Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung

Die EU-Kommission legte am 8.3.2018 im Rahmen einer Pressekonferenz einen Aktionsplan vor: „Financing Sustainable Growth“. Dieser Plan soll die europäische Finanzwirtschaft stärker auf die Finanzierung eines längerfristigen, nachhaltigen Wachstums ausrichten. Dies erfordert weitgehende, auch gesetzgeberische Maßnahmen in Bezug auf Berichterstattung, Bilanzierung, Regulierung und Unternehmensführung. Dies bezieht sich insbesondere auf einen längerfristigen Zeithorizont unter Berücksichtigung von Klimawandel, Energiewende und anderen  Faktoren. Am 24. Mai 2018 wurden weitere Schritte zur Umsetzung kommuniziert. Der Plan fand im europäischen Parlament (Sitzung am 29.5.2018) mit 455 zu 87 Stimmen bei 92 Enthaltungen eine starke Unterstützung. Im nächsten Schritt wird der Plan im europäischen Rat diskutiert.

25. Mai 2018, aktualisiert ergänzt 30. Mai 2018

Dr. Ralf Breuer

Schnelle Umsetzung

Der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums wird in einem eigenständigen Beitrag ausführlich vorgestellt: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Aktionsplan der EU-Kommission. Nur zwei Monate nach der öffentlichen Vorstellung und Diskussion hat die EU-Kommission nunmehr die nächsten Schritte formuliert und wird in die Gespräche mit dem europäischen Parlament und dem europäischen Rat eintreten.

Klimaschutz im Vordergrund, aber nicht exklusiv

Die öffentliche Kommunikation ist stark auf die Einbindung der Finanzwirtschaft in den Klimaschutz fokussiert, dies stösst bei einigen Beobachtern auf Kritik (vgl. die von der Triodos Bank Deutschland und WWF Deutschland konzertierte Medieninformation vom 24.5.2018). Grundsätzlich ist der Aktionsplan aber für alle nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) offen.

Eine Betonung des Klimaschutzes ist insofern naheliegend, als die europäischen Aufsichtsbehörden und weite Teile der Finanzindustrie Klimarisiken als wesentlich erkannt haben. Es besteht dringender Handlungsbedarf, z.B. die Konsequenzen aus Klimawandel und Energiewende zu erfassen und steuern (vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neununddreissig).

Kernpunkte der Maßnahmen

Einheitliches EU-Klassifikationssystem („Taxonomie“)

Anhand der im entsprechenden Vorschlag vorgesehenen harmonisierten Kriterien lässt sich bestimmen, ob eine wirtschaftliche Tätigkeit ökologisch nachhaltig ist. Die Kommission wird Schritt für Schritt festlegen, welche Tätigkeiten als „nachhaltig“ zu betrachten sind. Dabei wird sie bestehenden Marktpraktiken und Initiativen Rechnung tragen und sich von einer Sachverständigengruppe beraten lassen, die derzeit eingerichtet wird. Auf diese Weise sollen Wirtschaftsakteure und Investoren Gewissheit darüber erlangen, welche Tätigkeiten als nachhaltig gelten, sodass sie fundiertere Investitionsentscheidungen treffen können. Die entsprechenden Arbeiten können als Grundlage für die künftige Einführung von Normen und Kennzeichen für nachhaltige Finanzprodukte dienen, wie sie im Aktionsplan der Kommission für ein nachhaltiges Finanzwesen angekündigt wurden.

Investorenpflichten

Die vorgeschlagene Verordnung wird für Kohärenz und für Klarheit darüber sorgen, wie institutionelle Anleger, etwa Vermögensverwalter, Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds oder Anlageberater, die Faktoren Umwelt, Soziales und Governance (ESG-Faktoren) in ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen sollten. Die Vorschriften sollen im Wege delegierter Rechtsakte präzisiert werden, die die Kommission zu einem späteren Zeitpunkt erlassen wird. Im Übrigen müssten Vermögensverwalter und institutionelle Anleger künftig nachweisen, inwieweit ihre Investitionen an ESG-Zielen ausgerichtet sind, und offen legen, in welcher Weise sie ihren Pflichten nachkommen.

Referenzwerte für geringe CO2-Emissionen

Mit den vorgeschlagenen Vorschriften wird eine neue Kategorie von Referenzwerten eingeführt, die einen Referenzwert für geringe CO2-Emissionen („Dekarbonisierungsvariante“ von Standardindizes) sowie einen Referenzwert für positive CO2-Effekte umfasst. Dieser neue Marktstandard soll den CO2-Fußabdruck von Unternehmen widerspiegeln und für eine bessere Information von Anlegern über den CO2-Fußabdruck eines Investitionsportfolios sorgen. Der Referenzwert für geringe CO2-Emissionen würde auf einem Standard-Referenzwert für „Dekarbonisierung“ beruhen. Der Referenzwert für positive CO2-Effekte würde es ermöglichen, ein Investitionsportfolio besser an dem im Übereinkommen von Paris festgelegten Ziel der Begrenzung der Erderwärmung auf weniger als 2°C auszurichten.

Bessere Kundenberatung in Sachen Nachhaltigkeit

Die Kommission hat eine Konsultation eingeleitet, um zu eruieren, wie sich ESG-Aspekte am besten in die Beratung von Privatkunden durch Wertpapierfirmen und den Versicherungsvertrieb integrieren lassen. Ziel der Konsultation ist die Änderung delegierter Rechtsakte zur Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) und zur Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD). Bei der Beurteilung, ob ein Anlageprodukt den Kundenbedürfnissen entspricht, sollten die betreffenden Unternehmen nach den vorgeschlagenen Vorschriften außerdem die Nachhaltigkeitspräferenzen der jeweiligen Kunden berücksichtigen. Auf diese Weise dürfte ein breiteres Spektrum von Anlegern Zugang zu nachhaltigen Anlagen erhalten.

