Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunzig

Titelbild: Triodos Bank N.V. Deutschland GmbH

Inhalt: Vorneweg; 16 deutsche Banken verpflichten sich dem Klimaschutz; Leitfaden Nachhaltigkeitsrisiken Österreich; Triodos Bank mit „klimaneutralen“ Depots; Solactive right 2 degree-aligned Europe Index; Solactive VE imug Developed Markets ESG Quality Index; Seminar/Veranstaltungstermine: VÖB Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

7. Juli 2020

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg

Ausgabe Nummer Neunzig nach drei Jahren. Die Themen werden nicht weniger, sondern wuchtiger. Dies gilt weniger für die beschriebene Selbstverpflichtung von einer Reihe Banken für den Klimaschutz. Sie ist zunächst einmal die Absicht „sich auf den Weg zu machen“, wie Georg Schürmann, der Geschäftsleiter der Triodos Bank Deutschland, bei der Vorstellung der Selbstverpflichtung sagte.

„Wuchtig“ ist vor allem das Vorgehen der Notenbanken und Finanzaufseher in Bezug auf Nachhaltigkeits- und insbesondere Klimarisiken. So im neuen Leitfaden der Finanzaufsicht FMA in Österreich. Anders als die BaFin in ihrem Merkblatt Nachhaltigkeitsrisiken lässt die FMA keinen Spielraum für die Finanzwirtschaft: Nachhaltigkeit und ihre Risiken gehören in die gesamte Organisation. Von Vorstand und Aufsichtsrat bis zu den einzelnen MitarbeiterInnen.

Leider werden die mit Nachhaltigkeit etikettierten Produkte nicht besser oder klarer, sondern nur noch vielfältiger und weniger transparent. Dies wird nachstehend bei zwei neuen Indexprodukten deutlich. Damit steigen auch gleichermaßen die Anforderungen an die Produktanalyse bzw. die Befähigung der Mitarbeiter…

16 deutsche Banken verpflichten sich dem Klimaschutz

Am 30.6. und damit zu Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 verpflichteten sich 16 deutsche Banken, ihre Kredit- und Anlagestrategien ab dem Jahr 2023 am Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 auszurichten.

2020-06-30 Erstunterzeichner

Quelle: Triodos Bank Deutschland

Bei der Pressekonferenz am 30.6. wurde das Interesse weiterer Banken in der Größenordnung von rund einem Dutzend Institute indiziert. Bei der Liste der Erstunterzeichner fällt auf, dass neben den Umwelt- und Kirchenbanken vor allem die in- und ausländischen Großbanken vertreten sind. Genossenschaftsbanken und Sparkassen betonen immer wieder ihre „Gemeinwohlorientierung als Teil der DNA“, sind aber unter den 16 Banken lediglich mit der LBBW vertreten, die bei der Pressekonferenz u.a. auch auf ihren öffentlichen Auftrag verwies.

Dabei sollten vor allem die öffentlich-rechtlichen, kommunal bzw. kleinräumiger tätigen Häuser ein starkes Eigeninteresse verfolgen:

„Die öffentliche Hand übernimmt im Finanzsystem aus einer grundlegenden Rolle
heraus bestimmte Funktionen, vor allem auch in der Fläche. Deshalb sollte sich der gemeinwohlorientierte Sparkassensektor vorbildlich auf die Nachhaltigkeits- und Klimaziele ausrichten.“  Zwischenbericht Sustainable Finance-Beirat der Bundesregierung, 5.3.2020, S. 44 f.

Die Selbstverpflichtung ist bis zum Jahresende 2022 auf die Entwicklung von Methoden und Steuerungsmechanismen gerichtet. Ein Auszug aus dem Wortlaut:

Konkret bedeutet dies, dass jeder Unterzeichner bis Ende 2022 gegenseitig akzeptierte Methoden zur Messung der Klimaauswirkungen seiner Kredit- und Investmentportfolien entwickelt und einführt und diese dann im Einklang mit den nationalen und internationalen Klimazielen steuert. Die Vereinbarung gilt nur für solche Investmentportfolios, die nicht Gegenstand des Fonds- oder Mandatsgeschäfts sind. Das Fonds- und Mandatsgeschäft wird schrittweise ohne feste zeitliche Vorgaben berücksichtigt.

Die Unterzeichner wollen sich gegenseitig dabei unterstützen die notwendigen Emissionsdaten zu erheben und Methoden zur Messung sowie Ansätzen zur Steuerung des Bankgeschäfts im Einklang mit den Zielen zu entwickeln. Um der gemeinsamen Verantwortung und der jedes einzelnen Akteurs gerecht zu werden, verpflichtet sich jeder Unterzeichner jährlich (z.B. im Rahmen seiner bestehenden Berichtsformate) über den individuellen Fortschritt bezüglich der Implementierung zu berichten.“

Die vollständige Klima-Selbstverpflichtung, erläuternde Dokumente und aktuelle Informationen finden sich auf der Internetseite der Initiative: https://www.klima-selbstverpflichtung-finanzsektor.de/

 

Leitfaden Nachhaltigkeitsrisiken Österreich

Die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) hat am 2.7.2020 (FMA Pressemitteilung) einen alle Teilsektoren übergreifenden Leitfaden zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht. Der Themenbogen reicht hier von Klimawandel über Korruption bis hin zu Kinderarbeit. Diese Risiken können – nicht nur im Fall von Klimarisiken – die Entwicklung einzelner Vermögenswerte oder Finanzmarktteilnehmer insgesamt negativ beeinflussen. Der FMA-Leitfaden will den beaufsichtigten Unternehmen als Hilfestellung bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit dienen.

FMA bastelt an Nachhaltigkeitsleitfaden - Wiener Zeitung Online

Bild: wienerzeitung.at

Im Vergleich zum Merkblatt der BaFin vom 20.12.2020 ist der Leitfaden deutlich detaillierter und konkreter. Dies betrifft sowohl die positive Sicht auf Nachhaltigkeit als auch praktische Beispiele für direkte und indirekte Auswirkungen auf Finanzinstitute. Außerdem stellt der Leitfaden sehr konkrete Anforderungen an organisatorische Anpassung z.B. im Sinne von Durcharbeiten des Portfolios, Aufbau und Schulung personneller Kapazitäten und Verankerung von Nachhaltigkeit(srisiken) in der Unternehmensverfassung.

Triodos Bank mit „klimaneutralen Depots“

Die Triodos Bank Deutschland gehört zu den Initiatoren und 16 Erstunterzeichnern der oben beschriebenen Selbstverpflichtung für den Klimaschutz. Zur Jahresmitte hat sie ein kostenfreies „klimaneutrales Depot“ lanciert, dass auch ab € 25 monatlich mit einem Sparplan gefüllt werden kann https://www.triodos.de/investieren. Zur Auswahl stehen Fonds der Vermögensverwaltung der Triodos Gruppe (Triodos Asset Management) sowie Fremdprodukte weiterer deutscher Anbieter.

Bild

Bild: www.triodos.de

Die Anlage soll den Ausstoß von Treibhausgasen vermeiden, reduzieren helfen und/oder bei Bedarf kompensieren. Letzteres erfolgt in Zusammenarbeit mit der Climate Neutral Group, etwa durch ökologische Landwirtschaft, gezielte Bepflanzungen oder technische Innovationen.

Für viele Menschen mag dieser Ansatz von vornherein plausibel erschienen, was allerdings nicht zwingend der Fall ist. „Vermeiden“ von Emissionen führt ggf. zu (Aktien-)Investments in ohnehin emissionsarme Unternehmen, die aber wenig zur Reduktion des Ausstoßes leisten können. Zukünftige Beiträge zur Verringerung oder Vernichtung von CO2 können oft nur unter Ausstoß von Treibhausgasen erfolgen, z.B. durch die Herstellung technischer Neuerungen. Die Ambivalenz wird bereits zweier Aktienfonds aus dem Hause Triodos deutlich, bei denen der auf technische Neuerungen ausgerichtete „Pioneer Impact Fund“ durchaus schlechtere Nachhaltigkeitswerte aufweisen kann.

Treibhausgase bzw. vulgo CO2-Werte sind eine oberflächlich sehr plausible, allerdings bei näherer Betrachtung sehr kritische Grundlage für die Konzeption von Finanzanlagen. Dies wurde hier bereits einmal in einem Beitrag thematisiert: Klimaschutz ein guter Ansatz, aber….

Beiträge von Unternehmen zur Vermeidung zukünftiger Emissionen oder gar die Vernichtung von CO2 z.B. durch technische Neuerungen nicht in den Emissionsbilanzen erfasst. Erst nach dem Abkommen von Kyoto begannen Diskussionen, ob die Berichterstattung nicht um eine vierte Kategorie, den sogenannten „Scope 4“ ergänzt werden sollte.

In der von Triodos geplanten Kombination von Vermeidung, Reduktion und Kompensation könnte eine klimaorientierte durchaus sinnvoll gestaltet werden. Dies wird letztlich von der Ausführung abhängen. Letztlich gibt es leider viele zunächst plausibel erscheinende Ansätze, die bei näherer Betrachtung durchaus weniger plausibel erscheinen:

 

Solactive right 2 degree-aligned Europe Index

Der Indexdienstleister Solactive hat einen Aktienindex lanciert, der die europäischen Unternehmen abbilden soll, deren Tätigkeit in Einklang mit dem Klimaschutzabkommen von Paris sein soll. Er basiert auf dem „XDC-Modell“ des Frankfurter Anbieters right. based on science. Mit dem Modell werden aus den 600 Unternehmen im Solactive Europe 600 diejenigen Unternehmen, die nach der Modellrechnung kompatibel zum Klimaschutzabkommen von Paris mit einer Erderwärmung von weniger als 2° wirtschaften sollen: Solactive right. 2 degree-aligned Europe Index.

Das Modell basiert auf modellhaften Hochrechnungen (z.Zt. Daten des Jahres 2018) und berücksichtigt damit keine strukturellen bzw. technologischen Veränderungen im Ausstoß von Treibhausgasen. Zudem werden nicht alle Emissionen vollständig berücksichtigt, was zu einer Verzerrung der Ergebnisse führen kann.

Das Modell hat aus den 600 Unternehmen aktuell 259 Unternehmen herausgefiltert, für die das der Fall sein soll. Dabei werden die Basiswerte für die Unternehmen (Baseline XDC) mit jeweils sektorspezifischen Werten verglichen, die von der Energieintensität des jeweiligen Sektors bestimmt werden (Target XDC) (siehe Indexbeschreibung 2.2.: Index Guideline Solactive right. 2 degree-aligned Europe Index).

Leider findet sich auf der Internetseite von Solactive zwar die Liste der enthaltenen Unternehmen (Index composition), aber keine weiteren Informationen zu den Indexgewichten oder gar den zugrunde liegenden Auswahlkriterien (bzw. unternehmens- und sektorspezifischen XDC-Werten).

Ein Vergleich mit veröffentlichten Werten auf der Basis 2017 zeigt zudem, dass die Indexzugehörigkeit stark durch das jeweilige Basisjahr beeinflusst sein kann. Bei mehr als einem Dutzend der in der „WhatIf“-Studie (right-basedonscience.de, registrierungspflichtig) erwähnten Unternehmen hat sich das Verhältnis zwischen unternehmens- und sektorspezifischen XDC-Werten offenbar mit dem Übergang auf 2018 umgekehrt.

