Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundsechzig

2019-01-23 wef ubs sdgs

Beitragsbild/Bild: UBS via Twitter

Inhalt:  Vorneweg; Weltwirtschaftsforum: Globale Risiken Klimawandel; Die Wirtschaft mahnt die Politik: 1. Forum nachhaltige Finanzierung europäischer Großunternehmen 2. Bloomberg: Neue Klimafinanzierungsinitiative 3. UBS legt zum #WEF19 ein Papier für nachhaltige Investments vor; Deutsche Banken bei nachhaltigen Anleihen hinten; N26 – Gehen, wenn es am schönsten ist?; Payxit bei paydirekt; Veranstaltungen: BaFin treibt Nachhaltigkeit im Finanzsektor; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: #nachhaltige100; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

23. Januar 2019,

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg:

Derzeit findet das Weltwirtschaftsforum in Davos viel Aufmerksamkeit. Bemerkenswert, dass neben einem erneuten Auftritt der fünfzehnjährigen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg (Schulstreiks, #FridaysForFuture) auch konstruktive und mahnenden Beiträge aus der Wirtschaft vorgelegt werden, so z.B. auch von der Bank UBS aus der Schweiz. Das Titelbild fasst die Schlussfolgerungen einprägsam zusammen. Für die Umsetzung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (17Ziele, SDGs) bedarf es Bewußtsein, Vereinfachung und Beiträge (aller). Hieran wird vielfach gearbeitet, auf Bierdeckeln, Lehrmaterialien, Spielen, Veranstaltungen etc. Einige Dinge sind im Blog als eher zufälliges Sammelergebnis auf der Seite SDG Materialien/Produkte/Informationen zusammengestellt. Und auch das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung leistet einen Beitrag mit der nachfolgenden Grafik:

2018-12-13 Glorreiche17

Mit den 17Zielen wird Nachhaltigkeit nachvollziehbar und hilft, den gedehnten, vielfach missbrauchten Begriff zu präzisieren. Nachhaltigkeit in diesem Sinne ist weitaus mehr als Klimaschutz und Ökologie, sondern die Überlebensformel für die Menschheit auf diesem Planeten.

Weltwirtschaftsforum: Globale Risiken Klimawandel

Im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos (22.-25.1.2019 WEF – Annual Meeting 2019) erschien der „Globale Risikobericht 2019“ in seiner vierzehnten Auflage. Die wahrscheinlichsten Risiken werden dabei durch den Klimawandel bestimmt:

  1. Extreme Wetterereignisse (Vorjahr: 1)
  2. Versagen der Bekämpfung des Klimawandels und der Anpassung an ihn (5)
  3. Naturkatastrophen (2)
  4. Datenbetrug und -diebstahl (4)
  5. Cyberattacken (3)

Zusätzlich zu der Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeiten nennt der Bericht auch Risiken in der Reihenfolge der mutmaßlichen Schäden:

  1. Massenvernichtungswaffen (Vorjahr: 1)
  2. Versagen der Bekämpfung des Klimawandels und der Anpassung an ihn (4)
  3. Extreme Wetterereignisse (2)
  4. Wasserkrisen (5)
  5. Naturkatastrophen (3)

In der Risikobewertung hat sich die Einschätzung damit weiter in Richtung langfristigerer Risiken aus dem Klimawandel und weg von kriminellen Handlungen wie Cyberattacken verschoben. Damit setzt sich ein Trend der letzten zehn Jahre fort. Im Jahre 2009 waren die Einschätzungen nämlich noch weitgehend von wirtschaftlichen Ereignissen geprägt:

Nach Wahrscheinlichkeit:

  1.  Finanzmarktkrisen (1)
  2. Verlangsamung des Wachstums in China unter 6% (2)
  3. Chronische Krankheiten (3)
  4. Staatliche Haushaltskrisen (-)
  5. Globale Führungsdefizite (4)

Auch die Einschätzung möglicher Schäden für das Jahr 2009 war weitgehend stabil und überwiegend von wirtschaftlichen Risiken bestimmt:

  1. Finanzmarktkrisen (1)
  2. Rückzug der Industriestaaten aus der Globalisierung (2)
  3. Öl- und Gaspreisanstiege (3)
  4. Chronische Krankheiten (4)
  5. Staatliche Haushaltskrisen (5)

Quelle: WEF Global Risk Report 2019 Abbildungsteil S. 8

Die Botschaft des Berichts ist bereits im ersten Absatz der Zusammenfassung klar formuliert: Die Welt schlafwandelt in die Krise, wachsende Nationalinteressen schwächen die kollektiven Bemühungen um globale Risiken, die bei weitem nicht nur im Klimawandel bestehen:

„Is the world sleepwalking into a crisis? Global risks are intensifying but the collective will to tackle them appears to be lacking. … The energy now expended on consolidating or recovering national control risks weakening collective responses to emerging global challenges. We are drifting deeper into global problems from which we will struggle to extricate ourselves.“ WEF Global Risk Report 2019 S. 6

Wie schon auf dem Weltklimagipfel in Katowice wird auch beim #WEF19 in Davos die Stimme der fünfzehnjährigen Schwedin Greta Thunberg gehört werden. Über den offiziellen Twitterkanal des Forums wurde bereits ein Video mit ihren Botschaften für den Klimaschutz verbreitet:

Die Wirtschaft mahnt die Politik

Bereits der erste Tag des WEF-Jahrestreffens war geprägt von Mahnungen, gravierende globale ökologische und soziale Probleme zu bekämpfen. Immer mehr auf Dauer angelegte Initiativen aus der Wirtschaft gehen in diese Richtung. Zwei aktuelle Beispiele:

1. Forum nachhaltige Finanzierung europäischer Großunternehmen

Am 15.1.2019 gaben 16 europäische Unternehmen und Emittenten von „Greenbonds“ die Gründung eines Forums für nachhaltige Finanzierung (Corporate Forum on Sustainable Finance) bekannt. Leider sind auch hier keine deutschen Unternehmen vertreten: EDF, EDP, ENEL, ENGIE, Ferrovie Dello Stato Italiane, Iberrdrola Icade, Ørsted, RATP, SNCF Réseau, Société du Grand Paris, SSE, Tennet, Terna, Tideway, Vasakronan. Das Ziel der Initiative lautet, sich mit dem Geschäfte an die Spitze zu einer CO2-ärmeren Entwicklung zu machen (Pressemitteilung Iberdrola 15.1.2019).

2. Bloomberg: Neue Klimafinanzierungsinitiative

UN-Sondergesandter Michael Bloomberg hat eine neue Klimafinanzierungsinitiative berufen: Die „Climate Finance Leadership Initiative“ (CFLI). Die Liste der Gründungsmitglieder liest sich wie ein Who-is-who der Finanzindustrie: AXA CEO Thomas Buberl, HSBC CEO John Flint, Government Pension Investment Fund (Japan) Executive Managing Director and CIO Hiro Mizuno, Goldman Sachs CEO David Solomon, Enel CEO Francesco Starace, und Macquarie CEO Shemara Wikramanayake. Die Initiative soll helfen, Finanzströme in Richtungen zur Bekämpfung des Klimawandels zu leiten. Bloomberg Announces Founding Members of New Climate Finance Leadership Initiative, 17.1.2019

Auch hier: Die Wirtschaftsvertreter engagieren sich exakt für das, was deutsche Lobbyisten am Aktionsplan der EU-Kommission kritisieren, langfristig agierende Unternehmen aber befürworten: Finanzen müssen sich an Nachhaltigkeit orientieren.

3. UBS legt zum #WEF19 ein Papier für nachhaltige Investments vor

Deutsche Banken bei nachhaltigen Anleihen hinten

Das Journal „Environmental Finance“ hat am 15.1.2019 Ranglisten (league tables) und Prognosen der aktivsten Bankadressen bei nachhaltigen Anleihen veröffentlicht: Top lead managers of 2018 predict buoyant green, social and sustainability bond market. Danach könnte der Markt für „grüne“ „soziale“ und andere nachhaltige Anleihen 2019 Wachstumsraten von rund 30% gegenüber 2019 aufweisen. Aufgrund der immer stärkeren Zweckorientierung bei der Finanzierung ist diese Annahme nicht unplausibel.

Im Gegensatz zu dem hohen Anteil an den europäischen Emission ist der deutsche Bankenanteil am Markt eher bescheiden. Lediglich die DZ Bank und die Landesbank Baden-Württemberg treten auf Ranglistenplätzen in Erscheinung. Dominiert wird der Markt dagegen von britischen, französischen und us-amerikanischen Instituten.

Der Beitrag enthält sowohl eine kombinierte Aufstellung für alle nachhaltigen Anleihezwecke wie auch separate Ranglisten für Greenbonds, Social Bonds und andere Nachhaltigkeitszwecke: Top lead managers of 2018 predict buoyant green, social and sustainability bond market.

 

N26 – Gehen, wenn es am schönsten ist?