Große Mehrheit im europäischen Parlament

Der europäische Ausschuß für Wirtschaft und Währung (Committee for economic and monetary affairs, ECON) legte dem Parlament eine Resolution zur Unterstützung des Plans vor (Report on sustainable finance (2018/2007(INI)), die am 29. Mai 2018 mit einer grossen Mehrheit von 455 zu 87 Stimmen bei 92 Enthaltungen verabschiedet wurde Pressemitteilung Europäisches Parlament vom 29.5.2018: MEPs back resolution on Sustainable Finance. Damit hat der Aktionsplan eine starke parlamentarische Basis auf der europäischen Ebene.

Reaktionen aus der deutschen Kreditwirtschaft

In den bisher vorliegenden Reaktionen aus Deutschland wird der Aktionsplan grundsätzlich begrüßt.

Der Gruppe von Banken und Nicht-Regierungsorganisationen der von Triodos Bank und WWF Deutschland konzertierten Stellungnahme ist der Aktionsplan zu eng auf den Klimaschutz fokussiert. Es wird insbesondere eine Ausweitung auf weitere SDGs gefordert: Medieninformation vom 24.5.2018

Der Bundesverband deutscher Banken (Bankenverband, BdB) hat den Aktionsplan in seiner Presseinformation vom 24.5.2018 ebenfalls (erneut) begrüßt und hat die starke Marktdynamik erkannt. Der Verband sieht vor allem eine weitere Anpassung der Beratungsdirektive für Banken (MiFIDII) als problematisch an. Hintergrund dürfte nicht zuletzt die fehlende Qualifizierung von Kundenberatern in weiten Teilen der deutschen Kreditbranche sein.

Auch die bei Nachhaltigkeit in der Geldanlage sehr engagierte Verbraucherzentrale Bremen begrüßt den Plan. Insbesondere in Hinblick auf die Beseitigung der derzeit bestehenden Intransparenz über den Nachhaltigkeitscharakter von Produkten.

Auch der BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V. bewertet das Gesetzpaket „überwiegend positiv“. Eine Beratungspflicht auf der Grundlage von MiFIDII bzw. IDD hält der Verband aber erst nach der Formulierung von Standards für angemessen. Diese sind frühestens für das Jahr 2020 zu erwarten BVI Pressemitteilung vom 24.5.2018 – Nachhaltigkeit: EU-Kommission stellt wichtige Weichen.

Eher „interessant“ ist die Pressemitteilung der gemeinsamen Interessenvertretung der fünf kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände „Die Deutsche Kreditwirtschaft“ vom 25. Mai 2018. Unter der Überschrift EU-Bankenpaket: EU-Rat beschließt allgemeine Ausrichtung wird der Plan trotz seiner erheblichen Tragweite für die gesamte Kreditwirtschaft mit keinem Wort erwähnt.

 

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Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Neunddreissig bis Eins

 

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Aktionsplan der EU-Kommission

Die EU-Kommission legte am 8.3.2018 im Rahmen einer Pressekonferenz einen Aktionsplan vor: „Financing Sustainable Growth“. Dieser Plan soll die europäische Finanzwirtschaft stärker auf die Finanzierung eines längerfristigen, nachhaltigen Wachstums ausrichten. Dies erfordert weitgehende, auch gesetzgeberische Maßnahmen in Bezug auf Berichterstattung, Bilanzierung, Regulierung und Unternehmensführung. Dies bezieht sich insbesondere auf einen längerfristigen Zeithorizont unter Berücksichtigung von Klimawandel, Energiewende und anderen  Faktoren.

8. März 2018, aktualisiert 9. März 2018, ergänzt 12./14. März 2018

Dr. Ralf Breuer

Vorschläge der Expertengruppe übernommen

Grundlage des in einer Pressekonferenz vorgestellten Aktionsplans (Presseerklärung, englisch)ist der im Januar vorgelegte Schlussbericht einer hochrangigen Expertenkommission, der „High-Level Expert Group on Sustainable Finance“ (HLEG), deren Empfehlungen weitgehend übernommen wurden. Bei der Vorstellung des Berichts am 22.2.2018 in Berlin war bei 200 Teilnehmern ein gegenüber dem Zwischenbericht im Juli 2017 deutlich gestiegenes Interesse zu verzeichnen. Mehr im Beitrag Schlussbericht der EU-Experten.

Zur Umsetzung der Vorschläge sind weitreichende, auch gesetzgeberische Maßnahmen notwendig, die Bilanzierung, Corporate Governance, Risikomanagement und regulatorische Schritte beinhalten. Insbesondere muss der Zeithorizont bei der Bilanzierung und der Erfassung von Risiken deutlich ausgedehnt werden, um beispielsweise die Auswirkungen von Klimawandel und Energiewende angemessen abzubilden.

Auf einer Veranstaltung am 22.3.2018 in Brüssel werden die Einzelheiten in einem größeren Rahmen präsentiert. Details zur Veranstaltung finden Sie Hier.