Das Factsheet (Stand 30. Juni 2020) zeigt allerdings, dass sich rund 25% des Indices auf nur 10 Unternehmen konzentrierten, von denen 5 im Bereich von Konsumgütern tätig sind. Mit Iberdrola und Enel sind sogar zwei Energiekonzerne vertreten.

Nur die Indexzugehörigkeit wird von Klimadaten bestimmt, nicht aber die Gewichtung im Index. Sie richtet sich wie üblich nach der Marktkapitalisierung in Streubesitz. Insofern stellt sich die Frage, was ein Käufer mit dem Index bzw. einem darauf aufbauenden Produkt verbinden kann. Bestenfalls eine vage Vorauswahl von Unternehmen, deren Klimastrategie eine bessere sein könnte…

2020-06-30 Solactive right Top Holdings

Quelle: Factsheet (Stand 30. Juni 2020)

Als „Europa-Index“ ist das Aktienuniversum nicht auf die Eurozone konzentriert. Vielmehr enthält der Index eine ganze Reihe von europäischen Ländern und Währungen:

Quelle: Factsheet (Stand 30. Juni 2020)

Besonders der hohe Anteil Großbritanniens dürfte für viele Investoren aus dem Euroraum problematisch sein.

Nur wenige Tage nach dem vermeintlich klimaorientierten Index legte Solactive in Zusammenarbeit mit imug bzw. Vigeo Eiris ein weiteres Produkt mit Nachhaltigkeitsorientierung auf:

Solactive VE imug Developed Markets ESG Quality Index

Das Anlageuniversum des Indices ist global mit derzeit 1.569 Unternehmen (Stand 6.7.2020, aktuelle Indexzusammensetzung: https://www.solactive.com/indices/?index=DE000SLA41D2). Aus dem Basisindex „Solactive GBS Developed Markets Large & Midcap USD“ wurden 781 Unternehmen herausgefiltert (Stand 6.7.2020, aktuelle Indexzusammensetzung: https://www.solactive.com/indices/?index=DE000SL0A8U4). Auf der Grundlage des ESG-Daten-Anbieter Vigeo Eiris (VE) wurden diejenigen Unternehmen ausgewählt, die die Kriterien des Siegels des „Forum für Nachhaltige Geldanlagen erfüllen. Wortlaut der Solactive Pressemitteilung vom 2.7.2020:

„Bei dem Index handelt es sich um eine regelbasierte, standardisierte ESG-Lösung, die sich am FNG-Siegel des „Forum für Nachhaltige Geldanlagen“, dem Sustainable Investment Forum (SIF) für Deutschland, Österreich und die Schweiz, orientiert.“

„Der Solactive VE imug Developed Markets ESG Quality Index basiert auf dem Solactive GBS Developed Markets Large & Mid Cap USD Index und zielt darauf ab, die Mindeststandards des FNG-Siegels zu erfüllen. Im Rahmen dieser Anforderungen sind Investitionen in Kernkraft, Kohlebergbau, erhebliche Kohleverstromung, Fracking, Ölsande, Waffen und Rüstungsgüter nicht zugelassen. Gleichzeitig führt imug ein normbasiertes Screening im Hinblick auf den UN Global Compact durch. Zusätzlich vollzieht imug eine umfassende ESG-Bewertung und schließt Unternehmen mit einem Ergebnis von weniger als 30 von 100 Punkten aus“

Der Index bietet damit eine Basis und verbindet vielfach genutzte Ausschlußkriterien mit einem Mindeststandard in der ESG-Bewertung. Da er auf historischen Daten eines anerkannten Anbieters basiert, stellen sich die Interpretationsfragen weitaus weniger als bei dem oben beschriebenen Produkt.

Indexdokumente: https://www.solactive.com/indices/?index=DE000SL0A8U4

Im Ergebnis bilden 10 globale Unternehmen mit rund 14% (Stand: 3.7.2020) den Anlageschwerpunkt:

2020-07-03 Solactive imug top holdings

Factsheet Stand 3.7.2020

Geografisch und unter Währungsaspekten liegt der Schwerpunkt in den Vereinigten Staaten:

2020-07-03 Solactive imug geographical

Factsheet Stand 3.7.2020

Für eine global ausgerichtete Aktienanlage bietet der Index eine qualitative Vorauswahl unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten. Diese Vorauswahl will die Europäische Union durch Mindestanforderungen für Finanzprodukte allerdings ohnehin sicherstellen.

Seminar-/Veranstaltungstermine

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet seit März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Der Starttermin am 16.3.2020 und die Zusatztermine am 17. und 18.3.2020  sowie der Starttermin am 23.6. waren bereits ausgebucht. Deshalb bietet die Academy am 28.7. und 29.9.2020 den Start weiterer Lehrgänge an. Der erste Lehrgangstag wird als Live-Webinar statt im Workshopformat duchgeführt. Eine voll digitale Variante ohne physische Teilnahme ist in Vorbereitung.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

Eine Beschreibung und einige Hintergründe zum  findet sich im Newsletter der Steyler Ethik Bank im Februar 2020: Nachhaltige Prozesse anstoßen.

In eigener Sache

Alle Angebote natürlich auch gerne im digitalen Rahmen als Webinar oder Videokonferenz!

Das BaFin Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken – was ist zu tun?

Das Merkblatt wurde am 20.12.2019 veröffentlicht. Es handelt sich zwar ausdrücklich nicht um eine (Regulierungs-)Vorschrift, sondern eine „Orientierungshilfe“, ist aber mit mit seinem sehr klaren Anspruch der Regulierungsbehörde versehen: „Die BaFin erwartet, dass die beaufsichtigten Unternehmen sich mit den entsprechenden Risiken auseinandersetzen.“

Während in den meisten größeren Finanzinstituten bereits mehr oder weniger viele Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit und (CSR-)Berichterstattung gesammelt wurden, ist dies bei kleineren/regionalen Instituten oft nicht der Fall. Allerdings gilt die große Mehrheit in Deutschland: Die Ansprüche der BaFin reichen weit über die vorhandenen Strukturen hinaus!

In einem ersten Workshop sollen deshalb zunächst die spezifischen Ansprüche und Bedarfe zusammengetragen werden. Dies ist im Regelfall schon innerhalb eines Tages zu bewältigen. Daraus lässt sich dann eine spezifische, detailliertere Arbeitsplanung zur Umsetzung des Merkblatts ableiten.

„In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland mehr als 600 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von annähernd € 200 Mrd. 104 Fonds tragen das im November 2019 vergebene „FNG-Siegel 2020“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 105 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Neunundachtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunundachtzig

 

Titelbild: Network for Greening the Financial Sector (NGFS)

Inhalt: Klimarisiken im Fokus der Notenbanken; ESRB – Ansatzpunkte zur Quantifizierung Klimarisiken; Auf dem Weg zu klimaneutralen Treibstoffen?;  Auch Biodiversität ist ein finanzielles Risiko; Hohe Ansprüche an nicht-finanzielle Informationen; Nachhaltige Geldanlagen erneut stark gewachsen; Neue Visakarte aus recycelten Kunststoffen; Samsung Pay Card; Nachhaltigkeitsquatsch; Seminar/Veranstaltungstermine: VÖB Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

25. Juni 2020

Dr. Ralf Breuer

Klimarisiken im Fokus der Notenbanken

Im NGFS – Network for Greening the Financial Sector kooperieren 66 Notenbanken und Finanzaufsichtsbehörden, u.a. auch die BaFin und die Deutsche Bundesbank. Das Netzwerk befasst sich intensiv mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Finanzmarktstabilität. Am 24.6.2020 wurden zwei weitere Arbeitspapiere veröffentlicht, die  die unmittelbaren und mittelbaren Folgen auf die Geldpolitik beleuchten, bzw. Vorschläge für Szenarioanalysen auf nationaler Ebene unterbreiten.

Klimarisiken und Geldpolitik

Das NGFS geht davon aus, dass der Klimawandel bzw. der Übergang in eine emissionsärmere Wirtschaft sich auf die meisten Stellgrößen in der Geldpolitik auswirken wird. Dies kann auf sehr viele Faktoren in den monetären Prozessen beeinflussen:

2020-06-24 NGFS Monetary Policy

Szenarien für die Klimarisikoanalyse

Das Ausmaß der Einflüsse wird stark von den eintretenden Szenarien abhängen, die durch Zeitpunkt und Umfang von Maßnahmen zum Klimaschutz sowie die technische Verfügbarkeit von Mitteln zur Reduzierung von Treibhausgasen bestimmt sind. Das NGFS hat deshalb drei Basisszenarien mit insgesamt fünf Varianten erarbeitet, die von den Aufsichtsbehörden für Stresstests angewendet werden können. Hierbei variieren die nicht von den Zentralbanken kontrollierten Faktoren „Politik“ und „Technologie“.

Die Szenarien orientieren sich an Erwärmungsszenarien und unterstellen abweichende Maßnahmenpakete für den Klimaschutz zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Je nach Zeithorizont und Betrachtungsebene müssen weiterhin der Detailgrad (Granularität) und die untersuchten Indikatoren variiert werden.

Neben den Ergebnissen der NGFS-Arbeitsgruppen werden auch einige bereits auf nationaler Ebene in einigen Ländern entwickelten Stresstests in Hinblick auf den Klimawandel dargestellt: The macroconomic and financial stability impacts of climate change, 24.6.2020Climate change and monetary policy: initial takeaways, 24.6.2020

ESRB – Ansatzpunkte zur Quantifizierung Klimarisiken

Aufbauend auf die Arbeit des NGFS hat das „European Systemic Risk Board (ESRB)“ eine Studie zu den möglichen quantitativen Ausmaßen von physischen Klimarisiken und die Folgen für die Bruttoinlandsprodukte vorgelegt. Das Papier macht sehr anschaulich, wo sich welche Auswirkungen bereits beobachten und in ihren finanziellen Dimensionen zumindest indikativ bestimmen lassen: Positively green: Measuring climate change risks to financial stability

Auf dem Weg zu klimaneutralen Treibstoffen?

Die Vereinigung der europäischen Raffineriebranche FuelsEurope hat eine Ambition veröffentlicht, nach der bis 2050 alle flüssigen Treibstoffe CO2-neutral sein könnten. Das notwendige Investitionsvolumen wird auf € 400 bis 650 Mio. geschätzt. Der Plan zielt dabei auf einen Mix aus verschiedenen Energiequellen wie Pflanzen, Elektrizität, Wiederverarbeitung und verbesserten Verfahren.

Das Papier, mit dem die Ambitionen publiziert wurden, enthält eine Reihe konkreter Beispiele, wie bereits an emissionsärmeren Treibstofflösungen gearbeitet wird. So haben kooperieren in Dänemark Orsted, der Flughafen Kopenhagen, die Fluglinie SAS und die Reederei Maersk in einem Projekt, dessen Produktion ab 2023 mit einer ersten Phase bis zum vollen Betrieb 2030 anlaufen soll: Clean Fuels for All, 15.6.2020.

FuelsEurope stellt auch eine interessante Änderung der Besteuerung zur Diskussion: Statt der Treibstoffmenge solle besser der Gehalt der enthaltenen Menge an Treibhausgasen besteuert werden. Liest sich für den Laien zunächst einmal sehr plausibel!?

