Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Zum (un-)guten Schluss

Titelbild: Anhangbericht der Technical Expert Group on Sustainable Finance

Inhalt: Vorneweg; Weltklimakonferenz – Nach Madrid, vor Glasgow…; „Europäischer Grüner Deal“; EU Aktionsplan: Einigkeit bei der Taxonomie; Der (CO2-)Pfad ist das Ziel (Nr. X); Green Bond Fonds in Deutschland: Volumen verdoppelt; BlackRock: USD 1 Mrd. für erneuerbare Energien; Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Webinar; Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

17. Dezember 2019

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg

Jahresschlußausgabe ja oder nein? Und womit? Zunächst einmal natürlich alle guten Wünsche an die Leser!

Der Titel der heutigen Ausgabe ist durch das praktisch ergebnislose Ende der Weltklimakonferenz, dem modifizierten Klimapaket sowie Fortschritten in der Europäischen Union geprägt. Ein wirklich „guter Schluss“ hätte andere Ergebnisse aus Madrid vorausgesetzt, aber wirklich „ungut“ wäre auch nicht angemessen. Deshalb eine Ausgabe „Nachhaltigere Finanzwirtschaft – zum (un-)guten Schluss.

Weltklimakonferenz: Nach Madrid, vor Glasgow…

Die Konferenz wurde bekanntermaßen von Santiago de Chile nach Madrid verlegt, behielt aber mit dem Zusatz „Madrid 2019“ ihren ursprünglichen Titel. Die nächste Konferenz soll vom 9. bis 19 November 2020 im schottischen Glasgow stattfinden. Vor dem Hintergrund von Brexit und regionalen Unabhängigkeitsbestrebungen dürfte die Angabe des gastgebenden Staates ebenso mit Spannung erwartet werden wie der Verlauf: Die mit #TimeForAction bzw. #TiempoDeActuar auf der Bühne anbebrachten Aufforderungen zu Handeln, mündeten bekanntermaßen in einer weitgehenden Vertagung auf die Folgeveranstaltung „COP26“ 2020.

Neben dem generellen Eindruck weitreichender Ergebnislosigkeit bleibt dann die in den Medien viel kolportierte Zugfahrt von Greta Thunberg durch Deutschland. Dagegen fand die Bundesumweltministerien ein eigenes Mittel gegen ihren Frust: Sie verbreitete am 16.12. ihre „schönsten“ Momente aus Madrid auf Twitter:

„Europäischer grüner Deal“

Am 11. Dezember 2019 hat die Europäische Kommission ihren „European Green Deal“ präsentiert, der u.a. eine CO2-Neutralität der Gemeinschaft ab dem Jahr 2050 anstrebt. Die Elemente dieses Pakets wurden vorab kommuniziert und dargestellt. Eine schematische Übersicht der Maßnahmen, die über den reinen Klimaschutz hinausreichen sollen, hat die Kommission schon vor einiger Zeit veröffentlicht:

2019-12-11 EU green deal

Die Kommission hat das Paket mit einem ambitionierten Zeitplan versehen, nach dem alle Komponenten bis zum Jahr 2021 erarbeitet werden sollen. Zu den Einzelheiten der Vorschläge mit weiterführenden Dokumenten (DE):

 https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/IP_19_6691

EU Aktionsplan: Einigkeit bei der Taxonomie

Die EU-Kommission erwartet nunmehr eine Verabschiedung der sogenannten „Taxonomie“ für nachhaltige Finanzinstrumente durch das Europäische Parlament

Diskussionen wurden insbesondere über atomare Energieerzeugung geführt: Während Deutschland, Luxemburg und Österreich Atomkraft strikt ablehnen, wird sie z.B. in Frankreich als saubere Technologie ohne Treibhausgase betrachtet. Zwischenzeitlich wurde auch deutlich, dass die Systematik in der Folge auch um nicht-ökologische Aspekte der Nachhaltigkeit erweitert werden soll.

Der (CO2-)Pfad ist das Ziel (Nr. X)

Die von der der technischen Expertengruppe der EU vorgeschlagenen neuen Benchmarks für alle Anlageklassen mit Ausnahme einiger Derivate orientieren sich am Klimaschutzabkommen von Paris bzw. „Dekarbonisierungspfaden“ zur Verminderung des Ausstoßes von Treibhausgasen: „Paris-aligned“ (EU PAB) und „climate-transition“ (EU CTB) mit Erwärmungspfaden von 1,5° bwz. 2°.

