Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundachtzig

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Titelbild/Bild: Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Inhalt: Trotz Pandemie: Der Klimaschutz ist nicht vergessen; Nachhaltigkeitsratings: Weitere Konsolidierung; Nachhaltigkeit stabilisiert Börsenkurse; Peaks – ein jugendliches FinTech mit Geburtsfehler; Buchbesprechung Maja Göpel: „Unsere Welt neu denken“  Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Kurzwebinar „Sustainable Finance im Überblick“; VÖB Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

5. Mai 2020 (aktualisiert 15.5.20: Buchbesprechung Langversion)

Dr. Ralf Breuer

Trotz Pandemie: Der Klimaschutz ist nicht vergessen

Prominente Fürsprache

Seit Beginn der Pandemie wurde in sozialen Medien immer wieder die Frage gestellt, ob die Bekämpfung ihrer Folgen die Bemühungen um Nachhaltigkeit im allgemeinen und insbesondere den Klimaschutz eher behindert oder befördert. In der letzten Zeit kristalliert sich eher letzteres heraus. Sogar aus weniger „einschlägigen“ Quellen wie dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird gemahnt, der Bekämpfung des Klimawandels keine geringere Priorität beizumessen.

Auch die Chefin des internationalen Währungsfonds sprach sich für „grüne“ fiskalische Maßnahmen nach der Pandemie aus, um die Zukunft widerstandsfähiger zu gestalten.

Am 27.4.2020 haben 68 namhafte deutsche Unternehmen an die Bundesregierung appelliert, ihre Bemühungen um den Klimaschutz nicht zu vermindern.

Und auch von Seiten der Landwirtschaft gab es eine Mahnung.

„Grüner Wiederaufbau“ – wie?

Neben dem „Green Deal“ der Europäischen Union (vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundachtzig und Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Zum (un-)guten Schluss mit weiterführenden Links) ist vor allem ein Blick auf die deutschen Emissionsquellen von Treibhausgasen bzw. die jeweiligen Einsparziele informativ:

UBA 2019_thg-gesamt

Gemäß Umweltbundesamt liegen die Einsparungsziele für die stark vom Privatsektor beeinflussten Bereiche „Verkehr“ und „Gebäude“ absolut in etwa auf dem Wert der Energiewirtschaft. Eine Senkung des Ausstoßes über Gebäude kann nur mit massiven Investitionen in die Energieeffizienz erreicht werden. Hierzu gehört auch die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude, die bisher im Bundeshaushalt nicht vorgesehen war (vgl. z.B. welt.de vom 21.3.2019). Stattdessen fielen aber Strafzahlungen an die EU in dreistelliger Millionenhöhe an, da Deutschland die vereinbarten Klimaziele verfehlte.

In Deutschland liegt der Anteil der Gebäude am Gesamtausstoß aktuell zwar lediglich bei 15%, was aber dem hohen Industrieanteil geschuldet ist. In manchen Nachbarländern mit geringerer Industrieansiedlung, beispielsweise in der Schweiz beträgt der Gebäudeanteil dagegen um die 24%. Zudem haben energetische Sanierungen einen Doppeleffekt, da sie neben dem Ausstoß auch den Ressourcenverbrauch senken können. Indirekt können z.B. durch einen höheren Anteil von Holzbau auch Emissionen in anderen Bereichen wie der Zementindustrie vermindert werden.

Insgesamt gilt wohl die vom Deutschen Nachhaltigkeitskodex im Beitragsbild formulierte Analyse: Viele Maßnahmen, aber wenig Strategie.

Ein Beispiel für die Verbindung staatlicher Hilfen mit nachhaltigen Zielen ist aktuell die Bereitstellung von staatlichen Mitteln in Frankreich für die Fluggesellschaft Air France KLM: Neben einer Garantie von bis zu 90% für einen syndizierten Bankenkredit in Höhe von € 4 Mrd. erhält das Unternehmen ein nachrangiges Darlehen des französischen Staats als Anteilseigner.

Der französische Finanzminister Bruno Le Maire machte einige begleitende Vereinbarung über Maßnahmen zum Klimaschutz öffentlich: Reduzierung der Emissionen bei Inlandsflügen um 50% bis zum Jahr 2024, Flottenmodernisierung, Anteil erneuerbarer Treibstoffe von 2% bis 2025. Gemäß Medienberichten plant Frankreich, keine Inlandsflüge dann anzubieten, wenn die Verbindungen im Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn unter 2,5 Stunden liegen.

