Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zwanzig

 

Inhalt: Nachhaltigkeit mit großer Relevanz für Banken; SDG FinTech Initiative; Crowdfunding; ToMoRRow (vormals: Goodfolio) vor dem Marktstart

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

28. November 2017

Dr. Ralf Breuer

Nachhaltigkeit mit großer Relevanz für Banken

Im Beitrag HSBC Sustainable Finance Briefings 2017 vom 22.11.2017 wird deutlich, wie relevant Nachhaltigkeit bereits heute für die Geschäftspolitik von Banken ist – zumindest im Ausland und bei den größten europäischen Banken. Davon ist in Deutschland bisher wenig zu spüren. Dagegen haben einige neue Unternehmen die starken Trends erkannt und ihre Geschäftsmodelle entsprechend ausgerichtet. So z.B. die Beteiligten an der SDG FinTech Initiative.

SDG FinTech Initiative

Die „SDG FinTech-Initiative“ ist von Start-ups aus Frankfurt und Frankfurt Main Finance gegründet worden, um eine Brücke zu bauen zwischen den Top-down-Ansätzen von Politik und Großindustrie und innovativen Bottom-up-Ansätzen von Start-ups aus dem Bereich der internationalen Nachhaltigkeitsagenda.

Seit 2008 ist Frankfurt Main Finance ist die Finanzplatzinitiative des Finanzplatzes Frankfurt. Zu den mehr als 40 Mitgliedern zählen neben dem Land Hessen sowie den Städten Frankfurt und Eschborn zahlreiche namhafte Finanzmarktakteure und ihre Dienstleister sowie private und öffentliche Hochschulen. Hier finden Sie die aktuelle Liste der Mitglieder und Fördermitglieder.

An der „SDG FinTech Intitiative“ sind aktuell neun Unternehmen beteiligt, die sich auf unterschiedliche Art und Weise an nachhaltigen Themen ausgerichtet haben. In dieser Präsentation haben sich die Beteiligten kurz vorgestellt.

Crowdfunding: Nachhaltige Anlage mit Diversifikation

Unter den Beteiligten der „SDG FinTech Initiative“ sind auch zwei Anbieter von Schwarmfinanzierungen (Crowdfunding): bettervest und ecoligo bieten privaten Investoren die Beteiligung an der Finanzierung von Energieprojekten u.a. in Entwicklungs- und Schwellenländern vorwiegend in Form von nachrangigen Darlehen an. Sie schließen damit eine Marktlücke, nachhaltige Direktanlagen mit kleineren Anlagebeträgen (ab €50 bzw. € 500) und gleichzeitig diversifiziert über mehrere Projekte vornehmen zu können.

Die GLS Crowd startete im Februar 2017 ist nicht Mitglied der Initiative. Die Plattform wird nicht von der GLS Bank selbst betrieben. Die Bank schlägt lediglich die Projekte vor. Die Plattform nutzt allerdings den gleichen Markenauftritt. Seit dem Start wurden sechs Finanzierungen mit einem Gesamtvolumen von € 2,34 Mio. platziert. Mit durchschnittlich € 3.765 je Zeichnung lagen die Anlagebeträge deutlich über den Durchschnitten bei anderen Anbietern.

Das Informationsportal www.crowdfunding.de listet bereits mehr als 100 Plattformen für den deutschsprachigen Raum, wobei die Bandbreite von Eigenkapital über verschiedene Darlehensarten bis zu Spenden reicht. Fundierte Informationen auch zu nachhaltigen Varianten einschließlich einem Echtgeldtest für verschiedene Anlageangebote finden sich im Portal www.kritische-anleger.de.

Mit der Finanzierung von Energieprojekten in Entwicklungs- und Schwellenländern werden neben dem Klimschutz auch weitere nachhaltige Entwicklungsziele (SDGs) adressiert, insbesondere Armutsbekämpfung (Verdienstmöglichkeiten) und Bildung. Weitere Informationen auf der Seite Neue Produkte/Dienstleistungen.

Goodfolio vor dem Marktstart

Noch in der Entwicklungsphase befindet sich ein FinTech aus Hamburg: TMoRRow (vormals: Goodfolio). Es tritt mit dem Motto „Dein Geld. Dein Impact -Das nachhaltige Girokonto für Dein Smartphone“ an. Aktuell werden lediglich Anmeldungen für eine Warteliste angenommen. Der Start ist für 2018 geplant.