Der Aktionsplan in Kürze

Im folgenden der Versuch, den auf zwanzig Seiten skizzierten Plan der EU-Kommission in Kürze und in Hinblick auf seine praktischen Auswirkungen für die Kreditwirtschaft zusammenzufassen:

1. Klassifizierung von wirtschaftlichen Aktivitäten bezüglich ihres Beitrags zu einer nachhaltigen Entwicklung („Taxonomie“)

Dabei sollen vor allem die Kriterien Klimawandel, Umweltwirkungen und soziale Wirkungen angewendet werden. Zunächst werden der Klimawandel und die Energiewende im Fokus einer technischen Expertengruppe stehen

2. Standards/Gütesiegel für „grüne“ Finanzprodukte

Zunächst zielt die Kommission auf die Standardisierung „grüner“ Anleihen, sogenannten Greenbonds. Später sollen andere Produkte auf der Grundlage der Taxonomie geprüft werden

3. Förderung von Investitionen in nachhaltige Projekte

Aufbau von Beratungskapazitäten für nachhaltige Infrastrukturprojekte in der EU und den Nachbarländern

4. Aufnahme von Nachhaltigkeit in die Finanzberatung

Modifikation der Vertriebsrichtlinien für Banken (MiFID II) und Versicherungen (IDD, Insurance Distribution Delegated Acts). Anm.: Diese Punkte waren in der Expertenempfehlung nicht so deutlich enthalten

5. Qualitätsmaßstäbe für Nachhaltigkeit

Schaffung von mehr Transparenz und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitskriterien

6. Bessere Integration von Nachhaltigkeit in Ratings und Marktresearch

Relevanz für Kreditwürdigkeit (Credit Rating) und Methodik von Nachhaltigkeitsratings

7. Klärung der Pflichten von Investoren und Vermögensverwaltern

Im Expertenbericht wurde klar eine „treuhänderische Pflicht“ von Investoren für zukünftige Generation gefordert. Verfassungsrechtlich ist diese aber kaum verankert, z.B. fehlen entsprechende Nachhaltigkeitsanforderungen im deutschen Grundgesetz

8. Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei Risikomanagement und Regulierung

Im ersten Schritt werden vor allem Klimarisiken und die Energiewende im Fokus stehen. Konkret ist dies die Umsetzung der Vorschläge der vom Financial Stability Board eingesetzten Taskforce TCFD (Task force for climate-related financial disclosures). Einige Aufsichtsbehörden wie die Deutsche Bundesbank haben dies ausdrücklich gefordert, die niederländische Zentralbank hat bereits einen Stresstest für Klimarisiken bei Banken avisiert

9. Ausweitung der Berichterstattungs- und Bilanzierungspflichten

Hier sind weitreichende Anpassungen in Hinblick auf die Wesentlichkeit in der Berichterstattung und vor allem auch auf den Zeithorizont bzw. Zukunftsbezug erforderlich.

10. Verstärkung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Unternehmensführung und Kapitalmarktkommunikation

Die Unternehmensleitungen sollen auf die Formulierung und Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsstrategien verpflichtet werden. Der Druck der Kapitalmärkte zu kurzfristigem Handeln in den Unternehmen könnte nach den Vorstellungen des Aktionsplans u.a. durch Halteperioden und Umschlagsbegrenzungen für Vermögensverwalter reduziert werden.

Einige Reaktionen aus der deutschen Kreditwirtschaft

Dagegen wirkt die gemeinsame Erklärung der Interessensverbände der deutschen Kreditwirtschaft sehr verhalten Deutsche Kreditwirtschaft zum EU-Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“:

„…Einen kurzfristigen Ausbau von Berichtspflichten sieht die DK jedoch kritisch und plädiert dafür, zunächst die Wirkung der CSR-Richtlinie zur nichtfinanziellen Information abzuwarten.

Weitergehende Anforderungen an das Risikomanagement sowie eventuell erleichterte Eigenkapitalanforderungen für „grüne“ Finanzierungen müssen erst sorgfältig geprüft und gegen den tatsächlichen Nutzen abgewogen werden. Regulatorische und aufsichtliche Eingriffe müssen auf das notwendige Mindestmaß beschränkt bleiben.“

Diese zurückhaltende Aufnahme motiviert unmittelbar den Kommentar von Frau Dr. Oelmann, die die Freiwilligkeit in einigen Bereichen der deutschen Kreditwirtschaft wohl zu Recht bezweifelt:

Bankenaufsicht: Nicht „ob?“, sondern „wie?“

Die europäischen Bankaufsichtsbehörden erscheinen in der Frage, ob Nachhaltigkeit für die Kreditwirtschaft relevant ist und relevanter werden muss, nahezu absolut einig. Klimarisiken und Energiewende sind als Risikotreiber erkannt und müssen in Berichterstattung, Bilanzierung und Regulierung erfasst werden. Die Vorschläge der vom Financial Stability Board eingesetzten Task Force (Task Force on climate-related financial disclosures, TCFD) wurden vom Großteil der Banken begrüßt.

Für alle Investoren und Kreditgeber besteht das Risiko einer teilweisen oder vollständigen Entwertung von Vermögenspositionen (engl.: „stranded assets). Bei fossil betriebenen Kraftwerken ist dieser Gedanke bei dem verstärkten Übergang auf mittlerweile wirtschaftlich wettbewerbsfähige erneuerbare Energien besonders naheliegend.

Diese Faktoren betreffen aber auch kleine, nur lokal tätige Kreditinstitute, da beispielsweise Handwerksbetriebe durch Dieselfahrverbote und einem Übergang auf Elektromobilität erheblichen Betriebs- und Investitionsrisiken ausgesetzt sind.

Einige Diskussionen werden um Anreizmechanismen für „grüne“ versus „braune“ Finanzierungen geführt werden. Hier sind die Meinungen durchaus – und zu Recht – gespalten, wie die Meldung zur Deutschen Bundesbank vom 14.3.2018 zeigt:

Zwar hat sich die EU-Kommission klar für eine Förderung grüner Investitionsvorhaben, z.B. durch Entlastungen bei der Eigenkapitalunterlegung ausgesprochen, jedoch könnte auch eine zusätzliche Belastung nicht-grüner Positionen erwogen werden. Dies hat beispielsweise der Geschäftsführer der Triodos Bank Deutschland vorgeschlagen. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Risikoprofile beider Vermögensklassen erscheint eine sorgfältige Abwägung sehr berechtigt: Während „braune“ Risiken eher langfristig wirken, ist bei „grünen“ Finanzierungen eher von einer kurzfristigen Wirkung bis zur Inbetriebnahme bzw. Markteinführung auszugehen.

