Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunundachtzig

 

Titelbild: Network for Greening the Financial Sector (NGFS)

Inhalt: Klimarisiken im Fokus der Notenbanken; ESRB – Ansatzpunkte zur Quantifizierung Klimarisiken; Auf dem Weg zu klimaneutralen Treibstoffen?;  Auch Biodiversität ist ein finanzielles Risiko; Hohe Ansprüche an nicht-finanzielle Informationen; Nachhaltige Geldanlagen erneut stark gewachsen; Neue Visakarte aus recycelten Kunststoffen; Samsung Pay Card; Nachhaltigkeitsquatsch; Seminar/Veranstaltungstermine: VÖB Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

25. Juni 2020

Dr. Ralf Breuer

Klimarisiken im Fokus der Notenbanken

Im NGFS – Network for Greening the Financial Sector kooperieren 66 Notenbanken und Finanzaufsichtsbehörden, u.a. auch die BaFin und die Deutsche Bundesbank. Das Netzwerk befasst sich intensiv mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Finanzmarktstabilität. Am 24.6.2020 wurden zwei weitere Arbeitspapiere veröffentlicht, die  die unmittelbaren und mittelbaren Folgen auf die Geldpolitik beleuchten, bzw. Vorschläge für Szenarioanalysen auf nationaler Ebene unterbreiten.

Klimarisiken und Geldpolitik

Das NGFS geht davon aus, dass der Klimawandel bzw. der Übergang in eine emissionsärmere Wirtschaft sich auf die meisten Stellgrößen in der Geldpolitik auswirken wird. Dies kann auf sehr viele Faktoren in den monetären Prozessen beeinflussen:

2020-06-24 NGFS Monetary Policy

Szenarien für die Klimarisikoanalyse

Das Ausmaß der Einflüsse wird stark von den eintretenden Szenarien abhängen, die durch Zeitpunkt und Umfang von Maßnahmen zum Klimaschutz sowie die technische Verfügbarkeit von Mitteln zur Reduzierung von Treibhausgasen bestimmt sind. Das NGFS hat deshalb drei Basisszenarien mit insgesamt fünf Varianten erarbeitet, die von den Aufsichtsbehörden für Stresstests angewendet werden können. Hierbei variieren die nicht von den Zentralbanken kontrollierten Faktoren „Politik“ und „Technologie“.

Die Szenarien orientieren sich an Erwärmungsszenarien und unterstellen abweichende Maßnahmenpakete für den Klimaschutz zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Je nach Zeithorizont und Betrachtungsebene müssen weiterhin der Detailgrad (Granularität) und die untersuchten Indikatoren variiert werden.

Neben den Ergebnissen der NGFS-Arbeitsgruppen werden auch einige bereits auf nationaler Ebene in einigen Ländern entwickelten Stresstests in Hinblick auf den Klimawandel dargestellt: The macroconomic and financial stability impacts of climate change, 24.6.2020Climate change and monetary policy: initial takeaways, 24.6.2020

ESRB – Ansatzpunkte zur Quantifizierung Klimarisiken

Aufbauend auf die Arbeit des NGFS hat das „European Systemic Risk Board (ESRB)“ eine Studie zu den möglichen quantitativen Ausmaßen von physischen Klimarisiken und die Folgen für die Bruttoinlandsprodukte vorgelegt. Das Papier macht sehr anschaulich, wo sich welche Auswirkungen bereits beobachten und in ihren finanziellen Dimensionen zumindest indikativ bestimmen lassen: Positively green: Measuring climate change risks to financial stability

Auf dem Weg zu klimaneutralen Treibstoffen?

Die Vereinigung der europäischen Raffineriebranche FuelsEurope hat eine Ambition veröffentlicht, nach der bis 2050 alle flüssigen Treibstoffe CO2-neutral sein könnten. Das notwendige Investitionsvolumen wird auf € 400 bis 650 Mio. geschätzt. Der Plan zielt dabei auf einen Mix aus verschiedenen Energiequellen wie Pflanzen, Elektrizität, Wiederverarbeitung und verbesserten Verfahren.

Das Papier, mit dem die Ambitionen publiziert wurden, enthält eine Reihe konkreter Beispiele, wie bereits an emissionsärmeren Treibstofflösungen gearbeitet wird. So haben kooperieren in Dänemark Orsted, der Flughafen Kopenhagen, die Fluglinie SAS und die Reederei Maersk in einem Projekt, dessen Produktion ab 2023 mit einer ersten Phase bis zum vollen Betrieb 2030 anlaufen soll: Clean Fuels for All, 15.6.2020.

FuelsEurope stellt auch eine interessante Änderung der Besteuerung zur Diskussion: Statt der Treibstoffmenge solle besser der Gehalt der enthaltenen Menge an Treibhausgasen besteuert werden. Liest sich für den Laien zunächst einmal sehr plausibel!?

Auch Biodiversität ist ein finanzielles Risiko

Die niederländische Zentralbank De Nederlandsche Bank (DNB) hat am 18.6.2020 eine Studie zu den finanziellen Auswirkungen von Verlusten an Biodiversität vorgelegt: Indebted to Nature. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 36% von € 1,4 Bio. finanzielle Vermögenspositionen des niederländischen Finanzsektors und damit ein Betrag von € 510 Mrd. durch Verluste an Biodiversität betroffen sein kann. Etwa € 28 Mrd. sind von der natürlichen Befruchtung von Pflanzen abhängig (N.B.: In manchen Regionen muss in der Landwirtschaft bereits ersatzweise künstlich befruchtet werden).

Hohe Ansprüche an nicht-finanzielle Informationen

Im Rahmen der Konsultationen für die Überarbeitung der EU Direktive zur nicht finanziellen Berichterstattung (Non-financial Reporting Directive, NFDR) haben die europäischen Finanzaufsichtsbehörden in einem gemeinsamen Schreiben Stellung genommen. Sie gehen davon aus, dass die aktuelle Direktive den deutlich gestiegenen Ansprüchen nicht mehr genügt. Bei einer Neufassung müssten verpflichtend Standards eingeführt werden, die „relevante, zuverlässige und vergleichte Informationen“ in der Berichterstattung sicherstellen: Gemeinsames Schreiben von EBA, EIOPA und ESMA vom 11.6.2020 (EN).

Nachhaltige Geldanlagen erneut stark gewachsen

Am 8.6.2020 veröffentlichte das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) seinen Marktbericht 2020. Insgesamt waren zum Jahresende 2019 269,3 Milliarden Euro in Anlageprodukte investiert, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien explizit in den Anlagebedingungen festschreiben. Das sind rund 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Berücksichtigt man außerdem die Kapitalanlagen, für die Nachhaltigkeitskriterien auf Unternehmensebene verankert sind, ergibt sich per Ende 2019 eine Gesamtsumme von rund 1,64 Billionen Euro für die verantwortlichen Investments in Deutschland.

2020-06-08 FNG

Die Privatanleger in Deutschland haben ihre Investments in Nachhaltige Geldanlagen in 2019 von 9,4 Milliarden Euro auf 18,3 Milliarden Euro gesteigert und tragen so wesentlich zum Gesamtwachstum Nachhaltiger Geldanlagen bei.

Neue Visakarte aus Kunststoffrecycling

Visa präsentierte die „Visa EarthwiseTM High-content Card“ die vom Hersteller CPI zu  98% mit Kunststoff aus Abfallrecycling hergestellt wird. Sie stellt damit einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft dar. Allerdings werden durch den Chip und Magnetstreifen immer noch wertvolle Rohstoffe benötigt. Dies ist bei den kartenlosen Zahlungsverfahren in Afrika und Asien durch Nutzung eines QR-Kode nicht der Fall.

2020-06-19 Visa_Upcycled_Karte

 

Alternative Materialien zu Rohölprodukten wurden bereits von anderen Herstellern eingeführt. So besteht die Kreditkarte der Triodos Bank aus Bioplastik, vornehmlich Mais. Dies reduziert nach Aussage der Bank den CO2-Ausstoß bei der Herstellung um 80%, allerdings steht die Herstellung des Materials in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.

 

2020-06-19 Triodos Karte

Bei elektronischen Zahlungsverfahren wie ApplePay kann auf eine Karte ganz verzichtet werden, wie dies in Deutschland auch von der Deutschen Bank bei der Markteinführung angeboten wurde. Eine neue Variante wird derzeit in Großbritannien entwickelt, bei der ein elektronisches Zahlungsverfahren auf eine bestehende flexible Kartenlösung aufbaut:

Samsung Pay Card

Am 24.6.2020 gaben Samsung UK und Curve die Kooperation zur Entwicklung der Samsung Pay Card in Zusammenarbeit mit Mastercard bekannt. Es soll sich um eine „digital first“ Lösung handeln. Damit ist wohl eine vorrangige digitale Begebung von Karten ohne physische Erstellung gemeint. Curve bietet dazu eine gute Grundlage, da in der Anwendung alle Kreditkarten hinterlegt werden können, um sie mit einer einzigen (Curve-)Karte zu nutzen.