Das rein digitale Angebot soll ein Girokonto mit nachhaltiger Mittelverwendung (Erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft, Mikrofinanzen …) und nachhaltige Anlageprodukte beinhalten. Aus den Umsätzen mit der aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellten Kreditkarte soll ein Aufforstungsprogramm gefördert werden. Bei € 400 Monatsumsatz würde ein neu gepflanzter Baum finanziert. Interessant, auch im deutschen Markt Finanztransaktionen mit realen Effekten zu verbinden. Hierzu wurde bereits einmal ein Beispiel aus China beschrieben: Green Digital Finance.

Konsequenter wäre es, auf die Ausgabe einer Kreditkarte ganz zu verzichten und ein rein digitales Zahlverfahren anzustreben. Der Verzicht auf Kunststoff ist lediglich das kleinere Übel, da für Chip und Magnetstreifen immer noch seltene Rohstoffe benötigt werden. Mehr dazu im Beitrag Karte bio, alles gut? – Leider nicht….

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Neunzehn bis Eins

Nummer Neunzehn am 15.11.2017: comdirect FINANZbarcamp 2017; Die Grenzen von Blockchain/Bitcoin; …der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Nummer Achtzehn am 8.11.2017: Global Financial Development Report 2017/2018; UN Environment/World Bank Group – Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP23; Glücksatlas 2017; Consorsbank mit Nachhaltigkeit im Angebot; NRW Pensionsfonds mit nachhaltigen Kriterien

Nummer Siebzehn am 6.11.2017: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

HSBC Sustainable Finance Briefings 2017

Zur deutschen Version

On Nov. 21st HSBC invited to one of its „Sustainable Finance Briefings 2017“ at Duesseldorf. The bank draws a crystal-clear picture for the financial industry: Sustainability is the sector’s business case. While emerging credit and investment risks from climate change and energy transition have by far passed their inflection points, financing sustainable development defines the future for credit and investment activities. ESG criteria are important to look at, but not sufficient to assess viability of business opportunities.

Grafic: HSBC
22. November 2017
Dr. Ralf Breuer

Climate change and sustainable finance taking the centre stage

At HSBC strategy development and sustainability are jointly headed by Daniel Klier. Within 45 minutes he provided a crystal-clear picture why a bank has to focus on sustainability for the sake of its own survival.

With perspective for the next 10 to 15 years there are substantial credit and investment risks emerging from climate change and energy transition. As renewables will become more competitive, not only energy generation high-carbon technologies will become obsolete. This affects far more than power plants, even some industries as a whole can be in question, such as automotive suppliers without products relevant for electric cars.
On the positive side, energy transition opens substantial opportunities, in particular with regard to green buildings, transport, energy production and grids.

HSBC’s clear commitments

As a global bank, HSBC has a worldwide view on changing infrastructure, especially in Asia. The bank acknowledges that topics related to sustainability and to climate change in particular are not only important, but also very urgent issues. On Nov. 6th the bank renewed and broadened its‘ commitments with new ambitions: HSBC makes new sustainability pledges

  • HSBC has pledged to provide USD100 billion in sustainable financing and investment by 2025. The goal is one of five new commitments that HSBC is making to tackle climate change and to support sustainable growth in the communities it serves
  • Source 100 per cent of its electricity from renewable sources by 2030, with an interim target of 90 per cent by 2025. By signing long-term agreements with suppliers, HSBC objective is to support the development of new renewable power facilities
  • Reduce its exposure to thermal coal and actively manage the transition for other high-carbon sectors. This includes discontinuing financing of new coal-fired power plants in developed markets and of thermal coal mines worldwide
  • Adopt the recommendations of the Task Force on Climate-related Financial Disclosures to increase transparency. In its next two annual group reports, HSBC will elaborate more detailed on its approach to climate-related risks and opportunities
  • Lead and positively influence the debate about sustainable finance and investment. This includes promoting the development of industrywide definitions and standards

Building liquid markets, mitigating risks from energy transition and improving transparency are considered to be key. As the global development goals are complex and interlinked, progress in benchmarking appears to be urgent.

Sustainability from investors‘ and issuers‘ point of view

Different panels discussed the current state of sustainable finance. While institutional investors already moved into responsible investing to a great extent, the participants saw a lack of standardization in order to cover retail investors sufficiently.

Climate-related bonds and green bonds in particular were discussed with regard to the fact, that standards and transparency have fuelled the impressive market development. Given the strong momentum in this segment there is hope that further standards could mobilize more private (institutional) funds for other sustainable development purposes than climate as well.

Legislation and regulators have a crucial role as some changes seem necessary as preconditions for a more sustainability-oriented financial sector, in particular with regard to reporting and regulation. But as there are already so many initiatives under way the question is rather when than whether changes will take place.

ESG is not enough sustainability

The financial industry in general and investment funds in particular have already widely adopted criteria for ecological, social and governance aspects (ESG). In the final panel Ralf Frank, Secretary General and Managing Director of DVFA (the German association of investment professionals), raised the question, whether this already provides the necessary framework for targeting sustainable goals successfully.