Vorläufiges Fazit

Die Vorschläge der EU-Kommission sind sehr weitreichend und erfordern vielfältige Eingriffe in Rechtsvorschriften und die Wirtschaftspraxis, weshalb die geplante weitgehende Umsetzung bis zum Herbst 2019 sehr ambitioniert erscheint. Unter der Voraussetzung, dass das europäische Parlament dem Aktionsplan folgt, werden die Maßnahmen ggf. bereits innerhalb weniger Monate wirksam, z.B. durch Anpassungen von MiFID II (Banken) und IDD (Versicherungsvertrieb).

Es war zu erwarten, dass die EU-Kommission in diese Richtung tätig wird, allerdings werden wohl Teile der deutschen Kreditwirtschaft überrascht sein, wie schnell und weitreichend die Eingriffe sein können. Dies zeichnete sich allerdings bereits auf der Grundlage des Zwischenberichts der Expertengruppe im Juli 2017 ab. Der fand allerdings in Deutschland kaum Beachtung: Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Dreissig bis Eins

Nummer Dreissig am 1. März 2018: EU-Kommission legt am 22.3.2018 einen Aktionsplan vor; Nachhaltigkeit wirkt auf den Unternehmenswert; Möglichkeiten und Grenzen der Blockchain; Crowdfundings mit 12 Energieprojekten; In eigener Sache: 1. #nachhaltige100, 2. GLS Bank Nachhaltigkeits Blog Award 2018, 3. Gesponserte (affiliate) Links

Nummer Neunundzwanzig am 19. Februar 2018: Dynamische Entwicklung bei Nachhaltigkeitsanleihen; Fortschritte bestimmen den Kreditzins;  Die Schweiz reguliert den Kryptomarkt (ICOs); BaFin nimmt Stellung; Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken

Nummer Achtundzwanzig am 6. Februar 2018, ergänzt 7. Februar 2018: Schlussbericht der EU-Experten; WWF mit Anregungen zu den Koalitionsverhandlungen; Orientierung bei Crowdfunding tut not; Triodos UK mit neuem Crowdfunding; Gebrutstagsgruß an die Dekabank; Finanzielle Inklusion wird zum Geschäftsmodell; Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken

Nummer Siebenundzwanzig am 25.1.2018: Klimawandel – Ein Anlagethema mit Tücken; Genossenschaftsbanken mit Nachhaltigkeitskampagne; Preissenkung bei RoboAdvice quirion; Veranstaltung „Sustainable Finance“ am 22.1.2018

Nummer Sechsundzwanzig am 12.1.2018: Und noch mehr „RoboAdvice“- Werthstein, savemate…; Anleihen mit Klimabezug (Green Bonds) wachsen stark

Nummer Fünfundzwanzig am 9./10.1.2018: Börsenzeitung: Grüne Finanzanlagen erreichen kritische Masse; Rückblick 2017/Ausblick 2018

Nummer Vierundzwanzig am 14.12.2017: Banken- und Produktcheck der Verbraucherzentrale; EU investiert € 9 Mrd. in Klimaprojekte; EU mit Plan für nachhaltige Finanzwirtschaft März 2018; Studie Deutsche FinTech; Buchankündigung Digitalisierung und Nachhaltigkeit; Jetzt schon 41 Onlineangebote für Anlageberatung und Vermögensverwaltung in Deutschland

Nummer Dreiundzwanzig am 12.12.2017: Marktübersicht nachhaltige Geldanlagen; Niederländische Finanzwirtschaft mit Plattform zur CO2-Erfassung; Europäische Großbanken und Klimawandel; Eine zutreffende Zustandsbeschreibung der deutschen Kreditwirtschaft

Nummer Zweiundzwanzig am 6.12.2017: Übersicht FinTech im deutschsprachigen Raum; Prospery – eine weitere Vermögensverwaltung online; Asset Management – von verantwortungs- zu wirkungsbewusst; N26 – ein FinTech wider die Nachhaltigkeit?

Nummer Einundzwanzig am 4.12.2017: Bisher USD 100 Mrd. neue Anleihen mit Klimabezug; 45 Fonds mit dem FNG-Siegel versehen, Neues Zentrum für nachhaltige Finanzwirtschaft in Schweden

Nummer Zwanzig am 28.11.2017: Nachhaltigkeit mit großer Relevanz für Banken; SDG FinTech Initiative; Crowdfunding; Goodfolio vor dem Marktstart

Nummer Neunzehn am 15.11.2017: comdirect FINANZbarcamp 2017; Die Grenzen von Blockchain/Bitcoin; …der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Nummer Achtzehn am 8.11.2017: Global Financial Development Report 2017/2018; UN Environment/World Bank Group – Roadmap for a Sustainable Financial System Report at COP23; Glücksatlas 2017; Consorsbank mit Nachhaltigkeit im Angebot; NRW Pensionsfonds mit nachhaltigen Kriterien

Nummer Siebzehn am 6.11.2017: Jamaika auch mit Nachhaltigerer Finanzwirtschaft?; McKinsey-Studie: Verantwortungsbewusst = normal; Französische Banken: Green Supporting Factor; FinTech und Nachhaltigkeit in Beispielen; Globales Dauerthema Finanzbildung

Nummer Sechzehn am 27.10.2017: Sustainable Finance Gipfel am 23.10.17 Frankfurt/M.; Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz; Veranstaltungen zu Nachhaltigeren Finanzen; Börse Johannesburg mit Green Bonds; GAFA + Alipay(cab) in den USA; Revolut, Simpleinsurance und Allianz kooperieren; Stash – Eine junge Anlegerseite auch für Angefangene…

Nummer Fünfzehn am 18.10.2017: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

Mehr Transparenz bei Investmentfonds

Foto: yourSRI.com

English version will follow. Abstract: yourSRI.com brings transparency to climate footprint and ESG-quality currently covering some 80% of the European funds market. However, criteria look backward, while sustainability investors aim at impact going forward. Thus the selection still requires additional research on impacts going forward.

