Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundsiebzig

 

2019-05-25 CO2 Pfade Quaschnik

Titelbild/Bild Prof. Dr. Volker Quaschning, Lehrstuhl für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin am 28.5.2019 via Twitter

Inhalt: Europawahl 2019 – Keine Zukunft ohne Nachhaltigkeit; Zentralbanken und Bankenaufseher zu Klimarisiken; right.open – neues Netzwerk gestartet; Triodos Investment Management: ESG war gestern; Niederlande mit erstem Green Bond und Novum; Klimanotstand durch Politiknotstand; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

28. Mai 2019

Dr. Ralf Breuer

Europawahl 2019 – Keine Zukunft ohne Nachhaltigkeit

Spätestens nach dem heißen Sommer 2018 und den folgenden Landtagswahlen in Bayern und Hessen zeichnete sich die Richtung des Wahlergebnisses bei der Europawahl 2019 in Deutschland sehr klar ab. Dies wurde u.a. in den Ausgaben Nummer Dreiundfünfzig und Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag thematisiert.

2018-10-14 Bayernwahl

Quelle: Twitter/Jörg Schönenborn, WDR, Daten: infratest Dimap

Das Interesse an Nachhaltigkeit im allgemeinen und insbesondere dem Klimaschutz ist seither durch fortlaufende politische Diskussionen auch innerhalb der Bundesregierung und die seit einem halben Jahr stattfindenden Jugendproteste der „FridaysForFuture“ weiter in der Gesellschaft verstärkt worden. Die aktuelle Politik hat dies nicht hinreichend reflektiert: Nummer Einundsiebzig.

Es ist absurd, wenn sich prominente Politiker im Nachgang der Wahl überrascht zeigen und u.a. auf einzelne Videos – z.B. bei YouTube – unmittelbar vor der Wahl hinweisen.

Das deutsche Ergebnis der Europawahl darf in der Höhe der Ergebnisse einzelner Parteien überraschen, nicht aber in Hinblick auf die zugrunde liegenden Entwicklungen. Es reflektiert vielmehr die seit dem Sommer 2018 immer stärker gestiegene Aufmerksamkeit für die Notwendigkeit, dem Klimawandel wirksam zu begegnen. Dies drückt sich u.a. auch in einer Vielzahl von eher informellen Unterstützern der Jugendproteste aus.

2019-05-26 Stimmen Gruene Altersgruppen

Quelle: www.tagesschau.de

Einen interessanten Vergleich bietet die Analyse der CDU-Wähler nach Altersgruppen. Danach lag Bündnis 90/Die Grünen mit der CDU auch bei den 30 bis 40jährigen gleichauf und in der Altersgruppe bis 59 Jahre nur 4%-Punkte hinter der CDU mit 27%.

2019-05-26 Forschungsgruppe Wahlen CDU

Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Bemerkenswert an der Wahlanalyse ist neben der in Wählerbewegungen aufgetretenen Wucht vor allem die Reichweite des Themas Klimaschutz in der Bevölkerung. Bündnis 90/Die Grünen erzielte bei den 25 bis 69jährigen Wählern sehr gleichmäßig Stimmengewinne. Damit erscheint die deutsche Gesellschaft weitaus tiefer von dem Wunsch nach einer wirksamen Bekämpfung des Klimawandels durchdrungen als vielfach angenommen.

Neben der scheinbaren Überraschung der Politik irritiert auch der Umgang der Mehrheit in der deutschen Finanzwirtschaft mit dem Thema Nachhaltigkeit: Deutliche Worte der Finanzmarktregulierung in Zeiten extrem gestiegener Kundeninteressen finden im Produktangebot von Banken und Sparkassen kaum Widerhall. Eher das Gegenteil scheint der Fall, wenn eine neue Werbekampagne des Bundesverbands der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) für die Ansprache von Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren statt auf Nachhaltigkeit lieber auf dem angeblichen „Megatrend 80er“ mit einem völlig sinnfreien Werbevideo aufsetzt:

Dieses Video löste in Branchenkreisen eher Entsetzen als Kopfschütteln aus. Insbesondere auch bei Personen, die in sehr digital affinen Bereichen tätig sind und vor allem auch das „Nutzererlebnis“ (User Experience, UX) im Fokus haben. Schade, mit den Produktionskosten und den dann noch notwendigen Aufwendungen für Sendezeiten könnte wohl viel „Sinn gestiftet“ werden.

Der Vorstandssprecher der – ebenfalls genossenschaftlichen – GLS Bank sieht jedenfalls Digitalisierung an sich lediglich als Werkzeug: „Digitalisierung hingegen sei kein Geschäftsmodell, sondern ein neutrales Instrument, das man nutzen könne oder auch nicht“. So zitiert auf S. 9 der Maiausgabe des Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Es ist durchaus vorstellbar, weitreichende Teile des Finanzdienstleistungsangebots analog bereit zu stellen. Eine Zukunft ohne Nachhaltigkeit erscheint dagegen unmöglich. So der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Felix Hufeld am 9.5.2019 in Berlin: „Wer langfristig im Finanzsektor erfolgreich sein will, wird am Thema Nachhaltigkeit nicht mehr vorbeikommen“ (Pressemitteilung vom 9.5.2019, vgl. auch Nachbericht im BaFinJournal Mai 2019). Die Praxis vermittelt dagegen vielfach den Eindruck, dass eher Digitalisierung als existenzsichernd und Nachhaltigkeit als Beiwerk angesehen wird.

Zentralbanken und Bankenaufseher zu Klimarisiken

Unter dem Titel „A call for action – Climate change as a source of financial risk“ hat das Netzwerk „NGFS – Network for Greening the Financial system“ die aktuelle Sicht von 34 vertretenen Zentralbanken und Bankaufsichtsbehörden zusammengefasst. Deutsche Bundesbank und BaFin sind gemeinsam in diesem weltweiten Netzwerk vertreten.

Der Klimawandel ist Ursache für eine Reihe von Risiken im Finanzmarkt und wird vom NGSF als wesentlich für die Finanzmarktaufsicht und Regulierung angesehen. Die Wirkungsmechanismen werden in der nachfolgenden Grafik auf Seite 14 im Bericht zusammengefasst:

2019-05-25 NGFS Climate-Financial

Quelle: NGFS – A Call for Action, April 2019

Die BaFin hat als Gründungsmitglied den Bericht des NGFS im aktuellen Journal thematisiert: BaFinJournal Mai 2019 S. 33f.

Eine Empfehlung des Berichts besteht in der verstärkten Berücksichtigung von Klimarisiken in der finanziellen Berichterstattung und bei der Bewertung der Finanzmarktstabilität. Hierzu werden aktuell verschiedene Instrumente entwickelt. Ein neues Projekt wurde am 23.5.2019 in Deutschland offiziell gestartet:

right.open – neues Netzwerk gestartet

right.open  ist ein interdisziplinäres wissenschaftliches Netzwerk mit starker deutscher Beteiligung. Es widmet sich der Messbarkeit von Klimarisiken. Kern der Aktivität ist die Weiterentwicklung des sogenannten „XDC-Modell“: „right. based on science hat ein wissenschaftsbasiertes Modell entwickelt, welches Entwicklern von Strategien zum Übergang in eine <2°C-Welt ein Handwerkszeug bietet. In einem Team mit Hintergrund in Rechts-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften, sowie in Psychologie und Mathematik widmet sich right. der Entwicklung des sogenannten XDC-Modells, welches auf Basis klimawissenschaftlicher Erkenntnisse und regulatorischer Anforderungen die wissenschaftsbasierte Klimametrik X-Degree Compatibility („XDC“) berechnet.“

Initiator und Betreiber des Netzwerks ist right. based on science, ein im August 2016 gegründetes Informations- und Beratungsunternehmen, das den Beitrag einer einzelnen wirtschaftlichen Einheit, wie z.B. eines Unternehmens oder einer Anleihe, zum menschengemachten Klimawandel misst. right.open wird dabei als offene Plattform, ohne unmittelbare wirtschaftliche Interessen betrieben.

Beim Kick-off am 23.5.2019 in Frankfurt waren neben Wissenschaft und Wirtschaft auch HSBC Deutschland als Bank sowie die BaFin als Aufsichtsbehörde auf dem Podium vertreten. Frank Pierschel, der „Chief Sustainable Finance Officer“ und „Head of International Banking Supervision“, betonte noch einmal den aus Sicht der BaFin gegebenen dringenden Handlungsbedarf. Dieser bestehe bei Nachhaltigkeit zur Gänze und nicht nur dem Teilaspekt Klimawandel bzw. -risiken. Diese Sicht hat die BaFin nicht nur in ihrem aktuellen Journal (s.o.), sondern auch in den aktuellen BaFinPerspektiven Ausgabe 2|2019 ausführlich thematisiert.

Triodos Investment Management: ESG war gestern

Triodos Investment Management (verwaltetes Vermögen € 4,2 Mrd.) schärft das Profil seiner Anleihe- und Aktienfonds. Nicht mehr Nachhaltigkeit, sondern Wirkung steht im Vordergrund. Damit erfolgt auch eine Veränderung der Anlagestrategie, von „sozial verantwortungsbewußter“ Anlage (Socially Responsible Investing, SRI) hin zu „wirkungsorientierter“ Anlage (Impact Equities and Bonds). Die bisherige Palette von vier Fonds wurde umbenannt und durch zwei weitere Mischfonds mit defensiven und einer offensiven Anlagestrategie ergänzt (Press Release 15 May 2019 (EN).

Niederlande mit erstem Green Bond und Novum

Die Niederlande hat am 21.5.2019 den ersten staatlichen Green Bond mit einem Volumen von knapp € 6 Mrd. platziert. Die 20jährige Staatsanleihe ist der erste Green Bond der höchsten Ratingstufe „AAA“ mit einer Rendite von 0,557 %. Mit Geboten für ein Volumen von € 21,2 Mrd. war die Anleihe deutlich überzeichnet.

Die Überzeichnung wurde von der niederländischen Finanzagentur für ein weiteres Novum genutzt: Sie wählte teilweise Käufer, die eine entsprechende „grüne“ Ausrichtung haben (green real money accounts). Quelle: Dutch State Treasury Agency, Einschätzung www.reuters.com.

Klimanotstand durch Politiknotstand

Wissenschaftler sehen in Deutschland ein deutliches Defizit im politischen Handeln, um die Ziele des Klimaabkommens von Paris 2015 zu erreichen. Nachstehend eine Grafik, die Prof. Dr. Volker Quaschning, Lehrstuhlinhaber für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin am 28.5.2019 via Twitter verbreitete.

Bereits die vorausgegangene Ausgabe Nummer Einundsiebzig widmete dem Thema Politiknotstand/Klimanotstand im Vorfeld der Europwahl.

Zwischenzeitlich haben weitere deutsche Städte den Klimanotstand erklärt: Bad Segeberg (22.5.19) Kiel (erste Landeshauptstadt, 15.5.19), Ludwigslust (16.5.19), Lübeck (23.5.19) Münster (22.5.2019) und Tönisforst (erste Stadt in NRW, 16.5.19).

Im Ausland haben bereits u.a. Großbritannien und Irland sowie kommunal/regional die Stadt Mailand und acht Kantone der Schweiz (u.a. Basel, Bern, Genf und Zürich) den Klimanotstand erklärt. Eine laufend aktualisierte Liste findet sich bei: www.klimabuendnis-hamm.de

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

 

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Zweiundsiebzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundundsechzig

 

2019-03-13 Betreutes Schwänzen

Beitragsbild/Bild: Cartoon Rabe via @ErnstvAll auf Twitter

Inhalt: Vorneweg: Nachhaltigkeit, Jugendproteste und Banken?; Nicht nur für Freitage – #FridaysForFuture; Auch in Deutschland wachsen Banken mit Werten; Tomorrow für alle und sofort; Weltbank mit neuer SDG-Anleihe; SustainableFinance – Anspruch ja, Handeln nein? In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg: Nachhaltigkeit, Jugendproteste und Banken?

Wieso so viel nachstehend über die jugendlichen Proteste an den #FridaysForFuture? Selbst wenn sich diese Welle abschwächt, ist der Klimawandel noch tiefer im Bewußtsein der Gesellschaft und Kunden angekommen. Eine Gruppe von 15 Banken hat in Deutschland mit einem inhaltlich abweichenden, aber jeweils starken Wertefokus über die vergangenen zehn Jahre eine bemerkenswerte Größe erreicht (s.u.).

Die australische Onlinebank UBank (500.000 Kunden) hat kürzlich sogar Einlagenkonten von der Climate Bonds Initiative (CBI) zertifizieren lassen. Üblicherweise zertifiziert die CBI internationale Klimaanleihen (Climate Bonds, Green Bonds). Ziel der UBank: Die Attraktivität für junge Kunden (Millenials) steigern.

Die zertifizierten Einlagen werden zweckgebunden in Projekten für erneuerbare Energie, CO2-armen Transport sowie energetisches Bauen verwendet. (Presseerklärung EN: Media release, 13 March 2019: Green Term Deposits: add some colour to your savings – Grüne Termineinlagen: bringen Sie etwas Farbe in Ihre Ersparnisse).

Nicht nur für Freitage – #FridaysForFuture…

Freitag, 15.3.2019 und schlechtes Wetter in Deutschland. Aber 300.000 junge und ältere Menschen mit der Forderung nach einem wirksamen Klimaschutz auf den Straßen. Insgesamt waren 199 Demonstrationen angekündigt, weltweit 2.052 in 123 Ländern (Quelle: www.fridaysforfuture.org). Tolle Bilder engagierter, um die Zukunft besorgter Menschen aus der ganzen Welt. Eine eindrucksvolle Zusammenstellung erstellte die New York Times.

Viel gescholten wurde in den letzten Tagen der Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP, Christian Lindner für seine Aussage gegenüber der BILD Zeitung.

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Quelle: BILD Zeitung

Delikaterweise sah er das selbst im Alter von 17 Jahren ganz anders.

„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere handelt“

So formulierte er es am Schluß eines Videos, dass ihn als Schüler zeigt, der bereits mit einem Freund und Mitschüler als Unternehmensberater tätig ist.

…nicht nur Jungendliche

2019-03-15 Grandpa for Future

Quelle: @parents4future via Twitter

Zwischenzeitlich haben sich in Deutschland viele Regionalgruppen und über 100 Ortsgruppen engagierter Eltern informell als Parents For Future gebildet. Sie sind als Teilnehmer und Ordner bei den jugendlichen Protesten engagiert.

2019-03-15 Family for Future

Quelle: Benedikt Kirpes via Twitter

Und auch die Wissenschaft!

2019-03-15 SCI4Future 23000

Quelle: www.scientistsforfuture.de

Mehr als 23.000 aktive und ehemalige Forscher im deutschsprachigen Raum unterzeichneten den Aufruf von namhaften Wissenschaftlern zur Unterstützung der Demonstrierenden für einen konsequenten Klimaschutz. Auf 40 Demonstrationen trugen Forscher diesen Appell vor.

Beeindruckend und erschütternd zugleich war die initiale Pressekonferenz am 12.3.2019 in Berlin, bei der vier renommierte Wissenschaftler die Forderungen der „ScientistsForFuture“ vortrugen. Und neben den Wissenschaftlern waren mit Luisa Neubauer und Jakob Blasel auch auch zwei aktive junge Aktivisten auf dem Podium.

Der hörens- und lesenswerte Appell als Video und Stellungnahme sind auf der Internetseite der Wissenschaftler verlinkt: https://www.scientists4future.org/presse/

Mit 16 für den Friedensnobelpreis nominiert!?

Drei norwegische Abgeordnete haben die beispielgebende Greta Thunberg, die die Schulstreiks allein in Stockholm begann, am 14.3.2019 für den Friedensnobelpreis nominiert. In jedem Falle ein weiteres starkes Zeichen an die jugendlichen Demonstranten.

Und dann?

Sicherlich wird die Protestwelle irgendwann an Kraft verlieren. Aber es ist interessant zu lesen, welche Ergebnisse Massenproteste in den letzten 50 Jahren hatten. Die britische Seite für Wissenschaftsjournalismus The Conversation hat dies in einem Artikel sehr nüchtern und anschaulich zusammengefasst (EN): School climate strikes: what next for the latest generation of activists?

Immerhin gab es am 18.3.2019 um 16:10h große Worte von Bundesumweltministerien Svenja Schulze zu den Absichten der Bundesregierung:

Auch in Deutschland wachsen Banken mit Werten

Nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen des Bundesverbands Deutscher Volk- und Raiffeisenbanken (BVR 12.3.2019) haben die Banken mit einem starken (kirchlichen, nachhaltigen oder ökologischen) Wertefokus in Deutschland 2018 eine summierte Bilanzsumme von rund € 65 Mrd. (BVR, Unternehmensangaben, eigene Berechnungen)erreicht und übertreffen damit deutlich die größte deutsche Sparkasse in Hamburg (Bilanzsumme H1 2018: € 44 Mrd.) deutlich.

In der genossenschaftlichen Finanzgruppe 7 dieser Banken zu den 25 größten Instituten. Bemerkenswert ist das Wachstumstempo dieser Bankengruppe: Bei der Bilanzsumme und den Einlagen wuchs sieh im Durchschnitt der letzten 10 Jahre um 0,5 Prozentpunkte stärker als die gesamte genossenschaftliche Finanzgruppe, bei den Kundenforderungen sogar um zwei Prozentpunkte (BVR, Unternehmensangaben, eigene Berechnungen). Rekordhalter ist die GLS Bank, deren Bilanzsumme sich in der Bilanzsumme seit 2008 nahezu versechsfachte, was in allen drei Positionen einem jährlichen Wachstum von annähern 18% über diesen Zeitraum entsprach.

Tomorrow für alle und sofort

Seit dem Start am 16. November 2018 konnte Tomorrow 2.925 Nutzer begrüßen (Stand: 18.3.2019 10:30h, Tomorrow App). Seit dem 11.3.2019 können Interessanten sofort Kunden werden. Bis dahin war dies nur über einen Platz auf der Warteliste und einen persönlichen Einladungscode möglich. Tomorrow wollte hierdurch einen reibungslosen Start sicherstellen. Dies scheint insgesamt gelungen wie ein Blick in die (offene) „Tomorrow Communitiy“ auf Facebook zeigt: Tomorrow Community – Öffentliche Gruppe

 

2018-11-21 Tomorrow4

Tomorrow finanziert aus Interbankgebühren Baumpflanzungsprogramme. Eine Idee, die gut angenommen wird. So z.B. auch in China: Green Digital Finance.

Weltbank mit neuer SDG-Anleihe

Das Nachhaltigkeit weit über ökologische Bemühungen hinaus reicht, wird anhand einer von der Weltbank am Weltfrauentag (8.3.) platzierten neuen Anleihe deutlich. Eine fünfjährige Anleihe über 500 Mrd. indonesische Rupien (IDR, USD 35 Mio.) dient der Bekämpfung von Hunger und Armut sowie der Gleichstellung von Frauen in ländlichen Regionen. Damit werden gleich drei der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) gleichzeitig adressiert.

Sustainable Finance – Anspruch ja, Handeln nein?

Eigentlich hebt man sich für den Schluss etwas Gutes auf. Hier allerdings die weniger schöne, eher betrübliche Nachricht: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundsechzig: Ein Jahr EU-Aktionsplan berichtete von dem Anspruch „Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen“ (sic). Allerdings: Die nächste hochrangige Konferenz zu diesem Thema am 21.3.2019 in Brüssel findet erneut ohne nennenswertes Engagement Deutschlands statt. Jedenfalls steht das Programm hierzu in einem eklatanten Widerspruch: High-Level Conference on Sustainable Finance: A global approach to sustainable finance.

Schon im vergangenen Jahr war das Fehlen prominenter deutscher Vertreter auffällig: Der Finanzminister Olaf Scholz war avisiert, aber nicht anwesend. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel war auf dem Weg nach Brüssel. Srecher waren u.a. Michael Bloomberg, Jean-Claude Juncker und Emmanuel Macron. (Bericht am 25.5.2018: Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung).

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundsechzig

Inhalt:  Vorneweg… Klimaschutz ist mehr Nachhaltigkeit…; …aber Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: EU-Taxonomie von Finanzanlagen – nur öko?; GLS Crowd mit Finanzierung in Rekordzeit; SRI, ESG, SDG – Etwas Entwirrung; Apple Pay in Deutschland gestartet; Kommen und Gehen bei FinTech; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Beitragsbild: https://d-pt.ppstatic.pl/kadry/k/r/1/66/7b/59a6ae4e19eef_o,size,969×565,q,71,h,109ff2.jpg

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

17. Dezember 2018, ergänzt 18.12.2018 (Plädoyers Klimaschutz; Artikel Dr. Ossig, Bankenverband; GLS Crowd; Konsolidierung bei FinTech)

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg…

Auf dem Beitragsbild heißt es Gefahr, Unfall – symbolisch für den Verlauf und das Ergebnis der Weltklimakonferenz COP24 in Katowice. Aber auch für den Vorschlag der von der EU-Kommission eingesetzten Expertengruppe für die Klassifizierung nachhaltiger Finanzpositionen. Mit der Konzentration auf den Umweltschutz ist die dringend notwendige „Taxonomie“ viel zu eng angelegt. Nach all den optimistisch stimmenden Entwicklungen für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft zwei derbe Dämpfer Mitte Dezember 2018!

Klimaschutz ist mehr Nachhaltigkeit…

Zu guter letzt gab es noch eine gute Nachricht von der Weltklimakonferenz: Die Beteiligten konnten sich in einer Konferenzverlängerung noch auf gemeinsame Schlusserklärung einigen. Mehr Berichtenswertes gibt es hier nicht. Das ist in den Medien alles geschrieben. „Klimaschutz lauwarm“ titelt der Bonner General-Anzeiger am 14.12.2018 auf S. 3 – völlig zu Recht.

Nummer Einundsechzig enthielt einen kurzen Bericht über das großartige Plädoyer der fünfzehnjährigen Greta Thunberg auf der Weltklimakonferenz. Am 14.12.2018 folgten Schüler in mindestens 14 Städten ihrem Beispiel und traten in einen Schulstreik für den Klimaschutz: Spiegel Online 14.12.2018. Auch eine Reihe von globalen Großunternehmen forderten zu einem konsequenteren Handeln auf, so z.B. BT Group Plc., Ikea und Mars (EN): Bloomberg 13.12.2018: From Mars to Ikea, Concerns Emerge About Vague Climate Rules.

…aber Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: EU-Taxonomie von Finanzanlagen – nur ökö?

Am 7.12.2018 legte die für die Umsetzung des EU-Aktionsplans (vgl, Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung) Expertengruppe (Technical Expert Group on Sustainable Finance (TEG)) nach fünfmonatiger Tätigkeit ein Konsultationspapier für die „Taxonomie“ von Finanzanlagen vor: Invitation for feedback and expert workshops on taxonomy. Das Ergebnis ist kurz formuliert: Sehr enttäuschend.

Das 108 Seiten starke Dokument zeugt zwar von Arbeit, allerdings nicht von einem zielführenden Ansatz. Der EU-Aktionsplan setzte zwar beim Klimaschutz an, erschien aber offen für andere nachhaltige Entwicklungsziele. Dies ist im Konsultationspapier allerdings nicht erkennbar. Klimarisiken waren und sind nur eines von 17 UN-Teilzielen und ein guter Ansatz für den Angang an die Finanzwirtschaft, da sie hiervon stark betroffen ist und die Bankaufsichtsbehörden ebenfalls von dieser Erkenntnis geleitet werden.

2018-12-13 Glorreiche17

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Die Arbeit der Expertengruppe hat sich dagegen ausschließlich mit Umweltfaktoren beschäftigt. Damit wird auch die resultierende Klassifizierung (Taxonomie) sehr eng gefasst und auf folgende Gebiete begrenzt:

  1. Milderung des Klimawandels
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Wasser und Ozeane
  4. Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung, Recycling
  5. Umweltverschmutzung
  6. Gesunde Ökosysteme

Damit wird aber nur ein enger Ausschnitt der globalen Probleme erfasst. Bei einer Orientierung an den SDGs wäre dies nicht der Fall und bspw. auch die Bekämpfung von Hunger sowie die Migration miterfasst.

Der Angang der EU-Experten erscheint vor allem deshalb sehr verwunderlich, weil sich das Konsensusverständnis seit dem Sommer 2017 stark gewandelt hat. Es stehen weniger die rückwirkend erfassten Werte für Ökologie, Soziales und Unternehmensführung (ESG) im Vordergrund, sondern vorausschauend nachhaltige Entwicklungsziele, die SDGs. Dieser Wandel ist auch im Rating zu erkennen, worüber hier kürzlich berichtet wurde: Nummer Neunundfünfzig.

Sofern die Expertengruppe ihre Arbeit so fortsetzt, wie es es das Konsultationspapier erwarten lassen muss, erscheint das Ziel in Gefahr, ein transparentes und nachvollziehbares Klassifizierungssystem zu erhalten, dass am Ende auch von privaten Geldanlegern als Entscheidungshilfe genutzt werden kann. Damit wird in der Konsequenz auch die ganze Intention des EU-Aktionsplans gefährdet.

Eine ausführliche „Würdigung“ (EN): What goes wrong with #SustainableFinanceEU?

