Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundundsechzig

 

2019-03-13 Betreutes Schwänzen

Beitragsbild/Bild: Cartoon Rabe via @ErnstvAll auf Twitter

Inhalt: Vorneweg: Nachhaltigkeit, Jugendproteste und Banken?; Nicht nur für Freitage – #FridaysForFuture; Auch in Deutschland wachsen Banken mit Werten; Tomorrow für alle und sofort; Weltbank mit neuer SDG-Anleihe; SustainableFinance – Anspruch ja, Handeln nein? In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg: Nachhaltigkeit, Jugendproteste und Banken?

Wieso so viel nachstehend über die jugendlichen Proteste an den #FridaysForFuture? Selbst wenn sich diese Welle abschwächt, ist der Klimawandel noch tiefer im Bewußtsein der Gesellschaft und Kunden angekommen. Eine Gruppe von 15 Banken hat in Deutschland mit einem inhaltlich abweichenden, aber jeweils starken Wertefokus über die vergangenen zehn Jahre eine bemerkenswerte Größe erreicht (s.u.).

Die australische Onlinebank UBank (500.000 Kunden) hat kürzlich sogar Einlagenkonten von der Climate Bonds Initiative (CBI) zertifizieren lassen. Üblicherweise zertifiziert die CBI internationale Klimaanleihen (Climate Bonds, Green Bonds). Ziel der UBank: Die Attraktivität für junge Kunden (Millenials) steigern.

Die zertifizierten Einlagen werden zweckgebunden in Projekten für erneuerbare Energie, CO2-armen Transport sowie energetisches Bauen verwendet. (Presseerklärung EN: Media release, 13 March 2019: Green Term Deposits: add some colour to your savings – Grüne Termineinlagen: bringen Sie etwas Farbe in Ihre Ersparnisse).

Nicht nur für Freitage – #FridaysForFuture…

Freitag, 15.3.2019 und schlechtes Wetter in Deutschland. Aber 300.000 junge und ältere Menschen mit der Forderung nach einem wirksamen Klimaschutz auf den Straßen. Insgesamt waren 199 Demonstrationen angekündigt, weltweit 2.052 in 123 Ländern (Quelle: www.fridaysforfuture.org). Tolle Bilder engagierter, um die Zukunft besorgter Menschen aus der ganzen Welt. Eine eindrucksvolle Zusammenstellung erstellte die New York Times.

Viel gescholten wurde in den letzten Tagen der Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP, Christian Lindner für seine Aussage gegenüber der BILD Zeitung.

D1QFVPuXgAA-UjR

Quelle: BILD Zeitung

Delikaterweise sah er das selbst im Alter von 17 Jahren ganz anders.

„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere handelt“

So formulierte er es am Schluß eines Videos, dass ihn als Schüler zeigt, der bereits mit einem Freund und Mitschüler als Unternehmensberater tätig ist.

…nicht nur Jungendliche

2019-03-15 Grandpa for Future

Quelle: @parents4future via Twitter

Zwischenzeitlich haben sich in Deutschland viele Regionalgruppen und über 100 Ortsgruppen engagierter Eltern informell als Parents For Future gebildet. Sie sind als Teilnehmer und Ordner bei den jugendlichen Protesten engagiert.

2019-03-15 Family for Future

Quelle: Benedikt Kirpes via Twitter

Und auch die Wissenschaft!

2019-03-15 SCI4Future 23000

Quelle: www.scientistsforfuture.de

Mehr als 23.000 aktive und ehemalige Forscher im deutschsprachigen Raum unterzeichneten den Aufruf von namhaften Wissenschaftlern zur Unterstützung der Demonstrierenden für einen konsequenten Klimaschutz. Auf 40 Demonstrationen trugen Forscher diesen Appell vor.

Beeindruckend und erschütternd zugleich war die initiale Pressekonferenz am 12.3.2019 in Berlin, bei der vier renommierte Wissenschaftler die Forderungen der „ScientistsForFuture“ vortrugen. Und neben den Wissenschaftlern waren mit Luisa Neubauer und Jakob Blasel auch auch zwei aktive junge Aktivisten auf dem Podium.

Der hörens- und lesenswerte Appell als Video und Stellungnahme sind auf der Internetseite der Wissenschaftler verlinkt: https://www.scientists4future.org/presse/

Mit 16 für den Friedensnobelpreis nominiert!?

Drei norwegische Abgeordnete haben die beispielgebende Greta Thunberg, die die Schulstreiks allein in Stockholm begann, am 14.3.2019 für den Friedensnobelpreis nominiert. In jedem Falle ein weiteres starkes Zeichen an die jugendlichen Demonstranten.