Clearly it turned out, that the application of ESG criteria – e.g. based on external sustainability ratings – cannot be sufficient. On the contrary, investors should stronger focus on the SDGs. Simultaneously the view should be focus on diverse goals in order to explore additional investment opportunities and to mobilize the urgently needed additional private funding

HSBC Sustainable Finance Briefings 2017

English version

Am 21.11.2017 lud HSBC Interessenten zu einem der „Sustainable Finance Briefings 2017“ nach Düsseldorf ein. In einem dichten vierstündigen Programm wurde Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft aus Sicht der Bank, Emittenten und Investoren beleuchtet. Ganz im Gegensatz zum Eindruck von der Realität im größten Teil der deutschen Kreditwirtschaft wurde deutlich: Klimawandel und die Finanzierung nachhaltiger Entwicklung sind aktuell bereits Kernthemen der Finanzwirtschaft, denen sich kein Unternehmen der Bank- oder Versicherungsbranche entziehen kann.

Infografik: HSBC

22. November 2017

Dr. Ralf Breuer

Klimawandel und Nachhaltigkeit im Rampenlicht

Bei HSBC liegen die Strategieentwicklung und Nachhaltigkeit in einer gemeinsamen Verantwortung unter der Leitung von Daniel Klier. Er machte in 45 Minuten eindringlich deutlich, wie stark die Bank sich mit Nachhaltigkeitsthemen auseinander setzt und auseinander setzen muss, um das eigene Überleben zu sichern. Allein der Blick auf den Energiewandel zeigte, dass Banken auf Sicht von 10 bis 15 Jahren beträchtlichen Risiken ausgesetzt sein können, wenn sie die Abkehr von fossilen Brennstoffen nicht in ihrer Risikopolitik berücksichtigen.

Durch die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien werden nicht nur in der Stromerzeugung, sonder in vielen Bereichen aktuelle Technologien obsolet. So sind nicht nur Kohle- und Gaskraftwerke betroffen, sondern z.B. auch ganze Industriezweige wie Automobilzulieferer ohne Komponenten für Elektrofahrzeuge.

Neben den geschäftlichen Risiken bietet der Energiewandel auch beträchtliche Chancen, z.B. in den Bereichen energetisches Bauen, Transport sowie Energieerzeugung und deren Verteilung.verteilung.

Klares Pflichtenheft für die Bank

Als global positionierte Bank hat HSBC vor allem auch die Veränderungen der Infrastruktur insbesondere in Asien im Blick. In der klaren Erkenntnis, dass Nachhaltigkeitsthemen und ganz besonders der Klimawandel nicht nur wichtige, sondern auch dringende Themen für eine Bank sind, hat HSBC am 6. November 2017 sein „Pflichtenheft“ erneuert und mit neuen Ambitionen versehen: HSBC makes new sustainability pledges.

  • Bis 2025 werden USD 100 Mrd. für nachhaltige Finanzierung und Investitionen bereitgestellt
  • Bis 2030 sollen erneuerbare Energien den Gesamtbedarf des Konzerns decken, bis 2025 90%
  • Risiken in den Bereichen Gewinnung und Verbrennung von Kohle sollen abgebaut werden, der Energiewandel in anderen betroffenen Industriebereichen  wird aktiv begleitet und gestaltet.
  • Die Empfehlungen der vom Financial Stability Board eingesetzten Arbeitsgruppe zur Berichterstattung über klimabedingte Risiken (Task Force on Climate-Related Financial Disclores TCFD) werden übernommen und ihre Umsetzung in den beiden kommenden Geschäftsberichten präzisiert
  • HSBC will sich maßgeblich die Diskussionen um eine nachhaltigere Finanzwirtschaft einbringen, insbesondere bei der Entwicklung von Branchenstandards

Als Kernaufgaben der Banken wird die Schaffung liquider Investmentmärkte, die Verminderung der Risiken aus dem Energiewandel sowie eine Erhöhung der Transparenz gesehen. Nicht zuletzt aufgrund der Komplexität und Wechselwirkung zwischen den globalen nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) sind Maßstäbe für den Fortschritt dringend notwendig.

Nachhaltigkeit im Blick  von Investoren und Emittenten

In unterschiedlich besetzten Diskussionsrunden wurde der Stand nachhaltiger Aspekte in Finanzwirtschaft aufgenommen und diskutiert. Während institutionelle Anleger bereits eine starke Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit vorgenommen haben, mangelt es insbesondere für Privatanleger an Standards.