Diese Entwicklung ist umso verwunderlicher als auch Branchenvertreter die Berechtigung von Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft anerkennen. Sicherlich hat der Klimaschutz hier eine prominente Bedeutung wie der aktuelle Beitrag des Hauptgeschäftsführers und Vorstands des Bundesverband deutscher Banken in Der Bank Blog zeigt: Christian Ossig: Klimaschutz macht vor Banken nicht halt Schlussfolgerungen aus der 24. Weltklimakonferenz in Kattowitz, 17.12.2018. Längst herrscht aber in der Branche ein umfassendes, an den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) orientiertes Nachhaltigkeitsverständnis, was sich bereits konkret in der Tätigkeit der globalen Branchenführer niederschlägt: Nummer Fünfunddreissig vom 16.4.2018

GLS Crowd mit Finanzierung in Rekordzeit

Dass Klima- und Umweltschutz auch beliebte Anlagethemen sind, zeigt die von der GLS Crowd am 14.12.2018 platzierte Finanzierung von autarq, einem Hersteller von Solardachziegeln aus Brandenburg. In nur 4,5 Stunden wurden € 1,25 Mio. eines Nachrangdarlehens platziert (7,5%, 3,5 Jahre, endfällig) Laut Pressemitteilung autarq vom 17.12.2018 konnten bereits in den ersten 15 Minuten € 195.000 eingeworben werden.

Auch bei der vorausgegangenen Platzierung einer Finanzierung der akvola Technologies GmbH aus Berlin, einem Spezialisten für Wasseraufbereitung, dauerte es lediglich knapp fünf Stunden, um Investoren für € 750.000 (7%, 6 Jahre, Ratenzahlung ab dem dritten Jahr) zu gewinnen. Laut Pressemitteilung der GLS Bank vom 24.10.2018 waren bereits nach 1,5 Stunden € 500.000 erreicht.

Anmerkung aus der o.g. Pressemitteilung: „Die GLS Crowd ist eine von der GLS Crowdfunding GmbH betriebene, von der GLS Bank unabhängige Schwarmfinanzierungsplattform mit Sitz in Frankfurt am Main, die sich auf die Vermittlung von Finanzierungen für nachhaltige Unternehmen und Projekte spezialisiert hat. Die auf der Plattform angebotenen Finanzierungen werden ihr von der GLS Bank zur Vermittlung vorgeschlagen. Die GLS Crowd bietet Investor*innen die Möglichkeit, Beträge von 250 bis 10.000 Euro in nachhaltige Vorhaben zu investieren“

SRI, ESG, SDGs – Etwas Entwirrung

Anlageangebote mit einem weiten Spektrum von Nachhaltigkeit

Nachhaltige Anlageangebote haben ein weites Spektrum und z.T. erheblich abweichende Interpretationen von Nachhaltigkeit. Für interessierte Privatanleger ist diese Vielfalt ebenso verwirrend wie Finanzjournalisten, so dass deren Beiträge meist auch nicht besonders erhellend und damit hilfreich sind. Insofern bietet der im Portal justETF erschienene Beitrag eine Ausnahme: Dominique Riedel: Nachhaltige ETF-Portfolios zum Selberbauen, 9.12.2018. Der Beitrag stellt übersichtlich die Gemeinsamkeiten der häufigsten Abkürzungen SRI (=socially responsible investments/sozial verantwortliche Investments) und ESG (environment, social, governance/Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) zusammen. Seltener ist „SDGs“ für die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (sustainable development goals) der Vereinten Nationen. Hierzu mehr unten sowie hier im Blog auf SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

ETFs nach SRI- und ESG-Kriterien bieten zwar eher eine schwächere Ausprägung von Nachhaltigkeit, aber sie ermöglichen es bei geringen Kosten und hohem Grad an Streuung mit einem besseren Gewissen anzulegen. Hierbei sind die Ausführungen von Frau Riedel sehr hilfreich. In beiden Kategorien ist es bei einem stetig steigenden Angebot (vgl. u.a. Nummer Einundsechzig) global oder auch regional zu investieren. Dabei werden die Informationen von einem gesunden Grundgedanken geleitet:

„Jeder Mensch definiert nach den eigenen Erfahrungen und Einschätzungen, was für ihn „nachhaltig” oder „ethisch” bedeutet. Genau so ist es mit den unterschiedlichen Index-Regelwerken im Bereich des nachhaltigen Investierens, auf denen ETFs basieren.“

Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Index-Familien im Überblick

Merkmal MSCI SRI-Reihe MSCI ESG Screened-Reihe
Aufgenommene Unternehmen die nach ESG-Kriterien besten 25% jedes Sektors; bestimmte Sektoren werden ausgeschlossen (siehe unten) bestimmte Sektoren werden ausgeschlossen (siehe unten);
keine Berücksichtigung von ESG-Ratings
Gewichtung Marktkapitalisierung Marktkapitalisierung
Marktabdeckung eher gering durch Ausschluss von 75% der Unternehmen eher hoch, da nur bestimmte Sektoren ausgeschlossen werden (ohne Berücksichtigung des ESG-Ratings)
Tracking Error potenziell höher durch geringere Marktabdeckung potenziell geringer durch höhere Marktabdeckung
Kosten i. d. R. höher als Mutterindex wegen Research-Kosten für SRI-Rating sehr ähnlich zum Mutterindex wegen minimaler Research-Kosten für einfachen Filteransatz
Modifikationen MSCI SRI 5% Capped
MSCI Select ESG and Trend Leaders
bisher keine
ETF-Portfolios Nachhaltigkeit SRI Global BIP
Nachhaltigkeit SRI Regionen BIP
Nachhaltigkeit ESG Screened Global BIP
Nachhaltigkeit ESG Screened Regionen BIP
Quelle: iShares; Stand: 05.12.2018 via justETF

Neuer Fonds auf nachhaltige Fremdkapitalfinanzierungen

Produkte mit einer Orientierung an den SDGs bilden bisher die Ausnahme. Allerdings nimmt zumindest für institutionelle Anleger das Angebot weiter zu. Der NN (L) European Sustainable Infrastructure Debt Fonds, der am 15. November 2018 aufgelegt wurde, erweitert die nachhaltige Produktpalette von NN Investment Partners (NN IP) und erfüllt die steigende Nachfrage Institutioneller nach Investitionen in Sachwerte.

„Der neue Fonds zielt darauf ab, ein diversifiziertes Portfolio aus europäischen Infrastrukturfinanzierungen aufzubauen, die einem Investment-Grade-Rating entsprechen und aus fünf Sektoren bestehen. Dazu zählen soziale Infrastruktur, alternative Energie, nachhaltiger Transport und Wasser- und Abfallwirtschaft sowie digitale Infrastruktur. Die geringe Korrelation von Infrastrukturanlagen mit den Konjunkturzyklen ist besonders für langfristige Investoren reizvoll, die ihre Portfolios diversifizieren, ihre Verbindlichkeiten matchen und solide Erträge erzielen möchten. NN IP nutzt mit dem neuen Fonds seine langjährige Erfahrung am Infrastrukturmarkt und hat seine Strategie weiterentwickelt, um sich auf Infrastrukturanlagen zu konzentrieren, die eine messbare Wirkung, einen Impact auf Gesellschaft und Umwelt haben, ohne die finanziellen Erträge zu vernachlässigen. …  Der Fonds strebt eine jährliche Bruttorendite von 3-4% und eine Duration von 12-15 Jahren an.“ Quelle: NN investment partners (DE)

Apple Pay in Deutschland gestartet – Zahlung + Nachhaltigkeit?

2018-12-11 ApplePay

Beitragsbild/Bild: Apple Pay

Mit einer Verspätung von vier Jahren gegenüber europäischen Nachbarländern sind jetzt auch in Deutschland Zahlungen mit Apple Pay möglich. Google Pay war im Juni 2018 gestartet. Die Vorteile beschreibt der Anbieter folgendermaßen:

„Apple Pay funktioniert ganz einfach. Und vor allem ganz sicher. Denn mit Apple Pay wird deine Kartennummer nie auf deinem Gerät oder Apple Servern gespeichert. Und Apple Pay speichert auch keine Daten zu deiner Transaktion, die auf dich zurück­zuführen sind. So kannst du sicher in Geschäften, Apps und im Internet bezahlen. Ganz einfach.“

 Quelle: Apple Pay

Wie funktioniert Apple Pay?

Tatsächlich werden weniger missbrauchsgefährdete Daten mit dem Händler ausgetauscht, da die Zahlung nur über eine Gerätenummer in Verbindung mit einem einmaligen Transaktionscode ausgelöst. Das Smartphone wird mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung entsperrt. Insofern können weder bei der Transaktion noch aus dem Gerät sensible Daten ausgelesen werden. Bei einem Geräteverlust ist damit im Gegensatz zu einer physischen Karte ein Missbrauch ausgeschlossen.

Nicht verwendbar sind Girocards ohne Zugang zu Maestro (d.h. Mastercard). Auch ist der von vielen Banken angebotene Zahlungsdienst VPay (Visa) nicht unter den Anbietern. Die Nutzung solcher Karten ist über die Angebote der Genossenschaftsbanken (Digitale Karten in der VR-Banking-App) und Sparkassen (Mobiles Bezahlen) möglich. Allerdings wird hier für Beträge ab € 25 wiederum ein PIN benötigt.

Zum Start sind die Banken in der nachfolgenden Übersicht mit Apple Pay im Angebot. Weitere Banken haben den Zahlungsdienst für 2019 avisiert.

Apple hat die Liste mit den teilnehmenden Banken veröffentlicht.

Quelle: Apple Pay

Mobile Zahlungen können nachhaltiger sein

In Deutschland werden rund 57 Mio. Smartphones genutzt (Quelle: statista 11.12.2018), die technisch reichlich dimensioniert sind. Gleichzeitig tragen alle 130 Mio. Bank- und Kreditkarten leistungsfähige Chips sowie Magnetstreifen, die zu einem erheblichen Teil nur wenig genutzt werden. Insofern wäre es deshalb naheliegend, andere Lösungen zu wählen, die diesen Materialeinsatz verringern. Eine Variante wären optische Lösungen (QR-Codes, vgl. Weniger Karten in die Brieftasche hier im Blog) oder die von den mobilen Bezahlangeboten genutzte NFC-Funktion der Smartphones, die dann auf den Karten selbst entfallen könnte.

Eine besonders interessante Lösung hat deshalb die Deutsche Bank zum Marktstart in das Angebot genommen: Eine vollständig virtuelle Karte, die allein elektronisch ausgegeben wird. Entgegen den Informationen auf der Internetseite der Bank kursierten zunächst Informationen, wonach Kunden zur Bestellung der Karte eine Filiale besuchen müssten. Dies hätte dieses Angebot natürlich verwässert, ist aber nicht der Fall: „Mit einem Deutsche Bank Konto erhalten Sie zur weltweiten Nutzung von Apple Pay eine virtuelle Mastercard Debitkarte (Deutsche Bank Card Virtual) – dauerhaft ohne Jahresgebühr. Diese können Sie im Rahmen der Apple Pay Aktivierung in der Deutsche Bank Mobile App bestellen.“ Homepage Deutsche Bank – Jetzt: Deutsche Bank mit Apple Pay.

Quelle: Jochen Siegert via Twitter/Deutsche Bank

Viel Andrang zum Start

Jochen Siegert hat auf Payment & Banking am 12.12.2018 seine persönlichen Eindrücke von der Auftaktveranstaltung in der Allianz-Arena in München geschildert: Launchevent von Apple Pay in Deutschland. „Michael Koch, verantwortlich für Online- und Mobilebanking der Deutschen Bank, sprach bezüglich von der MasterCard Debit-Karte und Apple Pay als dem stärksten Produktlaunch der Deutschen Bank überhaupt. Wesentliche KPIs hätten die Erwartungen weit übertroffen. So konnte die Deutsche Bank gestern Vormittag hohe dreistellige Kartenanträge pro Minute verzeichnen und die Besuche der Deutschen Bank Homepage war sechsfach höher als sonst. Dieser Kundenansturm ist sehr beeindruckend. Ich denke das Institut wird so alleine über 50.000 neue Karten am gestrigen Tag abgesetzt bzw. aktiviert haben. Auch ein Comdirect Mitarbeiter schrieb bei Twitter von einem selbstgesetzten Tagesziel von 10.000 Registrierungen (leider Tweet nicht mehr auffindbar) und die im Vergleich eher kleine Hanseatic Bank berichtete auch von 1.200 Registrierungen in den ersten Stunden.“

Akzeptanz ca. 50%

Die Einsatzmöglichkeiten in Deutschland dürften grundsätzlich bei 50% liegen, also überall dort, wo NFC-fähige Terminals genutzt werden. Zusätzlich ist aber eine Vereinbarung mit Apple Pay Voraussetzung. Die folgende Übersicht stellt die beim Start vereinbarten Akzeptanzpartner:

 

Bildergebnis für apple pay akzeptanz

Quelle: Apple Pay

Weitere Partnerbanken für 2019 avisiert

Quelle: Apple Pay

Die Zahlungsdienste im Kurzvergleich

Besonders bei der Freigabe der Zahlungsdienste auf dem Smartphone unterscheiden sich die Angebote Bei Apple-Pay und Google-Pay genügt die Freigabe des Handys bei Touch-ID oder Face-ID, um eine Zahlung zu legitimieren. Für Kleinbeträge ist bei Apple-Pay nicht einmal der Bildschirm des iPhones zu entsperren. Der Vorteil der einfachen Bedienbarkeit mit einer einzigen Aktion ist beim Bezahlen mit den Apps von Sparkasse und VR-Banken jedoch dahin. Bei Beträgen über 25 Euro ist es erforderlich, die Karten-PIN am Smartphone einzugeben.

Während bei Apple und Google nur Debit- und Kreditkarten genutzt werden können, binden die Bankenangebote auch die Girocards ein. Unterschiedlich ist natürlich auch, wer welche Daten hat. Da sind sie allerdings auf jeden Fall, fragt sich immer noch wo. Und das ist eher Geschmacksache.

Kommen und Gehen bei FinTech

Apple Pay kommt, Glase® geht

Am 11.12.2018 hat Glase® (früher SEQR) vormittags die Einstellung seines Zahlungsdienstes für den Nachmittag angekündigt. Ähnlich wie Apple Pay basierte das Angebot auf einem kontaktlosen Bezahlvorgang per NFC-Technik. (heise online 11.12.2018 – Mobile Payment: Glase gibt auf. Mittlerweile sind Neugründungen bei Zahlungsdiensten in einer Minderheit. „Payment-Startups können trotz der breiten öffentlichen Diskussion zum Thema mit zwei Prozent nur einen verschwindend geringen Anteil des Venture-Capital-Investitionsvolumens seit 2017 für sich verbuchen“ heisst es in der aktuellen comdirect Fintech-Studie. Der Markteintritt von Apple dürfte eher einen Konsolidierungsprozess beschleunigen.

Kommen und Gehen bei der Onlinevermögensverwaltung

Nach Santander (Sina) stellt auch die Werthstein GmbH ihr zum Jahresbeginn gestartetes (vgl. Nummer Sechsundzwanzig vom 12.1.2018) Angebot wieder ein: Pressemitteilung vom 17.12.2018: Werthstein GmbH stellt Geschäft ein. Die Bewegung im Markt für „Robo-Advice“ hat Heinz-Roger Dohms heute in Finanz-Szene.de beschrieben: Exklusiv: Deposit Solutions paktiert mit Robo-Advisor Quirion.

Eine Konsolidierung in diesem Markt war seit einiger Zeit sehr vorhersehbar: Kleiner Gesamtmarkt (ca. € 2 Mrd.) mit sehr vielen Anbietern (>40) bei sehr niedrigen Markteintrittsbarrieren aufgrund überschaubarer Investitionsaufwendungen: Robo-Advice – Viel Bewegung im Markt vom 17.11.2017.

 

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen. Ort wird noch bekannt gegeben und je nach Interesse ausgewählt.

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Zweiundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundfünfzig

2018-11-14 Green Bonds 500

Beitragsbild/Bild: Environmental Finance

Inhalt:  Herbst 2018: Der Finanzmarkt wird bunter; Es grünt weiter an den Anleihemärkten; Deutsche Börse mit neuem Segment; BlackRock bietet Green Bonds für alle; Brown to Green Report: Viel Lärm, wenig Taten; Neue Angebote für nachhaltige Finanzdienstleistungen – Tomorrow + Vividam; Sparkassen: Suche nach der Relevanz von morgen; Treffen #Nachhaltige100; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

21. November 2018

Dr. Ralf Breuer

Herbst 2018: Der Finanzmarkt wird bunter

Die Deutsche Börse AG eröffnet ein Segment für „grüne Anleihen“, die DZ Bank platziert „blaue Schuldscheine“, Tomorrow bietet nachhaltige Girokonten, Vividam nachhaltige Geldanlagen: Der deutsche Finanzmarkt hat in kurzer Zeit weiter an Farbe gewonnen. Einige aktuelle Inspiration für Sparkassen, die sich aktuell auf dem FI-Forum, der Hausmesse der Finanz Informatik (FI) in Frankfurt, auf die Suche nach der Relevanz von morgen begeben haben. Und vielleicht findet sich ein Schlüssel: „Regionalität nutzen, um gesellschaftlichen Nutzen vor Ort zu stiften“ findet sich auf Twitter (s.u.) könnte passen.

Es grünt weiter an den Anleihemärkten

In den elf Jahren seit seiner Existenz hat das Volumen der begebenen „grünen Anleihen“ (Green Bonds) kürzlich die Schwelle von USD 500 Mrd. überschritten. Davon entfielen USD 162 Mrd. auf das Jahr 2017 sowie USD 132,7 Mrd. auf das laufende Jahr bis November. Einige Beobachter gehen davon aus, das bereits jetzt das Volumen des Vorjahres erreicht wurde. Die Erwartungen für das gesamte Jahr 2018 stehen bei USD 210 Mrd. (vgl. Climate Bonds Initiative).

Immer mehr Emittenten und Varianten

Neben der Commerzbank und der KfW Gruppe (Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag) sind weitere Finanzinstitute zuletzt aktiv geworden: ING Grouß begab insgesamt € 2,6 Mrd. und nach dem Debut der DZ Bank (€ 250 Mio., Nummer Einundfünfzig) wurde für den Jahresbeginn 2019 eine Emission der Tochter DZ Hyp avisiert (DZ Hyp primed to start green bond project after post-merger debut). DZ Hyp ist einer der größten Emittenten für „gedeckte Anleihen“ (covered bonds), zu denen Hypothekenpfandbriefe zählen. Während die meisten Green Bonds unbesicherte Unternehmensanleihen mit einer zweckgebundenen Mittelverwendung sind, steigt der Anteil der Anleihen, deren Rückzahlung und Verzinsung unmittelbar mit den finanzierten Projekten gedeckt wird. Der insgesamt steigende Anteil liegt gemäß Moody’s aktuell bei etwa 17%.

Green Bonds nur eine Erscheinungsform

Anleihen mit nachhaltigen Finanzierungszwecken orientieren sich vermehrt auch an anderen nachhaltigen Entwicklungszielen als dem Klima- und Umweltschutz, z.B. dem Schutz der Ozeane oder sozialen Zwecken. So gat due DZ Bank kürzlich eine Privatplazierung im Genossenschaftssektor arrangiert, die ausschliesslich Projekten in den Bereichen Wasser und Maritimes dient.

Deutsche Börse mit neuem Segment Green Bonds

Am 12.11.2018 gab die Deutsche Börse AG die Eröffnung ihres neuen Marktsegments bekannt Pressemitteilung 12.11.2018: „Die Deutsche Börse hat ein neues Segment für Green Bonds an der Frankfurter Börse eingeführt. Darin sind zum Start 150 Anleihen enthalten, die den Green Bond Principles der International Capital Markets Association entsprechen. …

… Die Green Bond Principles der International Capital Markets Association berücksichtigen unter anderem die Verwendung des Emissionserlöses, den Prozess der Projektauswahl, das Management und das fortlaufende Reporting.

Das Green Bond-Segment ist Teil eines großen Ganzen. Die Deutsche Börse setzt sich bereits seit Längerem für nachhaltige Finanzierung ein. Neben einem Produktportfolio von rund 100 Nachhaltigkeitsindizes hat die Deutsche Börse in diesem Jahr gemeinsam mit dem Hessischen Wirtschaftsministerium das Green and Sustainable Finance Cluster Germany initiiert. Die Initiative verfolgt das Ziel, die Expertise rund um das Thema nachhaltige Finanzwirtschaft effizient zu nutzen und konkrete Handlungsansätze für die Zukunftsfähigkeit von Finanzmarktstrukturen umzusetzen – national wie international.“

Die Deutsche Börse folgt damit den Nachbarbörsen in London und Luxemburg, die bereits 2015 bzw. 2016 entsprechende Segmente eröffneten.

BlackRock bietet Green Bonds für alle

Die Möglichkeiten einer privaten Geldanlage in Green Bonds waren bisher für private Anleger auf einige wenige  Investmentfonds beschränkt. BlackRock hat nun diesen Markt zunächst in den USA mit einem ETF (Exchange-trade fund) geöffnet, dem iShares Global Green Bond ETF, mit dem auch private Anleger mit kleinen Beträgen und geringen Kosten in den global stark wachsenden Markt investieren können (weitere Informationen (EN)). Es ist zu erwarten, dass sich die starke Zunahme nachhaltiger Anlagevarianten bei diesem (vgl. Nummer Vierundfünfzig) und weiteren Anbietern rasch fortsetzt.

Brown to Green Report: Viel Lärm, wenig Taten

Der kürzlich erschienene „Brown to Green Report“ des New Climate Institute stellt den Industriestaaten der G20 ein schlechtes Zeugnis für den Klimaschutz aus. Danach müssten die Staaten in der Summe ihre CO2-Emissionen bis 2030 halbieren, im den Temperaturanstieg auf 1,5% zu begrenzen. Derzeit sei von einem Anstieg um 3,2% auszugehen. Lediglich Indien habe derzeit die Nähe einer Zielerreichung umsetzen können. Einzelheiten: Informationsseite Brown to Green Report 2018 (EN).

Neue Angebote für nachhaltige Finanzdienstleistungen

Tomorrow

Wie avisiert startete am 16.11.2018 das Angebot der Tomorrow Bank aus Hamburg (vgl. S. Nummer Sechsundfünfzig und Nummer Siebenundfünfzig). Auf die immer wieder gestellte Frage, wie die Mittelverwendung und damit die Aktivseite nachhaltig gestaltet werden sollte, gab Tomorrow jetzt eine vorläufige erste Antwort per Mail in ihrem Newsletter vom 16.11.:

€ 50.000 sollen in die Finanzierung von Mikrokrediten investiert werden: „Zum Start investieren wir in einen Mikrofinanzfonds, der mehrere Dutzend Institute weltweit finanziert. Der Fokus liegt auf Süd- und Mittelamerika, Asien und Osteuropa. Im Schnitt betragen die Mikrokredite rund 1.300€ und werden zum großen Teil an Frauen ausgehändigt. Häufig bieten die Institute den Kreditnehmer*Innen auch Weiterbildung an, z.B. Kurse in Buchhaltung, um das Mikrounternehmen erfolgreicher leiten zu können. Während solche Angebote den Kunden neue Perspektiven eröffnen, senken sie für die Mikrofinanzinstitution das Kreditausfallrisiko.“

Nähere Informationen zu dem gekauften KCD Mikrofinanzfonds III finden sich hier.

Vividam – nachhaltige Vermögensverwaltung

Nach ebenfalls längerer Anlaufphase startet mit Vividam ein hybrides Online -Anlageangebot. Die Anlagestrategien sollen mit aktiv gemanagten Fonds umgesetzt werden, die sich an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen orientieren. Derzeit stehen drei Strategien mit 30, 50 und 70% Aktienquote zur Wahl. Aufbauend auf einer Einmalanlage von € 3.500 können auch Sparpläne ab € 75 monatlich abgeschlossen werden. Einzelheiten und das Angebot: www.vividam.de/

Sparkassen: Suche nach der Relevanz von morgen

Auf dem FI-Forum, der Hausmesse der Finanz Informatik (FI) in Frankfurt, begeben sich die Sparkassen vom 20. bis 22.11.2018 auf die Suche nach der Relevanz von morgen. Zwar mögen die Versionen 2.0 und 3.0 unklar bleiben, aber 1.0 lautete klar die Versorgung un(ter)versorgter Bedürfnisse der Bevölkerung (vor allem in Städten).

Bild: @aboutfintech via Twitter

Besonders relevant erscheint folgende Feststellung:

Auf der Grundlage der eigenen Spendenvergabe (mit der Gießkanne) wird zwar Gemeinnützigkeit immer wieder betont, aber nicht wirklich im Sinne der obigen Aussage gelebt. Dabei ist genau das die Lösung für die Suche nach der eigenen Relevanz: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0. Wie groß die Potenziale in Einzelfällen sein könnten, lässt sich aus der letzten Übersicht des Fair Finance Guide ableiten, auch wenn dessen Perspektive eher nach innen gerichtet ist:

2018-10-30 FairFinanceGuide

Quelle: Bankencheck 3.0 – Fair Finance Guide

Treffen #nachhaltige100

Die Triodos Bank Deutschland hatte am 17.11.2018 zum Treffen der #nachhaltige100 eingeladen: Menschen, die in sozialen Netzwerken zum Thema Nachhaltigkeit aktiv sind. Die Bank aktualisiert monatlich in ihrem Blog eine Liste mit den Aktivitäten: #nachhaltige100. Investabel® wird derzeit auf Rang 91 geführt.

Der Heldenmarkt, eine Messe für nachhaltigen Konsum, bildete in Berlin den Rahmen. Mit bettervest, Facing Finance e.V., GLS Bank, Oikocredit, Triodos Bank Deutschland, Umweltbank waren einige nachhaltige Finanzangebote bzw. Beobachter vertreten. Es war interessant, sich mit den Ausstellern und vielen der in den Medien aktiven Menschen einmal persönlich kennen zu lernen und sich auszutauschen.

