Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunundvierzig

Logo des H4SF – Hub for Sustainable Finance Germany (https://www.h4sf.de/), zu dem Investabel® aktiv beiträgt (H4SF – Beiträge)

Inhalt: Triodos Bank und Bettervest kooperieren; Tomorrow Bank im Beta-Test; Nachhaltigkeitsgipfel am 25.9.2018 in Frankfurt/M.;  Pimco erwartet starkes Wachstum von SDG-Bonds; HSBC: Nachhaltigkeit drängt in den Finanz-Mainstream; Pimco erwartet starkes Wachstum von SDG-Bonds; CSR Blogparade Raum Köln/Bonn; In eigener Sache: Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. September 2018

Dr. Ralf Breuer

Triodos Bank und Bettervest kooperieren

Die Triodos Bank und die Schwarmfinanzierungsplattform (Crowdfunding) Bettervest haben eine Kooperation angekündigt. Erneut wird ein Bankangebot durch ein soganntes FinTech ergänzt und auf nachhaltige Investments mit kleinen Einstiegsbeträgen erweitert. Gemäß gleichlautenden Pressemitteilungen vom 6.9.2019 hat die „Triodos Sustainable Finance Foundation“ auch Anteile an der auf Energieprojekte spezialisierten Crowdinvesting Plattform bettervest erworben.

Auch die GLS Bank kooperiert mit einem Anbieter, der GLS Crowd. Trotz des Namens und der ähnlichen Gestaltung des Internetauftritts ist die Bank weder Eigentümer noch Betreiber der Plattform. Sie berät lediglich bei der Auswahl der angebotenen Projekte. Im Gegensatz zu Bettervest haben die von der GLS Crowd angebotenen Projekte ein breiteres Spektrum von Nachhaltigkeitsaspekten, sind aber stärker auf Deutschland ausgerichtet.

Bettervest ist stärker auf den Energiesektor fokussiert und dabei stärker Richtung Entwicklungsländern ausgerichtet, z.B. mit Projekten zur netzfernen Erzeugung erneuerbarer Energien. Mehr zu der geplanten Zusammenarbeit findet sich auf der Seite Strategische Partnerschaft (gesponserter Link).

Tomorrow Bank im Beta-Test

Das Angebot der Tomorrow Bank aus Hamburg ist derzeit in der öffentlichen Testphase mit einer geschlossenen Nutzergruppe. Auf jeden Fall schon gelungen erscheint das (lindgrüne) Design von Grafiken und Texten, vielleicht mit Ausnahme des etwas hohen Anteils englischer Worte, für die es durchaus auch andere Möglichkeiten gäbe. Dennoch ist das optisch schon mal ein sehr gelungener Start:

Das wird auch durchgängig, z.B. in Stellenanzeigen gelebt:

2018-08-29 Tomorrow Stellenanzeige

Nachhaltigkeitsgipfel am 25.9.2018 Frankfurt/M.

Der Hub for Sustainable Finance lädt am 25. September zum „Zweiten Sustainable Finance Gipfel Germany“ ein. Auf diesem Gipfeltreffen der aktiven Netzwerkakteure mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft werden wichtige Aspekte zur Stärkung nachhaltiger Finanzwirtschaft, aktuelle Entwicklungen und nötige Weichenstellungen für die kommenden Monate diskutiert.

Einen Einblick in das „Ecosystem“ Sustainble Finance gibt eine vom VFU erstellte Übersicht:

2018-09-17 SusFin Ecosystem

Quelle: Twitter/VFU -Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten e.V.

Gegenüber dem ersten Gipfel 2017 ist ein deutlich größerer Rahmen vorgesehen, so dass mindestens 100 weitere Teilnehmer zu erwarten sind. Informationen zum Gipfel: Zweiter Sustainable Finance Gipfel Deutschland.

Zwar befindet sich Deutschland im internationalen Vergleich bestenfalls im Basislager, aber das wird immer besser gerüstet, u.a. mit der nun erfolgten Gründung des „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“ Das GSFC ist ein Zusammenschluss der Accelerating Sustainable Finance Initiative der Deutschen Börse und dem Green Finance Cluster Frankfurt des Hessischen Wirtschaftsministeriums. Die Zielsetzung des im April 2018 erfolgten Zusammenschlusses ist die Bündelung der Aktivitäten im Feld Sustainable Finance, um eine effizientere Nutzung der Finanzmarktexpertise im Bereich Nachhaltigkeit zu erreichen und vor allem die Formulierung und Umsetzung konkreter Handlungsansätze für die Zukunftsfähigkeit nationaler und internationaler Finanzmärkte. Weitere Informationen: https://gsfc-germany.com/.

Die Notwendigkeit einer intensiveren Arbeit auf dem Gebiet nachhaltiger Finanzinstrumente läßt sich anhand der dynamischen Markteintwicklung leicht nachvollziehen.

HSBC: Nachhaltigkeit drängt in den Finanz-Mainstream

Passend zur Aussage von HSBC Deutschland begrüßt die Eingangsseite der ING DiBa ihre Kunden mit Werbung für einen Ethikfonds. Auch die deutsche Internetseite für Firmenkunden ist stark von Nachhaltigkeit geprägt: ING Wholesale Banking – Lösungen für Großkunden.