Auch Biodiversität ist ein finanzielles Risiko

Die niederländische Zentralbank De Nederlandsche Bank (DNB) hat am 18.6.2020 eine Studie zu den finanziellen Auswirkungen von Verlusten an Biodiversität vorgelegt: Indebted to Nature. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 36% von € 1,4 Bio. finanzielle Vermögenspositionen des niederländischen Finanzsektors und damit ein Betrag von € 510 Mrd. durch Verluste an Biodiversität betroffen sein kann. Etwa € 28 Mrd. sind von der natürlichen Befruchtung von Pflanzen abhängig (N.B.: In manchen Regionen muss in der Landwirtschaft bereits ersatzweise künstlich befruchtet werden).

Hohe Ansprüche an nicht-finanzielle Informationen

Im Rahmen der Konsultationen für die Überarbeitung der EU Direktive zur nicht finanziellen Berichterstattung (Non-financial Reporting Directive, NFDR) haben die europäischen Finanzaufsichtsbehörden in einem gemeinsamen Schreiben Stellung genommen. Sie gehen davon aus, dass die aktuelle Direktive den deutlich gestiegenen Ansprüchen nicht mehr genügt. Bei einer Neufassung müssten verpflichtend Standards eingeführt werden, die „relevante, zuverlässige und vergleichte Informationen“ in der Berichterstattung sicherstellen: Gemeinsames Schreiben von EBA, EIOPA und ESMA vom 11.6.2020 (EN).

Nachhaltige Geldanlagen erneut stark gewachsen

Am 8.6.2020 veröffentlichte das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) seinen Marktbericht 2020. Insgesamt waren zum Jahresende 2019 269,3 Milliarden Euro in Anlageprodukte investiert, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien explizit in den Anlagebedingungen festschreiben. Das sind rund 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Berücksichtigt man außerdem die Kapitalanlagen, für die Nachhaltigkeitskriterien auf Unternehmensebene verankert sind, ergibt sich per Ende 2019 eine Gesamtsumme von rund 1,64 Billionen Euro für die verantwortlichen Investments in Deutschland.

2020-06-08 FNG

Die Privatanleger in Deutschland haben ihre Investments in Nachhaltige Geldanlagen in 2019 von 9,4 Milliarden Euro auf 18,3 Milliarden Euro gesteigert und tragen so wesentlich zum Gesamtwachstum Nachhaltiger Geldanlagen bei.

Neue Visakarte aus Kunststoffrecycling

Visa präsentierte die „Visa EarthwiseTM High-content Card“ die vom Hersteller CPI zu  98% mit Kunststoff aus Abfallrecycling hergestellt wird. Sie stellt damit einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft dar. Allerdings werden durch den Chip und Magnetstreifen immer noch wertvolle Rohstoffe benötigt. Dies ist bei den kartenlosen Zahlungsverfahren in Afrika und Asien durch Nutzung eines QR-Kode nicht der Fall.

2020-06-19 Visa_Upcycled_Karte

 

Alternative Materialien zu Rohölprodukten wurden bereits von anderen Herstellern eingeführt. So besteht die Kreditkarte der Triodos Bank aus Bioplastik, vornehmlich Mais. Dies reduziert nach Aussage der Bank den CO2-Ausstoß bei der Herstellung um 80%, allerdings steht die Herstellung des Materials in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.

 

2020-06-19 Triodos Karte

Bei elektronischen Zahlungsverfahren wie ApplePay kann auf eine Karte ganz verzichtet werden, wie dies in Deutschland auch von der Deutschen Bank bei der Markteinführung angeboten wurde. Eine neue Variante wird derzeit in Großbritannien entwickelt, bei der ein elektronisches Zahlungsverfahren auf eine bestehende flexible Kartenlösung aufbaut:

Samsung Pay Card

Am 24.6.2020 gaben Samsung UK und Curve die Kooperation zur Entwicklung der Samsung Pay Card in Zusammenarbeit mit Mastercard bekannt. Es soll sich um eine „digital first“ Lösung handeln. Damit ist wohl eine vorrangige digitale Begebung von Karten ohne physische Erstellung gemeint. Curve bietet dazu eine gute Grundlage, da in der Anwendung alle Kreditkarten hinterlegt werden können, um sie mit einer einzigen (Curve-)Karte zu nutzen.

Nachhaltigkeitsquatsch

Leider führen starke Trends wie Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft und insbesondere bei der Geldanlage auch zu weniger erfreulichen Entwicklungen. Dies ist m.E. bei der von der ESG Plus aus Österreich angeboten Plattform CLEANVEST. Einige Suchen mit verschiedenen (nicht registrierungspflichtigen) Einzelkriterien führten zu ziemlich befremdlichen Top-Empfehlungen.

Ein kurzer Test sagt mehr als hundert weitere Worte: CLEANVEST Suche

Seminar-/Veranstaltungstermine

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet seit März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Der Starttermin am 16.3.2020 und die Zusatztermine am 17. und 18.3.2020  sowie der Startternub an 23.6. waren bereits ausgebucht. Deshalb bietet die Academy am 28.7. und 29.9.2020 Termine für den Start weiterer Lehrgänge an. Der erste Lehrgangstag wird als Live-Webinar statt im Workshopformat duchgeführt. Eine voll digitale Variante ohne physische Teilnahme ist in Vorbereitung.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

Eine Beschreibung und einige Hintergründe zum  findet sich im Newsletter der Steyler Ethik Bank im Februar 2020: Nachhaltige Prozesse anstoßen.

In eigener Sache

Alle Angebote natürlich auch gerne im digitalen Rahmen als Webinar oder Videokonferenz!

Das BaFin Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken – was ist zu tun?

Das Merkblatt wurde am 20.12.2019 veröffentlicht. Es handelt sich zwar ausdrücklich nicht um eine (Regulierungs-)Vorschrift, sondern eine „Orientierungshilfe“, ist aber mit mit seinem sehr klaren Anspruch der Regulierungsbehörde versehen: „Die BaFin erwartet, dass die beaufsichtigten Unternehmen sich mit den entsprechenden Risiken auseinandersetzen.“

Während in den meisten größeren Finanzinstituten bereits mehr oder weniger viele Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit und (CSR-)Berichterstattung gesammelt wurden, ist dies bei kleineren/regionalen Instituten oft nicht der Fall. Allerdings gilt die große Mehrheit in Deutschland: Die Ansprüche der BaFin reichen weit über die vorhandenen Strukturen hinaus!

In einem ersten Workshop sollen deshalb zunächst die spezifischen Ansprüche und Bedarfe zusammengetragen werden. Dies ist im Regelfall schon innerhalb eines Tages zu bewältigen. Daraus lässt sich dann eine spezifische, detailliertere Arbeitsplanung zur Umsetzung des Merkblatts ableiten.

„In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland mehr als 600 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von annähernd € 200 Mrd. 104 Fonds tragen das im November 2019 vergebene „FNG-Siegel 2020“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 105 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtundachtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundachtzig

2020-05-12 Jahresbericht 2019

Titelbild/Bild: BaFin

Inhalt: BaFin – Jahrespressekonferenz; Deutsche Bank mit Ambitionen; Nachhaltigkeit im Marktabschwung; Die Klimastrategien der Ölkonzerne; Die Finanzwirtschaft in sozialen Medien; Revolut Junior – ein weiteres neues Jugendprodukt; Buchbesprechung Maja Göpel;  Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Kurzwebinar „Sustainable Finance im Überblick“; VÖB Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. Mai 2020 (ergänzt 20.5.2020 – Klimastrategien Ölkonzerne)

Dr. Ralf Breuer

BaFin – Jahrespressekonferenz

Am 12.5.2020 fand die Jahrespressekonferenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht statt. In der Rede fasste der Präsident der BaFin folgenden Befund: Die Krise verschärft die Probleme, die die Banken vorher schon hatten. Wenn sie vorbei ist, müssen sich die Institute umso dringender mit ihren Geschäftsmodellen beschäftigen. (Statement von Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt, für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bei der Jahrespressekonferenz 2020 der BaFin am 12. Mai 2020). Dazu gehört naturgemäß auch eine nachhaltigere Finanzwirtschaft.

Das Thema Nachhaltigkeit wurde im Zuge der Pressekonferenz nicht thematisiert, stark dagegen im gleichzeitig erschienenen Jahresbericht. Darin erteilt die BaFin Überlegungen für Kapitalerleichterung für nachhaltige Produkte (green support factor) eine klare Absage. Und es wird die Auffassung der BaFin noch einmal ausformuliert: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) begreift sie vor allem als Unternehmensrisiken. Für Nachhaltigkeit bei Produkten wird dagegen auf die Taxonomie der EU verwiesen (S. 33/34, BaFin Jahresbericht 2019)

Deutsche Bank mit Ambitionen

Im Vorfeld der (virtuellen) Hauptversammlung veröffentlichte die Deutsche Bank am 12.5.2020 u.a. das Redemanuskript des Vorstandsvorsitzenden Redemanuskript des Vorstandsvorsitzenden und eine ergänzenden Medieninformation: Die Deutsche Bank setzt sich ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele.

In der HV-Rede für den 20.5. ist das Thema Nachhaltigkeit prominent kurz vor dem Ende platziert.

„Damit kommen wir zum vierten Trend, der unsere Branche mehr und mehr bestimmt.
Im Moment mag die Pandemie das Thema Nachhaltigkeit überlagern – doch es wird
mit Macht zurückkommen. Die Sorge um den Klimawandel und das Bewusstsein, dass
wir entschieden und schnell handeln müssen, wird nicht kleiner, sondern größer
werden. Und damit die Forderung der Politiker und Regulatoren, dass wir Banken
entsprechend handeln.“

Die „ehrgeizigen Nachhaltigkeitsziele“ der Bank lauten im Originaltext der oben verlinkten Medieninformation:

  • Mindestens 200 Milliarden Euro an nachhaltigen Finanzierungen
    und Anlagen bis 2025
  • Voraussetzungen für erste eigene grüne Anleihe geschaffen
  • Stromverbrauch der Bank bis 2025 komplett aus erneuerbaren
    Energien

Das Ziel von € 200 Mrd. schließt ausdrücklich nicht ein Volumen von € 70 Mrd. ein, das aktuell von der Vermögensverwaltungsgesellschaft DWS als „ESG-Vermögen“ verwaltet. wird. Mit diesem Hinweis wird allerdings deutlich, das das Ziel einer sehr weite bzw. weiche Auffassung von Nachhaltigkeit folgt, bei der entsprechende Kriterien berücksichtigt, nicht aber auch durchgehend Wirkung verfolgt wird.

Bemerkenswert, das die Bank zwar die Bedeutung von Nachhaltigkeit für die Produktgestaltung erkannt hat, jedoch keinen einzigen Fonds der DWS zur Prüfung des FNG-Siegels für nachhaltige Geldanlagen gestellt hat. Damit befindet sie sich allerdings in Gesellschaft, da weder Deka Investments noch Union Investment Fonds für private Kunden für die Siegelprüfung beworben wurden. Bei letzterer waren nur sechs institutionelle Fonds unter den 104 Fonds mit dem FNG-Siegel 2020. Die „Uniinstitutional Fonds“ wurden zu 2/3 den drei möglichen Sternen ausgezeichnet: FNG Siegel 2020.