Mit yourSRI.com wirbt ein weiteres Portal mit mehr Transparenz bei Investmentfonds für jedermann. Grundsätzlich eine gute Sache, aber leider noch nicht alles, was zur Fondsauswahl notwendig ist.

Transparenz und Glaubwürdigkeit für Fondskonzepte

Mit yourSRI.com bietet nach Climetrics ein weiterer Dienst Einblick in den Klima-Fußabdruck und die Nachhaltigkeit von Investmentfonds. Nachhaltigkeit umschreibt dabei die externe Bewertung der Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, kurz ESG für Environmental/Social/Governance.

Dies ist grundsätzlich zu begrüßen, löst aber nur einen Teil der Probleme bei der Auswahl nachhaltiger Anlageprodukte (vgl. auch hier im Blog Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig!). Und leider: Ein Vergleich des Klima-Fußabdrucks von ethischen Aktien-Investmentfonds durch die Verbraucherzentrale Bremen hat schon 2014 gezeigt, dass diese Befürchtungen nur allzu berechtigt sind.  Bei vergleichbarem „Anspruch“ in den Namen der Fonds waren erhebliche Unterschiede im Klima-Fußabdruck festzustellen: Namen ähnlich, CO2 unterschiedlich.

Weder CO2 noch ESG-Bewertungen können abschließend zwischen nachhaltig und nicht nachhaltig unterscheiden. Sie können lediglich helfen, den Unterschied zu sehen.

CO2 klingt logisch, kann aber irreführen

Der Vergleich der Verbraucherzentrale lief darauf hinaus, dass Nachhaltigkeit und Klima-Fußabdruck zwei ganz unterschiedliche Kriterien sind. Auch der Vergleich von Fonds innerhalb einer vermeintlichen „Güteklasse“ (=externe Bewertung, z.B. Climetrics) kann auf sehr unterschiedlichen Ausprägungen und Kombinationen von CO2 bzw. ESG Kriterien beruhen, wie im Blogbeitrag Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig! anhand einiger Beispiele gezeigt.

Eine zu starke Orientierung CO2 kann sogar völlig von Nachhaltigkeit wegführen wie der Deka Oekom ETF zeigt: Er beinhaltet 30 Werte aus dem EuroStoxx50 und hat etwa 35% in Finanzwerten investiert. Also mehr eine Wette auf den Euro sowie den Banken- und Finanzsektor in Westeuropa als das, was unter dem Etikett „Nachhaltigkeit“ gesucht wird.

Manch anderer Nachhaltigkeitsfonds oder -index hat z.B. kaum Finanzwerte und dann vor allem Rückversicherungsunternehmen die über ihr Geschäft ganz natürlich längerfristig und an einer nachhaltigeren Entwicklung der Welt interessiert sind.

Warum reicht Transparenz nicht?

Ganz einfach: Alle Kriterien sind rückblickend, nicht vorausschauend. Dabei geht es aber gerade, wenn Nachhaltigkeit als Anlagethema gesucht wird. Interessanter als die Bewertung der einzelnen Fonds ist der Vergleich ähnlicher Fonds und vor allem auch die Entwicklung der Bewertungskriterien über die Zeit.

Insofern gilt für die neuen Portale das Gleiche, was auch für die sehr heterogenen externen Umwelt-/ESG-Ratings gilt. Sie haben für sich keinen Stellenwert und beruhen auf derart unterschiedlichen Ansätzen, dass sie für ein Unternehmen sogar zu völlig gegenläufigen Ergebnissen kommen können. Es zählt nur die Veränderung/Entwicklung über die Zeit. Aber die ist auch dann Vergangenheit, deren Verlauf Hoffnung auf die Zukunft gibt.

Wonach denn Suchen?

Nach vorne gerichtet können Kriterien, wie sie von yourSRI.com veröffentlicht werden, etwas irreführend sein. Dies zeigt das Beispiel der beiden Nachhaltigkeitsfonds der Triodos Bank Deutschland im Beitrag Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft heisst (Aus-)Wirkungsbewußtsein:

Name CO2e / Mio. € ESG Wert ESG Rating
Triodos Sustainable Equity Fund R Cap 34,9 6,5 A
Triodos Sustainable Pioneer Fund R Cap 141,9 5,9 A

Quelle: yourSRI.com Stand: 23.8.2017

Bei dem ersten Fonds handelt es sich um einen Aktienfonds mit „klassischen“ europäischen Unternehmen. „Der Fonds investiert ausschließlich in Aktien , die von börsennotierten, finanzstarken Unternehmen emittiert werden, die eine überlegene soziale und ökologische Performance erzielen.

(https://www.triodos.de/de/privatkunden/investments/investmentfonds/sustainable-equity-fund1/ueber-diesen-fonds/)

Der „Sustainable Pioneer Fund“ investiert dagegen weltweit in kleinere Technologieführer mit geschäftlichen Fokus auf einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit in der Zukunft. Also in „…globale Aktien, die von börsennotierten Unternehmen ausgegeben werden, die in folgenden Bereichen als Pioniere gelten: Klimaschutz (nachhaltige Energie), Gesunde Menschen (Medizintechnologie), Sauberer Planet (Umwelttechnologie und Wasser), Corporate Social Responsibility (CSR)“.

