Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag

 

Beitragsbild: Payment & Banking, Stand Oktober 2018

Inhalt: Nachlese Hessenwahl + Merkel; Weltspartag und Nachhaltigkeit?; Weltspartag – Warum das Sparschwein eine arme Sau ist;  Commerzbank und KfW mit neuen Green Bonds; Deutsche FinTech – Für den Überblick?; Edeka, Rewe, Aldi und der Bio-Daumen: Was hinter der Nachhaltigkeits-Offensive der Lebensmittelhändler wirklich steckt; Der Zukunftsfonds; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

30. Oktober 2018

Dr. Ralf Breuer

Nachlese Hessenwahl + Merkel

Nur einen Tag nach der (Protest-)Wahl zum hessischen Landtag mit ihrem schwierigen Ergebnis hat die Personalie Angela Merkel sie auch schon in den Hintergrund gedrängt. Dieser „Abgang auf Raten“ hat absehbar einen hohen Preis, da erneut Personalia die dringenden Lösungen von Sachfragen zurückstehen lassen. Wie schon in den letzten 13 Monaten seit der letzten Bundestagswahl am 24. September 2017.

Gerade beim Thema Nachhaltigkeit sind die Rückstände international beträchtlich und bedenklich. Dies haben viele Akteure im Land erkannt. Nach dem heißen, dürren Sommer ist Klimaschutz ein prominentes Thema wie viele Stimmen in der jüngeren Vergangenheit unterstrichen haben: Nummer Dreiundfünfzig Nummer Vierundfünfzig.

Weltspartag und Nachhaltigkeit?

Tatsächlich ist die Ursprungsidee eine nachhaltige: Finanzielle Bildung und Stabilisierung der finanziellen Situation unterer Einkommensschichten: „Die Initiative zum Weltspartag wollte nicht einfach nur das Sparen fördern. Vielmehr stand bereits zu Beginn der pädagogische Aspekt im Vordergrund. Vor dem Hintergrund der Finanzerziehung wollte man nicht nur die unteren Einkommensschichten erreichen, das Sparen sollte als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen werden.“ Quelle:Weltspartag – Wikipedia.

Tatsächlich liegen die Wurzeln der heutigen Kreditwirtschaft mehrheitlich in der Versorgung un(ter)-versorgter Bevölkerungsschichten. Hieran erinnert der nachstehende Beitrag eindringlich.

Weltspartag – Warum das Sparschwein eine arme Sau ist

In der „politischen Wochenvorschau“ der Süddeutschen Zeitung am 28.10.2018 hat der Kolumnist Heribert Prantl einen sehr lesenswerten Beitrag unter diesem Titel  zum „Weltspartag“ am 30.10.2018 veröffentlicht.

2018-10-29 Weltspartag

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Besonders eindringlich der Abschnitt:

Wofür Sparkassen da sind

Sparkassen sind Provinz, sie sind die Universalbanken der Provinz in kommunaler Trägerschaft – und kraft Gesetz dem Gemeinwohl und dem Gemeinnützigkeitsprinzip besonders verpflichtet. Wenn sie zusperren, ist das ein Symbol für provinzielle Depression.

Eigentlich ist Provinz ein gutes Wort: Provinz ist da, wo die Menschen sich kennen. Provinz ist da, wo die Machtverhältnisse überschaubar sind. Wenn Sparkassen wirklich gut sind, dann sorgen sie dafür, dass die Provinz Zukunft hat – dann fördern sie Projekte, Unternehmungen und Unternehmen, die neue Landlust wecken. Es geht um Regionalentwicklung. Das ist nichts Abstraktes, sondern sehr konkret. Es geht dabei nicht um die Beschilderung von Wanderwegen oder darum, dass die Marktplätze in den Kleinstädten alle zehn Jahre andersrum gepflastert werden. Es geht vor allem darum, wie man junge Menschen in der Provinz zum Bleiben oder, noch besser, zur Rückkehr bewegt.

Herr Prantl beschreibt hier eindringlich und pointiert die Ratio hinter den Überlegungen in einem früheren Blogbeitrag: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0.

In der Realität ergibt sich leider ein ganz anderes Bild, wie die aktuelle Übersicht des FairFinanceGuide Deutschland über die Nachhaltigkeitsrichtlinien deutscher Kreditinstitute:

2018-10-30 FairFinanceGuide

Quelle: FairFinanceGuide Deutschland

Commerzbank und KfW mit neuen Green Bonds

Commerzbank (€ 500 Mio., 1,25% fest, 5 Jahre) und KfW (€ 1 Mrd., 0,5% fest, 8 Jahre) haben neue Green Bonds begeben. Aber auch hier gilt der Grundsatz, das das Gleiche noch lange nicht das Selbe sein muß!

Green Bonds können unterschiedliche Arten von Anleihen sein. Sie sind zweckgebunden, worüber ein Nachweis zu führen ist. Sie sind aber nicht auch gleichzeitig automatisch auch Verbriefungen der zugeordneten Verwendungen, wie dies beispielsweise bei Pfandbriefen der Fall ist. Beide Anleihen wurden im Rahmen der jeweiligen Daueremissionsprogramme begeben und damit sind sie „ganz normale“ Unternehmensanleihen. Das Risiko hängt nur am Emittenten und nicht an den finanzierten Projekten. Trotzdem ist die Mittelverwendung aus Sicht des jeweiligen Anlegers interessant.