Allerdings stellt sich Frage, ob die Bank tatsächlich ihre Bemühungen um nachhaltige private Geldanlagen tatsächlich verstärken muss. Die nachstehend berichteten Marktentwicklungen, insbesondere bei „grünen Anleihen“ und Krediten mit Nachhaltigkeitsbezug lassen die Ambitionen der Bank in einem deutlich bescheidener erscheinen: Mit den in den der Medieninformation genannten € 3,5 Mrd. aus 22 Transaktionen aus grünen Anleihen, Sozialanleihen, Nachhaltigkeitsanleihen und an Nachhaltigkeitskriterien gebundenen Bonds seit Jahresbeginn notiert die Bank auf Platz 10 der internationalen Rangliste (Dealogics) – und dieser Markt hatte trotz Pandemie im ersten Quartal 2020 noch ein Volumen von USD 60 Mrd. Unter Hinzurechnung des Kreditmarktes im gleichen Zeitraums lag das Marktvolumen bei immerhin knapp USD 100 Mrd. in den ersten drei Monaten des Jahres (s.u.).

Selbst ohne drastisch erhöhte Wachstumserwartungen erscheinen deshalb € 200 Mrd. eher als Realisierung des Marktanteils im internationalen Anleihe- und Kreditgeschäft leicht erreichbar – auch ohne eine Produktoffensive bei privaten Kunden. Dort dürfte es sich eher um moderate Anpassungen handeln wie die Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien an  sich und die Umfirmierung von Produkten in diesem Sinne. Beispiele sind die Veränderungen bei Produkten wie ETFs, z.B. Xtrackers.

Und dennoch ist spannend, inwieweit die Erkenntnis des Vorstandsvorsitzenden im Redetext für die Hauptversammlung am 20.5.20 Leitlinie für das Handeln wird: Das Thema Nachhaltigkeit ist ein Megatrend, der durch Corona nicht nur nicht aufgehalten, sondern sogar noch beschleunigt wird“ (Manuskript S. 11).

Nachhaltigkeit im Marktabschwung

Börsenkurse und Fonds

Bereits die vorausgegangene Ausgabe enthielt einen Bericht über die Marktentwicklung von Finanzmärkten mit nachhaltigen Eigenschaften im weiteren Sinne. Z.B. HSBC, Morningstar, MSCI, Scope und Robeco haben zwischenzeitlich ebenfalls Analysen veröffentlicht, die „nachhaltigen“ Produkten geringere Kursverluste in den fallenden Märkten von Q1 bzw. Januar bis April bescheinigen.

Während bei überwiegend im Trend positiver Marktentwicklung keine negativen Auswirkungen von Nachhaltigkeit auf die Wertentwicklung festgestellt wurden, lautet der Befund für das negative Marktumfeld 2020 eindeutig „Verlustminderung“.

Laut der von „Scope“ am 5.5.2020 veröffentlichten Analyse haben sich (irgendwie) nachhaltig orientierte Aktienfonds besser als konventionell verwaltete Fonds entwickelt:

2020-05-05 Scope Fonds nachhaltig vs konventionell

Die Analyse von Scope lässt schließen, dass sich aktiv verwaltete Fonds im ersten Quartal 2020 spürbar besser (bzw. weniger schlecht) entwickelt haben als passive (ETFs).

2020-05-05 Scope Q1 aktiv vs passiv

Das weniger stimmige Bild für nordamerikanische Aktienfonds dürfte sich im zweiten Quartal 2020 auflösen, da die Pandemie erst Mitte März einsetzte.

Green Bonds

Eindeutig negativ wirkten sich die Märkte und die Pandemie auf die Begebung neuer „grüner Anleihen“ (Green Bonds) aus. Wegen einer im ersten Quartal deutlich unter den Erwartungen liegenden Emissionstätigkeit senkte Moody’s  die Prognose 2020 für das Neugeschäft von USD 400 Mrd. auf USD 325 Mrd. und damit auf den Wert des Vorjahres (USD 323 Mrd.). Im ersten Quartal 2020 wurden lediglich USD 59,9 Mrd. neue Anleihen mit Nachhaltigkeitsbezug begeben. Dieser Wert lag 14% unter dem Vorjahreszeitraum. Die Ratinggesellschaft führt dies auch auf die durch die Pandemie erhöhten Risikoprämien zurück.

Es scheint berechtigt, auch für das laufende zweite Quartal von Zurückhaltung auszugehen, da sich die Krise im April und in einigen Regionen auch danach noch weiter verschärfte. Allerdings erscheint die Bildung von Erwartungen unter den aktuellen Umfeldbedingungen schwierig. Die nachstehend beschriebene Entwicklung für Kredite lässt allerdings erwarten, dass Emissionsabsichten eher verschoben oder aber in den Kreditmarkt verlagert werden könnten.

Kredite mit Nachhaltigkeitsbezug

Kredite mit Nachhaltigkeitsbezug (Sustainability-linked loans) mit  $9.8 Mrd. Neugeschaft auch im April. Das Kreditgeschäft lag damit deutlich über dem Vorjahr. Die „Global Loan Market Associatio“ legte in der vergangenen Woche ein neues Rahmenwerk für diese Kredite vor: New guidelines.

 

Die Klimastrategien der Ölkonzerne

Nach Repsol, BP und Shell legte nunmehr auch Total eine Klimastrategie zur Reduzierung von Treibhausgasen vor. Und alle Strategien interpretieren das Thema unterschiedlich.

Die Abweichungen mögen auf den ersten Blick nicht groß und eher technisch erscheinen, wirken sich jedoch auf das Ergebnis aus „Net-Zero“ ist leider kein eindeutiges Resultat, weil u.a. die Kategorisierungen und Meßansätze abweichen.

Total legte am 5.5.20 folgenden Plan vor:

Weltweite Neutralität bei Scope 1 (eigen Emissionen) und 2 (Emissionen aus bezogener Energie) bis zum Jahr 2050

Europaweite Neutralität bei der Verwendung der Produkte (Scope 3) 2050, dies entspricht etwa 60% des globalen Wertes

Reduzierung der Emissionsintensität aller verbleibenden Produkte (CO2/Energiewert) um 60% bis 2050 mit Zwischenzielen von 15% (2030) und 35% (2040)

Alle vier Strategien sind für Scope 1 und 2 identisch, allerdings entsprechen diese nur etwa 10% der Emissionen. Der Schwerpunkt liegt – wie bei den meisten Unternehmen, aber eher mit Anteilen von 75% – bei den verursachten Emissionen in Scope 3, also der Verwendung der Produkte, auf die nur mittelbar Einfluss besteht.

BP: Reduzierung Scope 3 für selbst gefördertes Öl und Gas auf Null und Halbierung der Emissionsintensität der verbleibenden Produkte bis 2050

Repsol: Reduzierung Scope 3 für selbst gefördertes Öl und Gas auf Null bis 2050, keine Aussage zu den verbleibenden Produkten

Shell: Reduzierung der Emissionsintensität der verbleibenden Produkte um 65% bis 2050, Verkauf von Öl und Gas ausschließlich an Kunden mit einem Plan für Emissionsfreiheit oder Kompensation der Emissionen

Damit ist „net-zero“ keineswegs Emissionsfreiheit. Aktuell fehlen hierfür Standard. Die „Science Based Targets Initiative (SBTi), ein Zusammenschluß internationaler Umweltorganisationen, plant allerdings im Oktober Standards für glaubwürdige Klimastrategien mit Emissionsfreiheit (net-zero plans) vorzulegen. An diesen werden sich dann wahrscheinlich internationale Investoren orientierten und könnten auf eine Verstärkung der Bemühungen in der Realwirtschaft drängen.

Ergänzung 20.5.2020:

Die (heterogenen) Ankündigungen der europäischen Öl- und Gaskonzerne blieben nicht ohne Kritik: Die Investorengruppe Transition Pathway Initiative , mit rund USD 19 Bio. verwalteten Mitteln hält die Strategien im Sinne des Klimaschutzabkommens von Paris nicht für hinreichend, da die resultierenden Anpassungspfade immer noch deutlich über einem Erwärmungsziel von 2° liegen würden:

2020-05-20 TPI Grafik CO2 Strategien

Quelle: Transisition Pathway Initiative 12.5.2020

Die Bank Sarasin und Partner unterstützt die Initiativen von Royal Dutch Shell und Total, die bei einem entsprechenden Beschluß in die Unternehmenssatzungen eingehen würden. Ohne konkrete Umsetzung, z.B. durch eine veränderte Kapitalallokation, blieben sie aber „leere Versprechen“ (EN): Sarasin & Partners – Statement of support for Paris-alignment Shareholder Resolutions at Shell and Total SA.

N.B.: Nach der Hauptversammlung am 7.5.2020 hat auch die britische Barclays Bank das Klimaschutzabkommen in seiner Satzung als Handlungsgrundlage verankert: Barclays AGM Statements 7.5.2020.

Revolut Junior – ein weiteres neues Jugendprodukt

Nach gefühlten 50 Jahren mit Knax, Sumsi & Co. in nahezu unveränderten Formaten erscheint die Vernachlässigung junger (Nachwuchs-) Kunden zu einem Ende zu kommen. Nach dem niederländischen FinTech Peaks (vgl. Nummer Siebenundachtzig) startete nun der britische Anbieter Revolut sein Angebot Revolut Junior.

Kunden der Produkte Premium (€ 7,99 p.m.) und Metal (€ 13,99 p.m.) können nun ohne Mehrkosten 2 bzw. 5 Unterkonten für ihre Kinder zwischen 7 und 17 Jahren einrichten. In der Außendarstellung bleiben die Eltern rechtlich voll verantwortlich, auch werden die Karten (Mastercard Direct Debit) nicht auf den Namen der „Junioren“ ausgestellt. Über die Unterkonten sind allein Kartenzahlungen und Geldabhebungen in begrenzter Anzahl und keine Überweisungen möglich. Die Eltern als Kontoinhaber können Betragsgrenzen unterhalb der von Revolut vorgesehenen Höchstgrenzen per App steuern.

Ebenso wie die Revolut Konten selbst werden die Junior-Unterkonten strikt auf Guthabenbasis geführt. Negative Salden können allein durch fällige Gebühren für Revolut entstehen. Die Eltern können ebenso wie die Junioren alle Transaktionen einsehen.

Für die Zukunft sind weitere Funktionen geplant, die laut Revolut einen Beitrag zur „Finanzbildung“ oder Besser „Umgang mit Geld“ beitragen sollen. Inhaltliche Mehrwerte im Sinne von über die Verfolgung der getätigten Transaktionen hinausgehenden Informationen werden nicht avisiert. Im Originaltext heißt es über zukünftige Ausbaustufen: „Unterstützung für wiederkehrende Zuwendungen, Verdienstaufgaben, Sparen für Ziele und mehr.“ Insbesondere das (Ziel-)Sparen wäre eine wichtige Basisfunktion.

Französische Angebot enthalten meistens auch die Funktionen „Teilen“ (von gemeinsamen Ausgaben) und „Sammeln“ (für gemeinsame Geschenke) mit Freunden.

Die Finanzwirtschaft in sozialen Medien

Die Kollegen von Payment & Banking haben dem Auftritt der deutschen Banken in sozialen Medien einen der wenigen raren Artikel gewidmet: Bjoern Schneider: Die Banken und das Social Web, 12.5.2020. „Kundennähe, Markenaufmerksamkeit und ein Dialog mit der Zielgruppe lassen sich für Unternehmen über die sozialen Medien oft sehr schnell und mit wenig Aufwand erreichen“ lautet das Credo im Eingangssatz und weist zutreffend auf die besonderen Herausforderungen für Finanzdienstleister hin. Allerdingshätte dem Artikel ein etwas tieferer Blick in die Realität der aktuellen Auftritte deutscher Finanzdienstleister sehr gut getan.