Pimco erwartet starkes Wachstum von SDG-Bonds

CSR Blogparade Raum Köln/Bonn

2018-09-05 CSRBlogparade

Das CSR-Kompetenzzentrums Rheinland hat eine Blogparade zum Thema „Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in Bonn und der Region“ #CSR2018 gestartet. Ziel ist es, über aktuelle gesellschaftliche Verantwortung in der Region (Aachen, Bonn, Köln) mehr zu erfahren. Alle online-Beiträge in den nächsten vier Wochen zum Thema CSR dürfen teilnehmen – gern auch bereits vergangene Beiträge, die nun im Nachgang verlinkt werden. Alle Infos zur Teilnahme an der Blogparade erhalten Sie hier: http://csr-kompetenzzentrum.de/csr-blogparade/. Investabel® wird natürlich einen Beitrag beisteuern.

In eigener Sache

Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie

Die Bundesregierung (bzw. das Bundespresseamt) hat die bisher eingegangenen Beiträge zur Diskussion um die Aktualisierung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zugänglich gemacht. Die bisher eingegangenen Beiträge sind in zwei Dokumenten als „Zuschriften zum Dialog“ nach „Privatpersonen“ bzw. „Unternehmen und Institutionen“ zusammengefasst. Alle relevanten Dokumente finden Sie auf der Seite NACHHALTIGE ENTWICKLUNG – Wir aktualisieren die Strategie: Machen Sie mit!. Mein Beitrag ist im Dokument Zuschriften zum Dialog – Privatpersonen. Der Beitrag hier auf dieser Seite lautet: Beitrag Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtundvierzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundvierzig

Logo der Blogparade des CSR-Kompetenzzentrums Rheinland

Inhalt: Auf zum Nachhaltigkeitsgipfel; Volumen bei Fonds mit Green Bonds verdoppelt; Immer mehr wirkungsbezogene Anlagen; CSR Blogparade Raum Köln/Bonn; SIRPlus gegen Lebensmittelverschwendung; ING Groep wächst bei Firmenkunden in Deutschland; Internetgiganten und Bankleistungen; In eigener Sache: Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie; comdirect finanzblog award; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

5. September 2018

Dr. Ralf Breuer

Auf zum Nachhaltigkeitsgipfel

Der Hub for Sustainable Finance lädt am 25. September zum „Zweiten Sustainable Finance Gipfel Germany“ ein. Auf diesem Gipfeltreffen der aktiven Netzwerkakteure mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft werden wichtige Aspekte zur Stärkung nachhaltiger Finanzwirtschaft, aktuelle Entwicklungen und nötige Weichenstellungen für die kommenden Monate diskutiert.

Gegenüber dem ersten Gipfel 2017 ist ein deutlich größerer Rahmen vorgesehen, so dass mindestens 100 weitere Teilnehmer zu erwarten sind. Informationen zum Gipfel: Zweiter Sustainable Finance Gipfel Deutschland.

Zwar befindet sich Deutschland im internationalen Vergleich bestenfalls im Basislager, aber das wird immer besser gerüstet, u.a. mit der nun erfolgten Gründung des „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“ Das GSFC ist ein Zusammenschluss der Accelerating Sustainable Finance Initiative der Deutschen Börse und dem Green Finance Cluster Frankfurt des Hessischen Wirtschaftsministeriums. Die Zielsetzung des im April 2018 erfolgten Zusammenschlusses ist die Bündelung der Aktivitäten im Feld Sustainable Finance, um eine effizientere Nutzung der Finanzmarktexpertise im Bereich Nachhaltigkeit zu erreichen und vor allem die Formulierung und Umsetzung konkreter Handlungsansätze für die Zukunftsfähigkeit nationaler und internationaler Finanzmärkte. Weitere Informationen: https://gsfc-germany.com/.

Die Notwendigkeit einer intensiveren Arbeit auf dem Gebiet nachhaltiger Finanzinstrumente läßt sich anhand der dynamitschen Markteintwicklung leicht nachvollziehen.

Volumen bei Fonds mit Green Bonds verdoppelt

Gemäß Environmental Finance hat sich das Volumen der in Green Bonds investierenden Fonds in den zwölf Monaten ab Juli 2017 auf USD 5,34 Mrd. verdoppelt. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Fonds um mehr als ein Drittel auf 38 erhöht. Allein bei der Luxembourg Green Exchange sind bereits mehr als 200 Anleihen mit Nachhaltigkeitsbezug und mehr als USD 100 Mrd. notiert.

Immer mehr wirkungsbezogene Anlagen

Laut www.unipri.org hat sich das Volumen wirkungsbezogener Anlagen (Impact Investment) noch beeindruckender entwickelt: 450 Unterzeichner der UN „PRI – Principles of Responsible Investments“ bereits 2016 USD 1,3 Bio. weltweit für wirkungsbezogene Investitionen bereitgestellt. Die Einzelheiten, insbesondere auch die verfolgten Zwecke stellt eine ausführliche Studie dar: PRI Impact Investing Market Map.