Und dann?

Sicherlich wird die Protestwelle irgendwann an Kraft verlieren. Aber es ist interessant zu lesen, welche Ergebnisse Massenproteste in den letzten 50 Jahren hatten. Die britische Seite für Wissenschaftsjournalismus The Conversation hat dies in einem Artikel sehr nüchtern und anschaulich zusammengefasst (EN): School climate strikes: what next for the latest generation of activists?

Immerhin gab es am 18.3.2019 um 16:10h große Worte von Bundesumweltministerien Svenja Schulze zu den Absichten der Bundesregierung:

Auch in Deutschland wachsen Banken mit Werten

Nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen des Bundesverbands Deutscher Volk- und Raiffeisenbanken (BVR 12.3.2019) haben die Banken mit einem starken (kirchlichen, nachhaltigen oder ökologischen) Wertefokus in Deutschland 2018 eine summierte Bilanzsumme von rund € 65 Mrd. (BVR, Unternehmensangaben, eigene Berechnungen)erreicht und übertreffen damit deutlich die größte deutsche Sparkasse in Hamburg (Bilanzsumme H1 2018: € 44 Mrd.) deutlich.

In der genossenschaftlichen Finanzgruppe 7 dieser Banken zu den 25 größten Instituten. Bemerkenswert ist das Wachstumstempo dieser Bankengruppe: Bei der Bilanzsumme und den Einlagen wuchs sieh im Durchschnitt der letzten 10 Jahre um 0,5 Prozentpunkte stärker als die gesamte genossenschaftliche Finanzgruppe, bei den Kundenforderungen sogar um zwei Prozentpunkte (BVR, Unternehmensangaben, eigene Berechnungen). Rekordhalter ist die GLS Bank, deren Bilanzsumme sich in der Bilanzsumme seit 2008 nahezu versechsfachte, was in allen drei Positionen einem jährlichen Wachstum von annähern 18% über diesen Zeitraum entsprach.

Tomorrow für alle und sofort

Seit dem Start am 16. November 2018 konnte Tomorrow 2.925 Nutzer begrüßen (Stand: 18.3.2019 10:30h, Tomorrow App). Seit dem 11.3.2019 können Interessanten sofort Kunden werden. Bis dahin war dies nur über einen Platz auf der Warteliste und einen persönlichen Einladungscode möglich. Tomorrow wollte hierdurch einen reibungslosen Start sicherstellen. Dies scheint insgesamt gelungen wie ein Blick in die (offene) „Tomorrow Communitiy“ auf Facebook zeigt: Tomorrow Community – Öffentliche Gruppe

 

2018-11-21 Tomorrow4

Tomorrow finanziert aus Interbankgebühren Baumpflanzungsprogramme. Eine Idee, die gut angenommen wird. So z.B. auch in China: Green Digital Finance.

Weltbank mit neuer SDG-Anleihe

Das Nachhaltigkeit weit über ökologische Bemühungen hinaus reicht, wird anhand einer von der Weltbank am Weltfrauentag (8.3.) platzierten neuen Anleihe deutlich. Eine fünfjährige Anleihe über 500 Mrd. indonesische Rupien (IDR, USD 35 Mio.) dient der Bekämpfung von Hunger und Armut sowie der Gleichstellung von Frauen in ländlichen Regionen. Damit werden gleich drei der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) gleichzeitig adressiert.

Sustainable Finance – Anspruch ja, Handeln nein?

Eigentlich hebt man sich für den Schluss etwas Gutes auf. Hier allerdings die weniger schöne, eher betrübliche Nachricht: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundsechzig: Ein Jahr EU-Aktionsplan berichtete von dem Anspruch „Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen“ (sic). Allerdings: Die nächste hochrangige Konferenz zu diesem Thema am 21.3.2019 in Brüssel findet erneut ohne nennenswertes Engagement Deutschlands statt. Jedenfalls steht das Programm hierzu in einem eklatanten Widerspruch: High-Level Conference on Sustainable Finance: A global approach to sustainable finance.

Schon im vergangenen Jahr war das Fehlen prominenter deutscher Vertreter auffällig: Der Finanzminister Olaf Scholz war avisiert, aber nicht anwesend. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel war auf dem Weg nach Brüssel. Srecher waren u.a. Michael Bloomberg, Jean-Claude Juncker und Emmanuel Macron. (Bericht am 25.5.2018: Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung).

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsechzig bis Eins

 

 

 

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