Das in der im Artikel dargestellte Bild oben spiegelt tatsächlich zutreffend einen Teil der Realität bei Facebook und Twitter wider: Die beiden Top-Kanäle gehören tatsächlich zu den besseren, auf die deutlich mehr Mühe bzw. Arbeitszeit verwendet wurde als  dies bei nachfolgenden Plätzen der Fall war. ING pflegt die Inhalte ganz gut und konzentriert sich weitgehend auf volkswirtschaftliche Analysen und größere Finanzthemen ohne mit Werbebotschaften zu langweilen. Bei comdirect handelt(e) es sich sogar um einen Kanal mit Antwortwahrscheinlichkeit, was bei kaum einem anderen „Auftritt“ der Finanzbranche der Fall ist. Allerdings wird der Auftritt seit Bekanntwerden der Integration in die Commerzbank deutlich weniger gepflegt.

Der Autor hat seiner Feststellung am Schluss auf jeden Fall Recht: „Mittel- und langfristig im Vorteil sind all jene Institute, die sich einem permanenten Dialog öffnen, ohne dabei das eigene geschäftliche Interesse komplett zu verleugnen oder kleinlaut auszublenden.“ Die Frage stellt sich aber, ob dies in der Branche überhaupt angenommen wird. Antwort in Ausnahmefällen ja.

Die Realität

ING belegt bei den aufgeführten Namen den ersten Rang mit Berechtigung in Hinblick darauf, dass die Bank die sozialen Medien nicht wie viele Wettbewerber als günstigen Werbekanal misversteht. Aber: Mit 9 Mio. Kunden, 10.000 Followern und 94.000 Menschen bei Facebook, denen es mal gefallen hat, also 0,1 bzw. 1% etwa. Reichweite sieht wohl anders aus. Trotz der „digitalen Marktführerschaft“.

Anders sieht dies insbesondere bei den ‚Umweltbanken‘ GLS Bank und Triodos Deutschland aus: Beide Banken führen ihre Kanäle sehr eng und betreiben auch einen hohen redaktionellen Aufwand für die Bereitstellung von Inhalten. Im Ergebnis: GLS Bank hat bei 242.000 Kunden 18.500 Follower bei Twitter und 32.000 Likes bei Facebook. Triodos erreicht bei 27.000 privaten Kunden Werte von 3.100 bzw. 12.400 (Stand Mai 2020).

Die meisten Kanäle sind leiden unter mangelnder Betreung und sind dabei ideen- sowie konzeptionslos. Manches lokale Institut macht dagegen eine sehr gute, thematisch fokussierte Arbeit. Mit mehr ‚Freunden‘ und ‚Verfolgern als große, bundesweite Bankenwurden regelrechte Ecosysteme geschaffen.

Vergleicht man zusätzlich stichprobenweise einmal Mitarbeiterzahlen mit Followern und Freunden, hat bei vielen Banken schon die Mehrzahl der eigenen Mitarbeiter kein Interesse und damit auch keinerlei Bindung zu ihrem Arbeitgeber in sozialen Medien.

Buchbesprechung

Maja Göpel: „Unsere Welt neu denken“

Im „Literaturkurier“ der Buchhandlung Kayser in Rheinbach und Wesseling besprach ich kurz das Buch von Maja Göpel. Bermerkenswert, wie unpolitisch in der Sache und unprofessoral in der Sprache die Autorin wichtige ökonomische und gesellschaftspolitische Fragen erörtert und damit einen etwas anderen Blick auf Nachhaltigkeit vermittelt. Vor allem das „warum“ steht im Mittelpunkt. Und da entfallen viele Diskussionen, die immer wieder um die Fragen nach „wie“ aufkommen.

Eine ausführlichere Würdigung des Buches ist im Kundenmagazin der Triodos Bank Deutschland. Die Veröffentlichung erfolgte im Onlinemagazin „Die Farbe des Geldes“, das auch die Liste der deutschsprachigen sozialen Medien zu Nachhaltigkeit nachhaltige100 führt: Ein Appell an das gesunde „Bauchgefühl“.

Seminar-/Veranstaltungstermine

Kurzwebinar: Sustainable Finance im Überblick (kostenfrei), 25.5.2020, 13-14h

Begleitend zum unten beschriebenen Zertifikatslehrgang der Academy of Finance der VöB-Service GmbH „Sustainable Finance“ ist keineswegs eine politische Antwort auf ökologische Strömungen oder gar FridaysForFuture, sondern grundlegende geschäftspolitische Logik in Zeiten von Klimawandel und massiven strukturellen Veränderungen. Im Webinar wird ein Überblick vermittelt, was Nachhaltigkeit und insbesondere auch nachhaltige(re) Finanzinstrumente beinhalten. Der Denkrahmen der BaFin und der internationalen Finanzinvestoren ist klar vorgezeichnet: Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Problemfeldern und das Klimaschutzabkommen von Paris 2015 sind auch die Grundlagen für die deutschen Nachhaltigkeitsstrategien und den Aktionsplan „Sustainable Finance“ der Europäischen Kommission.

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet seit März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Der Starttermin am 16.3.2020 und die Zusatztermine am 17. und 18.3.2020  waren bereits ausgebucht. Deshalb bietet die Academy am 23.6. und 28.7.2020 Termine für den Start weiterer Lehrgänge an. Der erste Lehrgangstag wird als Live-Webinar statt im Workshopformat duchgeführt. Der Start am 23.6. ist bereits definitiv bestätigt. Eine voll digitale Variante ohne physische Teilnahme ist in Vorbereitung.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

Eine Beschreibung und einige Hintergründe zum  findet sich im Newsletter der Steyler Ethik Bank im Februar 2020: Nachhaltige Prozesse anstoßen.

In eigener Sache

Alle Angebote natürlich auch gerne im digitalen Rahmen als Webinar oder Videokonferenz!

Das BaFin Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken – was ist zu tun?

Das Merkblatt wurde am 20.12.2019 veröffentlicht. Es handelt sich zwar ausdrücklich nicht um eine (Regulierungs-)Vorschrift, sondern eine „Orientierungshilfe“, ist aber mit mit seinem sehr klaren Anspruch der Regulierungsbehörde versehen: „Die BaFin erwartet, dass die beaufsichtigten Unternehmen sich mit den entsprechenden Risiken auseinandersetzen.“

Während in den meisten größeren Finanzinstituten bereits mehr oder weniger viele Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit und (CSR-)Berichterstattung gesammelt wurden, ist dies bei kleineren/regionalen Instituten oft nicht der Fall. Allerdings gilt die große Mehrheit in Deutschland: Die Ansprüche der BaFin reichen weit über die vorhandenen Strukturen hinaus!

In einem ersten Workshop sollen deshalb zunächst die spezifischen Ansprüche und Bedarfe zusammengetragen werden. Dies ist im Regelfall schon innerhalb eines Tages zu bewältigen. Daraus lässt sich dann eine spezifische, detailliertere Arbeitsplanung zur Umsetzung des Merkblatts ableiten.

„In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland mehr als 600 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von annähernd € 200 Mrd. 104 Fonds tragen das im November 2019 vergebene „FNG-Siegel 2020“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 105 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Siebenundachtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundachtzig

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Titelbild/Bild: Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Inhalt: Trotz Pandemie: Der Klimaschutz ist nicht vergessen; Nachhaltigkeitsratings: Weitere Konsolidierung; Nachhaltigkeit stabilisiert Börsenkurse; Peaks – ein jugendliches FinTech mit Geburtsfehler; Buchbesprechung Maja Göpel: „Unsere Welt neu denken“  Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Kurzwebinar „Sustainable Finance im Überblick“; VÖB Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

5. Mai 2020 (aktualisiert 15.5.20: Buchbesprechung Langversion)

Dr. Ralf Breuer

Trotz Pandemie: Der Klimaschutz ist nicht vergessen

Prominente Fürsprache

Seit Beginn der Pandemie wurde in sozialen Medien immer wieder die Frage gestellt, ob die Bekämpfung ihrer Folgen die Bemühungen um Nachhaltigkeit im allgemeinen und insbesondere den Klimaschutz eher behindert oder befördert. In der letzten Zeit kristalliert sich eher letzteres heraus. Sogar aus weniger „einschlägigen“ Quellen wie dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird gemahnt, der Bekämpfung des Klimawandels keine geringere Priorität beizumessen.

Auch die Chefin des internationalen Währungsfonds sprach sich für „grüne“ fiskalische Maßnahmen nach der Pandemie aus, um die Zukunft widerstandsfähiger zu gestalten.

Am 27.4.2020 haben 68 namhafte deutsche Unternehmen an die Bundesregierung appelliert, ihre Bemühungen um den Klimaschutz nicht zu vermindern.

Und auch von Seiten der Landwirtschaft gab es eine Mahnung.

„Grüner Wiederaufbau“ – wie?

Neben dem „Green Deal“ der Europäischen Union (vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundachtzig und Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Zum (un-)guten Schluss mit weiterführenden Links) ist vor allem ein Blick auf die deutschen Emissionsquellen von Treibhausgasen bzw. die jeweiligen Einsparziele informativ:

UBA 2019_thg-gesamt

Gemäß Umweltbundesamt liegen die Einsparungsziele für die stark vom Privatsektor beeinflussten Bereiche „Verkehr“ und „Gebäude“ absolut in etwa auf dem Wert der Energiewirtschaft. Eine Senkung des Ausstoßes über Gebäude kann nur mit massiven Investitionen in die Energieeffizienz erreicht werden. Hierzu gehört auch die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude, die bisher im Bundeshaushalt nicht vorgesehen war (vgl. z.B. welt.de vom 21.3.2019). Stattdessen fielen aber Strafzahlungen an die EU in dreistelliger Millionenhöhe an, da Deutschland die vereinbarten Klimaziele verfehlte.

In Deutschland liegt der Anteil der Gebäude am Gesamtausstoß aktuell zwar lediglich bei 15%, was aber dem hohen Industrieanteil geschuldet ist. In manchen Nachbarländern mit geringerer Industrieansiedlung, beispielsweise in der Schweiz beträgt der Gebäudeanteil dagegen um die 24%. Zudem haben energetische Sanierungen einen Doppeleffekt, da sie neben dem Ausstoß auch den Ressourcenverbrauch senken können. Indirekt können z.B. durch einen höheren Anteil von Holzbau auch Emissionen in anderen Bereichen wie der Zementindustrie vermindert werden.

Insgesamt gilt wohl die vom Deutschen Nachhaltigkeitskodex im Beitragsbild formulierte Analyse: Viele Maßnahmen, aber wenig Strategie.

Ein Beispiel für die Verbindung staatlicher Hilfen mit nachhaltigen Zielen ist aktuell die Bereitstellung von staatlichen Mitteln in Frankreich für die Fluggesellschaft Air France KLM: Neben einer Garantie von bis zu 90% für einen syndizierten Bankenkredit in Höhe von € 4 Mrd. erhält das Unternehmen ein nachrangiges Darlehen des französischen Staats als Anteilseigner.