Strategien zur CO2-Reduktion werden damit immer mehr auch zu einem Treiber von institutionellen Investoren. Viele Unternehmen haben bereits eigene, unterschiedlich ambitionierte Programme zur Verringerung des Ausstoßes an Treibhausgasen kommuniziert. Einige Beispiele sind in der Nummer Zweiundachtzig zusammen gestellt.

Die Anzahl der Unternehmen, die konkrete Zielgrößen nennen, wächst stetig: Seit Ende September 2019 stieg allein bei https://sciencebasedtargets.org die Zahl der Selbstverpflichtungen um 144 auf nunmehr 749 (Stand 17.12.19 12h). Zu diesem Zeitpunkt waren darunter 30 deutsche Unternehmen in sehr unterschiedlicher Größenordnung. Darunter war auch die HeidelCement AG als ein sehr CO2-intensives Unternehmen. Der Zielpfad entspricht nach den im Mai 2019 kommunizierten Zielen einer Erwärmung um 2°.

Green Bond Fonds in Deutschland: Volumen verdoppelt

Gemäß einer aktuellen Studie von Scope hat sich die Zahl der in Deutschland zugelassenen Fonds auf Green Bonds im Zeitraum November 2018 bis 2019 um fünf auf 29 erhöht. Gleichzeitig ist das verwaltete Volumen um 150% auf € 5,8 Mrd. gestiegen. Dabei entfallen 58% des Volumens auf die fünf größten Fonds. Darunter ist auch der iShares Green Bond Index, bei dem das Volumen um 440% auf € 881 Mio. stieg. Wie die Mehrzahl der Fonds ist dieses Produkt institutionellen Anlegern vorbehalten. Mit € 100 Mio. ist die Mindestanlage außergewöhnlich hoch. Download der Studie von Scope

Green Bonds bieten derzeit die transparenteste Anlagemöglichkeit in Green Bonds. Insbesondere dann, wenn sie mit einem entsprechenden Testat bzw. einer Zertifizierung nach dem „Green Bonds Standard“ versehen sind. Es ist wenig verständlich, dass nur wenige Fonds für Privatanleger zugelassen wurden, da sie in Zeiten niedriger Zinsen eine hervorragende Alternative für den Gesamtmarkt wären.

BlackRock: USD 1 Mrd. für erneuerbare Energien

Am 4.12.2019 berichtete BlackRock über ein Volumen von USD 1 Mrd., dass seinem Investmentvehikel „GRP III“ (Global Renewable Power III) von weltweit 35 Investoren zufliessen wird. Der Fonds investiert in Projekte zur Erzeugung, Speicherung und Verteilung erneuerbarer Energien. Mittlerweile verwaltet die Gesellschaft ein Portfolio von USD 5,5 Mrd. in diesem Bereich. Die Mittel stammen von rund 150 Investoren und wurden in über 250 Projekte weltweit investiert. Press Release 4.12.2019

Seminar-/Veranstaltungstermine

Webinar: #FinanceForFuture – Klimarisiken & Nachhaltigkeit: Neue Kernthemen für Regulierung, externe Berichterstattung und Geschäftspolitik

Neuer Termin: 6.3.2020, 10 – 11:30h

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet ab März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

In eigener Sache

Neues Format: Workshops „In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Zweiundachtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundsechzig

Inhalt:  Vorneweg… Klimaschutz ist mehr Nachhaltigkeit…; …aber Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: EU-Taxonomie von Finanzanlagen – nur öko?; GLS Crowd mit Finanzierung in Rekordzeit; SRI, ESG, SDG – Etwas Entwirrung; Apple Pay in Deutschland gestartet; Kommen und Gehen bei FinTech; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Beitragsbild: https://d-pt.ppstatic.pl/kadry/k/r/1/66/7b/59a6ae4e19eef_o,size,969×565,q,71,h,109ff2.jpg

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

17. Dezember 2018, ergänzt 18.12.2018 (Plädoyers Klimaschutz; Artikel Dr. Ossig, Bankenverband; GLS Crowd; Konsolidierung bei FinTech)

