finance” hinterher – so die Diagnose. Ein “Hub for Sustainable Finance” könnte Bewegung in die Entwicklung bringen. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und die Deutsche Börse AG arbeiten seit Sommer 2017 gemeinsam daran, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor zu koordinieren und weiter voranzutreiben.“

Als erste öffentliche Veranstaltung findet am 23. Oktober in Frankfurt ein „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ des Hub for Sustainable Finance im Hause der DVFA, Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management, statt. Da die Veranstaltung bereits ausgebucht ist, wird vom Sustainable Finance Gipfel am 23.10.2017 ein Livestream angeboten.

Börse Luxemburg notiert €63 Mrd. Klimaanleihen in den ersten 12 Monaten

„Luxembourg Green Exchange (LGX) hat gemäß einem Bericht von Bloomberg insgesamt € 63 Mrd. klimabezogene Anleihen (Greenbonds, Klimaanleihen u.ä.) gelistet und damit in den ersten 12 Monaten ihre eigenen Erwartungen übertroffen gesehen. Das Volumen stellt zwar nur 1 Prozent der gesamten Notierung an der Börse Luxemburg, sollte aber weiter wachsen. Das Marktvolumen von Greenbonds wird für 2017 bei USD 130+ Mrd. nach USD 95 Mio. im Vorjahr erwartet.

Die Abgrenzung von Anleihen mit Klimabezug ist etwas unscharf. Neben zertifizierten Greenbonds sind u.a. auch nicht-zertifizierte, aber qualifizierte Emissionen im Markt, z.B. eine Anleihe über USD 1,8 Mrd. des Automobilherstellers Tesla.

Die nächste größere Notierung erfolgt für eine Anleihe der chinesischen ICBC, der mit einer Bilanzsumme von USD 3,8 Bio. größten Bank der Welt. Die Platzierung erfolgt am 29.9.2017 und wurde von der Climate Bonds Initiative zertifiziert.

Studie von Schroders bestätigt die Marktdynamik

In der Studie Global investor study – Global perspectives on sustainable investing 2017 sieht die Vermögensverwaltungsgesellschaft Schroders  die starken Trends in Richtung verantwortungsbewusster/nachhaltiger Anlagen bestätigt. Vor allem die jüngere Generation der 18 bis 35 jährigen wird als starker Treiber dieser Entwicklung identifiziert. Da die „Generation Y“ zunehmend in das Berufsleben eintritt und nach und nach das Erbe der „Baby Boomer“ antreten wird kann sich die Finanzbranche diesen Entwicklungen nicht entziehen.

In eigener Sache…

Investabel ist und bleibt natürlich kostenlos. Wenn Sie trotzdem etwas tun möchten, Stimmen für den Publikumspreis beim FinanzblogAward 2017 der comdirect werden natürlich gerne genommen. Zur Abstimmung geht es hier!

Inhalte Nummer Eins bis Sieben

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

 

 

FinTech – New Media, old Rules

FinTech – Neue Medien, alte Regeln

Abstract: FinTech are rather considered as a threat than opportunity. But they can only be successful, if the help someone, i.e. by serving un(der)served or facilitating processes. Thus long-standing rules still apply. Legacy banks appear helpless towards the growing FinTech industry. The majority rather thinks of threats than opportunities and much of in-house innovation is more about „me too“ and an abstractly exercised search for „customer experience (UX) than innovating services for un(der)served needs. But this would be exactly the key to success.

September 26th, 2017

Dr. Ralf Breuer

Excepitions don’t define the rules

Admittedly, sometimes FinTech might lead into a completely strange world not really matching to what we would consider to be an average European mentality. This applies to a case like Digital Green Finance. This exploits all options technology offers today. But things appealing 200m Chinese must not necessarily change the banking world. But it demonstrates the box of tools.

No new criteria for successful FinTech

The blog Guessing on the success of FinTechs was already dedicated to the issue whether or not a FinTech might be successful. The note was inspired by Chris Skinner stating “that…the most successful FinTech firms are not replacing banks, but serving markets that were under-served” (https://thefinanser.com/2017/07/fintech-start-ups-think-can-beat-banks.html/). This applies to markets as well that were intendedly left out such as international retail payment and Private Banking like services for mass retail clients.

