Mein Tipp zum Börsenstart – mit diesen Punkten gelingt der Start auf dem Parkett

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Beitragsbild/Bild: Sequenz aus einem zweiminüten Werbefilm für nachhaltige Geldanlagen von  LuxembourgForFinance (EN).

Dr. Ralf Breuer

2. September 2019

Uff, „off-topic“ für Investabel® war der erste Gedanke. Nachhaltigkeit, Digitalisierung/FinTech und Finanzmarktregulierung sind die eigentlichen Kernthemen im Blog. Und dann ruft comdirect dieses Thema für die Blogparade „finanzblog award 2019“ auf. Beim zweiten Gedanken passte aber alles viel besser. Deshalb hier einige Tipps für einen Start in die eigene Anlage…

Start wohin?

Die Eingangsfrage ist immer erst das Anlageziel. Wozu will ich auf das Börsenparkett? Schneller Reichtum ist nicht in Sicht. Also geht es zuallererst einmal um den Zeithorizont, die Art der Anlage (einmal/Sparplan) und natürlich auch um Risiken sowie die Dinge im Leben, die alle so passieren könnten. Mit anderen Worten: Wie lange kann und will ich anlegen, wie viel (Buch-)Verlust ist erträglich, wie liquide muss es sein? – Und da sehen die Voraussetzungen mit 25 Jahren nun einmal ganz grundsätzlich anders aus als mit 45 oder sogar 60, wenn der Ruhestand in Sicht kommt.

Sehen wir dies mal als grundsätzlich geklärt an. Dauer, Liquidität und Risiko bestimmen damit irgendwo das Machbare. Der Grundsatz lässt sich leider nicht aushebeln.

Start womit?

Für jeden Start unabhängig vom Ziel bestimmte Grundvoraussetzungen notwendig. Da ist die Anlage an der Börse durchaus mit einem Urlaub zu vergleichen:

  1. Budget an Zeit für Anlage und Entscheidungsfindung
  2. Mittel zur Umsetzung für die Anlage und als Reise-/Risikobudget
  3. Ein Ziel – einen bestimmten Betrag, einen Zeitpunkt oder ein Ereignis

Eine solche Struktur steht grundsätzlich hinter allen Angeboten für eine Vermögensverwaltung, gleichgültig ob manuell oder automatisiert, offline oder online. Die Unterschiede der verschiedenen Angebote liegen in Details: Besteht eine Rückkopplung mit Beratern (hybride Angebote, z.B. bei cominvest)? Hat der Kunde Einflussmöglichkeiten auf die Art der Anlage, z.B. thematisch? Finden Risikoanpassungen statt und wenn ja wie oft? Ist das Anlagekonzept eher aktiv mit Fonds und Einzelanlagen oder passiv mittels ETFs etc.? Vor dem Start an der Börse kann es hilfreich sein, zunächst einmal verschiedene Angebote zu studieren und sich so über mögliche Varianten der eigenen Anlagestrategie zu informieren.

Etwas ungewöhnlich ist das Konzept der Quirin Privatbank AG bei ihrem Angebot offline: Sie unterscheidet im Anlageprozess zwischen den Komponenten Markt, Meinung und Wissen. Die Vermögensanlage wird zu 70%, 10% bzw. 20% über die drei Komponenten gestreut. Natürlich sind die Faktoren nicht unabhängig und beeinflussen sich auch gegenseitig.

Die „gedankliche“ Trennung ist aber ein guter Weg für eine strukturierte Vorgehensweise, die die verschiedenen Aspekte bei der Anlage ausgewogener erscheinen lässt. Die Brochüre zum Konzept beschreibt drei wichtige Punkte, die oft nachlässig behandelt werden. Natürlich wird zunächst die „Erkenntnis“ vorangestellt, dass maximale Rendite bei minimalem Risiko unerreichbar ist.

Klarheit, Struktur und Transparenz

Märkte sind komplex, eine Durchsicht von Empfehlungen verwirrend und in vielen Fällen auch undurchsichtig. Das findet sich erfahrungsgemäß vielfach im Depot von Anlegern wieder. Wechselweise wird angelegt oder spekuliert, mal vorgesorgt oder mal auf einen schnellen Gewinn aus der Kurserholung gehofft. Egal, ob die Spekulation dann aufgegangen ist oder nicht – die Reste bleiben nur zu oft im Depot.

