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Inhalt:  Deutsche Bank – Nachhaltigkeit „light“; Sparkassen mit Selbstverpflichtung; CO2 Fußspuren;  EU Klimabenchmarks ab 23.12. in Kraft; Weg zu einer nachhaltigeren Schifffahrt; Finanzierungshandbuch „Klimastrategie“; Seminar/Veranstaltungstermine: VÖB Zertifizierter Kundenberaterlehrgang für nachhaltige Geldanlagen (MifidII); VÖB Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“; Angebot: Schulung/Beratung Deutscher Nachhaltigkeitskodex; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

10. Dezember 2020

Dr. Ralf Breuer

Deutsche Bank – Nachhaltigkeit „light“

Deutsche Bank will Vergütung an Nachhaltigkeitskriterien knüpfen“ titelt die Pressemitteilung vom 7.12.2020 (Link). „Es ist unsere Ambition, ein Vorbild für Nachhaltigkeit in der Finanzbranche zu werden und so zu einer umweltverträglicheren, sozialeren und besser geführten Wirtschaft beizutragen“ lässt sich der Vorstandsvorsitzende zitieren. Klingt schwergewichtig und dennoch wurden die Mitteilung als „Ambitionslimbo“ mit niedrigen Ansprüchen kritisiert.

Dass Nachhaltigkeit ein Wachstumstreiber in allen Geschäftsbereichen wird, hat Christian Sewing bereits seit einiger Zeit erkannt und kommuniziert. Dennoch muten die Absichten eher bescheiden, eben „light“ an:

Ab 2021 sollen Managergehälter an Nachhaltigkeitszielen anknüpfen:

  • Einem Index aus den fünf Nachhaltigkeitsratings,
  • einem Volumenziel für nachhaltige Finanzierungen – € 20 Mrd. 2020, insgesamt € 200 Mrd. bis 2025,
  • Senken des Energiebedarfs der Gebäude um 10% gegenüber 2019 bis 2021
  • vollständige Deckung des verbleibenden Strom(!, nicht Energie-)bedarfs mit erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2025

Für 2020 wird bereits eine Überschreitung des Volumenziels von € 20 Mrd. avisiert. Eher „light“ muten die Ambitionen für die folgenden Jahre an, da der Markt für nachhaltige Finanzierungsinstrumente rasant wächst. Helaba Volkswirtschaft/Research berichtet von einem Neugeschäft in der Größenordnung von USD 658 Mrd. in den ersten elf Monaten des laufenden Jahres.

2020-12-08 Helab Credit

Quelle: Helaba – Credit Special: Europäische Bankanleihen – Aufsicht setzt die grüne Brille auf, 8.12.2020

Mit einer Steigerung des Volumens bei der Deutschen Bank um rund € 38 Mrd. würde sie sich etwa bei einem Marktanteil von heute 5 % mit wachstumsbedingt deutlich sinkender Tendenz bewegen. Das Ziel scheint also sehr vorsichtig berechnet.

Konkretere Ambitionen in anderen Bereichen von Nachhaltigkeit bleiben offen. Die Bank avisiert aber einen speziellen Investorentag nach Veröffentlichung ihres nicht-finanziellen Berichts am 12. März 2021.

Sparkassen mit Selbstverpflichtung

„Sparkassen-Finanzgruppe bringt Klimaschutz-Selbstverpflichtung an den Start“ titelt die Pressemeldung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands am 8.12.2020 (Link). Die Ansprüche reichen allerdings weit über ein Klimaziel hinaus: „Weniger CO2 auszustoßen und nachhaltiger zu wirtschaften – und zwar im eigenen Haus, bei ihrer Kundschaft und in der Kommune vor Ort – das sind die Ziele, die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe mit ihrer heute veröffentlichten „Selbstverpflichtung für klimafreundliches und nachhaltiges Wirtschaften“ erreichen wollen.

Klimaneutralität 2035 ist bei der Vielzahl von Gebäuden sicherlich nicht trivial, allerdings wurden vorsorglich Kompensationsmöglichkeiten „eingetextet“. Da hätte auch ein kurzfristigeres Ziel gesetzt werden können (vorbehaltlich der Kompensationsaufwendungen).

Insbesondere die zweite Seite der Selbstverpflichtung setzt anspruchsvollere Maßstäbe:

  • bewusste Steuerung der Aktivseite, einschließlich Abschätzung der Klimaauswirkungen in Kredit- und Anlageportfolien
  • Förderung des Bewusstseins für nachhaltige Wertpapieranlagen
  • Unterstützung von Kunden und Kommunen bei der Transformation
  • Weiterbildung und Vergütungssysteme (!)
  • Förderung veränderten Mobilitätsverhaltens (Dienstwagen?!)