CSR Blogparade Raum Köln/Bonn

2018-09-05 CSRBlogparade

Das CSR-Kompetenzzentrums Rheinland hat eine Blogparade zum Thema „Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in Bonn und der Region“ #CSR2018 gestartet. Ziel ist es, über aktuelle gesellschaftliche Verantwortung in der Region (Aachen, Bonn, Köln) mehr zu erfahren. Alle online-Beiträge in den nächsten vier Wochen zum Thema CSR dürfen teilnehmen – gern auch bereits vergangene Beiträge, die nun im Nachgang verlinkt werden. Alle Infos zur Teilnahme an der Blogparade erhalten Sie hier: http://csr-kompetenzzentrum.de/csr-blogparade/. Investabel® wird natürlich einen Beitrag beisteuern.

Zuvor gibt es noch Gelegenheit für einen persönlichen Austausch über Nachhaltigkeit: Alle Teilnehmer und Interessierten sind herzlich zur großen CSR-Tagung am 13.09.2018 an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg eingeladen. CSR Tagung Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.

SIRPlus gegen Lebensmittelverschwendung

Zugegeben: Mit Finanzen hat das gar nichts zu tun. Trotzdem ein lobenswerter Ansatz, über den auch schon mehrere Fernsehberichte ausgestrahlt wurden In Berlin gibt es mittlerweile drei Supermärkte SIRPlus für Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdauer überschritten ist. Da „Mindest“ nicht „Höchst“ beinhaltet, ist das sicher ein guter Ansatz. Immerhin werden immer noch 30% der produzierten Lebensmittel vernichtet.

Das Angebot ist teilweise vielleicht eine Konkurrenz zu den 230 Tafeln, die in Deutschland Sach- und Geldspenden an Bedürftige vereilen. Allerdings besteht ein stärkerer Fokus auf verderblichen Lebensmitteln, die lokal gesammelt, aufbereitet und verteilt werden. Die Empfänger sind bedürftige Privatpersonen und Einrichtungen. Weitere Informationen: Tafel Deutschland e.V.

ING Groep wächst bei Firmenkunden in Deutschland

Die niederländische ING Groep ist in Deutschland vor allem für ihr schnörkelloses Angebot der ING DiBa bekannt und großgeworden. Während sich das Direktbankangebot ausschließlich an Privatkunden richtet, hat sie auch im Firmenkundengeschäft ein profitables Geschäft aufgebaut, dass sogenannte ING Wholesale Banking. Heinz-Roger Dohms berichtete am 4.9. hierüber in seinem täglichen Newsletter Finanz-Szene.de Wie die ING Diba ihre Erträge im Firmenkunden-Geschäft binnen kürzester Zeit verdreifacht hat. In seinem Bericht vom 6.9. weist Herr Dohms zusätzlich auf den illustren Kundenkreis der Bank in Deutschland hin: Finanz-Szene.de 5.9.2018: Welche Kunden in das Raster der ING DiBa passen – und welche nicht.

Aus der Quartalsberichtserstattung der ING Groep zog Herr Dohms eine beeindruckende Ertragsentwicklung in den letzten fünf Jahren:

Quelle: Heinz-Roger Dohms, www.Finanz-Szene.de vom 4.9.2018

Ein Vergleich mit dem Segment Firmenkunden der Commerzbank zeigt, dass ING deutlich effizienter und profitabler operiert: Das Verhältnis Aufwand zu Ertrag liegt unter 25%, während die deutsche Konkurrent im ersten Halbjahr bei 78,4% berichtete.

Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist ein Blick auf die Internetseite des Firmenkundenangebots sehr bemerkenswert: Auf https://www.ingwb.de/de/home steht nachhaltiges Wirtschaften ganz oben. ING bewirbt offensiv sein Angebot, die Kreditverzinsung an Nachhaltigkeit zu koppeln, so dass Fortschritte über die Laufzeit mit niedrigerer Verzinsung honoriert werden. Dies wurde bereits bei einer Reihe europäischer Großunternehmen so vereinbart. Vgl. Nummer Einundvierzig.

Digitale Giganten und Bankleistungen

Der Start von „Apple Pay“ hat das Thema einmal erneut befeuert: Wie bedrohlich sind die Internetgiganten für die etablierte Kreditwirtschaft? Dabei ist vor allem von Google, Apple, Facebook und Amazon die Rede, den sogenannten #GAFAs. Aber auch die chinesischen Anbieter Baidu, Alibaba und Tencent (#BAT) bieten Finanzdienstleistungen. Bei Alibaba sind die Angebote (u.a. AliPay) in der Gesellschaft Ant Financial zusammengefasst, die selbst schon eine große Sichtbarkeit hat.