Nachhaltigkeitsquatsch

Leider führen starke Trends wie Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft und insbesondere bei der Geldanlage auch zu weniger erfreulichen Entwicklungen. Dies ist m.E. bei der von der ESG Plus aus Österreich angeboten Plattform CLEANVEST. Einige Suchen mit verschiedenen (nicht registrierungspflichtigen) Einzelkriterien führten zu ziemlich befremdlichen Top-Empfehlungen.

Ein kurzer Test sagt mehr als hundert weitere Worte: CLEANVEST Suche

Seminar-/Veranstaltungstermine

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet seit März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Der Starttermin am 16.3.2020 und die Zusatztermine am 17. und 18.3.2020  sowie der Startternub an 23.6. waren bereits ausgebucht. Deshalb bietet die Academy am 28.7. und 29.9.2020 Termine für den Start weiterer Lehrgänge an. Der erste Lehrgangstag wird als Live-Webinar statt im Workshopformat duchgeführt. Eine voll digitale Variante ohne physische Teilnahme ist in Vorbereitung.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

Eine Beschreibung und einige Hintergründe zum  findet sich im Newsletter der Steyler Ethik Bank im Februar 2020: Nachhaltige Prozesse anstoßen.

In eigener Sache

Alle Angebote natürlich auch gerne im digitalen Rahmen als Webinar oder Videokonferenz!

Das BaFin Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken – was ist zu tun?

Das Merkblatt wurde am 20.12.2019 veröffentlicht. Es handelt sich zwar ausdrücklich nicht um eine (Regulierungs-)Vorschrift, sondern eine „Orientierungshilfe“, ist aber mit mit seinem sehr klaren Anspruch der Regulierungsbehörde versehen: „Die BaFin erwartet, dass die beaufsichtigten Unternehmen sich mit den entsprechenden Risiken auseinandersetzen.“

Während in den meisten größeren Finanzinstituten bereits mehr oder weniger viele Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit und (CSR-)Berichterstattung gesammelt wurden, ist dies bei kleineren/regionalen Instituten oft nicht der Fall. Allerdings gilt die große Mehrheit in Deutschland: Die Ansprüche der BaFin reichen weit über die vorhandenen Strukturen hinaus!

In einem ersten Workshop sollen deshalb zunächst die spezifischen Ansprüche und Bedarfe zusammengetragen werden. Dies ist im Regelfall schon innerhalb eines Tages zu bewältigen. Daraus lässt sich dann eine spezifische, detailliertere Arbeitsplanung zur Umsetzung des Merkblatts ableiten.

„In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland mehr als 600 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von annähernd € 200 Mrd. 104 Fonds tragen das im November 2019 vergebene „FNG-Siegel 2020“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 105 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtundachtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundachtzig

2020-05-12 Jahresbericht 2019

Titelbild/Bild: BaFin

Inhalt: BaFin – Jahrespressekonferenz; Deutsche Bank mit Ambitionen; Nachhaltigkeit im Marktabschwung; Die Klimastrategien der Ölkonzerne; Die Finanzwirtschaft in sozialen Medien; Revolut Junior – ein weiteres neues Jugendprodukt; Buchbesprechung Maja Göpel;  Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Kurzwebinar „Sustainable Finance im Überblick“; VÖB Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. Mai 2020 (ergänzt 20.5.2020 – Klimastrategien Ölkonzerne)

Dr. Ralf Breuer

BaFin – Jahrespressekonferenz

Am 12.5.2020 fand die Jahrespressekonferenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht statt. In der Rede fasste der Präsident der BaFin folgenden Befund: Die Krise verschärft die Probleme, die die Banken vorher schon hatten. Wenn sie vorbei ist, müssen sich die Institute umso dringender mit ihren Geschäftsmodellen beschäftigen. (Statement von Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt, für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bei der Jahrespressekonferenz 2020 der BaFin am 12. Mai 2020). Dazu gehört naturgemäß auch eine nachhaltigere Finanzwirtschaft.

Das Thema Nachhaltigkeit wurde im Zuge der Pressekonferenz nicht thematisiert, stark dagegen im gleichzeitig erschienenen Jahresbericht. Darin erteilt die BaFin Überlegungen für Kapitalerleichterung für nachhaltige Produkte (green support factor) eine klare Absage. Und es wird die Auffassung der BaFin noch einmal ausformuliert: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) begreift sie vor allem als Unternehmensrisiken. Für Nachhaltigkeit bei Produkten wird dagegen auf die Taxonomie der EU verwiesen (S. 33/34, BaFin Jahresbericht 2019)

Deutsche Bank mit Ambitionen

Im Vorfeld der (virtuellen) Hauptversammlung veröffentlichte die Deutsche Bank am 12.5.2020 u.a. das Redemanuskript des Vorstandsvorsitzenden Redemanuskript des Vorstandsvorsitzenden und eine ergänzenden Medieninformation: Die Deutsche Bank setzt sich ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele.

In der HV-Rede für den 20.5. ist das Thema Nachhaltigkeit prominent kurz vor dem Ende platziert.

„Damit kommen wir zum vierten Trend, der unsere Branche mehr und mehr bestimmt.
Im Moment mag die Pandemie das Thema Nachhaltigkeit überlagern – doch es wird
mit Macht zurückkommen. Die Sorge um den Klimawandel und das Bewusstsein, dass
wir entschieden und schnell handeln müssen, wird nicht kleiner, sondern größer
werden. Und damit die Forderung der Politiker und Regulatoren, dass wir Banken
entsprechend handeln.“

Die „ehrgeizigen Nachhaltigkeitsziele“ der Bank lauten im Originaltext der oben verlinkten Medieninformation:

  • Mindestens 200 Milliarden Euro an nachhaltigen Finanzierungen
    und Anlagen bis 2025
  • Voraussetzungen für erste eigene grüne Anleihe geschaffen
  • Stromverbrauch der Bank bis 2025 komplett aus erneuerbaren
    Energien

Das Ziel von € 200 Mrd. schließt ausdrücklich nicht ein Volumen von € 70 Mrd. ein, das aktuell von der Vermögensverwaltungsgesellschaft DWS als „ESG-Vermögen“ verwaltet. wird. Mit diesem Hinweis wird allerdings deutlich, das das Ziel einer sehr weite bzw. weiche Auffassung von Nachhaltigkeit folgt, bei der entsprechende Kriterien berücksichtigt, nicht aber auch durchgehend Wirkung verfolgt wird.

Bemerkenswert, das die Bank zwar die Bedeutung von Nachhaltigkeit für die Produktgestaltung erkannt hat, jedoch keinen einzigen Fonds der DWS zur Prüfung des FNG-Siegels für nachhaltige Geldanlagen gestellt hat. Damit befindet sie sich allerdings in Gesellschaft, da weder Deka Investments noch Union Investment Fonds für private Kunden für die Siegelprüfung beworben wurden. Bei letzterer waren nur sechs institutionelle Fonds unter den 104 Fonds mit dem FNG-Siegel 2020. Die „Uniinstitutional Fonds“ wurden zu 2/3 den drei möglichen Sternen ausgezeichnet: FNG Siegel 2020.

Allerdings stellt sich Frage, ob die Bank tatsächlich ihre Bemühungen um nachhaltige private Geldanlagen tatsächlich verstärken muss. Die nachstehend berichteten Marktentwicklungen, insbesondere bei „grünen Anleihen“ und Krediten mit Nachhaltigkeitsbezug lassen die Ambitionen der Bank in einem deutlich bescheidener erscheinen: Mit den in den der Medieninformation genannten € 3,5 Mrd. aus 22 Transaktionen aus grünen Anleihen, Sozialanleihen, Nachhaltigkeitsanleihen und an Nachhaltigkeitskriterien gebundenen Bonds seit Jahresbeginn notiert die Bank auf Platz 10 der internationalen Rangliste (Dealogics) – und dieser Markt hatte trotz Pandemie im ersten Quartal 2020 noch ein Volumen von USD 60 Mrd. Unter Hinzurechnung des Kreditmarktes im gleichen Zeitraums lag das Marktvolumen bei immerhin knapp USD 100 Mrd. in den ersten drei Monaten des Jahres (s.u.).

Selbst ohne drastisch erhöhte Wachstumserwartungen erscheinen deshalb € 200 Mrd. eher als Realisierung des Marktanteils im internationalen Anleihe- und Kreditgeschäft leicht erreichbar – auch ohne eine Produktoffensive bei privaten Kunden. Dort dürfte es sich eher um moderate Anpassungen handeln wie die Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien an  sich und die Umfirmierung von Produkten in diesem Sinne. Beispiele sind die Veränderungen bei Produkten wie ETFs, z.B. Xtrackers.

Und dennoch ist spannend, inwieweit die Erkenntnis des Vorstandsvorsitzenden im Redetext für die Hauptversammlung am 20.5.20 Leitlinie für das Handeln wird: Das Thema Nachhaltigkeit ist ein Megatrend, der durch Corona nicht nur nicht aufgehalten, sondern sogar noch beschleunigt wird“ (Manuskript S. 11).