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg…

Auf dem Beitragsbild heißt es Gefahr, Unfall – symbolisch für den Verlauf und das Ergebnis der Weltklimakonferenz COP24 in Katowice. Aber auch für den Vorschlag der von der EU-Kommission eingesetzten Expertengruppe für die Klassifizierung nachhaltiger Finanzpositionen. Mit der Konzentration auf den Umweltschutz ist die dringend notwendige „Taxonomie“ viel zu eng angelegt. Nach all den optimistisch stimmenden Entwicklungen für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft zwei derbe Dämpfer Mitte Dezember 2018!

Klimaschutz ist mehr Nachhaltigkeit…

Zu guter letzt gab es noch eine gute Nachricht von der Weltklimakonferenz: Die Beteiligten konnten sich in einer Konferenzverlängerung noch auf gemeinsame Schlusserklärung einigen. Mehr Berichtenswertes gibt es hier nicht. Das ist in den Medien alles geschrieben. „Klimaschutz lauwarm“ titelt der Bonner General-Anzeiger am 14.12.2018 auf S. 3 – völlig zu Recht.

Nummer Einundsechzig enthielt einen kurzen Bericht über das großartige Plädoyer der fünfzehnjährigen Greta Thunberg auf der Weltklimakonferenz. Am 14.12.2018 folgten Schüler in mindestens 14 Städten ihrem Beispiel und traten in einen Schulstreik für den Klimaschutz: Spiegel Online 14.12.2018. Auch eine Reihe von globalen Großunternehmen forderten zu einem konsequenteren Handeln auf, so z.B. BT Group Plc., Ikea und Mars (EN): Bloomberg 13.12.2018: From Mars to Ikea, Concerns Emerge About Vague Climate Rules.

…aber Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: EU-Taxonomie von Finanzanlagen – nur ökö?

Am 7.12.2018 legte die für die Umsetzung des EU-Aktionsplans (vgl, Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung) Expertengruppe (Technical Expert Group on Sustainable Finance (TEG)) nach fünfmonatiger Tätigkeit ein Konsultationspapier für die „Taxonomie“ von Finanzanlagen vor: Invitation for feedback and expert workshops on taxonomy. Das Ergebnis ist kurz formuliert: Sehr enttäuschend.

Das 108 Seiten starke Dokument zeugt zwar von Arbeit, allerdings nicht von einem zielführenden Ansatz. Der EU-Aktionsplan setzte zwar beim Klimaschutz an, erschien aber offen für andere nachhaltige Entwicklungsziele. Dies ist im Konsultationspapier allerdings nicht erkennbar. Klimarisiken waren und sind nur eines von 17 UN-Teilzielen und ein guter Ansatz für den Angang an die Finanzwirtschaft, da sie hiervon stark betroffen ist und die Bankaufsichtsbehörden ebenfalls von dieser Erkenntnis geleitet werden.

2018-12-13 Glorreiche17

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Die Arbeit der Expertengruppe hat sich dagegen ausschließlich mit Umweltfaktoren beschäftigt. Damit wird auch die resultierende Klassifizierung (Taxonomie) sehr eng gefasst und auf folgende Gebiete begrenzt:

  1. Milderung des Klimawandels
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Wasser und Ozeane
  4. Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung, Recycling
  5. Umweltverschmutzung
  6. Gesunde Ökosysteme

Damit wird aber nur ein enger Ausschnitt der globalen Probleme erfasst. Bei einer Orientierung an den SDGs wäre dies nicht der Fall und bspw. auch die Bekämpfung von Hunger sowie die Migration miterfasst.

Der Angang der EU-Experten erscheint vor allem deshalb sehr verwunderlich, weil sich das Konsensusverständnis seit dem Sommer 2017 stark gewandelt hat. Es stehen weniger die rückwirkend erfassten Werte für Ökologie, Soziales und Unternehmensführung (ESG) im Vordergrund, sondern vorausschauend nachhaltige Entwicklungsziele, die SDGs. Dieser Wandel ist auch im Rating zu erkennen, worüber hier kürzlich berichtet wurde: Nummer Neunundfünfzig.