In der Nummer Dreiundsechzig war ein Bericht über die jüngste Finanzierungsrunde von N26 enthalten, bei der eine sehr „sportliche“ Bewertung von € 2,3 Mrd. erreicht wurde. Finanz-Szene.de berichtet am 22.1.2019 über den geplanten Weggang des derzeitigen Chefs für Finanzen und Risiko, Matthias Oetken. Er will sich laut Informationen von Finanz-Szene.de neuen beruflichen Herausforderungen stellen.

Finanz-Szene.de berichtet über ein interessantes Detail der Finanzierungsrunde: Sie wurde nicht für die N26 Bank GmbH, sondern die Muttergesellschaft N26 GmbH durchgeführt. Dort werden die Finanzen vom Mitbegründer Maximilian Tayenthal als CFO die Finanzen. Da der Autor sowohl mit dem Mitbegründer Valentin Stalf als auch Herrn Oetken gesprochen gehen wir von belastbaren Informationen aus.

Dies vorausgesetzt hat es N26 mit seiner Pressemitteilung vom 10.1.2019 zur Finanzierungsrunde nicht besonders genau genommen: „Mobile Bank N26 schließt Series D-Finanzierung ab“ heisst es im Titel der Mitteilung und in den weiteren Kernpunkten „Die Mobile Bank ist nun mit 2,7 Milliarden Dollar bewertet“.

Und im ersten Absatz: „Die Mobile Bank N26 gibt bekannt, dass sie 300 Millionen Dollar in ihrer Series D-Finanzierungsrunde unter der Führung der in New York ansässigen Risikokapitalgesellschaft Insight Venture Partners eingesammelt hat. Damit steigt die Bewertung von N26 auf 2,7 Milliarden Dollar. An der Runde beteiligt sich auch GIC, ein Investmentfonds des Staates Singapur.“

Auf Basis der aktuell 2,3 Mio. scheint in der Bewertung – welcher Gesellschaft auch immer – die vollmundige Ambition von N26 in der Pressemitteilung bereits voll eingepreist: „N26 nutzt das Investment für die globale Expansion, beginnend mit der Einführung ihrer App in den USA im ersten Halbjahr 2019. In den kommenden Jahren will das Unternehmen weltweit über 100 Millionen Kunden erreichen.“

Afrika, Asien und Lateinamerika scheiden für diese Ambitionen bei einem unveränderten Geschäftsmodell allerdings weitgehend aus. Sie bieten nicht nur keinen Raum für hochgepreiste, edle Metallkarten, sondern entwickeln sich in weiten Teilen völlig kartenlos. Hierauf wurde bereits in Nummer Dreiundsechzig eingegangen.

Der 2018 in mehreren Sprachen in den Magazinen von N26 veröffentlichte Artikel zum kenianischen Zahlungsdienst M-Pesa mag gerne als Indiz gelten, dass sich auch bei N26 schon jemand mit den Entwicklungen in Afrika auseinandergesetzt haben könnte (Victor Vonwiller: M-PESA: Wie Kenia den mobilen Zahlungsverkehr revolutionierte, 18.4.). Aber M-Pesa verfolgt nun mal ein ganz anderes Geschäftsmodell als derzeit (!) N26. Und der Autor Victor Vonwiller ist laut seiner Internetseite https://victorvonwiller.com/ wohl eher freiberuflich als „Digital Marketer. Web Enthusiast. Judoka.“ tätig.

Payxit bei paydirekt

Am 15.1.2019 berichtete Heinz-Roger Dohms zunächst exklusiv über die Kündigung des Anteils der 12 Poolbanken am Zahlungsdienst paydirekt: Hypo-Vereinsbank, ING Diba und Santander ziehen sich zurück. War’s das mit Paydirekt?. Insgesamt 12 private Banken halten aktuell 11,1% der Anteile neben den Sparkassen und der genossenschaftlichen Finanzgruppe (je 33,3%) sowie Deutsche Bank und Commerzbank (je 11,1%). Von den 12 kündigenden Banken boten allerdings bisher nur sechs den Zahlungsdienst auch an.

Joachim Jürschick hat in einem Beitrag vom 22.1.2019 die Hintergründe: Paydirekt, der Ausstieg der Poolbanken und viele hintergründige Signale.

Veranstaltungen

BaFin treibt Nachhaltigkeit im Finanzsektor

Schon seit einiger Zeit sind die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und die Deutsche Bundesbank zu den Protagonisten von Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft zu zählen. Einer der Hauptgründe ist in der Erkenntnis zu sehen, dass Klimarisiken insbesondere aus dem Klimawandel und der Energiewende längst wesentliche Risiken für die Finanzinstitute geworden sind.

Bereits im Mai 2018 hatte die BaFin Nachhaltige Finanzwirtschaft als Titelthema in ihrem monatlichen Journal (vgl. Nummer Neununddreissig). Hier das Titelblatt:

2018-05-15 cover_bafinjournal_1805

Die BaFin veranstaltet am 9. Mai 2019 im Umweltforum Berlin eine Konferenz zur „Nachhaltigen Finanzwirtschaft“. Hier der Einladungstext im Wortlaut:

„Klimatische, ökologische oder soziale Veränderungen können materielle Risiken sowohl für einzelne Finanzmarktakteure als auch für den Finanzmarkt als Ganzes mit sich bringen. Mit der ganztägigen Veranstaltung möchte die BaFin das Bewusstsein des Finanzsektors für diese Risiken, aber auch für die damit verbundenen Chancen schärfen. Die Teilnehmenden erhalten zudem einen Überblick über aktuelle europäische Regulierungsvorhaben und die aufsichtlichen Ansätze der BaFin und können sich mit Vertreterinnen und Vertretern der Aufsicht austauschen.

Einer der Höhepunkte der Veranstaltung wird die Diskussionsrunde unter anderem mit dem BaFin-Präsidenten Felix Hufeld sein. Außerdem werden BaFin-Vizepräsidentin Elisabeth Roegele sowie die Exekutivdirektoren für die Bankenaufsicht und die Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht, Raimund Röseler und Dr. Frank Grund, das Thema Nachhaltigkeit aus der Perspektive ihrer Geschäftsbereiche erläutern und mit den Teilnehmenden diskutieren. Zu den weiteren Rednerinnen und Rednern und Diskussionsteilnehmenden zählen Prof. Dr. Harald Lesch von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Dr. Levin Holle, Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, Dr. Christian Thimann, CEO (Chief Executive Officer) der Athora Deutschland Gruppe und Vorsitzender der EU High Level Expert Group on Sustainable Finance sowie Silke Stremlau aus dem Vorstand der Hannoverschen Kassen.“

Weitere Information zur Veranstaltung Nachhaltige Finanzwirtschaft 9.5.2019 9:00h – 16:45h.

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen. Ort wird noch bekannt gegeben und je nach Interesse ausgewählt.

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® ist gegenüber dem Vormonat November 2018 von 84 auf 72 aufgestiegen. Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97) und im Oktober auf 91 platziert.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Dreiundsechzig

2018-11-21 tomorrow4

Beitragsbild: www.tomorrow.one

Inhalt:  Nachhaltige Geldanlagen im Trend; Nachhaltigkeit als Leitprinzip; Henkel AG: Großkredit mit Nachhaltigkeitskriterien; N26 € 2,3 Mrd. wert?; Apple Pay ein Monat nach dem Start; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: #nachhaltige100; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

16. Januar 2019,

Dr. Ralf Breuer

Nachhaltige Geldanlagen im Trend

Zu Jahresbeginn 2019 erschien bereits eine Vielzahl von Artikeln zum Thema nachhaltige Geldanlagen in unterschiedlichen Ausprägungen. Nach Erhebungen des Sustainable Business Institut (SBI) waren zum Ende des dritten Quartals 2018 in Deutschland, Österreich und der Schweiz 509 nachhaltige Publikumsfonds mit einem Gesamtvermögen von € 126 Mrd. zum Vertrieb zugelassen, Zum Jahresende 2017 waren es 482 Fonds mit etwa € 106 Mrd. Immer mehr Vermögensverwalter stellen auf nachhaltige Ansätze im Sinne von ESG-Kriterien um (Quelle: www.wallstreet-online.de 7.1.2019).

Gemäß dem „Deka-Anlegermonitor“ sind vor allem jüngere Menschen (Millenials) sehr offen für nachhaltige Geldanlagen. Beim Deka-Anlegermonitor handelt es sich um eine Online-Befragung, die dreimal jährlich von YouGov im Auftrag der DekaBank durchgeführt wird, um mehr über das Anlegerverhalten zu erfahren.

In dem Artikel auf at.e-fundresearch.com vom 21,12,18 heisst es weiter: „Dazu passt, dass der Online Buzz für dieses Thema einen enormen Anstieg verzeichnet. Die User nutzten den Begriff „Nachhaltiges Investment“ in verschiedenen Digitalkanälen wie Facebook, Twitter, Blogs und Co. von Januar bis August 2017 8.639 mal. Im selben Zeitraum 2018 waren es schon 23.656 mal – ein Anstieg von 174 Prozent.

