Nachhaltigkeit im Bankgeschäft als Überlebensstrategie

Dr. Ralf Breuer

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 stellt sich die Frage nach der Überlebensfähigkeit von Banken. Beherrschende Themen sind Regulierung, Digitalisierung und Kosten, Kosten, Kosten – leider! Offenbar sind die EDV-Spezialisten teilweise etwas weiter, wenn sie „Kundenerlebnis“ teilweise vor (bank-)technische Systeme setzen. M.E. kann kein Bankverantwortlicher an den genannten Themen vorbei, sollte aber mal etwas genauer beim Thema Nachhaltigkeit hinschauen (lassen). Im Zusammenhang mit Marketing und Vertriebskanälen ist viel vom „Kundenerlebnis“ und der emotionalen Ansprache die Rede. Mit einem guten Gefühl bei der Geldanlage ist dieser Weg erheblich kürzer.

  1. Nachhaltigkeit ist ein hervorragendes Thema für die Kundenansprache
  2. Nachhaltigkeit kann helfen, die eigene (lokale oder regionale) Existenz zu sichern
  3. Wird immer mehr zur gesellschaftlichen und regulatorischen Pflicht. (ab 2017 für alle Kreditinstitute mit mehr als 500 Mitarbeitern

Immer mehr Banken entdecken das Thema für sich, konzentrieren sich dabei aber noch vielfach auf Stiftungen, institutionelle und sehr vermögende Kunden. Wieso erklärt sich eigentlich nur an einem Mangel an Produkten für den breiten Markt. Die erscheint aber in Anbetracht der Wachstumsraten bei entsprechenden Finanzanlageprodukten, entsprechend fokussierten Banken und der gesellschaftlichen Dynamik völlig unverständlich. Jedenfalls ist dieses Phänomen mit gesundem Menschenverstand nicht zu erfassen. Hört man in große Finanzgruppen hinein, so steht oft der persönliche Geschmack einzelner prominenter/wichtiger Meinungsbildner über der Ratio.

Am 13. Juli 2017 veröffentlichte eine von der EU-Kommission eingesetzte Expertenkommission ihre ersten Empfehlungen zu mehr Nachhaltigkeit im Finanzsektor http://www.eurosif.org/wp-content/uploads/2017/07/HLEG-on-Sustainable-Finance-IR-For-website-publication.pdf. Darin werden Ansätze diskutiert, wie bessere Beiträge zu den längerfristigen, nachhaltigen Entwicklungszielen erzielt werden können.

U.a. werden Anreize für verstärkte private Investitionen z.B. in Richtung Infrastruktur und CO2-Reduktion. Vorgeschlagen wird u.a. ein europäischer Standard für „Green Bonds“. Die Empfehlungen sind weitgehend konsistent mit der am Vortag veröffentlichten Germany Roadmap, die gemeinsam von PRI, UNEP FI und The Generation Foundation verfasst wurde.

https://www.unpri.org/download_report/36942

Allerdings gehen die Vorschläge der Expertenkommission deutlich darüber hinaus.

Einige Banken haben sich bewusst auf nachhaltige/ökologische/wertorientierte Themen fokussiert und fahren sehr gut dabei, wie ein Blick in die Ergebniszahlen von GLS Bank, Triodos oder auch Evenord-Bank zeigt. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann die deutsche Kreditwirtschaft Nachhaltigkeitsthemen als überlebenswichtig einstuft: Staat und Kunden wollen es, die Welt braucht es.

5 Gedanken zu “Nachhaltigkeit im Bankgeschäft als Überlebensstrategie

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