Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunundsechzig

 

2019-03-14 Klimawandel S4F

Inhalt: Noch mehr Klimaschutz…; Bundesregierung mit Klimakabinett, Aktion Mobilität; Nachhaltige Anlagen und Kredite immer verbreiteter; Was hat Apple Pay mit Nachhaltigkeit zu tun?; In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Mitunterzeichner …ForFuture; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

26. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Noch mehr Klimaschutz…

Nach dem vorläufigen Höhepunkt der weltweiten Demonstrationen für eine konsequente Bekämpfung des Klimawandels erklären sich in Deutschland immer mehr Berufsgruppen solidarisch. Neben mehr als 23.000 deutschsprachigen Wissenschaftlern haben zwischenzeitlich auch Landwirte, Unternehmer, Autoren, Lehrer sowie Mitarbeiter in Gesundheitsberufen Initiativen begonnen.

Auch Politiker sprechen sich parteiübergreifend für bessere Maßnahmen der deutschen Regierung aus. – Ein sehr aktiver Akteur der „PoliticiansForFuture“ ist der Bürgermeister von Eltville, Patrick Kunkel (CDU). Am vergangenen Wochenende rief auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz seine Parteikollegen auf, die nicht mehr nur noch jugendlichen Proteste für den Klimaschutz und gegen die geplante Urheberrechtsreform (§13) endlich ernst zu nehmen. Anderfalls verlöre die Partei eine ganze Generation.

Diese Entwicklungen sind nicht auf Deutschland beschränkt. So rief auch die (grüne) britische Parlamentsabgeordnete Caroline Lucas parteiübergreifend zur Ausrufung des Klimanotstands auf.

Bundesregierung mit „Klimakabinett“, Aktion Mobilität

Die Bundesregierung gab am 20.3.2019 die Einrichtung eines „Klimakabinetts“ bekannt. Originaltext der Regierungspressekonferenz vom 20.3.2019„Wie schon angekündigt, hat das Kabinett heute entschieden, einen Kabinettausschuss „Klimaschutz“ einzurichten. Der Ausschuss hat die Aufgabe, die rechtlich verbindliche Umsetzung des Klimaschutzplans sowie der für Deutschland verbindlichen Klimaschutzziele für das Jahr 2030 vorzubereiten. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass die Bundesregierung in diesem Jahr die gesetzlichen Regelungen dafür verabschieden will.

Dieser Kabinettausschuss wird alle mit dem Thema befassten Minister und Ministerinnen zusammenbringen. Vorsitzende ist die Bundeskanzlerin. Stellvertretender Vorsitzender ist der Bundesfinanzminister als Stellvertreter der Bundeskanzlerin. Die sogenannte Beauftragte Vorsitzende – so etwas gibt es in Kabinettausschüssen immer – ist die Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Weitere ständige Mitglieder sind der Bundesinnenminister, der Bundeswirtschaftsminister, die Bundeslandwirtschafts- ministerin, der Verkehrsminister, der Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun und der Chef des Bundespresseamtes, also ich. Andere Mitglieder der Bundesregierung können einbezogen werden, soweit sie in ihrer Zuständigkeit betroffen sind.“

Zusätzlich hat die Bundesregierung eine „Konzertierte Aktion Mobilität“ begonnen, in die Industrie und insbesondere die Automobilindustrie einbezogen wird. (Pressekonferenz nach dem Münchner Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft 15.3.2019).

Im Zuge dieser Schritte sind das Bundesumweltministerium und das Bundesverkehrsministerium nicht mehr für den Klimaschutz zuständig. Die Bundesumweltministerin wurde als „Beauftragte Vorsitzende“ des Klimakabinetts eingesetzt.

Nachhaltige Anlagen und Kredite immer verbreiteter

Am 1.4.2019 wird die „Global Sustainable Investment Alliance“ ihren Jahresbericht zum Jahr 2018 veröffentlichen. Der Bericht liefert erfahrungsgemäß interessante Einblicke in die aktuellen Entwicklungen. Er dürfte den starken Trend zur vermehrten Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Vermögensverwaltung bestätigen.

Auch im internationalen Firmenkreditgeschäft mit Großunternehmen werden verstärkt Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Mittlerweile wurden durch mehrere Organisationen freiwillige Leitlinien für Kredite mit Nachhaltigkeitsbezug formuliert (Loan Market Association (LMA), London, Loan Syndicated and Trading Association (LSTA), New York, Asia Pacific Loan Market Association (APLMA).