Nachhaltigkeitsratings: Weitere Konsolidierung

Morningstar gab am 21.4.2020 bekannt, dass der Anteil an dem globalen Anbieter von Nachhaltigkeitsratings/-gutachten Sustainalytics von 60% auf 100% erhöht wurde: Morningstar to Acquire Sustainalytics and Expand Access to ESG Research, Data, and Analytics for Investors Worldwide. Dies ist ein weiterer Schritt bei der  erwarteten Konsolidierung des aktuell noch fragmentierten Marktes für die Nachhaltigkeitsanalyse. Nachhaltigkeitskriterien werden auch für die „klassischen“ Ratings immer bedeutender. Laut Moody’s ist dies bereits der Fälle bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit der Fall (vgl Research Announcement: Moody’s – ESG risks material in 33% of Moody’s 2019 private-sector issuer rating actions, 14 April 2020).

Nachhaltigkeit stabilisiert Börsenkurse

Das erste Quartal 2020 bot erstmals Aufschluss über mögliche Zusammenhänge zwischen der Nachhaltigkeit von Unternehmen und Börsenkurse ihrer Emissionen unter Krisenbedingungen. In der abgelaufenen Dekade war der steigende Grad an Verantwortungsbewusstsein bei Unternehmen und Investoren dagegen stets von steigenden Kursen begleitet. Axa Investment Managers untersuchte den Zusammenhang von Aktien- und Anleihekursen in Abhängigkeit von der Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen (ESG-Scores) und stellte für die Aktienkursentwicklung deutliche Abweichungen fest:

2020-05-01 Axa-IM ESG Q1 2020

Quelle: Axa Investment Managers

Dabei wurden die jeweils besten und schlechtesten Bewertungen in Körben verglichen. Für den März 2020 und damit den vorläufigen Höhepunkt der Pandemie ergaben sich sehr deutliche Unterschiede. Diese waren etwas schwächer ausgeprägt auch bei den Unternehmensanleihen der beiden Vergleichsgruppen festzustellen:

2020-05-01 Axa-IM ESG Bonds Q1 2020

Quelle: Axa Investment Managers

 

Peaks – ein jugendliches FinTech mit Geburtsfehler

Allgemeine Geschäftsbedingungen September 2019

Quelle: peaks.com

Eigentlich ein schönes Motto des niederländischen Anbieters von Geldanlagen per App. Ein jugendlich frischer Internetnetauftritt und nach Aussage von Testern eine gut gemachte App. Peaks verbindet zudem auch „Kundenerlebnis“ mit Finanzbildung und einigen dezenten Anflügen von Infotainment. Und zusätzlich wird auch das Thema Nachhaltigkeit stark betont. Eigentlich ideale Bausteine für den Jugendmarkt für Finanzdienstleistungen, der in Deutschland so arg vernachlässigt erscheint (vgl. z.B. Modern Banking – BankingForFuture? hier im Blog oder Kinder ohne Macht – warum vergessen wir diese wichtige Zielgruppe, wenn es um Finanzen geht? von Kilian Thalhammer und Knax-Club 2.0 – Wie unsere Kinder mit Geld umgehen? im Blog von Payment & Banking. Der zweite Beitrag der Kollegen vom Juni 2018 stellt die entscheidende Frage in den Raum:

Die Kinder von heute sind die Kunden von morgen. Macht es da nicht Sinn, passende Lösungen anzubieten?

Es macht sicherlich Sinn nach den gefühlten 45 Jahren Stillstand im Jugendmarketing der großen Finanzgruppen mit Knax, Sumsi & Co. Und auf jeden Fall wirkt Peaks auch hervorragend konzipiert, was für andere Ansätze nicht unbedingt festgestellt werden kann, z.B. für die in der Marktvorbereitung befindliche „Neobank“ pockid. Deren Gründer Jes Hennig konnte den Autor im Podcast #258 von Payment & Banking kaum überzeugen.

Bei Peaks ist die Überzeugung auf den ersten Blick deutlich größer: Flotter zielorientierter Auftritt, eine gut gemachte und mit viel Transparenz ausgestattetes Onlineongebot und schließlich kostengünstige Anlagen in ein Portfolio von ETFs ohne Mindestanlage. Zudem haben alle eingesetzten ETFs zumindest einen verantwortungsbewußten (SRI) bzw. nachhaltig(er)en (ESG) ‚Anstrich‘ (zur Einschätzung der Beitrag im Blog der Triodos Bank Deutschland. Allerdings bleibt unklar, wieso die Portfolien eine global ausgerichtete Aktienanlage mit geringem Euroanteil mit Anleihen kombiniert, die strikt in renditearme Euroanleihen der besten Bonitätsklassen investiert (siehe Peaks – Investieren).