Dabei gab es auch ein Plakat zu sehen, dass die Vielfalt der nachhaltigen Angebote für private Menschen eindrucksvoll zusammenstellt:

Quelle/Bezug: https://www.hilfswerft.de/poster/

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Siebenundfünfzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundfünfzig

2018-11-08 GABV

Beitragsbild/Bild: Global Alliance for Banking on Values

Inhalt: Bundesregierung + Nachhaltigkeit: Prominente Schelte; Nachhaltige Finanzen im Parlamentarischen Beirat; …und bei der Deutschen Bundesbank; Tu Gutes und rede darüber!; Dematerialisierung – Nachhaltigkeit und Digitalisierung; Nachhaltigkeit und kognitive Dissonanz; Handelsblatt: Neue Fonds mit Nachhaltigkeit; CSR Kooperationsveranstaltung am 15.11.2018 in Bonn; 16.11.2018: The first Day of Tomorrow!; 17.11.2018: Treffen #nachhaltige100 auf dem Heldenmarkt;  20.11.2018: Globe EU High-Level Conference Brüssel; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

12. November 2018

Dr. Ralf Breuer

Bundesregierung + Nachhaltigkeit: Prominente Schelte

In einem Interview für das Hamburger Abendblatt am 6.11.2018 äußerte sich der frühere Regierende Bürgermeister der Hansestadt Ole von Beust zur Positionierung der großen Parteien unter der Überschrift „Der CDU scheint Nackensteak wichtiger als Nachhaltigkeit“: „Programmatisch versteht die SPD Sozialpolitik immer noch als Alimentierung statt Vorbeugung. Und der CDU scheint das Schweinenackensteak, der Verbrennungsmotor und Arbeit bis zum Umfallen wichtiger zu sein als Nachhaltigkeit und Work-Life-Balance.“ Text: Hamburger Abendblatt 6.11.2018.

Nachhaltige Finanzen im Parlamentarischen Beirat

Über den Fragenkomplex der „Nachhaltigen Finanzen“ und die Pläne der EU-Kommission für eine Nachhaltigkeits-Taxonomie hat der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung unter Leitung von Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU) am Mittwoch, 7. November 2018, mit drei Experten in einem öffentlichen Fachgespräch diskutiert.

Die Experten waren:

Kristina Jeromin, Leiterin der Abteilung Nachhaltigkeit bei der Deutschen Börse AG: „Das ist kein Nischenthema, sondern sollte uns als Wirtschaftsstandort permanent ganz zentral interessieren. Das derzeitige Finanzsystem sei den heutigen Herausforderungen nicht mehr gewachsen. Es sei nicht in der Lage, mit dem Klimawandel, den demografischen Veränderungen und den internationalen Migrationsbewegungen derart umzugehen, dass es die Realwirtschaft nach wie vor zur Wertschöpfung befähigt.“

Dr. Bert Flossbach, Vermögensverwaltung Flossbach von Storch: Begrüßenswert, so Flossbach, sei die Betonung der Längerfristigkeit im Aktionsplan der EU-Kommission. Der größte Feind der Nachhaltigkeit sei schließlich kurzfristiges Denken, sagte der Vermögensverwalter. Ein Beispiel dafür sei die Finanzkrise gewesen, als die kurzfristig ausgerichtete Gewinnmaximierung der Banken zu einem Kahlschlag geführt habe.“

Dr. Andreas K. Gruber, Deutsche Kreditbank (DKB): Finanzmarktakteure müssten zudem Nachhaltigkeit als Kernthema begreifen, „nicht nur als grüne Visitenkarte“. Neben der Digitalisierung müsse Nachhaltigkeit das zweite Mega-Thema für Kreditinstitute sein, die damit nicht nur wachsen könnten, „sondern im gleichen Atemzug für eine nachhaltigere Welt sorgen“

…und bei der Deutschen Bundesbank

Einige Auszüge aus dem Bericht über eine Veranstaltung in ihrem Berliner Sitz Green Finance: NGFS/CEP-Konferenz bei der Bundesbank 09.11.2018, den die Deutsche Bundesbank auf ihrer Internetseite veröffentlichtet:

Welche Rolle spielen Zentralbanken bei der Bekämpfung des Klimawandels? Diese Frage diskutierten über 100 Teilnehmer bei einer zweitägigen wissenschaftlichen Konferenz in Berlin. Das Central Banks and Supervisors Network for Greening the Financial System (NGFS) und der Council on Economic Policies (CEP) haben hierzu zu einer Konferenz über den Einfluss von Klimarisiken auf Finanzmärkte, Finanzstabilität und Geldpolitik in den Räumlichkeiten der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Berlin eingeladen.

Für Bundesbankvorstand Sabine Mauderer ist gesamtgesellschaftlich die Förderung eines grünen Finanzsystems längst keine Frage des Ob mehr, sondern eine Frage des Wie, angesichts der beispiellosen Herausforderungen des Klimawandels.

Benoît Cœuré, Direktoriumsmitglied der EZB und zuständig für Marktoperationen, befasste sich in seinem Vortrag ausführlich mit dem Einfluss des Klimawandels auf die Geldpolitik. Nach seiner Ansicht kann der Klimawandel das richtige Erkennen von Schocks für den mittelfristigen Inflationsausblick weiter erschweren und die Gefahr extremer Ereignisse erhöhen.

Der Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling bezeichnete grüne Investments als aufsteigenden Stern am Finanzhimmel.

Mit dieser Konferenz haben das NGFS und das CEP den akademischen Austausch mit Expertinnen und Experten außerhalb des Zentralbanksektors weiter gefördert. Die zahlreichen Ideen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen in den Fortschrittsbericht des NGFS einfließen, dessen Veröffentlichung für April 2019 geplant ist.

Tu Gutes und rede darüber!

So hat es jedenfalls der Allianz-Konzern im Rahmen seiner Berichterstattung über das dritte Quartal 2018 getan. Zwar nicht in der Analystenkonferenz, aber immerhin mit der nachfolgenden Grafik:

2018-11-09 Allianz Q3 Nachhaltigkeit

Quelle: www.allianz.com

Dematerialisierung – Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Es gibt viele Berührungspunkte zwischen den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung (vgl. Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit mit engen Verbindungen). Finanzielle Inklusion, Finanzbildung, Bildung, administrative Anwendung u.v.a.m. ist nicht mehr an physische Infrastruktur gebunden. Dies zeigt sich bei vielen Entwicklungen in Entwicklungs- und Schwellenländern, ganz besonders in Afrika. Die Abschaffung physische Güter, die „Dematerialisierung“ durch Digitalisierung ist dagegen ein relativ neuer, wenig gebrauchter Begriff, obwohl das papierlose/-arme Büro durchaus geläufig ist. Der Begriff klingt vielleicht etwas wie der Beamer von Scotty im Raumschiff Enterprise, hat aber einen sehr konkreten Hintergrund.

Zunächst einmal stellt sich immer die Frage, was eine echte Innovation ausmacht. Darüber streiten sich bekanntlich viele Geister. Wer nur an schnellere Pferde gedacht hätte, wäre nie bei Autos, Flugzeugen, Eisenbahnen etc. gelandet (Chris Skinner). Insofern beinhalten Innovationen die Aufhebung und/oder deutliche Verschiebung von (physischen) Grenzen. Über das Meer kamen irgendwie immer wieder irgendwelche Menschen, aber nicht so sicher wie heute.

Ein Beitrag (FinTech – Neue Medien, alte Regeln) hat die Erfolgskriterien neuer Angebote beleuchtet: Es geht um die Lösung bzw. Beseitigung von bestehenden Problemen, nicht um solche, die wir ohne die neuen Lösungen gar nicht gehabt hätten. Und Kopien an sich sind per se nicht innovativ. Heinz-Roger Dohms hat am 6.11.2018 in Finanz-Szene.de einmal die „Digitalfabrik“ der Deutschen Bank näher beleuchtet. Da ist nichts dabei, was es nicht schon gäbe: Der große Check – wie digital ist die Deutsche Bank wirklich?. Die Idee, kostenlos Kundenkarten auf dem Smartphone zu verwalten, ist bereits mehrfach realisiert. Wieso muss sich hier die Bank noch „nützlich“ machen wollen?

Mit der virtuellen Verwaltung von Kundenkarten ist aber auch die Schleife zur „Dematerialisierung“ gezogen: Wieso überhaupt physische Kundenkarten, wenn es auch komplett ohne geht? Spart Material, Energie, Transport und Platz in der Brieftasche. Die Drogeriekette Rossmann und Edeka haben genau das bereits mit ihren Apps realisiert. Keine physischen Karten und Coupons, sondern direkte Verrechnung an der Kasse.

Und die chinesischen Zahlungsgewohnheiten haben sich bis zu den Bauernmärkten von physischen Kreditkarten gelöst. Gezahlt wird über QR-Code, für den es einen globalen Standard gibt. Der Code zum Einlesen der Empfängerdaten für die Zahlung hängt dann evtl. am Hals des Esels vor dem Karren: No cash, no cards: paying by phone rules in China’s cultural revolution. Diese Version wird als „Active Payment“ bezeichnet, bei der Zahlungspflichtige die Empfängerdaten einliest. Eine zweite Version ist „Passive Payment“ bei der der Zahlungsempfänger einen einmaligen Code vom Smartphone des Zahlungspflichtigen ausliest. Für Kunden von AliPay funktioniert das mittlerweile auch in europäischen Luxusgeschäften, WMF-Stores, Flughäfen und in New Yorker Taxis. Der Vorteil dieser Verfahren ist die Unabhängig von stationärer Infrastruktur und Stromversorgung. Im Prinzip funktionieren alle Geräte mit einer Kamera als Terminals. Mehr zu Zahlungen mit QR-Codes in einem anschaulichen Artikel vom 23.8.2018 bei Payment & Banking: Kilian Thalhammer/Maik Klotz: QR-Code – vom Saulus zum Paulus.

Bei 130 Mio. Bank- und Kreditkarten in Deutschland, die längs aneinander die Strecke von 11.000 km – Nordkap bis Kapstadt – ergeben, eine durchaus bedenkenswerte Alternative, vor allem in Hinblick auf die Chips mit wertvollen Rohstoffen, die wir kaum genutzt und oft ein erklecklicher Anzahl durch die Gegend tragen. Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe für das Material der Karten ist nur eine zweitbeste Alternative: Karte bio, alles gut? – Leider nicht….

Nachhaltigkeit und kognitive Dissonanz

Sport treiben, gesünder Essen, umweltfreundlich Leben: Anspruch und Wirklichkeit klaffen in unserem Verhalten oft auseinander. (Nicht-)Handeln wider besseres Wissen wird als „kognitive Dissonanz“ bezeichnet. Ein Beitrag von GEO stellte fest: Nachhaltiges Leben ist ein Tummelplatz der kognitiven Dissonanzen (Peter Carstens, Warum wir uns so leicht selbst betrügen, 10.1.2018).

In der deutschen Finanzwirtschaft scheinen in Bezug auf Nachhaltigkeit die kognitiven Dissonanzen aktuell besonders stark ausgeprägt zu sein:

1. Nachhaltigkeit in der Kreditwirtschaft ist in Deutschland nach wie vor ein Rand- bzw. Nischenthema, was nach vielen Expertenurteilen (s.o.) unangemessen ist. In vielen Nachbarländern nicht! Aktuell hierzu zwei Beiträge in „Die Farbe des Geldes“, dem Blog der Triodos Bank Deutschland: Michael Rebmann: Die deutsche Finanzbranche schläft einen tiefen Schlaf, 6.11.2018Ralf Breuer: Deutsche Banken hinken bei Nachhaltigkeit hinterher, 25.10.18.

2. Auch den Bereichen, in denen die geschäftspolitische Bedeutung von Nachhaltigkeit erkannt wurde, wird nicht konsequent danach gehandelt. Ein leider sehr anschauliches Beispiel ist die Union Investment als zentraler Fondsdienstleister der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Das Thema wurde in verschiedener Form relativ prominent dargestellt, u.a. in der Rede des Vorstandsvorsitzenden bei der Jahrespressekonferenz (Rede von Hans Joachim Reinke am 22.2.2018, S. 19f.). Am 6.6.2018 lud die Union Investment bereits zu ihrer siebten Nachhaltigkeitskonferenz ein. Tenor: Union Investment bleibt beim Thema Nachhaltigkeit auch zukünftig in einer Vorreiterrolle.

Am 7.11.2018 publizierte das Unternehmen eine Studie, die großes Interesse der deutschen Sparer an diesem Thema feststellt. Allerdings zeigt die Präsentation zur Jahrespressekonferenz 2018, das nur € 2,8 Mrd. der € 136 Mrd. Anlagen privater Kunden nachhaltig investiert sind (Präsentation S. 6), was im Umkehrschluss viel Absatzpotenzial signalisiert.

Der FairWorldFonds wurde von GLS Bank und KD Bank initiiert, wird den Genossenschaftsbanken nach Nachfrage vertrieben. Er wird auf der Informationsseite unter „Bankenindividuelle Fonds“ geführt, bei denen die Union Investment sich als Dienstleister, nicht als Produkteigner sieht. Dies ist auch bei fünf weiteren Fonds „KCD Union Nachhaltig …“ der Fall, die für eine Gruppe kirchlicher Banken aufgelegt wurden und nur über diese erworben werden können.

Die drei „offiziellen“ Nachhaltigkeitsprodukte der Gesellschaft ein Anlagevolumen von zusammen etwa € 750 Mio. (Stand: Oktober 2018) aufweisen, hat der FairWorldFonds die Marke von € 1 Mrd. trotz der schmaleren Vertriebsbasis und einer elfmonatigen Schließung für neue Anleger knapp überschritten. Die fünf Fonds aus der „KCD-Union Nachhaltig“-Serie haben aktuell (8.11.2018) ein kumuliertes Volumen von etwa € 450 Mio. – Ein Hinweis auf kognitive Dissonanz?

If you wanna make the world a better place
Take a look at yourself and then make that change

(Michael Jackson, Refrain zu „Main in the Mirror“, 1988)

Handelsblatt: Neue Fonds mit Nachhaltigkeit

Auch im November 2018 hat Susanne Bergius wieder eine pralle, sehr lesenswerte Ausgabe produziert: Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments. S. 7ff. beschreiben die aktuelle Entwicklung im Fondsgeschäft. Tenor: Immer mehr Wirkungsorientierung. Auf S. 10 eine interessante, wahrscheinlich aber nicht vollständige Liste neuer bzw. umgestellter Fonds und ETFs.

Mehr Informationen, mehr Veranstaltungen…

Zur Illustrierung neben den oben beschriebenen Veranstaltungen bzw. Ereignissen ein kleiner Auszug aus den Terminen in den kommenden acht Tagen:

CSR Kooperationsveranstaltung am 15.11.2018 in Bonn

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg und das CSR Kompetenzzentrum Rheinland organisieren eine Veranstaltung zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften: „Wir haben den Dreh raus! Fachkräfte gewinnen und binden mit Lebensfinanzplanung“. Niemand würde protestieren, „nachhaltig solide Finanzen“ als Ziel einer solchen Finanzplanung zu nennen. In der Moderation soll aber ganz deutlich werden, das wir und mit dem Begriff Nachhaltigkeit schwer tun: Dauerhaft ist nicht auch nachhaltig!

Die zweistündige Veranstaltung steht allen Interessierten offen. Anmeldung über IHK Bonn/Rhein-Sieg

16.11.2018: The first Day of Tomorrow!

(Wiederholung aus Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechsundfünfzig)

2018-11-03 tomorrow-bank-coming-soon-banner

Beitragsbild: Tomorrow GmbH Hamburg

Ausnahmsweise mal Englisch hier: Am 16.11.2018 beendet das Projekt Tomorrow seine Beta-Testphase und will mit nachhaltigen Finanzdienstleistungsangeboten an den Markt gehen.

Hier die Ideen zum Start im Originaltext:

DEIN GELD, DEIN IMPACT. UNSER NACHHALTIGKEITS-VERSPRECHEN.
1. Sparen mit Sinn – die besten & sinnvollsten Geldanlagen rund um Zukunftsbranchen wie regenerative Energien, Elektromobilität und Bio-Landwirtschaft.

2. Die Impact Card – eine Kreditkarte, die Bäume pflanzt. Mit jeder Zahlung finanzieren wir unseren „Wald von morgen“. Die Erträge fließen in soziale & ökologische Projektarbeit.

3. Nachhaltige Verwahrung der Einlagen – bei uns fließt kein Cent in Rüstung, Kohlekraft, Gentechnik oder andere Industrien von gestern. Versprochen.

4. Starthilfe für die Firmen von morgen – auf unserer Crowdinvestment-Plattform findet man öko-soziale Projekte und kann direkt investieren.

Zum Beginn der öffentlichen Beta-Testphase im September 2018 wurde bereits kurz in der Nummer Neunundvierzig berichtet: „Das Angebot der Tomorrow Bank aus Hamburg ist derzeit in der öffentlichen Testphase mit einer geschlossenen Nutzergruppe. Auf jeden Fall schon gelungen erscheint das (lindgrüne) Design von Grafiken und Texten, vielleicht mit Ausnahme des etwas hohen Anteils englischer Worte, für die es durchaus auch andere Möglichkeiten gäbe. Dennoch ist das optisch schon mal ein sehr gelungener Start“. Daran hat sich wenig geändert.

Tomorrow berichtet von einer Warteliste mit 3.952 Interessenten. Investabel® ist natürlich neugierig, wann die Warteliste abgearbeitet sein wird und wie viele Kunden aus ihr gewonnen werden können. D’Englisch heisst das dann, wie viele „Onboardings“…

Tomorrow war ursprünglich einmal unter dem Namen „Goodfolio“ an den Start gegangen: Nummer Zwanzig.

Es ist derzeit offen, wie Tomorrow seine Versprechen in Bezug auf die zukünftige Mittelverwendung (Aktivseite) sowie nachhaltige Geldanlageangebote darstellen wird. Auch ein Blick in den öffentlich zugänglichen“Maschinenraum“ des Projekts mit den aktuellen und geplanten Aufgaben bietet da wenig Aufschluss. Die geplanten Fondsangebote werden nur vage hinsichtlich ihrer Eigenschaften beschrieben: Nachhaltige Geldanlage/Fonds. Die interne Mittelverwendung bleibt aktuell ebenfalls offen. Lediglich der Kooperationspartner für das Girokonto wurde bisher bekannt gegeben: Tomorrow nutzt die Systeme und auch die Banklizenz der solarisBank. Pressemitteilung vom 12.4.2018.

Es bleibt deshalb abzuwarten, wie die Angebote tatsächlich ausgestaltet werden. Die unter Fachkollegen sehr ansprechend aufgenommene Kampagne setzt jedenfalls auch hier hohe Ansprüche. Für die Umsetzung: Viel Erfolg!

17.11.2018: Treffen #nachhaltige100 auf dem Heldenmarkt

Die Triodos Bank Deutschland hat die auf ihrer Liste  geführten Menschen hinter Kanälen zum Thema Nachhaltigkeit in sozialen Netzwerken zu einem Treffen auf dem Heldenmarkt in Berlin am 17.11.2018 eingeladen: Um 13 Uhr geht es los. Meet&Greet im exklusiven Raum. Dafür erhälst du an der Kasse ein Bändchen. Danach auf der großen Bühne u.a. mit Milena. Die aktuelle Liste: Die Nachhaltigen Einhundert – mit @Investabel aktuell auf Platz 91.

20.11.2018: Globe EU High-Level Conference Brüssel

Im Europäischen Parlament findet am 20.11.2018 eine hochrangig besetzte Konferenz statt: GLOBE EU High-Level Conference – Missing Links in the Evolution of Sustainable Finance (European Parliament, November 20th, 09:00 – 15:00). Wenig überraschend ist das Programm ohne erkennbares deutsches Engagement. Programm 20.11.2018

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Siebenundfünfzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltige Crowdfundings

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Beitragsbild/Foto: Solartainer® von Africa Green Tec

Dr. Ralf Breuer

6. November 2018

Am 6.9.2018 kündigten die Triodos Bank Deutschland und bettervest eine Kooperation an* Zusätzlich hat sich die von einer hundertprozentigen Tochter der niederländischen Muttergesellschaft Triodos N.V. verwaltete „Triodos Sustainable Finance Foundation“ mit einem nicht genannten Anteil an bettervest beteiligt. Nach GLS Bank und GLS Crowd ist dies die zweite engere Kooperation einer auf Nachhaltigkeit fokussierten Bank mit einem FinTech für Schwarmfinanzierung (Crowdfunding). Aus diesem Anlass will der Beitrag beide Kooperationen etwas beleuchten.

Nachhaltigkeit ist geschäftspolitische Logik

Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft ist kein Aktionismus, sondern knallharte geschäftliche Logik. Entsprechend hat sich auch die The Investment Leadership Group (ILG), ein Netzwerk von Spitzenvertretern der globalen Investmentbranche positioniert, dessen Mitgliederliste sich wie ein „Who-is-who“ der Finanzbranche liest: Vertreter der ILG sagten der EU-Kommission ausdrücklich ihre Unterstützung für den Plan zu: Top investment executives commit to Sustainable Finance Action Plan in High-Level Meeting with European Commission. Die Gruppe selbst erarbeitet einen methodischen Rahmen für eine Ausrichtung ihrer Tätigkeit an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs).

Vor allem die deutlich verlängerte Perspektive hin zum längerfristigen (finanziellen) Erfolg kommt der Investmentbranche insbesondere im Pensionsgeschäft sehr entgegen. Viele Auswirkungen von Klimawandel und Energiewende gehen derzeit nicht in die finanzielle Berichterstattung ein. Die herrschende Logik der globalen Finanzinvestoren ist, dass die SDGs die Chancen definieren, während das Klima die Risiken treibt.

Deutschland international im Rückstand

Deutschland hat bei Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft gegenüber den meisten Nachbarländern einen bedeutenden Rückstand. Manche Kommentare stellen z.B. gegenüber Frankreich einen Rückstand von fünf Jahren fest. Und tatsächlich haben dort schon fünf der sieben größten Bankengruppen Nachhaltigkeit im strategischen Fokus. Die größte Bankengruppe Crédit Agricole bezeichnet sich selbst als Bank für nachhaltige Entwicklung – in der Nische des Geldautomaten.

2018-05-03 CA Nimes

Foto: Ralf Breuer, Crédit Agricole du Languedoc, 1 Rue des Halles, F-30000 Nimes

Frankreich ist nur eines von vielen Beispielen. Auch bei der größten europäischen Bank HSBC ist Nachhaltigkeit Chefsache – im weltweiten Konzern und bei der deutschen Tochtergesellschaft. Sie hat eine Informationsseite zu nachhaltiger Finanzierung als „Advertorial“ bei der „Süddeutschen Zeitung“ gestaltet. Neben einem Glossar zum Thema Nachhaltigkeit bietet die Seite sehr informative Texte zu den Themen „Nachhaltige Finanzierung“, „Nachhaltige Investments“ und „Regulatorik“. Hier geht es zum sehr informativen „Advertorial“ bei der Süddeutschen Zeitung.

Nachhaltige Anlageprodukte demokratisieren die Lösung unseres gemeinsamen Problems

Alle Menschen teilen das Schicksal dieses Planeten und haben damit ein gemeinsames Problem. Klimawandel ist eine Folge unzureichender Nachhaltigkeit. Mit dem Klimagipfel 2015 wurden die Ambitionen in ein umfassendes Zielsystem gefasst: Die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs). Diese Ziele sind wiederum in 164 Teilziele, u.a. für das Jahr 2030 heruntergebrochen. Mit den SDGs hat Nachhaltigkeit einen Orientierungsrahmen bekommen, da sie im Gegensatz zu den bis dato geläufigen Ansätzen (SRI, ESG etc.) vorwärtsgerichtet sind. Mit ihnen findet sich Orientierung in Richtung auf ein „Mehr“ an Nachhaltigkeit. Der Konsensus in der Finanzbranche entwickelt sich immer stärker in diese Richtung und damit endet auch die herrschende Verwirrung über das, was nachhaltig(er) ist. Interview mit Roman Limacher, Geschäftsführer,Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG, Zürich: UN-SDGs als neuer Trigger für Nachhaltige Geldanlagen.

Studierende der Fachhochschule Köln haben einen Bierdeckel gestaltet, mit dem diese Zielwelt in kompakter Form sichtbar gemacht wird.

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Mit den 17 Zielen wird deutlich, welche Probleme auf diesem Planeten zu lösen sind. Diese Lösungen erfordern Kapital, das nicht allein aus öffentlichen Quellen kommen kann. Zahlen von Roland Berger im Greentech-Atlas 4.0 2018 stellen allein für Umwelttechnologien einen enormen Finanzierungsbedarf fest: Das weltweite Marktvolumen der Umwelttechnik und Ressourceneffizienz wird sich von mehr als 3.200 Milliarden Euro im Jahr 2016 bis 2025 voraussichtlich auf über 5.900 Milliarden Euro erhöhen.

Mit dem Angebot nachhaltiger Anlagemöglichkeiten für private Anleger werden folglich die finanziellen Lösungsmöglichkeiten unserer kollektiven Probleme vergrößert. Bei institutionellen Anlegern ist dies schon deutlich verbreiteter und deckt sich mit der von ihnen verfolgten oben beschriebenen Logik. Zielrichtung sind dabei die SDGs, von denen beispielsweise mit Energie- und Wasserprojekten in Entwicklungs- und Schwellenländern gleich mehrere adressiert werden können, neben Klimaschutz (Ziel Nr. 13) durch bezahlbare und saubere Energie (7) , Armut (1), Bildung (4) und Infrastruktur. Ein Beispiel ist die dezentrale und nicht netzgebundene erneuerbare Energieerzeugung, die gleichzeitig Mobilfunk speist, wodurch bessere Möglichkeiten der Einkommenserzielung und Bildung geschaffen werden.

