Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundachtzig

2020-01-16 BaFin Schwerpunkte 2020

Titelbild/Bild: Deckblatt der BaFin-Publikation „Aufsichtsschwerpunkte 2020 vom 16.1.2020

Inhalt: BaFin: Nachhaltigkeit als Schwerpunktthema 2020; Auch die FED nimmt an Treffen des NGFS teil; Nachhaltigkeit: Deutsche Bank CEO „starke Nachfrage“; Indexanbieter zeichnen EU Benchmarks vor; Morningstar: Rekord bei Nachhaltigkeitsfonds; Microsoft: Neue Landmarke bei Klimastrategien; Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Webinar; Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

3. Februar 2020

Dr. Ralf Breuer

BaFin: Nachhaltigkeit als Schwerpunktthema 2020

Das „Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“ der BaFin wurde am 20.12.2019 offiziell veröffentlicht. Am 16.1.2020 gab die BaFin nun ihre Schwerpunktthemen in diesem Jahr bekannt (BaFin: Aufgabenschwerpunkte 2020, S. 7):

1. Digitalisierung, IT und Cyberrisiken
2. Integrität des Finanzsystems und Bekämpfung von Finanzkriminalität
3. Nachhaltige Geschäftsmodelle (Anm.: Im Sinne von „stabil“ oder „tragfähig“)
4. Nachhaltige Finanzwirtschaft, Sustainable Finance

Bei der erstmaligen Veröffentlichung 2019 lauteten die Schwerpunktthemen „Digitalisierung“ und „Brexit“.

Im Erläuterungstext auf S. 15 avisiert die BaFin eine formelle Behandlung von Nachhaltigkeit bzw. Nachhaltigkeitsrisiken ab 2021:

„Im Jahr 2020 entwickelt die BaFin ein Konzept und eine Strategie, um das aufsichtliche Ambitionsniveau für das Management von Nachhaltigkeitsrisiken zu konkretisieren. Ab 2021 sollen Nachhaltigkeitsrisiken systematisch durch bestehende Aufsichtsinstrumente der BaFin erfasst und adressiert werden.“

Die formelle Behandlung ist vor allem von den europäischen Aufsichtsbehörden zu erwarten. Mit den „Schwerpunktthemen “ legt die BaFin weitere Argumente vor, das Merkblatt Nachhaltigkeitsrisiken trotz seines Empfehlungscharakters bereits 2020 als Arbeitsschwerpunkt in der Finanzwirtschaft aufzunehmen.

Auch die FED nimmt an Treffen des NGFS teil

In der Pressekonferenz zur Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed wurde Chef Powell nach der Beteiligung am internationalen „Network for Greening the Financial Sector (NGFS)“ gefragt. Er bestätigte die Teilnahme der u.s.-amerikanischen Notenbank an allen Treffen. Einen formellen Beitritt nannte er als eine Möglichkeit in der Zukunft. Bloomberg hatte fälschlicherweise diesen als unmittelbar bevorstehend gemeldet. (Vgl. Transcript der Pressekonferenz vom 29.1.2020, S.16)

Nachhaltigkeit: Deutsche Bank CEO „starke Nachfrage“

Der Journalist Michael Maisch (Handelsblatt) zitierte auf Twitter den CEO der Deutschen Bank, Christian Sewing aus der Pressekonferenz zu den Ergebnissen 2019. Dabei äußerte sich am Rande zur Marktsituation bei nachhaltigen Geldanlagen, die bei manchen Banken kaum gedeckt werden könnte:

Indexanbieter zeichnen EU Benchmarks vor

MSCI hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt, Ende März 2020 ein Indexprodukt nach Art der EU Klimabenchmarks vorzulegen. Auch S&P Dow Jones Indices hat nun Produkte vorgestellt, die weitgehend den Vorschlägen der Technischen Experten der EU (TEG) entsprechen sollen. S&P ist in seinem Konzept deutlich stringenter als die TEG, z.B. werden Emissionen aus Scope 3 von vornherein voll berücksichtigt.

Die theoretische Untersuchung Conceptualizing a Paris-Aligned Climate Index for the Eurozone kommt zu dem Schluss, dass das „PAC Konzept“ mit lediglich 185 der 254 Indexunternehmen des „S&P Eurozone LargeMidCap“ sehr vergleichbare Charakteristika zum Basisindex hat. Für das vergangene Jahr wurde mit +22,4% gegnüber +21,6% sogar eine etwas bessere Wertentwicklung berechnet. Allerdings schließt das Konzept deutlich weniger Unternehmen als in anderen Untersuchungen aus, bei denen z.B. nur ein kleiner Teil der Dax-Unternehmen in die neuen Klimabenchmarks aufgenommen würde.