Why looking at Africa?

Who would have had Nigeria on the list for FinTech hot spots? Indeed, 56 ones appear on the list: Africa – The Market of unexplored Opportunities. FinTech and things like blockchain may well help to leapfrog the gap in physical infrastructure. E.g. Monetha is based on Ethereum and Worldbank’s Financial Inclusion Global Initiative intends to provide additional access to financial services for 3m people in some of the poorest countries.

2017-09-25 Unbanked

Successful FinTech must provide help!

Steve McLaughlin, CEO FT Partners, an investment bank focussed on FinTech said in a recent inverview (Why the FinTech Game Has Just Begun): If you’re not helping someone in a major way, then we’re probably not going to be the bank for you. Obviously some rather focus on gadgets than solutions for real problems.

How can FinTech help?

For Africa it immediately becomes clear: FinTech can bridge gaps in physical infrastructure and distance via mobile devices, smartphones in particular. Thus they can bring (financial) services to the un(der)served.

This basically applies to mature markets as well. International retail payments offer decent margins, Roboadvice can leverage asset management ressources without investing into new expensive advisors.

A big potential is provided for internal processes of the banking and insurance industry. „RegTech“ can at the same time substantially speed up, improve and secure regulation compliance. However, regulatory bodies should consider this before launching new initiatives.

2017-09-13 RegTech EUR

Thus FinTech provide a lot of opportunities to mature markets as well. The legacy industry should turn away from priliminary stressing potential threats and exploit opportunities. There seem to be a lot of them!

In own affairs…

Investabel is for free. If you would like to do something and do not shy away from a German site, votes for the FinanzblogAward 2017 of comdirect are open until Oct. 4th here!

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Acht

26. September 2017

Inhalt: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit im Finanzsektor hinweisen.

FinTech – Neue Medien, alte Regeln

Im Beitrag FinTech – Neue Medien, alte Regeln werden die Erfolgsgrundlagen für FinTech thematisiert. Es gelten althergebrachte Grundsätze: Die Lösung von wirklichen Problemen, (Dienst-)Leistungen für un(ter)versorgte Kunden. Besonders pointiert hat dies der CEO der auf FinTech spezialisierten Investmentbank FT Partners formuliert: „If you’re not helping someone in a major way, then we’re probably not going to be the bank for you“ (John Mclaughlin, Why the FinTech Game Has Just Begun).

FinTech und nachhaltige Entwicklung

FinTech und andere technische Lösung wie die „Blockchain“ entwickeln sich zu wichtigen Bausteinen für die nachhaltige Entwicklung in Entwicklungs- und Schwellenländern. So werden allein für Nigeria 56 elektronisch basierte Finanzdienstleister gezählt. Mit virtuellen Lösungen können teilweise große Lücken in der physischen Infrastruktur in kurzer Zeit überbrückt werden.

Und auch für Mitteleuropa wird ein Zusammenhang zwischen FinTech und Nachhaltigkeit gesehen. Konkrete Anwendungen sollen auf dem „Climate FinTech Hack“ vom 17. bis 19. November 2017 in Zürich entwickelt werden. Veranstalter sind foraus – Forum Aussenpolitik und SwissFinTeCH – Swiss Finance and Technology Association.

Zuwachs staatlicher Greenbonds

Im aktuellen Marktbericht der Climate Bonds Initiative wird eine verstärkte Nutzung von Greenbonds durch staatliche Emittenten deutlich.

2017-09-26 Greenbonds

Bei der Mittelverwendung ist anteilig vor allem ein Anstieg im Bereich Forst- und Landwirtschaft zu verzeichnen.