Als erste Notenbank hat die niederländische Zentralbank DNB die UN Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren „UN PRI“ unterzeichnet. Sie wird die Kriterien zukünftig bei der Auswahl von Asset Managern und anderen Kontrahenten anwenden. Die DNB erhofft sich, hierdurch weitere Finanzinstitutionen zur Anwendung der UN PRI motivieren zu können (Pressemitteilung vom 20.3.2019).

Was hat Apple Pay mit Nachhaltigkeit zu tun?

Mehr als viele annehmen und mehr als das Unternehmen selbst zur Einführung einer neuen digitalen Kreditkarte in den USA berichtet. Bzw.: Das Thema Nachhaltigkeit kommt in der Ankündigung der Apple Card gar nicht vor.

1. Die Apple Card in den USA

Apple begibt zukünftig in Kooperation mit Goldman Sachs eine Mastercard vollständig digital. Ein derartiges Verfahren hatte die Deutsche Bank bereits bei der Einführung von Apple Pay in Deutschland lanciert (Nummer Zweiundsechzig). Mit „Einfachheit, Transparenz und Datenschutz“ soll den Nutzern ein „gesünderes finanzielles Leben“ ermöglicht werden (Pressemitteilung vom 25.3.2019).

Die virtuelle Apple Card soll gebührenfrei sein und wird mit umfangreichen Bonusprogrammen verbunden. Eine Besonderheit ist die tägliche Gutschrift von Boni. Üblicherweise erfolgt die Gutschrift bei Bonusprogrammen auf monatlicher Basis. Insgesamt ist das Konzept an die marktüblichen Angebote in den USA angeglichen und bietet offenbar keine spezifischen Vorteile (Bloomberg 25.3.2019).

Anders als in Deutschland haben die Kunden der Apple Card die Möglichkeit, zusätzlich eine physische Karte zu beantragen, die auch dort eingesetzt werden kann, wo Apple Pay nicht akzeptiert wird. Diese Karte soll in einer edlen „Titan“-Version ausgegeben werden. Ob für diese Karte eine Gebühr erhoben wird, ist anhand der Pressemitteilung unklar. Die Markteinführung wurde für den „Sommer 2019“ avisiert. Die Karte wird nur den Namen von Karteninhaber/in tragen und keine weiteren sichtbaren Informationen.

iPhone showing Apple Card and stats.

Foto: Apple Inc.

Bei k(l)einer Gebührenbelastung für die Titankarten wäre dies vor allem ein Angriff auf kleinere Dienstleister wie Curve, N26 und Revolut, die mit hochpreisigen Metallkarten im Markt sind (vgl. Preisübersicht N26, Revolut, Tomorrow Stand 16.1.2019) und einen Start in den USA planen.

2. Was macht die Apple Card nachhaltig(er)?

In Deutschland werden rund 57 Mio. Smartphones genutzt (Quelle: statista 11.12.2018), die technisch reichlich dimensioniert sind. Gleichzeitig tragen alle 130 Mio. Bank- und Kreditkarten leistungsfähige Chips sowie Magnetstreifen, die zu einem erheblichen Teil nur wenig genutzt werden. Insofern wäre es deshalb naheliegend, andere Lösungen zu wählen, die diesen Materialeinsatz verringern. Eine Variante wären optische Lösungen (QR-Codes, vgl. Weniger Karten in die Brieftasche hier im Blog) oder die von den mobilen Bezahlangeboten genutzte NFC-Funktion der Smartphones, die dann auf den Karten selbst entfallen könnte.

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Mitunterzeichner …ForFuture

Gerne bin ich den Aufrufen der „ScientistsForFuture“ www.scientists4future.org und „EntrepreneursForFuture“ www.entrepreneurs4future.de gefolgt und habe die jeweiligen Initiativen mitunterzeichnet.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundundsechzig

 

2019-03-13 Betreutes Schwänzen

Beitragsbild/Bild: Cartoon Rabe via @ErnstvAll auf Twitter

Inhalt: Vorneweg: Nachhaltigkeit, Jugendproteste und Banken?; Nicht nur für Freitage – #FridaysForFuture; Auch in Deutschland wachsen Banken mit Werten; Tomorrow für alle und sofort; Weltbank mit neuer SDG-Anleihe; SustainableFinance – Anspruch ja, Handeln nein? In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg: Nachhaltigkeit, Jugendproteste und Banken?