Am 30.1. wurde in London ein weiteres Produkt vorgestellt: Der „FTSE-TPI Climate Transition Index“. Er entstand in einer einer Zusammenarbeit der Church of England und der Börse London LSE. Er soll als passiver Index für die Anlage von GBP 600 Mio. Pensionsgelder der Kirche genutzt werden.

Morningstar: Rekord bei Nachhaltigkeitsfonds

Morningstar berichtet für 2019 von massiv (€ 120 Mrd. vs. € 48,8 Mrd.) gestiegenen Zuflüssen zu nachhaltigen Investmentfonds. Die Anzahl der Fonds sei im Jahresverlauf um weitere 360 auf 2.405 gestiegen, das verwaltete Vermögen um 58% auf € 668 Mrd. Unter den neuen Fonds im Vorjahr haben lt. Morningstar 50 einen Klimabezug, Aktienfonds hatten bei den neuen Produkten den größten Anteil.

2020-02-03 Morningstar Sustainableflows

Quelle Morningstar: Record-Shattering Year for Sustainable Investments, 4.2.2020

Rekordzuflüsse hatte Morningstar bereits auch für U.S. Produkte und andere Teilsegmente vermeldet. Dies dürfte 2019 bei nachhaltigen Produkten durchgängig so gewesen sein.

Weltrisikoreport: Klimawandel dominiert

2020-01-22 WEF Risiken dt.

Quelle: Weltwirtschaftsforum/World Economic Forum. Basis: ca. 800 Befragte

Das erschreckende Ergebnis des diesjährigen Berichts: Klimawandel wird als eine sehr große Bedrohung empfunden, allerdings mit einer besonders hohen Wahrscheinlichkeit des Scheiterns.

Dies entspricht auch der Einschätzung einer Expertengruppe der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (Bank for International Settlements, BIS) Sie bezeichnet den Klimawandel als „Green Swan“. Damit ist die Kombination einer sehr hohen Eintrittswahrscheinlichkeit mit sehr schwer abschätzbaren Konsequenzen gemeint. Der „grüne Schwan“ wird damit in Kontrast zum „schwarzen Schwan“ an den Finanzmärkten gesetzt: Ein relativ unwahrscheinliches Ereignis mit großen Folgen.

BIS 20.1.2020: The green swan

Microsoft: Neue Landmarke bei Klimastrategien

Am 16.1.2020 veröffentlichte der Präsident von Microsoft, Brad Smith, einen Beitrag im Blog von Microsoft. Die darin beschriebene Klimastrategie des Unternehmens setzt neue Maßstäbe:

  • CO2 negativ ab 2030
  • bis 2050 alle direkt oder indirekt verursachten Emissionen seit der Gründung 1975 absobiert
  • USD 1 Mrd. für einen „Klimainnavotionsfonds“ aus dem eigenen Kapital. Dieser richtet sich nicht nur auf das Unternehmen, sondern auch die Nutzer und Zulieferer

Besonders bemerkenswert ist die ausdrückliche Adressierung der Zulieferer (Scope 3), deren Ausstoß an Treibhausgasen etwa 75% des Gesamtausstoßes von Microsoft entspricht. Dieser Wert ist in dieser Größenordnung bei vielen Unternehmen zu beobachten, die ausdrückliche Adressierung dieser Emissionen allerdings die Ausnahme.

Die volle Berücksichtigung der Scope 3 Werte ist ein ausdrückliches Ziel der EU, ist aber nicht einmal in den meisten aktuellen Klimamodellen für Unternehmen gegeben.

Seminar-/Veranstaltungstermine

Webinar: #FinanceForFuture – Klimarisiken & Nachhaltigkeit: Neue Kernthemen für Regulierung, externe Berichterstattung und Geschäftspolitik

Neuer Termin: 6.3.2020, 10 – 11:30h

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet ab März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Ein erster Lehrgang mit Beginn am 16.3.2020 und ein erster Zusatztermin am 17.3.2020  sind bereits ausgebucht. Deshalb bietet die Academy bereits am 18.3.2020 mit einem dritten Präsenzworkshop den Start für einen weiteren Lehrgang an.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

In eigener Sache

Neu: Das BaFin Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken – was ist zu tun?