Nachhaltigkeit im Marktabschwung

Börsenkurse und Fonds

Bereits die vorausgegangene Ausgabe enthielt einen Bericht über die Marktentwicklung von Finanzmärkten mit nachhaltigen Eigenschaften im weiteren Sinne. Z.B. HSBC, Morningstar, MSCI, Scope und Robeco haben zwischenzeitlich ebenfalls Analysen veröffentlicht, die „nachhaltigen“ Produkten geringere Kursverluste in den fallenden Märkten von Q1 bzw. Januar bis April bescheinigen.

Während bei überwiegend im Trend positiver Marktentwicklung keine negativen Auswirkungen von Nachhaltigkeit auf die Wertentwicklung festgestellt wurden, lautet der Befund für das negative Marktumfeld 2020 eindeutig „Verlustminderung“.

Laut der von „Scope“ am 5.5.2020 veröffentlichten Analyse haben sich (irgendwie) nachhaltig orientierte Aktienfonds besser als konventionell verwaltete Fonds entwickelt:

2020-05-05 Scope Fonds nachhaltig vs konventionell

Die Analyse von Scope lässt schließen, dass sich aktiv verwaltete Fonds im ersten Quartal 2020 spürbar besser (bzw. weniger schlecht) entwickelt haben als passive (ETFs).

2020-05-05 Scope Q1 aktiv vs passiv

Das weniger stimmige Bild für nordamerikanische Aktienfonds dürfte sich im zweiten Quartal 2020 auflösen, da die Pandemie erst Mitte März einsetzte.

Green Bonds

Eindeutig negativ wirkten sich die Märkte und die Pandemie auf die Begebung neuer „grüner Anleihen“ (Green Bonds) aus. Wegen einer im ersten Quartal deutlich unter den Erwartungen liegenden Emissionstätigkeit senkte Moody’s  die Prognose 2020 für das Neugeschäft von USD 400 Mrd. auf USD 325 Mrd. und damit auf den Wert des Vorjahres (USD 323 Mrd.). Im ersten Quartal 2020 wurden lediglich USD 59,9 Mrd. neue Anleihen mit Nachhaltigkeitsbezug begeben. Dieser Wert lag 14% unter dem Vorjahreszeitraum. Die Ratinggesellschaft führt dies auch auf die durch die Pandemie erhöhten Risikoprämien zurück.

Es scheint berechtigt, auch für das laufende zweite Quartal von Zurückhaltung auszugehen, da sich die Krise im April und in einigen Regionen auch danach noch weiter verschärfte. Allerdings erscheint die Bildung von Erwartungen unter den aktuellen Umfeldbedingungen schwierig. Die nachstehend beschriebene Entwicklung für Kredite lässt allerdings erwarten, dass Emissionsabsichten eher verschoben oder aber in den Kreditmarkt verlagert werden könnten.

Kredite mit Nachhaltigkeitsbezug

Kredite mit Nachhaltigkeitsbezug (Sustainability-linked loans) mit  $9.8 Mrd. Neugeschaft auch im April. Das Kreditgeschäft lag damit deutlich über dem Vorjahr. Die „Global Loan Market Associatio“ legte in der vergangenen Woche ein neues Rahmenwerk für diese Kredite vor: New guidelines.

 

Die Klimastrategien der Ölkonzerne

Nach Repsol, BP und Shell legte nunmehr auch Total eine Klimastrategie zur Reduzierung von Treibhausgasen vor. Und alle Strategien interpretieren das Thema unterschiedlich.

Die Abweichungen mögen auf den ersten Blick nicht groß und eher technisch erscheinen, wirken sich jedoch auf das Ergebnis aus „Net-Zero“ ist leider kein eindeutiges Resultat, weil u.a. die Kategorisierungen und Meßansätze abweichen.

Total legte am 5.5.20 folgenden Plan vor:

Weltweite Neutralität bei Scope 1 (eigen Emissionen) und 2 (Emissionen aus bezogener Energie) bis zum Jahr 2050

Europaweite Neutralität bei der Verwendung der Produkte (Scope 3) 2050, dies entspricht etwa 60% des globalen Wertes

Reduzierung der Emissionsintensität aller verbleibenden Produkte (CO2/Energiewert) um 60% bis 2050 mit Zwischenzielen von 15% (2030) und 35% (2040)

Alle vier Strategien sind für Scope 1 und 2 identisch, allerdings entsprechen diese nur etwa 10% der Emissionen. Der Schwerpunkt liegt – wie bei den meisten Unternehmen, aber eher mit Anteilen von 75% – bei den verursachten Emissionen in Scope 3, also der Verwendung der Produkte, auf die nur mittelbar Einfluss besteht.

BP: Reduzierung Scope 3 für selbst gefördertes Öl und Gas auf Null und Halbierung der Emissionsintensität der verbleibenden Produkte bis 2050

Repsol: Reduzierung Scope 3 für selbst gefördertes Öl und Gas auf Null bis 2050, keine Aussage zu den verbleibenden Produkten

Shell: Reduzierung der Emissionsintensität der verbleibenden Produkte um 65% bis 2050, Verkauf von Öl und Gas ausschließlich an Kunden mit einem Plan für Emissionsfreiheit oder Kompensation der Emissionen

Damit ist „net-zero“ keineswegs Emissionsfreiheit. Aktuell fehlen hierfür Standard. Die „Science Based Targets Initiative (SBTi), ein Zusammenschluß internationaler Umweltorganisationen, plant allerdings im Oktober Standards für glaubwürdige Klimastrategien mit Emissionsfreiheit (net-zero plans) vorzulegen. An diesen werden sich dann wahrscheinlich internationale Investoren orientierten und könnten auf eine Verstärkung der Bemühungen in der Realwirtschaft drängen.

Ergänzung 20.5.2020:

Die (heterogenen) Ankündigungen der europäischen Öl- und Gaskonzerne blieben nicht ohne Kritik: Die Investorengruppe Transition Pathway Initiative , mit rund USD 19 Bio. verwalteten Mitteln hält die Strategien im Sinne des Klimaschutzabkommens von Paris nicht für hinreichend, da die resultierenden Anpassungspfade immer noch deutlich über einem Erwärmungsziel von 2° liegen würden:

2020-05-20 TPI Grafik CO2 Strategien

Quelle: Transisition Pathway Initiative 12.5.2020

Die Bank Sarasin und Partner unterstützt die Initiativen von Royal Dutch Shell und Total, die bei einem entsprechenden Beschluß in die Unternehmenssatzungen eingehen würden. Ohne konkrete Umsetzung, z.B. durch eine veränderte Kapitalallokation, blieben sie aber „leere Versprechen“ (EN): Sarasin & Partners – Statement of support for Paris-alignment Shareholder Resolutions at Shell and Total SA.

N.B.: Nach der Hauptversammlung am 7.5.2020 hat auch die britische Barclays Bank das Klimaschutzabkommen in seiner Satzung als Handlungsgrundlage verankert: Barclays AGM Statements 7.5.2020.

Revolut Junior – ein weiteres neues Jugendprodukt

Nach gefühlten 50 Jahren mit Knax, Sumsi & Co. in nahezu unveränderten Formaten erscheint die Vernachlässigung junger (Nachwuchs-) Kunden zu einem Ende zu kommen. Nach dem niederländischen FinTech Peaks (vgl. Nummer Siebenundachtzig) startete nun der britische Anbieter Revolut sein Angebot Revolut Junior.

Kunden der Produkte Premium (€ 7,99 p.m.) und Metal (€ 13,99 p.m.) können nun ohne Mehrkosten 2 bzw. 5 Unterkonten für ihre Kinder zwischen 7 und 17 Jahren einrichten. In der Außendarstellung bleiben die Eltern rechtlich voll verantwortlich, auch werden die Karten (Mastercard Direct Debit) nicht auf den Namen der „Junioren“ ausgestellt. Über die Unterkonten sind allein Kartenzahlungen und Geldabhebungen in begrenzter Anzahl und keine Überweisungen möglich. Die Eltern als Kontoinhaber können Betragsgrenzen unterhalb der von Revolut vorgesehenen Höchstgrenzen per App steuern.

Ebenso wie die Revolut Konten selbst werden die Junior-Unterkonten strikt auf Guthabenbasis geführt. Negative Salden können allein durch fällige Gebühren für Revolut entstehen. Die Eltern können ebenso wie die Junioren alle Transaktionen einsehen.

Für die Zukunft sind weitere Funktionen geplant, die laut Revolut einen Beitrag zur „Finanzbildung“ oder Besser „Umgang mit Geld“ beitragen sollen. Inhaltliche Mehrwerte im Sinne von über die Verfolgung der getätigten Transaktionen hinausgehenden Informationen werden nicht avisiert. Im Originaltext heißt es über zukünftige Ausbaustufen: „Unterstützung für wiederkehrende Zuwendungen, Verdienstaufgaben, Sparen für Ziele und mehr.“ Insbesondere das (Ziel-)Sparen wäre eine wichtige Basisfunktion.