Wieso so viel nachstehend über die jugendlichen Proteste an den #FridaysForFuture? Selbst wenn sich diese Welle abschwächt, ist der Klimawandel noch tiefer im Bewußtsein der Gesellschaft und Kunden angekommen. Eine Gruppe von 15 Banken hat in Deutschland mit einem inhaltlich abweichenden, aber jeweils starken Wertefokus über die vergangenen zehn Jahre eine bemerkenswerte Größe erreicht (s.u.).

Die australische Onlinebank UBank (500.000 Kunden) hat kürzlich sogar Einlagenkonten von der Climate Bonds Initiative (CBI) zertifizieren lassen. Üblicherweise zertifiziert die CBI internationale Klimaanleihen (Climate Bonds, Green Bonds). Ziel der UBank: Die Attraktivität für junge Kunden (Millenials) steigern.

Die zertifizierten Einlagen werden zweckgebunden in Projekten für erneuerbare Energie, CO2-armen Transport sowie energetisches Bauen verwendet. (Presseerklärung EN: Media release, 13 March 2019: Green Term Deposits: add some colour to your savings – Grüne Termineinlagen: bringen Sie etwas Farbe in Ihre Ersparnisse).

Nicht nur für Freitage – #FridaysForFuture…

Freitag, 15.3.2019 und schlechtes Wetter in Deutschland. Aber 300.000 junge und ältere Menschen mit der Forderung nach einem wirksamen Klimaschutz auf den Straßen. Insgesamt waren 199 Demonstrationen angekündigt, weltweit 2.052 in 123 Ländern (Quelle: www.fridaysforfuture.org). Tolle Bilder engagierter, um die Zukunft besorgter Menschen aus der ganzen Welt. Eine eindrucksvolle Zusammenstellung erstellte die New York Times.

Viel gescholten wurde in den letzten Tagen der Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP, Christian Lindner für seine Aussage gegenüber der BILD Zeitung.

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Quelle: BILD Zeitung

Delikaterweise sah er das selbst im Alter von 17 Jahren ganz anders.

„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere handelt“

So formulierte er es am Schluß eines Videos, dass ihn als Schüler zeigt, der bereits mit einem Freund und Mitschüler als Unternehmensberater tätig ist.

…nicht nur Jungendliche

2019-03-15 Grandpa for Future

Quelle: @parents4future via Twitter

Zwischenzeitlich haben sich in Deutschland viele Regionalgruppen und über 100 Ortsgruppen engagierter Eltern informell als Parents For Future gebildet. Sie sind als Teilnehmer und Ordner bei den jugendlichen Protesten engagiert.

2019-03-15 Family for Future

Quelle: Benedikt Kirpes via Twitter

Und auch die Wissenschaft!

2019-03-15 SCI4Future 23000

Quelle: www.scientistsforfuture.de

Mehr als 23.000 aktive und ehemalige Forscher im deutschsprachigen Raum unterzeichneten den Aufruf von namhaften Wissenschaftlern zur Unterstützung der Demonstrierenden für einen konsequenten Klimaschutz. Auf 40 Demonstrationen trugen Forscher diesen Appell vor.

Beeindruckend und erschütternd zugleich war die initiale Pressekonferenz am 12.3.2019 in Berlin, bei der vier renommierte Wissenschaftler die Forderungen der „ScientistsForFuture“ vortrugen. Und neben den Wissenschaftlern waren mit Luisa Neubauer und Jakob Blasel auch auch zwei aktive junge Aktivisten auf dem Podium.

Der hörens- und lesenswerte Appell als Video und Stellungnahme sind auf der Internetseite der Wissenschaftler verlinkt: https://www.scientists4future.org/presse/

Mit 16 für den Friedensnobelpreis nominiert!?

Drei norwegische Abgeordnete haben die beispielgebende Greta Thunberg, die die Schulstreiks allein in Stockholm begann, am 14.3.2019 für den Friedensnobelpreis nominiert. In jedem Falle ein weiteres starkes Zeichen an die jugendlichen Demonstranten.

Und dann?

Sicherlich wird die Protestwelle irgendwann an Kraft verlieren. Aber es ist interessant zu lesen, welche Ergebnisse Massenproteste in den letzten 50 Jahren hatten. Die britische Seite für Wissenschaftsjournalismus The Conversation hat dies in einem Artikel sehr nüchtern und anschaulich zusammengefasst (EN): School climate strikes: what next for the latest generation of activists?