Der französische Finanzminister Bruno Le Maire machte einige begleitende Vereinbarung über Maßnahmen zum Klimaschutz öffentlich: Reduzierung der Emissionen bei Inlandsflügen um 50% bis zum Jahr 2024, Flottenmodernisierung, Anteil erneuerbarer Treibstoffe von 2% bis 2025. Gemäß Medienberichten plant Frankreich, keine Inlandsflüge dann anzubieten, wenn die Verbindungen im Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn unter 2,5 Stunden liegen.

Nachhaltigkeitsratings: Weitere Konsolidierung

Morningstar gab am 21.4.2020 bekannt, dass der Anteil an dem globalen Anbieter von Nachhaltigkeitsratings/-gutachten Sustainalytics von 60% auf 100% erhöht wurde: Morningstar to Acquire Sustainalytics and Expand Access to ESG Research, Data, and Analytics for Investors Worldwide. Dies ist ein weiterer Schritt bei der  erwarteten Konsolidierung des aktuell noch fragmentierten Marktes für die Nachhaltigkeitsanalyse. Nachhaltigkeitskriterien werden auch für die „klassischen“ Ratings immer bedeutender. Laut Moody’s ist dies bereits der Fälle bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit der Fall (vgl Research Announcement: Moody’s – ESG risks material in 33% of Moody’s 2019 private-sector issuer rating actions, 14 April 2020).

Nachhaltigkeit stabilisiert Börsenkurse

Das erste Quartal 2020 bot erstmals Aufschluss über mögliche Zusammenhänge zwischen der Nachhaltigkeit von Unternehmen und Börsenkurse ihrer Emissionen unter Krisenbedingungen. In der abgelaufenen Dekade war der steigende Grad an Verantwortungsbewusstsein bei Unternehmen und Investoren dagegen stets von steigenden Kursen begleitet. Axa Investment Managers untersuchte den Zusammenhang von Aktien- und Anleihekursen in Abhängigkeit von der Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen (ESG-Scores) und stellte für die Aktienkursentwicklung deutliche Abweichungen fest:

2020-05-01 Axa-IM ESG Q1 2020

Quelle: Axa Investment Managers

Dabei wurden die jeweils besten und schlechtesten Bewertungen in Körben verglichen. Für den März 2020 und damit den vorläufigen Höhepunkt der Pandemie ergaben sich sehr deutliche Unterschiede. Diese waren etwas schwächer ausgeprägt auch bei den Unternehmensanleihen der beiden Vergleichsgruppen festzustellen:

2020-05-01 Axa-IM ESG Bonds Q1 2020

Quelle: Axa Investment Managers

 

Peaks – ein jugendliches FinTech mit Geburtsfehler

Allgemeine Geschäftsbedingungen September 2019

Quelle: peaks.com

Eigentlich ein schönes Motto des niederländischen Anbieters von Geldanlagen per App. Ein jugendlich frischer Internetnetauftritt und nach Aussage von Testern eine gut gemachte App. Peaks verbindet zudem auch „Kundenerlebnis“ mit Finanzbildung und einigen dezenten Anflügen von Infotainment. Und zusätzlich wird auch das Thema Nachhaltigkeit stark betont. Eigentlich ideale Bausteine für den Jugendmarkt für Finanzdienstleistungen, der in Deutschland so arg vernachlässigt erscheint (vgl. z.B. Modern Banking – BankingForFuture? hier im Blog oder Kinder ohne Macht – warum vergessen wir diese wichtige Zielgruppe, wenn es um Finanzen geht? von Kilian Thalhammer und Knax-Club 2.0 – Wie unsere Kinder mit Geld umgehen? im Blog von Payment & Banking. Der zweite Beitrag der Kollegen vom Juni 2018 stellt die entscheidende Frage in den Raum:

Die Kinder von heute sind die Kunden von morgen. Macht es da nicht Sinn, passende Lösungen anzubieten?

Es macht sicherlich Sinn nach den gefühlten 45 Jahren Stillstand im Jugendmarketing der großen Finanzgruppen mit Knax, Sumsi & Co. Und auf jeden Fall wirkt Peaks auch hervorragend konzipiert, was für andere Ansätze nicht unbedingt festgestellt werden kann, z.B. für die in der Marktvorbereitung befindliche „Neobank“ pockid. Deren Gründer Jes Hennig konnte den Autor im Podcast #258 von Payment & Banking kaum überzeugen.

Bei Peaks ist die Überzeugung auf den ersten Blick deutlich größer: Flotter zielorientierter Auftritt, eine gut gemachte und mit viel Transparenz ausgestattetes Onlineongebot und schließlich kostengünstige Anlagen in ein Portfolio von ETFs ohne Mindestanlage. Zudem haben alle eingesetzten ETFs zumindest einen verantwortungsbewußten (SRI) bzw. nachhaltig(er)en (ESG) ‚Anstrich‘ (zur Einschätzung der Beitrag im Blog der Triodos Bank Deutschland. Allerdings bleibt unklar, wieso die Portfolien eine global ausgerichtete Aktienanlage mit geringem Euroanteil mit Anleihen kombiniert, die strikt in renditearme Euroanleihen der besten Bonitätsklassen investiert (siehe Peaks – Investieren).

Völlig unpassend zur Zielgruppenansprache erscheint dagegen die Preisgestaltung: Pauschalgebühren von € 1 pro Monat bei Anlagebeträgen unter € 2.500 (die ersten drei Monate kostenlos, 0,5% darüber in monatlichen Zahlungen, Peaks – Kosten) begrenzen leider deutlich das Wachstum von Kleingeld, das vielleicht auf eine Sparstrategie und erste Erfahrungen mit einem automatisierten und edukativen Elementen ausgestatteten Anlageangebot wartet (P.S.: ‚Roboadvice‘ wäre etwas sehr hochtrabend).

Buchbesprechung

Maja Göpel: „Unsere Welt neu denken“

Im „Literaturkurier“ der Buchhandlung Kayser in Rheinbach und Wesseling besprach ich kurz das Buch von Maja Göpel. Bermerkenswert, wie unpolitisch in der Sache und unprofessoral in der Sprache die Autorin wichtige ökonomische und gesellschaftspolitische Fragen erörtert und damit einen etwas anderen Blick auf Nachhaltigkeit vermittelt. Vor allem das „warum“ steht im Mittelpunkt. Und da entfallen viele Diskussionen, die immer wieder um die Fragen nach „wie“ aufkommen.

Eine ausführlichere Würdigung des Buches ist im Kundenmagazin der Triodos Bank Deutschland. Die Veröffentlichung erfolgte im Onlinemagazin „Die Farbe des Geldes“, das auch die Liste der deutschsprachigen sozialen Medien zu Nachhaltigkeit nachhaltige100 führt: Ein Appell an das gesunde „Bauchgefühl“.

Seminar-/Veranstaltungstermine

Kurzwebinar: Sustainable Finance im Überblick (kostenfrei), 25.5.2020, 13-14h

Begleitend zum unten beschriebenen Zertifikatslehrgang der Academy of Finance der VöB-Service GmbH „Sustainable Finance“ ist keineswegs eine politische Antwort auf ökologische Strömungen oder gar FridaysForFuture, sondern grundlegende geschäftspolitische Logik in Zeiten von Klimawandel und massiven strukturellen Veränderungen. Im Webinar wird ein Überblick vermittelt, was Nachhaltigkeit und insbesondere auch nachhaltige(re) Finanzinstrumente beinhalten. Der Denkrahmen der BaFin und der internationalen Finanzinvestoren ist klar vorgezeichnet: Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Problemfeldern und das Klimaschutzabkommen von Paris 2015 sind auch die Grundlagen für die deutschen Nachhaltigkeitsstrategien und den Aktionsplan „Sustainable Finance“ der Europäischen Kommission.

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet seit März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Der Starttermin am 16.3.2020 und die Zusatztermine am 17. und 18.3.2020  waren bereits ausgebucht. Deshalb bietet die Academy am 23.6. und 28.7.2020 Präsenzworkshops für den Start weiterer Lehrgänge an. Eine digitale Variante ohne physische Teilnahme ist in Vorbereitung.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

Eine Beschreibung und einige Hintergründe zum  findet sich im Newsletter der Steyler Ethik Bank im Februar 2020: Nachhaltige Prozesse anstoßen

In eigener Sache

Alle Angebote natürlich auch gerne im digitalen Rahmen als Webinar oder Videokonferenz!

Neu: Das BaFin Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken – was ist zu tun?

Das Merkblatt wurde am 20.12.2019 veröffentlicht. Es handelt sich zwar ausdrücklich nicht um eine (Regulierungs-)Vorschrift, sondern eine „Orientierungshilfe“, ist aber mit mit seinem sehr klaren Anspruch der Regulierungsbehörde versehen: „Die BaFin erwartet, dass die beaufsichtigten Unternehmen sich mit den entsprechenden Risiken auseinandersetzen.“

Während in den meisten größeren Finanzinstituten bereits mehr oder weniger viele Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit und (CSR-)Berichterstattung gesammelt wurden, ist dies bei kleineren/regionalen Instituten oft nicht der Fall. Allerdings gilt die große Mehrheit in Deutschland: Die Ansprüche der BaFin reichen weit über die vorhandenen Strukturen hinaus!

In einem ersten Workshop sollen deshalb zunächst die spezifischen Ansprüche und Bedarfe zusammengetragen werden. Dies ist im Regelfall schon innerhalb eines Tages zu bewältigen. Daraus lässt sich dann eine spezifische, detailliertere Arbeitsplanung zur Umsetzung des Merkblatts ableiten.

„In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland mehr als 600 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von annähernd € 200 Mrd. 104 Fonds tragen das im November 2019 vergebene „FNG-Siegel 2020“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 105 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundachtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechzig

Inhalt:  24. Weltklimagipfel: „Nur eine Existenzfrage“; Frankreich: Drei Tage Klimafinanzierung; Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft; Ohne Nachhaltigkeit ist es Selbstmord; FNG-Siegel mit starkem Wachstum; Irgendwas Digitales ist noch keine Digitalisierung Apropos: Digitaler Kanal und Kommunikation; In eigener Sache: #nachhaltige100: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

3. Dezember 2018, ergänzt 4.12.2018 (Pressemitteilung Climate Action Network Europe, Zitat Richard David Precht, Bericht Finanz-Szene.de)

Dr. Ralf Breuer

24. Weltklimagipfel: „Nur eine Existenzfrage“

Heute beginnt in Katowice, Polen, der 24. Weltklimagipfel „COP24“. Das Programm und die Randveranstaltungen füllen viele Internetseiten. Hier die offizielle Seite der Vereinten Nationen, United Nations Climate Change. Das Beitragsbild bzw. die nachfolgende Grafik wollen einen Überblick über die Veranstaltung vermitteln.

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Beitragsbild/Grafik: www.klimafakten.de

Der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat gleich zur Eröffnung des deutschen Pavillons deutlich gemacht, um was es bei der Bekämpfung des Klimawandels geht: Dem Überleben der Menschheit.

Ein Jahr nach COP23 in Bonn wurden bei der Bekämpfung des Klimawandels kaum Fortschritte erzielt. Allerdings haben der heiße Sommer und auch die Berichterstattung um den Hambacher Forst das Bewusstsein in der breiten Bevölkerung deutlich verändert. Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen haben noch einmal deutlich gezeigt, dass das Wählerinteresse an Nachhaltigkeit deutlich ausgeprägter ist als dies im Wahlkampf von den großen Parteien zum Ausdruck gebracht worden ist.