Die Union Investment folgt dem Trend mit einem neuen Anlageangebot für Privatanleger: Multi-Asset-Lösung PrivatFonds: Nachhaltig.

Beschreibung laut Pressemitteilung vom 2.1.2019„Die Besonderheit des Fonds liegt darin, dass der Nachhaltigkeitsansatz von Union Investment erstmalig in einer Multi-Asset-Lösung zum Einsatz kommt. Das heißt, der nachhaltige Investmentprozess wird über die verschiedenen Anlageklassen und Anlageinstrumente angewandt. Zunächst werden Unternehmen, Staaten, Fonds, Derivate und ETFs einer umfassenden Nachhaltigkeitsanalyse und -bewertung unterzogen. Dabei werden auch Ausschlussregeln berücksichtigt. Das Fondsmanagement ermittelt für die einzelnen Anlageinstrumente jeweils das Nachhaltigkeitsrating (ESG-Score). Dieses Rating basiert auf unabhängigen Daten von auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ratingagenturen und gibt Auskunft darüber, wie nachhaltig beispielsweise ein Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung agiert. Auch das Geschäftsmodell wird dabei mit einbezogen.“

Es handelt sich damit zwar „nur“ um einen ESG-Ansatz, aber nachhaltige Geldanlagen werden weiter in die Breite getragen. Davon war in den Primärbanken der Genossenschaftsgruppe bisher allerdings nur wenig zu vermerken. Leider wurde der Mindesanlagebetrag mit € 10.000 relativ hoch angesetzt. Allerdings können darüber hinaus bereits € 25 monatlich angespart werden und ein Ausgabeaufschlag wird derzeit nicht erhoben. Mehr in der Produktbrochüre.

Nachhaltigkeit als Leitprinzip

Auch wenn davon praktisch kaum etwas zu verspüren ist, stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fest: „Nachhaltigkeit ist das Leitprinzip der Politik der Bundesregierung. Es soll wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit so miteinander verschränken, dass die Realisierung des Einen nur unter Berücksichtigung der jeweils beiden anderen erfolgt“ (Quelle: www.bmwi.de).

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat in einem Positionspapier gefordert, Nachhaltigkeit auch als Rahmen für die Digitalisierung zu nutzen: nachhaltig_UND_digital – Nachhaltige Entwicklung als Rahmen des digitalen Wandels, 19.12.2018. Bereits in einer Vielzahl von Beiträgen wurde hier im Blog auf die Nützlichkeit der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) als Leitlinien für die Digitalisierung verwiesen. Was nicht zu einer nachhaltigeren Entwicklung beiträgt, kann analog bleiben bzw. ist eher überflüssig!

Henkel AG: Großkredit mit Nachhaltigkeitskriterien

Als vermutlich erstes deutsches Großunternehmen hat die Henkel AG einen Kredit über € 1,5 Mrd. erhalten, dessen Kreditkonditionen sich an der Entwicklung von Indikatoren für die Nachhaltigkeit des Unternehmens orientieren. Die Fortschritte bei den ESG-Kriterien werden durch neutrale externe Anbieter festgestellt: Sustainalytics, EcoVadis und ISS-oekom. HSBC fungierte bei diesem Kredit als einer der Konsortialführer (Quelle: HSBC Deutschland).

Gemäß Bloomberg wurden 2018 Kredite dieser Art mit einem Gesamtvolumen von zusammen USD 36,4 Mrd. vereinbart. Das gesamte Volumen von Schuldinstrumenten mit Nachhaltigkeitscharakter wird auf USD 247 Mrd. geschätzt, darunter USD 182 Mrd. Greenbonds.

N26 € 2,3 Mrd. wert?

Gemäß Pressemitteilung vom 10.1.2018 erhielt N26 eine weitere Finanzierung von USD 300 Mio. und wird damit nach eigenen Angaben mit USD 2,7 Mrd. (€ 2,3 Mrd.) bewertet. Damit würde N26 laut Finanz-Szene.de in der Bewertung noch vor der Aareal (€ 1,65 Mrd.) als dritthöchst bewertete börsennotierter Bank liegen.

N26 hat seine Kundenzahl in den letzten 12 Monaten auf 2,3 Mio. verdreifacht und strebt eine weitere Expansion an, zunächst in den USA. „In den kommenden Jahren will das Unternehmen weltweit über 100 Millionen Kunden erreichen.“ – Sportliche Ambitionen, die eventuell in die Nähe der genannten Bewertung führen könnten?

Bewertung und Kundenzahl von N26 wird regelmäßig mit dem britischen Wettbewerber Revolut. Nicht zuletzt auch wegen persönlicher Animositäten der Geschäftsführungen. Am 7.1.2019 erschien ein Vergleich der Zahlen für die Downloads der Apps beider Anbieter auf www.gruenderszene.de, wonach N26 zum Wettbewerber aufgeschlossen hätte.

Kaum Vergleiche finden sich dagegen zu den Produktangeboten. Beide Anbieter haben kostenlose Girokonten mit Direct Debit Karten von Mastercard und auch Visa (Revolut) im Angebot. Die Karten bieten jeweils anbieterbezogen vor allem Vorteile im Auslandseinsatz sowie Versicherungspakete. Und bei beiden Anbietern sind „kultige“ Karten aus Metall in Premiumpaketen zu sehr anspruchsvollen Preisen verfügbar: Bei N26 zu monatlich € 16,99 und Revolut € 13,99 p.m.

Quelle: N26

Bildergebnis für revolut metal visa

Quelle: Revolut

Die kostenpflichtigen Angebote von N26 und Revolut sind vor allem für Vielreisende und Auslandseinsatz außerhalb der Eurozone erwägenswert. Die Monatsgebühren für die Metallkarten erinnert allerdings eher an Dinge wie Pokemon, Scoubidoo, Tamagotchi etc., die ebenso schnell in Mode kamen wie sie wieder verschwanden…

Allerdings: Ansprechend gestaltete Karten (aus Kunststoff) gibt es auch von anderen Anbietern mit deutlich geringeren Gebühren und weniger Restriktionen z.B. beim Automateneinsatz, in einigen Fällen weitgehend kostenlos. Interessant ist u.a. das Angebot von Curve, bei dem sich verschiedene Karten auf ein und derselben Karte nutzen lassen.

Curve blue card

 

 

 

 

Quelle: www.curve.app

Und auch beim Auslandseinsatz und der „Kultigkeit“ gibt es weitere und günstige Alternativen, z.B. bei Tomorrow mit einer im Einsatz „von Itzeho bis Idaho“ Preisliste Tomorrow Stand 10.1.2019 gebührenfreien (Debit-) Mastercard sowie drei kostenlosen Abhebungen pro Monat (danach € 2, bei N26 und Revolut ebenfalls Beschränkungen).

2018-11-21 Tomorrow4

Quelle: www.tomorrow.one

Eine Übersicht über die Leistungsangebote der genannten Anbieter findet sich Stand 16.1.2018 ohne Gewähr hier: Preisübersicht N26, Revolut Tomorrow.

 

Apple Pay ein Monat nach dem Start

Jochen Siegert hat am 15.1.2019 im Blog von Payment & Banking die ersten Eindrücke zu den Entwicklungen einen Monat nach dem Start von Apple Pay in Deutschland zusammengefasst (vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundsechzig). Es wurde lebhafte Registrierungen, insbesondere auch für die neue virtuelle Kreditkarte der Deutschen Bank registriert. Die Zahl der Karten ist bei der Bank um rund 7% gestiegen, was etwa 90.000 neuen Kunden entsprechen könnte.

comdirect berichtet von nahezu 100.000 Registrierungen für Apple Pay und einer deutlich intensiveren Nutzung bzw. höheren Umsätzen von monatlich € 225 gegenüber bisher € 96 bei herkömmlichen Karten.

Jochen Siegert vergleicht diese Entwicklung mit den Aktivierungen bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die nach sechs Monaten bei rund 270.000 Registrierungen lagen. Zur vollständigen Analyse mit Ausblicken von Jochen Siegert geht es hier: Der „Ba-bing-Moment“ durch Apple Pay in deutschen Banken & Sparkassen.

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen. Ort wird noch bekannt gegeben und je nach Interesse ausgewählt.