Am Beispiel des stark wachsenden Marktes für Anleihen mit Klimabezug und ganz besonders für die zertifizierten „Green Bonds“ wurde deutlich, wie eine Transparenz und allgemein gültige Regeln die Marktentwicklung fördern bzw. ihr Fehlen hindert. Insofern besteht die Hoffnung, dass sich auch Grundlagen für andere nachhaltige Entwicklungsziele entwickeln lassen, um mehr privates (insbesondere institutionelles) Kapital zu mobilisieren.

Mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft erfordert unmittelbar die Beteiligung des Gesetzgebers, insbesondere in Hinblick auf eine angepasste Rechnungslegung und auch die Finanzaufsicht. Eine ganze Reihe von Initiativen weist bereits in diese Richtung und es stellt sich weniger die Frage ob, sondern eher wie rasch hier zielgerichtete Veränderungen erfolgen werden. (Mehr hierzu im Bericht zum Sustainable Finance Gipfel Deutschland sowie verschiedene Ausgaben Nachhaltigere Finanzwirtschaft, insbesondere Nummer Zwölf).

ESG ist noch nicht nachhaltig genug

In der Finanzbranche und insbesondere im Fondsgeschäft ist die Berücksichtigung von Kriterien aus den Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung (ESG) bereits weitgehend gängige Praxis. In der Schlussrunde riss Ralf Frank, Geschäftsführer und Generalsekretär der DVFA (Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management), die Frage auf, ob damit bereits hinreichende Voraussetzungen für die Verfolgung nachhaltiger Ziele gegeben seien.

Es wurde deutlich, dass die (rückblickend) angewandten Standards, z.B. auf der Basis externer Ratings nicht hinreichend sein können. Vielmehr sollten sich Investoren unmittelbarer an den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) orientieren. Dabei darf der Blick auch nicht zu stark auf ein einziges Ziel wie die Bekämpfung des Klimawandels verengt werden. Damit können u.a. auch weitere Investitionsmöglichkeiten erschlossen werden, um weiteres, dringend notwendiges privates Kapital für Nachhaltigkeit zu mobilisieren.

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunzehn

Beitragsbild: Original Tafelbild: Sabina Kist, KLEINGELDHELDEN, Foto: comdirect

Inhalt: comdirect FINANZbarcamp 2017; Die Grenzen von Blockchain/Bitcoin; …der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

15. November 2017

Dr. Ralf Breuer

comdirect FINANZbarcamp am 10.11.2017

Im Rahmen der FinTech Week Hamburg 2017 lud die comdirect am 10.11.2017 zum FINANZbarcamp zum Thema „Geldanlagen der Zukunft“ ins Hamburger Betahaus ein. Insgesamt 24 Diskussionsrunden  à 45 Minuten streiften fast die ganze Bandbreite von aktuellen Themen in der Finanzwelt: Von der Emotionalität von Anlageentscheidungen bis zu digitaler Vermögensverwaltung, künstlicher Intelligenz und Kryptowährungen. „Investabel®“ war mit dem Thema „Zukunft = digital und nachhaltig(er) – Banken sind keine Insel“ in der Runde.

 

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Fotos: Tobias Baumgarten about#Fintech

Die Ergebnisse der kurzweiligen 45 Minuten mit Mitarbeitern aus der Finanzwirtschaft, Bloggern und Beratern sind im Beitragsbild bzw. nachfolgenden Tafelbild zusammengefasst. Das Bild wurde freundlicherweise von Sabina Kist, KLEINGELDHELDEN während der Sitzung erstellt und als Foto von comdirect zur Verfügung gestellt.

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Die Diskussionsrunde hat als Kerneigenschaften für nachhaltige Geldanlageprodukte vor allem Transparenz und Glaubwürdigkeit herausgestellt. Hieran mangelt es vor allem einer Vielzahl von Fonds, die sich zwar an Nachhaltigkeitskriterien (z. B. Ausschlüsse, ESG, Best-in-class, Wertekataloge etc.) orientieren, jedoch weder für Berater noch für Kunden wirklich nachvollziehbar sind.

Banken ist dazu zu raten, Nachhaltigkeit nicht nur als Konzept, sondern als Haltung zu positionieren. Zudem wirkt „nachhaltig“ ähnlich verschwommen wie „bio“ und bedarf klarer Standards. Dies ist bekanntermaßen auch Teil der Konzepte für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft in Europa. Vgl. Sustainable Finance Gipfel Deutschland und Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?.

Im Anschluss an den kommunikativen Tag mit einem sehr aufgeschlossenen Teilnehmerkreis wurden die Gewinner des diesjährigen comdirect finanzblog award 2017 bekanntgegeben und geehrt. Noch einmal einen herzlichen Glückwunsch an die Preisträger!