Insofern bleibt die Erkenntnis, sich über die verschiedenen Fondskonzepte zu informieren. So herrscht bei Aktienfonds eine Vielfalt mit Ethikfonds, ethisch-ökologischen Fonds, Öko-Pioneerfonds, Öko-Effizienzfonds, Umweltfonds und sogar CO2-Fonds. Was dahinter steckt oder auch nur stecken kann, wird hier bald zusammengefasst.

Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?

Dr. Ralf Breuer

aktualisiert/last updated 02/08/2017, ergänzt/supplemented 15/12/2017

Sustainability on it’s way into reporting and regulation? – English abstract below.

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Am 18. (Brüssel) und 20. Juli 2017 (London) präsentierte eine hochrangige Expertengruppe der EU ihre ersten Vorschläge für eine nachhaltige(re) Finanzwirtschaft in der Europäischen Union. Die Vorschläge fanden in Deutschland weder bei der Presse noch der Kreditwirtschaft große Beachtung. Zu Unrecht: Ihre Umsetzung kann bedeutenden Einfluss auf die zukünftige Rechnungslegung und auch die Regulierung haben.

Viel Hirn, viel -schmalz, viel Arbeit

Die zwanzigköpfige Expertenkommission unter dem Vorsitz von Christian Thimann (Axa, Group Head of Regulation, Sustainability & Insurance Foresight) war mit hochrangigen Vertretern aus der Finanzwirtschaft und anderen Interessenvertretern (u.a. WWF Frankreich) besetzt. Deutschland war durch Michael Schmidt, Geschäftsführer der Deka Investment, vertreten. Unter den weiteren neun internationalen Beobachtern war kein Vertreter aus Deutschland.

Die von der EU eingesetzte Kommission präsentierte ihre vorläufigen Ergebnisse am 18.7. ganztägig vor 500 Teilnehmern in Brüssel und am 20.7. halbtägig vor 100 Teilnehmern in London. In den Schlussbericht zum Jahresende sollen dann u.a. auch die kürzlich beim Financial Stability Board (FSB) erarbeiteten Vorschläge zur Berichterstattung über klimabedingte Risiken (Task Force for clima-related Financial Disclosures, TCFD) eingehen.

Die Vorschläge sind sehr weitreichend, da sie auch rechtliche Rahmenbedingungen, Rechnungslegung und institutionelle Gegebenheiten beinhalten. Insofern handelt es sich um ein Rahmenkonzept, dessen praktische Umsetzung mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Insgesamt wirken die aufgezeigten Mechanismen aber stimmig, so dass die Finanzwirtschaft auf diese Weise tatsächlich einen höheren und systematischen Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Europäischen Union leisten könnte. Dabei geht es nicht um die Überwälzung von Kosten auf den Finanzsektor, sondern vor allem um den Abgleich öffentlicher und privater Interessen auf einer marktwirtschaftlichen Basis.

Die von der Kommission vorgestellten acht Vorschläge in Kürze:

  1. Klassifizierungssystem für nachhaltige finanzielle Vermögenspositionen: Was ist nachhaltig, was nicht?
  2. Europäische Standardisierung und Zertifizierung von Nachhaltigkeitsanleihen (Green Bonds, Klimaanleihen etc.) und anderer nachhaltiger finanzieller Vermögenspositionen.
  3. Rechtliche Verankerung von Nachhaltigkeit als Handlungsgebot (fiduciary duty/Treuhänderische Pflicht gegenüber künftigen Generationen)
  4. Verstärkte Berichtspflicht über ökologische, soziale und Unternehmensführungskomponenten (ESG, ecological/social/governance).
  5. Einen „Nachhaltigkeitstest“ für die EU-Gesetzgebung: Entspricht der aktuelle Rahmen den erforderlichen Kriterien?
  6. Schaffung einer „Nachhaltigen Infrastuktur Europa“ zur Moderation und Steuerung privater Investitionsinteressen in die Richtung von Projekten, die die Nachhaltigkeit stärken. Z.B. CO2-Ersparnis im Verkehr, Energie, Bauten, Landschaftsbau, soziale Strukturen etc.
  7. Verstärkte Einbindung der Aufsichtsbehörden in die Analyse von nicht-finanziellen Risiken (ESG)
  8. Berichtsstandards für Energieeffizienz. Dies zielt insbesondere auf den Zeithorizont bei der Bewertung ab. So könnte z.B. eine erhebliche Zahl von Kraftwerken durch den Kapazitätsaufbau bei erneuerbaren Energien wertlos werden.

Die vorläufigen Vorschläge haben eine ganzheitliche Sichtweise als Grundlage und damit auch die Gesamtheit der Europäischen Union. Für die Finanzwirtschaft hätte ihre Umsetzung eine Reihe von Konsequenzen, aber auch Vorteile.

Konsequenzen für die Kreditwirtschaft

Die gemeinsame Stellungnahme der fünf Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft lässt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Vorschlägen vermissen. Die Arbeit wird zwar grundsätzlich als „wichtiger Diskussionsbeitrag“ begrüßt, vorwiegend aber vor einer möglichen regulatorischen Mehrbelastung gemahnt. https://die-dk.de/themen/pressemitteilungen/deutsche-kreditwirtschaft-zum-eu-zwischenbericht-fur-ein-nachhaltiges-finanzwesen-anreize-fur-investitionen-sinnvoll-unnotige-regulierung-vermeiden/

Die formelle Verankerung von nachhaltigem Handeln muss aber zwingend zu Veränderungen in der externen Berichterstattung und Bankenaufsicht führen. In der Aufsicht müssen die Anforderungen dadurch aber nicht zwangsläufig vermehrt und verkompliziert, sondern vielmehr zielführend verändert werden. Insofern sollte die Regulierung zumindest anders werden.