Völlig unpassend zur Zielgruppenansprache erscheint dagegen die Preisgestaltung: Pauschalgebühren von € 1 pro Monat bei Anlagebeträgen unter € 2.500 (die ersten drei Monate kostenlos, 0,5% darüber in monatlichen Zahlungen, Peaks – Kosten) begrenzen leider deutlich das Wachstum von Kleingeld, das vielleicht auf eine Sparstrategie und erste Erfahrungen mit einem automatisierten und edukativen Elementen ausgestatteten Anlageangebot wartet (P.S.: ‚Roboadvice‘ wäre etwas sehr hochtrabend).

Buchbesprechung

Maja Göpel: „Unsere Welt neu denken“

Im „Literaturkurier“ der Buchhandlung Kayser in Rheinbach und Wesseling besprach ich kurz das Buch von Maja Göpel. Bermerkenswert, wie unpolitisch in der Sache und unprofessoral in der Sprache die Autorin wichtige ökonomische und gesellschaftspolitische Fragen erörtert und damit einen etwas anderen Blick auf Nachhaltigkeit vermittelt. Vor allem das „warum“ steht im Mittelpunkt. Und da entfallen viele Diskussionen, die immer wieder um die Fragen nach „wie“ aufkommen.

Eine ausführlichere Würdigung des Buches ist im Kundenmagazin der Triodos Bank Deutschland. Die Veröffentlichung erfolgte im Onlinemagazin „Die Farbe des Geldes“, das auch die Liste der deutschsprachigen sozialen Medien zu Nachhaltigkeit nachhaltige100 führt: Ein Appell an das gesunde „Bauchgefühl“.

Seminar-/Veranstaltungstermine

Kurzwebinar: Sustainable Finance im Überblick (kostenfrei), 25.5.2020, 13-14h

Begleitend zum unten beschriebenen Zertifikatslehrgang der Academy of Finance der VöB-Service GmbH „Sustainable Finance“ ist keineswegs eine politische Antwort auf ökologische Strömungen oder gar FridaysForFuture, sondern grundlegende geschäftspolitische Logik in Zeiten von Klimawandel und massiven strukturellen Veränderungen. Im Webinar wird ein Überblick vermittelt, was Nachhaltigkeit und insbesondere auch nachhaltige(re) Finanzinstrumente beinhalten. Der Denkrahmen der BaFin und der internationalen Finanzinvestoren ist klar vorgezeichnet: Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Problemfeldern und das Klimaschutzabkommen von Paris 2015 sind auch die Grundlagen für die deutschen Nachhaltigkeitsstrategien und den Aktionsplan „Sustainable Finance“ der Europäischen Kommission.

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet seit März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Der Starttermin am 16.3.2020 und die Zusatztermine am 17. und 18.3.2020  waren bereits ausgebucht. Deshalb bietet die Academy am 23.6. und 28.7.2020 Präsenzworkshops für den Start weiterer Lehrgänge an. Eine digitale Variante ohne physische Teilnahme ist in Vorbereitung.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

Eine Beschreibung und einige Hintergründe zum  findet sich im Newsletter der Steyler Ethik Bank im Februar 2020: Nachhaltige Prozesse anstoßen

In eigener Sache

Alle Angebote natürlich auch gerne im digitalen Rahmen als Webinar oder Videokonferenz!

Neu: Das BaFin Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken – was ist zu tun?

Das Merkblatt wurde am 20.12.2019 veröffentlicht. Es handelt sich zwar ausdrücklich nicht um eine (Regulierungs-)Vorschrift, sondern eine „Orientierungshilfe“, ist aber mit mit seinem sehr klaren Anspruch der Regulierungsbehörde versehen: „Die BaFin erwartet, dass die beaufsichtigten Unternehmen sich mit den entsprechenden Risiken auseinandersetzen.“

Während in den meisten größeren Finanzinstituten bereits mehr oder weniger viele Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit und (CSR-)Berichterstattung gesammelt wurden, ist dies bei kleineren/regionalen Instituten oft nicht der Fall. Allerdings gilt die große Mehrheit in Deutschland: Die Ansprüche der BaFin reichen weit über die vorhandenen Strukturen hinaus!

In einem ersten Workshop sollen deshalb zunächst die spezifischen Ansprüche und Bedarfe zusammengetragen werden. Dies ist im Regelfall schon innerhalb eines Tages zu bewältigen. Daraus lässt sich dann eine spezifische, detailliertere Arbeitsplanung zur Umsetzung des Merkblatts ableiten.

„In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland mehr als 600 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von annähernd € 200 Mrd. 104 Fonds tragen das im November 2019 vergebene „FNG-Siegel 2020“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 105 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

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