Französische Angebot enthalten meistens auch die Funktionen „Teilen“ (von gemeinsamen Ausgaben) und „Sammeln“ (für gemeinsame Geschenke) mit Freunden.

Die Finanzwirtschaft in sozialen Medien

Die Kollegen von Payment & Banking haben dem Auftritt der deutschen Banken in sozialen Medien einen der wenigen raren Artikel gewidmet: Bjoern Schneider: Die Banken und das Social Web, 12.5.2020. „Kundennähe, Markenaufmerksamkeit und ein Dialog mit der Zielgruppe lassen sich für Unternehmen über die sozialen Medien oft sehr schnell und mit wenig Aufwand erreichen“ lautet das Credo im Eingangssatz und weist zutreffend auf die besonderen Herausforderungen für Finanzdienstleister hin. Allerdingshätte dem Artikel ein etwas tieferer Blick in die Realität der aktuellen Auftritte deutscher Finanzdienstleister sehr gut getan.

Das in der im Artikel dargestellte Bild oben spiegelt tatsächlich zutreffend einen Teil der Realität bei Facebook und Twitter wider: Die beiden Top-Kanäle gehören tatsächlich zu den besseren, auf die deutlich mehr Mühe bzw. Arbeitszeit verwendet wurde als  dies bei nachfolgenden Plätzen der Fall war. ING pflegt die Inhalte ganz gut und konzentriert sich weitgehend auf volkswirtschaftliche Analysen und größere Finanzthemen ohne mit Werbebotschaften zu langweilen. Bei comdirect handelt(e) es sich sogar um einen Kanal mit Antwortwahrscheinlichkeit, was bei kaum einem anderen „Auftritt“ der Finanzbranche der Fall ist. Allerdings wird der Auftritt seit Bekanntwerden der Integration in die Commerzbank deutlich weniger gepflegt.

Der Autor hat seiner Feststellung am Schluss auf jeden Fall Recht: „Mittel- und langfristig im Vorteil sind all jene Institute, die sich einem permanenten Dialog öffnen, ohne dabei das eigene geschäftliche Interesse komplett zu verleugnen oder kleinlaut auszublenden.“ Die Frage stellt sich aber, ob dies in der Branche überhaupt angenommen wird. Antwort in Ausnahmefällen ja.

Die Realität

ING belegt bei den aufgeführten Namen den ersten Rang mit Berechtigung in Hinblick darauf, dass die Bank die sozialen Medien nicht wie viele Wettbewerber als günstigen Werbekanal misversteht. Aber: Mit 9 Mio. Kunden, 10.000 Followern und 94.000 Menschen bei Facebook, denen es mal gefallen hat, also 0,1 bzw. 1% etwa. Reichweite sieht wohl anders aus. Trotz der „digitalen Marktführerschaft“.

Anders sieht dies insbesondere bei den ‚Umweltbanken‘ GLS Bank und Triodos Deutschland aus: Beide Banken führen ihre Kanäle sehr eng und betreiben auch einen hohen redaktionellen Aufwand für die Bereitstellung von Inhalten. Im Ergebnis: GLS Bank hat bei 242.000 Kunden 18.500 Follower bei Twitter und 32.000 Likes bei Facebook. Triodos erreicht bei 27.000 privaten Kunden Werte von 3.100 bzw. 12.400 (Stand Mai 2020).

Die meisten Kanäle sind leiden unter mangelnder Betreung und sind dabei ideen- sowie konzeptionslos. Manches lokale Institut macht dagegen eine sehr gute, thematisch fokussierte Arbeit. Mit mehr ‚Freunden‘ und ‚Verfolgern als große, bundesweite Bankenwurden regelrechte Ecosysteme geschaffen.

Vergleicht man zusätzlich stichprobenweise einmal Mitarbeiterzahlen mit Followern und Freunden, hat bei vielen Banken schon die Mehrzahl der eigenen Mitarbeiter kein Interesse und damit auch keinerlei Bindung zu ihrem Arbeitgeber in sozialen Medien.

Buchbesprechung

Maja Göpel: „Unsere Welt neu denken“

Im „Literaturkurier“ der Buchhandlung Kayser in Rheinbach und Wesseling besprach ich kurz das Buch von Maja Göpel. Bermerkenswert, wie unpolitisch in der Sache und unprofessoral in der Sprache die Autorin wichtige ökonomische und gesellschaftspolitische Fragen erörtert und damit einen etwas anderen Blick auf Nachhaltigkeit vermittelt. Vor allem das „warum“ steht im Mittelpunkt. Und da entfallen viele Diskussionen, die immer wieder um die Fragen nach „wie“ aufkommen.

Eine ausführlichere Würdigung des Buches ist im Kundenmagazin der Triodos Bank Deutschland. Die Veröffentlichung erfolgte im Onlinemagazin „Die Farbe des Geldes“, das auch die Liste der deutschsprachigen sozialen Medien zu Nachhaltigkeit nachhaltige100 führt: Ein Appell an das gesunde „Bauchgefühl“.

Seminar-/Veranstaltungstermine

Kurzwebinar: Sustainable Finance im Überblick (kostenfrei), 25.5.2020, 13-14h

Begleitend zum unten beschriebenen Zertifikatslehrgang der Academy of Finance der VöB-Service GmbH „Sustainable Finance“ ist keineswegs eine politische Antwort auf ökologische Strömungen oder gar FridaysForFuture, sondern grundlegende geschäftspolitische Logik in Zeiten von Klimawandel und massiven strukturellen Veränderungen. Im Webinar wird ein Überblick vermittelt, was Nachhaltigkeit und insbesondere auch nachhaltige(re) Finanzinstrumente beinhalten. Der Denkrahmen der BaFin und der internationalen Finanzinvestoren ist klar vorgezeichnet: Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Problemfeldern und das Klimaschutzabkommen von Paris 2015 sind auch die Grundlagen für die deutschen Nachhaltigkeitsstrategien und den Aktionsplan „Sustainable Finance“ der Europäischen Kommission.

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet seit März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Der Starttermin am 16.3.2020 und die Zusatztermine am 17. und 18.3.2020  waren bereits ausgebucht. Deshalb bietet die Academy am 23.6. und 28.7.2020 Termine für den Start weiterer Lehrgänge an. Der erste Lehrgangstag wird als Live-Webinar statt im Workshopformat duchgeführt. Der Start am 23.6. ist bereits definitiv bestätigt. Eine voll digitale Variante ohne physische Teilnahme ist in Vorbereitung.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

Eine Beschreibung und einige Hintergründe zum  findet sich im Newsletter der Steyler Ethik Bank im Februar 2020: Nachhaltige Prozesse anstoßen.

In eigener Sache

Alle Angebote natürlich auch gerne im digitalen Rahmen als Webinar oder Videokonferenz!

Das BaFin Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken – was ist zu tun?

Das Merkblatt wurde am 20.12.2019 veröffentlicht. Es handelt sich zwar ausdrücklich nicht um eine (Regulierungs-)Vorschrift, sondern eine „Orientierungshilfe“, ist aber mit mit seinem sehr klaren Anspruch der Regulierungsbehörde versehen: „Die BaFin erwartet, dass die beaufsichtigten Unternehmen sich mit den entsprechenden Risiken auseinandersetzen.“

Während in den meisten größeren Finanzinstituten bereits mehr oder weniger viele Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit und (CSR-)Berichterstattung gesammelt wurden, ist dies bei kleineren/regionalen Instituten oft nicht der Fall. Allerdings gilt die große Mehrheit in Deutschland: Die Ansprüche der BaFin reichen weit über die vorhandenen Strukturen hinaus!

In einem ersten Workshop sollen deshalb zunächst die spezifischen Ansprüche und Bedarfe zusammengetragen werden. Dies ist im Regelfall schon innerhalb eines Tages zu bewältigen. Daraus lässt sich dann eine spezifische, detailliertere Arbeitsplanung zur Umsetzung des Merkblatts ableiten.

„In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland mehr als 600 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von annähernd € 200 Mrd. 104 Fonds tragen das im November 2019 vergebene „FNG-Siegel 2020“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 105 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

2019-04-12_FFF BN1

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Siebenundachtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunundsechzig

 

2019-03-14 Klimawandel S4F

Inhalt: Noch mehr Klimaschutz…; Bundesregierung mit Klimakabinett, Aktion Mobilität; Nachhaltige Anlagen und Kredite immer verbreiteter; Was hat Apple Pay mit Nachhaltigkeit zu tun?; In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Mitunterzeichner …ForFuture; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

26. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Noch mehr Klimaschutz…

Nach dem vorläufigen Höhepunkt der weltweiten Demonstrationen für eine konsequente Bekämpfung des Klimawandels erklären sich in Deutschland immer mehr Berufsgruppen solidarisch. Neben mehr als 23.000 deutschsprachigen Wissenschaftlern haben zwischenzeitlich auch Landwirte, Unternehmer, Autoren, Lehrer sowie Mitarbeiter in Gesundheitsberufen Initiativen begonnen.