Eine beachtliche Zahl von Crowdfundings

Die Zahl von Plattformen für Schwarmfinanzierungen (Crowdfundings) im deutschsprachigen Raum beträgt laut www.crowdfunding.de bei beachtlichen 148 (Stand: 6.11.20189 ! Ein erster Überblick ist eher verwirrend, auch Spendenplattformen als Crowdfundings aufgelistet. Allerdings können hier die Grenzen bereits fließend sein, z.B. bei der Finanzierung von Projekten in den Bereichen Kultur und Sport.Und auch bei den  reinen Finanzierungsplattformen ist der erste Eindruck schon verwirrend genug. Die Informationsmöglichkeiten sind zwar vielfältig, aber gerade der erste Eindruck gestaltet sich aufwändig.

Unter den neun bei www.crowdfunding.de genannten Plattformen für die Finanzierung von Energieprojekten sind auch die beiden Anbieter genannt, die nun fest mit einer Bank kooperieren.

Crowdfundings verringern Marktbarrieren

Grundsätzlich können Crowdfundings eine weitere Beitragsmöglichkeit zur Finanzierung von mehr Nachhaltigkeit sein. Anlegern können sich bereits mit kleineren Beträgen (bettervest ab € 50) Finanzierungsbeteiligungen ermöglichen. Damit öffnen sie einen Markt für Finanzanlagen z.B. in Energieprojekte, wofür traditionell deutlich höhere Einstiegsbeträge jenseits der € 5.000 notwendig waren. Dies führte bei den Anlegern zu hohen Risikokonzentrationen und entsprechenden Verlusten im Problemfall. Aus diesem Grunde hat der Gesetzgeber auch den maximalen Zeichnungsbetrag auf € 10.000 begrenzt.

Die Crowdfundings sind grundsätzlich nicht weniger risikoreich als herkömmliche Direktbeteiligungen. Dies signalisieren schon die „sportlichen“ Zinsangebote, die oft in der Bandbreite von 4,5% bis 10% liegen. Zudem erhält der Anbieter noch eine Provision von regelmäßig rund 10% (vgl. bettervest: Fragen von Investoren). Sie lassen sich aber in aller Ruhe online abschließen und die Anlage kann bei vergleichbaren Beträgen über verschiedene Anbieter, Projekte, Risikoprofile, Laufzeiten, Regionen etc. gestreut werden. Dies wird nach Beobachtungen des Autors auch genutzt. Hierauf weisen insbesondere die relativ niedrigen durchschnittlichen Zeichnungsbeträge je Zeichner hin.

Anleger sind aber immer gut beraten, kritisch zu hinterfragen. Dies ist bei den meisten Anbietern bereits online gut möglich und wird durch die gesetzlich vorgeschriebenen Dokumenten sowie die jeweiligen Informationsangebote unterstützt. Und auch bei den Finanzierungszielen sind Fragen legitim: Z.B. dann, wenn lediglich das Projektrisiko übertragen wird. Dies ist bei einigen Immobilienprojekten für soziale Einrichtungen der Fall, bei denen nur die relativ risikoreiche Zeit bis zur vereinbarten Übergabe an einen Träger finanziert wird, also nur die Erstellung, nicht der Betrieb.

bettervest

Die Idee zu bettervest entstand bereits 2012. Schwerpunkt sind kleinere Projekte im Bereich erneuerbare Energieerzeugung, Energieeffizienz und Wasserversorgung vorrangig in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgerichtet und bisher nicht mit anderen Engagements einer Bank verbunden.

Bisher wurden 76 Projekte im Gesamtvolumen von € 10,8 Mio. platziert. Während in der Anfangszeit auch Projekte unter € 10.000 vermittelt wurden, liegen die meisten Projekte derzeit im Bereich von rund € 100.000 bis € 200.000. Die hohen Anlegerrenditen von häufig 7% und mehr signalisieren ein substanzielles Risiko, dass über die relativ hohe Anzahl von Projekten und den niedrigen Mindestbetrag von € 50 gemildert werden kann. Erfreulich ist das hohe Maß an Transparenz, mit der Projektstatistik und der detaillierten Projektübersicht. Hier werden auch die bisher ausgefallenen sechs Projekte aufgeführt – alle aus dem Bereich Energieerzeugung bzw. -effizienz und ausnahmslos in Deutschland.

GLS Crowd

Im Februar 2017 startete die GLS Crowd, die zwar den Namen und den Markenauftritt der GLS Bank nutzt, aber nicht mit ihr durch eine Kapitalbeteiligung verbunden ist. Vielmehr kooperiert die Bank mit der CrowdDeskGmbH als Plattformbetreiber und schlägt ihr Projekte zur Vermittlung vor. Die bisher platzierten 11 Projekte mit einem Finanzierungsbetrag von € 5,25 Mio. hatten ein Volumen von durchschnittlich € 475.000 und deckten ein weites Spektrum von Nachhaltigkeitsprojekten von Energieerzeugung über Energieeffizienz bis hin zur Betriebsmittelfinanzierung im Handel ab, konzentrierten sich bisher allerdings auf Deutschland. Die platzieren Nachrangdarlehen sind überwiegend komplementär zu einem eigenen Kreditengagement der Bank. Zeichnungen über die Plattform sind mit Beträgen von € 250 bis € 10.000 möglich. Für Anlagewünsche ab € 20.000 bietet die GLS Crowd zusätzlich eine Möglichkeit der Direktbeteiligung.

Nachhaltigkeit ist Trend

Auch wenn die deutsche Kreditwirtschaft einen anderen Eindruck vermittelt, Nachhaltigkeit ist ein gesellschaftliches Thema mit immensem Momentum. Andere Branchen haben dies längst klar erkannt und ihr Handeln einschließlich der Marktkommunikation hierauf ausgerichtet, so z.B. im Einzelhandel (vgl. z.B. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag). Es ist beachtlich, wie oft sich der Begriff bereits in den Werbeprospekten und im stationären Handel findet: Alltagsfotos Nachhaltigkeit

Die Pressemitteilung vom 6.9.2018* bringt es auf den Punkt: „Genauso wie “Bio-Produkte” in den letzten Jahren massentauglich geworden sind, gilt es jetzt nachhaltige Geldanlagen in der Mitte der Gesellschaft zu verankern.“ Crowdfunding mit niedrigen Mindesbeträgen ist ein zusätzliches Mittel hierzu.

*Hinweis: Im Text finden sich Links mit dem Zusatz „*“. Es handelt sich hierbei um Hyperlinks, die mit Hinweisen auf ihre Herkunft in den Beiträgen gekennzeichnet sind und zu einer erfolgsabhängigen Vergütung im Falle eines hierauf zurückgehenden Vertragsabschlusses zwischen dem Nutzer und den jeweiligen Anbietern führen können. Die Nutzung der Links ist kostenfrei.

„Gesponsert“ bedeutet ausdrücklich nicht, dass eine Vergütung für die Setzung und Nutzung der Links selbst und damit bezahlte Werbung erfolgt. Vielmehr bleiben Verwendung, Häufigkeit und Platzierung der Links im völlig freien Ermessen des Autors.

Vereinbarungen über gesponserte Links hat  der Autor derzeit mit folgenden Anbietern  von Geldanlagen in Nachhaltigkeitsprojekte: bettervest (gesponserter Link) und ecoligo investments (gesponserter Link) (Crowdfunding Energie- und Wasserprojekte), ForestFinance (gesponserter Link, Direktinvestments Wald und Kakaoanbau), SDG Investments® (gesponserter Link, Vermittlungsplattform für institutionelle Investoren, unverbindliche Registrierung ggf. bitte mit dem Hinweis auf Investabel®) 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag

 

Beitragsbild: Payment & Banking, Stand Oktober 2018

Inhalt: Nachlese Hessenwahl + Merkel; Weltspartag und Nachhaltigkeit?; Weltspartag – Warum das Sparschwein eine arme Sau ist;  Commerzbank und KfW mit neuen Green Bonds; Deutsche FinTech – Für den Überblick?; Edeka, Rewe, Aldi und der Bio-Daumen: Was hinter der Nachhaltigkeits-Offensive der Lebensmittelhändler wirklich steckt; Der Zukunftsfonds; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

30. Oktober 2018

Dr. Ralf Breuer

Nachlese Hessenwahl + Merkel

Nur einen Tag nach der (Protest-)Wahl zum hessischen Landtag mit ihrem schwierigen Ergebnis hat die Personalie Angela Merkel sie auch schon in den Hintergrund gedrängt. Dieser „Abgang auf Raten“ hat absehbar einen hohen Preis, da erneut Personalia die dringenden Lösungen von Sachfragen zurückstehen lassen. Wie schon in den letzten 13 Monaten seit der letzten Bundestagswahl am 24. September 2017.

Gerade beim Thema Nachhaltigkeit sind die Rückstände international beträchtlich und bedenklich. Dies haben viele Akteure im Land erkannt. Nach dem heißen, dürren Sommer ist Klimaschutz ein prominentes Thema wie viele Stimmen in der jüngeren Vergangenheit unterstrichen haben: Nummer Dreiundfünfzig Nummer Vierundfünfzig.

Weltspartag und Nachhaltigkeit?

Tatsächlich ist die Ursprungsidee eine nachhaltige: Finanzielle Bildung und Stabilisierung der finanziellen Situation unterer Einkommensschichten: „Die Initiative zum Weltspartag wollte nicht einfach nur das Sparen fördern. Vielmehr stand bereits zu Beginn der pädagogische Aspekt im Vordergrund. Vor dem Hintergrund der Finanzerziehung wollte man nicht nur die unteren Einkommensschichten erreichen, das Sparen sollte als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen werden.“ Quelle:Weltspartag – Wikipedia.

Tatsächlich liegen die Wurzeln der heutigen Kreditwirtschaft mehrheitlich in der Versorgung un(ter)-versorgter Bevölkerungsschichten. Hieran erinnert der nachstehende Beitrag eindringlich.

Weltspartag – Warum das Sparschwein eine arme Sau ist

In der „politischen Wochenvorschau“ der Süddeutschen Zeitung am 28.10.2018 hat der Kolumnist Heribert Prantl einen sehr lesenswerten Beitrag unter diesem Titel  zum „Weltspartag“ am 30.10.2018 veröffentlicht.

2018-10-29 Weltspartag

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Besonders eindringlich der Abschnitt:

Wofür Sparkassen da sind

Sparkassen sind Provinz, sie sind die Universalbanken der Provinz in kommunaler Trägerschaft – und kraft Gesetz dem Gemeinwohl und dem Gemeinnützigkeitsprinzip besonders verpflichtet. Wenn sie zusperren, ist das ein Symbol für provinzielle Depression.

Eigentlich ist Provinz ein gutes Wort: Provinz ist da, wo die Menschen sich kennen. Provinz ist da, wo die Machtverhältnisse überschaubar sind. Wenn Sparkassen wirklich gut sind, dann sorgen sie dafür, dass die Provinz Zukunft hat – dann fördern sie Projekte, Unternehmungen und Unternehmen, die neue Landlust wecken. Es geht um Regionalentwicklung. Das ist nichts Abstraktes, sondern sehr konkret. Es geht dabei nicht um die Beschilderung von Wanderwegen oder darum, dass die Marktplätze in den Kleinstädten alle zehn Jahre andersrum gepflastert werden. Es geht vor allem darum, wie man junge Menschen in der Provinz zum Bleiben oder, noch besser, zur Rückkehr bewegt.

Herr Prantl beschreibt hier eindringlich und pointiert die Ratio hinter den Überlegungen in einem früheren Blogbeitrag: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0.

In der Realität ergibt sich leider ein ganz anderes Bild, wie die aktuelle Übersicht des FairFinanceGuide Deutschland über die Nachhaltigkeitsrichtlinien deutscher Kreditinstitute:

2018-10-30 FairFinanceGuide

Quelle: FairFinanceGuide Deutschland

Commerzbank und KfW mit neuen Green Bonds

Commerzbank (€ 500 Mio., 1,25% fest, 5 Jahre) und KfW (€ 1 Mrd., 0,5% fest, 8 Jahre) haben neue Green Bonds begeben. Aber auch hier gilt der Grundsatz, das das Gleiche noch lange nicht das Selbe sein muß!

Green Bonds können unterschiedliche Arten von Anleihen sein. Sie sind zweckgebunden, worüber ein Nachweis zu führen ist. Sie sind aber nicht auch gleichzeitig automatisch auch Verbriefungen der zugeordneten Verwendungen, wie dies beispielsweise bei Pfandbriefen der Fall ist. Beide Anleihen wurden im Rahmen der jeweiligen Daueremissionsprogramme begeben und damit sind sie „ganz normale“ Unternehmensanleihen. Das Risiko hängt nur am Emittenten und nicht an den finanzierten Projekten. Trotzdem ist die Mittelverwendung aus Sicht des jeweiligen Anlegers interessant.

Die Commerzbank verwendet die Mittel zur Refinanzierung bestehender Energieprojekte. Aus einem Bestand von € 626 Mio. in Frage kommender Engagements wurden € 503 Mio. zur Unterlegung der Anleihe ausgewählt. Solartechnologie hat einen Anteil von 47 %, landgestützte Windtechnologie (onshore) 29%, seegestützte Windkraft (offshore) 25%. Dabei sind 46% der Finanzierungen in Deutschland, 13% im Euroraum, 36% in den USA und 4% in Chile. Bei 13% des Volumens sind die Vorhaben noch in der Projektphase. Mit Ausnahme der durchschnittlichen Engagementgröße (sogenannte ‚Granularität‘ der Portfolios) und Verzinsung sind die wesentlichen Elemente in einer (englischen) Präsentation dargestellt: Commerzbank – Inaugural Green Bond European Roadshow – October 2018.

Die KfW dagegen nutzt die Mittel für ihr Programm Erneuerbare Energien – Standard (EN). Hier werden bevorzugt kleinere Vorhaben bis maximal € 50 Mio. aus den Bereichen Energieerzeugung (Solar, Biomasse, Wind, Wasser, Geothermie), Energietransport und -speicherung mit Laufzeiten von bis 20 Jahren finanziert. Zielgruppe sind Privatpersonen, Privatunternehmen, Selbständige, Landwirte und kommunale Unternehmen.

Deutsche FinTech – Für den Überblick?

Das Team von Payment & Banking hat per 2.10.2018 die Übersicht zu den deutschen FinTech aktualisiert. Die stark „besiedelte“ Grafik zeigt, wie schwer es ist, sich einen Überblick zu verschaffen. So finden sich beispielsweise in der Rubrik „Sparen“ auch die Online-Vermögensverwalter, Robo-Advisors. Auffällig ist das Fehlen einer Kategorie, die zukünftig eine große Bedeutung haben wird: Anbieter von automatisierten Regulierungs- und Compliance-Prozessen, sogenannte „RegTech“ (regulatory technology) bzw. in der von Aufsichtsbehörden vorgearbeiteten „SupTech“ (supervisory technology). Solche Anwendungen sind in einigen der aufgeführten FinTech allerdings enthalten und ausbaufähig, z.B. unter „Rating“.

2018-10-02 German FinTech

Grafik: Payment & Banking, Stand Oktober 2018

Edeka, Rewe, Aldi und der Bio-Daumen: Was hinter der Nachhaltigkeits-Offensive der Lebensmittelhändler wirklich steckt

2018-10-29 Edeka Rettich

Bildquelle: https://edeka-zielke.de/2018/01/17/thema-nachhaltigkeit/

Und hier noch ein weiterer Beitrag als Lesetip: Im Alltag fällt auf, dass das Thema Nachhaltigkeit als Thema im Lebensmitteleinzelhandel stark vertreten ist. So auch unter den auf dieser Internetseite gesammelten Alltagsfotos Nachhaltigkeit. Linda Gondorf hat auf www.absatzwirtschaft.de diese Aktivitäten einmal kritisch unter dem Gesichtspunkt hinterfragt, ob es sich um reine Marketingmaßnahmen oder tatsächliche Bemühungen handelt.

Tenor: Marketing ja, aber mit großer Tragweite für die Tätigkeit und in Richtung von mehr Nachhaltigkeit, z.B. Aktuell reduzieren die großen Marken massiv ihre Plastikverpackungen. So wird Lidl in seinen rund 3.200 Filialen bis Ende 2019 Plastikartikel wie Trinkhalme, Einwegbecher und -gläser, Teller, Besteck und Wattestäbchen mit Plastikschaft komplett entfernen. Aldi testet, ob noch mehr Obst- und Gemüsesorten offen angeboten werden könnten. Ab dem zweiten Quartal dieses Jahres will der Discounter außerdem bei Bio-Tomaten Graspapier- und Zuckerrohrschalen als Verpackungsalternativen testen. Auch Edeka betonte auf dpa-Anfrage, die Reduzierung von Verpackungen sei ein Schwerpunktthema bei den Nachhaltigkeitsbemühungen des Unternehmens.

Hier lesen Sie den ganzen Beitrag: Linda Gondorf: Edeka, Rewe, Aldi und der Bio-Daumen: Was hinter der Nachhaltigkeits-Offensive der Lebensmittelhändler wirklich steckt.

Der Zukunftsfonds

Ohne die ganzseitige Anzeige in einer Deutschen Sonntagszeitung wäre er wohl in Vergessenheit geraten: Der Zukunftsfonds unter der Ägide von Kai Dieckmann (Ex-Bild) und Leonard Fischer (Ex-Dresdner). Wer sich (ohne Anmeldung) informieren möchte erlebt eine saftige Enttäuschung: Von einer Erläuterung der Strategie („einfach clever sparen“) oder der „journalistischen Begleitung“ keine Spur und es finden sich auch keine Links auf die (vorgeschriebenen) Dokumente. Diese sind aber für die Einschätzung des eigenen Interesses unabdingbar.

Die Informationen finden sich dann auf der Seite der Universal Investment. Allerdings tragen die Informationen hier eher zur Verwunderung bei: Nach einem Start mit € 11 Mio. eines großen Investors beträgt das Volumen aktuell (25.10.2018) € 15,2 Mio. und ist damit der vollmundig avisierten Zielmarke von € 20 Mrd. nicht deutlich näher gekommen. Von den vorhandenen Mitteln sind lediglich 28,2% überhaupt investiert. Da der Fonds zum 1.11.2018 aufgelegt wurde, wird bei Universal Investment auch keine Wertentwicklung ausgewiesen. Diese liegt wohl trotz des geringen Investitionsgrads im Fond aktuell bei rund -2,5% seit Auflage. Insofern kann man sich die weitere Informationssuche wohl erst einmal „einfach clever sparen“.

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundfünfzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundfünfzig

2018-10-10 IPCC Report

Beitragsbild/Bild: Titelseite des Weltklimaberichts 2018 www.ipcc.ch

Inhalt: Klimaschutz auf allen Kanälen – Vorsicht bei der Geldanlage; FairWorldFonds mit € 1 Mrd.; GLS Bank mit dem B.A.U.M. Fair Future Fonds; InsuResilience – Risikoprävention auch im Vorfeld; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

10. Oktober 2018

Dr. Ralf Breuer

Klimaschutz auf allen Kanälen – Vorsicht bei der Geldanlage

Dieselfahrverbote, Sommerdürre, Hambacher Forst und nun noch der aufrüttelnde Weltklimabericht haben die Diskussionen um Klimaschutz, Klimawandel und Energiewende kräftig befeuert. Zudem wurden noch zwei Ökonomen mit dem Fokus Nachhaltigkeit mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet.

Interessant ist das öffentliche Meinungsbild, wonach beispielsweise die Erhaltung des  Hambacher Forstes nicht ein rein linkes/grünes Thema ist, sondern eine breite Zustimmung im Land Nordrhein-Westfalen hat:

In den sozialen Medien wird auch ein verstärktes Interesse in Geldanlagen mit dem Ziel Klimaschutz erkennbar. Leider ist der CO2-Fußabdruck aber nicht unbedingt eine gute Leitlinie für Anlagekonzepte. Ausführlich hierzu der immer noch aktuelle Beitrag: Klimaschutz ein guter Ansatz, aber…

 

FairWorldFonds mit € 1 Mrd. Volumen

Immer wieder werden fehlende Finanzbildung der Bevölkerung und mangelnde Beraterschulung als Gründe für den geringen Anteil nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland angeführt. Immerhin sind hierzulande gemäß www.fondscheck.de derzeit 641 als „nachhaltig“ etikettierte Fonds mit einem Volumen von € 158 Mrd. zum Vertrieb zugelassen. Allerdings ist das Verständnis von Nachhaltigkeit sehr breit gestreut. Das ist evtl. auch Teil der Erklärung für den Erfolg des von „Brot für die Welt“ mitgetragenen Mischfonds:

Der von der GLS Bank mitinitiierte FairWorldFonds hat die Marke von € 1 Mrd. Fondsvolumen überschritten. Er wurde am 18.5.2018 nach 11 Monaten wieder für neue Anleger geöffnet und hatte rund € 940 Mio. verwaltete Mittel. Mit Renditen um die 3% und dem entwicklungspolitischen Anspruch trifft er offenbar den Geschmack vieler Anleger, offenbar auch außerhalb der Umwelt- und Kirchenbanken.

GLS Bank mit dem B.A.U.M. Fair Future Fonds

Die GLS Bank hat einen neuen Aktienfonds initiiert, der weltweit in Aktien kleiner und mittelständischer Unternehmen investiert. Aus der Produktbeschreibung auf der Internetseite der GLS Bank: „Der B.A.U.M. Fair Future Fonds ist ein Aktienfonds, der vorwiegend in kleine und mittelständische Unternehmen investiert. Es werden gezielt Aktien von Unternehmen ausgewäht, die Ressourcen so sorgsam und schonend einsetzen, dass die Ökosysteme der Erde nicht geschädigt werden und ihre Regenerationsfähigkeit erhalten bleibt. Ein wichtiger Aspekt des Nachhaltigkeitsverständnisses des Fonds ist eine Gesellschaft der sozialen Verantwortung und des respektvollen Miteinanders.

Initiator des Fonds ist der Gründer des B.A.U.M. e.V. Prof. Dr. Maximilian Gege. Er entwickelte insbesondere die umfangreiche Bewertungsmatrix für die Titel. Sein Ansporn: Anlegern*innen die Chance zu geben, an einer nachhaltigen Stärkung des Mittelstandes zu partizipieren.“

Interessant ist auch die Titelauswahl durch einen 14köpfigen Nachhaltigkeitsbeirat mit Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker als prominentesten Vertreter. U.a. engagieren sich auch die frühere niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn sowie Dr. Bachmann und Prof. Bassen vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (Produktpräsentation der GLS Bank S. 13.

InsuResilience – Risikoprävention der Versicherer auch im Vorfeld

„Positionen“, das Magazin der Deutschen Versicherer www,gdv.de berichtet im aktuellen Heft über Präventionsmaßnahmen für Starkregen. Unter InsuResilience ist eine Initiative zusammengefasst, die die Prävention und Bewältigung von Klima- und Katastrophenrisiken verbessern soll. Sie wurde auf der Klimakonferenz 2017 formell gegründet. Einzelheiten (engl.): InsuResilience Global Partnership.

Diese Entwicklung wird begleitet durch eine neue Kategorie von Finanzinstrumenten, die nicht nur Katastrophenrisiken abdecken, sondern durch die Finanzierung von Präventionsmaßnahmen Risiken mindern: Resilience Bonds (engl.) Resilience Bonds

„Häschtäck-o-nomie“ der europäischen Finanzwelt

Immer wieder neue Schlagwörter in sozialen Medien. Warum nicht einmal einige mit dem Doppelkreuz „#“ markierte Schlagworte zusammenstellen und erläutern? Hashtags bzw. eingedeutscht „Häschtäcks“ sollen grundsätzlich das thematische Auffinden von Botschaften in sozialen Netzwerken erleichtern. Manchmal haben sie aber auch nur einfach den Status eines Mottos oder eher gar keine Bedeutung.

Die Idee entstand zufällig durch eine Fernsehwerbung: Da warb eine Bank im deutschen Fernsehen mit #bankingforfood. Also mal bei Twitter geschaut und daraus wird vielleicht irgendwann mal so etwas wie eine „Häschtäck-o-nomie“ (in Anlehnung an die geplante „Taxonomie“ von Finanzinstrumenten in Hinblick auf Nachhaltigkeit) der europäischen Finanzwelt. Gerne werden weitere Anregungen aufgenommen (Bitte Mail an info@investabel.com).

#Nachhaltigkeit #Sustainability #Durabilité #Sostenibilidad

#nachhaltig #sustainable #durable #sostenible

#SustainableFinance #SustainableFinanceEU – Im März 2018 vorgestellter Aktionsplan der EU-Kommission auf Basis der @HLEG – High Level Expert Group

#h4SF – Hub for Sustainable Finance Germany (Deutsche Börse AG + Rat für Nachhaltige Entwicklung Deutschland), er organisierte am 25.9.2018 den zweiten Sustainable Finance Gipfel Deutschland

#SFGD17, #SFGD18 – Sustainable Finance Gipfel Deutschland, zuletzt 25.9.2018

#SDGs – Die 17 nachhaltigken Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Finance Goals, SDGs)

#ACT4SDGs #WeACT4SDGs (globale Kampagne für die SDGs am 25.9.2018)

#changenowsummit – Veranstaltung am 28.9.2018 mit 6.000 Teilnehmern in Paris und prominenter Beteiligung großer französischer Banken. Im Zuge der Veranstaltung wurde auch ein Schlagwort wiederbelebt:

#ActForImpact – Handeln für positive Nachhaltigkeitswirkungen (im Sinne der SDGs)

#bankingforfood – Initiative der niederländischen Rabobank. Einsatz des Bankgeschäftes um eine zuverlässige Versorgung der Weltbevölkerung sowie faire Bedingungen in den Erzeugerländern zu unterstützen. Mehr dazu auf der deutschen Seite von Rabodirect

#AllemGewachsen (Sparkassen, selten verwendet) – Wozu er wohl kreiert wurde…

#denngeldkannsovielmehr (Triodos Bank Deutschland) – Eher ein Motto…

#PositiverBeitrag #PositiveImpact (Deutsche Bank, aktuelle Kampagne) – Hat definitiv wenig bis nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Leicht zu verwechseln mit #ImpactInv oder #ImpInv für wirkungsorientierte Investments

#sharedichdrum (GLS Bank) – Auch kein schlechtes Motto…

 

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Einundfünfzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundfünfzig

 

2018-10-04 Infografik-Mobility-Startups_JPEG

Beitragsbild/Bild: Übersicht über Zahlungsdienste für  Mobilitätskonzepte. Quelle: Payment & Banking 4.10.2018

Inhalt: Neue Mobilitätskonzepte und Zahlungsdienste; Nachlese Sustainable Finance Gipfel Deutschland am 25.9.2018; DZ Bank begibt „Green Bond“ über € 250 Mio.; Vermögensverwaltung online: Später Start, frühes Ende; „Fonds professionell“ mit „grünen Neuheiten“; In eigener Sache: Investabel® wieder unter den #Nachhaltige100; CSR Blogparade Raum Köln/Bonn; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

4. Oktober 2018

Dr. Ralf Breuer

Neue Mobilitätskonzepte und Zahlungsdienste

Mit dem Beitrag Mobility Start ups – ein Überblick vom 4.10.2018 widmen sich Nicole Nitsche und Kilian Thalhammer im Blog von Payment & Banking den Zusammenhängen zwischen (neuen) Mobilitätskonzepten und (innovativen) Zahlungsdiensten.