In der Verpflichtung schimmert ein deutlich umfassenderes Nachhaltigkeitsverständnis durch als dies aktuell „gelebt“ wird. Das beschränkt sich auf den steuerlich sanktionierten Teil, die Gemeinnützigkeit und weniger auf das in den Sparkassengesetzen verankerte, breitere Gemeinwohl. Dies könnte sich auf der Grundlage des Schlussabsatzes etwas wandeln:

„Sie fördern in ihrem Geschäftsgebiet, insbesondere in ihren Liegenschaften, verstärkt Umweltprojekte, die dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Biodiversität sowie der Bindung von CO2 dienen. Beispiele sind Aufforstungs- und Renaturierungsprojekte sowie Baumpflanzungen in den Kommunen.“

Die hochgesteckten Ansprüche eines umfassenden Nachhaltigkeitsverständnisses dürften ursächlich sein, dass nur 172 der 376 Sparkassen zu den Erstunterzeichnern gehören. Weitere Unterzeichnungen wurden mit Hinweisen auf laufende Gremienabstimmungen avisiert.

Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) kündigte gegenüber der Börsenzeitung an, dass die Genossenschaftsbanken zum Jahresbeginn 2021 mit einer ähnlichen Verpflichtung folgen könnten (Börsenzeitung vom 8.12.2020, S. 5 „Klimaneutral bis 2035“).

CO2 Fußspuren

„Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde – das haben auch Banken erkannt, die nun nicht ausschließlich darauf setzen: Kunden bei der Deutschen Bank können nun ihren persönlichen CO2-Ausstoß pro Monat in der App „Deutsche Bank Mobile“ abrufen.“ schreibt das IT Finanzmagazin am 7.12.2020. Bei der Deutschen Bank aktuell allerdings nur für iOS, aber eine solche Funktion wird bald bei vielen Anbietern und auch für Android verfügbar sein.

In Frankreich sind diese Anwendungen bereits deutlich verbreiteter, z.B. den beiden Onlinebanken von BNP Paribas. Mehr im Blogbeitrag FinTech à la française vom 4.8.2020.

Die neue App zeigt den CO2-Fußabdruck an

Quelle: Deutsche Bank via IT Finanzmagazin 7.12.2020

Die Einführung der Funktion garniert das Magazin mit großen Worten aus der Deutschen Bank „Wir sind mit dem CO2-Indikator und unseren grünen Filialen im deutschen Markt ein Vorreiter darin, Nachhaltigkeit wirksam in unsere Arbeitsabläufe zu integrieren.“ Zwar steht beides in keinerlei Zusammenhang, mag aber vor dem Hintergrund der Pressemeldung zur Vergütungsrelevanz vom Folgetag irgendwie ins Bild passen. Als „vertrauensbildende Maßnahme“ wird der Kooperationspartner genannt „Für die Berechnung kooperiert die Deutsche Bank mit KlimAktiv (Webseite) Experten für Klimaschutzstrategien, die auch für das Umweltbundesamt tätig sind.“ – Da kann die Sache nur seriös und richtig sein? – Nicht 100%…

Richtig ist die Ermittlung von CO2-Werten aus Zahlungsdaten, soweit sie seriös durchgeführt werden kann. Im Regelfall sind es allerdings grobe Annäherungen auf der Grundlage von Durchschnittswerten. Präzisierungen müsste der Nutzer selbst vornehmen – dafür gibt es „unkategorisierte Ausgaben zuordnen“. Viele Anbieter bieten diese Möglichkeit, um die Berechnung zu präzisieren oder auch die eingegebenen Daten als Lerneffekte für die Anwendung zu nutzen

Vereinfacht ordnet die App Transaktionspartner Emissionswerte zu. Bei Treibstoffen und Transportdienstleistungen sowie Wohnen ist das für etwa 50% der Ausgaben halbwegs indikativ. Bei den großen Positionen Nahrungsmittel und Kleidung dagegen eine sehr grobe Annäherung über den jeweiligen Handelspartner, insbesondere bei den Supermarktketten. Schon die Kassenzettel haben keine hinreichend präzisen Information, da beispielsweise bei Fleisch die CO2-Werte bei den Sorten erheblich schwanken. Noch schwieriger wird es bei „Obst/Gemüse“: Die CO2-Werte können je nach Saison und Herkunft um das bis zu Dreihundertfache schwanken. Bei Textilen und einigen anderen Waren besteht zusätzlich das Problem bei Lieferketten und Arbeitsbedingungen – hierüber sagt der CO2-Wert nichts aus.

Vor diesem Hintergrund liefern die CO2-Rechner eher unscharfe Spuren als einen wirklichen Fußabdruck. Sicherlich haben sie einen gewissen Wert bei der Bewusstseinsbildung. Allerdings unterliegen sie einem Dilemma: Je präziser die Werte aus Zahlungsdaten ermittelt werden können, desto weniger Einfluss haben Kunden über ihre Kaufentscheidungen. Sie können nur über Vermeidung oder aber indirekt durch Druck auf die Hersteller etwas ändern, z.B. den Karbongehalt der angebotenen Treibstoffe zu verringern.