Die Redaktion von „Payment & Banking“ hat dankenswerterweise einmal mehr eine informative Grafik zu diesem Thema erstellt:

Infografik Marktkapitalisierung Digital Giants

Quelle: Nicole Nitsche/Kilian Thalhammer: Digital Giants Marktkapitalisierung 5.9.2018

 

In eigener Sache

Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie

Die Bundesregierung (bzw. das Bundespresseamt) hat die bisher eingegangenen Beiträge zur Diskussion um die Aktualisierung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zugänglich gemacht. Die bisher eingegangenen Beiträge sind in zwei Dokumenten als „Zuschriften zum Dialog“ nach „Privatpersonen“ bzw. „Unternehmen und Institutionen“ zusammengefasst. Alle relevanten Dokumente finden Sie auf der Seite NACHHALTIGE ENTWICKLUNG – Wir aktualisieren die Strategie: Machen Sie mit!. Mein Beitrag ist im Dokument Zuschriften zum Dialog – Privatpersonen. Der Beitrag hier auf dieser Seite lautet: Beitrag Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie.

comdirect finanzblog award

Investabel® stellt sich auch in diesem Jahr der Jury und der Publikumsabstimmung beim comdirect finanzblog award. Insgesamt 65 Finanzblogs stehen zur Wahl. Die Sieger werden beim „comdirect Finanzbarcamp 2018“ am 20.10.2018 in Hamburg bekannt gegeben.

comdirect hat angeregt, die Blogs im Forum der Bank, der „comdirect community“ vorzustellen. Dafür wurde am 14.8. der Beitrag comdirect finanzblog award – angenommen, ich gewinne… mit Überlegungen zur Anlage bzw. Verwendung des Siegerpreisgeldes von € 3.000 veröffentlicht. Verwendung deshalb, weil auch die Anschaffung von Bierdeckeln mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der UN enthalten ist – ein hervorragendes didaktisches Mittel für Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit.

2018-03-23 id-17ziele_projekte_bierdeckel_gross

Ansonsten enthält der Beitrag Überlegungen, wie sich aus dem heutigen Marktangebot auch mit einem vergleichsweise kleinen Anlagebetrag eine nachhaltige Geldanlage konzipieren lässt.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Siebenundvierzig bis Eins

 

 

 

Robo-Advice – Viel Bewegung im Markt

Englisch abstract:

Robo-Advice seems to become adult rather sooner than later. In September, the third biggest bank in terms of clients (8m, €150m AuA), ING-Diba teamed up with the European market leader Scalable Capital. Within the first 10 weeks 7.000 clients moved about € 150m into Robo-Advice. This thus started the utmost likely market consolidation the tiny, but already crowded German market. The number of offers increased by another 10 to 41 between August and December (For more please refer to: Robo-Advise in Germany)

Nach der Ankündigung der Zusammenarbeit von ING-DiBa mit Scalable Capital im September war es ist naheliegend, von einer baldigen Konsolidierung im Markt für den Onlinevertrieb von Vermögensverwaltung bzw. Anlageberatung (Robo-Advice) auszugehen: Viele Anbieter, kleine Volumina und die Mehrheit der großen Finanzgruppen noch gar nicht richtig am Start. Nach acht Wochen wurden erste Zahlen zur Kundenakzeptanz bei der ING-DiBa vorgelegt: Rund 7.000 Kunden haben € 150 Mio. zu Scalable verlagert. Interessant sind dabei auch einige Details sowie weitere Nachrichten aus dem Markt. Mit „Prospery“ (ABN Amro) startete im Dezember ein weiteres Angebot, das auf höhere Anlagebeträge zielt.

Quelle Beitragsbild (nach heutigem Stand unvollständig): http://www.brokervergleich.de/

17. November 2017, aktualisiert/ergänzt 29. November 2017, 5. und 14. Dezember 2017

Dr. Ralf Breuer

Anzahl der Anbieter nimmt weiter zu

Gemäß Techfluence ist die Zahl der Anbieter zwischen Anfang August und Mitte Dezember 2017 um weitere 10 gestiegen. Die Mittelbestände sind nach Schätzungen aus der gleichen Quelle um € 350 Mio. auf € 1,2 Mrd. gestiegen, was u.a. auf die nachstehend beschriebene Kooperation der ING-DiBa zurückzuführen ist. Für viele Anbieter ist das Onlineangebot eine Möglichkeit, bestehende Kapazitäten über einen neuen Vertriebskanal „zu hebeln“, so dass auf der Grundlage relativ geringer Kosten für den Markteintritt eine weiterer Zuwachs an Anbietern wahrscheinlich ist.

ING-DiBa und Scalable Capital mit Zahlen zur Kooperation

ING Groep und ING-Diba gaben am 14.9.2017 in einer Presseerklärung die Zusammenarbeit mit dem größten europäischen Anbieter für Robo-Advice Scaleable Capital im deutschen Markt bekannt. Das Angebot stand den ING-DiBa-Kunden ab dem 15. September 2017 zur Verfügung.

ING-DiBa stellt den rund 8 Mio. Kunden mit € 150 Mrd. administrierten Anlagen (Einlagen und Wertpapiere) über Scalable Capital ein reines Onlineangebot bereit. Mindestanlagebetrag ist € 10.000, die Kosten schätzt die Bank auf 0,75% des im Jahresdurchschnitt verwalteten Vermögens zzgl. durchschnittlich 0,25% für die investierten ETF. Der Zeitaufwand für die Kunden soll für den Abschluss bei etwa 15 Minuten liegen.