Das Merkblatt wurde am 20.12.2019 veröffentlicht. Es handelt sich zwar ausdrücklich nicht um eine (Regulierungs-)Vorschrift, sondern eine „Orientierungshilfe“, ist aber mit mit seinem sehr klaren Anspruch der Regulierungsbehörde versehen: „Die BaFin erwartet, dass die beaufsichtigten Unternehmen sich mit den entsprechenden Risiken auseinandersetzen.“

Während in den meisten größeren Finanzinstituten bereits mehr oder weniger viele Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit und (CSR-)Berichterstattung gesammelt wurden, ist dies bei kleineren/regionalen Instituten oft nicht der Fall. Allerdings gilt die große Mehrheit in Deutschland: Die Ansprüche der BaFin reichen weit über die vorhandenen Strukturen hinaus!

In einem ersten Workshop sollen deshalb zunächst die spezifischen Ansprüche und Bedarfe zusammengetragen werden. Dies ist im Regelfall schon innerhalb eines Tages zu bewältigen. Daraus lässt sich dann eine spezifische, detailliertere Arbeitsplanung zur Umsetzung des Merkblatts ableiten.

Workshops „In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland mehr als 600 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von annähernd € 200 Mrd. 104 Fonds tragen das im November 2019 vergebene „FNG-Siegel 2020“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 105 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Zweiundachtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundsechzig: Ein Jahr EU-Aktionsplan

Beitragsbild: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

 

Inhalt: Ein Jahr EU-Aktionsplan; Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen (sic); Polen mit € 2 Mrd. Green Bonds; Was sagen Finanzminister und Sparkassenpräsident?; #Rosenmontag4Future; Oskar ohne Zukunft?; Kreditkarten: Gestern, heute, morgen; Sparda-Bank München: Nachhaltigkeit und Ökonomie; In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

8. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Ein Jahr EU-Aktionsplan

Am 8.3.2018 veröffentlichte die EU-Kommission ihren Aktionsplan für Nachhaltigkeit in der europäischen Finanzwirtschaft. Bei der öffentlichen Präsentation und Diskussion am 22.3.2018 unterstützte der französische Staatspräsident den Plan mit einem starken persönlichen Appell vor Ort. Was ist seither geschehen? – Je nach Blickwinkel liegt der Befund zwischen „reichlich viel“ und „herzlich wenig“. Einige Beispiele:

Reichlich viel…

  • Der heiße Sommer 2018 mit Dürre und Waldbränden schärften das Bewußtsein der breiten europäischen Bevölkerung für den Klimawandel
  • Breite Bevölkerungsschichten solidarisierten sich parteiübergreifend gegen die Rodung des Hambacher Forstes
  • Drohende Dieselfahrverbote und die Energiewende arbeiteten sich bereits tief in die Bilanzen und Perspektiven der gesamten (Kredit-)Wirtschaft
  • Klimarisiken haben aufsichtlich eine hohe Relevanz
  • Auch andere Themen von Nachhaltigkeit wie Bildung und bezahlbares Wohnen haben für die Wahlberechtigten einen hohen Stellenwert
  • Mit den Schulstreiks nach dem Beispiel der sechszehnjährigen Schwedin Greta Thunberg ist der Klimaschutz zu einer wesentlichen Forderung junger Bevölkerungsschichten geworden
  • Private (BdB) und öffentliche (VÖB) Banken sowie viele globale Stimmen in der Finanzindustrie haben den EU-Aktionsplan begrüßt
  • Die EU-Expertengruppe hat zwischenzeitlich einen ersten Entwurf für die Klassifizierung von nachhaltigen Finanzprodukten vorgelegt (sogenannte „Taxonomie“)

Herzlich wenig…

  • Die Rodung im Hambacher Forst wurde gerichtlich ausgesetzt, nicht aus Gründen der Staats- oder Unternehmsräson
  • Die Bundesregierung der der Ministerialapparat hat sich bei verschiedenen Gelegenheiten zustimmend zum EU-Aktionsplan geäußert. Allerdings sieht der Beschluß des Staatssekretärausschusses für nachhaltige Entwicklung vom 25.2.2019 lediglich den Anspruch auf einen „führenden Finanzplatz Deutschland“ einen „Strategieentwurf“, jedoch keine konkreten Umsetzungsschritte vor
  • Die größten deutschen Finanzgruppen haben sich bei Nachhaltigkeit kaum oder gar nicht positioniert (Anm.: Vielleicht ändert sich dies am 4.6., s.u.)
  • Die Politik und Teile der Öffentlichkeit bewerten die jugendlichen Proteste für besseren Klimaschutz zum Teil – wider die eigene (politische) Vernunft

Greta Thunberg kam sowohl beim Weltklimagipfel 2018 in Katowice als auch beim Weltwirtschaftsgipfel 2019 in Davos zu Wort. In Katowice stellte sie sinngemäß fest: „Politiker wollen nicht die Welt retten, sondern die nächsten Wahlen gewinnen“.