Die Fintech Week Hamburg 2018 ist bereits geplant: 15. bis 19. Oktober 2018.

Die Bitcoin grüßt von überall, aber…

Interessenten für Kryptowährungen und den Einsatz von Verfahren auf der Grundlage der Blockchain ist unbedingt der Artikel von Jürgen Siegert (COO von Traxpay) empfohlen: Die „disruptivste“ Zahlmethode… mit der kann man doch eigentlich gar nicht richtig bezahlen.

Kernaussage: „Wie sieht es aber bei diesem neuen, dezentralen, disruptiven und gehypten Bitcoin auf der Blockchain aus? Leider sehr sehr düster im Vergleich! Die Blockgröße von Bitcoin begrenzt die Anzahl der Transaktionen pro Sekunde auf maximal sieben. Realistisch in der Praxis ist eher drei bis vier Transaktionen pro Sekunde. Bitcoin müsste also 64.000 mal schneller werden um “nur” das diesjährige Alipay-Volumen zu verarbeiten. Bei der aktuellen Wachstumsrate von Alipay hieße dies: Kommendes Jahr müsste Bitcoin sogar 128.000 mal schneller sein und dann hat noch kein Europäer oder Amerikaner eine einzige weitere Transaktion verarbeitet.“

Botschaft: Die Abwicklung von Verkaufsrekorden wie bei Alibaba/AliPay am 11.11. sind auf der Grundlage von Blockchains geschwindigkeitsbedingt aktuell schlicht unmöglich. Ähnlich argumentiert Laura Cox auf disruptionhub.com.

…und der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Sehr interessant ist auch eine Präsentation von Benoit Legrand, Global Head of Fintech, CEO ING Ventures bei der ING Group: Innovation for success in the digital age: sharing ING’s experience.

Kernaussage/Schlusssatz letzte Folie: „The main challenge of the digital revolution is not digital … it is human and cultural“.

Übersicht Blogbeiträge

Aktuelles – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtzehn bis Eins

Nummer Achtzehn am 8.11.2017: Global Financial Development Report 2017/2018; UN Environment/World Bank Group – Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP23; Glücksatlas 2017; Consorsbank mit Nachhaltigkeit im Angebot; NRW Pensionsfonds mit nachhaltigen Kriterien

Nummer Siebzehn am 6.11.2017: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtzehn

Grafik: UN environment

Inhalt: Global Financial Development Report 2017/2018; UN Environment/World Bank Group – Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP23; Glücksatlas 2017; Consorsbank mit Nachhaltigkeit im Angebot; NRW Pensionsfonds mit nachhaltigen Kriterien

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

8. November 2017

Dr. Ralf Breuer

Global Financial Development Report 2017/2018

Die Weltbankgruppe veröffentlichte am 7.11.2017 den diesjährigen Global Financial Development Report 2017/2018. Neben den Risiken des globalen Finanzsystems wird u.a. die Mobilisierung von Finanzmitteln für kleine und mittlere Unternehmen, finanzielle Inklusion und die steigende Bedeutung von FinTech thematisiert. Über die Kernbotschaften der Studie gibt die Gruppe hier einen Überblick.

Roadmap for a Sustainable Financial System

UN Environment und Weltbankgruppe stellen auf dem Klimagipfel am 13.11.2017 in einer Studie Wege zu einer nachhaltigeren Finanzwirtschaft vor, die Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP 23. Die Vorschläge sind in den folgenden Übersichten zusammengefasst:

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Quelle: UN environment

Glücksatlas 2017 – Schwerpunktthema Nachhaltigkeit

Nachhaltiges Engagement ist das Schwerpunktthema im diesjährigen Deutsche Post Glücksatlas. Nach der Studie ist die Lebenszufriedenheit in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau. Nachhaltiges Engagement macht hiernach (noch) glücklicher und wäre bei der Geldanlage auch gewünscht und bei entsprechenden Angeboten leicht zu realisieren, wie in Nummer Sechzehn zitierte Studie des NKI – Institut für nachhaltige Kapitalanlagen gezeigt hat.

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Quelle: Deutsche Post Glücksatlas 2017 – Kernbotschaften

Consorsbank platziert Nachhaltigkeit prominent

Die Consorsbank hat in ihrer aktuellen Kundeninformation und auch auf ihrer Zugangsseite Informationen zum Klimagipfel COP23 in Bonn sowie zu nachhaltigen Geldanlagen prominent platziert unter Wissen aktuell. Angeboten werden Fonds der Muttergesellschaft BNP Paribas bzw. dem gruppenzugehörigen Vermögensverwalter BNP Paribas Asset Management.