Kooperation mit kraftvollem Antritt

ING-DiBa und Scalable Capital gaben am 9.11.2017 erste Zahlen zum bisherigen Verlauf der Kooperation bekannt: 7.000 Kunden haben rund € 150 Mio. auf die Online-Vermögensverwaltung von Scalable Capital verlagert, pro Woche kommen weitere 1.000 Kunden hinzu (vgl. Pressemitteilung von ING-DiBa vom 9.11.2017).

Interessant sind die Details zu den Kunden von Scalable Capital in einer Presseerklärung vom 9.11.2017: Das durchschnittliche Volumen beträgt € 32.000, Sparpläne bei € 400 pro Monat. Das Durchschnittsalter ist auf 50 Jahre gegenüber 42 Jahre vor einem Jahr gestiegen, Männeranteil 80 %, 90% der Kunden sind Akademiker.

Nach der kurzen Zeit konnte Scalable damit seine Kundenzahl auf 15.000 (46,7% ING-DiBa) und das verwaltete Vermögen auf € 500 Mio. steigern

Am Beispiel comdirect wurde mit der Einführung von cominvest deutlich, wie „prominentere“ Anbieter Kundengelder in Richtung Onlineangebote bewegen können. Innerhalb von nur zwei Monaten wurden € 100 Mio. angelegt, im dritten Quartal 2017 kamen weitere € 50 Mio. hinzu (vgl. comdirect Neunmonatsergebnis 2017).

Die meisten großen Finanzgruppen sind noch gar nicht richtig am Start

Bei den anderen Bankengruppen wird VisualVest gerade als „MeinInvest“ (in abgespeckter Form) bei den ersten Genossenschaftsbanken ausgerollt. In der Finanzgruppe der Sparkassen befindet sich bevestor eher noch in der Marktvorbereitung. Das von der Deutsche Asset Management (DeAM) konzipierte Produkt wird derzeit nur über die Basler Versicherungsgruppe als Baloise MONVISO vermarktet.

Ohne große Kommunikation startete die Deutsche Bank Ende November 2017 den Online-Vermögensverwalter ROBIN mit einer Mindestanlage von € 5.000 und Gesamtgebühren von rund 1,25%. Das Produkt erscheint deutlich anders als MONVISO (ab €400, Gesamtkosten rund 1,3%), das von Deutsche Asset Management konzipiert wurde und über die Baloise Group als „White Label“ Produkt vertrieben wird. In ersten Selbstversuchen waren die Anlagevorschläge von ROBIN allerdings etwas irritierend: Eine sehr hohe Liquidität bei zehn Jahren Zeithorizont unterstellt einen baldigen Zusammenbruch von Aktien- und Anleihemärkten gleichzeitig. MONVISO liefert bei ansonsten identischen Angaben einen völlig anderen Anlagevorschlag, der allerdings mit einer Renditeerwartung versehen wird.

Deutscher Markt zersplittert, Angebot wächst trotzdem

Insgesamt ist der deutsche Markt sehr zersplittert wie im Beitrag Robo-Advisor – (K)eine Innovation aufgezeigt. Trotzdem kommen weitere Angebote an den Markt.

Mit einer Pressemitteilung von M.M. Warburg & Co am 13.10.2017 ging der Warburg NAVIGATOR an den Start. Er richtet sich an Kunden mit einer Mindestanlage € 20.000 und bietet eine Vermögensverwaltung zur Inklusivgebühr (All-in-Fee) von 1,2% p.a.: „Der Anlagebetrag wird in ein breit diversifiziertes, im Wesentlichen aus ETFs bestehendes Portfolio investiert, bei Bedarf werden nach intensiver Prüfung selektierte, aktiv gemanagte Fonds ergänzt. Die Einhaltung der Risikovorgaben der Kunden wird laufend überwacht. Wenn die Situation es erfordert, wird das Portfolio angepasst.“

Verschiedene Presseartikel vermelden heute den Start eines weiteren Angebots. Heinz-Roger Dohms berichtet am 17.11.2017 im Newsletter auf finanz-szene.de: „…Manche Meldungen klingen so schräg, dass man sie am besten betont sachlich behandelt. Also: Kai Diekmann, Ex-Chef der „Bild“, und Lenny Fischer, Ex-Chef von Dresdner Kleinwort Benson Wasserstein Perella Goldman Stanley, wollen zusammen einen digitalen Vermögensverwalter gründen, der als „Zukunftsfonds“ die Sparprobleme des deutschen Michel lösen und alsbald auf ein Volumen von 20 Mrd. Euro kommen soll (zum Vergleich: der momentan größte deutsche Mischfonds ist der von Union und bringt laut HB zurzeit knapp 15 Mrd. Euro auf die Waage). „Genial, größenwahnsinnig oder Midlife-Crisis?“, fragt bei Twitter der geschätzte Vizechef des „Manager Magazins“, das die Geschichte gestern in Umlauf brachte. Wir entscheiden uns für Antwort 3. Manager Magazin.

Weniger schräg, sondern eher naheliegend erscheint das (kolportierte) Konzept von Herrn Diekmann & Co, das Onlineangebot in journalistische Inhalte mit der Blickrichtung auf „Finanzielle Bildung“ einzubetten. Hier wurden gerade im Vorfeld des Weltspartag am 30.10.2017 wieder offenkundige Mängel bei den deutschen Kunden thematisiert, z.B. in der am 25.10. von der ING-DiBa veröffentlichten Studie.