Die größten Veränderungen sind für die externen Berichterstattung vorhersehbar. 1. Erweiterung der Berichtspflichten auf nicht-finanzielle Kriterien 2. Explizite Berücksichtigung von langfristigen Risiken (z.B. aus dem Klimawandel) 3. Angleichung der Zeithorizonte in Berichten und nachhaltigen Handlungsfeldern. Letzteres erfordert eine Trendumkehr, nachdem durch den Übergang auf eine angelsächsisch geprägte Rechnungslegung der Zeithorizont stark verkürzt und auf das aktuelle Marktumfeld gerichtet wurde. Plötzlich ist von entwerteten Vermögenspositionen (stranded assets) im Jahr 2030 die Rede. Insofern muss sich die Berichterstattung auf eine fernere Zukunft richten.

Eine ganze Reihe von Banken weltweit hat die am 29. Juni 2017 vorgelegten Vorschläge der Task Force des Financial Stability Board zur Berichterstattung über finanzielle Klimarisiken (TCFD) ausdrücklich begrüßt. Ein Blick in die speziell für Kreditinstitute vorgeschlagene Berichtspflicht sollte eigentlich beruhigen und die Regulierungsängste in Grenzen halten. (https://www.fsb-tcfd.org/wp-content/uploads/2017/06/FINAL-TCFD-Report-062817.pdf, S. 15)

Den vollständigen Bericht der EU Expertenkommission finden Sie hier:

http://www.eurosif.org/wp-content/uploads/2017/07/HLEG-on-Sustainable-Finance-IR-For-website-publication.pdf

Die zusammenfassende Präsentation des Vorsitzenden der Kommission finden Sie hier:

https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/170718-sustainable-finance-presentation-christian-thimann_en.pdf 

Die fünf französischen Vertreter in der Expertengruppe haben zwischenzeitlich eine Zusammenfassung mit den Implikationen für den Finanzplatz Paris vorgelegt: Décryptage: La vision des experts de HLEG membres de Finance for Tomorrow

Zwischenzeitlich hat die EU-Kommission ihre Absicht bestätigt, im März 2018 auf der Grundlage des Schlussberichtes der Expertenkommission einen Aktionsplan für das europäische Parlament vorzulegen. Vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundzwanzig.

Eine Reihe von nationalen und internationalen Institutionen hat weitere Initiativen avisiert, die Finanzwirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu entwickeln. Hierüber wurde in verschiedenen Beiträgen berichtet. Eine Übersicht findet sich auf Übersicht – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundzwanzig bis Eins.

English abstract

The interim report and the public hearings of the EU Commission’s high-level expert group on sustainable finance were poorly covered by the German press. The press release of the The German Banking Industry Committee did not really reflect the proposals. The headline almost summarizes the content of the whole text: „Incentives for investment are appropriate; unnecessary regulation should be avoided“. https://die-dk.de/en/topics/press-releases/position-german-banking-industry-committee-eu-interim-report-sustainable-finance-incentives-investment-are-appropriate-unnecessary-regulation-should-be-avoided/.

Germany is to be seen as a laggard in sustainable finance, the German banking sector in particular. Astonishing enough as almost all neighbouring countries show strong momentum in sustainable/responsible/green investment and finance.

In France, the five members of the commission submitted a summary with the implications for Paris on Aug. 2nd, 2017: Dectyptage: La vision des experts du HLEG membres de Finance for Tomorrow

In the meantime the EU-Commission confirmed to submit an action plan on the the back of HLEG’s final report by March 2018. Several national and international bodies point into the same direction. News on this were reported (in German) on Übersicht – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundzwanzig bis Eins.

Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig!


 

Dr. Ralf Breuer

Aktualisiert: 11.7.2017

Rendite allein genügt nicht mehr

Geld anlegen und Gutes tun oder zumindest die schmutzigsten Geschäfte vermeiden. Dieser Ansatz scheint sehr mehrheitsfähig zu sein. Leider wird aber nur wenigen Kunden dieses Angebot gemacht. Dies ist in sehr vielen Fällen vor allem auf mangelnde Transparenz und Glaubwürdigkeit zurückzuführen, was bereits die Kundenbetreuer abschreckt. Sie fürchten – völlig zu Recht – schwierige Beratungsgespräche.

Die Stiftung Warentest hat dies im Heft Finanztest 7/2017 auf den Punkt gebracht: „Genau hier liegt wohl eine der Ursachen für das Missverhältnis zwischen dem Interesse an ethischen Geldanlagen und dem investierten Geld: Anleger sehen sich zahlreichen Ansätzen gegenüber – und sie fürchten, dass ihr Ökofonds nicht so öko ist, wie sie dachten.“ (Finanztest 7/2017, Für eine bessere Welt, S. 33).

Der Klima-Fußabdruck offenbart einiges

Ein Vergleich des Klima-Fußabdrucks von ethischen Aktien-Investmentfonds durch die Verbraucherzentrale Bremen hat schon 2014 gezeigt, dass diese Befürchtungen nur allzu berechtigt sind.  Bei vergleichbarem „Anspruch“ in den Namen der Fonds waren erhebliche Unterschiede im Klima-Fußabdruck festzustellen: https://www.verbraucherzentrale-bremen.de/media233229A.pdf. Allerdings kann ein hoher Anteil von Werten aus bestimmten Branchen wie Banken und Versicherungen auch zu niedrigeren Werten führen. Insofern bleibt genaueres Hinschauen notwendig.

Dennoch erscheint CO2-Ersparnis ein Ansatz für die Objektivierung des ethischen bzw. ökologischen Anspruchs, den ein Fonds verfolgt. Ganz ausdrücklich tut dies z.B. die Steyler Ethik Bank mit ihrem Aktienfonds „Steyler Fair und Nachhaltig – Aktien“ (WKN A1JUVL/ISIN DE000A1JUVL8). Informationen unter https://www.fun-fonds.de/Aktienfonds/c1270.html.