Die Einleitung bringt es auf den Punkt: „Mobility steht für Mobilität und somit Beweglichkeit im sozialen Sinne. Staus und Ineffizienz führen in vielen europäischen Städten zu verschwendeter Zeit und damit verbundenen Kosten für Wirtschaft und Umwelt. Wer kennt es nicht, das ewig lange Warten im Stau? Werft doch mal einen Blick auf diese Startups, die wir in unser Infografik vorstellen. Alle von ihnen wurden in jüngerer Zeit gegründet und jeder von ihnen könnte in naher Zukunft erhebliche und positive Auswirkungen auf den öffentlichen Nah- und Güterverkehr haben.“

Auf wohltuende Art und Weise schildern die Autoren die Zusammenhänge und die bereits vollzogenen Entwicklungen. Schließlich sind Zahlungsdienste und innovative Dienstleistungen kein Selbstzweck, wie es leider vielfach den Anschein hat: Die FinTech-Welt ist (k)eine Scheibe!. Leider werden große Themen zu oft silomäßig gedacht und bearbeitet. Dabei gilt aber: Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit mit engen Verbindungen.

Nachlese Nachhaltigkeitsgipfel am 25.9.2018

Der Hub for Sustainable Finance lud am 25. September zum „Zweiten Sustainable Finance Gipfel Germany“ ein. Auf diesem Gipfeltreffen der aktiven Netzwerkakteure mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft werden wichtige Aspekte zur Stärkung nachhaltiger Finanzwirtschaft, aktuelle Entwicklungen und nötige Weichenstellungen für die kommenden Monate diskutiert.

Gegenüber dem ersten Gipfel 2017 war der Rahmen mit 280 gegenüber 150 Teilnehmern deutlich größer. Die Stimmung deutlich verändert, eher ungeduldig auf konkretere Schritte wartend. Die lange Zeit der Regierungsbildung und die medial dominierenden Querelen in der Koalitition haben wohl einiges verzögert. Informationen zum Gipfel: Zweiter Sustainable Finance Gipfel Deutschland.

Deutschland wartet im Basislager auf den Aufbruch!

Deutschland im internationalen Vergleich bestenfalls in einem Basislager (vgl. Gastbeitrag in Finanz-Szene.de 25.9.2018, aber das wird immer besser gerüstet, u.a. mit der nun erfolgten Gründung des „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“ Das GSFC ist ein Zusammenschluss der Accelerating Sustainable Finance Initiative der Deutschen Börse und dem Green Finance Cluster Frankfurt des Hessischen Wirtschaftsministeriums. Weitere Informationen: https://gsfc-germany.com/.

Vor diesem Hintergrund sollte die Finanzwirtschaft dringend bei der Aktualisierung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie einbezogen werden (vgl. Beitrag Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Kanzleramtsminister Helge Braun betonte folgerichtig, dass die Bundesregierung den EU-Aktionsplan unterstützt. Da das Bundeskanzleramt die Nachhaltigkeitstrategie als „Chefsache“ verantwortet, ist zu hoffen, das die Umsetzung des Plans im Sinne der Empfehlung des Deutschen Bundesrates zeitnah realisiert wird. Die Ausführungen von Levin Holle, Leiter der Finanzmarktabteilung im Bundesfinanzministerium, nähren diese Hoffnung.

 

Sofern die Bundesregierung bald die auf dem Gipfel avisierten Impulse geben sollte, sollten sich die Dinge auch in Deutschland erheblich beschleunigen lassen. Allerdings ist bedauerlich, dass die Veranstaltung nur sehr wenig Resonanz in den Medien fand. Offenbar waren den Berichterstattern Kanzleramtsminister Parlamentarischer Staatssekretär sowie hochrangige Beamte nicht hinreichend prominent.

DZ Bank begibt „Green Bond“ über € 250 Mio.

Die DZ Bank hat wie avisiert eine „grüne Anleihe“ mit einem Volumen von € 250 Mio. mit einer Laufzeit von fünf Jahren begeben. Der Festzins beträgt 0,5% p.a. Die Anleihe wird in Luxemburg notiert. Über die Luxembourg Green Exchange sind auch die relevanten Unterlagen und Handelsdaten zugänglich.

Es ist der erste „Green Bond“, den das genossenschaftliche Zentralinstitut auf den Weg bringt. Die Mittel der Investoren fließen ausschließlich in ein Projekt zum Klima- oder Umweltschutz, im Falle der DZ Bank in diverse Windparks auf dem deutschen Festland. Das Institut reicht bereits Kredite für nachhaltige Vorhaben aus und will nun ,,die Wertschöpfungskette auf der Passivseite der Bilanz abrunden‘‘ (Börsenzeitung vom 15.9.2018).

Gemäß der Pressemitteilung der Bank vom 26.9.2018 war die Anleihe im „Format Senior Preferred“  deutlich überzeichnet. Insbesondere bei genossenschaftlichen Banken und institutionellen Anlegern sei das Interesse an dem Green Bond groß gewesen. Die Ausgestaltung der Anleihe orientiert sich an den „Green Bond Principles“ der International Capital Markets Association (ICMA), einem anerkannten internationalen Standard für grüne Anleihen. Externer Gutachter war Standard & Poors.

Vermögensverwaltung online: Später Start, frühes Ende

Finanz-Szene.de berichtete am 4.10.2018, dass sich nach der Commerzbank und der Hamburger Sparkasse auch die deutsche Niederlassung von Santander wieder aus der Vermögensverwaltung online zurückzieht. Bereits in früheren Beiträgen wurde der Markt beleuchtet: 1. Die Angebote sind wenig innovativ, sondern zusätzliche Kanäle 2. Der deutsche Markt ist noch sehr klein, aber stark bevölkert. Insofern war eine zeitnahe Konsolidierung wahrscheinlich: Robo-Advice – Viel Bewegung im MarktRobo-Advice – Die Konsolidierung beginnt. Hier findet sich der Beitrag von Heinz-Roger Dohms vom 4.10.2018: Exklusiv: Immer mehr deutsche Banken begraben ihre Robo-Projekte.

„Fonds professionell“ mit „grünen Neuheiten“

Die aktuelle Ausgabe des Magazins für Anlageberater Fonds professionell 3/2018 widmet „grünen Neuheiten“ im Fondsbereich vier Seiten auf S. 166ff. etwas Raum. Dabei handelt es allerdings nahezu ausschliesslich um „ESG-Fonds“, die Nachhaltigkeitskriterien verstärkt berücksichtigen. Der Anteil dieser Fonds lag gemäß S. 168 bei 7,5% der aufgelegten Investmentvehikel. Immer hin waren 14 der 51 Fondsneuheiten im Zeitraum Mai bis August 2018 als „nachhaltig“ etikettiert.

In eigener Sache

Investabel® wieder unter den #Nachhaltige100

Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht #Nachhaltige100 der Triodos Bank auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. In der aktuellen Übersicht der Aktivitäten zu Nachhaltigkeit für September 2018 in den sozialen Medien wird der Blog nun wieder unter den ersten 100 auf Platz 97 geführt #Nachhaltige100.

CSR Blogparade Raum Köln/Bonn

2018-09-05 CSRBlogparade

Das CSR-Kompetenzzentrums Rheinland hat eine Blogparade zum Thema „Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in Bonn und der Region“ #CSR2018 gestartet. Ziel ist es, über aktuelle gesellschaftliche Verantwortung in der Region (Aachen, Bonn, Köln) mehr zu erfahren. Alle Infos zur Teilnahme und die teilnehmenden Beiträge an der Blogparade finden sich hier: http://csr-kompetenzzentrum.de/csr-blogparade/. Investabel® hat mit Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfzig – Sustainable Finance Gipfel Deutschland einen Beitrag beigesteuert.

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Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

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Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Fünfzig bis Eins

 

 

 

Wie die deutschen Banken den Megatrend „Green Finance“ verschlafen

Am 25.9.2018 erschien in Finanz-Szene.de ein Gastbeitrag anläßlich des am gleichen Tag stattfindenden „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“

Ralf Breuer: Wie die deutschen Banken den Megatrend „Green Finance“ verschlafen

Mehr zum Sustainable Finance Gipfel: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfzig – Sustainable Finance Gipfel Deutschland

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunundvierzig

Logo des H4SF – Hub for Sustainable Finance Germany (https://www.h4sf.de/), zu dem Investabel® aktiv beiträgt (H4SF – Beiträge)

Inhalt: Triodos Bank und Bettervest kooperieren; Tomorrow Bank im Beta-Test; Nachhaltigkeitsgipfel am 25.9.2018 in Frankfurt/M.;  Pimco erwartet starkes Wachstum von SDG-Bonds; HSBC: Nachhaltigkeit drängt in den Finanz-Mainstream; Pimco erwartet starkes Wachstum von SDG-Bonds; CSR Blogparade Raum Köln/Bonn; In eigener Sache: Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. September 2018

Dr. Ralf Breuer

Triodos Bank und Bettervest kooperieren

Die Triodos Bank und die Schwarmfinanzierungsplattform (Crowdfunding) Bettervest haben eine Kooperation angekündigt. Erneut wird ein Bankangebot durch ein soganntes FinTech ergänzt und auf nachhaltige Investments mit kleinen Einstiegsbeträgen erweitert. Gemäß gleichlautenden Pressemitteilungen vom 6.9.2019 hat die „Triodos Sustainable Finance Foundation“ auch Anteile an der auf Energieprojekte spezialisierten Crowdinvesting Plattform bettervest erworben.

Auch die GLS Bank kooperiert mit einem Anbieter, der GLS Crowd. Trotz des Namens und der ähnlichen Gestaltung des Internetauftritts ist die Bank weder Eigentümer noch Betreiber der Plattform. Sie berät lediglich bei der Auswahl der angebotenen Projekte. Im Gegensatz zu Bettervest haben die von der GLS Crowd angebotenen Projekte ein breiteres Spektrum von Nachhaltigkeitsaspekten, sind aber stärker auf Deutschland ausgerichtet.

Bettervest ist stärker auf den Energiesektor fokussiert und dabei stärker Richtung Entwicklungsländern ausgerichtet, z.B. mit Projekten zur netzfernen Erzeugung erneuerbarer Energien. Mehr zu der geplanten Zusammenarbeit findet sich auf der Seite Strategische Partnerschaft (gesponserter Link).

Tomorrow Bank im Beta-Test

Das Angebot der Tomorrow Bank aus Hamburg ist derzeit in der öffentlichen Testphase mit einer geschlossenen Nutzergruppe. Auf jeden Fall schon gelungen erscheint das (lindgrüne) Design von Grafiken und Texten, vielleicht mit Ausnahme des etwas hohen Anteils englischer Worte, für die es durchaus auch andere Möglichkeiten gäbe. Dennoch ist das optisch schon mal ein sehr gelungener Start:

Das wird auch durchgängig, z.B. in Stellenanzeigen gelebt:

2018-08-29 Tomorrow Stellenanzeige

Nachhaltigkeitsgipfel am 25.9.2018 Frankfurt/M.

Der Hub for Sustainable Finance lädt am 25. September zum „Zweiten Sustainable Finance Gipfel Germany“ ein. Auf diesem Gipfeltreffen der aktiven Netzwerkakteure mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft werden wichtige Aspekte zur Stärkung nachhaltiger Finanzwirtschaft, aktuelle Entwicklungen und nötige Weichenstellungen für die kommenden Monate diskutiert.

Einen Einblick in das „Ecosystem“ Sustainble Finance gibt eine vom VFU erstellte Übersicht:

2018-09-17 SusFin Ecosystem

Quelle: Twitter/VFU -Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten e.V.

Gegenüber dem ersten Gipfel 2017 ist ein deutlich größerer Rahmen vorgesehen, so dass mindestens 100 weitere Teilnehmer zu erwarten sind. Informationen zum Gipfel: Zweiter Sustainable Finance Gipfel Deutschland.

Zwar befindet sich Deutschland im internationalen Vergleich bestenfalls im Basislager, aber das wird immer besser gerüstet, u.a. mit der nun erfolgten Gründung des „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“ Das GSFC ist ein Zusammenschluss der Accelerating Sustainable Finance Initiative der Deutschen Börse und dem Green Finance Cluster Frankfurt des Hessischen Wirtschaftsministeriums. Die Zielsetzung des im April 2018 erfolgten Zusammenschlusses ist die Bündelung der Aktivitäten im Feld Sustainable Finance, um eine effizientere Nutzung der Finanzmarktexpertise im Bereich Nachhaltigkeit zu erreichen und vor allem die Formulierung und Umsetzung konkreter Handlungsansätze für die Zukunftsfähigkeit nationaler und internationaler Finanzmärkte. Weitere Informationen: https://gsfc-germany.com/.

Die Notwendigkeit einer intensiveren Arbeit auf dem Gebiet nachhaltiger Finanzinstrumente läßt sich anhand der dynamischen Markteintwicklung leicht nachvollziehen.

HSBC: Nachhaltigkeit drängt in den Finanz-Mainstream

Passend zur Aussage von HSBC Deutschland begrüßt die Eingangsseite der ING DiBa ihre Kunden mit Werbung für einen Ethikfonds. Auch die deutsche Internetseite für Firmenkunden ist stark von Nachhaltigkeit geprägt: ING Wholesale Banking – Lösungen für Großkunden.

Pimco erwartet starkes Wachstum von SDG-Bonds

CSR Blogparade Raum Köln/Bonn

2018-09-05 CSRBlogparade

Das CSR-Kompetenzzentrums Rheinland hat eine Blogparade zum Thema „Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in Bonn und der Region“ #CSR2018 gestartet. Ziel ist es, über aktuelle gesellschaftliche Verantwortung in der Region (Aachen, Bonn, Köln) mehr zu erfahren. Alle online-Beiträge in den nächsten vier Wochen zum Thema CSR dürfen teilnehmen – gern auch bereits vergangene Beiträge, die nun im Nachgang verlinkt werden. Alle Infos zur Teilnahme an der Blogparade erhalten Sie hier: http://csr-kompetenzzentrum.de/csr-blogparade/. Investabel® wird natürlich einen Beitrag beisteuern.

In eigener Sache

Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie

Die Bundesregierung (bzw. das Bundespresseamt) hat die bisher eingegangenen Beiträge zur Diskussion um die Aktualisierung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zugänglich gemacht. Die bisher eingegangenen Beiträge sind in zwei Dokumenten als „Zuschriften zum Dialog“ nach „Privatpersonen“ bzw. „Unternehmen und Institutionen“ zusammengefasst. Alle relevanten Dokumente finden Sie auf der Seite NACHHALTIGE ENTWICKLUNG – Wir aktualisieren die Strategie: Machen Sie mit!. Mein Beitrag ist im Dokument Zuschriften zum Dialog – Privatpersonen. Der Beitrag hier auf dieser Seite lautet: Beitrag Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtundvierzig bis Eins

 

 

 

Klimaschutz ein guter Ansatz, aber…

Beitragsbild: Mäandernder Jetstream, Quelle: NASA/InsideClimate News

Der heiße Sommer hat das Bewußtsein für den Klimawandel verstärkt. Biergarten, Boulevardpresse, Lokalzeitung, Internet, soziale Medien: Überall wird das Stichwort häufiger verwendet. Auf der Titelseite der Bonner Lokalzeitung „General-Anzeiger“ finden sich Visualisierungen der NASA. Ein mäandernder Jetstream sorgt für stabiles Wetter, lenkt kalte und warme Luftströmungen in ungewohnte Richtungen. Und ausgerechnet in diesen Zeiten stellt die Union Investment ihren Aktienfonds „UniSector: Klimawandel“ mangels Erfolg ein? Verkehrte Welt oder Tücke des Konzepts? Einige Überlegungen.

6. August 2018

Dr. Ralf Breuer

2018-08-06 jetstream

Quelle: NASA/InsideClimateNews. Der mäandernde Jetstream lenkt kalte und warme Luft in ungewohnte Richtungen und befeuert so den Klimawandel.

Medienpräsenz ohne Anlegerresonanz?

Union Investment wird ihren seit 2007 bestehenden Fonds „UniSector: Klimawandel“ zum 30.9.2018 auf den Fonds „UniAktien Nachhaltig Global“ verschmelzen. Als Grund wird das mit € 33 Mio. geringe Fondsvolumen angegeben. Allerdings konnte auch der aufnehmende Fonds in den knapp neun Jahren seines Bestehens nur € 157 Mio. gewinnen.

In ihrem Halbjahresbericht zum 30.6.2018 berichtet die Union Investment von einem deutlichen Anstieg nachhaltiger Mandate: € 42 Mrd. im Vergleich zu € 30 Mrd. im Vorjahr (Pressemitteilung vom 24.7.2018), bezieht dies allerdings ausdrücklich auf das gestiegene Interesse institutioneller Investoren. So wird sich das Volumen privater Anleger gegenüber dem Jahresende 2017 nicht proportional erhöht haben. Für den 31.12.2017 wurden die Bestände nachhaltiger Fonds für institutionelle und private Anleger auf € 30,7 Mrd. bzw. € 2,8 Mrd. beziffert. Immerhin wurde ein prozentualer Anteil von 12,6 % des gesamten Mittelvolumens von € 332 Mrd. erreicht.

Eine Durchsicht der angebotenen Fonds zum 1.8.2018 ergibt aktuell ein Volumen von € 914,1 Mio. im aktuellen Angebot der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Bei der Sparkassenorganisation ergibt sich (bei höherem Marktanteil) ein Wert von € 1,6 Mrd. beim zentralen Wertpapierdienstleister Deka Investments (Stand 1.8.2018, Quelle: Fondssuche Stichwort „nachhaltig“, ohne Deka Stiftungen Balance CF, € 1,6 Mrd.).

Interessante Vergleichswerte bieten die von Union Investment betreuten Nachhaltigkeitsfonds auf fremde Initiative, die nicht offiziell über alle Genossenschaftsbanken vertrieben werden: Die für einige Kirchenbanken aufgelegten „KCD-Union“ Nachhaltigkeitsfonds haben ein Volumen von € 735 Mio., der von GLS Bank und KD Bank initiierte „FairWorldFonds“ sogar € 956,4 Mio. und damit mehr als die gesamte Fondsfamilie der Finanzgruppe.

Für die Ursachen dieses überraschenden Zahlenbildes gibt es wohl klare Ursachen: Wenig Vertriebsaufwand und fehlende Beraterqualifikation. Dies erscheint eine geeignete Erklärung für die vergleichsweise hohen Volumina der Fonds, die für Banken mit einem vergleichsweise sehr kleinen Marktanteil aufgelegt wurden: Deutlich stärkere Vertriebsanstrengungen und Berater, die hinter den Konzepten stehen.

Der institutionelle Irrglaube

In der genannten Pressemitteilung der Union Investment werden vor allem institutionelle Investoren als Treiber für nachhaltige Mandate genannt. Dies ist insofern richtig, als das diese aktiver Nachhaltigkeit einfordern. Ansonsten befördert der Vergleich von Studien über private und institutionelle Investoren ein erstaunlich stimmiges Bild: Die Menschen in beiden Anlegergruppen fordern Beratung und Transparenz, insbesondere in Hinblick auf die Wirkungen der Geldanlage. Insofern ist die Finanzwelt auf dem richtigen Weg, Nachhaltigkeit vorausschauend an ihren Beiträgen zu den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) der Vereinten Nationen und nicht länge an historischen Daten wie Energieverbrauch, Gleichstellung und anderen (ESG-)Kriterien zu messen.

Ähnliche Bedürfnisse bei privaten…

Spiegel Online berichtet am 27.10.2017 über eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI)Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht: „Das Interesse von deutschen Anlegern an nachhaltigen Geldanlagen ist nicht gerade gering: Immerhin 40 Prozent aller Privatanleger in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren würden. … Doch für ein solches Investment haben sich bislang nur mickrige 4,8 Prozent der Privatanleger entschieden.“

Die Anleger bemängeln vor allem fehlende Transparenz (40%) und unklare Wirkungen für eine nachhaltigere Entwicklung (35%) sowie höhere Risiken (31%) und unzureichende Beratung durch die Hausbank (22%, Mehrfachnennungen möglich). Leider ist diese Einschätzung sehr gut nachvollziehbar und weist den Weg zu einem größeren Markterfolg nachhaltiger Geldanlagen. Den Bericht bei Spiegel Online finden Sie hier: Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht. Auch die zwölfseitige Studie des NKI ist online verfügbar: Nachhaltige Kapitalanlagen bei Privatanlegern.

…und institutionellen Anlegern

In der am 4.6.2018 veröffentlichten Präsentation zur Nachhaltigkeitsstudie 2018 bestätigt die Union Investment dieses Bild – allerdings für institutionelle Anleger: Nachhaltiges Vermögensmanagement institutioneller Anleger 2018 in Deutschland. Interessanter Weise ähneln sich die Aussagen sehr stark: Über die Hälfte der 202 Befragten schätzt den Beratungsbedarf als hoch oder sehr hoch ein (S. 8), 78 % würden mehr in Nachhaltigkeit investieren, wenn Messansätze vorhanden wären (S. 12). Offenbar sind die Bedürfnisse der Menschen (!) beruflich und privat deutlich ähnlicher als vielfach dargestellt.

Klima gerne, Fußabdruck bitte nicht

Einige Anbieter konzipieren ihre Fonds nach dem Klima-Fußabdruck der Unternehmen, deren Wertpapiere sie kaufen. Die Verbraucherzentrale Bremen hatte bereits 2014 verschiedene Fonds verglichen und hatte dabei für Nachhaltigkeitsfonds sehr heterogene Ergebnisse erzielt. M.a.W.: Die CO2-Bilanz und Nachhaltigkeit stehen in keiner engen Beziehung. So kann eine Minimierung von CO2-Werten in Aktienfonds zu sehr unerwünschten Ergebnissen führen, z.B. einem weit überdurchschnittlichen Anteil von Finanzwerten. CO2 und rückschauende Nachhaltigkeitsbewertungen (z.B. „ESG-Scores“) sind in Bezug auf die von den Anlegern gewünschte Wirkungsorientierung nicht zielführend. Mehr dazu im Beitrag Mehr Transparenz bei Investmentfonds.

Leider wird Klimaschutz bzw. CO2-Neutralität oder sogar CO2-Positivität in einen irreführenden Kontext gesetzt. So in Schlagzeilen der Stadt Liverpool und dem dort beheimateten Autoproduzenten BAC: Beide Institutionen kooperieren mit https://poseidon.eco/carbon.html. Poseidon misst vereinfacht den CO2-Ausstoß von Aktivitäten und sorgt für eine Kompensation z.B. Wiederaufforstungsprogramme durch den Dienstleister Ecosphere+. Während die Stadt Liverpool eine Überkompensation ihrer Aktivitäten verspricht, widerspricht sich der Text der entsprechenden Pressemitteilung von BAC vom 28.6.2018. Im Titel verspricht sie „BAC Partners With Poseidon to Become First Car Manufacturer to Go Climate Positive„, im Text ist es dagegen ein Angebot an die Kunden: „Whenever a BAC customer completes a transaction – from purchasing to servicing a Mono – they will be offered the opportunity to make an additional contribution through Poseidon’s platform which goes directly towards forest conservation.“

CO2-Vermeidung der Kompensation überlegen

Anlagen in die Vermeidung von CO2-Ausstößen sind einer (Über-)Kompensation überlegen, da diese erst im Zeitverlauf über die Lebenszeit der gepflanzten Bäume entsteht. Investionen in die Vermeidung können z.B. über Aktien von Unternehmen mit entsprechenden Technologien, Klimaanleihen (Green Bonds) oder auch Schwarmfinanzierungen möglich, die teilweise noch weitere Entwicklungsziele fördern. Einen Überblick bietet die Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Klimaschutz ein guter Ansatz, aber…

Die Untersuchungen über Anlegerbedürfnisse legen nahe, dass Anlageprodukte vor allem transparent und glaubwürdig sein sollte. Beide Kriterien sind in der heutigen Produktlandschaft allerdings eher Mangelware. Allerdings macht der Erfolg bestimmter Angebote trotz vergleichsweise schmaler Vertriebsbasis deutlich, dass sie die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Verbindung von Geldanlagen und positiven Nachhaltigkeitseffekten sind.

Um auf die einleitende Frage zurück zu kommen: Weniger verkehrte Welt als Tücke des Konzepts. Stichworte reichen weder den Kunden noch ihren Betreuern. Es bedarf schon viel Transparenz und Glaubwürdigkeit, um ein entsprechendes Produkt „in die Hand zu nehmen“. Werte haben ist notwendig, aber nicht hinreichend für überzeugende Produkte, insbesondere bei Investmentfonds.