Immerhin gab es am 18.3.2019 um 16:10h große Worte von Bundesumweltministerien Svenja Schulze zu den Absichten der Bundesregierung:

Auch in Deutschland wachsen Banken mit Werten

Nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen des Bundesverbands Deutscher Volk- und Raiffeisenbanken (BVR 12.3.2019) haben die Banken mit einem starken (kirchlichen, nachhaltigen oder ökologischen) Wertefokus in Deutschland 2018 eine summierte Bilanzsumme von rund € 65 Mrd. (BVR, Unternehmensangaben, eigene Berechnungen)erreicht und übertreffen damit deutlich die größte deutsche Sparkasse in Hamburg (Bilanzsumme H1 2018: € 44 Mrd.) deutlich.

In der genossenschaftlichen Finanzgruppe 7 dieser Banken zu den 25 größten Instituten. Bemerkenswert ist das Wachstumstempo dieser Bankengruppe: Bei der Bilanzsumme und den Einlagen wuchs sieh im Durchschnitt der letzten 10 Jahre um 0,5 Prozentpunkte stärker als die gesamte genossenschaftliche Finanzgruppe, bei den Kundenforderungen sogar um zwei Prozentpunkte (BVR, Unternehmensangaben, eigene Berechnungen). Rekordhalter ist die GLS Bank, deren Bilanzsumme sich in der Bilanzsumme seit 2008 nahezu versechsfachte, was in allen drei Positionen einem jährlichen Wachstum von annähern 18% über diesen Zeitraum entsprach.

Tomorrow für alle und sofort

Seit dem Start am 16. November 2018 konnte Tomorrow 2.925 Nutzer begrüßen (Stand: 18.3.2019 10:30h, Tomorrow App). Seit dem 11.3.2019 können Interessanten sofort Kunden werden. Bis dahin war dies nur über einen Platz auf der Warteliste und einen persönlichen Einladungscode möglich. Tomorrow wollte hierdurch einen reibungslosen Start sicherstellen. Dies scheint insgesamt gelungen wie ein Blick in die (offene) „Tomorrow Communitiy“ auf Facebook zeigt: Tomorrow Community – Öffentliche Gruppe

 

2018-11-21 Tomorrow4

Tomorrow finanziert aus Interbankgebühren Baumpflanzungsprogramme. Eine Idee, die gut angenommen wird. So z.B. auch in China: Green Digital Finance.

Weltbank mit neuer SDG-Anleihe

Das Nachhaltigkeit weit über ökologische Bemühungen hinaus reicht, wird anhand einer von der Weltbank am Weltfrauentag (8.3.) platzierten neuen Anleihe deutlich. Eine fünfjährige Anleihe über 500 Mrd. indonesische Rupien (IDR, USD 35 Mio.) dient der Bekämpfung von Hunger und Armut sowie der Gleichstellung von Frauen in ländlichen Regionen. Damit werden gleich drei der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) gleichzeitig adressiert.

Sustainable Finance – Anspruch ja, Handeln nein?

Eigentlich hebt man sich für den Schluss etwas Gutes auf. Hier allerdings die weniger schöne, eher betrübliche Nachricht: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundsechzig: Ein Jahr EU-Aktionsplan berichtete von dem Anspruch „Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen“ (sic). Allerdings: Die nächste hochrangige Konferenz zu diesem Thema am 21.3.2019 in Brüssel findet erneut ohne nennenswertes Engagement Deutschlands statt. Jedenfalls steht das Programm hierzu in einem eklatanten Widerspruch: High-Level Conference on Sustainable Finance: A global approach to sustainable finance.

Schon im vergangenen Jahr war das Fehlen prominenter deutscher Vertreter auffällig: Der Finanzminister Olaf Scholz war avisiert, aber nicht anwesend. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel war auf dem Weg nach Brüssel. Srecher waren u.a. Michael Bloomberg, Jean-Claude Juncker und Emmanuel Macron. (Bericht am 25.5.2018: Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung).