In diesem Punkt scheint sie zu irren: Etwa fünf Prozent oder 3 Mio. der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl 2017 waren Erst- und Jungwähler. Nur die FDP konnte in dieser Altersgruppe bis zu 24 Jahren einen Zweitstimmenanteil über dem Wahlergebnis erzielen. Trotz der abnehmenden Geburtenzahlen in den Jahren 1999 bis 2002 werden bis zur nächsten Wahl 2021 weitere 3 Mio. junge Menschen wahlberechtigt. (Quellen: Destatis, gerne die relevanten Links bei Bedarf).

Zusammen mit den jungen Menschen, die sich als Studenten mit den Demonstranten bei #FridaysForFuture solidarisieren und den wachsenden Initiativen Erwachsener (#ParentsForFuture, #ScientistForFuture) erscheint die rüde Ablehnung der Schülerinitiativen durch einige Politiker ungeachtet der dafür genannten Gründe politisch kaum opportun, wenn die Sache in sich nicht bestreitbar ist.

Was für die Politik gilt, gilt noch mehr für die Kreditwirtschaft: Jung- und Erstwähler sind das zahlenmäßig größte Potenzial neuer Kunden. Und was die jungen Menschen fordern, wird nahezu jeden Freitag ausgesprochen.

Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen (sic)

So lautet der Originalton der Mitteilung des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung (BPA) vom 26.2.2019 (BPA 26.2.2019) zur Sitzung des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung am Vortag. Und weiter:

„Schwerpunkt der gestrigen Sitzung des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung unter Leitung von Bundesminister Prof. Helge Braun im Bundeskanzleramt war das Thema Nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance). Darunter versteht die Bundesregierung, dass Nachhaltigkeitsaspekte von Finanzmarktakteuren bei Entscheidungen berücksichtigt werden. An der Sitzung nahmen die für Nachhaltigkeitsthemen zuständigen Staatssekretäre der Bundesministerien sowie externe Expertinnen und Experten teil.

Initiiert vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) beschloss der Staatssekretärsausschuss, eine Sustainable Finance-Strategie der Bundesregierung zu entwickeln. Damit soll Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort ausgebaut werden.“

Liest sich erst einmal gut, aber wirklich konkret wird Nachhaltigkeit in Finanzwirtschaft (Sustainable Finance) damit nicht. Zunächst einmal geht es um Strategie. Und dies fast genau ein Jahr nach der Veröffentlichung des Aktionsplans der EU-Kommission (Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung) und ein halbes Jahr nach dem zweiten deutschen „Sustainable Finance Gipfel“ mit starker Beteiligung verschiedener Bundesministerien (Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfzig – Sustainable Finance Gipfel Deutschland).

Die Begebung von Klima- oder Nachhaltigkeitsanleihen (Green Bonds, Sustainability Bonds) wird derzeit lediglich für die Anschlußfinanzierung laufender Anleihen erwogen. Neue Projekte, insbesondere für den Klimaschutz und die Energiewende sind demnach nicht geplant. Aus ökonomischer Sicht ist die „schwarze Null“ im derzeitigen Zinsumfeld ohnehin nicht rational. Entweder sollte entschuldet werden oder aber das Zinsniveau für die Finanzierung langfristiger Infrastrukturprojekte genutzt werden. Dass der Markt hierfür sehr aufnahmebereit wäre, wurde an zwei Emissionen des polnischen Staats deutlich.

Polen mit € 2 Mrd. Green Bonds

Ab dem 7.3.2019 werden an der Börse Luxemburg zwei Anleihen der Republik Polen notiert, die den internationalen Standards für Green Bonds (Green Bonds Principles) und dem von dem Land selbst gesetzten Standard genügen. Sie sind mit einer „zweiten Meinung“ von Sustainalytics versehen.

Bei der Platzierung der Anleihen über € 1,5 Mrd (1%, 10 Jahre) und € 500 Mio. (2%, 30 Jahre) lag das Zeichnungsvolumen mit € 3,5 Mrd. bzw. € 1,5 Mrd. deutlich über den Emissionsvolumina. Die Mittelverwendung ist auf Projekte in folgenden Bereichen beschränkt: Erneuerbare Energien, Eisenbahninfrastruktur, nachhaltige Landwirtschaft, Wiederaufforstung, Nationalparks, Renaturierung kontaminierter Landschaften. U.a. ist auch die Verwendung der geschaffenen Infrastruktur für den Transport fossiler Brennstoffe (insbesondere also Kohle) ausgeschlossen. Auf der Internetseite der polnischen Regierung sind die Unterlagen zur Dokumentation bereitgestellt: Ministry of Finance – International Bonds.

Was sagen Finanzminister und Sparkassenpräsident ?

