Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechzig

Inhalt:  24. Weltklimagipfel: „Nur eine Existenzfrage“; Frankreich: Drei Tage Klimafinanzierung; Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft; Ohne Nachhaltigkeit ist es Selbstmord; FNG-Siegel mit starkem Wachstum; Irgendwas Digitales ist noch keine Digitalisierung Apropos: Digitaler Kanal und Kommunikation; In eigener Sache: #nachhaltige100: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

3. Dezember 2018, ergänzt 4.12.2018 (Pressemitteilung Climate Action Network Europe, Zitat Richard David Precht, Bericht Finanz-Szene.de)

Dr. Ralf Breuer

24. Weltklimagipfel: „Nur eine Existenzfrage“

Heute beginnt in Katowice, Polen, der 24. Weltklimagipfel „COP24“. Das Programm und die Randveranstaltungen füllen viele Internetseiten. Hier die offizielle Seite der Vereinten Nationen, United Nations Climate Change. Das Beitragsbild bzw. die nachfolgende Grafik wollen einen Überblick über die Veranstaltung vermitteln.

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Beitragsbild/Grafik: www.klimafakten.de

Der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat gleich zur Eröffnung des deutschen Pavillons deutlich gemacht, um was es bei der Bekämpfung des Klimawandels geht: Dem Überleben der Menschheit.

Ein Jahr nach COP23 in Bonn wurden bei der Bekämpfung des Klimawandels kaum Fortschritte erzielt. Allerdings haben der heiße Sommer und auch die Berichterstattung um den Hambacher Forst das Bewusstsein in der breiten Bevölkerung deutlich verändert. Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen haben noch einmal deutlich gezeigt, dass das Wählerinteresse an Nachhaltigkeit deutlich ausgeprägter ist als dies im Wahlkampf von den großen Parteien zum Ausdruck gebracht worden ist.

Dies wurde besonders in der Berichterstattung zur Wahl in Bayern deutlich, zu der die Nummer Dreiundfünfzig folgende Übersicht enthielt:

Quelle: Twitter/Jörg Schönenborn, WDR, Daten: infratest Dimap

Während die Politik nachhaltige personelle Querelen bot, war das Interesse an nachhaltigen Themen wir Bildung, Wohnen und Klimaschutz deutlich stärker ausgeprägt als an der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Dies war ebenfalls in Schweden der Fall, das bekanntlich von der Sommerhitze und großen Waldbränden besonders betroffen war (vgl. Nummer Sechsundvierzig).

Gleich zu Beginn des Gipfels am 3.12. sorgten einige Länder für positive Schlagzeilen und setzen Ausrufungszeichen: Der niederländische Ministerpräsident kündigte für sein Land ein ambitionierteres Klimaziel mit 55% CO2-Reduktion per 2030 an. Finnland, Luxemburg, Österreich und Spanien betonten die Notwendigkeit größerer Anstrengungen in ihren Ländern und der gesamten EU, sie erneuerten ihre Unterstützung einer CO2-Neutralität per 2050. (Pressemitteilung Climate Action Network Europe vom 3.12.2018

 

Frankreich: Drei Tage Klimafinanzierung

Vom 26. bis 28. November fand in Paris „der“ Climate Finance Day (#CFD2018) statt. Trotz der Ausdehnung der Veranstaltung von einem auf drei Tage wurde der Name beibehalten. Die Anzahl der Teilnehmer stieg gegenüber dem Vorjahr um 50% auf 1.500. Insgesamt sprachen 100 Personen, darunter auch die Spitzen der großen französischen Finanzakteure. Der französische Staatspräsident und der Minister für Wirtschaft und Finanzen hatten die Schirmherrschaft übernommen. Zum Ende der Veranstaltung wieder holte der Minister praktisch die Aussagen des Präsidenten der EU-Kommission am 28.3.2018 in Brüssel: All finance has to be sustainable!. Nummer Zweiunddreissig bzw. Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung.

In den sozialen Medien wurde das Motto der Veranstaltung als Schlagwort benutzt: #GetUpScaleUp. Die Veranstaltung war geradezu gespickt mit Bekenntnissen zu Nachhaltigkeit und nachhaltiger Finanzwirtschaft. Mehr Informationen über die Seite https://financefortomorrow.com/.

Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft

Gleich zu Beginn der Veranstaltung lancierten 28 Banken unter dem Dach der UNEP Finance Initiative einen Entwurf für die „Principles of Responsible Banking“, die bis zum 29.5.2018 offen für Konsultationen sind. Während sich große Finanzgruppen aus Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien engagiert haben, sucht man deutsche Unterzeichner vergeblich. Allerdings sind Consorsbank, ING Deutschland und Triodos Bank Deutschland über ihre Muttergesellschaften einbezogen. Weitere Informationen und weiterführende Links (EN): hier.

Quelle: http://www.unepfi.org/banking/bankingprinciples/

Vom Grundsatz geht es vor allem um eine Harmonisierung der Geschäftspolitik mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, den SDGs und die externe Transparenz. Und in diesem Fall sind Träger der Initiative nicht die Banken, die sich schon für ein wertegetriebenes Bankgeschäft engagiert haben, sondern eben auch globale Geschäftsbanken.

Ohne Nachhaltigkeit ist es Selbstmord

Starke Worte wählte Adrie Heinsbroek, Principal Responsible Investment bei NN Investment Partners, der Vermögensverwaltungsgesellschaft der niederländischen NN Group:

Kaum noch etwas hinzuzufügen, vielleicht noch die positive Formulierung: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0.

 

FNG-Siegel mit starkem Wachstum

Die Anzahl der Fonds, die sich 2018 um das FNG-Siegel beworben haben, lag mit 66 um 40% über dem Vorjahreswert. 65 Fonds wurden ausgezeichnet, davon 25 mit drei und 28 mit zwei Sternen, 11 Fonds erhielten nur einen Stern, ein Fonds keinen, aber das Siegel. Gegenüber der Gesamtzahl von Fonds mit „nachhaltig“ im Etikett bleibt die Anzahl der Bewerbungen allerdings klein: Je nach Datenquelle werden 643 (Scope) bzw. 450 (SBI) genannt.

2018-11-29 FNG

Foto: Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH

Auffällig bleibt, dass unter den Fonds die Produktangebote für private Kunden der größten deutschen Fondsgesellschaften völlig fehlen: Deka Investment und DWS Deutschland haben sich gar nicht beworben, Union Investment nur mit Fonds für institutionelle Kunden: FNG-Siegel 2018Präsentation Vergabefeier 29.11.2018

Irgendwas Digitales ist noch keine Digitalisierung

In der Nummer Nummer Neunundfünfzig war ein Teil dem Thema Digitalisierung gewidmet, die kein Selbstzweck ist, sondern sich auch über die SDGs definieren lässt. Einen Tag später erschien ein Beitrag des bekannten britischen Autors, Beraters und Redners Chris Skinner, der diesen Aspekt noch einmal betont:

Er stellt sehr pointiert fest, dass die Banken zwar alle etwas Digitales machen, das Ziel einer digitalen Transformation aber weit verfehlen:

But it is the case that when I take the pulse of the majority of banks doing digital, they are doing stuff that is digitally-related but it is often missing the mark. They are doing apps and redeveloping services, but they’re not really committed to transformation or to really reinvent the bank for the 21st century to compete with Amazon and Alibaba.

Chris Skinner; Are you really ‚Doing digital‘??

Auch der Autor und Philosoph sieht Digitalisierung zu allererst als Mittel zum (nachhaltigen) Zweck:

Apropos: Digitaler Kanal und Kommunikation

Passend zu den Aussagen oben sind auch die Eindrücke über viele „Auftritte“ in sozialen Medien. Viele Betreiber von Kanälen bei Facebook, Twitter etc. verstehen ihre Konten als weiteren Kanal von Einwegbotschaften. Auf Fragen, Kommentare etc. wird kaum oder gar nicht reagiert. Das ist aber für Menschen, die dort unterwegs sind ein klares Signal zum Abschalten.