Sofern die Expertengruppe ihre Arbeit so fortsetzt, wie es es das Konsultationspapier erwarten lassen muss, erscheint das Ziel in Gefahr, ein transparentes und nachvollziehbares Klassifizierungssystem zu erhalten, dass am Ende auch von privaten Geldanlegern als Entscheidungshilfe genutzt werden kann. Damit wird in der Konsequenz auch die ganze Intention des EU-Aktionsplans gefährdet.

Eine ausführliche „Würdigung“ (EN): What goes wrong with #SustainableFinanceEU?

Diese Entwicklung ist umso verwunderlicher als auch Branchenvertreter die Berechtigung von Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft anerkennen. Sicherlich hat der Klimaschutz hier eine prominente Bedeutung wie der aktuelle Beitrag des Hauptgeschäftsführers und Vorstands des Bundesverband deutscher Banken in Der Bank Blog zeigt: Christian Ossig: Klimaschutz macht vor Banken nicht halt Schlussfolgerungen aus der 24. Weltklimakonferenz in Kattowitz, 17.12.2018. Längst herrscht aber in der Branche ein umfassendes, an den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) orientiertes Nachhaltigkeitsverständnis, was sich bereits konkret in der Tätigkeit der globalen Branchenführer niederschlägt: Nummer Fünfunddreissig vom 16.4.2018

GLS Crowd mit Finanzierung in Rekordzeit

Dass Klima- und Umweltschutz auch beliebte Anlagethemen sind, zeigt die von der GLS Crowd am 14.12.2018 platzierte Finanzierung von autarq, einem Hersteller von Solardachziegeln aus Brandenburg. In nur 4,5 Stunden wurden € 1,25 Mio. eines Nachrangdarlehens platziert (7,5%, 3,5 Jahre, endfällig) Laut Pressemitteilung autarq vom 17.12.2018 konnten bereits in den ersten 15 Minuten € 195.000 eingeworben werden.

Auch bei der vorausgegangenen Platzierung einer Finanzierung der akvola Technologies GmbH aus Berlin, einem Spezialisten für Wasseraufbereitung, dauerte es lediglich knapp fünf Stunden, um Investoren für € 750.000 (7%, 6 Jahre, Ratenzahlung ab dem dritten Jahr) zu gewinnen. Laut Pressemitteilung der GLS Bank vom 24.10.2018 waren bereits nach 1,5 Stunden € 500.000 erreicht.

Anmerkung aus der o.g. Pressemitteilung: „Die GLS Crowd ist eine von der GLS Crowdfunding GmbH betriebene, von der GLS Bank unabhängige Schwarmfinanzierungsplattform mit Sitz in Frankfurt am Main, die sich auf die Vermittlung von Finanzierungen für nachhaltige Unternehmen und Projekte spezialisiert hat. Die auf der Plattform angebotenen Finanzierungen werden ihr von der GLS Bank zur Vermittlung vorgeschlagen. Die GLS Crowd bietet Investor*innen die Möglichkeit, Beträge von 250 bis 10.000 Euro in nachhaltige Vorhaben zu investieren“

SRI, ESG, SDGs – Etwas Entwirrung

Anlageangebote mit einem weiten Spektrum von Nachhaltigkeit

Nachhaltige Anlageangebote haben ein weites Spektrum und z.T. erheblich abweichende Interpretationen von Nachhaltigkeit. Für interessierte Privatanleger ist diese Vielfalt ebenso verwirrend wie Finanzjournalisten, so dass deren Beiträge meist auch nicht besonders erhellend und damit hilfreich sind. Insofern bietet der im Portal justETF erschienene Beitrag eine Ausnahme: Dominique Riedel: Nachhaltige ETF-Portfolios zum Selberbauen, 9.12.2018. Der Beitrag stellt übersichtlich die Gemeinsamkeiten der häufigsten Abkürzungen SRI (=socially responsible investments/sozial verantwortliche Investments) und ESG (environment, social, governance/Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) zusammen. Seltener ist „SDGs“ für die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (sustainable development goals) der Vereinten Nationen. Hierzu mehr unten sowie hier im Blog auf SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