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundsechzig: Ein Jahr EU-Aktionsplan

Beitragsbild: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

 

Inhalt: Ein Jahr EU-Aktionsplan; Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen (sic); Polen mit € 2 Mrd. Green Bonds; Was sagen Finanzminister und Sparkassenpräsident?; #Rosenmontag4Future; Oskar ohne Zukunft?; Kreditkarten: Gestern, heute, morgen; Sparda-Bank München: Nachhaltigkeit und Ökonomie; In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

8. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Ein Jahr EU-Aktionsplan

Am 8.3.2018 veröffentlichte die EU-Kommission ihren Aktionsplan für Nachhaltigkeit in der europäischen Finanzwirtschaft. Bei der öffentlichen Präsentation und Diskussion am 22.3.2018 unterstützte der französische Staatspräsident den Plan mit einem starken persönlichen Appell vor Ort. Was ist seither geschehen? – Je nach Blickwinkel liegt der Befund zwischen „reichlich viel“ und „herzlich wenig“. Einige Beispiele:

Reichlich viel…

  • Der heiße Sommer 2018 mit Dürre und Waldbränden schärften das Bewußtsein der breiten europäischen Bevölkerung für den Klimawandel
  • Breite Bevölkerungsschichten solidarisierten sich parteiübergreifend gegen die Rodung des Hambacher Forstes
  • Drohende Dieselfahrverbote und die Energiewende arbeiteten sich bereits tief in die Bilanzen und Perspektiven der gesamten (Kredit-)Wirtschaft
  • Klimarisiken haben aufsichtlich eine hohe Relevanz
  • Auch andere Themen von Nachhaltigkeit wie Bildung und bezahlbares Wohnen haben für die Wahlberechtigten einen hohen Stellenwert
  • Mit den Schulstreiks nach dem Beispiel der sechszehnjährigen Schwedin Greta Thunberg ist der Klimaschutz zu einer wesentlichen Forderung junger Bevölkerungsschichten geworden
  • Private (BdB) und öffentliche (VÖB) Banken sowie viele globale Stimmen in der Finanzindustrie haben den EU-Aktionsplan begrüßt
  • Die EU-Expertengruppe hat zwischenzeitlich einen ersten Entwurf für die Klassifizierung von nachhaltigen Finanzprodukten vorgelegt (sogenannte „Taxonomie“)

Herzlich wenig…

  • Die Rodung im Hambacher Forst wurde gerichtlich ausgesetzt, nicht aus Gründen der Staats- oder Unternehmsräson
  • Die Bundesregierung der der Ministerialapparat hat sich bei verschiedenen Gelegenheiten zustimmend zum EU-Aktionsplan geäußert. Allerdings sieht der Beschluß des Staatssekretärausschusses für nachhaltige Entwicklung vom 25.2.2019 lediglich den Anspruch auf einen „führenden Finanzplatz Deutschland“ einen „Strategieentwurf“, jedoch keine konkreten Umsetzungsschritte vor
  • Die größten deutschen Finanzgruppen haben sich bei Nachhaltigkeit kaum oder gar nicht positioniert (Anm.: Vielleicht ändert sich dies am 4.6., s.u.)
  • Die Politik und Teile der Öffentlichkeit bewerten die jugendlichen Proteste für besseren Klimaschutz zum Teil – wider die eigene (politische) Vernunft

Greta Thunberg kam sowohl beim Weltklimagipfel 2018 in Katowice als auch beim Weltwirtschaftsgipfel 2019 in Davos zu Wort. In Katowice stellte sie sinngemäß fest: „Politiker wollen nicht die Welt retten, sondern die nächsten Wahlen gewinnen“.

In diesem Punkt scheint sie zu irren: Etwa fünf Prozent oder 3 Mio. der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl 2017 waren Erst- und Jungwähler. Nur die FDP konnte in dieser Altersgruppe bis zu 24 Jahren einen Zweitstimmenanteil über dem Wahlergebnis erzielen. Trotz der abnehmenden Geburtenzahlen in den Jahren 1999 bis 2002 werden bis zur nächsten Wahl 2021 weitere 3 Mio. junge Menschen wahlberechtigt. (Quellen: Destatis, gerne die relevanten Links bei Bedarf).

Zusammen mit den jungen Menschen, die sich als Studenten mit den Demonstranten bei #FridaysForFuture solidarisieren und den wachsenden Initiativen Erwachsener (#ParentsForFuture, #ScientistForFuture) erscheint die rüde Ablehnung der Schülerinitiativen durch einige Politiker ungeachtet der dafür genannten Gründe politisch kaum opportun, wenn die Sache in sich nicht bestreitbar ist.

Was für die Politik gilt, gilt noch mehr für die Kreditwirtschaft: Jung- und Erstwähler sind das zahlenmäßig größte Potenzial neuer Kunden. Und was die jungen Menschen fordern, wird nahezu jeden Freitag ausgesprochen.

Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen (sic)

So lautet der Originalton der Mitteilung des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung (BPA) vom 26.2.2019 (BPA 26.2.2019) zur Sitzung des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung am Vortag. Und weiter:

„Schwerpunkt der gestrigen Sitzung des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung unter Leitung von Bundesminister Prof. Helge Braun im Bundeskanzleramt war das Thema Nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance). Darunter versteht die Bundesregierung, dass Nachhaltigkeitsaspekte von Finanzmarktakteuren bei Entscheidungen berücksichtigt werden. An der Sitzung nahmen die für Nachhaltigkeitsthemen zuständigen Staatssekretäre der Bundesministerien sowie externe Expertinnen und Experten teil.

Initiiert vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) beschloss der Staatssekretärsausschuss, eine Sustainable Finance-Strategie der Bundesregierung zu entwickeln. Damit soll Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort ausgebaut werden.“

Liest sich erst einmal gut, aber wirklich konkret wird Nachhaltigkeit in Finanzwirtschaft (Sustainable Finance) damit nicht. Zunächst einmal geht es um Strategie. Und dies fast genau ein Jahr nach der Veröffentlichung des Aktionsplans der EU-Kommission (Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung) und ein halbes Jahr nach dem zweiten deutschen „Sustainable Finance Gipfel“ mit starker Beteiligung verschiedener Bundesministerien (Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfzig – Sustainable Finance Gipfel Deutschland).

Die Begebung von Klima- oder Nachhaltigkeitsanleihen (Green Bonds, Sustainability Bonds) wird derzeit lediglich für die Anschlußfinanzierung laufender Anleihen erwogen. Neue Projekte, insbesondere für den Klimaschutz und die Energiewende sind demnach nicht geplant. Aus ökonomischer Sicht ist die „schwarze Null“ im derzeitigen Zinsumfeld ohnehin nicht rational. Entweder sollte entschuldet werden oder aber das Zinsniveau für die Finanzierung langfristiger Infrastrukturprojekte genutzt werden. Dass der Markt hierfür sehr aufnahmebereit wäre, wurde an zwei Emissionen des polnischen Staats deutlich.

Polen mit € 2 Mrd. Green Bonds

Ab dem 7.3.2019 werden an der Börse Luxemburg zwei Anleihen der Republik Polen notiert, die den internationalen Standards für Green Bonds (Green Bonds Principles) und dem von dem Land selbst gesetzten Standard genügen. Sie sind mit einer „zweiten Meinung“ von Sustainalytics versehen.

Bei der Platzierung der Anleihen über € 1,5 Mrd (1%, 10 Jahre) und € 500 Mio. (2%, 30 Jahre) lag das Zeichnungsvolumen mit € 3,5 Mrd. bzw. € 1,5 Mrd. deutlich über den Emissionsvolumina. Die Mittelverwendung ist auf Projekte in folgenden Bereichen beschränkt: Erneuerbare Energien, Eisenbahninfrastruktur, nachhaltige Landwirtschaft, Wiederaufforstung, Nationalparks, Renaturierung kontaminierter Landschaften. U.a. ist auch die Verwendung der geschaffenen Infrastruktur für den Transport fossiler Brennstoffe (insbesondere also Kohle) ausgeschlossen. Auf der Internetseite der polnischen Regierung sind die Unterlagen zur Dokumentation bereitgestellt: Ministry of Finance – International Bonds.

Was sagen Finanzminister und Sparkassenpräsident ?

Am 5.3.2019 versandte der Rat für Nachhaltige Entwicklung das Programm der 19. Jahreskonferenz. Auf der Referentenliste sind neben Union-Vorstand Alexander Schindler auch Finanzminister Olaf Scholz und DSGV-Präsident Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis. Beide Persönlichkeiten haben sich bisher zu Nachhaltigkeit nicht als Herzensangelegenheit geäußert.

Insofern wird es interessant sein, wie sich Herr Dr. Schackmann-Fallis in einem Podiumsgespräch und der Finanzminister in der darauf folgenden dreissigminütigen Rede äußern werden.