2017-09-26 Greenbonds sectors

Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Die Triodos Bank N.V. hat mit einem „White Paper“ zu einem nachhaltigen Umbau der europäischen Finanzwirtschaft aufgerufen: New pathways: Building blocks for a sustainable finance future for Europe. Dabei werden Anstrengungen aller Interessensgruppen angeregt:

  • Regulierung, insbesondere auch Kapitalanforderungen
  • Stärkere Orientierung der Kreditwirtschaft an Nachhaltigkeitszielen
  • Beseitigung von Markthürden bei nachhaltigen/wirkungsorientierten Geldanlagen für Privatanleger
  • Nachhaltigkeit als wesentlicher Werttreiber für Finanzinstitutionen
  • Anpassung der Berichterstattung in Hinblick auf Nachhaltigkeitsbeiträge

Auf insgesamt 28 Seiten für die Bank aus, wie sich eine konkrete Ausgestaltung darstellen ließe. Sie argumentiert damit in die gleiche Richtung wie der Zwischenbericht der EU-Expertengruppe im Juli 2017, über den hier der Beitrag Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung? informierte.

 

In eigener Sache…

Investabel ist und bleibt natürlich kostenlos. Wenn Sie trotzdem etwas tun möchten, Stimmen für den Publikumspreis beim FinanzblogAward 2017 der comdirect werden natürlich gerne genommen. Zur Abstimmung geht es hier!

Inhalte Nummer Eins bis Sieben

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

 

 

FinTech – Neue Medien, alte Regeln

English version: FinTech – New Media, old rules Abstract: FinTech are rather considered as a threat than opportunity. But they can only be successful, if the help someone, i.e. by serving un(der)served or facilitating processes. Thus long-standing rules still apply.

Die etablierte Kreditwirtschaft steht den Anbietern von Finanzdienstleistungen auf der Grundlage der aktuellen technischen (Kommunikations-)Möglichkeiten scheinbar etwas hilflos und eher sorgenvoll gegenüber. Mehrheitlich dominiert mehr die Kopie und ein „wir auch“ in Verbindung mit der eher abstrakten Suche nach „Kundenerlebnis“ als Reaktion auf eine z.T. mehr abstrakte Bedrohung. Viel weniger werden Potenziale und Chancen in den Vordergrund gestellt. Dabei scheinen die Erfolgsgrundlagen für neue Dienstleistungsangebote eher einfach und hinreichend bekannt: Die Deckung bisher un(ter)versorgter Kundenbedürfnisse. Oder schlicht die Lösung von Problemen.

26. September 2017

Dr. Ralf Breuer

Ausnahmen machen noch keine Regeln

Zugegeben: Manchmal eröffnen FinTech eine fremde Welt, die so gar nicht in das Bild des durchschnittlichen Mitteleuropäers passt. So bei Digital Green Finance, einem Beispiel, bei dem alle Register der aktuellen Technik bis hin zu spielerischen Elementen gezogen wurden. Aber was in China 200 Mio. Nutzer hat, muss noch lange nicht die (Banken-)Welt verändern. Und trotzdem ein interessantes, was machbar sein kann und trotzdem genutzt wird.

Erfolgsgrundlagen für FinTech altbekannt

Schon der Beitrag Erfolgsgrundlagen für FinTech war den Chancen neuer Dienstleistungsangebote gewidmet. Neu ist dabei nicht unbedingt das Angebot selbst. Vielmehr findet sich viel „alter Wein in neuen Schläuchen“. Chris Skinner, ein bekannter Bankenberater und Kolumnist stellte fest, dass die erfolgreichsten FinTechs keine Banken ersetzen, sondern unterversorgte Marktbereiche bedienen. (“that…the most successful FinTech firms are not replacing banks, but serving markets that were under-served” https://thefinanser.com/2017/07/fintech-start-ups-think-can-beat-banks.html/). Oder bisher bewusst oder unbewusst unversorgte. Dies scheint insbesondere im internationalen Zahlungsverkehr und auch bei Private Banking der Fall, wo neue Vertriebswege die Kundenansprache verbreitern oder aber exzessiv hohe Margen ausbeuten.

Warum ein Blick nach Afrika?