ETFs nach SRI- und ESG-Kriterien bieten zwar eher eine schwächere Ausprägung von Nachhaltigkeit, aber sie ermöglichen es bei geringen Kosten und hohem Grad an Streuung mit einem besseren Gewissen anzulegen. Hierbei sind die Ausführungen von Frau Riedel sehr hilfreich. In beiden Kategorien ist es bei einem stetig steigenden Angebot (vgl. u.a. Nummer Einundsechzig) global oder auch regional zu investieren. Dabei werden die Informationen von einem gesunden Grundgedanken geleitet:

„Jeder Mensch definiert nach den eigenen Erfahrungen und Einschätzungen, was für ihn „nachhaltig” oder „ethisch” bedeutet. Genau so ist es mit den unterschiedlichen Index-Regelwerken im Bereich des nachhaltigen Investierens, auf denen ETFs basieren.“

Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Index-Familien im Überblick

Merkmal MSCI SRI-Reihe MSCI ESG Screened-Reihe
Aufgenommene Unternehmen die nach ESG-Kriterien besten 25% jedes Sektors; bestimmte Sektoren werden ausgeschlossen (siehe unten) bestimmte Sektoren werden ausgeschlossen (siehe unten);
keine Berücksichtigung von ESG-Ratings
Gewichtung Marktkapitalisierung Marktkapitalisierung
Marktabdeckung eher gering durch Ausschluss von 75% der Unternehmen eher hoch, da nur bestimmte Sektoren ausgeschlossen werden (ohne Berücksichtigung des ESG-Ratings)
Tracking Error potenziell höher durch geringere Marktabdeckung potenziell geringer durch höhere Marktabdeckung
Kosten i. d. R. höher als Mutterindex wegen Research-Kosten für SRI-Rating sehr ähnlich zum Mutterindex wegen minimaler Research-Kosten für einfachen Filteransatz
Modifikationen MSCI SRI 5% Capped
MSCI Select ESG and Trend Leaders
bisher keine
ETF-Portfolios Nachhaltigkeit SRI Global BIP
Nachhaltigkeit SRI Regionen BIP
Nachhaltigkeit ESG Screened Global BIP
Nachhaltigkeit ESG Screened Regionen BIP
Quelle: iShares; Stand: 05.12.2018 via justETF

Neuer Fonds auf nachhaltige Fremdkapitalfinanzierungen

Produkte mit einer Orientierung an den SDGs bilden bisher die Ausnahme. Allerdings nimmt zumindest für institutionelle Anleger das Angebot weiter zu. Der NN (L) European Sustainable Infrastructure Debt Fonds, der am 15. November 2018 aufgelegt wurde, erweitert die nachhaltige Produktpalette von NN Investment Partners (NN IP) und erfüllt die steigende Nachfrage Institutioneller nach Investitionen in Sachwerte.

„Der neue Fonds zielt darauf ab, ein diversifiziertes Portfolio aus europäischen Infrastrukturfinanzierungen aufzubauen, die einem Investment-Grade-Rating entsprechen und aus fünf Sektoren bestehen. Dazu zählen soziale Infrastruktur, alternative Energie, nachhaltiger Transport und Wasser- und Abfallwirtschaft sowie digitale Infrastruktur. Die geringe Korrelation von Infrastrukturanlagen mit den Konjunkturzyklen ist besonders für langfristige Investoren reizvoll, die ihre Portfolios diversifizieren, ihre Verbindlichkeiten matchen und solide Erträge erzielen möchten. NN IP nutzt mit dem neuen Fonds seine langjährige Erfahrung am Infrastrukturmarkt und hat seine Strategie weiterentwickelt, um sich auf Infrastrukturanlagen zu konzentrieren, die eine messbare Wirkung, einen Impact auf Gesellschaft und Umwelt haben, ohne die finanziellen Erträge zu vernachlässigen. …  Der Fonds strebt eine jährliche Bruttorendite von 3-4% und eine Duration von 12-15 Jahren an.“ Quelle: NN investment partners (DE)

Apple Pay in Deutschland gestartet – Zahlung + Nachhaltigkeit?