Auch Politiker sprechen sich parteiübergreifend für bessere Maßnahmen der deutschen Regierung aus. – Ein sehr aktiver Akteur der „PoliticiansForFuture“ ist der Bürgermeister von Eltville, Patrick Kunkel (CDU). Am vergangenen Wochenende rief auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz seine Parteikollegen auf, die nicht mehr nur noch jugendlichen Proteste für den Klimaschutz und gegen die geplante Urheberrechtsreform (§13) endlich ernst zu nehmen. Anderfalls verlöre die Partei eine ganze Generation.

Diese Entwicklungen sind nicht auf Deutschland beschränkt. So rief auch die (grüne) britische Parlamentsabgeordnete Caroline Lucas parteiübergreifend zur Ausrufung des Klimanotstands auf.

Bundesregierung mit „Klimakabinett“, Aktion Mobilität

Die Bundesregierung gab am 20.3.2019 die Einrichtung eines „Klimakabinetts“ bekannt. Originaltext der Regierungspressekonferenz vom 20.3.2019„Wie schon angekündigt, hat das Kabinett heute entschieden, einen Kabinettausschuss „Klimaschutz“ einzurichten. Der Ausschuss hat die Aufgabe, die rechtlich verbindliche Umsetzung des Klimaschutzplans sowie der für Deutschland verbindlichen Klimaschutzziele für das Jahr 2030 vorzubereiten. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass die Bundesregierung in diesem Jahr die gesetzlichen Regelungen dafür verabschieden will.

Dieser Kabinettausschuss wird alle mit dem Thema befassten Minister und Ministerinnen zusammenbringen. Vorsitzende ist die Bundeskanzlerin. Stellvertretender Vorsitzender ist der Bundesfinanzminister als Stellvertreter der Bundeskanzlerin. Die sogenannte Beauftragte Vorsitzende – so etwas gibt es in Kabinettausschüssen immer – ist die Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Weitere ständige Mitglieder sind der Bundesinnenminister, der Bundeswirtschaftsminister, die Bundeslandwirtschafts- ministerin, der Verkehrsminister, der Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun und der Chef des Bundespresseamtes, also ich. Andere Mitglieder der Bundesregierung können einbezogen werden, soweit sie in ihrer Zuständigkeit betroffen sind.“

Zusätzlich hat die Bundesregierung eine „Konzertierte Aktion Mobilität“ begonnen, in die Industrie und insbesondere die Automobilindustrie einbezogen wird. (Pressekonferenz nach dem Münchner Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft 15.3.2019).

Im Zuge dieser Schritte sind das Bundesumweltministerium und das Bundesverkehrsministerium nicht mehr für den Klimaschutz zuständig. Die Bundesumweltministerin wurde als „Beauftragte Vorsitzende“ des Klimakabinetts eingesetzt.

Nachhaltige Anlagen und Kredite immer verbreiteter

Am 1.4.2019 wird die „Global Sustainable Investment Alliance“ ihren Jahresbericht zum Jahr 2018 veröffentlichen. Der Bericht liefert erfahrungsgemäß interessante Einblicke in die aktuellen Entwicklungen. Er dürfte den starken Trend zur vermehrten Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Vermögensverwaltung bestätigen.

Auch im internationalen Firmenkreditgeschäft mit Großunternehmen werden verstärkt Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Mittlerweile wurden durch mehrere Organisationen freiwillige Leitlinien für Kredite mit Nachhaltigkeitsbezug formuliert (Loan Market Association (LMA), London, Loan Syndicated and Trading Association (LSTA), New York, Asia Pacific Loan Market Association (APLMA).

Als erste Notenbank hat die niederländische Zentralbank DNB die UN Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren „UN PRI“ unterzeichnet. Sie wird die Kriterien zukünftig bei der Auswahl von Asset Managern und anderen Kontrahenten anwenden. Die DNB erhofft sich, hierdurch weitere Finanzinstitutionen zur Anwendung der UN PRI motivieren zu können (Pressemitteilung vom 20.3.2019).

Was hat Apple Pay mit Nachhaltigkeit zu tun?

Mehr als viele annehmen und mehr als das Unternehmen selbst zur Einführung einer neuen digitalen Kreditkarte in den USA berichtet. Bzw.: Das Thema Nachhaltigkeit kommt in der Ankündigung der Apple Card gar nicht vor.

1. Die Apple Card in den USA

Apple begibt zukünftig in Kooperation mit Goldman Sachs eine Mastercard vollständig digital. Ein derartiges Verfahren hatte die Deutsche Bank bereits bei der Einführung von Apple Pay in Deutschland lanciert (Nummer Zweiundsechzig). Mit „Einfachheit, Transparenz und Datenschutz“ soll den Nutzern ein „gesünderes finanzielles Leben“ ermöglicht werden (Pressemitteilung vom 25.3.2019).

Die virtuelle Apple Card soll gebührenfrei sein und wird mit umfangreichen Bonusprogrammen verbunden. Eine Besonderheit ist die tägliche Gutschrift von Boni. Üblicherweise erfolgt die Gutschrift bei Bonusprogrammen auf monatlicher Basis. Insgesamt ist das Konzept an die marktüblichen Angebote in den USA angeglichen und bietet offenbar keine spezifischen Vorteile (Bloomberg 25.3.2019).

Anders als in Deutschland haben die Kunden der Apple Card die Möglichkeit, zusätzlich eine physische Karte zu beantragen, die auch dort eingesetzt werden kann, wo Apple Pay nicht akzeptiert wird. Diese Karte soll in einer edlen „Titan“-Version ausgegeben werden. Ob für diese Karte eine Gebühr erhoben wird, ist anhand der Pressemitteilung unklar. Die Markteinführung wurde für den „Sommer 2019“ avisiert. Die Karte wird nur den Namen von Karteninhaber/in tragen und keine weiteren sichtbaren Informationen.

iPhone showing Apple Card and stats.

Foto: Apple Inc.

Bei k(l)einer Gebührenbelastung für die Titankarten wäre dies vor allem ein Angriff auf kleinere Dienstleister wie Curve, N26 und Revolut, die mit hochpreisigen Metallkarten im Markt sind (vgl. Preisübersicht N26, Revolut, Tomorrow Stand 16.1.2019) und einen Start in den USA planen.

2. Was macht die Apple Card nachhaltig(er)?

In Deutschland werden rund 57 Mio. Smartphones genutzt (Quelle: statista 11.12.2018), die technisch reichlich dimensioniert sind. Gleichzeitig tragen alle 130 Mio. Bank- und Kreditkarten leistungsfähige Chips sowie Magnetstreifen, die zu einem erheblichen Teil nur wenig genutzt werden. Insofern wäre es deshalb naheliegend, andere Lösungen zu wählen, die diesen Materialeinsatz verringern. Eine Variante wären optische Lösungen (QR-Codes, vgl. Weniger Karten in die Brieftasche hier im Blog) oder die von den mobilen Bezahlangeboten genutzte NFC-Funktion der Smartphones, die dann auf den Karten selbst entfallen könnte.

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Mitunterzeichner …ForFuture

Gerne bin ich den Aufrufen der „ScientistsForFuture“ www.scientists4future.org und „EntrepreneursForFuture“ www.entrepreneurs4future.de gefolgt und habe die jeweiligen Initiativen mitunterzeichnet.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundsechzig: Ein Jahr EU-Aktionsplan

Beitragsbild: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

 

Inhalt: Ein Jahr EU-Aktionsplan; Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen (sic); Polen mit € 2 Mrd. Green Bonds; Was sagen Finanzminister und Sparkassenpräsident?; #Rosenmontag4Future; Oskar ohne Zukunft?; Kreditkarten: Gestern, heute, morgen; Sparda-Bank München: Nachhaltigkeit und Ökonomie; In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

8. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Ein Jahr EU-Aktionsplan

Am 8.3.2018 veröffentlichte die EU-Kommission ihren Aktionsplan für Nachhaltigkeit in der europäischen Finanzwirtschaft. Bei der öffentlichen Präsentation und Diskussion am 22.3.2018 unterstützte der französische Staatspräsident den Plan mit einem starken persönlichen Appell vor Ort. Was ist seither geschehen? – Je nach Blickwinkel liegt der Befund zwischen „reichlich viel“ und „herzlich wenig“. Einige Beispiele:

Reichlich viel…

  • Der heiße Sommer 2018 mit Dürre und Waldbränden schärften das Bewußtsein der breiten europäischen Bevölkerung für den Klimawandel
  • Breite Bevölkerungsschichten solidarisierten sich parteiübergreifend gegen die Rodung des Hambacher Forstes
  • Drohende Dieselfahrverbote und die Energiewende arbeiteten sich bereits tief in die Bilanzen und Perspektiven der gesamten (Kredit-)Wirtschaft
  • Klimarisiken haben aufsichtlich eine hohe Relevanz
  • Auch andere Themen von Nachhaltigkeit wie Bildung und bezahlbares Wohnen haben für die Wahlberechtigten einen hohen Stellenwert
  • Mit den Schulstreiks nach dem Beispiel der sechszehnjährigen Schwedin Greta Thunberg ist der Klimaschutz zu einer wesentlichen Forderung junger Bevölkerungsschichten geworden
  • Private (BdB) und öffentliche (VÖB) Banken sowie viele globale Stimmen in der Finanzindustrie haben den EU-Aktionsplan begrüßt
  • Die EU-Expertengruppe hat zwischenzeitlich einen ersten Entwurf für die Klassifizierung von nachhaltigen Finanzprodukten vorgelegt (sogenannte „Taxonomie“)

Herzlich wenig…

  • Die Rodung im Hambacher Forst wurde gerichtlich ausgesetzt, nicht aus Gründen der Staats- oder Unternehmsräson
  • Die Bundesregierung der der Ministerialapparat hat sich bei verschiedenen Gelegenheiten zustimmend zum EU-Aktionsplan geäußert. Allerdings sieht der Beschluß des Staatssekretärausschusses für nachhaltige Entwicklung vom 25.2.2019 lediglich den Anspruch auf einen „führenden Finanzplatz Deutschland“ einen „Strategieentwurf“, jedoch keine konkreten Umsetzungsschritte vor
  • Die größten deutschen Finanzgruppen haben sich bei Nachhaltigkeit kaum oder gar nicht positioniert (Anm.: Vielleicht ändert sich dies am 4.6., s.u.)
  • Die Politik und Teile der Öffentlichkeit bewerten die jugendlichen Proteste für besseren Klimaschutz zum Teil – wider die eigene (politische) Vernunft

Greta Thunberg kam sowohl beim Weltklimagipfel 2018 in Katowice als auch beim Weltwirtschaftsgipfel 2019 in Davos zu Wort. In Katowice stellte sie sinngemäß fest: „Politiker wollen nicht die Welt retten, sondern die nächsten Wahlen gewinnen“.

In diesem Punkt scheint sie zu irren: Etwa fünf Prozent oder 3 Mio. der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl 2017 waren Erst- und Jungwähler. Nur die FDP konnte in dieser Altersgruppe bis zu 24 Jahren einen Zweitstimmenanteil über dem Wahlergebnis erzielen. Trotz der abnehmenden Geburtenzahlen in den Jahren 1999 bis 2002 werden bis zur nächsten Wahl 2021 weitere 3 Mio. junge Menschen wahlberechtigt. (Quellen: Destatis, gerne die relevanten Links bei Bedarf).

Zusammen mit den jungen Menschen, die sich als Studenten mit den Demonstranten bei #FridaysForFuture solidarisieren und den wachsenden Initiativen Erwachsener (#ParentsForFuture, #ScientistForFuture) erscheint die rüde Ablehnung der Schülerinitiativen durch einige Politiker ungeachtet der dafür genannten Gründe politisch kaum opportun, wenn die Sache in sich nicht bestreitbar ist.

Was für die Politik gilt, gilt noch mehr für die Kreditwirtschaft: Jung- und Erstwähler sind das zahlenmäßig größte Potenzial neuer Kunden. Und was die jungen Menschen fordern, wird nahezu jeden Freitag ausgesprochen.

Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen (sic)

So lautet der Originalton der Mitteilung des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung (BPA) vom 26.2.2019 (BPA 26.2.2019) zur Sitzung des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung am Vortag. Und weiter:

„Schwerpunkt der gestrigen Sitzung des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung unter Leitung von Bundesminister Prof. Helge Braun im Bundeskanzleramt war das Thema Nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance). Darunter versteht die Bundesregierung, dass Nachhaltigkeitsaspekte von Finanzmarktakteuren bei Entscheidungen berücksichtigt werden. An der Sitzung nahmen die für Nachhaltigkeitsthemen zuständigen Staatssekretäre der Bundesministerien sowie externe Expertinnen und Experten teil.

Initiiert vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) beschloss der Staatssekretärsausschuss, eine Sustainable Finance-Strategie der Bundesregierung zu entwickeln. Damit soll Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort ausgebaut werden.“

Liest sich erst einmal gut, aber wirklich konkret wird Nachhaltigkeit in Finanzwirtschaft (Sustainable Finance) damit nicht. Zunächst einmal geht es um Strategie. Und dies fast genau ein Jahr nach der Veröffentlichung des Aktionsplans der EU-Kommission (Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung) und ein halbes Jahr nach dem zweiten deutschen „Sustainable Finance Gipfel“ mit starker Beteiligung verschiedener Bundesministerien (Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfzig – Sustainable Finance Gipfel Deutschland).

Die Begebung von Klima- oder Nachhaltigkeitsanleihen (Green Bonds, Sustainability Bonds) wird derzeit lediglich für die Anschlußfinanzierung laufender Anleihen erwogen. Neue Projekte, insbesondere für den Klimaschutz und die Energiewende sind demnach nicht geplant. Aus ökonomischer Sicht ist die „schwarze Null“ im derzeitigen Zinsumfeld ohnehin nicht rational. Entweder sollte entschuldet werden oder aber das Zinsniveau für die Finanzierung langfristiger Infrastrukturprojekte genutzt werden. Dass der Markt hierfür sehr aufnahmebereit wäre, wurde an zwei Emissionen des polnischen Staats deutlich.

Polen mit € 2 Mrd. Green Bonds

Ab dem 7.3.2019 werden an der Börse Luxemburg zwei Anleihen der Republik Polen notiert, die den internationalen Standards für Green Bonds (Green Bonds Principles) und dem von dem Land selbst gesetzten Standard genügen. Sie sind mit einer „zweiten Meinung“ von Sustainalytics versehen.

Bei der Platzierung der Anleihen über € 1,5 Mrd (1%, 10 Jahre) und € 500 Mio. (2%, 30 Jahre) lag das Zeichnungsvolumen mit € 3,5 Mrd. bzw. € 1,5 Mrd. deutlich über den Emissionsvolumina. Die Mittelverwendung ist auf Projekte in folgenden Bereichen beschränkt: Erneuerbare Energien, Eisenbahninfrastruktur, nachhaltige Landwirtschaft, Wiederaufforstung, Nationalparks, Renaturierung kontaminierter Landschaften. U.a. ist auch die Verwendung der geschaffenen Infrastruktur für den Transport fossiler Brennstoffe (insbesondere also Kohle) ausgeschlossen. Auf der Internetseite der polnischen Regierung sind die Unterlagen zur Dokumentation bereitgestellt: Ministry of Finance – International Bonds.

Was sagen Finanzminister und Sparkassenpräsident ?

Am 5.3.2019 versandte der Rat für Nachhaltige Entwicklung das Programm der 19. Jahreskonferenz. Auf der Referentenliste sind neben Union-Vorstand Alexander Schindler auch Finanzminister Olaf Scholz und DSGV-Präsident Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis. Beide Persönlichkeiten haben sich bisher zu Nachhaltigkeit nicht als Herzensangelegenheit geäußert.

Insofern wird es interessant sein, wie sich Herr Dr. Schackmann-Fallis in einem Podiumsgespräch und der Finanzminister in der darauf folgenden dreissigminütigen Rede äußern werden.

#Rosenmontag4Future

Die von Jaques Tilly entworfenen Mottowagen aus dem Rosenmontagszug in Düsseldorf werden üblicherweise zerstört. Nicht aber dieser Wagen mit der Darstellung von Greta Thunberg, der sechzehnjährigen schwedischen Klimaaktivistin, die als Ideengeber für die Freitagsdemonstrationen – #Fridays4Future bzw. #Fridays4Future – für den Klimaschutz gilt:

2019-03-06 Karneval Duedo Greta Thunberg

Bild: WDR/Hanna Makowka

Der Westdeutsche Rundfunk berichtete, dass der Künstler den Wagen der Schülerbewegung für den Klimaschutz „Fridays For Future“ schenkt, um deren Kampagnen zu unterstützen (www.1wdr.de). Mittlerweile beteiligen sich auch immer mehr Erwachsene in Deutschland und bilden Ortsgruppen „Parents For Future“ oder auch berufsgruppenspezifisch wie in der Wissenschaft (#Scientist4Future).

Mit den Schulstreiks und Schülerprotesten wird das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit stark in die Familien und das Alltagsleben getragen. Dies wirkt sich unmittelbar auf das Kauf- und Nachfrageverhalten in Deutschland aus. Was wäre einfacher als beispielsweise das Geldvermögen für Nachhaltigkeit einzusetzen? Grundsätzlich ist es einfach, allerdings aufgrund des mangelnden Angebots der großen Finanzgruppen unbequem. Vor diesem Hintergrund hat die Union Investment mit ihrem neuen Angebot PrivatFonds: Nachhaltig (Nummer Dreiundsechzig) einen sehr guten Startpunkt erwischt.