#Rosenmontag4Future

Die von Jaques Tilly entworfenen Mottowagen aus dem Rosenmontagszug in Düsseldorf werden üblicherweise zerstört. Nicht aber dieser Wagen mit der Darstellung von Greta Thunberg, der sechzehnjährigen schwedischen Klimaaktivistin, die als Ideengeber für die Freitagsdemonstrationen – #Fridays4Future bzw. #Fridays4Future – für den Klimaschutz gilt:

2019-03-06 Karneval Duedo Greta Thunberg

Bild: WDR/Hanna Makowka

Der Westdeutsche Rundfunk berichtete, dass der Künstler den Wagen der Schülerbewegung für den Klimaschutz „Fridays For Future“ schenkt, um deren Kampagnen zu unterstützen (www.1wdr.de). Mittlerweile beteiligen sich auch immer mehr Erwachsene in Deutschland und bilden Ortsgruppen „Parents For Future“ oder auch berufsgruppenspezifisch wie in der Wissenschaft (#Scientist4Future).

Mit den Schulstreiks und Schülerprotesten wird das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit stark in die Familien und das Alltagsleben getragen. Dies wirkt sich unmittelbar auf das Kauf- und Nachfrageverhalten in Deutschland aus. Was wäre einfacher als beispielsweise das Geldvermögen für Nachhaltigkeit einzusetzen? Grundsätzlich ist es einfach, allerdings aufgrund des mangelnden Angebots der großen Finanzgruppen unbequem. Vor diesem Hintergrund hat die Union Investment mit ihrem neuen Angebot PrivatFonds: Nachhaltig (Nummer Dreiundsechzig) einen sehr guten Startpunkt erwischt.

Mehr zu Geldanlagen in Nachhaltigkeit, die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen: SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Oskar ohne Zukunft?

Die Zahl der Onlineangebote für die Vermögensverwaltung in Deutschland schwankt stark. Einige Anbieter haben ihre Dienstleistungen nach kurzer Frist wieder eingestellt, neue kommen hinzu. So auch „Oskar“ (www.oskar.de), eine Ausgründung des Medienportals finanzen.net aus der Axel Springer-Gruppe. Die flotten, im Du gehaltenen Texte suggieren eine jugendliche Ansprache. Allerdings nicht inhaltlich wie mit nachhaltigen, z.B. klimabewußten Geldanlagen. Geboten wird lediglich das Programm von scalable capital mit ETF-Portfolien und Risikomanagement. Da wäre ein inhaltlicher Bezug zu den aktuell bewegenden Inhalten der Jugendlichen und ihrer Eltern deutlich glücklicher gewesen.

Die Kombination Medien und Vermögensverwaltung ist relativ selten, allerdings ist es um den mit viel Getöse angetretenen Zukunftsfonds bereits nach sehr kurzer Zeit sehr ruhig geworden (vgl. Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag).

Kreditkarten: Gestern, heute, morgen

Gestern…

…war Kreditkarte vor allem American Express, Diners Club, Mastercard oder Visa. Dann wurden vor rund 20 Jahren die Karten vergoldet, mit mehr oder weniger nützlichen Versicherungen kombiniert sowie Kooperationen mit Autoherstellern, Fluggesellschaften und anderen Unternehmen gesucht, um die Markenbindung zu übertragen. Und Kreditkarten hatten eine gewisse einkommens- bzw. bonitätsabhängige Exklusivität. Und Zahlung war Papier.

Und vor etwa 18 Monaten war Kreditkarte auch etwas von Ausbeutung: Die Artikel zu den Praktiken bei dem britischen FinTech Revolut (deutsche Seite) wurden auch von Gründer Nikolay Storonsky im Blog des Unternehmens nicht dementiert: Revolut’s culture: the past, the present and the future. So wurden Bewerber aufgefordert, vor einer Entscheidung über die Bewerbung (!) zunächst einmal 200 neue Kunden zu werben, um ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen. Auf diese Art wurden Marketingkosten gespart und trotzdem 2,8 Mio. Kunden gewonnen. U.a. wurde ständige Verfügbarkeit der Mitarbeiter erwartet und bei Verfehlung von Zielvorgaben ohne Aussprache gekündigt: Revolut insiders reveal the human cost of a fintech unicorn’s wild rise. In der Summe führte dies zu starker Fluktuation und zeitweise vielen offenen Stellen.

…heute…

…kann Kreditkarte jede(r), zumindest als direkt auf dem Konto belastete „Direct Debit“-Karte oder vorausbezahlte „Prepaid“. Sogar kostenlos und ohne Schufa. Einfacher als eine normale Kontokarte bzw. Girocard bei einer Bank.

Und es gibt auch ein Konto dazu: Bei o.g. Revolut in Pfund und Euro mit günstigen Devisen- bzw. Sortengeschäft. Und in der Grundstufe kostenfrei. Dies gibt es auch bei N26 aus Deutschland (vgl. Nummer Vierundsechzig).