Am 5.3.2019 versandte der Rat für Nachhaltige Entwicklung das Programm der 19. Jahreskonferenz. Auf der Referentenliste sind neben Union-Vorstand Alexander Schindler auch Finanzminister Olaf Scholz und DSGV-Präsident Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis. Beide Persönlichkeiten haben sich bisher zu Nachhaltigkeit nicht als Herzensangelegenheit geäußert.

Insofern wird es interessant sein, wie sich Herr Dr. Schackmann-Fallis in einem Podiumsgespräch und der Finanzminister in der darauf folgenden dreissigminütigen Rede äußern werden.

#Rosenmontag4Future

Die von Jaques Tilly entworfenen Mottowagen aus dem Rosenmontagszug in Düsseldorf werden üblicherweise zerstört. Nicht aber dieser Wagen mit der Darstellung von Greta Thunberg, der sechzehnjährigen schwedischen Klimaaktivistin, die als Ideengeber für die Freitagsdemonstrationen – #Fridays4Future bzw. #Fridays4Future – für den Klimaschutz gilt:

2019-03-06 Karneval Duedo Greta Thunberg

Bild: WDR/Hanna Makowka

Der Westdeutsche Rundfunk berichtete, dass der Künstler den Wagen der Schülerbewegung für den Klimaschutz „Fridays For Future“ schenkt, um deren Kampagnen zu unterstützen (www.1wdr.de). Mittlerweile beteiligen sich auch immer mehr Erwachsene in Deutschland und bilden Ortsgruppen „Parents For Future“ oder auch berufsgruppenspezifisch wie in der Wissenschaft (#Scientist4Future).

Mit den Schulstreiks und Schülerprotesten wird das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit stark in die Familien und das Alltagsleben getragen. Dies wirkt sich unmittelbar auf das Kauf- und Nachfrageverhalten in Deutschland aus. Was wäre einfacher als beispielsweise das Geldvermögen für Nachhaltigkeit einzusetzen? Grundsätzlich ist es einfach, allerdings aufgrund des mangelnden Angebots der großen Finanzgruppen unbequem. Vor diesem Hintergrund hat die Union Investment mit ihrem neuen Angebot PrivatFonds: Nachhaltig (Nummer Dreiundsechzig) einen sehr guten Startpunkt erwischt.

Mehr zu Geldanlagen in Nachhaltigkeit, die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen: SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Oskar ohne Zukunft?

Die Zahl der Onlineangebote für die Vermögensverwaltung in Deutschland schwankt stark. Einige Anbieter haben ihre Dienstleistungen nach kurzer Frist wieder eingestellt, neue kommen hinzu. So auch „Oskar“ (www.oskar.de), eine Ausgründung des Medienportals finanzen.net aus der Axel Springer-Gruppe. Die flotten, im Du gehaltenen Texte suggieren eine jugendliche Ansprache. Allerdings nicht inhaltlich wie mit nachhaltigen, z.B. klimabewußten Geldanlagen. Geboten wird lediglich das Programm von scalable capital mit ETF-Portfolien und Risikomanagement. Da wäre ein inhaltlicher Bezug zu den aktuell bewegenden Inhalten der Jugendlichen und ihrer Eltern deutlich glücklicher gewesen.

Die Kombination Medien und Vermögensverwaltung ist relativ selten, allerdings ist es um den mit viel Getöse angetretenen Zukunftsfonds bereits nach sehr kurzer Zeit sehr ruhig geworden (vgl. Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag).

Kreditkarten: Gestern, heute, morgen

Gestern…

…war Kreditkarte vor allem American Express, Diners Club, Mastercard oder Visa. Dann wurden vor rund 20 Jahren die Karten vergoldet, mit mehr oder weniger nützlichen Versicherungen kombiniert sowie Kooperationen mit Autoherstellern, Fluggesellschaften und anderen Unternehmen gesucht, um die Markenbindung zu übertragen. Und Kreditkarten hatten eine gewisse einkommens- bzw. bonitätsabhängige Exklusivität. Und Zahlung war Papier.

Und vor etwa 18 Monaten war Kreditkarte auch etwas von Ausbeutung: Die Artikel zu den Praktiken bei dem britischen FinTech Revolut (deutsche Seite) wurden auch von Gründer Nikolay Storonsky im Blog des Unternehmens nicht dementiert: Revolut’s culture: the past, the present and the future. So wurden Bewerber aufgefordert, vor einer Entscheidung über die Bewerbung (!) zunächst einmal 200 neue Kunden zu werben, um ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen. Auf diese Art wurden Marketingkosten gespart und trotzdem 2,8 Mio. Kunden gewonnen. U.a. wurde ständige Verfügbarkeit der Mitarbeiter erwartet und bei Verfehlung von Zielvorgaben ohne Aussprache gekündigt: Revolut insiders reveal the human cost of a fintech unicorn’s wild rise. In der Summe führte dies zu starker Fluktuation und zeitweise vielen offenen Stellen.