Die wenigen erfolgreichen und interessanten Auftritte in sozialen Medien zeichnen sich durch ein inhaltliches Konzept und ganz besonders auch durch „Zulesen“ aus, was allerdings eine qualifizierte und vor allem auch ressourcenfordernde Betreuung voraus setzt. Beides ist in Finanzwirtschaft und auch in der Politik eher die Ausnahme.

Dabei lassen sich die guten Kanäle leicht anhand von „gefällt mir“, Abonnenten oder Followern erkennen. Wer das einmal selbst versucht hat, ist erschrocken wie unbeliebt manche Betreiber sind. Die Gründe hierfür sind praktisch immer in Konzeptionslosigkeit und eine wenig qualifizierte bzw. intensive Betreuung zu erkennen.

Ein Beispiel für ein erfolgreicheres Konzept bieten „AINO“ bzw. „Heute in Hamburg“, eine App für „Events, Locations & Wissenswertes in Hamburg“. Betreiber ist eine Tochtergesellschaft der Hamburger Sparkasse Haspa, die Haspa Next GmbH.

Damit soll bei einer jungen lokalen Zielgruppe das erreicht werden, was als „Relevanz“ von morgen gesucht wird (Nummer Achtundfünfzig). Und zwar gerade nicht als schriller Werbe- und Verkündigungskanal, sondern Informations- und Kommunikationsangebot. Damit wird die Zahl der interessierten Nutzer und „gefällt mir“ bei den meisten bundesweiten Finanzdienstleistern deutlich übertroffen.

Finanz-Szene.de: Stefan Effenberg zur Volksbank

Der Bericht von Heinz-Roger Dohms in dem auflagenstarken Branchendienst Finanz-Szene.de vom 4.12.2018 fand für nationales Medieninteresse: Exklusiv: Stefan Effenberg startet zweite Karriere – und wird Banker. Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden will damit ihre Fussball-Expertise weiter verstärken. In einem Land voller Fussballexperten völlig naheliegend, die Kenntnisse der 229-X Mitarbeiter/-innen für Geschäfte im internationalen Fussball zu nutzen. Hierüber war am 21.11.2018 ebenfalls in Finanz-Szene.de schon berichtet worden: Exklusiv: Das endcoole Kreditbuch einer kleinen thüringischen Volksbank, u.a. mit Atletico Madrid und dem 1. FC Köln als Kunden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® gegenüber dem Vormonat Oktober 2018 von Rang 91 auf 84 geklettert.  Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97) und im Oktober auf 91 platziert.

Die Akteure der Übersicht waren zu einem Treffen auf dem Heldenmarkt am 17.11.2018 in Berlin eingeladen. Spannend, einmal viele der anderen Blogger persönlich kennen zu lernen!

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltige Crowdfundings

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Beitragsbild/Foto: Solartainer® von Africa Green Tec

Dr. Ralf Breuer

6. November 2018

Am 6.9.2018 kündigten die Triodos Bank Deutschland und bettervest eine Kooperation an* Zusätzlich hat sich die von einer hundertprozentigen Tochter der niederländischen Muttergesellschaft Triodos N.V. verwaltete „Triodos Sustainable Finance Foundation“ mit einem nicht genannten Anteil an bettervest beteiligt. Nach GLS Bank und GLS Crowd ist dies die zweite engere Kooperation einer auf Nachhaltigkeit fokussierten Bank mit einem FinTech für Schwarmfinanzierung (Crowdfunding). Aus diesem Anlass will der Beitrag beide Kooperationen etwas beleuchten.

Nachhaltigkeit ist geschäftspolitische Logik

Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft ist kein Aktionismus, sondern knallharte geschäftliche Logik. Entsprechend hat sich auch die The Investment Leadership Group (ILG), ein Netzwerk von Spitzenvertretern der globalen Investmentbranche positioniert, dessen Mitgliederliste sich wie ein „Who-is-who“ der Finanzbranche liest: Vertreter der ILG sagten der EU-Kommission ausdrücklich ihre Unterstützung für den Plan zu: Top investment executives commit to Sustainable Finance Action Plan in High-Level Meeting with European Commission. Die Gruppe selbst erarbeitet einen methodischen Rahmen für eine Ausrichtung ihrer Tätigkeit an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs).