EU Klimabenchmarks ab 23.12. in Kraft

Nach Veröffentlichung im EU Journal treten die neuen Benchmarks für Finanzinstrumente am 23.12.2020 in Kraft. Es handelt sich um zwei Klimaindikatoren: Die „Paris-aligned Benchmarkt (PAT)“ und die „Climate Transition Benchmark (CTB), die an Emissionsreduktion von 50% bzw. 30% bis 2030 ausgerichtet sind. Erläuterungen und Einzelheiten: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundachtzig.

Das Regulierungspaket enthält auch einen Katalog von obligatorischen und freiwilligen Nachhaltigkeitskriterien über die Indexanbieter im „Benchmark Statement“ zukünftig berichten sollen (Annex II): EU Official Journal 3.12.2020.

Weg zu einer nachhaltigeren Schifffahrt

Die „Sustainable Shipping Initiative (SSI) hat einen Plan für die Dekarbonisierung der Seeschifffahrt veröffentlicht. Der Plan orientiert sich an der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und ihren siebzehn nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs). In dem Plan werden Maßnahmen für die Bereiche Ozeane, Gemeinschaften, Menschen, Transparenz, Finanzen und Energie vorgestellt und auf die jeweils relevanten SDGs bezogen: SSI: Navigating the Future.

Finanzierungshandbuch „Klimastrategie“

Eine Arbeitsgruppe der internationalen Kapitalmarktvereinigung (ICMA) hat am 9.12.2020 ein neues Handbuch für die Finanzierung von Maßnahmen zur Anpassung an Klimafolgen, insbesondere auch Emissionssenkungen vorgestellt. Es soll sowohl für zweckorientierte (sustainability-linked) als auch allgemeine Finanzierungen, z.B. am Anleihemarkt gelten. Das Handbuch dient als Grundlage für die Finanzierung von unternehmerischen Klimastrategien und setzt dabei u.a. Standards für die wissenschaftlichen Grundlagen und Transparenz: Presentation 9.12.2020 (EN).

Seminar-/Veranstaltungstermine

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Zertifizierter Kundenberaterlehrgang nachhaltige Geldanlagen (MifidII)

Die Academy of Finance der VÖB-Service GmbH bietet ab März 2021 den Zertifizierten Kundenberaterlehrgang nachhaltige Geldanlagen (MifidII) als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen von Kundenbetreuer*innen im Kundengespräch aufgebaut und geschult werden. Spätestens ab 2022 wird es gemäß MifidII zur Pflicht, in der Kundenberatung „Nachhaltigkeitspräferenzen“ zu erfragen und dies im Beratungsprotokoll zu dokumentieren.

MifidII wird nicht zur Beratung über nachhaltige Geldanlagen oder gar zu aktiven Produktangeboten verpflichten. Allerdings wird durch die neuen Vorschriften Nachhaltigkeit thematisiert, worauf weite Teile der Berater*innen in der Kreditwirtschaft nur schlecht vorbereitet sind.

Der Lehrgang ist in der Form eines „Blended Learnings“ gestaltet und setzt sich aus drei Onlineseminaren, fünf E-Learnings und einem Präsenzworkshop zusammen. Im Workshop werden praxisnah Gesprächssituationen über nachhaltige Anlageprodukte trainiert und auch integriert die Abschlussprüfung absolviert.

Der Start mit dem ersten Onlineseminar ist am 3.3.2021 geplant, der erste Abschlusstermin am 6.5.2021 in Bonn. Die Academy bietet damit in einem kompakten Format die Möglichkeit, Mitarbeiter*innen umfassend zum Thema Nachhaltigkeit in der Kundenberatung zu qualifizieren. Mit Ausnahme des Abschlussworkshop sind alle Module auch einzeln buchbar. Maßgeschneiderte Angebote für Gruppen aus einem Unternehmen sind auf Anfrage ebenfalls möglich.

Weitere Informationen und Buchungen: VÖB-Service Academy of Finance

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“

Die Academy of Finance der VÖB-Service GmbH bietet seit März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Der Starttermin am 16.3.2020 und die Zusatztermine am 17. und 18.3.2020  sowie der Starttermin am 23.6. waren bereits ausgebucht. Am 28.7. und 1.10.2020 wurden zwei weitere Lehrgangsgruppen gestartet. Nächster virtueller Workshop als Modul 1 des Lehrgangs: 24.2.2020.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

Eine Beschreibung und einige Hintergründe zum findet sich im Newsletter der Steyler Ethik Bank vom Februar 2020: Nachhaltige Prozesse anstoßen.

Weitere Bildungsangebote: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Schulung/Beratung Deutscher Nachhaltigkeitskodex

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Nach Durchlaufen der vorgesehen Procedere ist Investabel® nun offizieller Schulungspartner. Mit dem bereitgestellten virtuellen „Moderatorenkoffer“ kann der Kodex als Instrument für die Vorbereitung und Durchführung von systematische Nachhaltigkeitsprojekten bis hin zu einener formalisierten  Berichterstattung begleitet werden. Der Kodex kann als niederschwelliger, kostenfreier Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung von allen Unternehme(r)n oder auch zur Erfüllung der Berichtspflicht gemäß CSR – RuG genutzt werden. Weitere Informationen: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

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