Mehr zu Geldanlagen in Nachhaltigkeit, die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen: SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Oskar ohne Zukunft?

Die Zahl der Onlineangebote für die Vermögensverwaltung in Deutschland schwankt stark. Einige Anbieter haben ihre Dienstleistungen nach kurzer Frist wieder eingestellt, neue kommen hinzu. So auch „Oskar“ (www.oskar.de), eine Ausgründung des Medienportals finanzen.net aus der Axel Springer-Gruppe. Die flotten, im Du gehaltenen Texte suggieren eine jugendliche Ansprache. Allerdings nicht inhaltlich wie mit nachhaltigen, z.B. klimabewußten Geldanlagen. Geboten wird lediglich das Programm von scalable capital mit ETF-Portfolien und Risikomanagement. Da wäre ein inhaltlicher Bezug zu den aktuell bewegenden Inhalten der Jugendlichen und ihrer Eltern deutlich glücklicher gewesen.

Die Kombination Medien und Vermögensverwaltung ist relativ selten, allerdings ist es um den mit viel Getöse angetretenen Zukunftsfonds bereits nach sehr kurzer Zeit sehr ruhig geworden (vgl. Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag).

Kreditkarten: Gestern, heute, morgen

Gestern…

…war Kreditkarte vor allem American Express, Diners Club, Mastercard oder Visa. Dann wurden vor rund 20 Jahren die Karten vergoldet, mit mehr oder weniger nützlichen Versicherungen kombiniert sowie Kooperationen mit Autoherstellern, Fluggesellschaften und anderen Unternehmen gesucht, um die Markenbindung zu übertragen. Und Kreditkarten hatten eine gewisse einkommens- bzw. bonitätsabhängige Exklusivität. Und Zahlung war Papier.

Und vor etwa 18 Monaten war Kreditkarte auch etwas von Ausbeutung: Die Artikel zu den Praktiken bei dem britischen FinTech Revolut (deutsche Seite) wurden auch von Gründer Nikolay Storonsky im Blog des Unternehmens nicht dementiert: Revolut’s culture: the past, the present and the future. So wurden Bewerber aufgefordert, vor einer Entscheidung über die Bewerbung (!) zunächst einmal 200 neue Kunden zu werben, um ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen. Auf diese Art wurden Marketingkosten gespart und trotzdem 2,8 Mio. Kunden gewonnen. U.a. wurde ständige Verfügbarkeit der Mitarbeiter erwartet und bei Verfehlung von Zielvorgaben ohne Aussprache gekündigt: Revolut insiders reveal the human cost of a fintech unicorn’s wild rise. In der Summe führte dies zu starker Fluktuation und zeitweise vielen offenen Stellen.

…heute…

…kann Kreditkarte jede(r), zumindest als direkt auf dem Konto belastete „Direct Debit“-Karte oder vorausbezahlte „Prepaid“. Sogar kostenlos und ohne Schufa. Einfacher als eine normale Kontokarte bzw. Girocard bei einer Bank.

Und es gibt auch ein Konto dazu: Bei o.g. Revolut in Pfund und Euro mit günstigen Devisen- bzw. Sortengeschäft. Und in der Grundstufe kostenfrei. Dies gibt es auch bei N26 aus Deutschland (vgl. Nummer Vierundsechzig).

Etwas anders ist das Modell von Curve (ausführlich: Tobias Baumgarten, Curve – die Kreditkarte für alle Fälle). Es handelt sich hier beim Basisangebot „Curve Blue“ um eine kostenlose Mastercard ohne Konto. Dafür besteht die Möglichkeit, in der App alle Kreditkarten von American Express, Mastercard und Visa aufzuspielen, auszuwählen und sogar rückwirkend nach der Zahlung die belastete Karte zu ändern. Curve verschlankt also die Brieftasche, Karten können nicht verloren oder gestohlen werden und Curve kann über die App sofort gesperrt werden.

Und Curve ist auch „Kundenerlebnis“: Nach einer Aktualisierung der App dauerte es beim Verfasser einen Monat bis die App wieder wie gewohnt funktionierte und nicht jungfräulich auf einen Neukunden wartete. Der Service stellte mehrfach die gleichen Fragen und am Ende sogar die nach der Zufriedenheit mit der „Hilfe“.

Aber warum dann hier ein paar Zeilen dazu? Curve, N26 und Revolut haben jeweils auch Kreditkarten aus Metall im Angebot. Echte Menschen zeigen sie ganz begeistert und bejubeln den Erhalt in sozialen Medien. Ja, und sie zahlen für diese Stücke auch – freiwillig – sportliche monatliche Preise von GBP 14,99, € 16,90 bzw. € 13,99 (Stand: 7.3.2019) – bei Curve und N26 sogar in drei Farben…

2019-03-07 Curve

Quelle: Curve

Eine sportliche Jahresgebühr für etwas zum Einmalzeigen? Erinnert an Pokemon, Scoubidou, Tamagotchi. Kamen alle und hielten sich nicht lange.

Länger dürfte sich dagegen Tomorrow halten: Girokonto und direkt gebuchte Mastercard kostenlos. Und alles auf Nachhaltigkeit. Und auch eine Karte als Hingucker, voll im aktuellen Zeitgeist der protestierenden Jugend:

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Tomorrow finanziert aus Interbankgebühren Baumpflanzungsprogramme. Eine Idee, die gut angenommen wird. So z.B. auch in China: Green Digital Finance.

…und morgen?

„Morgen“ wird sehr wahrscheinlich auch Tomorrow auf den Hinguckereffekt bei den Karten verzichten. In Asien und Afrika sind gar keine Karten gebräuchlich und in europäischen Luxusgeschäften, Flughäfen sowie auch in den Taxis von New York und San Francisco zahlen chinesische Touristen mit QR-Codes auf ihren Smartphones. Vorteil: Es wird keine stationäre Infrastruktur benötigt, nicht einmal Strom aus der Steckdose.

Und noch ein Vorteil: Die Karte mit Chip und Magnetstreifen kann komplett entfallen. Verschlankt die Brieftasche noch weiter und spart enorm wertvolle Rohstoffe. – Karten vielleicht aus nachwachsenden Rohstoffen? Klingt gut, aber wegen der Chips und weiterer Gründe eben doch nicht gut: Karte bio, alles gut? – Leider nicht…

Für Smarphonenutzer ist der Kartenverzicht ganz leicht zu bewerkstelligen. Bei der Einführung von Apple Pay konnte ausgerechnet die Deutsche Bank mit einer virtuell begebenen Karte punkten:

Quelle: Jochen Siegert via Twitter/Deutsche Bank

Und vor diesem Hintergrund und mit der Metallkarte als margenstärkstem Produkt startet N26 in Brasilien. Gegen einen Wettbewerber mit ähnlichem Angebot und bereits 5 Mio. Kunden… Nubank – Wikipedia EN. Nach eigener Aussage hat N26 die Ambition von 100 Mio. Kunden weltweit. Auch in Afrika und Asien?

Sparda-Bank München – Nachhaltigkeit und Ökonomie

Für Leser, denen der Aktionsplan zu theoretisch, Tomorrow zu exotisch oder die GLS Bank zu grün ist, kann Blick auf die größte Genossenschaftsbank in Bayern und bundesweite Nummer Neun im Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) und deren Pressemitteilung vom 27.2.2019 empfohlen werden: Bilanz 2018: Sparda-Bank München verbindet erfolgreich Nachhaltigkeit und Ökonomie.

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Dreiundsechzig

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Beitragsbild: www.tomorrow.one

Inhalt:  Nachhaltige Geldanlagen im Trend; Nachhaltigkeit als Leitprinzip; Henkel AG: Großkredit mit Nachhaltigkeitskriterien; N26 € 2,3 Mrd. wert?; Apple Pay ein Monat nach dem Start; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: #nachhaltige100; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

16. Januar 2019,

Dr. Ralf Breuer

Nachhaltige Geldanlagen im Trend

Zu Jahresbeginn 2019 erschien bereits eine Vielzahl von Artikeln zum Thema nachhaltige Geldanlagen in unterschiedlichen Ausprägungen. Nach Erhebungen des Sustainable Business Institut (SBI) waren zum Ende des dritten Quartals 2018 in Deutschland, Österreich und der Schweiz 509 nachhaltige Publikumsfonds mit einem Gesamtvermögen von € 126 Mrd. zum Vertrieb zugelassen, Zum Jahresende 2017 waren es 482 Fonds mit etwa € 106 Mrd. Immer mehr Vermögensverwalter stellen auf nachhaltige Ansätze im Sinne von ESG-Kriterien um (Quelle: www.wallstreet-online.de 7.1.2019).

Gemäß dem „Deka-Anlegermonitor“ sind vor allem jüngere Menschen (Millenials) sehr offen für nachhaltige Geldanlagen. Beim Deka-Anlegermonitor handelt es sich um eine Online-Befragung, die dreimal jährlich von YouGov im Auftrag der DekaBank durchgeführt wird, um mehr über das Anlegerverhalten zu erfahren.