 

2017-10-26 Diba Finanzbildung

Quelle: ING-DiBa

Der Anbieter ginmon expandiert dagegen nach Presseberichten nach China (z.B. www.fondsprofessionell.de): Danach wird eine Kooperation mit China Everbright mit einem administrierten Vermögen von USD 579 Mrd. angestrebt.

Prospery – ein weiteres Angebot online

Im Dezember 2017 startete mit Prospery ein weiteres Angebot. Prospery bietet Zugang zu Beratung und Vermögensverwaltung der ABN AMRO Investment Solutions und richtet sich „normalerweise“ an Kunden mit einer Anlagesumme ab € 100.000. Dieser Betrag wird allerdings nicht als ausdrückliche Mindestsumme festgesetzt, ergibt sich lediglich aus der Preisgestaltung mit monatlichen Pauschalpreisen von € 179 (nur Nutzung eines Coach) bzw. € 239 (inkl. Vermögensverwaltung). Neben einer Vermögensverwaltung mit „optimiertem Verhältnis Risiko/Rendite“ in 100 möglichen Portfolios nennt Prospery vor allem die Transparenz über alle Konten und Depots als herausragendes Merkmal. Investiert wird nach Aussagen der Internetseite überwiegend in Fonds. Thematische Varianten sind nicht offensichtlich.

Bei Prospery wird sehr deutlich, wie die Grenzen zwischen den bekannten stationären Angeboten und den Onlineangeboten verschwimmen. Dieses Angebot stellt mehr einen neuen Kanal in der Betreuung vermögenderer privater Kunden als wirklich neue Leistungen bereit (siehe unten).

Viel Verwirrung über Onlineangebote, wenig „grün“

Die Diskussionen beim Finanzbarcamp am 10.11.2017 (Kurzbericht: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunzehn) haben viel Verwirrung über den (Un-)Wert der online angeboten Vermögensverwaltung bzw. Anlageberatung offenbart. Hieran haben die Anbieter selbst einen gewissen Anteil. Ein „Selbstversuch“ offenbart schnell gewisse Mängel an Transparenz: Welchen Status hat der Anbieter – Vermittler oder lizensierter Verwalter ? Wie ist der Anlageprozess gestaltet – Mensch oder Maschine ? Wie werden die Renditeprognosen erstellt ? Die meisten Fragen können auch nicht ohne Rückfragen unmittelbar von der Kundenbetreuung beantwortet werden. Da fällt es sicher leichter, sich auf Angebote ohnehin großer und renommierter Dienstleister einzulassen.

Eigentlich erstaunlich, dass nur wenige Anbieter auf Nachhaltigkeit als Trendthema setzen. Zwar betonen einige Anbieter die steigende Bedeutung von Verantwortungsbewußtsein im Sinne von SRI (z.B. growney im Interview bei www.roboadvisor-portal.com, entsprechende Angebote sind aber noch eine Minderheit, z.B. bei investify (Ethisches Investieren) und VisualVest (GreenFolios).

Sicher ist allerdings: Echte Innovationen finden sich in den Angeboten weniger. Es handelt sich vielmehr um die Öffnung bestehender Dienstleistungen für breitere über einen neuen Vertriebskanal. Damit eher eine „Demokratisierung“ von Bankdienstleistungen, die bisher aus Kapazitäts- und Kostengründen nur für vermögendere Kunden reserviert waren. Insofern: Robo-Advisor – (K)eine Innovation.

 

ING-DiBa bietet verantwortungsbewusste Investments für alle

English note: ING-DiBa brings Responsibility to German Mass Retail Banking

Nahezu jede Statistik belegt das starke Momentum nachhaltiger Anlagen, selten wird aber der Anstieg bei den nicht-institutionellen Anlegern so deutlich wie in der vorstehenden Grafik. Rund 75% der Privatanleger sind an Nachhaltigkeit als Anlagethema interessiert und der Rest hat zumindest nichts dagegen, aber warum sehen die Anleger in Deutschland nur begrenzte Angebote? Eine Frage von Henne und Ei? Das wird sich jetzt zeigen, nachdem ING-DiBa neuerdings verantwortungsbewusste Geldanlagen prominent platziert, aber ohne großen Werbeaufwand in sein Onlineangebot aufgenommen hat.

Bitte beachten Sie, dass die nachstehenden Informationen keinerlei Empfehlungen für bestimmte Anbieter oder Produkte darstellen, sondern lediglich die aktuelle Marktlage beschreiben!

16. September 2017, aktualisiert/ergänzt 18. September 2017

Dr. Ralf Breuer

Deutscher Markt im Auslandsvergleich unterentwickelt

Verantwortungsbewusste (oder auch ethisch-nachhaltige) Geldanlagen wurden bisher überwiegend nur institutionellen und auch vermögenderen Privatanleger angeboten, kaum aber flächendeckend. Die aktuelle Marktlage beschreibt das folgende Zitat aus der Mail einer Kollegin:

„…vor einigen Wochen rief mich eine Bekannte meiner Eltern an, die völlig unverhofft … eine Million Euro geerbt hat. Die wollte sie nachhaltig anlegen. Ihr Sparkassenberater machte angesichts dieses Wunsches kein Angebot und ließ sie ziehen“.