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® ist gegenüber dem Vormonat November 2018 von 84 auf 72 aufgestiegen. Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97) und im Oktober auf 91 platziert.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Dreiundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundsechzig

Inhalt:  Vorneweg… Klimaschutz ist mehr Nachhaltigkeit…; …aber Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: EU-Taxonomie von Finanzanlagen – nur öko?; GLS Crowd mit Finanzierung in Rekordzeit; SRI, ESG, SDG – Etwas Entwirrung; Apple Pay in Deutschland gestartet; Kommen und Gehen bei FinTech; Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Beitragsbild: https://d-pt.ppstatic.pl/kadry/k/r/1/66/7b/59a6ae4e19eef_o,size,969×565,q,71,h,109ff2.jpg

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

17. Dezember 2018, ergänzt 18.12.2018 (Plädoyers Klimaschutz; Artikel Dr. Ossig, Bankenverband; GLS Crowd; Konsolidierung bei FinTech)

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg…

Auf dem Beitragsbild heißt es Gefahr, Unfall – symbolisch für den Verlauf und das Ergebnis der Weltklimakonferenz COP24 in Katowice. Aber auch für den Vorschlag der von der EU-Kommission eingesetzten Expertengruppe für die Klassifizierung nachhaltiger Finanzpositionen. Mit der Konzentration auf den Umweltschutz ist die dringend notwendige „Taxonomie“ viel zu eng angelegt. Nach all den optimistisch stimmenden Entwicklungen für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft zwei derbe Dämpfer Mitte Dezember 2018!

Klimaschutz ist mehr Nachhaltigkeit…

Zu guter letzt gab es noch eine gute Nachricht von der Weltklimakonferenz: Die Beteiligten konnten sich in einer Konferenzverlängerung noch auf gemeinsame Schlusserklärung einigen. Mehr Berichtenswertes gibt es hier nicht. Das ist in den Medien alles geschrieben. „Klimaschutz lauwarm“ titelt der Bonner General-Anzeiger am 14.12.2018 auf S. 3 – völlig zu Recht.

Nummer Einundsechzig enthielt einen kurzen Bericht über das großartige Plädoyer der fünfzehnjährigen Greta Thunberg auf der Weltklimakonferenz. Am 14.12.2018 folgten Schüler in mindestens 14 Städten ihrem Beispiel und traten in einen Schulstreik für den Klimaschutz: Spiegel Online 14.12.2018. Auch eine Reihe von globalen Großunternehmen forderten zu einem konsequenteren Handeln auf, so z.B. BT Group Plc., Ikea und Mars (EN): Bloomberg 13.12.2018: From Mars to Ikea, Concerns Emerge About Vague Climate Rules.

…aber Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: EU-Taxonomie von Finanzanlagen – nur ökö?

Am 7.12.2018 legte die für die Umsetzung des EU-Aktionsplans (vgl, Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung) Expertengruppe (Technical Expert Group on Sustainable Finance (TEG)) nach fünfmonatiger Tätigkeit ein Konsultationspapier für die „Taxonomie“ von Finanzanlagen vor: Invitation for feedback and expert workshops on taxonomy. Das Ergebnis ist kurz formuliert: Sehr enttäuschend.

Das 108 Seiten starke Dokument zeugt zwar von Arbeit, allerdings nicht von einem zielführenden Ansatz. Der EU-Aktionsplan setzte zwar beim Klimaschutz an, erschien aber offen für andere nachhaltige Entwicklungsziele. Dies ist im Konsultationspapier allerdings nicht erkennbar. Klimarisiken waren und sind nur eines von 17 UN-Teilzielen und ein guter Ansatz für den Angang an die Finanzwirtschaft, da sie hiervon stark betroffen ist und die Bankaufsichtsbehörden ebenfalls von dieser Erkenntnis geleitet werden.

2018-12-13 Glorreiche17

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Die Arbeit der Expertengruppe hat sich dagegen ausschließlich mit Umweltfaktoren beschäftigt. Damit wird auch die resultierende Klassifizierung (Taxonomie) sehr eng gefasst und auf folgende Gebiete begrenzt:

  1. Milderung des Klimawandels
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Wasser und Ozeane
  4. Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung, Recycling
  5. Umweltverschmutzung
  6. Gesunde Ökosysteme

Damit wird aber nur ein enger Ausschnitt der globalen Probleme erfasst. Bei einer Orientierung an den SDGs wäre dies nicht der Fall und bspw. auch die Bekämpfung von Hunger sowie die Migration miterfasst.

Der Angang der EU-Experten erscheint vor allem deshalb sehr verwunderlich, weil sich das Konsensusverständnis seit dem Sommer 2017 stark gewandelt hat. Es stehen weniger die rückwirkend erfassten Werte für Ökologie, Soziales und Unternehmensführung (ESG) im Vordergrund, sondern vorausschauend nachhaltige Entwicklungsziele, die SDGs. Dieser Wandel ist auch im Rating zu erkennen, worüber hier kürzlich berichtet wurde: Nummer Neunundfünfzig.

Sofern die Expertengruppe ihre Arbeit so fortsetzt, wie es es das Konsultationspapier erwarten lassen muss, erscheint das Ziel in Gefahr, ein transparentes und nachvollziehbares Klassifizierungssystem zu erhalten, dass am Ende auch von privaten Geldanlegern als Entscheidungshilfe genutzt werden kann. Damit wird in der Konsequenz auch die ganze Intention des EU-Aktionsplans gefährdet.

Eine ausführliche „Würdigung“ (EN): What goes wrong with #SustainableFinanceEU?

Diese Entwicklung ist umso verwunderlicher als auch Branchenvertreter die Berechtigung von Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft anerkennen. Sicherlich hat der Klimaschutz hier eine prominente Bedeutung wie der aktuelle Beitrag des Hauptgeschäftsführers und Vorstands des Bundesverband deutscher Banken in Der Bank Blog zeigt: Christian Ossig: Klimaschutz macht vor Banken nicht halt Schlussfolgerungen aus der 24. Weltklimakonferenz in Kattowitz, 17.12.2018. Längst herrscht aber in der Branche ein umfassendes, an den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) orientiertes Nachhaltigkeitsverständnis, was sich bereits konkret in der Tätigkeit der globalen Branchenführer niederschlägt: Nummer Fünfunddreissig vom 16.4.2018

GLS Crowd mit Finanzierung in Rekordzeit

Dass Klima- und Umweltschutz auch beliebte Anlagethemen sind, zeigt die von der GLS Crowd am 14.12.2018 platzierte Finanzierung von autarq, einem Hersteller von Solardachziegeln aus Brandenburg. In nur 4,5 Stunden wurden € 1,25 Mio. eines Nachrangdarlehens platziert (7,5%, 3,5 Jahre, endfällig) Laut Pressemitteilung autarq vom 17.12.2018 konnten bereits in den ersten 15 Minuten € 195.000 eingeworben werden.

Auch bei der vorausgegangenen Platzierung einer Finanzierung der akvola Technologies GmbH aus Berlin, einem Spezialisten für Wasseraufbereitung, dauerte es lediglich knapp fünf Stunden, um Investoren für € 750.000 (7%, 6 Jahre, Ratenzahlung ab dem dritten Jahr) zu gewinnen. Laut Pressemitteilung der GLS Bank vom 24.10.2018 waren bereits nach 1,5 Stunden € 500.000 erreicht.

Anmerkung aus der o.g. Pressemitteilung: „Die GLS Crowd ist eine von der GLS Crowdfunding GmbH betriebene, von der GLS Bank unabhängige Schwarmfinanzierungsplattform mit Sitz in Frankfurt am Main, die sich auf die Vermittlung von Finanzierungen für nachhaltige Unternehmen und Projekte spezialisiert hat. Die auf der Plattform angebotenen Finanzierungen werden ihr von der GLS Bank zur Vermittlung vorgeschlagen. Die GLS Crowd bietet Investor*innen die Möglichkeit, Beträge von 250 bis 10.000 Euro in nachhaltige Vorhaben zu investieren“

SRI, ESG, SDGs – Etwas Entwirrung

Anlageangebote mit einem weiten Spektrum von Nachhaltigkeit

Nachhaltige Anlageangebote haben ein weites Spektrum und z.T. erheblich abweichende Interpretationen von Nachhaltigkeit. Für interessierte Privatanleger ist diese Vielfalt ebenso verwirrend wie Finanzjournalisten, so dass deren Beiträge meist auch nicht besonders erhellend und damit hilfreich sind. Insofern bietet der im Portal justETF erschienene Beitrag eine Ausnahme: Dominique Riedel: Nachhaltige ETF-Portfolios zum Selberbauen, 9.12.2018. Der Beitrag stellt übersichtlich die Gemeinsamkeiten der häufigsten Abkürzungen SRI (=socially responsible investments/sozial verantwortliche Investments) und ESG (environment, social, governance/Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) zusammen. Seltener ist „SDGs“ für die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (sustainable development goals) der Vereinten Nationen. Hierzu mehr unten sowie hier im Blog auf SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

ETFs nach SRI- und ESG-Kriterien bieten zwar eher eine schwächere Ausprägung von Nachhaltigkeit, aber sie ermöglichen es bei geringen Kosten und hohem Grad an Streuung mit einem besseren Gewissen anzulegen. Hierbei sind die Ausführungen von Frau Riedel sehr hilfreich. In beiden Kategorien ist es bei einem stetig steigenden Angebot (vgl. u.a. Nummer Einundsechzig) global oder auch regional zu investieren. Dabei werden die Informationen von einem gesunden Grundgedanken geleitet:

„Jeder Mensch definiert nach den eigenen Erfahrungen und Einschätzungen, was für ihn „nachhaltig” oder „ethisch” bedeutet. Genau so ist es mit den unterschiedlichen Index-Regelwerken im Bereich des nachhaltigen Investierens, auf denen ETFs basieren.“

Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Index-Familien im Überblick

Merkmal MSCI SRI-Reihe MSCI ESG Screened-Reihe
Aufgenommene Unternehmen die nach ESG-Kriterien besten 25% jedes Sektors; bestimmte Sektoren werden ausgeschlossen (siehe unten) bestimmte Sektoren werden ausgeschlossen (siehe unten);
keine Berücksichtigung von ESG-Ratings
Gewichtung Marktkapitalisierung Marktkapitalisierung
Marktabdeckung eher gering durch Ausschluss von 75% der Unternehmen eher hoch, da nur bestimmte Sektoren ausgeschlossen werden (ohne Berücksichtigung des ESG-Ratings)
Tracking Error potenziell höher durch geringere Marktabdeckung potenziell geringer durch höhere Marktabdeckung
Kosten i. d. R. höher als Mutterindex wegen Research-Kosten für SRI-Rating sehr ähnlich zum Mutterindex wegen minimaler Research-Kosten für einfachen Filteransatz
Modifikationen MSCI SRI 5% Capped
MSCI Select ESG and Trend Leaders
bisher keine
ETF-Portfolios Nachhaltigkeit SRI Global BIP
Nachhaltigkeit SRI Regionen BIP
Nachhaltigkeit ESG Screened Global BIP
Nachhaltigkeit ESG Screened Regionen BIP
Quelle: iShares; Stand: 05.12.2018 via justETF

Neuer Fonds auf nachhaltige Fremdkapitalfinanzierungen

Produkte mit einer Orientierung an den SDGs bilden bisher die Ausnahme. Allerdings nimmt zumindest für institutionelle Anleger das Angebot weiter zu. Der NN (L) European Sustainable Infrastructure Debt Fonds, der am 15. November 2018 aufgelegt wurde, erweitert die nachhaltige Produktpalette von NN Investment Partners (NN IP) und erfüllt die steigende Nachfrage Institutioneller nach Investitionen in Sachwerte.

„Der neue Fonds zielt darauf ab, ein diversifiziertes Portfolio aus europäischen Infrastrukturfinanzierungen aufzubauen, die einem Investment-Grade-Rating entsprechen und aus fünf Sektoren bestehen. Dazu zählen soziale Infrastruktur, alternative Energie, nachhaltiger Transport und Wasser- und Abfallwirtschaft sowie digitale Infrastruktur. Die geringe Korrelation von Infrastrukturanlagen mit den Konjunkturzyklen ist besonders für langfristige Investoren reizvoll, die ihre Portfolios diversifizieren, ihre Verbindlichkeiten matchen und solide Erträge erzielen möchten. NN IP nutzt mit dem neuen Fonds seine langjährige Erfahrung am Infrastrukturmarkt und hat seine Strategie weiterentwickelt, um sich auf Infrastrukturanlagen zu konzentrieren, die eine messbare Wirkung, einen Impact auf Gesellschaft und Umwelt haben, ohne die finanziellen Erträge zu vernachlässigen. …  Der Fonds strebt eine jährliche Bruttorendite von 3-4% und eine Duration von 12-15 Jahren an.“ Quelle: NN investment partners (DE)

Apple Pay in Deutschland gestartet – Zahlung + Nachhaltigkeit?

2018-12-11 ApplePay

Beitragsbild/Bild: Apple Pay

Mit einer Verspätung von vier Jahren gegenüber europäischen Nachbarländern sind jetzt auch in Deutschland Zahlungen mit Apple Pay möglich. Google Pay war im Juni 2018 gestartet. Die Vorteile beschreibt der Anbieter folgendermaßen:

„Apple Pay funktioniert ganz einfach. Und vor allem ganz sicher. Denn mit Apple Pay wird deine Kartennummer nie auf deinem Gerät oder Apple Servern gespeichert. Und Apple Pay speichert auch keine Daten zu deiner Transaktion, die auf dich zurück­zuführen sind. So kannst du sicher in Geschäften, Apps und im Internet bezahlen. Ganz einfach.“

 Quelle: Apple Pay

Wie funktioniert Apple Pay?

Tatsächlich werden weniger missbrauchsgefährdete Daten mit dem Händler ausgetauscht, da die Zahlung nur über eine Gerätenummer in Verbindung mit einem einmaligen Transaktionscode ausgelöst. Das Smartphone wird mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung entsperrt. Insofern können weder bei der Transaktion noch aus dem Gerät sensible Daten ausgelesen werden. Bei einem Geräteverlust ist damit im Gegensatz zu einer physischen Karte ein Missbrauch ausgeschlossen.

Nicht verwendbar sind Girocards ohne Zugang zu Maestro (d.h. Mastercard). Auch ist der von vielen Banken angebotene Zahlungsdienst VPay (Visa) nicht unter den Anbietern. Die Nutzung solcher Karten ist über die Angebote der Genossenschaftsbanken (Digitale Karten in der VR-Banking-App) und Sparkassen (Mobiles Bezahlen) möglich. Allerdings wird hier für Beträge ab € 25 wiederum ein PIN benötigt.

Zum Start sind die Banken in der nachfolgenden Übersicht mit Apple Pay im Angebot. Weitere Banken haben den Zahlungsdienst für 2019 avisiert.

Apple hat die Liste mit den teilnehmenden Banken veröffentlicht.

Quelle: Apple Pay

Mobile Zahlungen können nachhaltiger sein

In Deutschland werden rund 57 Mio. Smartphones genutzt (Quelle: statista 11.12.2018), die technisch reichlich dimensioniert sind. Gleichzeitig tragen alle 130 Mio. Bank- und Kreditkarten leistungsfähige Chips sowie Magnetstreifen, die zu einem erheblichen Teil nur wenig genutzt werden. Insofern wäre es deshalb naheliegend, andere Lösungen zu wählen, die diesen Materialeinsatz verringern. Eine Variante wären optische Lösungen (QR-Codes, vgl. Weniger Karten in die Brieftasche hier im Blog) oder die von den mobilen Bezahlangeboten genutzte NFC-Funktion der Smartphones, die dann auf den Karten selbst entfallen könnte.

Eine besonders interessante Lösung hat deshalb die Deutsche Bank zum Marktstart in das Angebot genommen: Eine vollständig virtuelle Karte, die allein elektronisch ausgegeben wird. Entgegen den Informationen auf der Internetseite der Bank kursierten zunächst Informationen, wonach Kunden zur Bestellung der Karte eine Filiale besuchen müssten. Dies hätte dieses Angebot natürlich verwässert, ist aber nicht der Fall: „Mit einem Deutsche Bank Konto erhalten Sie zur weltweiten Nutzung von Apple Pay eine virtuelle Mastercard Debitkarte (Deutsche Bank Card Virtual) – dauerhaft ohne Jahresgebühr. Diese können Sie im Rahmen der Apple Pay Aktivierung in der Deutsche Bank Mobile App bestellen.“ Homepage Deutsche Bank – Jetzt: Deutsche Bank mit Apple Pay.

Quelle: Jochen Siegert via Twitter/Deutsche Bank

Viel Andrang zum Start

Jochen Siegert hat auf Payment & Banking am 12.12.2018 seine persönlichen Eindrücke von der Auftaktveranstaltung in der Allianz-Arena in München geschildert: Launchevent von Apple Pay in Deutschland. „Michael Koch, verantwortlich für Online- und Mobilebanking der Deutschen Bank, sprach bezüglich von der MasterCard Debit-Karte und Apple Pay als dem stärksten Produktlaunch der Deutschen Bank überhaupt. Wesentliche KPIs hätten die Erwartungen weit übertroffen. So konnte die Deutsche Bank gestern Vormittag hohe dreistellige Kartenanträge pro Minute verzeichnen und die Besuche der Deutschen Bank Homepage war sechsfach höher als sonst. Dieser Kundenansturm ist sehr beeindruckend. Ich denke das Institut wird so alleine über 50.000 neue Karten am gestrigen Tag abgesetzt bzw. aktiviert haben. Auch ein Comdirect Mitarbeiter schrieb bei Twitter von einem selbstgesetzten Tagesziel von 10.000 Registrierungen (leider Tweet nicht mehr auffindbar) und die im Vergleich eher kleine Hanseatic Bank berichtete auch von 1.200 Registrierungen in den ersten Stunden.“

Akzeptanz ca. 50%

Die Einsatzmöglichkeiten in Deutschland dürften grundsätzlich bei 50% liegen, also überall dort, wo NFC-fähige Terminals genutzt werden. Zusätzlich ist aber eine Vereinbarung mit Apple Pay Voraussetzung. Die folgende Übersicht stellt die beim Start vereinbarten Akzeptanzpartner:

 

Bildergebnis für apple pay akzeptanz

Quelle: Apple Pay

Weitere Partnerbanken für 2019 avisiert

Quelle: Apple Pay

Die Zahlungsdienste im Kurzvergleich

Besonders bei der Freigabe der Zahlungsdienste auf dem Smartphone unterscheiden sich die Angebote Bei Apple-Pay und Google-Pay genügt die Freigabe des Handys bei Touch-ID oder Face-ID, um eine Zahlung zu legitimieren. Für Kleinbeträge ist bei Apple-Pay nicht einmal der Bildschirm des iPhones zu entsperren. Der Vorteil der einfachen Bedienbarkeit mit einer einzigen Aktion ist beim Bezahlen mit den Apps von Sparkasse und VR-Banken jedoch dahin. Bei Beträgen über 25 Euro ist es erforderlich, die Karten-PIN am Smartphone einzugeben.