Die Commerzbank verwendet die Mittel zur Refinanzierung bestehender Energieprojekte. Aus einem Bestand von € 626 Mio. in Frage kommender Engagements wurden € 503 Mio. zur Unterlegung der Anleihe ausgewählt. Solartechnologie hat einen Anteil von 47 %, landgestützte Windtechnologie (onshore) 29%, seegestützte Windkraft (offshore) 25%. Dabei sind 46% der Finanzierungen in Deutschland, 13% im Euroraum, 36% in den USA und 4% in Chile. Bei 13% des Volumens sind die Vorhaben noch in der Projektphase. Mit Ausnahme der durchschnittlichen Engagementgröße (sogenannte ‚Granularität‘ der Portfolios) und Verzinsung sind die wesentlichen Elemente in einer (englischen) Präsentation dargestellt: Commerzbank – Inaugural Green Bond European Roadshow – October 2018.

Die KfW dagegen nutzt die Mittel für ihr Programm Erneuerbare Energien – Standard (EN). Hier werden bevorzugt kleinere Vorhaben bis maximal € 50 Mio. aus den Bereichen Energieerzeugung (Solar, Biomasse, Wind, Wasser, Geothermie), Energietransport und -speicherung mit Laufzeiten von bis 20 Jahren finanziert. Zielgruppe sind Privatpersonen, Privatunternehmen, Selbständige, Landwirte und kommunale Unternehmen.

Deutsche FinTech – Für den Überblick?

Das Team von Payment & Banking hat per 2.10.2018 die Übersicht zu den deutschen FinTech aktualisiert. Die stark „besiedelte“ Grafik zeigt, wie schwer es ist, sich einen Überblick zu verschaffen. So finden sich beispielsweise in der Rubrik „Sparen“ auch die Online-Vermögensverwalter, Robo-Advisors. Auffällig ist das Fehlen einer Kategorie, die zukünftig eine große Bedeutung haben wird: Anbieter von automatisierten Regulierungs- und Compliance-Prozessen, sogenannte „RegTech“ (regulatory technology) bzw. in der von Aufsichtsbehörden vorgearbeiteten „SupTech“ (supervisory technology). Solche Anwendungen sind in einigen der aufgeführten FinTech allerdings enthalten und ausbaufähig, z.B. unter „Rating“.

2018-10-02 German FinTech

Grafik: Payment & Banking, Stand Oktober 2018

Edeka, Rewe, Aldi und der Bio-Daumen: Was hinter der Nachhaltigkeits-Offensive der Lebensmittelhändler wirklich steckt

2018-10-29 Edeka Rettich

Bildquelle: https://edeka-zielke.de/2018/01/17/thema-nachhaltigkeit/

Und hier noch ein weiterer Beitrag als Lesetip: Im Alltag fällt auf, dass das Thema Nachhaltigkeit als Thema im Lebensmitteleinzelhandel stark vertreten ist. So auch unter den auf dieser Internetseite gesammelten Alltagsfotos Nachhaltigkeit. Linda Gondorf hat auf www.absatzwirtschaft.de diese Aktivitäten einmal kritisch unter dem Gesichtspunkt hinterfragt, ob es sich um reine Marketingmaßnahmen oder tatsächliche Bemühungen handelt.

Tenor: Marketing ja, aber mit großer Tragweite für die Tätigkeit und in Richtung von mehr Nachhaltigkeit, z.B. Aktuell reduzieren die großen Marken massiv ihre Plastikverpackungen. So wird Lidl in seinen rund 3.200 Filialen bis Ende 2019 Plastikartikel wie Trinkhalme, Einwegbecher und -gläser, Teller, Besteck und Wattestäbchen mit Plastikschaft komplett entfernen. Aldi testet, ob noch mehr Obst- und Gemüsesorten offen angeboten werden könnten. Ab dem zweiten Quartal dieses Jahres will der Discounter außerdem bei Bio-Tomaten Graspapier- und Zuckerrohrschalen als Verpackungsalternativen testen. Auch Edeka betonte auf dpa-Anfrage, die Reduzierung von Verpackungen sei ein Schwerpunktthema bei den Nachhaltigkeitsbemühungen des Unternehmens.

Hier lesen Sie den ganzen Beitrag: Linda Gondorf: Edeka, Rewe, Aldi und der Bio-Daumen: Was hinter der Nachhaltigkeits-Offensive der Lebensmittelhändler wirklich steckt.

Der Zukunftsfonds

Ohne die ganzseitige Anzeige in einer Deutschen Sonntagszeitung wäre er wohl in Vergessenheit geraten: Der Zukunftsfonds unter der Ägide von Kai Dieckmann (Ex-Bild) und Leonard Fischer (Ex-Dresdner). Wer sich (ohne Anmeldung) informieren möchte erlebt eine saftige Enttäuschung: Von einer Erläuterung der Strategie („einfach clever sparen“) oder der „journalistischen Begleitung“ keine Spur und es finden sich auch keine Links auf die (vorgeschriebenen) Dokumente. Diese sind aber für die Einschätzung des eigenen Interesses unabdingbar.

Die Informationen finden sich dann auf der Seite der Universal Investment. Allerdings tragen die Informationen hier eher zur Verwunderung bei: Nach einem Start mit € 11 Mio. eines großen Investors beträgt das Volumen aktuell (25.10.2018) € 15,2 Mio. und ist damit der vollmundig avisierten Zielmarke von € 20 Mrd. nicht deutlich näher gekommen. Von den vorhandenen Mitteln sind lediglich 28,2% überhaupt investiert. Da der Fonds zum 1.11.2018 aufgelegt wurde, wird bei Universal Investment auch keine Wertentwicklung ausgewiesen. Diese liegt wohl trotz des geringen Investitionsgrads im Fond aktuell bei rund -2,5% seit Auflage. Insofern kann man sich die weitere Informationssuche wohl erst einmal „einfach clever sparen“.

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundfünfzig bis Eins

 

 

 

4 Gedanken zu “Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag

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