Insofern lautet Tipp Nummer 1: Einen passenden Ansatz wählen und konsequent durchhalten, so lange nicht grundsätzlich neue Erkenntnisse eintreten.

Wo sind Renditen systematisch, wo Zufall?

Das Risiko an den Finanzmärkten wird oft vereinfacht als „auf und ab“ ohne Frage nach den Gründen begriffen. Gründe gibt es aber nahezu immer. Fragt sich nur, ob man sie kommen sieht. Seit der Finanzkrise 2008 sind immer mehr unerwartete Ereignisse eingetreten, die die Märkte überraschend negativ beeinflusst haben, so dass einige mutmaßen, „Alle Schwäne sind schwarz“.

Manche absehbare Entwicklungen werden am Markt allerdings zunächst einmal nicht berücksichtigt bzw. „eingepreist“: Spätestens seit 1992 war der Klimawandel absehbar, spielte aber in realen wirtschaftlichen Entscheidungen keine wesentliche Rolle. Heute sind Klimarisiken akut und auch im Fokus von Finanzaufsehern und Kapitalmärkten Die Folgen aus dem Klimawandel und der Energiewende sind heute teilweise absehbar, nicht aber die mittelbaren Folgen, z.B. aus der nachfolgenden Landschaftsveränderung, Migration und möglichen gewaltsamen Konflikten.

2019-06-25 heisse Tage

Die Finanzaufseher haben dies weltweit längst erkannt und drängen immer mehr auf die Berücksichtigung von Klimarisiken – im engeren und auch im weiteren Sinne. Insofern hat sich die Welt schon deutlich verändert: Klimarisiken + Nachhaltigkeit – Neue Fokusthemen in der Finanzwirtschaft.

Für die Wirtschaft und die Kapitalmärkte sind bereits heute weitgehende wirtschaftliche Folgen spürbar: Fossile Ressourcen und ihre Verwendung entwerten Bergbauanlagen und Kraftwerke, die Diskussion von Dieselfahrverboten führt zu geringeren Fahrzeugwerten, Insolvenzen im Automobilhandel und Beeinträchtigung von Handwerkern u.a.m. Und schließlich stehen ganze Industriezweige vor einem strukturellen Umbruch, wie die Automobilindustrie durch erhöhte Anteile nicht-fossiler Treibstoffe.

Vor diesem Hintergrund sind Aspekte von Nachhaltigkeit bei Anlageentscheidungen keine Werturteile, sondern wirtschaftliche Logik

Tipp Nr. 2: Die Realität im Auge behalten.

Welche Risiken sind lohnenswert, welche nicht?

Nun wird nicht alles und jedes, was in das Bild einer Energiewende passen könnte, automatisch zum (Börsen-)Erfolg. So ist die Diskussion über zukünftige Mobilitätskonzepte in vollem Gange, u.a. die Frage nach dem überlegenen Antriebskonzept (z.B. elektrisch oder Brennstoffzelle) eher offen.

Allerdings gibt es auch moderate Wege, in die zukünftigen Entwicklungen zu investieren, z.B. über nachhaltige Anleihen. Sie werden für Projekte zur CO2-Einsparung (Green Bonds), maritime Maßnahmen oder soziale Vorhaben immer mehr Schuldtitel zweckgebunden begeben. Während dieses Segment in Deutschland erst am Anfang der Entwicklung steht, werden in London und Luxemburg bereits respektable Volumina notiert.

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Quelle: Luxembourg Green Exchange

Dieser Markt wird vor allem von institutionellen Investoren dominiert, aber es werden zunehmend auch Fonds für Privatanleger zugelassen, die diese Anleihen in Misch- oder reinen Anleihefonds enthalten. Insofern verschieben sich die Grenzen der Investierbarkeit laufend.