Während bei Apple und Google nur Debit- und Kreditkarten genutzt werden können, binden die Bankenangebote auch die Girocards ein. Unterschiedlich ist natürlich auch, wer welche Daten hat. Da sind sie allerdings auf jeden Fall, fragt sich immer noch wo. Und das ist eher Geschmacksache.

Kommen und Gehen bei FinTech

Apple Pay kommt, Glase® geht

Am 11.12.2018 hat Glase® (früher SEQR) vormittags die Einstellung seines Zahlungsdienstes für den Nachmittag angekündigt. Ähnlich wie Apple Pay basierte das Angebot auf einem kontaktlosen Bezahlvorgang per NFC-Technik. (heise online 11.12.2018 – Mobile Payment: Glase gibt auf. Mittlerweile sind Neugründungen bei Zahlungsdiensten in einer Minderheit. „Payment-Startups können trotz der breiten öffentlichen Diskussion zum Thema mit zwei Prozent nur einen verschwindend geringen Anteil des Venture-Capital-Investitionsvolumens seit 2017 für sich verbuchen“ heisst es in der aktuellen comdirect Fintech-Studie. Der Markteintritt von Apple dürfte eher einen Konsolidierungsprozess beschleunigen.

Kommen und Gehen bei der Onlinevermögensverwaltung

Nach Santander (Sina) stellt auch die Werthstein GmbH ihr zum Jahresbeginn gestartetes (vgl. Nummer Sechsundzwanzig vom 12.1.2018) Angebot wieder ein: Pressemitteilung vom 17.12.2018: Werthstein GmbH stellt Geschäft ein. Die Bewegung im Markt für „Robo-Advice“ hat Heinz-Roger Dohms heute in Finanz-Szene.de beschrieben: Exklusiv: Deposit Solutions paktiert mit Robo-Advisor Quirion.

Eine Konsolidierung in diesem Markt war seit einiger Zeit sehr vorhersehbar: Kleiner Gesamtmarkt (ca. € 2 Mrd.) mit sehr vielen Anbietern (>40) bei sehr niedrigen Markteintrittsbarrieren aufgrund überschaubarer Investitionsaufwendungen: Robo-Advice – Viel Bewegung im Markt vom 17.11.2017.

 

Stammtisch Nachhaltigkeit am 12.2.2019 in Bonn

Einige Aktive haben sich für den 12.2.2019 um 19h zu einem Stammtisch Nachhaltigkeit verabredet. Thematisch ist alles rund um CSR, ESG, SDGs, SRI, SustainableFinance sowie Globales und Lokales offen. Ort wird noch bekannt gegeben und je nach Interesse ausgewählt.

Warum 12.2.2019? Dann findet in Berlin der nächste Stammtisch Sustainable Finance Berlin statt. Der Plan ist, an diesem Abend die Aktivitäten in Bundeshauptstadt und Bundesstadt kommunikativ zu verbinden.

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Zweiundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechzig

Inhalt:  24. Weltklimagipfel: „Nur eine Existenzfrage“; Frankreich: Drei Tage Klimafinanzierung; Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft; Ohne Nachhaltigkeit ist es Selbstmord; FNG-Siegel mit starkem Wachstum; Irgendwas Digitales ist noch keine Digitalisierung Apropos: Digitaler Kanal und Kommunikation; In eigener Sache: #nachhaltige100: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

3. Dezember 2018, ergänzt 4.12.2018 (Pressemitteilung Climate Action Network Europe, Zitat Richard David Precht, Bericht Finanz-Szene.de)

Dr. Ralf Breuer

24. Weltklimagipfel: „Nur eine Existenzfrage“

Heute beginnt in Katowice, Polen, der 24. Weltklimagipfel „COP24“. Das Programm und die Randveranstaltungen füllen viele Internetseiten. Hier die offizielle Seite der Vereinten Nationen, United Nations Climate Change. Das Beitragsbild bzw. die nachfolgende Grafik wollen einen Überblick über die Veranstaltung vermitteln.

cop-grafikthumb

Beitragsbild/Grafik: www.klimafakten.de

Der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat gleich zur Eröffnung des deutschen Pavillons deutlich gemacht, um was es bei der Bekämpfung des Klimawandels geht: Dem Überleben der Menschheit.

Ein Jahr nach COP23 in Bonn wurden bei der Bekämpfung des Klimawandels kaum Fortschritte erzielt. Allerdings haben der heiße Sommer und auch die Berichterstattung um den Hambacher Forst das Bewusstsein in der breiten Bevölkerung deutlich verändert. Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen haben noch einmal deutlich gezeigt, dass das Wählerinteresse an Nachhaltigkeit deutlich ausgeprägter ist als dies im Wahlkampf von den großen Parteien zum Ausdruck gebracht worden ist.

Dies wurde besonders in der Berichterstattung zur Wahl in Bayern deutlich, zu der die Nummer Dreiundfünfzig folgende Übersicht enthielt:

Quelle: Twitter/Jörg Schönenborn, WDR, Daten: infratest Dimap

Während die Politik nachhaltige personelle Querelen bot, war das Interesse an nachhaltigen Themen wir Bildung, Wohnen und Klimaschutz deutlich stärker ausgeprägt als an der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Dies war ebenfalls in Schweden der Fall, das bekanntlich von der Sommerhitze und großen Waldbränden besonders betroffen war (vgl. Nummer Sechsundvierzig).

Gleich zu Beginn des Gipfels am 3.12. sorgten einige Länder für positive Schlagzeilen und setzen Ausrufungszeichen: Der niederländische Ministerpräsident kündigte für sein Land ein ambitionierteres Klimaziel mit 55% CO2-Reduktion per 2030 an. Finnland, Luxemburg, Österreich und Spanien betonten die Notwendigkeit größerer Anstrengungen in ihren Ländern und der gesamten EU, sie erneuerten ihre Unterstützung einer CO2-Neutralität per 2050. (Pressemitteilung Climate Action Network Europe vom 3.12.2018

 

Frankreich: Drei Tage Klimafinanzierung

Vom 26. bis 28. November fand in Paris „der“ Climate Finance Day (#CFD2018) statt. Trotz der Ausdehnung der Veranstaltung von einem auf drei Tage wurde der Name beibehalten. Die Anzahl der Teilnehmer stieg gegenüber dem Vorjahr um 50% auf 1.500. Insgesamt sprachen 100 Personen, darunter auch die Spitzen der großen französischen Finanzakteure. Der französische Staatspräsident und der Minister für Wirtschaft und Finanzen hatten die Schirmherrschaft übernommen. Zum Ende der Veranstaltung wieder holte der Minister praktisch die Aussagen des Präsidenten der EU-Kommission am 28.3.2018 in Brüssel: All finance has to be sustainable!. Nummer Zweiunddreissig bzw. Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung.

In den sozialen Medien wurde das Motto der Veranstaltung als Schlagwort benutzt: #GetUpScaleUp. Die Veranstaltung war geradezu gespickt mit Bekenntnissen zu Nachhaltigkeit und nachhaltiger Finanzwirtschaft. Mehr Informationen über die Seite https://financefortomorrow.com/.

Prinzipien für verantwortungsvolles Bankgeschäft

Gleich zu Beginn der Veranstaltung lancierten 28 Banken unter dem Dach der UNEP Finance Initiative einen Entwurf für die „Principles of Responsible Banking“, die bis zum 29.5.2018 offen für Konsultationen sind. Während sich große Finanzgruppen aus Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien engagiert haben, sucht man deutsche Unterzeichner vergeblich. Allerdings sind Consorsbank, ING Deutschland und Triodos Bank Deutschland über ihre Muttergesellschaften einbezogen. Weitere Informationen und weiterführende Links (EN): hier.