…heute…

…kann Kreditkarte jede(r), zumindest als direkt auf dem Konto belastete „Direct Debit“-Karte oder vorausbezahlte „Prepaid“. Sogar kostenlos und ohne Schufa. Einfacher als eine normale Kontokarte bzw. Girocard bei einer Bank.

Und es gibt auch ein Konto dazu: Bei o.g. Revolut in Pfund und Euro mit günstigen Devisen- bzw. Sortengeschäft. Und in der Grundstufe kostenfrei. Dies gibt es auch bei N26 aus Deutschland (vgl. Nummer Vierundsechzig).

Etwas anders ist das Modell von Curve (ausführlich: Tobias Baumgarten, Curve – die Kreditkarte für alle Fälle). Es handelt sich hier beim Basisangebot „Curve Blue“ um eine kostenlose Mastercard ohne Konto. Dafür besteht die Möglichkeit, in der App alle Kreditkarten von American Express, Mastercard und Visa aufzuspielen, auszuwählen und sogar rückwirkend nach der Zahlung die belastete Karte zu ändern. Curve verschlankt also die Brieftasche, Karten können nicht verloren oder gestohlen werden und Curve kann über die App sofort gesperrt werden.

Und Curve ist auch „Kundenerlebnis“: Nach einer Aktualisierung der App dauerte es beim Verfasser einen Monat bis die App wieder wie gewohnt funktionierte und nicht jungfräulich auf einen Neukunden wartete. Der Service stellte mehrfach die gleichen Fragen und am Ende sogar die nach der Zufriedenheit mit der „Hilfe“.

Aber warum dann hier ein paar Zeilen dazu? Curve, N26 und Revolut haben jeweils auch Kreditkarten aus Metall im Angebot. Echte Menschen zeigen sie ganz begeistert und bejubeln den Erhalt in sozialen Medien. Ja, und sie zahlen für diese Stücke auch – freiwillig – sportliche monatliche Preise von GBP 14,99, € 16,90 bzw. € 13,99 (Stand: 7.3.2019) – bei Curve und N26 sogar in drei Farben…

2019-03-07 Curve

Quelle: Curve

Eine sportliche Jahresgebühr für etwas zum Einmalzeigen? Erinnert an Pokemon, Scoubidou, Tamagotchi. Kamen alle und hielten sich nicht lange.

Länger dürfte sich dagegen Tomorrow halten: Girokonto und direkt gebuchte Mastercard kostenlos. Und alles auf Nachhaltigkeit. Und auch eine Karte als Hingucker, voll im aktuellen Zeitgeist der protestierenden Jugend:

2018-11-21 Tomorrow4

Tomorrow finanziert aus Interbankgebühren Baumpflanzungsprogramme. Eine Idee, die gut angenommen wird. So z.B. auch in China: Green Digital Finance.

…und morgen?

„Morgen“ wird sehr wahrscheinlich auch Tomorrow auf den Hinguckereffekt bei den Karten verzichten. In Asien und Afrika sind gar keine Karten gebräuchlich und in europäischen Luxusgeschäften, Flughäfen sowie auch in den Taxis von New York und San Francisco zahlen chinesische Touristen mit QR-Codes auf ihren Smartphones. Vorteil: Es wird keine stationäre Infrastruktur benötigt, nicht einmal Strom aus der Steckdose.

Und noch ein Vorteil: Die Karte mit Chip und Magnetstreifen kann komplett entfallen. Verschlankt die Brieftasche noch weiter und spart enorm wertvolle Rohstoffe. – Karten vielleicht aus nachwachsenden Rohstoffen? Klingt gut, aber wegen der Chips und weiterer Gründe eben doch nicht gut: Karte bio, alles gut? – Leider nicht…

Für Smarphonenutzer ist der Kartenverzicht ganz leicht zu bewerkstelligen. Bei der Einführung von Apple Pay konnte ausgerechnet die Deutsche Bank mit einer virtuell begebenen Karte punkten:

Quelle: Jochen Siegert via Twitter/Deutsche Bank

Und vor diesem Hintergrund und mit der Metallkarte als margenstärkstem Produkt startet N26 in Brasilien. Gegen einen Wettbewerber mit ähnlichem Angebot und bereits 5 Mio. Kunden… Nubank – Wikipedia EN. Nach eigener Aussage hat N26 die Ambition von 100 Mio. Kunden weltweit. Auch in Afrika und Asien?