Eigentlich hätten eine Million Euro als Eintrittsgeld zum Private Banking oder zu einem Individualkundenbetreuer reichen sollen, praktisch blieb der ja hinreichend kaufkräftig vorgetragene Kundenwunsch unerfüllt.

ING-Diba eröffnet den Massenmarkt

Ohne großen Presserummel hat ING-DiBa für sein „Direktdepot“ (als Selbstbedienung) ein Angebot für nachhaltige Geldanlagen für die deutschen Privatkunden in der Breite – das sogenannte Mengengeschäft – prominent platziert. Nachhaltigkeit gab bisher „auch“ schon mit „Aktien Ökologie/Nachhaltigkeit“ als Suchmöglichkeit mit insgesamt 117 sehr unterschiedlichen Fonds und ETFs als Ergebnis.

Herausgehoben im aktuellen Angebot werden ein Nordea Aktienfonds auf Klimalösungen sowie ein Indexfonds (ETF) von BlackRock, der sich an Nachhaltigkeitsbewertungen im Sinne von Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG – Environmental/Social/Governance) orientiert. Es wird interessant sein, wie diese Angebote angenommen werden. 20 bis 30% Anteil gegenüber vergleichbaren Investments wären keine Überraschung. Dies entspräche etwa dem demographischen Anteil der Kernzielgruppe nach Bildung und Einkommen. Mit Wachstumsraten von rund 15% im Wertpapier- (€ 31 Mrd.) und Fondsgeschäft (€ 10 Mrd.) im Jahr 2016 besteht hierfür eine gute Grundlage.

Bei den ausgewählten Produkten wird leider auch das Dilemma für die Einschätzung von Produkten deutlich, auf das hier bereits mehrfach hingewiesen wurde: Mehr Transparenz bei Investmentfonds und Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig!. Der Nordea Aktienfonds klingt evtl. „grüner“, enthält aber Unternehmen wie Linde und Air Liquide. Sowohl beim Klimaabdruck als auch der qualitativen Einschätzung der (Ist-)Nachhaltigkeit weist er beim Informationsdienst yourSRI.com eine deutlich weniger vorteilhafte Einschätzung auf als der iShare von Blackrock.

Nachhaltigkeit ein bisher vernachlässigtes Thema

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass „Nachhaltigkeit“ als Kriterium der Geldanlage bei privaten Kunden zwar nicht stark aktiv nachgefragt, aber sehr positiv passiv aufgenommen wird. Damit bieten nachhaltige Angebote sehr gute geschäftspolitische Perspektiven, die aber in der Breite der deutschen Kreditwirtschaft bisher nur sehr verhalten genutzt werden. Dies ist ziemlich unverständlich, bieten doch entsprechende Produkte mit einem „guten Gefühl“ ganz nebenbei die Emotionalisierung, nach der bei Gestaltung von Vertriebskanälen so intensiv gesucht wird. Und es gibt durchaus einige z.T. sehr erfolgreiche Beispiele für Nachhaltigkeit als Anlagethema:

Beispiel 1: Das Wachstum der Öko- und Kirchenbanken

Während der deutsche Bankenmarkt seit 2008 weitgehend stagnierte (Bilanzsumme aller Kreditinstitute gemäß Deutsche Bundesbank), wuchsen die ökologisch, ethisch oder kirchlich orientierten Banken mit einer Jahresrate von mehr als 4% (Quelle: Deutsche Bundesbank, Unternehmensberichte, Eigene Berechnungen). Die GLS Bank als einer der grünsten und prominentesten Vertreter dieser Gruppe konnte ihre Bilanzsumme mit jährlichen Zuwachsraten von rund 20% p.a. bei Forderungen und Einlagen in dieser Zeit mehr als vervierfachen. Mit einer kumulierten Bilanzsumme von gut € 50 Mrd. übertreffen die in der Gruppe erfassten 13 Banken die Größenordnung der größten deutschen Sparkasse, der Hamburger Sparkasse Haspa, um etwa ein Viertel und erreichen das kumulierte Volumen der zweit- und drittgrößten deutschen Sparkassen in Köln.

Eine Übersicht über die jeweils aktuellen Marktangebote in Deutschland veröffentlicht regelmäßig die Verbraucherzentrale Bremen.

Beispiel 2: Der FairWorldFonds

Zum 1.6.2017 wurde der FairWorldFonds (WKN: A0YCZ3 / ISIN: LU0458538880, http://www.fairworldfonds.de/) mit einem Volumen von € 940 Mio. für neue Anleger geschlossen (sogenanntes „soft closing“). Dieser 2010 aufgelegte von GLS Bank und KD Bank initiierte Mischfonds wird von der Union Investment und damit dem zentralen Dienstleister der Genossenschaftsbanken verwaltet. Allerdings wurde der von nur selektiv von einzelnen Mitgliedern der genossenschaftlichen Finanzgruppe vertrieben und nicht in der Gruppe insgesamt bzw. von der Union Investment beworben. Zum Stand 30.6.2017 überstieg sein Volumen das kumulierte Volumen aller „offiziell“ in der Breite vertriebenen Nachhaltigkeitsprodukte bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Grund hierfür dürften vor allem das wohlbedachte Konzept mit entwicklungspolitischem Anspruch und die Namensgebung durch Brot für die Welt gewesen sein.