2018-12-11 ApplePay

Beitragsbild/Bild: Apple Pay

Mit einer Verspätung von vier Jahren gegenüber europäischen Nachbarländern sind jetzt auch in Deutschland Zahlungen mit Apple Pay möglich. Google Pay war im Juni 2018 gestartet. Die Vorteile beschreibt der Anbieter folgendermaßen:

„Apple Pay funktioniert ganz einfach. Und vor allem ganz sicher. Denn mit Apple Pay wird deine Kartennummer nie auf deinem Gerät oder Apple Servern gespeichert. Und Apple Pay speichert auch keine Daten zu deiner Transaktion, die auf dich zurück­zuführen sind. So kannst du sicher in Geschäften, Apps und im Internet bezahlen. Ganz einfach.“

 Quelle: Apple Pay

Wie funktioniert Apple Pay?

Tatsächlich werden weniger missbrauchsgefährdete Daten mit dem Händler ausgetauscht, da die Zahlung nur über eine Gerätenummer in Verbindung mit einem einmaligen Transaktionscode ausgelöst. Das Smartphone wird mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung entsperrt. Insofern können weder bei der Transaktion noch aus dem Gerät sensible Daten ausgelesen werden. Bei einem Geräteverlust ist damit im Gegensatz zu einer physischen Karte ein Missbrauch ausgeschlossen.

Nicht verwendbar sind Girocards ohne Zugang zu Maestro (d.h. Mastercard). Auch ist der von vielen Banken angebotene Zahlungsdienst VPay (Visa) nicht unter den Anbietern. Die Nutzung solcher Karten ist über die Angebote der Genossenschaftsbanken (Digitale Karten in der VR-Banking-App) und Sparkassen (Mobiles Bezahlen) möglich. Allerdings wird hier für Beträge ab € 25 wiederum ein PIN benötigt.

Zum Start sind die Banken in der nachfolgenden Übersicht mit Apple Pay im Angebot. Weitere Banken haben den Zahlungsdienst für 2019 avisiert.

Apple hat die Liste mit den teilnehmenden Banken veröffentlicht.

Quelle: Apple Pay

Mobile Zahlungen können nachhaltiger sein

In Deutschland werden rund 57 Mio. Smartphones genutzt (Quelle: statista 11.12.2018), die technisch reichlich dimensioniert sind. Gleichzeitig tragen alle 130 Mio. Bank- und Kreditkarten leistungsfähige Chips sowie Magnetstreifen, die zu einem erheblichen Teil nur wenig genutzt werden. Insofern wäre es deshalb naheliegend, andere Lösungen zu wählen, die diesen Materialeinsatz verringern. Eine Variante wären optische Lösungen (QR-Codes, vgl. Weniger Karten in die Brieftasche hier im Blog) oder die von den mobilen Bezahlangeboten genutzte NFC-Funktion der Smartphones, die dann auf den Karten selbst entfallen könnte.

Eine besonders interessante Lösung hat deshalb die Deutsche Bank zum Marktstart in das Angebot genommen: Eine vollständig virtuelle Karte, die allein elektronisch ausgegeben wird. Entgegen den Informationen auf der Internetseite der Bank kursierten zunächst Informationen, wonach Kunden zur Bestellung der Karte eine Filiale besuchen müssten. Dies hätte dieses Angebot natürlich verwässert, ist aber nicht der Fall: „Mit einem Deutsche Bank Konto erhalten Sie zur weltweiten Nutzung von Apple Pay eine virtuelle Mastercard Debitkarte (Deutsche Bank Card Virtual) – dauerhaft ohne Jahresgebühr. Diese können Sie im Rahmen der Apple Pay Aktivierung in der Deutsche Bank Mobile App bestellen.“ Homepage Deutsche Bank – Jetzt: Deutsche Bank mit Apple Pay.

Quelle: Jochen Siegert via Twitter/Deutsche Bank

Viel Andrang zum Start

Jochen Siegert hat auf Payment & Banking am 12.12.2018 seine persönlichen Eindrücke von der Auftaktveranstaltung in der Allianz-Arena in München geschildert: Launchevent von Apple Pay in Deutschland. „Michael Koch, verantwortlich für Online- und Mobilebanking der Deutschen Bank, sprach bezüglich von der MasterCard Debit-Karte und Apple Pay als dem stärksten Produktlaunch der Deutschen Bank überhaupt. Wesentliche KPIs hätten die Erwartungen weit übertroffen. So konnte die Deutsche Bank gestern Vormittag hohe dreistellige Kartenanträge pro Minute verzeichnen und die Besuche der Deutschen Bank Homepage war sechsfach höher als sonst. Dieser Kundenansturm ist sehr beeindruckend. Ich denke das Institut wird so alleine über 50.000 neue Karten am gestrigen Tag abgesetzt bzw. aktiviert haben. Auch ein Comdirect Mitarbeiter schrieb bei Twitter von einem selbstgesetzten Tagesziel von 10.000 Registrierungen (leider Tweet nicht mehr auffindbar) und die im Vergleich eher kleine Hanseatic Bank berichtete auch von 1.200 Registrierungen in den ersten Stunden.“