Sparda-Bank München – Nachhaltigkeit und Ökonomie

Für Leser, denen der Aktionsplan zu theoretisch, Tomorrow zu exotisch oder die GLS Bank zu grün ist, kann Blick auf die größte Genossenschaftsbank in Bayern und bundesweite Nummer Neun im Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) und deren Pressemitteilung vom 27.2.2019 empfohlen werden: Bilanz 2018: Sparda-Bank München verbindet erfolgreich Nachhaltigkeit und Ökonomie.

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechsundsechzig

 

Beitragsbild: ARD auf der Grundlage Pew Research Center

 

Inhalt:  BlackRock: An Nachhaltigkeit führt kein Weg mehr vorbei; Klimawandel = Bedrohung Nr. 1; Irische Zentralbank: Klimarisiken hoch relevant; Nachhaltigkeit + Europäische Union: Ziele 2030 + 2050; Afrika: Boomende Gründerszene, insbesondere FinTech; Drei Monate Finanzdienstleister Tomorrow; In eigener Sache:  Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

19. Februar 2019,

Dr. Ralf Breuer

BlackRock: An Nachhaltigkeit führt kein Weg vorbei

In der Studie BlackRock Investment Institute – Sustainability: The future of investing legt BlackRock dar, wieso kein Weg an Nachhaltigkeitskriterien in der Anlageentscheidung vorbei führt. So heißt es in der Einleitung:

Sustainable investing was once viewed as a trade-off between value and “values.” Yet today, it’s something investors can no longer afford to ignore. What has changed? More granular data, more sophisticated analysis and shifting societal understanding of sustainability as well as growing awareness that certain factors — often characterized as environmental, social and governance, or ESG — can be tied to a company’s long-term growth potential.

Auch BlackRock erwartet, dass Nachhaltigkeit zum „Mainstream“ und damit zum Regelfall in der Mittelanlage wird. Mit den iShares dominiert das Unternehmen den europäischen Markt deutlich vor der Deutschen Bank, die mit den „Xtrackers nur rund 20% des Volumens verwaltet (Quelle: Morningstar).

BlackRock erwartet bis 2028 eine Verdopplung der in nachhaltige Themen investierten Mittel auf USD 1,5 Bio., davon USD 400 Mrd. in ETFs

Klimawandel = Bedrohung Nr. 1

Im Zuge der Berichterstattung über die internationale Sicherheitskonferenz in München zitierte die ARD aus der am 10.2.2019 erschienen Studie zu den in 26 Ländern empfundenen Bedrohungen (Climate Change Still Seen as the Top Global Threat, but Cyberattacks a Rising Concern). Danach wird der Klimawandel in Deutschland sowie 12 weiteren Ländern als die größte Bedrohung empfunden:

2019-02-15 MSC Risiken

Interessanter Aspekt, dass in den vom Anstieg des Meeresspiegels bedrohten Niederlanden Cyberattacken im einzigen Lande als die größere Gefahr angesehen werden:

Quelle: Pew Research Center – Climate Change Still Seen as the Top Global Threat, but Cyberattacks a Rising Concern

Irische Zentralbank: Klimarisiken hoch relevant

Die irische Zentralbank betront in einem „Economic Letter“, dass sie die Behandlung von Klimarisiken (Klimawandel, Energiewende) als strategische Priorität bei ihrer Aufgabe der Sicherung monetärer und finanzieller Stabilität ansieht. Dabei nennt sie vier wesentliche Problemfelder:

  1. Der Klimawandel beeinflußt das gesamtwirtschaftliche Geschehen. Unmittelbar durch Wetterereignisse und die Energiewende, mittelbar über eine veränderte Erwartungsbildung der Konsumenten
  2. Klimarisiken können systemische Risiken für die Finanzmärkte werden
  3. Auch die Konsumenten sind auf vielfältige Art und Weise vom Klimawandel betroffen
  4. Aufgrund der strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft ergeben sich auch Auswirkungen auf das Investitionsverhalten und dessen Finanzierung

Stabilitätsrisiken sieht die Zentralbank vor allem dann, wenn sich die notwendige Abkehr von CO2-intensiven Technologien zu langsam vollziehen sollte. Dann würden gesamtwirtschaftlich und finanziell größere Risiken drohen. In der Zusammenfassung werden die unterstellten Mechanismen noch einmal prägnant beschrieben:

„…the long-term resilience of
the financial system is threatened if the balance sheets of financial institutions, households
or firms (and, more generally, macroeconomic performance) are excessively vulnerable to
climate risks: climate resilience is an integral component to the overall resilience of the financial system and the economy.“

Quelle: Philip Lane: Climate Change and the Irish Financial System, 5.2.2019. (Philip R. Lane ist Vorsitzender der irischen Zentralbankkommission und Governor der Bank.