Quelle: http://www.unepfi.org/banking/bankingprinciples/

Vom Grundsatz geht es vor allem um eine Harmonisierung der Geschäftspolitik mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, den SDGs und die externe Transparenz. Und in diesem Fall sind Träger der Initiative nicht die Banken, die sich schon für ein wertegetriebenes Bankgeschäft engagiert haben, sondern eben auch globale Geschäftsbanken.

Ohne Nachhaltigkeit ist es Selbstmord

Starke Worte wählte Adrie Heinsbroek, Principal Responsible Investment bei NN Investment Partners, der Vermögensverwaltungsgesellschaft der niederländischen NN Group:

Kaum noch etwas hinzuzufügen, vielleicht noch die positive Formulierung: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0.

 

FNG-Siegel mit starkem Wachstum

Die Anzahl der Fonds, die sich 2018 um das FNG-Siegel beworben haben, lag mit 66 um 40% über dem Vorjahreswert. 65 Fonds wurden ausgezeichnet, davon 25 mit drei und 28 mit zwei Sternen, 11 Fonds erhielten nur einen Stern, ein Fonds keinen, aber das Siegel. Gegenüber der Gesamtzahl von Fonds mit „nachhaltig“ im Etikett bleibt die Anzahl der Bewerbungen allerdings klein: Je nach Datenquelle werden 643 (Scope) bzw. 450 (SBI) genannt.

2018-11-29 FNG

Foto: Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH

Auffällig bleibt, dass unter den Fonds die Produktangebote für private Kunden der größten deutschen Fondsgesellschaften völlig fehlen: Deka Investment und DWS Deutschland haben sich gar nicht beworben, Union Investment nur mit Fonds für institutionelle Kunden: FNG-Siegel 2018Präsentation Vergabefeier 29.11.2018

Irgendwas Digitales ist noch keine Digitalisierung

In der Nummer Nummer Neunundfünfzig war ein Teil dem Thema Digitalisierung gewidmet, die kein Selbstzweck ist, sondern sich auch über die SDGs definieren lässt. Einen Tag später erschien ein Beitrag des bekannten britischen Autors, Beraters und Redners Chris Skinner, der diesen Aspekt noch einmal betont:

Er stellt sehr pointiert fest, dass die Banken zwar alle etwas Digitales machen, das Ziel einer digitalen Transformation aber weit verfehlen:

But it is the case that when I take the pulse of the majority of banks doing digital, they are doing stuff that is digitally-related but it is often missing the mark. They are doing apps and redeveloping services, but they’re not really committed to transformation or to really reinvent the bank for the 21st century to compete with Amazon and Alibaba.

Chris Skinner; Are you really ‚Doing digital‘??

Auch der Autor und Philosoph sieht Digitalisierung zu allererst als Mittel zum (nachhaltigen) Zweck:

Apropos: Digitaler Kanal und Kommunikation

Passend zu den Aussagen oben sind auch die Eindrücke über viele „Auftritte“ in sozialen Medien. Viele Betreiber von Kanälen bei Facebook, Twitter etc. verstehen ihre Konten als weiteren Kanal von Einwegbotschaften. Auf Fragen, Kommentare etc. wird kaum oder gar nicht reagiert. Das ist aber für Menschen, die dort unterwegs sind ein klares Signal zum Abschalten.

Die wenigen erfolgreichen und interessanten Auftritte in sozialen Medien zeichnen sich durch ein inhaltliches Konzept und ganz besonders auch durch „Zulesen“ aus, was allerdings eine qualifizierte und vor allem auch ressourcenfordernde Betreuung voraus setzt. Beides ist in Finanzwirtschaft und auch in der Politik eher die Ausnahme.

Dabei lassen sich die guten Kanäle leicht anhand von „gefällt mir“, Abonnenten oder Followern erkennen. Wer das einmal selbst versucht hat, ist erschrocken wie unbeliebt manche Betreiber sind. Die Gründe hierfür sind praktisch immer in Konzeptionslosigkeit und eine wenig qualifizierte bzw. intensive Betreuung zu erkennen.

Ein Beispiel für ein erfolgreicheres Konzept bieten „AINO“ bzw. „Heute in Hamburg“, eine App für „Events, Locations & Wissenswertes in Hamburg“. Betreiber ist eine Tochtergesellschaft der Hamburger Sparkasse Haspa, die Haspa Next GmbH.

Damit soll bei einer jungen lokalen Zielgruppe das erreicht werden, was als „Relevanz“ von morgen gesucht wird (Nummer Achtundfünfzig). Und zwar gerade nicht als schriller Werbe- und Verkündigungskanal, sondern Informations- und Kommunikationsangebot. Damit wird die Zahl der interessierten Nutzer und „gefällt mir“ bei den meisten bundesweiten Finanzdienstleistern deutlich übertroffen.

Finanz-Szene.de: Stefan Effenberg zur Volksbank

Der Bericht von Heinz-Roger Dohms in dem auflagenstarken Branchendienst Finanz-Szene.de vom 4.12.2018 fand für nationales Medieninteresse: Exklusiv: Stefan Effenberg startet zweite Karriere – und wird Banker. Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden will damit ihre Fussball-Expertise weiter verstärken. In einem Land voller Fussballexperten völlig naheliegend, die Kenntnisse der 229-X Mitarbeiter/-innen für Geschäfte im internationalen Fussball zu nutzen. Hierüber war am 21.11.2018 ebenfalls in Finanz-Szene.de schon berichtet worden: Exklusiv: Das endcoole Kreditbuch einer kleinen thüringischen Volksbank, u.a. mit Atletico Madrid und dem 1. FC Köln als Kunden.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die Liste der nachhaltige100 der Triodos Bank Deutschland führt die in sozialen Medien zu nachhaltigen Themen aktivsten Menschen im deutschprachigen Raum. Investabel® gegenüber dem Vormonat Oktober 2018 von Rang 91 auf 84 geklettert.  Nach Umstellung der Datenerhebung auf einen anderen Anbieter war der Blog in der monatlichen Übersicht auf die Plätze 102 (Juli 2018) bzw. 104 (August 2018) gerutscht. Im September 2018 wurde der Blog wieder unter den ersten 100 (auf Platz 97) und im Oktober auf 91 platziert.

Die Akteure der Übersicht waren zu einem Treffen auf dem Heldenmarkt am 17.11.2018 in Berlin eingeladen. Spannend, einmal viele der anderen Blogger persönlich kennen zu lernen!

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundvierzig

Logo der Blogparade des CSR-Kompetenzzentrums Rheinland

Inhalt: Auf zum Nachhaltigkeitsgipfel; Volumen bei Fonds mit Green Bonds verdoppelt; Immer mehr wirkungsbezogene Anlagen; CSR Blogparade Raum Köln/Bonn; SIRPlus gegen Lebensmittelverschwendung; ING Groep wächst bei Firmenkunden in Deutschland; Internetgiganten und Bankleistungen; In eigener Sache: Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie; comdirect finanzblog award; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

5. September 2018

Dr. Ralf Breuer

Auf zum Nachhaltigkeitsgipfel

Der Hub for Sustainable Finance lädt am 25. September zum „Zweiten Sustainable Finance Gipfel Germany“ ein. Auf diesem Gipfeltreffen der aktiven Netzwerkakteure mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft werden wichtige Aspekte zur Stärkung nachhaltiger Finanzwirtschaft, aktuelle Entwicklungen und nötige Weichenstellungen für die kommenden Monate diskutiert.

Gegenüber dem ersten Gipfel 2017 ist ein deutlich größerer Rahmen vorgesehen, so dass mindestens 100 weitere Teilnehmer zu erwarten sind. Informationen zum Gipfel: Zweiter Sustainable Finance Gipfel Deutschland.

Zwar befindet sich Deutschland im internationalen Vergleich bestenfalls im Basislager, aber das wird immer besser gerüstet, u.a. mit der nun erfolgten Gründung des „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“ Das GSFC ist ein Zusammenschluss der Accelerating Sustainable Finance Initiative der Deutschen Börse und dem Green Finance Cluster Frankfurt des Hessischen Wirtschaftsministeriums. Die Zielsetzung des im April 2018 erfolgten Zusammenschlusses ist die Bündelung der Aktivitäten im Feld Sustainable Finance, um eine effizientere Nutzung der Finanzmarktexpertise im Bereich Nachhaltigkeit zu erreichen und vor allem die Formulierung und Umsetzung konkreter Handlungsansätze für die Zukunftsfähigkeit nationaler und internationaler Finanzmärkte. Weitere Informationen: https://gsfc-germany.com/.

Die Notwendigkeit einer intensiveren Arbeit auf dem Gebiet nachhaltiger Finanzinstrumente läßt sich anhand der dynamitschen Markteintwicklung leicht nachvollziehen.

Volumen bei Fonds mit Green Bonds verdoppelt

Gemäß Environmental Finance hat sich das Volumen der in Green Bonds investierenden Fonds in den zwölf Monaten ab Juli 2017 auf USD 5,34 Mrd. verdoppelt. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Fonds um mehr als ein Drittel auf 38 erhöht. Allein bei der Luxembourg Green Exchange sind bereits mehr als 200 Anleihen mit Nachhaltigkeitsbezug und mehr als USD 100 Mrd. notiert.