Klimawandel, Energiewende, Nachhaltigkeit

Die globalen Marktführer der Vermögensverwaltung argumentieren derzeit sehr einheitlich: Klimarisiken werden betont, Chancen einer nachhaltigeren Entwicklung gesucht. Dabei orientieren sich die Anleger an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der vereinten Nationen, den SDGs (Sustainable Development Goals). Sie sind gewissermaßen eine Zusammenfassung der Probleme der Menschheit auf dem Planeten Erde. Sie können zwar nicht in der formulierten Absolutheit (kein…) erreicht werden, markieren allerdings die Richtung einer nachhaltigeren Entwicklung.

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Wie wenig abstrakt diese Ziele sind belegt eine Grafik aus der Berichterstattung zur Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober 2018. Den Wählern war nicht der Dauerzwist zweier prominenter Politiker, sondern eben eine nachhaltigere Entwicklung wichtig. Bildung, Wohnen und Klimaschutz hatten die höchsten Prioritäten. Insofern passt die Sicht der globalen Finanzinvestoren auch zu den Interessen der Menschen.

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Quelle: infratest dimap/www.wdr.de, Berichterstattung Landtagswahl Bayern 14.10.2018

Große globale Finanzunternehmen werden häufig in Medien zitiert und lassen die Trends an den Finanzmärkten leichter erkennen. So haben immer mehr Vermögensverwalter Nachhaltigkeitskriterien in ihre Anlagepolitik übernommen und Ressourcen verstärkt.

Die tatsächliche Bedeutung für das reale Investitionsverhalten ist in vielen Fällen sogar relativ transparent: Große Versicherungskonzerne legen regelmäßig ihre Anlagebestände in der Berichterstattung offen. Hier lässt sich oft gut erkennen, ob ein vermeintliches Trendthema tatsächlich auch investiert wird. Vorsicht ist allerdings bei den Tochterunternehmen für Wagniskapital (Venture Capital) angezeigt, da diese auch mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit  von Misserfolgen investieren dürfen, um parallel große Chancen nutzen zu können.

Damit unmittelbar zu Tipp Nr. 3: Trends erkennen und nachprüfen.

Wenig Nachhaltigkeit „aus dem Regal“

Trotz des offensichtlichen Trends haben bisher nur wenige Anbieter von strukturierten Vermögensverwaltungen nachhaltige Varianten in ihren Angeboten. Unter den Onlineangeboten (RoboAdvisor) lohnt vor allem ein Blick bei folgenden Anbietern:

  • investify: Themeninvestments wie „Alternde Bevölkerung“, „Ethisches Investieren“, „Nachwachsende Renditen“, „Zukunftsenergie“, „Wasser“ etc. (ETFs)
  • VisualVest (=Onlineangebot der Union Investment): GreenFolios (Investmentfonds)
  • Vividam (ausgewählte Investmentfonds)

Weitere Anbieter finden sich in dem Beitrag Robo-ESG: Verantwortungsvolle Online-Investments im Vergleich von Prof. Dr. Dirk Söhnholz. Prof. Söhnholz ist mit seinem Blog Regelbasiert – optimierungsfreie Geldanlage ebenfalls unter den 72 Nominierten für den comdirect FinanzblogAward 2019 und hat für die Blogparade am 1.9.2019 einen informativen Beitrag erstellt: Börseneinsteigertipp: Auch Anfänger können nachhaltig anlegen.

Einen Überblick über Anlagevarianten in Fonds bzw. ETFs geben die Portale vor allem der größeren Onlinebroker. Allerdings kann dies auch verwirrend sein: So hat Wertpapiersuche bei comdirect 241 Treffer mit 201 ETFs und Fonds (Stand 2.9.2019, 10h). Dahinter verbirgt sich wiederum auch eine Vielfalt von Auffassungen darüber, was eine nachhaltige Geldanlage ausmachen kann/sollte. Insofern ist es hilfreich, sich im Vorfeld eine eigene Auffassung über Nachhaltigkeit zu bilden. Vielleicht kann hierbei auch der folgende Blogbeitrag helfen: SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Fazit