Bei der Suche nach innovativen Dienstleistungen hätte wohl kaum jemand hätte Nigeria auf der Liste der „heissen“ Kandidaten. Und trotzdem werden alleine hier mehr als 50 FinTech registriert, wie der Beitrag Africa – The Market of unexplored Opportunities zeigt. Gerade bei der Entwicklung des afrikanischen Kontinents und seinen brennen Problemen werden modernste technische Möglichkeiten genutzt, wie z.B. der kürzlich bei PAYMENTANDBANKING erschienene Beitrag aufzeigt.

Es wurden auch schon Potenziale der Blockchain für die Unterstützung einer nachhaltiger Entwicklung in Schwellenländern anvisiert: So basiert Monetha auf Ethereum und soll im Rahmen der Financial Inclusion Global Initiative der Weltbank als Basis für den Zugang zu Finanzdienstleistungen von weiteren 3 Mio. Menschen genutzt werden. Hier wird die Technik zunächst in Ländern mit den größten Entwicklungsrückständen verwendet.

2017-09-25 Unbanked

Erfolgreiche FinTech müssen helfen!

Steve McLaughlin, CEO der auf FinTech spezialisierten Investmentbank FT Partners stellte in einem Interview kürzlich fest, dass sich die Entwicklung der Branche eher am Anfang befindet. Weiterhin stellt er in Why the FinTech Game Has Just Begun fest, dass sich die Bank nur solchen Kunden widmet, deren Geschäftsmodell „jemanden wesentlich helfen“ (If you’re not helping someone in a major way, then we’re probably not going to be the bank for you). FinTech sind eben kein Selbstzweck, sondern müssen „reale“ Probleme lösen (helfen).  Das erscheint logisch, wird aber bei einem Blick auf die Branche nicht unmittelbar klar.

Wie können FinTech helfen?

In Afrika werden die Zusammenhänge unmittelbar klar: FinTech überbrücken auf der Basis von Mobilfunktechnik die Lücken in der physischen Infrastruktur und räumliche Distanzen. Damit können bisher völlig unversorgten Menschen Dienstleistungen angeboten werden.

Auch in den etablierten Märkten konzentrieren sich die FinTech überwiegend auf bisher un(ter)versorgte Bedürfnisse. Ein Schwerpunkt ist der internationale Zahlungsverkehr für private Kunden, den die Banken spezialisierten Anbietern mit sehr auskömmlichen Margen überlassen haben. Ein zweites Beispiel ist die Vermögensberatung/-verwaltung online. Sogenannte RoboAdvisor erschliessen Leistungen für neue Kundengruppen, die bisher aus Kapazitäts- und Kostengründen nur selektiv, z.B. für größere Vermögen angeboten werden. Es muss sich als nicht zwangsläufig um ein neues „Problem“ handeln, sondern schlicht eine „Demokratisierung“ von Dienstleistungen.

Sehr große Potenziale ergeben sich in technischen Neuerungen für die Anwendung in internen Prozessen der Bank- und Versicherungswirtschaft. Sogenannte „RegTech“ können insbesondere in der Regulierung und bei Compliance Prozesse erheblich vereinfachen, beschleunigen und dabei gleichzeitig besser absichern. Hier bietet die Automatisierung eine Chance, der massiv gestiegenen Komplexität etwas Wirksames entgegenzusetzen, wobei auch die Regulierungsbehörden gefordert sind, die technische Umsetzung mitzugestalten.

2017-09-13 RegTech EUR

Fazit

FinTech sind keine einseitige Bedrohung, sondern bieten auch der etablierten Kreditwirtschaft vielfältige Chancen, die erkannt und genutzt werden wollen. Es geht dabei weniger darum, Bestehendes auf eine „App“ zu bringen und mit „Kundenerlebnis“ zu versehen, sondern Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Dabei kann z.B. der Beitrag Maik Klotz bei PAYMENTANDBANKING sehr hilfreich sein: Was Nutzer vom Online-Banking wirklich erwarten…?!

In eigener Sache…

Investabel ist und bleibt natürlich kostenlos. Wenn Sie trotzdem etwas tun möchten, Stimmen für den Publikumspreis beim FinanzblogAward 2017 der comdirect werden natürlich gerne genommen. Zur bis zum 4.10.2017 laufenden Abstimmung geht es hier!