Dies wurde besonders in der Berichterstattung zur Wahl in Bayern deutlich, zu der die Nummer Dreiundfünfzig folgende Übersicht enthielt:

Quelle: Twitter/Jörg Schönenborn, WDR, Daten: infratest Dimap

Während die Politik nachhaltige personelle Querelen bot, war das Interesse an nachhaltigen Themen wir Bildung, Wohnen und Klimaschutz deutlich stärker ausgeprägt als an der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Dies war ebenfalls in Schweden der Fall, das bekanntlich von der Sommerhitze und großen Waldbränden besonders betroffen war (vgl. Nummer Sechsundvierzig).

Gleich zu Beginn des Gipfels am 3.12. sorgten einige Länder für positive Schlagzeilen und setzen Ausrufungszeichen: Der niederländische Ministerpräsident kündigte für sein Land ein ambitionierteres Klimaziel mit 55% CO2-Reduktion per 2030 an. Finnland, Luxemburg, Österreich und Spanien betonten die Notwendigkeit größerer Anstrengungen in ihren Ländern und der gesamten EU, sie erneuerten ihre Unterstützung einer CO2-Neutralität per 2050. (Pressemitteilung Climate Action Network Europe vom 3.12.2018

 

Frankreich: Drei Tage Klimafinanzierung

Vom 26. bis 28. November fand in Paris „der“ Climate Finance Day (#CFD2018) statt. Trotz der Ausdehnung der Veranstaltung von einem auf drei Tage wurde der Name beibehalten. Die Anzahl der Teilnehmer stieg gegenüber dem Vorjahr um 50% auf 1.500. Insgesamt sprachen 100 Personen, darunter auch die Spitzen der großen französischen Finanzakteure. Der französische Staatspräsident und der Minister für Wirtschaft und Finanzen hatten die Schirmherrschaft übernommen. Zum Ende der Veranstaltung wieder holte der Minister praktisch die Aussagen des Präsidenten der EU-Kommission am 28.3.2018 in Brüssel: All finance has to be sustainable!. Nummer Zweiunddreissig bzw. Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung.

In den sozialen Medien wurde das Motto der Veranstaltung als Schlagwort benutzt: #GetUpScaleUp. Die Veranstaltung war geradezu gespickt mit Bekenntnissen zu Nachhaltigkeit und nachhaltiger Finanzwirtschaft. Mehr Informationen über die Seite https://financefortomorrow.com/.

Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft

Gleich zu Beginn der Veranstaltung lancierten 28 Banken unter dem Dach der UNEP Finance Initiative einen Entwurf für die „Principles of Responsible Banking“, die bis zum 29.5.2018 offen für Konsultationen sind. Während sich große Finanzgruppen aus Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien engagiert haben, sucht man deutsche Unterzeichner vergeblich. Allerdings sind Consorsbank, ING Deutschland und Triodos Bank Deutschland über ihre Muttergesellschaften einbezogen. Weitere Informationen und weiterführende Links (EN): hier.

Quelle: http://www.unepfi.org/banking/bankingprinciples/

Vom Grundsatz geht es vor allem um eine Harmonisierung der Geschäftspolitik mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, den SDGs und die externe Transparenz. Und in diesem Fall sind Träger der Initiative nicht die Banken, die sich schon für ein wertegetriebenes Bankgeschäft engagiert haben, sondern eben auch globale Geschäftsbanken.

Ohne Nachhaltigkeit ist es Selbstmord

Starke Worte wählte Adrie Heinsbroek, Principal Responsible Investment bei NN Investment Partners, der Vermögensverwaltungsgesellschaft der niederländischen NN Group:

Kaum noch etwas hinzuzufügen, vielleicht noch die positive Formulierung: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0.

 

FNG-Siegel mit starkem Wachstum

Die Anzahl der Fonds, die sich 2018 um das FNG-Siegel beworben haben, lag mit 66 um 40% über dem Vorjahreswert. 65 Fonds wurden ausgezeichnet, davon 25 mit drei und 28 mit zwei Sternen, 11 Fonds erhielten nur einen Stern, ein Fonds keinen, aber das Siegel. Gegenüber der Gesamtzahl von Fonds mit „nachhaltig“ im Etikett bleibt die Anzahl der Bewerbungen allerdings klein: Je nach Datenquelle werden 643 (Scope) bzw. 450 (SBI) genannt.

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Foto: Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH

Auffällig bleibt, dass unter den Fonds die Produktangebote für private Kunden der größten deutschen Fondsgesellschaften völlig fehlen: Deka Investment und DWS Deutschland haben sich gar nicht beworben, Union Investment nur mit Fonds für institutionelle Kunden: FNG-Siegel 2018Präsentation Vergabefeier 29.11.2018

Irgendwas Digitales ist noch keine Digitalisierung

In der Nummer Nummer Neunundfünfzig war ein Teil dem Thema Digitalisierung gewidmet, die kein Selbstzweck ist, sondern sich auch über die SDGs definieren lässt. Einen Tag später erschien ein Beitrag des bekannten britischen Autors, Beraters und Redners Chris Skinner, der diesen Aspekt noch einmal betont:

Er stellt sehr pointiert fest, dass die Banken zwar alle etwas Digitales machen, das Ziel einer digitalen Transformation aber weit verfehlen:

But it is the case that when I take the pulse of the majority of banks doing digital, they are doing stuff that is digitally-related but it is often missing the mark. They are doing apps and redeveloping services, but they’re not really committed to transformation or to really reinvent the bank for the 21st century to compete with Amazon and Alibaba.

Chris Skinner; Are you really ‚Doing digital‘??

Auch der Autor und Philosoph sieht Digitalisierung zu allererst als Mittel zum (nachhaltigen) Zweck:

Apropos: Digitaler Kanal und Kommunikation

Passend zu den Aussagen oben sind auch die Eindrücke über viele „Auftritte“ in sozialen Medien. Viele Betreiber von Kanälen bei Facebook, Twitter etc. verstehen ihre Konten als weiteren Kanal von Einwegbotschaften. Auf Fragen, Kommentare etc. wird kaum oder gar nicht reagiert. Das ist aber für Menschen, die dort unterwegs sind ein klares Signal zum Abschalten.

Die wenigen erfolgreichen und interessanten Auftritte in sozialen Medien zeichnen sich durch ein inhaltliches Konzept und ganz besonders auch durch „Zulesen“ aus, was allerdings eine qualifizierte und vor allem auch ressourcenfordernde Betreuung voraus setzt. Beides ist in Finanzwirtschaft und auch in der Politik eher die Ausnahme.

Dabei lassen sich die guten Kanäle leicht anhand von „gefällt mir“, Abonnenten oder Followern erkennen. Wer das einmal selbst versucht hat, ist erschrocken wie unbeliebt manche Betreiber sind. Die Gründe hierfür sind praktisch immer in Konzeptionslosigkeit und eine wenig qualifizierte bzw. intensive Betreuung zu erkennen.

Ein Beispiel für ein erfolgreicheres Konzept bieten „AINO“ bzw. „Heute in Hamburg“, eine App für „Events, Locations & Wissenswertes in Hamburg“. Betreiber ist eine Tochtergesellschaft der Hamburger Sparkasse Haspa, die Haspa Next GmbH.

Damit soll bei einer jungen lokalen Zielgruppe das erreicht werden, was als „Relevanz“ von morgen gesucht wird (Nummer Achtundfünfzig). Und zwar gerade nicht als schriller Werbe- und Verkündigungskanal, sondern Informations- und Kommunikationsangebot. Damit wird die Zahl der interessierten Nutzer und „gefällt mir“ bei den meisten bundesweiten Finanzdienstleistern deutlich übertroffen.

Finanz-Szene.de: Stefan Effenberg zur Volksbank

Der Bericht von Heinz-Roger Dohms in dem auflagenstarken Branchendienst Finanz-Szene.de vom 4.12.2018 fand für nationales Medieninteresse: Exklusiv: Stefan Effenberg startet zweite Karriere – und wird Banker. Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden will damit ihre Fussball-Expertise weiter verstärken. In einem Land voller Fussballexperten völlig naheliegend, die Kenntnisse der 229-X Mitarbeiter/-innen für Geschäfte im internationalen Fussball zu nutzen. Hierüber war am 21.11.2018 ebenfalls in Finanz-Szene.de schon berichtet worden: Exklusiv: Das endcoole Kreditbuch einer kleinen thüringischen Volksbank, u.a. mit Atletico Madrid und dem 1. FC Köln als Kunden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® gegenüber dem Vormonat Oktober 2018 von Rang 91 auf 84 geklettert.  Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97) und im Oktober auf 91 platziert.

Die Akteure der Übersicht waren zu einem Treffen auf dem Heldenmarkt am 17.11.2018 in Berlin eingeladen. Spannend, einmal viele der anderen Blogger persönlich kennen zu lernen!

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltige Crowdfundings

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Beitragsbild/Foto: Solartainer® von Africa Green Tec

Dr. Ralf Breuer

6. November 2018

Am 6.9.2018 kündigten die Triodos Bank Deutschland und bettervest eine Kooperation an* Zusätzlich hat sich die von einer hundertprozentigen Tochter der niederländischen Muttergesellschaft Triodos N.V. verwaltete „Triodos Sustainable Finance Foundation“ mit einem nicht genannten Anteil an bettervest beteiligt. Nach GLS Bank und GLS Crowd ist dies die zweite engere Kooperation einer auf Nachhaltigkeit fokussierten Bank mit einem FinTech für Schwarmfinanzierung (Crowdfunding). Aus diesem Anlass will der Beitrag beide Kooperationen etwas beleuchten.

Nachhaltigkeit ist geschäftspolitische Logik

Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft ist kein Aktionismus, sondern knallharte geschäftliche Logik. Entsprechend hat sich auch die The Investment Leadership Group (ILG), ein Netzwerk von Spitzenvertretern der globalen Investmentbranche positioniert, dessen Mitgliederliste sich wie ein „Who-is-who“ der Finanzbranche liest: Vertreter der ILG sagten der EU-Kommission ausdrücklich ihre Unterstützung für den Plan zu: Top investment executives commit to Sustainable Finance Action Plan in High-Level Meeting with European Commission. Die Gruppe selbst erarbeitet einen methodischen Rahmen für eine Ausrichtung ihrer Tätigkeit an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs).

Vor allem die deutlich verlängerte Perspektive hin zum längerfristigen (finanziellen) Erfolg kommt der Investmentbranche insbesondere im Pensionsgeschäft sehr entgegen. Viele Auswirkungen von Klimawandel und Energiewende gehen derzeit nicht in die finanzielle Berichterstattung ein. Die herrschende Logik der globalen Finanzinvestoren ist, dass die SDGs die Chancen definieren, während das Klima die Risiken treibt.

Deutschland international im Rückstand

Deutschland hat bei Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft gegenüber den meisten Nachbarländern einen bedeutenden Rückstand. Manche Kommentare stellen z.B. gegenüber Frankreich einen Rückstand von fünf Jahren fest. Und tatsächlich haben dort schon fünf der sieben größten Bankengruppen Nachhaltigkeit im strategischen Fokus. Die größte Bankengruppe Crédit Agricole bezeichnet sich selbst als Bank für nachhaltige Entwicklung – in der Nische des Geldautomaten.