Angeboten werden zwei Aktienfonds mit den Themen Umwelt bzw. Wasser sowie ein „balanced“ Mischfonds. Consorsbank stellt ganz zutreffend die Aktualität von Nachhaltigkeit als Anlagethema heraus. Im Informationsangebot der Consorsbank findet sich – ebenfalls von BNP Paribas Asset Management – einer der wenigen Rentenfonds auf Klima-und Umweltschutzanleihen (Green Bonds) im Vertrieb für Privatanleger in Deutschland, der Parvest Green Bond Classic, der anlässlich der Nachhaltigkeitswoche im Oktober lanciert wurde (Informationen in Nummer Zwölf).

NRW-Pensionsfonds am FNG-Siegel orientiert

Der aus den Beständen von Versorgungsrücklage und Versorgungsfonds neu geschaffene Pensionsfonds des Landes NRW hat seine Anlagerichtlinien erlassen und richtet sich explizit auf die Nachhaltigkeitsforderungen des FNG-Siegels aus. Der z.Zt. mit € 10,4 Mrd. bestückte Pensionsfonds hat sich bei der Definition von Ausschlusskriterien im vollen Umfang am FNG-Siegel orientiert. In den Anlagerichtlinien ist bestimmt, dass Investitionen in Waffen und Kernenergie wie beim FNG-Siegel ausgeschlossen sind. Auch Verstöße gegen international anerkannte Normen auf den Gebieten Menschenrechte, Arbeitsrechtsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung führen zum Ausschluss aus dem Fonds. Diese Bestimmungen gelten auch für Fonds, in die die Gelder des Pensionsfonds investiert werden. Fonds, die das FNG-Siegel tragen, qualifizieren sich automatisch für den Fonds. Dem NRW-Pensionsfonds werden jedes Jahr mehr als EUR 200 Mio. durch den Landeshaushalt zugeführt. Quelle: Pressemitteilung FNG Siegel – GNG – Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH vom 7.11.2017

 

Übersicht Blogbeiträge

Aktuelles – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Siebzehn bis Eins

Nummer Siebzehn am 6.11.2017: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebzehn

Grafik: ING DiBa

Inhalt: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

6. November 2017

Dr. Ralf Breuer

Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft ?

Bundesminister Peter Altmaier bezeichnete in einem Interview bei Zeit online Nachhaltigkeit als die verbindende Idee zwischen den Verhandlungspartnern der „Jamaika-Koalition“. Zwar hatte keine der verhandelnden Parteien eine nachhaltigere Finanzwirtschaft dediziert im Wahlprogramm (vgl. Nummer Fünf vom 12.9.2017), vor dem Hintergrund der starken Sachzwänge insbesondere die Eindämmung des Klimawandels erscheint aber eine Aufnahme in das Arbeitsprogramm einer neuen Regierung sehr naheliegend.

Die Passage aus dem Interview bei Zeit online im Wortlaut:

ZEIT: Sehen Sie eine gemeinsame Idee, eine Überschrift für Jamaika?

Altmaier: Auch wenn man diese Konstellation ideologisch nicht überhöhen sollte, gibt es etwas, was uns alle verbindet: die Idee der Nachhaltigkeit. Wenn man ein nachhaltig hohes Wachstum will, muss man für nachhaltige ökologische Rahmenbedingungen sorgen. Umgekehrt kenne ich kein Land, das beim Thema Umwelt vorne liegt, aber wirtschaftlich schwach ist – ganz einfach, weil der Umweltschutz Geld kostet.

McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal

In einem gemeinsamen Artikel von McKinsey-Mitarbeitern aus Boston, Paris und Stockholm wird Nachhaltigkeit als neue Normalität bei institutionellen Investoren beschrieben. S. Bernow/B. Klempner/Clarisse Magnin: From ‚why! to ‚why not‘: Sustainable Investments as the new normal. Gemeint ist hierbei eher „verantwortungsbewußt“ im Sinne von Ausschluss- und Negativkriterien sowie die Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und Unternehmungsführungsfaktoren (ESG). Auch wird die Orientierung an den 17 nachhaltigen globalen Entwicklungszielen kurz angerissen, da sich an ihnen positive Wirkungen festmachen lassen.

Französische Banken: Green Supporting Factor

Der französische Bankenverband FBF – Fédération Bancaire Francaise hat mit dem „Green Supporting Factor“ einen Vorschlag zur Unterstützung der Finanzierung der Energiewende vorgelegt: How to successfully finance the Energy Transition. Der Vorschlag beinhaltet:

  1. Eine Kapitalentlastung für Klimafinanzierungen
  2. Zertifizierung von Projekten/Aktivpositionen
  3. Berücksichtigung aller Projekte, unabhängig vom Status als Privatperson, Unternehmen oder öffentliche Institution

Insgesamt ein sehr „schlanker“ und einleuchtender Vorschlag, der sehr im Sinne der europäischen Bestrebungen für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft wäre.

FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen

Eine wahre Fundgrube aktueller Entwicklungen im Finanzsektor ist das Internetangebot der spanischen Großbank BBVA mit dem von ihr seid 2009 ausgeschriebenen Open Talent Award. Neben den Preiskategorien „Identität“, „Künstliche Intelligenz“, „FinTech für Unternehmen“, „Global Trends“ und „Regional“ werden zusätzliche Sonderpreise für „Financial Inclusion“, „Women in FinTech“ sowie „2 Tickets for Pioneers 18“ ausgeschrieben.

Die Grenzen zwischen den verschiedenen Kategorien sind dabei eher weniger scharf gesetzt. Preisträger für „Financial Inclusion“ 2017 ist der mexikanische Anbieter ePesos, der Geschäftskunden direkte Zahlungen via Facebook, Mobilfunk oder Email ermöglicht.  Finanziert wird ePesos unter anderem von dem mit USD 200 Mio. ausgestatteten Fond „Santander InnoVentures“. Auch der Regionalpreisträger Pago46 aus Chile bietet Zahlungen für Menschen ohne Kontoverbindung.

Viele Teilnehmer des Wettbewerbs bedienen auch Elemente der finanziellen Bildung, die nicht nur in Schwellenländern eine größere Bedeutung hat. So richtet sich das für Mexiko ausgezeichnete Projekt akiba – Caja de Empleados auf die Ersparnisbildung von Berufstätigen.

Globales Dauerthema Finanzbildung

Im Vorfeld des Weltspartages am 30.10.2017 wurden die Meldungen zum Thema „Finanzbildung“ immer zahlreicher und nicht nur für Entwicklungs- und Schwellenländer. Auch für Westeuropa einschließlich Deutschland bestehen deutliche Mängel. Sowohl bei den Privatkunden (vgl. ING DiBa Research vom 25.10.2017 und Beitragsbild) als auch den Beratern in der Finanzwirtschaft werden deutliche Defizite beklagt (vgl. Nummer Sechzehn).

 

Übersicht Blogbeiträge

Aktuelles – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechzehn bis Eins

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Die FinTech-Welt ist (k)eine Scheibe!

Quelle/source Grafik: Santander

English abstract: The World of FinTech is (not) a Slice! Many FinTech views suggest a perspective on a slice: Based on technology something is offered to businesses or consumers via internet and/or mobile devices. FinTech are rarely analysed with regard to their business cases and likelihood for success. Thus, some survived  even ten years of loss-making despite lacking business case,  many didn’t make it to critical mass/break-even despite convincing technological and commercial concepts. This articles tries to shade some additional light.

Die Sicht auf FinTech erscheint in vielen Medien stark vereinfacht: Technologische Basis, Vertrieb über Internet bzw. mobile Medien. Die Geschäftsmodelle und ihre Erfolgswahrscheinlichkeit werden dabei seltener beleuchtet. Dieser Beitrag folgt einer etwas anderen Systematik, die sich stärker an den Geschäftszwecken orientiert.

2. November 2017

Dr. Ralf Breuer

Die Welt der FinTech als Scheibe

Beschreibungen der FinTech-Welt lesen sich manchmal einfach: Basis Technologie, Vertrieb Internet, B2C, B2B, B2B(2C), P2P. Dabei werden noch einige wenige Subkategorien unterschieden: Investment, Finanzierung, Immobilien, Versicherungslösungen (InsurTech – Insurance Technology), Zahlungsverkehr (Payments). So auch die Profilierung in der Studie von comdirect, der die nachfolgende Übersicht entnommen ist. Hinzu kommen noch Lösungen für Compliance und Regulierung (RegTech – Regulatory Technology) bzw. von den Aufsichtsbehörden entwickelte Anwendungen (SupTech – Supervisory Technology).

2017-10-26 FinTech Comdirect

Damit erschließen sich zwar grob die Blickrichtungen, aber keinesfalls die Motivation für die Entwicklung weiterer Lösungen.

GAFA+ helfen zu verstehen

Die Finanzdienstleistungsangebote der großen Technologiekonzerne haben es in eine eigene Liga der FinTech geschafft. GAFA steht für Google, Apple, Facebook und Amazon. GAFA+ soll andeuten, dass dabei mindestens zwei wichtige Anbieter fehlen: PayPal und Alipay bzw. Ant Financial aus dem chinesischen Alibaba-Konzern.