Vor allem die deutlich verlängerte Perspektive hin zum längerfristigen (finanziellen) Erfolg kommt der Investmentbranche insbesondere im Pensionsgeschäft sehr entgegen. Viele Auswirkungen von Klimawandel und Energiewende gehen derzeit nicht in die finanzielle Berichterstattung ein. Die herrschende Logik der globalen Finanzinvestoren ist, dass die SDGs die Chancen definieren, während das Klima die Risiken treibt.

Deutschland international im Rückstand

Deutschland hat bei Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft gegenüber den meisten Nachbarländern einen bedeutenden Rückstand. Manche Kommentare stellen z.B. gegenüber Frankreich einen Rückstand von fünf Jahren fest. Und tatsächlich haben dort schon fünf der sieben größten Bankengruppen Nachhaltigkeit im strategischen Fokus. Die größte Bankengruppe Crédit Agricole bezeichnet sich selbst als Bank für nachhaltige Entwicklung – in der Nische des Geldautomaten.

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Foto: Ralf Breuer, Crédit Agricole du Languedoc, 1 Rue des Halles, F-30000 Nimes

Frankreich ist nur eines von vielen Beispielen. Auch bei der größten europäischen Bank HSBC ist Nachhaltigkeit Chefsache – im weltweiten Konzern und bei der deutschen Tochtergesellschaft. Sie hat eine Informationsseite zu nachhaltiger Finanzierung als „Advertorial“ bei der „Süddeutschen Zeitung“ gestaltet. Neben einem Glossar zum Thema Nachhaltigkeit bietet die Seite sehr informative Texte zu den Themen „Nachhaltige Finanzierung“, „Nachhaltige Investments“ und „Regulatorik“. Hier geht es zum sehr informativen „Advertorial“ bei der Süddeutschen Zeitung.

Nachhaltige Anlageprodukte demokratisieren die Lösung unseres gemeinsamen Problems

Alle Menschen teilen das Schicksal dieses Planeten und haben damit ein gemeinsames Problem. Klimawandel ist eine Folge unzureichender Nachhaltigkeit. Mit dem Klimagipfel 2015 wurden die Ambitionen in ein umfassendes Zielsystem gefasst: Die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs). Diese Ziele sind wiederum in 164 Teilziele, u.a. für das Jahr 2030 heruntergebrochen. Mit den SDGs hat Nachhaltigkeit einen Orientierungsrahmen bekommen, da sie im Gegensatz zu den bis dato geläufigen Ansätzen (SRI, ESG etc.) vorwärtsgerichtet sind. Mit ihnen findet sich Orientierung in Richtung auf ein „Mehr“ an Nachhaltigkeit. Der Konsensus in der Finanzbranche entwickelt sich immer stärker in diese Richtung und damit endet auch die herrschende Verwirrung über das, was nachhaltig(er) ist. Interview mit Roman Limacher, Geschäftsführer,Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG, Zürich: UN-SDGs als neuer Trigger für Nachhaltige Geldanlagen.

Studierende der Fachhochschule Köln haben einen Bierdeckel gestaltet, mit dem diese Zielwelt in kompakter Form sichtbar gemacht wird.

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Mit den 17 Zielen wird deutlich, welche Probleme auf diesem Planeten zu lösen sind. Diese Lösungen erfordern Kapital, das nicht allein aus öffentlichen Quellen kommen kann. Zahlen von Roland Berger im Greentech-Atlas 4.0 2018 stellen allein für Umwelttechnologien einen enormen Finanzierungsbedarf fest: Das weltweite Marktvolumen der Umwelttechnik und Ressourceneffizienz wird sich von mehr als 3.200 Milliarden Euro im Jahr 2016 bis 2025 voraussichtlich auf über 5.900 Milliarden Euro erhöhen.