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundvierzig

Beitragsbild: Handelsverband Deutschland – HDE e.V.

Inhalt:  Milliardenmarkt Nachhaltigkeit (Wh.); Deutsches Fondsangebot: Henne, Ei und Nachhaltigkeit; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

2. August 2018

Dr. Ralf Breuer

Milliardenmarkt Nachhaltigkeit (Wh.)

2018-07-26 Handel

Das war schon in der Nummer Vierundvierzig vom 26.7.2018 ist aber ein schönes Intro für die nachfolgenden Überlegungen: Mit eindrucksvollen Zahlen und Wachstumsraten unterstreicht der HDE als Spitzenverband des deutschen Einzelhandels die Marktdimension und das anhaltende Momentum. Umso verwunderlicher, dass nur wenige Banken dem starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichem Trend wirklich folgen. Die Teile der Kreditwirtschaft, die Nachhaltigkeit als geschäftspolitischen Treiber erkannt haben, erfreuen sich dagegen beachtlicher Wachstumsraten wie in einigen nachfolgenden Beispielen deutlich wird. Der HDE hat selbst eine umfangreiche Nachhaltigkeitsstrategie.

Deutsches Fondsangebot: Henne, Ei und Nachhaltigkeit

In Nummer Sechzehn am 27.10.2017 war folgender Abschnitt enthalten:

Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz – Der erste Artikel in diesem Blog war dem Thema Geld anlegen und Gutes tun? – Leichter gesagt als getan gewidmet. Spiegel Online berichtet am 27.10.2017 über eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI)Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht: „Das Interesse von deutschen Anlegern an nachhaltigen Geldanlagen ist nicht gerade gering: Immerhin 40 Prozent aller Privatanleger in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren würden. … Doch für ein solches Investment haben sich bislang nur mickrige 4,8 Prozent der Privatanleger entschieden.“

Die Anleger bemängeln vor allem fehlende Transparenz (40%) und unklare Wirkungen für eine nachhaltigere Entwicklung (35%) sowie höhere Risiken (31%) und unzureichende Beratung durch die Hausbank (22%, Mehrfachnennungen möglich). Leider ist diese Einschätzung sehr gut nachvollziehbar und weist den Weg zu einem größeren Markterfolg nachhaltiger Geldanlagen. Den Bericht bei Spiegel Online finden Sie hier: Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht. Auch die zwölfseitige Studie des NKI ist online verfügbar: Nachhaltige Kapitalanlagen bei Privatanlegern.

Union Investment bestätigt den Trend

In der am 4.6.2018 veröffentlichten Präsentation zur Nachhaltigkeitsstudie 2018 bestätigt die Union Investment dieses Bild – allerdings für institutionelle Anleger: Nachhaltiges Vermögensmanagement institutioneller Anleger 2018 in Deutschland. Interessanter Weise ähneln sich die Aussagen sehr stark: Über die Hälfte der 202 Befragten schätzt den Beratungsbedarf als hoch oder sehr hoch ein (S. 8), 78 % würden mehr in Nachhaltigkeit investieren, wenn Messansätze vorhanden wären (S. 12). Hier bietet die Hinwendung zu den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs, Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen gute Ansätze, die bereits von einigen Anbietern für die Bewertung von Anlagen aufgegriffen weden. Grundsätzlich stellt sich (erneut) die Frage, ob die Unterschiede zwischen privaten und institutionellen Anlegern nicht eigentlich viel geringer sind als zumeist dargestellt.

Am 24.7.2018 veröffentlichte die Union Investment ihren Bericht über das erste Halbjahr 2018. Darin wird zitiert:

Für immer mehr institutionelle Kunden wird Nachhaltigkeit ein unabdingbarer Bestandteil ihrer Investmentstrategie

Hans Joachim Reinke

Vorstandsvorsitzender von Union Investment

 

Tatsächlich ist der Bestand an nachhaltig verwalteten Mitteln in den vergangenen Monaten von rund € 30 Mrd. auf über €  42 Mrd. gestiegen. Zum Jahresende waren es noch € 33,5 Mrd., so dass nachhaltige Anlagen bedeutend zu dem Bruttoanstieg der verwalteten Mittel von € 324 auf € 332,7 Mrd. beigetragen haben dürften.

In der Präsentation für das Jahr 2017 war eine Aufteilung nachhaltiger Anlagen auf institutionelle (€ 30,7 Mrd.) und private Anleger (€ 2,8 Mrd.) enthalten. Das Gesamtvolumen der als nachhaltig etikettierten Fonds bei der Union Investment liegt bei etwa € 2,6 Mrd. Darin sind auch Fonds auf fremde Initiative, z.B. die KCD-Union Fonds von Kirchenbanken (€ 735 Mio.) enthalten (Quelle: https://www.union-investment.de/handle?action=viewFundslist 2.8.2018, eigene Berechungen).

Trendthema ohne Lobby? – Oder Vertrieb ohne Power?

Nachhaltigkeit ist ein unbestrittenes Trendthema. Klimawandel ist in aller Munde. Da stellt sich die Frage, wieso der schon 2007 aufgelegte „UniSektor Klimawandel“ aktuell nur € 33 Mio. verwaltet. Alle Nachhaltigkeitsfonds im Vertrieb der genossenschaftlichen Finanzgruppe weisen aktuell zusammen ein Volumen von € 947 Mio. aus – bei € 332,7 Mrd. Gesamtvolumen.

Im Vergleich dazu hat der von der GLS Bank und der KD Bank initiierte „FairWorldFonds“, der nur selektiv im Vertrieb von Banken war, ein Volumen von € 956,4 Mio. Die für Kirchenbanken aufgelegten „KCD-Union“ Fonds verwalten immerhin auch € 735,5 Mio. Eigene Stichproben haben bisher keine Spuren von Nachhaltigkeit im stationären Vertrieb der genossenschaftlichen Finanzgruppe erkennen lassen. Vielleicht wäre dies eine mögliche Erklärung.

Bei der Finanzgruppe der Sparkassen lassen sich vergleichbare Zahlen finden: Deka Investment verwaltet € 1,4 Mrd. in Nachhaltigkeitsfonds bei € 282,9 Mrd. Gesamtvolumen (Stand 31.12.2017, Halbjahresbericht am 22.8.2018).

Auf die Produkte kommt es an

Nach eigener Analyse stellen Investmentfonds die Königsdisziplin nachhaltiger Geldanlagen dar. Die meisten Analysen und Testversuche münden mit einer Fülle von Risiken und Nebenwirkungen, die schon die Kundenberater abschrecken müssen. Wie Produkte beschaffen sein sollten und worin die Probleme bestehen zeigt der Beitrag Mehr Transparenz bei Investmentfonds. Schon im Interesse der Berater sind Transparenz und Glaubwürdigkeit Grundvoraussetzungen für einen Markterfolg. Leider wird der manchmal mit Ansätzen gesucht, die zwar plausibel erscheinen, es bei näherer Betrachtung aber nicht unbedingt sind, z.B. CO2 bzw. der Klima-Fußabdruck. Dies bestätigt leider auch der jüngste Beitrag von Vanessa Bolmer im GLS-Blog: Klimatransparenz – Der Carbon Footprint

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundvierzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundvierzig

Beitragsbild: Handelsverband Deutschland – HDE e.V.

Inhalt:  Milliardenmarkt Nachhaltigkeit; EU-Aktionsplan: Entwurf für Anpassung von MiFIDII; Genossenschaftsbanken mit missverständlicher Aussage; GLS Crowd mit beeindruckender Zeichnung; Wachstum in vielen Segmenten; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

26. Juli 2018

Dr. Ralf Breuer

Milliardenmarkt Nachhaltigkeit

2018-07-26 Handel

Mit eindrucksvollen Zahlen und Wachstumsraten unterstreicht der HDE als Spitzenverband des deutschen Einzelhandels die Marktdimension und das anhaltende Momentum. Umso verwunderlicher, dass nur wenige Banken dem starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichem Trend wirklich folgen. Die Teile der Kreditwirtschaft, die Nachhaltigkeit als geschäftspolitischen Treiber erkannt haben, erfreuen sich dagegen beachtlicher Wachstumsraten wie in einigen nachfolgenden Beispielen deutlich wird. Der HDE hat selbst eine umfangreiche Nachhaltigkeitsstrategie

Zuvor aber noch ein weiterer kurzer Diskurs in den (französischen) Einzelhandels. Hier sorgte das lokale Angebot eines Standorts einer grossen Supermarktkette für beträchtliche Aufregung in den sozialen Medien: Vorportionierte frische Lebensmittel in Verpackungen, z.B. drei halbierte Tomaten zu Kilopreis von € 6,90.

EU-Aktionsplan: Entwurf für Anpassung von MiFIDII

Der von der EU-Kommission vorgelegte Entwurf für Anpassungen von MiFIDII sieht im Wesentlichen vor, entsprechende Beratungswünsche von Kunden erfüllen zu können. Das schliesst noch nicht die durchgängige Befähigung aller Kundenberater ein. Allerdings würden schon die relativ schwach formulierten Anforderungen im Entwurf weite Teile der Kreditwirtschaft vor erhebliche Probleme stellen und einen großen Schulungsbedarf nach sich ziehen.

Einige Einwände zielen auf mangelnde Standards und auch fehlende Objektivität von Nachhaltigkeitskriterien, was die Kommission erkannt hat und in den Erläuterungen aufgreift. Insofern könnte der Vorschlag des Bankenverbands zielführend sein, Beratungspflichten nach der Erstellung von Produktstandards („Taxonomie“) einzuführen. Dies hat auch die genossenschaftliche Finanzgruppe aufgegriffen (s.u.).

Genossenschaftsbanken mit missverständlicher Aussage

Im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am hat sich die genossenschaftliche Finanzgruppe etwas missverständlich positioniert:

2018-07-26 BVR

Quelle: BVR – Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V.

Mit der zweiten Aussage ist gemäß den Aussagen von Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann die Abgrenzung von bilanziellen Produkten zu Kapitalmarktinstrumenten gemeint, nicht aber „traditionell“ versus „nachhaltig“ (vgl. S. 4f. Statement Hofmann).

Es ist richtig, dass die EU-Kommission sehr gradlinig eine regulatorische Entlastung nachhaltiger Produkte vorgeschlagen hat. Dies dürfte für die Regulierungsbehörden kaum tragbar sein. Sie werden vielmehr argumentieren, dass weite Teile der Kreditwirtschaft neue Risikotreiber, insbesondere Klimarisiken noch nicht hinreichend erkannt und gehandhabt haben. (Vgl. insbesondere Nummer Neununddreissig).

GLS Crowd mit beeindruckender Zeichnung

Am 24.7.2018 konnte die GLS Crowd mit EXYTRON eine beeindruckende Zeichung erleben. Nach nur drei Stunden war der Gesamtbetrag von € 550.000 (7%, 5 Jahre, ggf. 4% Bonus) vollständig platziert. Exytron hat ein Verfahren zur Speicherung und Rückgewinnung erneuerbarer Energien (durch Gas) entwickelt. Einzelheiten in der Projektbeschreibung. Nach telefonischer Auskunft der GLS Crowd am 24.7.2018 spielten hierbei größere Einzelinvestments ausserhalb des Schwarmfinanzierungsprozesses keine Rolle. Es besteht mittlerweile die Möglichkeit auch individuelle Einzelanlagen im Bereich von € 20.000 bis € 100.000 zu tätigen (Informationen bei GLS Crowd). (N.B.: Die GLS Crowd nutzt zwar das Logo und den Slogan der GLS Bank, wird aber nicht von dieser betrieben. Die Bank schlägt lediglich die Projekte vor.)

Beobachtungen der Zeichnungsverläufe zeigen, dass sich Energieprojekte ein höheren Beliebheit erfreuen als beispielsweise Betriebsmittelfinanzierungen im (nachhaltigen) Einzelhandel. Eine nähere Beschreibung von Crowdfinanzierungen findet sich auf der Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Wachstum in vielen Segmenten…

Bloomberg veröffentlicht wöchentlich eine Nachrichtenzusammenstellung zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft: Weekly Brief: Sustainable Finance. Die aktuelle Ausgabe berichtet u.a. von einer steigenden Anzahl von Großkrediten jenseits von € 1 Mrd., deren Konditionen von der Entwicklung vordefinierter Nachhaltigkeitskriterien abhängen. Nach neun solcher Kredite in Europa 2017 wurden 2018 schon 12 nachhaltigkeitsorientierter Fazilitäten registriert. Auch das Segment „grüner Anleihen“ wird weiter wachsen. So erwartet BNP Paribas bis 2019 gegenüber 2017 schon eine Verdreifachung des Volumens in Japan auf mehr als € 6 Mrd.

Zweiter Sustainable Finance Gipfel Deutschland

Am 25.9.2018 lädt der Hub for Sustainable Finance Deutschland zum zweiten Gipfeltreffen in Frankfurt ein. Programm und Ansprechpartner für eine Einladung zur Teilnahme finden sich auf der Seite des H4SF – Hub for Sustainable Finance Germany Investabel® wird hier als einer der Beiträge geführt.

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Dreiundvierzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechsunddreissig

Inhalt: Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums; Klimarisiken belasten die deutsche Wirtschaft…; …und die Kommunen; Deutsche Bank kommuniziert mit Nachhaltigkeit

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

24. April 2018, ergänzt 25. April 2018

Dr. Ralf Breuer

Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums

Richtigerweise arbeiten sowohl die EU-Kommission als auch das Europäische Parlament aktuell an verschiedenen Gesetzgebungsinitiativen (wie dem „Action Plan: Financing Sustainable Growth“ vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Aktionsplan der EU-Kommission), die konkrete und weitreichende Vorschläge beinhalten, wie die Finanzwirtschaft ihren notwendigen und wichtigen Beitrag leisten und gleichzeitig zu Stabilität beitragen kann. Mehr: Offener Brief zum Thema Sustainable Finance an Brüssel und Berlin.

Der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments hat den Plan am 24.4.2018 mit 42 zu 9 Stimmen bei 3 Enthaltungen gebilligt Pressemitteilung (Englisch). Hier die Kommentierung durch den wirtschafts- und finanzpolitischen Sprechers der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament Sven Giegold. Die Beratung und Abstimmung im Plenum des Parlaments wurde für den 28.5.2018 avisiert (vgl. Europaparlament).

Das „offizielle“ Deutschland hat auf diesen Aktionsplan nicht reagiert. Informationen darüber, ob der Plan Gegenstand der Gespräche zwischen der Bundeskanzlerin und dem französischen Staatspräsidenten am 19.4.2018 in Berlin war, liegen nicht vor. Allerdings hatte sich Emmanuel Macron am 22.3.2018 in Brüssel persönlich stark für die Umsetzung des Plans eingesetzt (vgl. Nummer Zweiunddreissig).

Die „kleine“ Anfrage der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag mit 60 Teilfragen (Nummer Vierunddreissig) wurde bisher noch nicht beantwortet. Die Anfrage und der aktuelle Sachstand lassen sich über das Dokumentations- und Informationssystem (DIP) des Deutschen Bundestags abrufen: Deutscher Bundestag – DIP.

Als Mitunterzeichner des offenen Briefes hat die GLS Bank in ihrem Blog den Aktionsplan gewürdigt. Inhaltlich ist die Bewertung deutlich positiver als der Titel vermuten lässt: Schöner Schein: Wie die EU grüne Geldanlage versteht.

Dem Autor Julian Mertens missfällt vor allem die enge Ausrichtung des Plans an Klimarisiken. Allerdings erscheint der Plan für andere nachhaltige Entwicklungsziele offen, was beispielsweise bei den britischen Empfehlungen nicht der Fall ist (vgl. Nummer Dreiunddreissig).

Risiken aus Klimawandel und Energiewende sind auch in Deutschland zu verspüren und werden bereits von den europäischen Bankaufsichtsbehörden mit hoher Priorität analysiert. Insofern sind sie ein probater Ansatzpunkt, der von der Kreditwirtschaft nicht in Frage gestellt werden kann.

Der Aktionsplan hat damit einen deutlich pragmatischen Ansatz. Dennoch erscheint die Überschrift für den Artikel der taz am 23.4.2018 erwähnenswert: Finanzmärkte und Klimawandel – Perestroika in Kapitalistan.

Klimarisiken belasten die deutsche Wirtschaft…

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bezifferte am 19.4.2018 gegenüber der Nachrichtenagentur dpa die Belastungen der deutschen Wirtschaft aus drohenden Dieselfahrverboten: € 500 Mio., davon € 100 Mio. im Automobilhandel. (DIHK: Unsicherheit über Fahrverbote belastet die Wirtschaft).

Die DIHK-Schätzung erscheint sehr konservativ, da Volkswagen Financial Services bereits auf sinkende Restwerte bei Leasingverträgen hingewiesen hatte. Der Leasinganbieter Leaseplan dürfte gerade aus diesem Grunde seinen geplanten Börsengang verschoben haben (vgl. Nummer Fünfunddreissig). Auch die deutsche Kreditwirtschaft ist hiervon in der Breite betroffen, da z.B. Leasingverträge angeboten werden und Fahrzeuge als Kreditsicherheiten dienen.

Die Auswirkungen gehen allerdings deutlich weiter: Nicht nur fossile Kraftwerke können zu „stranded assets“ entwertet werden, sondern beispielsweise auch Handwerkerfahrzeuge ohne grüne (oder blaue) Umweltplakette oder Produktionseinrichtungen für Komponenten von Verbrennungsmotoren. Zu den speziellen Investitionsrisiken kommen auch allgemeine betriebswirtschaftliche Risiken hinzu.

…und die Kommunen

Am 23.4.2018 fand in Düsseldorf ein Kongress mit 150 Kommunalvertretern/-innen statt: Klima-Kongress in Düsseldorf: Zehn Kommunen für Klimaanpassung ausgezeichnet.

Über den Link gelangen Sie auf die Seite des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums. Dort sind die Herausforderungen auf kommunaler Ebene skizziert: „Der Bereich der Klimaanpassung beschäftigt sich mit der klimagerechten Gestaltung unseres Lebens- und Wirtschaftsraumes, um eine hohe Lebensqualität und funktionale Infrastrukturen in Städten und im ländlichen Raum auch in Zukunft zu gewährleisten. Aufgrund regionsspezifischer Klimaentwicklungen sind individuelle Maßnahmen in den Städten von Nöten. Sie zu entwickeln und umzusetzen stellt eine besondere Herausforderung für die Kommunen dar.“

Vor dem Hintergrund der starken Evidenz von Klimarisiken erscheint der schweigsame Umgang von weiten Teilen der deutschen Kreditwirtschaft mit dem Aktionsplan der EU-Kommission kaum verständlich. Fairerweise muss aber gewürdigt werden, dass der o.g. Kongress in den Räumen der Stadtsparkasse Düsseldorf stattfand und die Deutsche Bank das Thema zumindest zeitweilig im Fokus hatte als sie ihre Seite „www.wozubanken.de“ vorstellte.

Deutsche Bank kommuniziert mit Nachhaltigkeit

Die Deutsche Bank hat ihre Kommunikation auf Twitter am 17.4.2018 stark auf Nachhaltigkeit/Klimaschutz ausgerichtet. Zwar werden verschiedene Stufen von Nachhaltigkeit einschliesslich ESG munter vermischt, aber grundsätzlich hätte der Konzern mit dem gewählten Tenor auch den o.g. offenen Brief unterzeichnen können.

Dieser Eindruck ergibt sich auch auf der Grundlage einer Internetseite zum Thema „Wozu Banken?/Warum Banken zählen…“. Hier wird „…für den Planeten“ gleichrangig neben „…für die Wirtschaft“ und „…für die Plattform-Revolution“ gestellt. Allerdings zeugen die Kommentare in den sozialen Medien – erwartungsgemäß – von einem Problem der Glaubwürdigkeit. Trotzdem bemerkenswert und einen Blick wert: https://wozubanken.de/de/index.html#start.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Fünfunddreissig bis Eins

Nummer Fünfunddreissig am 16. April 2018/ergänzt 17. April 2018: Offener Brief an Brüssel und Berlin; Top-Adressen der Investmentbranche für den EU-Aktionsplan; Allianz mit Nachhaltigkeitsbericht in neuer Dimension; EU-Aktionsplan im Bundesrat, Minister in Brüssel; Klimarisiken sind evident; Nachhaltigkeit emotionalisiert Bankprodukte; ToMoRRoW ab Juni 2018 mit 100% Nachhaltigkeit mobil

Nummer Vierunddreissig am 9. April 2018: FDP bezweifelt Sinnhaftigkeit des EU-Aktionsplans; Axel Weber – Nachhaltigkeit ist zukunftsfähig…; Barclays mit grüner Hypothek und mehr

Nummer Dreiunddreissig am 3. April 2018: EU-Aktionsplan an sich unbestritten; Britische Vorschläge für Green Finance enger gefasst; Kredite mit Nachhaltigkeitsanreizen; Die SDGs: Orientierung für Politik und Wirtschaft; SDG Investments überschreitet € 100 Mio.; Leitfaden nachhaltige Immobilieninvestments; Wie wird ein FinTech zur Bank ?

Nummer Zweiunddreissig am 26. März 2018: EU-Aktionsplan mit kraftvollem Antritt; Bierdeckel für mehr Bewusstsein über die „SDGs“; Starke Investorenüberzeugung – starke Worte; Danone begibt als erstes Privatunternehmen eine „Sozialanleihe“; Getränkekonzern AB Inbev – Nachhaltigkeitsziele 2025

Nummer Einunddreissig am 20. März 2018: EU-Aktionsplan mit wuchtiger Vorstellung; Greenbonds in neuen Dimensionen; Nach Green Finance kommt Blue Finance; Neuseeland erkennt Klimawandel als Asylgrund an; Union Investment: Nachhaltigkeit erhält mehr Gewicht

Nummer Dreissig am 8. März 2018: EU-Kommission legt Aktionsplan vor; Möglichkeiten und Grenzen der Blockchain; In eigener Sache: 1. #nachhaltige100, 2. GLS Bank Nachhaltigkeits Blog Award 2018, 3. Gesponserte (affiliate) Links

Nummer Neunundzwanzig am 19. Februar 2018: Dynamische Entwicklung bei Nachhaltigkeitsanleihen; Fortschritte bestimmen den Kreditzins;  Die Schweiz reguliert den Kryptomarkt (ICOs); BaFin nimmt Stellung; Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken

Nummer Achtundzwanzig am 6. Februar 2018, ergänzt 7. Februar 2018: Schlussbericht der EU-Experten; WWF mit Anregungen zu den Koalitionsverhandlungen; Orientierung bei Crowdfunding tut not; Triodos UK mit neuem Crowdfunding; Gebrutstagsgruß an die Dekabank; Finanzielle Inklusion wird zum Geschäftsmodell; Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken

Nummer Siebenundzwanzig am 25.1.2018: Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken; Genossenschaftsbanken mit Nachhaltigkeitskampagne; Preissenkung bei RoboAdvice quirion; Veranstaltung „Sustainable Finance“ am 22.1.2018

Nummer Sechsundzwanzig am 12.1.2018: Und noch mehr „RoboAdvice“- Werthstein, savemate…; Anleihen mit Klimabezug (Green Bonds) wachsen stark

Nummer Fünfundzwanzig am 9./10.1.2018: Börsenzeitung: Grüne Finanzanlagen erreichen kritische Masse; Rückblick 2017/Ausblick 2018

Nummer Vierundzwanzig am 14.12.2017: Banken- und Produktcheck der Verbraucherzentrale; EU investiert € 9 Mrd. in Klimaprojekte; EU mit Plan für nachhaltige Finanzwirtschaft März 2018; Studie Deutsche FinTech; Buchankündigung Digitalisierung und Nachhaltigkeit; Jetzt schon 41 Onlineangebote für Anlageberatung und Vermögensverwaltung in Deutschland

Nummer Dreiundzwanzig am 12.12.2017: Marktübersicht nachhaltige Geldanlagen; Niederländische Finanzwirtschaft mit Plattform zur CO2-Erfassung; Europäische Großbanken und Klimawandel; Eine zutreffende Zustandsbeschreibung der deutschen Kreditwirtschaft

Nummer Zweiundzwanzig am 6.12.2017: Übersicht FinTech im deutschsprachigen Raum; Prospery – eine weitere Vermögensverwaltung online; Asset Management – von verantwortungs- zu wirkungsbewusst; N26 – ein FinTech wider die Nachhaltigkeit?

Nummer Einundzwanzig am 4.12.2017: Bisher USD 100 Mrd. neue Anleihen mit Klimabezug; 45 Fonds mit dem FNG-Siegel versehen, Neues Zentrum für nachhaltige Finanzwirtschaft in Schweden

Nummer Zwanzig am 28.11.2017: Nachhaltigkeit mit großer Relevanz für Banken; SDG FinTech Initiative; Crowdfunding; Goodfolio vor dem Marktstart

Nummer Neunzehn am 15.11.2017: comdirect FINANZbarcamp 2017; Die Grenzen von Blockchain/Bitcoin; …der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Nummer Achtzehn am 8.11.2017: Global Financial Development Report 2017/2018; UN Environment/World Bank Group – Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP23; Glücksatlas 2017; Consorsbank mit Nachhaltigkeit im Angebot; NRW Pensionsfonds mit nachhaltigen Kriterien

Nummer Siebzehn am 6.11.2017: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Offener Brief zum Thema Sustainable Finance an Brüssel und Berlin

Ergänzt um die Antwort des Vize-Präsidenten der EU-Kommission 18.7.2018

Originaltext: Pressemitteilung_Offener Brief zum Thema Sustainable Finance_2018-04-16

16./17. April 2018 – Ein breites Bündnis von Finanzakteuren, Wissenschaftlern sowie Organisationen der Zivilgesellschaft und der Kirche formuliert konkrete Forderungen an die handelnden politischen Akteure auf europäischer und deutscher Ebene. Mit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens und den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) hat die Weltgemeinschaft wichtige und dringend notwendige Entscheidungen für eine nachhaltigere Entwicklung für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft getroffen. Es ist höchste Zeit, die notwendigen Schritte zur Erreichung dieser Vereinbarungen nun auch in die Tat umzusetzen. Der Finanzindustrie kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, denn Banken und Investoren haben mit der bewussten Steuerung von Geldströmen einen enormen Einfluss auf die nachhaltige Transformation der Gesamtwirtschaft und vieler gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.