Etwas anders ist das Modell von Curve (ausführlich: Tobias Baumgarten, Curve – die Kreditkarte für alle Fälle). Es handelt sich hier beim Basisangebot „Curve Blue“ um eine kostenlose Mastercard ohne Konto. Dafür besteht die Möglichkeit, in der App alle Kreditkarten von American Express, Mastercard und Visa aufzuspielen, auszuwählen und sogar rückwirkend nach der Zahlung die belastete Karte zu ändern. Curve verschlankt also die Brieftasche, Karten können nicht verloren oder gestohlen werden und Curve kann über die App sofort gesperrt werden.

Und Curve ist auch „Kundenerlebnis“: Nach einer Aktualisierung der App dauerte es beim Verfasser einen Monat bis die App wieder wie gewohnt funktionierte und nicht jungfräulich auf einen Neukunden wartete. Der Service stellte mehrfach die gleichen Fragen und am Ende sogar die nach der Zufriedenheit mit der „Hilfe“.

Aber warum dann hier ein paar Zeilen dazu? Curve, N26 und Revolut haben jeweils auch Kreditkarten aus Metall im Angebot. Echte Menschen zeigen sie ganz begeistert und bejubeln den Erhalt in sozialen Medien. Ja, und sie zahlen für diese Stücke auch – freiwillig – sportliche monatliche Preise von GBP 14,99, € 16,90 bzw. € 13,99 (Stand: 7.3.2019) – bei Curve und N26 sogar in drei Farben…

2019-03-07 Curve

Quelle: Curve

Eine sportliche Jahresgebühr für etwas zum Einmalzeigen? Erinnert an Pokemon, Scoubidou, Tamagotchi. Kamen alle und hielten sich nicht lange.

Länger dürfte sich dagegen Tomorrow halten: Girokonto und direkt gebuchte Mastercard kostenlos. Und alles auf Nachhaltigkeit. Und auch eine Karte als Hingucker, voll im aktuellen Zeitgeist der protestierenden Jugend:

2018-11-21 Tomorrow4

Tomorrow finanziert aus Interbankgebühren Baumpflanzungsprogramme. Eine Idee, die gut angenommen wird. So z.B. auch in China: Green Digital Finance.

…und morgen?

„Morgen“ wird sehr wahrscheinlich auch Tomorrow auf den Hinguckereffekt bei den Karten verzichten. In Asien und Afrika sind gar keine Karten gebräuchlich und in europäischen Luxusgeschäften, Flughäfen sowie auch in den Taxis von New York und San Francisco zahlen chinesische Touristen mit QR-Codes auf ihren Smartphones. Vorteil: Es wird keine stationäre Infrastruktur benötigt, nicht einmal Strom aus der Steckdose.

Und noch ein Vorteil: Die Karte mit Chip und Magnetstreifen kann komplett entfallen. Verschlankt die Brieftasche noch weiter und spart enorm wertvolle Rohstoffe. – Karten vielleicht aus nachwachsenden Rohstoffen? Klingt gut, aber wegen der Chips und weiterer Gründe eben doch nicht gut: Karte bio, alles gut? – Leider nicht…

Für Smarphonenutzer ist der Kartenverzicht ganz leicht zu bewerkstelligen. Bei der Einführung von Apple Pay konnte ausgerechnet die Deutsche Bank mit einer virtuell begebenen Karte punkten:

Quelle: Jochen Siegert via Twitter/Deutsche Bank

Und vor diesem Hintergrund und mit der Metallkarte als margenstärkstem Produkt startet N26 in Brasilien. Gegen einen Wettbewerber mit ähnlichem Angebot und bereits 5 Mio. Kunden… Nubank – Wikipedia EN. Nach eigener Aussage hat N26 die Ambition von 100 Mio. Kunden weltweit. Auch in Afrika und Asien?

Sparda-Bank München – Nachhaltigkeit und Ökonomie

Für Leser, denen der Aktionsplan zu theoretisch, Tomorrow zu exotisch oder die GLS Bank zu grün ist, kann Blick auf die größte Genossenschaftsbank in Bayern und bundesweite Nummer Neun im Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) und deren Pressemitteilung vom 27.2.2019 empfohlen werden: Bilanz 2018: Sparda-Bank München verbindet erfolgreich Nachhaltigkeit und Ökonomie.

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

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