Wahrscheinlich und hoffentlich liest sich in diesem Beitrag zu Börseneinstieg einiges anders. Leider sicherlich nicht ganz leicht. Vor nur etwa drei Jahren war Geldanlage und Nachhaltigkeit noch so etwas wie „Perlentauchen“: Eine Nische mit wenigen Spielern, aber einer klaren Logik, allerdings eher noch verborgen. So passten eigentlich die realen Entwicklungen und die demografischen Trends sehr gut. Dann kam der heiße Sommer 2018 und das Bewusstsein für den Klimawandel. Nicht zuletzt mit den „FridaysForFuture“ wurden nachhaltige Themen tief in die Gesellschaft und die Familien hineingetragen. Die Politik steht insbesondere beim Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen unter Handlungsdruck und wird sich bald bewegen müssen.

2019-03-13 Betreutes Schwänzen

#FinanzForFuture ist deshalb vielleicht eine gute Maxime für die eigene, zukunftsgerichtete Geldanlage. Finanzmärkte sind nicht einfach rot oder schwarz und wenn es schlecht läuft die Null, sondern ein – manchmal allerdings  -verzerrtes/verzögertes Bild der Realität.

Bei Gefallen gerne auch eine Publikumstimme zum comdirect FinanzblogAward

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechsundfünfzig

Beitragsbild: Tomorrow GmbH Hamburg

Inhalt: 16.11.2018: The first Day of Tomorrow!; Apropos: Geld ausgeben und Gutes tun; Anleihemarkt: Nach Grün folgt Blau!; Satire auf den Punkt – Die Krux mit der Nachhaltigkeit; pax-investify® mit ethischem Onlineangebot…; …und auch Zeedin (Hauck & Aufhäuser);  HSBC Deutschland: Informationsseite Nachhaltigkeit; In eigener Sache: #Nachhaltige100 – Nun Nummer 91; CSR Kooperationsveranstaltung am 15.11.2018 in Bonn; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

5. November 2018

Dr. Ralf Breuer

16.11.2018: The first Day of Tomorrow!

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Beitragsbild: Tomorrow GmbH Hamburg

Ausnahmsweise mal Englisch hier: Am 16.11.2018 beendet das Projekt Tomorrow seine Beta-Testphase und will mit nachhaltigen Finanzdienstleistungsangeboten an den Markt gehen.

Hier die Ideen zum Start im Originaltext:

DEIN GELD, DEIN IMPACT. UNSER NACHHALTIGKEITS-VERSPRECHEN.
1. Sparen mit Sinn – die besten & sinnvollsten Geldanlagen rund um Zukunftsbranchen wie regenerative Energien, Elektromobilität und Bio-Landwirtschaft.

2. Die Impact Card – eine Kreditkarte, die Bäume pflanzt. Mit jeder Zahlung finanzieren wir unseren „Wald von morgen“. Die Erträge fließen in soziale & ökologische Projektarbeit.

3. Nachhaltige Verwahrung der Einlagen – bei uns fließt kein Cent in Rüstung, Kohlekraft, Gentechnik oder andere Industrien von gestern. Versprochen.

4. Starthilfe für die Firmen von morgen – auf unserer Crowdinvestment-Plattform findet man öko-soziale Projekte und kann direkt investieren.

Zum Beginn der öffentlichen Beta-Testphase im September 2018 wurde bereits kurz in der Nummer Neunundvierzig berichtet: „Das Angebot der Tomorrow Bank aus Hamburg ist derzeit in der öffentlichen Testphase mit einer geschlossenen Nutzergruppe. Auf jeden Fall schon gelungen erscheint das (lindgrüne) Design von Grafiken und Texten, vielleicht mit Ausnahme des etwas hohen Anteils englischer Worte, für die es durchaus auch andere Möglichkeiten gäbe. Dennoch ist das optisch schon mal ein sehr gelungener Start“. Daran hat sich wenig geändert.

Tomorrow berichtet von einer Warteliste mit 3.952 Interessenten. Investabel® ist natürlich neugierig, wann die Warteliste abgearbeitet sein wird und wie viele Kunden aus ihr gewonnen werden können. D’Englisch heisst das dann, wie viele „Onboardings“…

Tomorrow war ursprünglich einmal unter dem Namen „Goodfolio“ an den Start gegangen: Nummer Zwanzig.