Richtigerweise arbeiten sowohl die EU-Kommission als auch das Europäische Parlament aktuell an verschiedenen Gesetzgebungsinitiativen (wie dem „Action Plan: Financing Sustainable Growth“), die konkrete und weitreichende Vorschläge beinhalten, wie die Finanzwirtschaft ihren notwendigen und wichtigen Beitrag leisten und gleichzeitig zu Stabilität beitragen kann.

Ziel des offenen Briefes

Die Initiatoren und Unterzeichner dieses Briefes begrüßen die aktuelle Dynamik zum Thema Sustainable Finance. Sie sehen bereits eine Vielzahl von notwendigen und wichtigen Aspekten in den aktuellen Initiativen berücksichtigt, bei denen jeweils in den nächsten Wochen entscheidende Schritte anstehen. Daher werden die handelnden politischen Akteure auf europäischer sowie auf deutscher Ebene darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und bereits angedachte, weitreichende Veränderungen nicht mehr aufzuweichen. Bei einigen wichtigen Punkten sehen sie allerdings noch zusätzlichen und dringenden Handlungsbedarf, da sie bislang noch nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Hier die jeweils wichtigsten Punkte zu den adressierten Themenfeldern in Kürze:

1. EU-Klassifizierungssystem zur Definition von Sustainable Finance – nicht nur Green Finance: Die EU-Kommission will richtigerweise im ersten Schritt eine solche Systematik einführen, da sie als Grundlage für viele weitere Maßnahmen erforderlich ist. Bei dem Prozess sollte der Fokus aber nicht zunächst nur auf den Klimawandel gelegt werden, sondern von Beginn an ein umfassendes Nachhaltigkeitsverständnis zu Grunde legen, um die Auswirkungen von finanziellen Aktivitäten sowohl auf ökologische wie auch soziale Themen zu berücksichtigen. Eine entsprechende Orientierung hierfür können die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen sein.

2. Treuhänderische Pflichten und verstärkte Nutzung von Stimmrechten: Der verantwortungsvolle Umgang mit den Mitteln von Dritten erfordert zwingend, ESG-Aspekte in den Entscheidungsprozess für Investitionen einzubeziehen und gegenüber den Investoren transparent zu machen, denn jede Investition hat neben der finanziellen auch eine gesellschaftliche Wirkung. Aktuell wird dies in den einschlägigen Bestimmungen noch nicht ausreichend berücksichtigt und bestimmte Nachhaltigkeitsstandards müssen in allen Bereichen und auf allen Ebenen der Geldanlage wirksam werden. Die Verantwortung der Investoren gegenüber Gesellschaft und Umwelt drückt sich auch in einer aktiven Nutzung ihrer Einflussmöglichkeit im Zuge vonStimmrechtsausübungen aus.

3. Offenlegung von Nachhaltigkeitsrisiken, verstärkte Transparenz und weiterentwickelte Finanzmarkt-Regulierung: Zur Schaffung von Transparenz sind weitere Schritte zur umfassenden und einheitlichen Offenlegung von ESG-Risiken bei Finanzinstituten und zu den Auswirkungen ökonomischer Prozesse auf Gesellschaft und Umwelt erforderlich. Diese Risiken müssen auch durch unterschiedliche Eigenkapitalanforderungen für nachhaltige und nichtnachhaltige und somit auch volkswirtschaftlich schädliche Wirtschaftsweisen, Berücksichtigung finden. In diesem Zusammenhang ist die Regulierung der Finanzwirtschaft weiterzuentwickeln – was aber nicht mehr, sondern eine bessere Regulatorik bedeutet.

4. Aufnahme von Nachhaltigkeitsaspekten in die Mandatierung der europäischen Aufsichtsbehörden: Im Rahmen dieser bereits geplanten Maßnahmen sollen unter anderem systematisches Kurzfristdenken ausgeschlossen und umfassende Nachhaltigkeitsaspekte auch in den Bereichen Risikomanagement und -minimierung betrachtet werden. Den kompletten Brief mit allen Forderungen, die in der weiteren Umsetzung berücksichtigt werden sollten, finden Sie hier oder unter www.triodos.de/offener-brief-zum-thema-sustainable-finance.

Initiatoren und Unterzeichner des offenen Briefes

Der offene Brief repräsentiert eine Vielzahl von Finanzakteuren, Wissenschaftlern sowie Organisationen der Zivilgesellschaft und Kirche, die mit einer gewichtigen Stimme aus Deutschland dazu aufrufen, nachhaltige Themen in den aktuellen Gesetzgebungsverfahren möglichst weitgehend zu berücksichtigen. Die Unterzeichner des Briefes aus dem Finanzsektor repräsentieren ein Finanzvolumen von über 150 Mrd. Euro.

Reaktionen auf den offenen Brief

Mit Datum 28.6.2018 hat der Vizepräsident der europäischen Kommission Valdis Dombrovskis den Brief beantwortet: Letter from Vice-President Dombrovskis. Reaktionen aus offiziellen deutschen Quellen liegen nicht vor. Eine Zusammenstellung der Reaktionen auf den zwischenzeitlich vorangetriebenen Aktionsplan der EU-Kommission finden Sie fortlaufend im Blog. Zuletzt Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundvierzig.

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfunddreissig

Inhalt: Offener Brief an Brüssel und Berlin; Top-Adressen der Investmentbranche für den EU-Aktionsplan; Allianz mit Nachhaltigkeitsbericht in neuer Dimension; EU-Aktionsplan im Bundesrat, Minister in Brüssel; Klimarisiken sind evident; Nachhaltigkeit emotionalisiert Bankprodukte; ToMoRRoW ab Juni 2018 mit 100% Nachhaltigkeit mobil

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

16. April 2018, ergänzt 17. April 2018

Dr. Ralf Breuer

Offener Brief an Brüssel und Berlin

Ein breites Bündnis von Finanzakteuren, Wissenschaftlern sowie Organisationen der Zivilgesellschaft und der Kirche formuliert konkrete Forderungen an die handelnden politischen Akteure auf europäischer und deutscher Ebene. Mit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens und den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) hat die Weltgemeinschaft wichtige und dringend notwendige Entscheidungen für eine nachhaltigere Entwicklung für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft getroffen. Es ist höchste Zeit, die notwendigen Schritte zur Erreichung dieser Vereinbarungen nun auch in die Tat umzusetzen. Der Finanzindustrie kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, denn Banken und Investoren haben mit der bewussten Steuerung von Geldströmen einen enormen Einfluss auf die nachhaltige Transformation der Gesamtwirtschaft und vieler gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.

Richtigerweise arbeiten sowohl die EU-Kommission als auch das Europäische Parlament aktuell an verschiedenen Gesetzgebungsinitiativen (wie dem „Action Plan: Financing Sustainable Growth“ Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Aktionsplan der EU-Kommission), die konkrete und weitreichende Vorschläge beinhalten, wie die Finanzwirtschaft ihren notwendigen und wichtigen Beitrag leisten und gleichzeitig zu Stabilität beitragen kann. Mehr: Offener Brief zum Thema Sustainable Finance an Brüssel und Berlin.

Top-Adressen der Investmentbranche für den EU-Aktionsplan

The Investment Leadership Group (ILG) ist ein Netzwerk von Spitzenvertretern der globalen Investmentbranche. Es wird vom Cambridge Institute for Sustainable Leadership betreut. Die Mitgliederliste liest sich wie ein Who-is-who der Branche: Aegon Asset Management, Aon Hewitt, First State Investments, HSBC Bank Pension Trust (UK), HSBC Global Asset Management, Natixis Global Asset Management, Nordea, Nuveen, PIMCO, UBP und Zurich.

Im Gespräch mit dem Vizepräsidenten der EU-Kommission Valdis Dombrovskis sagten die Vertreter der ILG der Kommission ihre Unterstützung für den Plan zu: Top investment executives commit to sustainable finance Action Plan in high-level meeting with European Commission. Eine weitere Bestätigung, dass sich Nachhaltigkeit zwischenzeitlich von einer geschäftspolitischen Option zur Branchenlogik entwickelt hat.

Die Gruppe erarbeitet einen methodischen Rahmen für eine Ausrichtung ihrer Tätigkeit an den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs). Vor allem die deutlich verlängerte Perspektive hin zum längerfristigen (finanziellen) Erfolg kommt der Investmentbranche insbesondere im Pensionsgeschäft sehr entgegen.

Allianz mit Nachhaltigkeitsbericht in neuer Dimension

Mit Allianz Global Investors gehört der Konzern zu diesen Branchenführern. Der Nachhaltigkeitsbericht 2017 bringt die Berichterstattung in eine neue Dimension. Üblicherweise wird rückblickend über Kriterien von Ökologie, Soziales und Unternehmensführung und erzielte Fortschritte berichtet. Im Nachhaltigkeitsbericht der Allianz orientiert sich an den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs) und den Beiträgen des Konzerns.

Mit dem Bericht wechselt die Perspektive bildlich vom Rückspiegel zur Windschutzscheibe. Der (strategische) Blick nach vorne wird mit der Leserschaft geteilt. Entsprechend ist der Nachhaltigkeitsbericht in englischer Sprache auch betitelt: Responding to tomorrow’s Challenges. Schon die Medienmitteilung vom 12.4.2018 setzt im Titel einen hohen Anspruch: „Allianz im Kerngeschäft ökologisch und sozial noch verantwortungsbewusster – Nachhaltigkeitsbericht 2017 dokumentiert Leistungen der unternehmerischen Verantwortung der Allianz Gruppe, Klimaschutz und soziale Inklusion im Fokus“.

EU-Aktionsplan im Bundesrat, Minister in Brüssel

Für Freitag 13.4.2018 stand der Aktionsplan der EU-Kommission auf der Tagesordnung des Ausschusses für Fragen der Europäischen Union beim Bundesrat. Begleitend zu diesen Beratungen ist auch eine vollständige deutsche Übersetzung des Aktionsplans zugängiglich Drucksache 67/18. Eine kurze kommentierte Version finden Sie im Beitrag Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Aktionsplan der EU-Kommission.

Ebenfalls am Freitag führten Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier Gespräche mit dem EU Finanzkommissar Valdis Dombrovskis. Ergebnisse wurden nicht verlautbart. Allerdings wäre es überraschend, wenn der Aktionsplan bei dieser Gelegenheit nicht angesprochen worden wäre.

Am Dienstag, 10.4. hatte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die Klausurtagung der Bundesregierung besucht. Auch hier wurden keine Inhalte kolportiert.

Klimarisiken sind evident

Unter „Klimarisiken“ werden vornehmlich die Auswirkungen von Klimawandel (Erderwärmung) und Energiewende zusammengefasst. Sie sind dafür verantwortlich, dass bestimmte Vermögenspositionen an Wert verlieren. Für absehbar wertlose Positionen hat sich der Begriff „stranded assets“ gebildet, z.B. fossile Kraftwerke.

Klimarisiken gehen allerdings weit über Großinvestitionen hinaus. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2050 150 Mio. Menschen aufgrund der Erderwärmung und insbesondere durch den Anstieg der Meeresspiegel ihre Heimat verlassen müssen.

Die Energiewende hat aber auch die Bilanzen deutscher Finanzinstitute erreicht: Volkswagen Financial Services berichtete von rückläufigen Restwerten in Leasingverträgen für Dieselfahrzeugen. Dies trifft unmittelbar auch auf die Bewertung von Sicherheiten zu.

Auf die Energiewende und sinkende Restwerte dürfte auch die Verschiebung des Börsengangs bei Automobildienstleister Leaseplan sein, der mit 1,7 Mio. in 30 Ländern tätig ist. Der Basisprospekt für Wertpapieremissionen beschreibt sinkende Restwerte (bzw. Wiederverkaufswerte) als zentrales Risiko des Unternehmens.

Ein weiteres Beispiel sind Handwerksbetriebe, die sowohl operativ (Dieselfahrverbote) als auch investitionsseitig (Fuhrpark) von der Energiewende betroffen sein können. Betroffen ist auch das produzierende Gewerbe, da z.B. für elektrisch betriebene Fahrzeuge ganz andere und deutlich weniger bewegliche Komponenten benötigt werden.

Klimarisiken beschäftigen auch die Bankaufsichtsbehörden in Europa. Das aktuelle Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments vom 13.4.2018 gibt auf den Seiten 3ff. und 11 Einblicke in die Sicht bei der Deutschen Bundesbank (S. 3ff.) und der Niederländischen Zentralbank.

Nachhaltigkeit emotionalisiert Bankprodukte

In seinem Beitrag Können Banken glücklich machen? beschreibt Jörg Forthmann (Faktenkontor) wie mit Nachhaltigkeit emotionale Mehrwerte geschaffen werden können. „Das Erzeugen von Glücksgefühl bei Bankkunden ist somit keine wachsweiche Idee von Spinnern, sondern eine kluge Marketingstrategie, die allerdings herausfordernd in der Umsetzung ist. Das Ändern der inneren Einstellung, was der wahre Mehrwert eines Kreditinstituts gegenüber Kunden ist, verlangt den Mitarbeitern viel ab.“

Insgesamt ist Nachhaltigkeit aber ein geradliniger und am Ende kostengünstiger Weg der Emotionalisierung. Am Ende wohl auch weniger gefährdet, von Veränderungen in Zeitgeist und Technik wieder vernichtet zu werden.

Die Geschäftszahlen der von Herrn Forthmann beschriebenen Banken bestätigt die These mit einem überdurchschnittlichen Wachstum seit 2008. Die Bilanzsumme der GLS Bank ist in dieser Zeit z.B. um 400% gestiegen.

ToMoRRoW ab Juni 2018 mit 100% Nachhaltigkeit mobil

Das Handelsblatt berichtete am 12.4.2018 über den für Juni geplanten Marktstart von ToMoRRoW (vormals Goodfolio). Das mobile Produktangebot soll unter dem Motto „Dein Geld. Dein Impact“ ganz auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Anfangsangebote sind ein Girokonto eine Kreditkarte und Geldtransfers in Echtzeit. Tomorrow arbeitet auf der Plattform der Solarisbank und damit unter deren Banklizenz sowie Einlagensicherung.

Die ansprechend gestaltete Mastercard hat das Motto „Die inneren Werte zahlen“ und ist aus organischem Kunststoff (PLA, Maisstärke). Leider bleibt aber der Chip mit hochwertigen Rohstoffen. Aus den Umsätzen mit den Karten soll ein Wiederaufforstungsprojekt bzw. ökologische und soziale Projektarbeit finanziert werden.

Die Verbindung von Zahlungsvorgängen mit guten Zwecken ist nicht ganz neu und es stellt sich immer die Frage nach Kosten und Nutzen. Die Durchgängigkeit ist aber konsequent. Eine Verbindung von Zahlungsvorgängen mit nachhaltigem Verhalten und der Wiederaufforstung einer Landschaft wird bei einem chinesischen Anbieter in einen ganz grossen Stil betrieben: Green Digital Finance.

Die Kommentierungen in journalistischen Beiträgen lasen sich eher nach „ach wie putzig“, schönes Kartendesign. Tatsächlich versucht Tomorrow, den Nerv eines starken gesellschaftlichen Trends zu treffen und die oben beschriebene Emotionalisierung von Bankprodukten zu nutzen.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierunddreissig bis Eins

Nummer Vierunddreissig am 9. April 2018: FDP bezweifelt Sinnhaftigkeit des EU-Aktionsplans; Axel Weber – Nachhaltigkeit ist zukunftsfähig…; Barclays mit grüner Hypothek und mehr

Nummer Dreiunddreissig am 3. April 2018: EU-Aktionsplan an sich unbestritten; Britische Vorschläge für Green Finance enger gefasst; Kredite mit Nachhaltigkeitsanreizen; Die SDGs: Orientierung für Politik und Wirtschaft; SDG Investments überschreitet € 100 Mio.; Leitfaden nachhaltige Immobilieninvestments; Wie wird ein FinTech zur Bank ?

Nummer Zweiunddreissig am 26. März 2018: EU-Aktionsplan mit kraftvollem Antritt; Bierdeckel für mehr Bewusstsein über die „SDGs“; Starke Investorenüberzeugung – starke Worte; Danone begibt als erstes Privatunternehmen eine „Sozialanleihe“; Getränkekonzern AB Inbev – Nachhaltigkeitsziele 2025

Nummer Einunddreissig am 20. März 2018: EU-Aktionsplan mit wuchtiger Vorstellung; Greenbonds in neuen Dimensionen; Nach Green Finance kommt Blue Finance; Neuseeland erkennt Klimawandel als Asylgrund an; Union Investment: Nachhaltigkeit erhält mehr Gewicht

Nummer Dreissig am 8. März 2018: EU-Kommission legt Aktionsplan vor; Möglichkeiten und Grenzen der Blockchain; In eigener Sache: 1. #nachhaltige100, 2. GLS Bank Nachhaltigkeits Blog Award 2018, 3. Gesponserte (affiliate) Links

Nummer Neunundzwanzig am 19. Februar 2018: Dynamische Entwicklung bei Nachhaltigkeitsanleihen; Fortschritte bestimmen den Kreditzins;  Die Schweiz reguliert den Kryptomarkt (ICOs); BaFin nimmt Stellung; Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken

Nummer Achtundzwanzig am 6. Februar 2018, ergänzt 7. Februar 2018: Schlussbericht der EU-Experten; WWF mit Anregungen zu den Koalitionsverhandlungen; Orientierung bei Crowdfunding tut not; Triodos UK mit neuem Crowdfunding; Gebrutstagsgruß an die Dekabank; Finanzielle Inklusion wird zum Geschäftsmodell; Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken

Nummer Siebenundzwanzig am 25.1.2018: Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken; Genossenschaftsbanken mit Nachhaltigkeitskampagne; Preissenkung bei RoboAdvice quirion; Veranstaltung „Sustainable Finance“ am 22.1.2018

Nummer Sechsundzwanzig am 12.1.2018: Und noch mehr „RoboAdvice“- Werthstein, savemate…; Anleihen mit Klimabezug (Green Bonds) wachsen stark

Nummer Fünfundzwanzig am 9./10.1.2018: Börsenzeitung: Grüne Finanzanlagen erreichen kritische Masse; Rückblick 2017/Ausblick 2018

Nummer Vierundzwanzig am 14.12.2017: Banken- und Produktcheck der Verbraucherzentrale; EU investiert € 9 Mrd. in Klimaprojekte; EU mit Plan für nachhaltige Finanzwirtschaft März 2018; Studie Deutsche FinTech; Buchankündigung Digitalisierung und Nachhaltigkeit; Jetzt schon 41 Onlineangebote für Anlageberatung und Vermögensverwaltung in Deutschland

Nummer Dreiundzwanzig am 12.12.2017: Marktübersicht nachhaltige Geldanlagen; Niederländische Finanzwirtschaft mit Plattform zur CO2-Erfassung; Europäische Großbanken und Klimawandel; Eine zutreffende Zustandsbeschreibung der deutschen Kreditwirtschaft

Nummer Zweiundzwanzig am 6.12.2017: Übersicht FinTech im deutschsprachigen Raum; Prospery – eine weitere Vermögensverwaltung online; Asset Management – von verantwortungs- zu wirkungsbewusst; N26 – ein FinTech wider die Nachhaltigkeit?

Nummer Einundzwanzig am 4.12.2017: Bisher USD 100 Mrd. neue Anleihen mit Klimabezug; 45 Fonds mit dem FNG-Siegel versehen, Neues Zentrum für nachhaltige Finanzwirtschaft in Schweden

Nummer Zwanzig am 28.11.2017: Nachhaltigkeit mit großer Relevanz für Banken; SDG FinTech Initiative; Crowdfunding; Goodfolio vor dem Marktstart

Nummer Neunzehn am 15.11.2017: comdirect FINANZbarcamp 2017; Die Grenzen von Blockchain/Bitcoin; …der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Nummer Achtzehn am 8.11.2017: Global Financial Development Report 2017/2018; UN Environment/World Bank Group – Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP23; Glücksatlas 2017; Consorsbank mit Nachhaltigkeit im Angebot; NRW Pensionsfonds mit nachhaltigen Kriterien

Nummer Siebzehn am 6.11.2017: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Aktionsplan der EU-Kommission

Die EU-Kommission legte am 8.3.2018 im Rahmen einer Pressekonferenz einen Aktionsplan vor: „Financing Sustainable Growth“. Dieser Plan soll die europäische Finanzwirtschaft stärker auf die Finanzierung eines längerfristigen, nachhaltigen Wachstums ausrichten. Dies erfordert weitgehende, auch gesetzgeberische Maßnahmen in Bezug auf Berichterstattung, Bilanzierung, Regulierung und Unternehmensführung. Dies bezieht sich insbesondere auf einen längerfristigen Zeithorizont unter Berücksichtigung von Klimawandel, Energiewende und anderen  Faktoren.

8. März 2018, aktualisiert 9. März 2018, ergänzt 12./14. März 2018

Dr. Ralf Breuer

Vorschläge der Expertengruppe übernommen

Grundlage des in einer Pressekonferenz vorgestellten Aktionsplans (Presseerklärung, englisch)ist der im Januar vorgelegte Schlussbericht einer hochrangigen Expertenkommission, der „High-Level Expert Group on Sustainable Finance“ (HLEG), deren Empfehlungen weitgehend übernommen wurden. Bei der Vorstellung des Berichts am 22.2.2018 in Berlin war bei 200 Teilnehmern ein gegenüber dem Zwischenbericht im Juli 2017 deutlich gestiegenes Interesse zu verzeichnen. Mehr im Beitrag Schlussbericht der EU-Experten.

Zur Umsetzung der Vorschläge sind weitreichende, auch gesetzgeberische Maßnahmen notwendig, die Bilanzierung, Corporate Governance, Risikomanagement und regulatorische Schritte beinhalten. Insbesondere muss der Zeithorizont bei der Bilanzierung und der Erfassung von Risiken deutlich ausgedehnt werden, um beispielsweise die Auswirkungen von Klimawandel und Energiewende angemessen abzubilden.

Auf einer Veranstaltung am 22.3.2018 in Brüssel werden die Einzelheiten in einem größeren Rahmen präsentiert. Details zur Veranstaltung finden Sie Hier.

Der Aktionsplan in Kürze

Im folgenden der Versuch, den auf zwanzig Seiten skizzierten Plan der EU-Kommission in Kürze und in Hinblick auf seine praktischen Auswirkungen für die Kreditwirtschaft zusammenzufassen:

1. Klassifizierung von wirtschaftlichen Aktivitäten bezüglich ihres Beitrags zu einer nachhaltigen Entwicklung („Taxonomie“)

Dabei sollen vor allem die Kriterien Klimawandel, Umweltwirkungen und soziale Wirkungen angewendet werden. Zunächst werden der Klimawandel und die Energiewende im Fokus einer technischen Expertengruppe stehen

2. Standards/Gütesiegel für „grüne“ Finanzprodukte

Zunächst zielt die Kommission auf die Standardisierung „grüner“ Anleihen, sogenannten Greenbonds. Später sollen andere Produkte auf der Grundlage der Taxonomie geprüft werden

3. Förderung von Investitionen in nachhaltige Projekte

Aufbau von Beratungskapazitäten für nachhaltige Infrastrukturprojekte in der EU und den Nachbarländern

4. Aufnahme von Nachhaltigkeit in die Finanzberatung

Modifikation der Vertriebsrichtlinien für Banken (MiFID II) und Versicherungen (IDD, Insurance Distribution Delegated Acts). Anm.: Diese Punkte waren in der Expertenempfehlung nicht so deutlich enthalten

5. Qualitätsmaßstäbe für Nachhaltigkeit

Schaffung von mehr Transparenz und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitskriterien

6. Bessere Integration von Nachhaltigkeit in Ratings und Marktresearch

Relevanz für Kreditwürdigkeit (Credit Rating) und Methodik von Nachhaltigkeitsratings

7. Klärung der Pflichten von Investoren und Vermögensverwaltern

Im Expertenbericht wurde klar eine „treuhänderische Pflicht“ von Investoren für zukünftige Generation gefordert. Verfassungsrechtlich ist diese aber kaum verankert, z.B. fehlen entsprechende Nachhaltigkeitsanforderungen im deutschen Grundgesetz

8. Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei Risikomanagement und Regulierung

Im ersten Schritt werden vor allem Klimarisiken und die Energiewende im Fokus stehen. Konkret ist dies die Umsetzung der Vorschläge der vom Financial Stability Board eingesetzten Taskforce TCFD (Task force for climate-related financial disclosures). Einige Aufsichtsbehörden wie die Deutsche Bundesbank haben dies ausdrücklich gefordert, die niederländische Zentralbank hat bereits einen Stresstest für Klimarisiken bei Banken avisiert

9. Ausweitung der Berichterstattungs- und Bilanzierungspflichten

Hier sind weitreichende Anpassungen in Hinblick auf die Wesentlichkeit in der Berichterstattung und vor allem auch auf den Zeithorizont bzw. Zukunftsbezug erforderlich.