In dem Artikel auf at.e-fundresearch.com vom 21,12,18 heisst es weiter: „Dazu passt, dass der Online Buzz für dieses Thema einen enormen Anstieg verzeichnet. Die User nutzten den Begriff „Nachhaltiges Investment“ in verschiedenen Digitalkanälen wie Facebook, Twitter, Blogs und Co. von Januar bis August 2017 8.639 mal. Im selben Zeitraum 2018 waren es schon 23.656 mal – ein Anstieg von 174 Prozent.

Die Union Investment folgt dem Trend mit einem neuen Anlageangebot für Privatanleger: Multi-Asset-Lösung PrivatFonds: Nachhaltig.

Beschreibung laut Pressemitteilung vom 2.1.2019„Die Besonderheit des Fonds liegt darin, dass der Nachhaltigkeitsansatz von Union Investment erstmalig in einer Multi-Asset-Lösung zum Einsatz kommt. Das heißt, der nachhaltige Investmentprozess wird über die verschiedenen Anlageklassen und Anlageinstrumente angewandt. Zunächst werden Unternehmen, Staaten, Fonds, Derivate und ETFs einer umfassenden Nachhaltigkeitsanalyse und -bewertung unterzogen. Dabei werden auch Ausschlussregeln berücksichtigt. Das Fondsmanagement ermittelt für die einzelnen Anlageinstrumente jeweils das Nachhaltigkeitsrating (ESG-Score). Dieses Rating basiert auf unabhängigen Daten von auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ratingagenturen und gibt Auskunft darüber, wie nachhaltig beispielsweise ein Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung agiert. Auch das Geschäftsmodell wird dabei mit einbezogen.“

Es handelt sich damit zwar „nur“ um einen ESG-Ansatz, aber nachhaltige Geldanlagen werden weiter in die Breite getragen. Davon war in den Primärbanken der Genossenschaftsgruppe bisher allerdings nur wenig zu vermerken. Leider wurde der Mindesanlagebetrag mit € 10.000 relativ hoch angesetzt. Allerdings können darüber hinaus bereits € 25 monatlich angespart werden und ein Ausgabeaufschlag wird derzeit nicht erhoben. Mehr in der Produktbrochüre.

Nachhaltigkeit als Leitprinzip

Auch wenn davon praktisch kaum etwas zu verspüren ist, stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fest: „Nachhaltigkeit ist das Leitprinzip der Politik der Bundesregierung. Es soll wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit so miteinander verschränken, dass die Realisierung des Einen nur unter Berücksichtigung der jeweils beiden anderen erfolgt“ (Quelle: www.bmwi.de).

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat in einem Positionspapier gefordert, Nachhaltigkeit auch als Rahmen für die Digitalisierung zu nutzen: nachhaltig_UND_digital – Nachhaltige Entwicklung als Rahmen des digitalen Wandels, 19.12.2018. Bereits in einer Vielzahl von Beiträgen wurde hier im Blog auf die Nützlichkeit der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) als Leitlinien für die Digitalisierung verwiesen. Was nicht zu einer nachhaltigeren Entwicklung beiträgt, kann analog bleiben bzw. ist eher überflüssig!

Henkel AG: Großkredit mit Nachhaltigkeitskriterien

Als vermutlich erstes deutsches Großunternehmen hat die Henkel AG einen Kredit über € 1,5 Mrd. erhalten, dessen Kreditkonditionen sich an der Entwicklung von Indikatoren für die Nachhaltigkeit des Unternehmens orientieren. Die Fortschritte bei den ESG-Kriterien werden durch neutrale externe Anbieter festgestellt: Sustainalytics, EcoVadis und ISS-oekom. HSBC fungierte bei diesem Kredit als einer der Konsortialführer (Quelle: HSBC Deutschland).

Gemäß Bloomberg wurden 2018 Kredite dieser Art mit einem Gesamtvolumen von zusammen USD 36,4 Mrd. vereinbart. Das gesamte Volumen von Schuldinstrumenten mit Nachhaltigkeitscharakter wird auf USD 247 Mrd. geschätzt, darunter USD 182 Mrd. Greenbonds.

N26 € 2,3 Mrd. wert?

Gemäß Pressemitteilung vom 10.1.2018 erhielt N26 eine weitere Finanzierung von USD 300 Mio. und wird damit nach eigenen Angaben mit USD 2,7 Mrd. (€ 2,3 Mrd.) bewertet. Damit würde N26 laut Finanz-Szene.de in der Bewertung noch vor der Aareal (€ 1,65 Mrd.) als dritthöchst bewertete börsennotierter Bank liegen.

N26 hat seine Kundenzahl in den letzten 12 Monaten auf 2,3 Mio. verdreifacht und strebt eine weitere Expansion an, zunächst in den USA. „In den kommenden Jahren will das Unternehmen weltweit über 100 Millionen Kunden erreichen.“ – Sportliche Ambitionen, die eventuell in die Nähe der genannten Bewertung führen könnten?

Bewertung und Kundenzahl von N26 wird regelmäßig mit dem britischen Wettbewerber Revolut. Nicht zuletzt auch wegen persönlicher Animositäten der Geschäftsführungen. Am 7.1.2019 erschien ein Vergleich der Zahlen für die Downloads der Apps beider Anbieter auf www.gruenderszene.de, wonach N26 zum Wettbewerber aufgeschlossen hätte.

Kaum Vergleiche finden sich dagegen zu den Produktangeboten. Beide Anbieter haben kostenlose Girokonten mit Direct Debit Karten von Mastercard und auch Visa (Revolut) im Angebot. Die Karten bieten jeweils anbieterbezogen vor allem Vorteile im Auslandseinsatz sowie Versicherungspakete. Und bei beiden Anbietern sind „kultige“ Karten aus Metall in Premiumpaketen zu sehr anspruchsvollen Preisen verfügbar: Bei N26 zu monatlich € 16,99 und Revolut € 13,99 p.m.

Quelle: N26

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Quelle: Revolut

Die kostenpflichtigen Angebote von N26 und Revolut sind vor allem für Vielreisende und Auslandseinsatz außerhalb der Eurozone erwägenswert. Die Monatsgebühren für die Metallkarten erinnert allerdings eher an Dinge wie Pokemon, Scoubidoo, Tamagotchi etc., die ebenso schnell in Mode kamen wie sie wieder verschwanden…

Allerdings: Ansprechend gestaltete Karten (aus Kunststoff) gibt es auch von anderen Anbietern mit deutlich geringeren Gebühren und weniger Restriktionen z.B. beim Automateneinsatz, in einigen Fällen weitgehend kostenlos. Interessant ist u.a. das Angebot von Curve, bei dem sich verschiedene Karten auf ein und derselben Karte nutzen lassen.

Curve blue card

 

 

 

 

Quelle: www.curve.app

Und auch beim Auslandseinsatz und der „Kultigkeit“ gibt es weitere und günstige Alternativen, z.B. bei Tomorrow mit einer im Einsatz „von Itzeho bis Idaho“ Preisliste Tomorrow Stand 10.1.2019 gebührenfreien (Debit-) Mastercard sowie drei kostenlosen Abhebungen pro Monat (danach € 2, bei N26 und Revolut ebenfalls Beschränkungen).

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Quelle: www.tomorrow.one

Eine Übersicht über die Leistungsangebote der genannten Anbieter findet sich Stand 16.1.2018 ohne Gewähr hier: Preisübersicht N26, Revolut Tomorrow.

 

Apple Pay ein Monat nach dem Start

Jochen Siegert hat am 15.1.2019 im Blog von Payment & Banking die ersten Eindrücke zu den Entwicklungen einen Monat nach dem Start von Apple Pay in Deutschland zusammengefasst (vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundsechzig). Es wurde lebhafte Registrierungen, insbesondere auch für die neue virtuelle Kreditkarte der Deutschen Bank registriert. Die Zahl der Karten ist bei der Bank um rund 7% gestiegen, was etwa 90.000 neuen Kunden entsprechen könnte.

comdirect berichtet von nahezu 100.000 Registrierungen für Apple Pay und einer deutlich intensiveren Nutzung bzw. höheren Umsätzen von monatlich € 225 gegenüber bisher € 96 bei herkömmlichen Karten.

Jochen Siegert vergleicht diese Entwicklung mit den Aktivierungen bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die nach sechs Monaten bei rund 270.000 Registrierungen lagen. Zur vollständigen Analyse mit Ausblicken von Jochen Siegert geht es hier: Der „Ba-bing-Moment“ durch Apple Pay in deutschen Banken & Sparkassen.

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen. Ort wird noch bekannt gegeben und je nach Interesse ausgewählt.

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® ist gegenüber dem Vormonat November 2018 von 84 auf 72 aufgestiegen. Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97) und im Oktober auf 91 platziert.

Datenschutz/DSVO

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Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

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