Es ist derzeit offen, wie Tomorrow seine Versprechen in Bezug auf die zukünftige Mittelverwendung (Aktivseite) sowie nachhaltige Geldanlageangebote darstellen wird. Auch ein Blick in den öffentlich zugänglichen“Maschinenraum“ des Projekts mit den aktuellen und geplanten Aufgaben bietet da wenig Aufschluss. Die geplanten Fondsangebote werden nur vage hinsichtlich ihrer Eigenschaften beschrieben: Nachhaltige Geldanlage/Fonds. Die interne Mittelverwendung bleibt aktuell ebenfalls offen. Lediglich der Kooperationspartner für das Girokonto wurde bisher bekannt gegeben: Tomorrow nutzt die Systeme und auch die Banklizenz der solarisBank. Pressemitteilung vom 12.4.2018.

Es bleibt deshalb abzuwarten, wie die Angebote tatsächlich ausgestaltet werden. Die unter Fachkollegen sehr ansprechend aufgenommene Kampagne setzt jedenfalls auch hier hohe Ansprüche. Für die Umsetzung: Viel Erfolg!

Apropos: Geld ausgeben und Gutes tun

Interessanterweise bieten weder „die Google“ noch Wikipedia deutsche Übersetzungen für den englischen Begriff Charity (gift) Card (Wikipedia engl.). Beste spontane Variante wäre wohl Wohltätigkeitskarte, was sich zwar etwas „verstaubt“ liest. Den Älteren sind auch noch die Wohlfahrtsmarken (Wikipedia dt.) bekannt, die eben auch die Ausgaben für Porto mit wohltätigen Zwecken verbanden: Gutes tun!

Im Beitrag Green Digital Finance wurde ein beeindruckendes Beispiel beschrieben: Die Green Digital Finance Alliance (GDFA) wurde im Januar 2017 in Davos gegründet. Gründungspartner waren UN Environment und Ant Financial, eine Gründung von Alipay, dem Zahlungsdienst des chinesischen Internethändlers Alibaba. Mittlerweile sind auch UNEP FI (Finanzinitiative des UN Umweltprogramms), die Entwicklungsbank der Weltbank IFC, und die kenianische M-Kopa Solar Partner der Allianz.

Die GDFA ist ein Komplement zu Green Invest, einer 2013 von den G20 initiierten Dialogplattform, die 2017 unter deutscher Präsidentschaft steht. Kern und derzeitig einziges Projekt mit Außenwirkung ist das Projekt Ant Forest. Ant Financial ist mit 450 Mio. Nutzern und annähernd 200 Mio. Transaktionen pro Tag einer der weltweit größten Zahlungsdienste. Mit Paytm in Indien bedient die Plattform weitere 200 Mio. Nutzer. Das Projekt „Ant Forest“ startete im August 2016 mit 2 Mio. Abonnenten und konnte bereits im Januar 2017 mehr als 200 Mio. aktive Nutzer verzeichnen. Mehr dazu in einem älteren Blogartikel hier: Green Digital Finance

Eines der etabliertesten Systeme in Deutschland ist Grünkauf mit seinem Partnernetzwerk. Über die GrüncardPlus MasterCard werden Kartenzahlungen mit Bonuspunkten verbunden.

Wertewandel ist ein von ehemaligen Studenten der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft gegründetes Bonusprogramm für nachhaltiges Einkaufsverhalten. Die gesammelten Bonuspunkte können für nachhaltige Produkte und Einkaufsgutscheine der Partnerunternehmen eingelöst oder für gute Zwecke gespendet werden.