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Foto: Ralf Breuer, Crédit Agricole du Languedoc, 1 Rue des Halles, F-30000 Nimes

Frankreich ist nur eines von vielen Beispielen. Auch bei der größten europäischen Bank HSBC ist Nachhaltigkeit Chefsache – im weltweiten Konzern und bei der deutschen Tochtergesellschaft. Sie hat eine Informationsseite zu nachhaltiger Finanzierung als „Advertorial“ bei der „Süddeutschen Zeitung“ gestaltet. Neben einem Glossar zum Thema Nachhaltigkeit bietet die Seite sehr informative Texte zu den Themen „Nachhaltige Finanzierung“, „Nachhaltige Investments“ und „Regulatorik“. Hier geht es zum sehr informativen „Advertorial“ bei der Süddeutschen Zeitung.

Nachhaltige Anlageprodukte demokratisieren die Lösung unseres gemeinsamen Problems

Alle Menschen teilen das Schicksal dieses Planeten und haben damit ein gemeinsames Problem. Klimawandel ist eine Folge unzureichender Nachhaltigkeit. Mit dem Klimagipfel 2015 wurden die Ambitionen in ein umfassendes Zielsystem gefasst: Die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs). Diese Ziele sind wiederum in 164 Teilziele, u.a. für das Jahr 2030 heruntergebrochen. Mit den SDGs hat Nachhaltigkeit einen Orientierungsrahmen bekommen, da sie im Gegensatz zu den bis dato geläufigen Ansätzen (SRI, ESG etc.) vorwärtsgerichtet sind. Mit ihnen findet sich Orientierung in Richtung auf ein „Mehr“ an Nachhaltigkeit. Der Konsensus in der Finanzbranche entwickelt sich immer stärker in diese Richtung und damit endet auch die herrschende Verwirrung über das, was nachhaltig(er) ist. Interview mit Roman Limacher, Geschäftsführer,Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG, Zürich: UN-SDGs als neuer Trigger für Nachhaltige Geldanlagen.

Studierende der Fachhochschule Köln haben einen Bierdeckel gestaltet, mit dem diese Zielwelt in kompakter Form sichtbar gemacht wird.

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Mit den 17 Zielen wird deutlich, welche Probleme auf diesem Planeten zu lösen sind. Diese Lösungen erfordern Kapital, das nicht allein aus öffentlichen Quellen kommen kann. Zahlen von Roland Berger im Greentech-Atlas 4.0 2018 stellen allein für Umwelttechnologien einen enormen Finanzierungsbedarf fest: Das weltweite Marktvolumen der Umwelttechnik und Ressourceneffizienz wird sich von mehr als 3.200 Milliarden Euro im Jahr 2016 bis 2025 voraussichtlich auf über 5.900 Milliarden Euro erhöhen.

Mit dem Angebot nachhaltiger Anlagemöglichkeiten für private Anleger werden folglich die finanziellen Lösungsmöglichkeiten unserer kollektiven Probleme vergrößert. Bei institutionellen Anlegern ist dies schon deutlich verbreiteter und deckt sich mit der von ihnen verfolgten oben beschriebenen Logik. Zielrichtung sind dabei die SDGs, von denen beispielsweise mit Energie- und Wasserprojekten in Entwicklungs- und Schwellenländern gleich mehrere adressiert werden können, neben Klimaschutz (Ziel Nr. 13) durch bezahlbare und saubere Energie (7) , Armut (1), Bildung (4) und Infrastruktur. Ein Beispiel ist die dezentrale und nicht netzgebundene erneuerbare Energieerzeugung, die gleichzeitig Mobilfunk speist, wodurch bessere Möglichkeiten der Einkommenserzielung und Bildung geschaffen werden.

Eine beachtliche Zahl von Crowdfundings

Die Zahl von Plattformen für Schwarmfinanzierungen (Crowdfundings) im deutschsprachigen Raum beträgt laut www.crowdfunding.de bei beachtlichen 148 (Stand: 6.11.20189 ! Ein erster Überblick ist eher verwirrend, auch Spendenplattformen als Crowdfundings aufgelistet. Allerdings können hier die Grenzen bereits fließend sein, z.B. bei der Finanzierung von Projekten in den Bereichen Kultur und Sport.Und auch bei den  reinen Finanzierungsplattformen ist der erste Eindruck schon verwirrend genug. Die Informationsmöglichkeiten sind zwar vielfältig, aber gerade der erste Eindruck gestaltet sich aufwändig.

Unter den neun bei www.crowdfunding.de genannten Plattformen für die Finanzierung von Energieprojekten sind auch die beiden Anbieter genannt, die nun fest mit einer Bank kooperieren.

Crowdfundings verringern Marktbarrieren

Grundsätzlich können Crowdfundings eine weitere Beitragsmöglichkeit zur Finanzierung von mehr Nachhaltigkeit sein. Anlegern können sich bereits mit kleineren Beträgen (bettervest ab € 50) Finanzierungsbeteiligungen ermöglichen. Damit öffnen sie einen Markt für Finanzanlagen z.B. in Energieprojekte, wofür traditionell deutlich höhere Einstiegsbeträge jenseits der € 5.000 notwendig waren. Dies führte bei den Anlegern zu hohen Risikokonzentrationen und entsprechenden Verlusten im Problemfall. Aus diesem Grunde hat der Gesetzgeber auch den maximalen Zeichnungsbetrag auf € 10.000 begrenzt.

Die Crowdfundings sind grundsätzlich nicht weniger risikoreich als herkömmliche Direktbeteiligungen. Dies signalisieren schon die „sportlichen“ Zinsangebote, die oft in der Bandbreite von 4,5% bis 10% liegen. Zudem erhält der Anbieter noch eine Provision von regelmäßig rund 10% (vgl. bettervest: Fragen von Investoren). Sie lassen sich aber in aller Ruhe online abschließen und die Anlage kann bei vergleichbaren Beträgen über verschiedene Anbieter, Projekte, Risikoprofile, Laufzeiten, Regionen etc. gestreut werden. Dies wird nach Beobachtungen des Autors auch genutzt. Hierauf weisen insbesondere die relativ niedrigen durchschnittlichen Zeichnungsbeträge je Zeichner hin.

Anleger sind aber immer gut beraten, kritisch zu hinterfragen. Dies ist bei den meisten Anbietern bereits online gut möglich und wird durch die gesetzlich vorgeschriebenen Dokumenten sowie die jeweiligen Informationsangebote unterstützt. Und auch bei den Finanzierungszielen sind Fragen legitim: Z.B. dann, wenn lediglich das Projektrisiko übertragen wird. Dies ist bei einigen Immobilienprojekten für soziale Einrichtungen der Fall, bei denen nur die relativ risikoreiche Zeit bis zur vereinbarten Übergabe an einen Träger finanziert wird, also nur die Erstellung, nicht der Betrieb.

bettervest

Die Idee zu bettervest entstand bereits 2012. Schwerpunkt sind kleinere Projekte im Bereich erneuerbare Energieerzeugung, Energieeffizienz und Wasserversorgung vorrangig in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgerichtet und bisher nicht mit anderen Engagements einer Bank verbunden.

Bisher wurden 76 Projekte im Gesamtvolumen von € 10,8 Mio. platziert. Während in der Anfangszeit auch Projekte unter € 10.000 vermittelt wurden, liegen die meisten Projekte derzeit im Bereich von rund € 100.000 bis € 200.000. Die hohen Anlegerrenditen von häufig 7% und mehr signalisieren ein substanzielles Risiko, dass über die relativ hohe Anzahl von Projekten und den niedrigen Mindestbetrag von € 50 gemildert werden kann. Erfreulich ist das hohe Maß an Transparenz, mit der Projektstatistik und der detaillierten Projektübersicht. Hier werden auch die bisher ausgefallenen sechs Projekte aufgeführt – alle aus dem Bereich Energieerzeugung bzw. -effizienz und ausnahmslos in Deutschland.

GLS Crowd

Im Februar 2017 startete die GLS Crowd, die zwar den Namen und den Markenauftritt der GLS Bank nutzt, aber nicht mit ihr durch eine Kapitalbeteiligung verbunden ist. Vielmehr kooperiert die Bank mit der CrowdDeskGmbH als Plattformbetreiber und schlägt ihr Projekte zur Vermittlung vor. Die bisher platzierten 11 Projekte mit einem Finanzierungsbetrag von € 5,25 Mio. hatten ein Volumen von durchschnittlich € 475.000 und deckten ein weites Spektrum von Nachhaltigkeitsprojekten von Energieerzeugung über Energieeffizienz bis hin zur Betriebsmittelfinanzierung im Handel ab, konzentrierten sich bisher allerdings auf Deutschland. Die platzieren Nachrangdarlehen sind überwiegend komplementär zu einem eigenen Kreditengagement der Bank. Zeichnungen über die Plattform sind mit Beträgen von € 250 bis € 10.000 möglich. Für Anlagewünsche ab € 20.000 bietet die GLS Crowd zusätzlich eine Möglichkeit der Direktbeteiligung.

Nachhaltigkeit ist Trend

Auch wenn die deutsche Kreditwirtschaft einen anderen Eindruck vermittelt, Nachhaltigkeit ist ein gesellschaftliches Thema mit immensem Momentum. Andere Branchen haben dies längst klar erkannt und ihr Handeln einschließlich der Marktkommunikation hierauf ausgerichtet, so z.B. im Einzelhandel (vgl. z.B. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag). Es ist beachtlich, wie oft sich der Begriff bereits in den Werbeprospekten und im stationären Handel findet: Alltagsfotos Nachhaltigkeit

Die Pressemitteilung vom 6.9.2018* bringt es auf den Punkt: „Genauso wie “Bio-Produkte” in den letzten Jahren massentauglich geworden sind, gilt es jetzt nachhaltige Geldanlagen in der Mitte der Gesellschaft zu verankern.“ Crowdfunding mit niedrigen Mindesbeträgen ist ein zusätzliches Mittel hierzu.

*Hinweis: Im Text finden sich Links mit dem Zusatz „*“. Es handelt sich hierbei um Hyperlinks, die mit Hinweisen auf ihre Herkunft in den Beiträgen gekennzeichnet sind und zu einer erfolgsabhängigen Vergütung im Falle eines hierauf zurückgehenden Vertragsabschlusses zwischen dem Nutzer und den jeweiligen Anbietern führen können. Die Nutzung der Links ist kostenfrei.

„Gesponsert“ bedeutet ausdrücklich nicht, dass eine Vergütung für die Setzung und Nutzung der Links selbst und damit bezahlte Werbung erfolgt. Vielmehr bleiben Verwendung, Häufigkeit und Platzierung der Links im völlig freien Ermessen des Autors.

Vereinbarungen über gesponserte Links hat  der Autor derzeit mit folgenden Anbietern  von Geldanlagen in Nachhaltigkeitsprojekte: bettervest (gesponserter Link) und ecoligo investments (gesponserter Link) (Crowdfunding Energie- und Wasserprojekte), ForestFinance (gesponserter Link, Direktinvestments Wald und Kakaoanbau), SDG Investments® (gesponserter Link, Vermittlungsplattform für institutionelle Investoren, unverbindliche Registrierung ggf. bitte mit dem Hinweis auf Investabel®)