Die GAFA+ sind nicht auf dem Weg, die Banken zu ersetzen, wohl aber die finanziellen Bedürfnisse ihrer Nutzerbasen zu befriedigen. Dies zeigt insbesondere AliPay mit Angeboten für chinesische Touristen im Ausland, die von den europäischen bzw. us-amerikanischen Banken nicht vorgehalten werden. Mehr hierzu in Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Dreizehn

Welche FinTech braucht die Welt?

Die Erfolgswahrscheinlichkeit von FinTech war bereits einmal Gegenstand eines früheren Beitrags: Erfolgsgrundlagen für FinTech. Die Kernthese besteht darin, „wirkliche Probleme zu lösen“, im Wesentlichen un(ter)versorgte Kundenbedürfnisse zu bedienen. Dies ist aber bei vielen Angeboten nicht der Fall. Sie sind eher auf die Nutzung von bestehenden Angebotsdefiziten gerichtet, z.B. exzessive Margen im privaten internationalen Zahlungsverkehr, den etwa die deutschen Banken fokussierten, sehr profitablen Nischenanbietern wie Western Union überlassen haben.

Grundsätzlich gilt aber für FinTech – Neue Medien, alte Regeln. Neue Banken entstanden überwiegend aus Lücken in bestehenden Angeboten.

Ein Blick nach Afrika vereinfacht die Sicht: Dort haben weite Teile der Bevölkerung noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen, FinTech überbrücken das Fehlen physischer Infrastruktur und zielen auf Einbeziehung von mehr Menschen in den Markt für Finanzdienstleistungen, finanzielle Inklusion. (Die historisch bekanntermaßen die Gründung von Genossenschafts- und Postbanken sowie Sparkassen motivierte).

Untervorsorgung von Kundenbedürfnissen ist in den Teilen des Angebots zu beobachten, die aus Kostengründen nur für bestimmte, vermögendere Kundenkreise reserviert wurden, z.B. in der Vermögensverwaltung. Hierbei handelt es sich also vorrangig um die Beseitigung von Diskriminierung oder „Demokratisierung von bestehenden Leistungsangeboten“. Dies ist insbesondere bei internetbasierten Angeboten im Wertpapiergeschäft, z.B. in der Vermögensverwaltung durch einen Robo-Advisor der Fall (vgl. auch Robo-Advisor – (K)eine Innovation).

In Deutschland ist eine weitreichende Untervorsorgung von nachhaltigen und alternativen Geldanlagen durch weite Teile der Kreditwirtschaft zu beobachten. Dies belegt auch die jüngste Studie des Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen: Während 40% der Privatanleger nachhaltige Geldanlagen wünschen, haben sie nur 4,8% auch realisiert. Dies ist einem Mangel an Produktangeboten und fehlender Beraterqualifikation geschuldet. Vor diesem Hintergrund erklärt sich zumindest teilweise die beachtliche Zahl von Angeboten zur Schwarmfinanzierung (Crowdfunding) im deutschsprachigen Raum: Das Informationsportal www.crowdfunding.de führt derzeit mehr als 100 Angebote für Deutschland, Österreich und die Schweiz auf seiner Liste.

Die Praxis ignoriert Zusammenhänge

Offenbar werden in der Praxis bestehende Zusammenhänge dadurch systematisch ignoriert, dass die bestehenden Herausforderungen des Umfelds nicht zusammenhängend, sondern isoliert bearbeitet werden. Anders sind Beiträge wie der von Eric Salzmann am 1. November 2017 mit dem Titel Digitaler Wandel in der Bank: Einfacher als gedacht nicht zu erklären. Vielmehr gilt, dass Digitalisierung, Regulierung und auch das Thema Nachhaltigkeit viele inhaltliche Verbindungen aufweisen und deshalb auch verbunden bearbeitet werden müssen. Mehr hierzu: Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit mit engen Verbindungen.

Angriff ist kein Selbstzweck

Die Entstehung von neuen Kundenangeboten und mögliche Angriffe auf bestehende Angebote ist kein Selbstzweck, sondern folgt altbekannten Regeln, Lücken im Marktangebot oder exzessive Margen. Ein erheblicher Anteil der FinTech ist eher als Serviceangebot und Ersatz technischer Infrastruktur zu verstehen.

Einen erfrischenden Blick bietet die Liste der 10 Preisträger des diesjährigen Preisträger für Innovationen im Privatkundengeschäft im efma-Accenture Banking Innovation award program: Bei neun der zehn prämierten Ideen ist ihr praktischer Wert aus der kurzen Beschreibung leicht nachvollziehbar. Gedanken zu Nr. 10 gerne auf Nachfrage hier: Kontakt/Contact.