Eine ähnliche Zielrichtung hat GreenMania, das sich noch in der Marktvorbereitung befindet. GreenMania ist die App für „Spaß am guten Leben“: Sie will den positiven Beitrag ihrer Mitglieder zu Gesellschaft und Umwelt mit einem einfachen Punktesystem messen, die als „Goodies“ auf einem persönlichen Konto gutschrieben werden. Über die Partner soll „durch exklusive Rabatte auf faire Produkte“ belohnt werden. Der Anspruch: „Und wir leisten einen Beitrag zur besseren und einfacheren Orientierung beim ethisch vertretbaren Konsum.“

Bei der Karma Card handelt es sich um eine Prepaid Maestro® Karte, die von der Organisation für nachhaltigen Konsum (OfnK) konzipiert wird. Sie soll es ermöglichen, einen bestimmten Umsatzanteil an die jeweilige Organisation gespendet wird. – Die Ofnk erreicht mit ihren Projekten bei der UBS Future of Finance Challenge 2017 unter den zehn Regionalfinalisten am 30.11.2017 den dritten Rang.

Und auch Internetsuche mit positiven Wirkungen…

Mit gexsi startet in Deutschland eine weitere Suchmaschine, die aus den Werbeeinnahmen Projekte mit nachhaltigen Wirkungen im Sinnen der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (#17Ziele/#SDGs) fördern will. Ein ähnliches Versprechen gibt Ecosia mit der Weitergabe von 80% des Einnahmenüberschusses aus Werbung an Aufforstungsprojekte. Wer so transparent ist, darf auch kritisch hinterfragt werden: WAS STECKT DAHINTER? EIN GENAUERER BLICK AUF ECOSIA.

Anleihemarkt: Nach Grün folgt Blau!

Neben dem Klimaschutz (Ziel 13) ist auch das Leben unter Wasser (Ziel 14) unter den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs, Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen. Die EU-Kommission hat einen Rahmen für die Finanzierung von Projekten zum Meeresschutz vorgestellt: Sustainable Blue Economy Finance Principles. Diese Prinzipien wurden von der EU-Kommission 2017 in Zusammenarbeit mit WWF, the Prince of Wales’s International Sustainability Unit und der European Investment Bank (EIB) entwickelt. (vgl. Nummer Einunddreissig).

Der Rahmen der EU-Kommission ist auch die Grundlage für einen globalen Standard: Global Framework for Sustainable Ocean Finance . Er wurde am 29.10.2018 auf Bali lanciert.

Zeitgleich platzierten die Seychellen mit Hilfe der Weltbank die erste „blaue“ Staatsanleihe über USD 15 Mio. bei drei institutionellen Investoren. Mit der Anleihe sollen die Ausweitung von Schutzzonen, nachhaltige Fischereiprojekte und die Entwicklung der Meereswirtschaft finanziert werden. Die Weltbankgruppe garantiert die Anleihe mit USD 5 Mio., zusätzlich wird begleitend ein Kredit über USD 5 Mio. bereit gestellt, der die Zinszahlungen sicherstellen soll (Pressemitteilung de(engl.)

Satire auf den Punkt – Die Krux mit der Nachhaltigkeit

Satire voll auf den wunden Punkt der aktuellen Produktlandschaft für nachhaltige Geldanlagen, insbesondere im Fondsbereich bietet Jan Böhmermann in seinem „Spar Wars – Angriff der Fondskrieger im NEO Magazin Royale.

Es wird gegen Ende der dreizehn Minuten die bittere Realität der aktuellen Ansätze mit Ausschlüssen, Best-in-Class etc. brilliant und in der Sache völlig richtig persifliert. Ein Denkanstoß: 1. Ausschluss aller militärisch verwendeter Produkte hieße auch Teile wie Reifen etc. 2. Ausschluss aller militärischer Nutzungen beinhaltete auch die Dinge des täglichen Lebens in Armeen wie Kleidung, Lebensmittel und Medikamente…

pax-investify® mit ethischem Onlineangebot…

Die Pax-Bank e.G. in Köln hat mit dem deutsch-luxemburgischen FinTech investify einen Kooperationsvertrag für eine ethische Vermögensverwaltung als Onlineangebot geschlossen. Aus Sicht der Bank ermöglicht die Kooperation „…unsere Marke mit einer hauseigenen Allokation über den Vermögensverwalter investify umzusetzen. Zusammen mit den Lösungen der genossenschaftlichen Union Investment gelingt es uns damit, unseren Kunden bereits ab einem Anlagevolumen in Höhe von 500 Euro eine aktive digitale Vermögensverwaltung zur Verfügung zu stellen“, sagt Dr. Klaus Schraudner, Vorstandsvorsitzender der Pax-Bank.“ (Pressemitteilung vom 25.9.2018). Der Start ist noch im vierten Quartal 2018 geplant.