Öko-Ratings wenig hilfreich

Leider sind auch die Öko-Ratings der jeweiligen Unternehmen nur dann hilfreich, wenn ihre Entwicklung über die Zeit betrachtet wird. Aufgrund abweichender Ansätze und Datengrundlagen sind sie absolut gesehen wenig hilfreich und kaum vergleichbar. Dies scheint aktuell auch nicht gewollt zu sein, zumindest nicht von den Dienstleistern, die Öko-Ratings anbieten. Allerdings erwarte ich, dass der Druck des Marktes stark zunehmen wird. Am 6.7.2017 wurde zum Beispiel bekannt, dass der Rückversicherer Swiss Re seine Anlagen komplett an nachhaltigen, verantwortungsbewussten Kriterien ausrichten wird.(http://www.swissre.com/about_us/about_our_business/asset_management/responsible_investing_in_practice.html)

Neue Transparenz in Sicht

Mit „Climetrics“ (http://www.climetrics-rating.org) startete heute ein neuer Dienst, der die Nachhaltigkeit von Aktien-Investmentfonds beurteilt. Allerdings sollte das Rating nicht automatisch mit „klimafreundlich“ gleich gesetzt werden, wie dies im Artikel bei http://www.spiegel.de der Fall ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/klimawandel-so-geht-klimafreundliche-geldanlage-a-1156999.html#ref=rss

Nachfolgende Tabelle stellt die Beurteilung der Nachhaltigkeit und die CO2-Intensität der Fonds im einzelnen dar und offenbart die großen Unterschiede zwischen den vermeintlich „grünsten“ Fonds mit einem Rating von jeweils fünf Blättern.

Deutsche Aktien

Fondsname (ISIN)

Rating Umwelt, Soziales, Unternehmens-führung

Klimaintensität Investment

CO2 t/€ Mio.

Klimaintensität Produktion

CO2 t/Umsatz € Mio.

db x-trackers DAX UCITS ETF (DR)
(LU0274211480)

AA

475,2

391,5

Deutsche Invest I German Equities LC
(LU0740822621)

AA

143,0

144,2

DWS Deutschland LC
(DE0008490962)

A

118,5

139,3

UniDeutschland
(DE0009750117)

n.a.

n.a.

n.a.

UniFonds
(DE0008491002)

A

332,6

282,5

Quelle: https://climetrics-rating.org bzw. https://yoursri.com/funds/

Die Angaben für den UniDeutschland waren zum Zeitpunkt der Abfrage nicht verfügbar. Stand 11.7.2017 13:34h

Fonds US-Aktien

Fondsname (ISIN)

Rating Umwelt, Soziales, Unternehmens-führung

Klimaintensität Investment

CO2 t/€ Mio.

Klimaintensität Produktion

CO2 t/Umsatz € Mio.

AB SICAV I-Concentrated US Equity Pf A USD
(LU1011998942)

BBB

9,7

37,2

Amundi ETF Nasdaq-100 UCITS ETF – EUR
(FR0010892216)

BBB

17,1

57,9

ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA USD A
(AT0000858584)

A

53,2

144,4

iShares NASDAQ 100 UCITS ETF USD (Acc)
(IE00B53SZB19)

BBB

17,4

58,7

WP Stewart Holdings USD
(LU0237485098)

BBB

9,4

36,6

Quelle: https://climetrics-rating.org bzw. https://yoursri.com/funds/

Stand: 11.7.2017

Fonds Globale Aktien

Fondsname (ISIN)

Rating Umwelt, Soziales, Unternehmens-führung

Klimaintensität Investment

CO2 t/€ Mio.

Klimaintensität Produktion

CO2 t/Umsatz € Mio.

DB Platinum CROCI Sectors Fund R3C
(LU0419225247)

BBB

110,3

138,8

Deutsche AM Smart Industrial Technologies LD
(DE0005152482)

A

139,3

183,5

DWS Akkumula LC
(DE0008474024)

BBB

28,4

53,6

DWS Telemedia Typ O
(DE0008474214)

BBB

22,0

39,4

KCD-Union Nachhaltig AKTIEN MinRisk
(DE0005326532)

A

232,0

269,3

Suedwestbank Vermoegensmandat Aktien
(LU0347049883)

A

166,1

243,3

Uni21. Jahrhundert -net-
(DE0009757872)

BBB

197,1

280,8

Quelle: https://climetrics-rating.org bzw. https://yoursri.com/funds/

Stand: 11.7.2017

Die Beurteilungen für die besten Fonds sind kostenlos verfügbar. Aktuell sind rund 55% der europäischen Aktienfonds mit einem Volumen von rund € 2 Billionen erfasst. Neben Angaben des CO2-Ausstoßes pro investiertem Euro und Umsatz der Unternehmen finden sich auch Angaben zur Unternehmensführung nach sogenannten ESG-Kriterien (environmental/social/governance = Umwelt/Soziales/Unternehmensführung). Damit gewinnt der Anlagemarkt deutlich an Transparenz, auch für den privaten Anleger. Allerdings werden sich kurzfristig auch die Finanzberater der Branche näher mit diesen Kriterien befassen müssen.

Fazit

Mängel bei Transparenz und Glaubwürdigkeit verhindern aktuell noch ethische Geldanlagen für einen breiteren Anlegerkreis. Einige wenige Fonds haben mit Erfolg gezeigt, wie private Anleger überzeugt werden können. Der Trend geht zu mehr Verantwortungsbewußtsein oder auch mehr „grün“ in der Geldanlage. Dringend notwendig, dass die Finanzbranche hier aufrüstet und ihr Angebot erweitert – im Interesse aller,  vor allem auch im eigenen Interesse.