10. Verstärkung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Unternehmensführung und Kapitalmarktkommunikation

Die Unternehmensleitungen sollen auf die Formulierung und Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsstrategien verpflichtet werden. Der Druck der Kapitalmärkte zu kurzfristigem Handeln in den Unternehmen könnte nach den Vorstellungen des Aktionsplans u.a. durch Halteperioden und Umschlagsbegrenzungen für Vermögensverwalter reduziert werden.

Einige Reaktionen aus der deutschen Kreditwirtschaft

Dagegen wirkt die gemeinsame Erklärung der Interessensverbände der deutschen Kreditwirtschaft sehr verhalten Deutsche Kreditwirtschaft zum EU-Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“:

„…Einen kurzfristigen Ausbau von Berichtspflichten sieht die DK jedoch kritisch und plädiert dafür, zunächst die Wirkung der CSR-Richtlinie zur nichtfinanziellen Information abzuwarten.

Weitergehende Anforderungen an das Risikomanagement sowie eventuell erleichterte Eigenkapitalanforderungen für „grüne“ Finanzierungen müssen erst sorgfältig geprüft und gegen den tatsächlichen Nutzen abgewogen werden. Regulatorische und aufsichtliche Eingriffe müssen auf das notwendige Mindestmaß beschränkt bleiben.“

Diese zurückhaltende Aufnahme motiviert unmittelbar den Kommentar von Frau Dr. Oelmann, die die Freiwilligkeit in einigen Bereichen der deutschen Kreditwirtschaft wohl zu Recht bezweifelt:

Bankenaufsicht: Nicht „ob?“, sondern „wie?“

Die europäischen Bankaufsichtsbehörden erscheinen in der Frage, ob Nachhaltigkeit für die Kreditwirtschaft relevant ist und relevanter werden muss, nahezu absolut einig. Klimarisiken und Energiewende sind als Risikotreiber erkannt und müssen in Berichterstattung, Bilanzierung und Regulierung erfasst werden. Die Vorschläge der vom Financial Stability Board eingesetzten Task Force (Task Force on climate-related financial disclosures, TCFD) wurden vom Großteil der Banken begrüßt.

Für alle Investoren und Kreditgeber besteht das Risiko einer teilweisen oder vollständigen Entwertung von Vermögenspositionen (engl.: „stranded assets). Bei fossil betriebenen Kraftwerken ist dieser Gedanke bei dem verstärkten Übergang auf mittlerweile wirtschaftlich wettbewerbsfähige erneuerbare Energien besonders naheliegend.

Diese Faktoren betreffen aber auch kleine, nur lokal tätige Kreditinstitute, da beispielsweise Handwerksbetriebe durch Dieselfahrverbote und einem Übergang auf Elektromobilität erheblichen Betriebs- und Investitionsrisiken ausgesetzt sind.

Einige Diskussionen werden um Anreizmechanismen für „grüne“ versus „braune“ Finanzierungen geführt werden. Hier sind die Meinungen durchaus – und zu Recht – gespalten, wie die Meldung zur Deutschen Bundesbank vom 14.3.2018 zeigt:

Zwar hat sich die EU-Kommission klar für eine Förderung grüner Investitionsvorhaben, z.B. durch Entlastungen bei der Eigenkapitalunterlegung ausgesprochen, jedoch könnte auch eine zusätzliche Belastung nicht-grüner Positionen erwogen werden. Dies hat beispielsweise der Geschäftsführer der Triodos Bank Deutschland vorgeschlagen. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Risikoprofile beider Vermögensklassen erscheint eine sorgfältige Abwägung sehr berechtigt: Während „braune“ Risiken eher langfristig wirken, ist bei „grünen“ Finanzierungen eher von einer kurzfristigen Wirkung bis zur Inbetriebnahme bzw. Markteinführung auszugehen.

Vorläufiges Fazit

Die Vorschläge der EU-Kommission sind sehr weitreichend und erfordern vielfältige Eingriffe in Rechtsvorschriften und die Wirtschaftspraxis, weshalb die geplante weitgehende Umsetzung bis zum Herbst 2019 sehr ambitioniert erscheint. Unter der Voraussetzung, dass das europäische Parlament dem Aktionsplan folgt, werden die Maßnahmen ggf. bereits innerhalb weniger Monate wirksam, z.B. durch Anpassungen von MiFID II (Banken) und IDD (Versicherungsvertrieb).

Es war zu erwarten, dass die EU-Kommission in diese Richtung tätig wird, allerdings werden wohl Teile der deutschen Kreditwirtschaft überrascht sein, wie schnell und weitreichend die Eingriffe sein können. Dies zeichnete sich allerdings bereits auf der Grundlage des Zwischenberichts der Expertengruppe im Juli 2017 ab. Der fand allerdings in Deutschland kaum Beachtung: Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Dreissig bis Eins

Nummer Dreissig am 1. März 2018: EU-Kommission legt am 22.3.2018 einen Aktionsplan vor; Nachhaltigkeit wirkt auf den Unternehmenswert; Möglichkeiten und Grenzen der Blockchain; Crowdfundings mit 12 Energieprojekten; In eigener Sache: 1. #nachhaltige100, 2. GLS Bank Nachhaltigkeits Blog Award 2018, 3. Gesponserte (affiliate) Links

Nummer Neunundzwanzig am 19. Februar 2018: Dynamische Entwicklung bei Nachhaltigkeitsanleihen; Fortschritte bestimmen den Kreditzins;  Die Schweiz reguliert den Kryptomarkt (ICOs); BaFin nimmt Stellung; Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken

Nummer Achtundzwanzig am 6. Februar 2018, ergänzt 7. Februar 2018: Schlussbericht der EU-Experten; WWF mit Anregungen zu den Koalitionsverhandlungen; Orientierung bei Crowdfunding tut not; Triodos UK mit neuem Crowdfunding; Gebrutstagsgruß an die Dekabank; Finanzielle Inklusion wird zum Geschäftsmodell; Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken

Nummer Siebenundzwanzig am 25.1.2018: Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken; Genossenschaftsbanken mit Nachhaltigkeitskampagne; Preissenkung bei RoboAdvice quirion; Veranstaltung „Sustainable Finance“ am 22.1.2018

Nummer Sechsundzwanzig am 12.1.2018: Und noch mehr „RoboAdvice“- Werthstein, savemate…; Anleihen mit Klimabezug (Green Bonds) wachsen stark

Nummer Fünfundzwanzig am 9./10.1.2018: Börsenzeitung: Grüne Finanzanlagen erreichen kritische Masse; Rückblick 2017/Ausblick 2018

Nummer Vierundzwanzig am 14.12.2017: Banken- und Produktcheck der Verbraucherzentrale; EU investiert € 9 Mrd. in Klimaprojekte; EU mit Plan für nachhaltige Finanzwirtschaft März 2018; Studie Deutsche FinTech; Buchankündigung Digitalisierung und Nachhaltigkeit; Jetzt schon 41 Onlineangebote für Anlageberatung und Vermögensverwaltung in Deutschland

Nummer Dreiundzwanzig am 12.12.2017: Marktübersicht nachhaltige Geldanlagen; Niederländische Finanzwirtschaft mit Plattform zur CO2-Erfassung; Europäische Großbanken und Klimawandel; Eine zutreffende Zustandsbeschreibung der deutschen Kreditwirtschaft

Nummer Zweiundzwanzig am 6.12.2017: Übersicht FinTech im deutschsprachigen Raum; Prospery – eine weitere Vermögensverwaltung online; Asset Management – von verantwortungs- zu wirkungsbewusst; N26 – ein FinTech wider die Nachhaltigkeit?

Nummer Einundzwanzig am 4.12.2017: Bisher USD 100 Mrd. neue Anleihen mit Klimabezug; 45 Fonds mit dem FNG-Siegel versehen, Neues Zentrum für nachhaltige Finanzwirtschaft in Schweden

Nummer Zwanzig am 28.11.2017: Nachhaltigkeit mit großer Relevanz für Banken; SDG FinTech Initiative; Crowdfunding; Goodfolio vor dem Marktstart

Nummer Neunzehn am 15.11.2017: comdirect FINANZbarcamp 2017; Die Grenzen von Blockchain/Bitcoin; …der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Nummer Achtzehn am 8.11.2017: Global Financial Development Report 2017/2018; UN Environment/World Bank Group – Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP23; Glücksatlas 2017; Consorsbank mit Nachhaltigkeit im Angebot; NRW Pensionsfonds mit nachhaltigen Kriterien

Nummer Siebzehn am 6.11.2017: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Dreissig

Inhalt: EU-Kommission legt am 22.3.2018 einen Aktionsplan vor; Nachhaltigkeit wirkt auf den Unternehmenswert; Möglichkeiten und Grenzen der Blockchain; Crowdfundings mit 12 Energieprojekten; In eigener Sache: 1. #nachhaltige100, 2. GLS Bank Nachhaltigkeits Blog Award 2018, 3. Gesponserte (affiliate) Links

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

1. März 2018

Dr. Ralf Breuer

EU-Kommission legt am 22.3.2018 einen Aktionsplan vor

Die EU-Kommission wird am 22.3.2018 einen Aktionsplan für das Europäische Parlament vorlegen, mit dem die Finanzwirtschaft verstärkt für eine nachhaltige(re) Entwicklung in die Pflicht genommen werden soll. Grundlage ist der im Januar vorgelegte Schlussbericht einer hochrangigen Expertenkommission, der „High-Level Expert Group on Sustainable Finance“ (HLEG). Bei der Vorstellung des Berichts am 22.2.2018 in Berlin war bei 200 Teilnehmern ein gegenüber dem Zwischenbericht im Juli 2017 ein deutlich gestiegenes Interesse zu verzeichnen. Mehr im Beitrag Schlussbericht der EU-Experten.

Zur Umsetzung der Vorschläge sind weitreichende, auch gesetzgeberische Maßnahmen notwendig, die Bilanzierung, Corporate Governance, Risikomanagement und regulatorische Schritte beinhalten. Insbesondere muss der Zeithorizont bei der Bilanzierung und der Erfassung von Risiken deutlich ausgedehnt werden, um beispielsweise die Auswirkungen von Klimawandel und Energiewende angemessen abzubilden.

Insgesamt wird eine Standardisierung von Vermögensklassen angestrebt, um z.B. „grüne“ (sprich: positiv nachhaltige) von „braunen“ (Nachhaltigkeit schädigenden) Finanzinstrumente bzw. Investitionen zu unterschieden. Interessant werden die Diskussionen um eine Sanktionierung der verschiedenen Klassifikationen: Die Vorschläge reichen von einer Begünstigung „grüner“ Aktivpositionen geringere Eigenkapitalunterlegung bis zu zusätzlichen (Eigenkapital-)Belastungen bei „braunen“ Positionen.

Ankündigung der Veranstaltung am 22.3.2018 in Brüssel Hier.

 

Nachhaltigkeit wirkt auf den Unternehmenswert

Die ING Group hat einen interessanten Stimmungsbericht zu den Zusammenhängen zwischen Nachhaltigkeit und Unternehmenswert vorgelegt. Es wurden 210 Finanzverantwortliche verschiedener Branchen in den U.S.A. befragt. Im Ergebnis betonten 29% einen starken Einfluß und 19% einen Einfluß, womit knapp 50% die Beziehung der beiden Faktoren mindestens anerkennen. Gerade in den Vereinigten Staaten ist ein verstärkter Aktivismus der Finanzinvestoren festzustellen, die Unternehmen und ihre Leitungen auf ein höheres Maß an Nachhaltigkeit zu verpflichten. Vgl. hierzu den Kurzbericht in Nummer ZweiNachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger.

Möglichkeiten und Grenzen der Blockchain

Die Blockchain-Technologie hatte in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung, allerdings ist sie in Bezug auf ihre Anwendungsmöglichkeiten auch kritisch zu hinterfragen, z.B. in Hinblick auf (Transaktions-)Geschwindigkeit und Energieeffizienz.

Positiv ist sicherlich der grundsätzliche Sicherheitsaspekt, der bestimmte Tatbestände wie mangelnde physische und instutionelle Infrastruktur – z.B. in Schwellenländern – sowie Korruption und Sicherheitsmängel überbrücken kann. Keinesfalls ist die Blockchain aber ein Allheilmittel, weshalb gemäß einer Studie von Deloitte 9 von 10 Projekten zu keinem positiven Ergebnis geführt haben. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse und Zugang zur Originalstudie findet sich im Blog von Chris Skinner: 9 out of 10 blockchain trials go nowhere. Eine hervorragende deutschsprachige Darstellung der Blockchain sowie ihrer Möglichkeiten und Grenzen hat Kilian Thalhammer vorgelegt. Erschienen am 1.3.2018 im Blog von PAYMENTANDBANKINGDer Blockchain Kompass.

 

 

Crowdfundings mit 12 Energieprojekten

Aktuell werden Privatanlegern 12 Energieprojekte bei 6 Anbietern angeboten. Nicht mitgerechnet sind Immobilienprojekte, die (auch) Energieeffizienz fördern können/wollen. Die Zinssätze für die überwiegend nachrangigen Darlehen liegen aktuell in der Bandbreite von 5,3% bis 9,3% bei Mindestanlagen von € 50 bis € 500. Damit ist gegenüber den herkömmlichen Direktanlagen eine deutlich stärkere Streuungsmöglichkeit gegeben. Allerdings fehlen Erfahrungswerte in Bezug auf pünktliche Verzinsung und Rückzahlung, weshalb die jeweiligen Risikohinweise gut bedacht werden sollten.

Einen Zugang zu mehr Informationen und weiteren Links zu Crowdfundings mit der Möglichkeit einer gestreuten Anlage findet sich auf  der Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

 

In eigener Sache

1. #nachhaltige100

Investabel® wurde im Februar erstmals auf Platz 79 der von der Triodos Bank N.V. Deutschland initiierten Liste „#nachhaltige100“ geführt. Nachstehend die Beschreibung der Liste im Blog der Bank:

„Mit der Liste #nachhaltige100 wollen wir diese Gemeinschaft in den sozialen Medien sichtbar machen. Wer sind die Akteurinnen und Akteure, die sich dort äußern, um unsere Welt nachhaltiger zu gestalten?

Aus einer Auswahl von über 1.500 Influencern haben wir mit Hilfe von Rise ein Ranking erstellt. Es basiert auf Klout-Scores. Klout wertet Social-Media-Aktivitäten aus und generiert daraus eine Punktzahl. Je höher der Wert, desto einflussreicher ist die Person in den sozialen Netzwerken.

Für alle, die am Thema Nachhaltigkeit interessiert sind, ist unser Ranking als Inspiration gedacht. Darüber hinaus ist es unser Ziel, die Gemeinschaft noch besser zu vernetzen. #nachhaltige100 umfasst nur private Twitter-Accounts, Unternehmen und NGOs listen wir nicht.“

Mehr zur Berechnung des (rein quantitativen) Klout-Scores bei Wikipedia – Klout.

 

2. GLS Bank Nachhaltigkeits Blog Award 2018

Investabel® hat sich für eine Teilnahme am „GLS Bank Nachhaltigkeits Blog Award 2018“ in der Kategorie „Nachhaltiges Leben & Ernährung“ beworben. Nominierungen für andere Kategorien würden natürlich sehr begrüßt, insbesondere natürlich „Nachhaltigster Blogger*in des Jahres“.

Nominiert werden kann ab sofort, bis zum 10. April 2018. Die Nominierungen zum Award werden am 1. Mai 2018 bekanntgegeben. Ab Bekanntgabe kannst Du online abstimmen, die Reihenfolge der Nominierten ist zufällig. Die Abstimmung wird bis zum 31. Mai 2018, 23:59 Uhr möglich sein. Die Preise werden am 9. Juni 2018 verliehen.

Einzelheiten zum Wettbewerb: GLS Bank Nachhaltigkeits Blog Award 2018

 

3. Gesponserte (affiliate) Links

In einigen Beiträgen auf investabel.wordpress.com sowie in Beiträgen @investabel in sozialen Medien finden sich Links mit dem Zusatz „gesponserter Link“. Es handelt sich hierbei um Hyperlinks, die mit Hinweisen auf ihre Herkunft in den Beiträgen gekennzeichnet sind und zu einer erfolgsabhängigen Vergütung im Falle eines hierauf zurückgehenden Vertragsabschlusses zwischen dem Nutzer und den jeweiligen Anbietern führen können. Die Nutzung der Links ist kostenfrei.

„Gesponsert“ bedeutet ausdrücklich nicht, dass eine Vergütung für die Setzung und Nutzung der Links selbst und damit bezahlte Werbung erfolgt. Vielmehr bleiben Setzung, Häufigkeit und Platzierung der Links im völlig freien Ermessen des Autors.

Vereinbarungen über gesponserte Links bestehen derzeit mit zwei Anbietern von Investments in Energieprojekte (Crowdfunding): bettervest (gesponserter Link) und ecoligo investments (gesponserter Link).

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Neunundzwanzig bis Eins

Nummer Neunundzwanzig am 19. Februar 2018: Dynamische Entwicklung bei Nachhaltigkeitsanleihen; Fortschritte bestimmen den Kreditzins;  Die Schweiz reguliert den Kryptomarkt (ICOs); BaFin nimmt Stellung; Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken

Nummer Achtundzwanzig am 6. Februar 2018, ergänzt 7. Februar 2018: Schlussbericht der EU-Experten; WWF mit Anregungen zu den Koalitionsverhandlungen; Orientierung bei Crowdfunding tut not; Triodos UK mit neuem Crowdfunding; Gebrutstagsgruß an die Dekabank; Finanzielle Inklusion wird zum Geschäftsmodell; Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken

Nummer Siebenundzwanzig am 25.1.2018: Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken; Genossenschaftsbanken mit Nachhaltigkeitskampagne; Preissenkung bei RoboAdvice quirion; Veranstaltung „Sustainable Finance“ am 22.1.2018

Nummer Sechsundzwanzig am 12.1.2018: Und noch mehr „RoboAdvice“- Werthstein, savemate…; Anleihen mit Klimabezug (Green Bonds) wachsen stark

Nummer Fünfundzwanzig am 9./10.1.2018: Börsenzeitung: Grüne Finanzanlagen erreichen kritische Masse; Rückblick 2017/Ausblick 2018

Nummer Vierundzwanzig am 14.12.2017: Banken- und Produktcheck der Verbraucherzentrale; EU investiert € 9 Mrd. in Klimaprojekte; EU mit Plan für nachhaltige Finanzwirtschaft März 2018; Studie Deutsche FinTech; Buchankündigung Digitalisierung und Nachhaltigkeit; Jetzt schon 41 Onlineangebote für Anlageberatung und Vermögensverwaltung in Deutschland

Nummer Dreiundzwanzig am 12.12.2017: Marktübersicht nachhaltige Geldanlagen; Niederländische Finanzwirtschaft mit Plattform zur CO2-Erfassung; Europäische Großbanken und Klimawandel; Eine zutreffende Zustandsbeschreibung der deutschen Kreditwirtschaft

Nummer Zweiundzwanzig am 6.12.2017: Übersicht FinTech im deutschsprachigen Raum; Prospery – eine weitere Vermögensverwaltung online; Asset Management – von verantwortungs- zu wirkungsbewusst; N26 – ein FinTech wider die Nachhaltigkeit?

Nummer Einundzwanzig am 4.12.2017: Bisher USD 100 Mrd. neue Anleihen mit Klimabezug; 45 Fonds mit dem FNG-Siegel versehen, Neues Zentrum für nachhaltige Finanzwirtschaft in Schweden

Nummer Zwanzig am 28.11.2017: Nachhaltigkeit mit großer Relevanz für Banken; SDG FinTech Initiative; Crowdfunding; Goodfolio vor dem Marktstart

Nummer Neunzehn am 15.11.2017: comdirect FINANZbarcamp 2017; Die Grenzen von Blockchain/Bitcoin; …der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Nummer Achtzehn am 8.11.2017: Global Financial Development Report 2017/2018; UN Environment/World Bank Group – Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP23; Glücksatlas 2017; Consorsbank mit Nachhaltigkeit im Angebot; NRW Pensionsfonds mit nachhaltigen Kriterien

Nummer Siebzehn am 6.11.2017: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Schlussbericht der EU-Experten

Die von der EU-Kommission eingesetzte hochrangige Experten zu Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft (High-Level Expert Group on Sustainable Finance, HLEG) legte heute den Schlussbericht mit ihren Empfehlungen vor (Download). Dabei bekräftigte sie noch einmal die grundsätzlichen Punkte im Zwischenbericht vom Juli 2017. Die EU-Kommission beabsichtigt, im März 2018 dem EU-Parlament konkrete Vorschläge für die Umsetzung zu unterbreiten. Während der Zwischenbericht im Juli kaum Beachtung in der deutschen Öffentlichkeit fand, hat der Schlussbericht einen deutlich höheren Aufmerksamkeitswert wie die beachtliche Zahl zeitnaher Reaktionen aus der Kreditwirtschaft und Interessenvertretern zeigt.

31. Januar 2018, ergänzt 7. Februar 2018

Dr. Ralf Breuer

Banken: Juli lasch, heute rasch

Bei der öffentlichen Präsentation der Zwischenergebnisse in Brüssel (500 Teilnehmer) und London (über 100) waren nur vereinzelt Vertreter der deutschen Kreditwirtschaft. In einer gemeinsamen Stellungnahme wurden die Ergebnisse eher lasch zur Kenntnis genommen. Mehr hierzu im Beitrag vom Juli 2017: Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung? Umso erfreulicher ist die zeitnahe Aufnahme der Ergebnisse, z.B. durch den Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands auf Twitter:

Auch die Aussage auf der Internetseite des Verbands stellt eine bemerkenswerte Änderung gegenüber den Stellungnahmen zum Zwischenbericht dar:

Banken für mehr Nachhaltigkeit auf den Finanzmärkten

31. Januar 2018

Die von der EU-Kommission eingesetzte High Level Expert Group on Sustainable Finance (HLEG) hat heute ihren Abschlussbericht vorgelegt. Ziel ist es, nachhaltige Investments zu stärken und das Thema Nachhaltigkeit in den regulatorischen und finanzpolitischen Rahmen der Europäischen Union zu integrieren. Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, erklärt dazu: „Die Banken bekennen sich zum Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung. Viele Banken haben ökologische Belange in ihr operatives Geschäft bereits integriert. Der nun vorgelegte Bericht der Expertenkommission hat eine enorme Signalwirkung. Nachhaltigkeit ist längst kein Randthema mehr. Alle Unternehmen der Finanzwirtschaft müssen heute Sustainable Finance in ihrer DNA verankern. Damit dies Erfolg hat, müssen insbesondere klare Begrifflichkeiten vorgegeben werden und transparente Verhaltensregeln für alle Beteiligten existieren. Auch die Risikoaspekte von nachhaltigen Finanzierungen dürfen nicht außen vorgelassen werden.“

Quelle: Bankenverband

Ganz anders die gemeinsame Stellungnahme der Spitzenverbände Deutsche Kreditwirtschaft: Anreize für langfristige Finanzierungen sind sinnvoll, zusätzliche Regulierung vermeiden. Auf der Grundlage der oben wiedergegebenen eigenen Erklärung hätte sich der Bundesverband deutscher Banken dieser gemeinsamen Fassung nicht anschliessen dürfen. Offenbar bedarf es einer neuen Bundesregierung, die in der Nachhaltigkeitsstrategie zur Chefsache erklärten Thematik Nachdruck verleiht.

Erwartungsgemäß geht einigen Interessierten der Bericht in seinen Empfehlungen (noch) nicht weit genug, was sich auch in ersten Stellungnahmen und Kommentaren, z.B. auf Twitter äußerte:

Grundsätzlich in die richtige Richtung

Die Unternehmensverantworlichen, Investoren und auch die Aufsichtsbehörden sollen für Nachhaltigkeit und eine längerfristige Sichtweise in die Pflicht genommen werden. Insbesondere die Risiken aus dem Klimawandel und der Energiewende können und dürfen von der Kreditwirtschaft schon aus Eigeninteresse nicht ignoriert werden.  Insofern bilden die Erfassung und der Bericht von Nachhaltigkeitsrisiken einen Kernpunkt der Empfehlungen.

Die beträchtlichen Risiken aus der Nicht-Berücksichtigung längerfristiger Faktoren korrespondieren unmittelbar mit den geschäftspolitischen Chancen durch die Berücksichtigung nachhaltiger Entwicklungsziele bei Investititionsentscheidungen. Die (17) globalen Entwicklungsziele (SDG) haben sich über die zweite Jahreshälfte 2017 als gemeinsamer Denkrahmen für Investoren und alle beteiligten interessierten Parteien entwickelt, da sie vorwärtsgerichtet sind und ein gleichgerichtetes Verständnis für die weitere Entwicklung sind. Die Vorschläge der HLEG zielen deshalb auch auf die Förderung der Finanzierung einer nachhaltigen Infrastruktur in der Europäischen Union.

Wieviel Politik ist nötig?

Nachhaltigkeit ist in Deutschland offiziell „Chefsache“ des Bundeskanzleramtes. Durch die verzögerte Regierungsbildung nach der Bundestagswahl im September 2017 blieben aber wichtige Impulse in Richtung Wirtschaft und vor allem Richtung Kreditwirtschaft aus. Es ist zu hoffen, dass die Empfehlungen der Expertengruppe noch zeitnah in die laufenden Koalitionsverhandlungen einfliessen und so weitere Impulse gegeben werden.

Der oben zitierte Kommentar des Bankenverbands und die anhaltend guten Geschäftszahlen nachhaltig orientierter Banken (z.B. Geschäftszahlen 2017 der GLS Bank vom 30.1.2018) sowie anlaufende Kampagnen für nachhaltige Anlageprodukte signalisieren ein deutlich gestiegenes Eigeninteresse der deutschen Kreditwirtschaft. Das ist eigentlich ohnehin gegeben, aber bedauerlicherweise noch nicht voll erkannt: Nachhaltigkeit im Bankgeschäft als Überlebensstrategie.