Mit pax-investify nimmt die Anzahl der Onlineangebote mit Nachhaltigkeitsanspruch weiter zu. Neben investify Ethisches InvestierenLIQUID Global ImpactVisualVest GreenFolio und Werthstein nachhaltige Komponenten in der Vermögensverwaltung online. N.B.: Leider wurde die ethisch-nachhaltige Komponente von VisualVest nicht auch in die der genossenschaftlichen Finanzgruppe angebotenen Version MeinInvest integriert.

…und auch Zeedin (Hauck & Aufhäuser)

Bei Zeedin sind Anlagen ab 50.000 Euro mit ETFs und Fonds in eine fondsgebundene Vermögensverwaltung möglich. Ab 150.000 Euro wird eine digitale Einzeltitel-Vermögensverwaltung angeboten.. Ab 300.000 Euro lässt sich die Vermögensverwaltung mit Einzeltiteln (Aktien oder Anleihen) auch auf eine ethisch-nachhaltige Basis stellen. Weshalb hier eine höhere Mindestsumme gilt, bleibt unklar: Zeedin.

Interessant in diesem Zusammenhang auch das Interview mit Roman Limacher, Geschäftsführer in der Schweiz vom 2.11.2018: UN-SDGs als neuer Trigger für Nachhaltige Geldanlagen. Die Ausführungen bestätigen den Paradigmenwechsel bei Nachhaltigkeit: Weg von rückblickenden ESG-Kriterien, hin zu den vorausschauenden nachhaltigen 17 Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, den SDGs (Sustainable Development Goals).

Hier noch einmal der Hinweis auf ein Informationsangebot aus der Nummer Fünfzig vom 26.9.2018:

HSBC Deutschland: Informationsseite Nachhaltigkeit

Pünktlich zum Sustainable Finance Gipfel und dritten Jahrestag der globalen nachhaltigen Entwicklungsziele am 25.9.2018 hat HSBC Deutschland eine Informationsseite zu nachhaltiger Finanzierung als „Advertorial“ bei der „Süddeutschen Zeitung“ platziert. Neben einem Glossar zum Thema Nachhaltigkeit bietet die Seite sehr informative Texte zu den Themen „Nachhaltige Finanzierung“, „Nachhaltige Investments“ und „Regulatorik“. Hier geht es zum sehr informativen „Advertorial“.

In eigener Sache

#Nachhaltige100 – Nun Nummer 91

In der Übersicht der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland ist Investabel® gegenüber dem Vormonat September 2018 von Rang 97 auf 91 geklettert. Die meisten Bewegungen langen dagegen im Bereich von ein bis zwei Rängen, zudem wurden keine Änderungen vorgenommen. Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht #nachhaltige100 der Triodos Bank auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. In der Übersicht für September 2018 in den sozialen Medien wurde der Blog nun wieder unter den ersten 100 auf Platz 97 platziert.

Die Akteure der Übersicht sind zu einem Treffen auf dem Heldenmarkt am 17.11.2018 in Berlin eingeladen. Spannend, einmal viele der anderen Blogger persönlich kennen zu lernen!

CSR Kooperationsveranstaltung am 15.11.2018 in Bonn

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg und das CSR Kompetenzzentrum Rheinland organisieren eine Veranstaltung zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften: „Wir haben den Dreh raus! Fachkräfte gewinnen und binden mit Lebensfinanzplanung“. Niemand würde protestieren, „nachhaltig solide Finanzen“ als Ziel einer solchen Finanzplanung zu nennen. In der Moderation soll aber ganz deutlich werden, das wir und mit dem Begriff Nachhaltigkeit schwer tun: Dauerhaft ist nicht auch nachhaltig!

Die zweistündige Veranstaltung steht allen Interessierten offen. Anmeldung über IHK Bonn/Rhein-Sieg

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

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