Mit dem Angebot nachhaltiger Anlagemöglichkeiten für private Anleger werden folglich die finanziellen Lösungsmöglichkeiten unserer kollektiven Probleme vergrößert. Bei institutionellen Anlegern ist dies schon deutlich verbreiteter und deckt sich mit der von ihnen verfolgten oben beschriebenen Logik. Zielrichtung sind dabei die SDGs, von denen beispielsweise mit Energie- und Wasserprojekten in Entwicklungs- und Schwellenländern gleich mehrere adressiert werden können, neben Klimaschutz (Ziel Nr. 13) durch bezahlbare und saubere Energie (7) , Armut (1), Bildung (4) und Infrastruktur. Ein Beispiel ist die dezentrale und nicht netzgebundene erneuerbare Energieerzeugung, die gleichzeitig Mobilfunk speist, wodurch bessere Möglichkeiten der Einkommenserzielung und Bildung geschaffen werden.

Eine beachtliche Zahl von Crowdfundings

Die Zahl von Plattformen für Schwarmfinanzierungen (Crowdfundings) im deutschsprachigen Raum beträgt laut www.crowdfunding.de bei beachtlichen 148 (Stand: 6.11.20189 ! Ein erster Überblick ist eher verwirrend, auch Spendenplattformen als Crowdfundings aufgelistet. Allerdings können hier die Grenzen bereits fließend sein, z.B. bei der Finanzierung von Projekten in den Bereichen Kultur und Sport.Und auch bei den  reinen Finanzierungsplattformen ist der erste Eindruck schon verwirrend genug. Die Informationsmöglichkeiten sind zwar vielfältig, aber gerade der erste Eindruck gestaltet sich aufwändig.

Unter den neun bei www.crowdfunding.de genannten Plattformen für die Finanzierung von Energieprojekten sind auch die beiden Anbieter genannt, die nun fest mit einer Bank kooperieren.

Crowdfundings verringern Marktbarrieren

Grundsätzlich können Crowdfundings eine weitere Beitragsmöglichkeit zur Finanzierung von mehr Nachhaltigkeit sein. Anlegern können sich bereits mit kleineren Beträgen (bettervest ab € 50) Finanzierungsbeteiligungen ermöglichen. Damit öffnen sie einen Markt für Finanzanlagen z.B. in Energieprojekte, wofür traditionell deutlich höhere Einstiegsbeträge jenseits der € 5.000 notwendig waren. Dies führte bei den Anlegern zu hohen Risikokonzentrationen und entsprechenden Verlusten im Problemfall. Aus diesem Grunde hat der Gesetzgeber auch den maximalen Zeichnungsbetrag auf € 10.000 begrenzt.

Die Crowdfundings sind grundsätzlich nicht weniger risikoreich als herkömmliche Direktbeteiligungen. Dies signalisieren schon die „sportlichen“ Zinsangebote, die oft in der Bandbreite von 4,5% bis 10% liegen. Zudem erhält der Anbieter noch eine Provision von regelmäßig rund 10% (vgl. bettervest: Fragen von Investoren). Sie lassen sich aber in aller Ruhe online abschließen und die Anlage kann bei vergleichbaren Beträgen über verschiedene Anbieter, Projekte, Risikoprofile, Laufzeiten, Regionen etc. gestreut werden. Dies wird nach Beobachtungen des Autors auch genutzt. Hierauf weisen insbesondere die relativ niedrigen durchschnittlichen Zeichnungsbeträge je Zeichner hin.

Anleger sind aber immer gut beraten, kritisch zu hinterfragen. Dies ist bei den meisten Anbietern bereits online gut möglich und wird durch die gesetzlich vorgeschriebenen Dokumenten sowie die jeweiligen Informationsangebote unterstützt. Und auch bei den Finanzierungszielen sind Fragen legitim: Z.B. dann, wenn lediglich das Projektrisiko übertragen wird. Dies ist bei einigen Immobilienprojekten für soziale Einrichtungen der Fall, bei denen nur die relativ risikoreiche Zeit bis zur vereinbarten Übergabe an einen Träger finanziert wird, also nur die Erstellung, nicht der Betrieb.

bettervest

Die Idee zu bettervest entstand bereits 2012. Schwerpunkt sind kleinere Projekte im Bereich erneuerbare Energieerzeugung, Energieeffizienz und Wasserversorgung vorrangig in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgerichtet und bisher nicht mit anderen Engagements einer Bank verbunden.