Beispiel 3: Steigende Zahl nachhaltiger Fonds und ETFs

Im Beitrag „Investmentfonds der Zukunft – transparent und glaubwürdig“ vom 6. Juli 2017 wurde hier der aktuelle Markt für Investmentfonds bereits einmal beleuchtet. Eine kostengünstige Alternative sind ETFs (Exchange Traded Funds), von denen etwa 20 als nachhaltig etikettierte in Deutschland gehandelt werden. „Etikettiert“ heisst, dass sie „verantwortungsbewussten“ (ESG-)Kriterien bei der Auswahl der abgebildeten zugrundeliegenden Wertpapieren folgen. Es läßt sich zwar in Regionen und auch unterschiedliche Unternehmensgrößen investieren, jedoch keine Themen wie erneuerbare Energien oder Wasser etc..

Der Anbieter BlackRock verzeichnete für die angebotenen „nachhaltigen“ iShares seit 2012 eine Verdreifachung des Volumens auf knapp USD 3 Mrd. zum Jahresende 2016. Dies entspricht jährlichen Zuwächsen von durchschnittlich 37%.

Quelle: Blackrock, https://assets.blackrock.com/uk-retail-assets/cache-1492015324000/images/media-bin/web/ishares/emea/insights-and-guides/etf-desk-reference/chart-sustainability-2.png)

Beispiel 4: Online-Vermögensverwalter (RoboAdvisor)

EXtra-Magazin hat das aktuelle Marktvolumen für Online-Vermögensverwalter Deutschland auf rund € 1 Mrd. geschätzt, wobei Scalable Capital mit rund € 200 Mio als größter Anbieter und der zu den Top-5 gezählte Anbieter Quirion zum Jahresende 2016 lediglich gut € 50 Mio. verwaltete.

Online-Vermögensverwalter „demokratisieren“ Bankangebote, die bisher nur Kunden mit größeren Vermögen zugänglich waren (z.B. Private Banking, Individualkundengeschäft). So ist es zutreffend im Selbstverständnis von Whitebox formuliert.

Unter den Online-Vermögensverwaltern konkurrieren unterschiedliche Spielarten, je nach Lizensierung und Konzept. Nachhaltige Anlagekonzepte sind unter diesen Angeboten selten.

Investify bietet verschiedene thematische Schwerpunkte im Anlagekonzept, u.a. auch Nachhaltigkeit als Ergänzung der Basisanlage. Hierfür wird ein Investmentfonds angeboten, während die Basisanlage über ETF ohne Nachhaltigkeitsanspruch realisiert wird.

Der US-Markt für Onlineanbieter ist mit etwa USD 300 Mrd. deutlich größer und auch strukturell anders. Betterment verwaltet rund USD 9 Mrd. Hier können breite Marktsegmente wie der US-Aktienmarkt wahlweise mit nachhaltig orientierten ETFs investiert werden. Der auch in den USA operierende kanadische Anbieter Wealthsimple (AuM CAN-$ >1 Mrd.) hat sogar ein komplett an sozial verantwortlichen Kriterien ausgerichtetes Angebot mit ETFs, ebenso Wealthfront mit USD 5 Mrd. in den USA.

Ein komplett „grünes“ Onlineangebot findet sich in Deutschland bisher nur bei Visualvest, einer Tochtergesellschaft der Union Investment. Im Gegensatz zu den anderen genannten Anbietern arbeitet Visualvest nicht mit einer Lizenz als Vermögensverwalter, sondern als Finanzvermittler. Im Angebot ist ein „grünes“ Musterportfolio auf der Basis konventioneller, aber nachhaltig orientierter bzw. thematisch begrenzter Investmentfonds anbietet. Allerdings hat der Anspruch hier seinen Preis, da die jährlichen Belastungen um rund 1% über den weitgehend mit ETF dargestellten Alternativen liegen. Visualvest ist auch sogenannter „Whitelabel“ Anbieter für die gesamte genossenschaftliche Bankengruppe.

Fazit

Nachhaltige Geldanlagen hatten in Deutschland bisher eher einen Exotenstatus und es bestand der Eindruck, dass der Wunsch nach ihnen schnell in die Schmuddelecke der Finanzanlage mit intransparenten Angeboten und erhöhten Risiken führen konnte. Das muss nicht der Fall sein. Es geht auch langweilige, solide und risikoärmer wie die aufgeführten Beispiele zeigen sollten. Mit ING-DiBa wurde erstmals ein Angebot für private Kunden lanciert. Es wird interessant, wie sich der Absatz bei aktuell wenig Werbung, aber prominentem Platz auf der Internetseite der Bank entwickeln wird.

In eigener Sache…

Investabel ist und bleibt natürlich kostenlos. Wenn Sie trotzdem etwas tun möchten, Stimmen für den Publikumspreis beim FinanzblogAward 2017 der comdirect werden natürlich gerne genommen. Zur Abstimmung geht es hier!