Welche Phänomene dabei auch zu berücksichtigen sind, haben Forscher der Stanford University für die US-Stadt Annapolis (Maryland) aufgezeigt: Aufgrund des gestiegenen Meeresspiegels ist die Anzahl der Tidenhochwasser deutlich angestiegen. Bei Überschwemmungen in Küstennähe gingen die Umsätze des Einzelhandels spürbar zurück. (Stanford researchers find rising seas can hurt local economies, Stanford News 15.2.2019).

Spiegel online berichtete am gleichen Tag von rund 3,2 Mio. Menschen in Deutschland, die laut wissenschaftlichem Dienst des Deutschen Bundestags in Risikogebieten leben. (Steigender Meeresspiegel – Die Flut vor der Haustür).

Nachhhaltigkeit + Europäische Union: Ziele 2030 + 2050

Die EU-Kommission sieht Europa als eine treibende Kraft für die Erreichung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, den Sustainable Development Goals, SDGs. In einem Reflektionspapier hat sie die aktuellen Überlegungen für die Erreichung der Ziele im Jahr 2030 dargelegt: TOWARDS A SUSTAINABLE EUROPE BY 2030. Dabei stellt sie drei Varianten zur Diskussion:

  1. Eine umfassende Strategie für die EU mit konkreten, bindenden Zielgrößen 2030 für die Mitglieder
  2. Keine bindenden Beiträge für die Mitglieder zur Erfüllung des Gesamtziels der Gemeinschaft
  3. Umorientierung auf die Unterstützung von Nicht-Mitgliedern und Fortsetzung der Bemühungen auf dem Niveau der Gemeinschaft

Damit wird bereits deutlich, dass die Kommission das offensichtliche Fehlen einheitlicher Vorstellungen unter den Mitgliedsstaaten berücksichtigt hat.

Am 18.2.2019 „begrüßte“ der Rat „Auswärtige Angelegenheiten“ (Foreign Affairs Council), das Gremium der Außenminister in der EU, eine klima-neutrale Zielsetzung der Gemeinschaft für 2050. In der Schlusserklärung wurde eindringlich zu verstärkten Anstrengungen für den Klimaschutz gemahnt. Offenbar fiel es leicht, sich auf Ziele weit jenseits der eigenen Mandats- und Amtsperioden zu vereinbaren (COUNCIL CONCLUSIONS ON CLIMATE DIPLOMACY, 18.2.2019).

Afrika: Boomende Gründerszene, insbesondere FinTech

Das World Economic Forum (WEF) berichtet über einen Boom von Unternehmensgründungen in Afrika, insbesondere auch im Bereich von Finanzdienstleistungen. Insgesamt wurden 2018 USD 725 Mio. bei 458 Transaktionen verzeichnet. Damit sind die Volumina gegenüber den Vorjahren deutlich angestiegen:

Quelle: WeeTracker, via WEF/Twitter

Von dem Betrag entfielen 61% bzw. USD 457 Mio. auf die 10 größten Transaktionen. Bei 30 Unternehmen lag der Finanzierungsbetrag über USD 5 Mio. mit einer Gesamtsumme von USD 626,9 Mio.

Quelle: WeeTracker, via WEF/Twitter

Zum Vergleich: Gemäß Barkow Consulting konnten FinTech in Deutschland 2018 zusätzliches Risikokapital rund € 1,1 Mrd. (USD 1,24 Mrd.) einwerben. (Quelle: Barkow Consulting GmbH, Peter Barkow: German FinTech VC 2018: Breaking Through €1bn Mark)

Drei Monate Finanzdienstleister Tomorrow

Fast genau drei Monate nach dem Start am 16.11.2018 konnte Tomorrow die Zahl von mehr als 2.000 Kunden vermelden. Vor dem offiziellen Start hatte das Unternehmen von einer Warteliste mit 3.952 Interessenten berichtet.

2019-02-15 Tomorrow 2000+

Ab der Ausgabe Nummer Siebenundfünfzig wurde schon über das „hippe“ Angebot für Nachhaltigkeit und die gelungene grafische Kampagne berichtet. Der Start war offenbar weitgehend reibungslos. Negative Kommentare in der Facebook Community waren vor allem von ungeduldigen Interessenten auf der Warteliste zu vermerken. Diese ist im übrigen vollkommen öffentlich, ohne die sonst häufigen Eingriffe durch den Betreiber: Tomorrow Community auf Facebook

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

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