Bisher wurden 76 Projekte im Gesamtvolumen von € 10,8 Mio. platziert. Während in der Anfangszeit auch Projekte unter € 10.000 vermittelt wurden, liegen die meisten Projekte derzeit im Bereich von rund € 100.000 bis € 200.000. Die hohen Anlegerrenditen von häufig 7% und mehr signalisieren ein substanzielles Risiko, dass über die relativ hohe Anzahl von Projekten und den niedrigen Mindestbetrag von € 50 gemildert werden kann. Erfreulich ist das hohe Maß an Transparenz, mit der Projektstatistik und der detaillierten Projektübersicht. Hier werden auch die bisher ausgefallenen sechs Projekte aufgeführt – alle aus dem Bereich Energieerzeugung bzw. -effizienz und ausnahmslos in Deutschland.

GLS Crowd

Im Februar 2017 startete die GLS Crowd, die zwar den Namen und den Markenauftritt der GLS Bank nutzt, aber nicht mit ihr durch eine Kapitalbeteiligung verbunden ist. Vielmehr kooperiert die Bank mit der CrowdDeskGmbH als Plattformbetreiber und schlägt ihr Projekte zur Vermittlung vor. Die bisher platzierten 11 Projekte mit einem Finanzierungsbetrag von € 5,25 Mio. hatten ein Volumen von durchschnittlich € 475.000 und deckten ein weites Spektrum von Nachhaltigkeitsprojekten von Energieerzeugung über Energieeffizienz bis hin zur Betriebsmittelfinanzierung im Handel ab, konzentrierten sich bisher allerdings auf Deutschland. Die platzieren Nachrangdarlehen sind überwiegend komplementär zu einem eigenen Kreditengagement der Bank. Zeichnungen über die Plattform sind mit Beträgen von € 250 bis € 10.000 möglich. Für Anlagewünsche ab € 20.000 bietet die GLS Crowd zusätzlich eine Möglichkeit der Direktbeteiligung.

Nachhaltigkeit ist Trend

Auch wenn die deutsche Kreditwirtschaft einen anderen Eindruck vermittelt, Nachhaltigkeit ist ein gesellschaftliches Thema mit immensem Momentum. Andere Branchen haben dies längst klar erkannt und ihr Handeln einschließlich der Marktkommunikation hierauf ausgerichtet, so z.B. im Einzelhandel (vgl. z.B. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag). Es ist beachtlich, wie oft sich der Begriff bereits in den Werbeprospekten und im stationären Handel findet: Alltagsfotos Nachhaltigkeit

Die Pressemitteilung vom 6.9.2018* bringt es auf den Punkt: „Genauso wie “Bio-Produkte” in den letzten Jahren massentauglich geworden sind, gilt es jetzt nachhaltige Geldanlagen in der Mitte der Gesellschaft zu verankern.“ Crowdfunding mit niedrigen Mindesbeträgen ist ein zusätzliches Mittel hierzu.

*Hinweis: Im Text finden sich Links mit dem Zusatz „*“. Es handelt sich hierbei um Hyperlinks, die mit Hinweisen auf ihre Herkunft in den Beiträgen gekennzeichnet sind und zu einer erfolgsabhängigen Vergütung im Falle eines hierauf zurückgehenden Vertragsabschlusses zwischen dem Nutzer und den jeweiligen Anbietern führen können. Die Nutzung der Links ist kostenfrei.

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Vereinbarungen über gesponserte Links hat  der Autor derzeit mit folgenden Anbietern  von Geldanlagen in Nachhaltigkeitsprojekte: bettervest (gesponserter Link) und ecoligo investments (gesponserter Link) (Crowdfunding Energie- und Wasserprojekte), ForestFinance (gesponserter Link, Direktinvestments Wald und Kakaoanbau), SDG Investments® (gesponserter Link, Vermittlungsplattform für institutionelle Investoren, unverbindliche Registrierung ggf. bitte mit dem Hinweis auf Investabel®)