Akzeptanz ca. 50%

Die Einsatzmöglichkeiten in Deutschland dürften grundsätzlich bei 50% liegen, also überall dort, wo NFC-fähige Terminals genutzt werden. Zusätzlich ist aber eine Vereinbarung mit Apple Pay Voraussetzung. Die folgende Übersicht stellt die beim Start vereinbarten Akzeptanzpartner:

 

Bildergebnis für apple pay akzeptanz

Quelle: Apple Pay

Weitere Partnerbanken für 2019 avisiert

Quelle: Apple Pay

Die Zahlungsdienste im Kurzvergleich

Besonders bei der Freigabe der Zahlungsdienste auf dem Smartphone unterscheiden sich die Angebote Bei Apple-Pay und Google-Pay genügt die Freigabe des Handys bei Touch-ID oder Face-ID, um eine Zahlung zu legitimieren. Für Kleinbeträge ist bei Apple-Pay nicht einmal der Bildschirm des iPhones zu entsperren. Der Vorteil der einfachen Bedienbarkeit mit einer einzigen Aktion ist beim Bezahlen mit den Apps von Sparkasse und VR-Banken jedoch dahin. Bei Beträgen über 25 Euro ist es erforderlich, die Karten-PIN am Smartphone einzugeben.

Während bei Apple und Google nur Debit- und Kreditkarten genutzt werden können, binden die Bankenangebote auch die Girocards ein. Unterschiedlich ist natürlich auch, wer welche Daten hat. Da sind sie allerdings auf jeden Fall, fragt sich immer noch wo. Und das ist eher Geschmacksache.

Kommen und Gehen bei FinTech

Apple Pay kommt, Glase® geht

Am 11.12.2018 hat Glase® (früher SEQR) vormittags die Einstellung seines Zahlungsdienstes für den Nachmittag angekündigt. Ähnlich wie Apple Pay basierte das Angebot auf einem kontaktlosen Bezahlvorgang per NFC-Technik. (heise online 11.12.2018 – Mobile Payment: Glase gibt auf. Mittlerweile sind Neugründungen bei Zahlungsdiensten in einer Minderheit. „Payment-Startups können trotz der breiten öffentlichen Diskussion zum Thema mit zwei Prozent nur einen verschwindend geringen Anteil des Venture-Capital-Investitionsvolumens seit 2017 für sich verbuchen“ heisst es in der aktuellen comdirect Fintech-Studie. Der Markteintritt von Apple dürfte eher einen Konsolidierungsprozess beschleunigen.

Kommen und Gehen bei der Onlinevermögensverwaltung

Nach Santander (Sina) stellt auch die Werthstein GmbH ihr zum Jahresbeginn gestartetes (vgl. Nummer Sechsundzwanzig vom 12.1.2018) Angebot wieder ein: Pressemitteilung vom 17.12.2018: Werthstein GmbH stellt Geschäft ein. Die Bewegung im Markt für „Robo-Advice“ hat Heinz-Roger Dohms heute in Finanz-Szene.de beschrieben: Exklusiv: Deposit Solutions paktiert mit Robo-Advisor Quirion.

Eine Konsolidierung in diesem Markt war seit einiger Zeit sehr vorhersehbar: Kleiner Gesamtmarkt (ca. € 2 Mrd.) mit sehr vielen Anbietern (>40) bei sehr niedrigen Markteintrittsbarrieren aufgrund überschaubarer Investitionsaufwendungen: Robo-Advice – Viel Bewegung im Markt vom 17.11.2017.

 

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen. Ort wird noch bekannt gegeben und je nach Interesse ausgewählt.

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

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