Immer mehr wirkungsbezogene Anlagen

Laut www.unipri.org hat sich das Volumen wirkungsbezogener Anlagen (Impact Investment) noch beeindruckender entwickelt: 450 Unterzeichner der UN „PRI – Principles of Responsible Investments“ bereits 2016 USD 1,3 Bio. weltweit für wirkungsbezogene Investitionen bereitgestellt. Die Einzelheiten, insbesondere auch die verfolgten Zwecke stellt eine ausführliche Studie dar: PRI Impact Investing Market Map.

CSR Blogparade Raum Köln/Bonn

2018-09-05 CSRBlogparade

Das CSR-Kompetenzzentrums Rheinland hat eine Blogparade zum Thema „Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in Bonn und der Region“ #CSR2018 gestartet. Ziel ist es, über aktuelle gesellschaftliche Verantwortung in der Region (Aachen, Bonn, Köln) mehr zu erfahren. Alle online-Beiträge in den nächsten vier Wochen zum Thema CSR dürfen teilnehmen – gern auch bereits vergangene Beiträge, die nun im Nachgang verlinkt werden. Alle Infos zur Teilnahme an der Blogparade erhalten Sie hier: http://csr-kompetenzzentrum.de/csr-blogparade/. Investabel® wird natürlich einen Beitrag beisteuern.

Zuvor gibt es noch Gelegenheit für einen persönlichen Austausch über Nachhaltigkeit: Alle Teilnehmer und Interessierten sind herzlich zur großen CSR-Tagung am 13.09.2018 an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg eingeladen. CSR Tagung Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.

SIRPlus gegen Lebensmittelverschwendung

Zugegeben: Mit Finanzen hat das gar nichts zu tun. Trotzdem ein lobenswerter Ansatz, über den auch schon mehrere Fernsehberichte ausgestrahlt wurden In Berlin gibt es mittlerweile drei Supermärkte SIRPlus für Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdauer überschritten ist. Da „Mindest“ nicht „Höchst“ beinhaltet, ist das sicher ein guter Ansatz. Immerhin werden immer noch 30% der produzierten Lebensmittel vernichtet.

Das Angebot ist teilweise vielleicht eine Konkurrenz zu den 230 Tafeln, die in Deutschland Sach- und Geldspenden an Bedürftige vereilen. Allerdings besteht ein stärkerer Fokus auf verderblichen Lebensmitteln, die lokal gesammelt, aufbereitet und verteilt werden. Die Empfänger sind bedürftige Privatpersonen und Einrichtungen. Weitere Informationen: Tafel Deutschland e.V.

ING Groep wächst bei Firmenkunden in Deutschland

Die niederländische ING Groep ist in Deutschland vor allem für ihr schnörkelloses Angebot der ING DiBa bekannt und großgeworden. Während sich das Direktbankangebot ausschließlich an Privatkunden richtet, hat sie auch im Firmenkundengeschäft ein profitables Geschäft aufgebaut, dass sogenannte ING Wholesale Banking. Heinz-Roger Dohms berichtete am 4.9. hierüber in seinem täglichen Newsletter Finanz-Szene.de Wie die ING Diba ihre Erträge im Firmenkunden-Geschäft binnen kürzester Zeit verdreifacht hat. In seinem Bericht vom 6.9. weist Herr Dohms zusätzlich auf den illustren Kundenkreis der Bank in Deutschland hin: Finanz-Szene.de 5.9.2018: Welche Kunden in das Raster der ING DiBa passen – und welche nicht.

Aus der Quartalsberichtserstattung der ING Groep zog Herr Dohms eine beeindruckende Ertragsentwicklung in den letzten fünf Jahren:

Quelle: Heinz-Roger Dohms, www.Finanz-Szene.de vom 4.9.2018

Ein Vergleich mit dem Segment Firmenkunden der Commerzbank zeigt, dass ING deutlich effizienter und profitabler operiert: Das Verhältnis Aufwand zu Ertrag liegt unter 25%, während die deutsche Konkurrent im ersten Halbjahr bei 78,4% berichtete.

Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist ein Blick auf die Internetseite des Firmenkundenangebots sehr bemerkenswert: Auf https://www.ingwb.de/de/home steht nachhaltiges Wirtschaften ganz oben. ING bewirbt offensiv sein Angebot, die Kreditverzinsung an Nachhaltigkeit zu koppeln, so dass Fortschritte über die Laufzeit mit niedrigerer Verzinsung honoriert werden. Dies wurde bereits bei einer Reihe europäischer Großunternehmen so vereinbart. Vgl. Nummer Einundvierzig.

Digitale Giganten und Bankleistungen

Der Start von „Apple Pay“ hat das Thema einmal erneut befeuert: Wie bedrohlich sind die Internetgiganten für die etablierte Kreditwirtschaft? Dabei ist vor allem von Google, Apple, Facebook und Amazon die Rede, den sogenannten #GAFAs. Aber auch die chinesischen Anbieter Baidu, Alibaba und Tencent (#BAT) bieten Finanzdienstleistungen. Bei Alibaba sind die Angebote (u.a. AliPay) in der Gesellschaft Ant Financial zusammengefasst, die selbst schon eine große Sichtbarkeit hat.

Die Redaktion von „Payment & Banking“ hat dankenswerterweise einmal mehr eine informative Grafik zu diesem Thema erstellt:

Infografik Marktkapitalisierung Digital Giants

Quelle: Nicole Nitsche/Kilian Thalhammer: Digital Giants Marktkapitalisierung 5.9.2018

 

In eigener Sache

Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie

Die Bundesregierung (bzw. das Bundespresseamt) hat die bisher eingegangenen Beiträge zur Diskussion um die Aktualisierung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zugänglich gemacht. Die bisher eingegangenen Beiträge sind in zwei Dokumenten als „Zuschriften zum Dialog“ nach „Privatpersonen“ bzw. „Unternehmen und Institutionen“ zusammengefasst. Alle relevanten Dokumente finden Sie auf der Seite NACHHALTIGE ENTWICKLUNG – Wir aktualisieren die Strategie: Machen Sie mit!. Mein Beitrag ist im Dokument Zuschriften zum Dialog – Privatpersonen. Der Beitrag hier auf dieser Seite lautet: Beitrag Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie.

comdirect finanzblog award

Investabel® stellt sich auch in diesem Jahr der Jury und der Publikumsabstimmung beim comdirect finanzblog award. Insgesamt 65 Finanzblogs stehen zur Wahl. Die Sieger werden beim „comdirect Finanzbarcamp 2018“ am 20.10.2018 in Hamburg bekannt gegeben.

comdirect hat angeregt, die Blogs im Forum der Bank, der „comdirect community“ vorzustellen. Dafür wurde am 14.8. der Beitrag comdirect finanzblog award – angenommen, ich gewinne… mit Überlegungen zur Anlage bzw. Verwendung des Siegerpreisgeldes von € 3.000 veröffentlicht. Verwendung deshalb, weil auch die Anschaffung von Bierdeckeln mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der UN enthalten ist – ein hervorragendes didaktisches Mittel für Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit.

2018-03-23 id-17ziele_projekte_bierdeckel_gross

Ansonsten enthält der Beitrag Überlegungen, wie sich aus dem heutigen Marktangebot auch mit einem vergleichsweise kleinen Anlagebetrag eine nachhaltige Geldanlage konzipieren lässt.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Siebenundvierzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundvierzig

Beitragsbild: Greenpeace via Twitter (s.u.)

Inhalt:  Klimawandel: Gar nicht soo neue Erkenntnisse; Klimaschutz 1: In Deutschland wäre mehr möglich; Klimaschutz 2: Skandinavische Metropolen handeln; Nachhaltigkeit = Hoffnungslosigkeit?; Klimarisiken sind bei der DZ Bank sehr real; FinTech Zahlungsdienst Cringle meldet Insolvenz an; QR Code: Informativer Artikel, gute Perspektiven?; In eigener Sache: Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie; comdirect finanzblog award; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

28. August 2018

Dr. Ralf Breuer

Klimawandel: Gar nicht soo neue Erkenntnisse

In der vorletzten Woche verbreitete sich die nachfolgende Botschaft rasant in den sozialen Medien. Bereits 1912 wurde der Zusammenhang zwischen der Nutzung fossiler Energien und dem CO2-Ausstoß erkannt. Die Welt hat sich dann aber lieber in noch ganz andere Problem gebracht.

Klimaschutz 1: In Deutschland wäre mehr möglich

Laut Vorabberichten aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik in Kassel (im Auftrag von Greenpeace) könnte Deutschland das Klimaziel 2020 mit einigen wenigen Maßnahme noch erreichen: „Die ältesten Braunkohleblöcke müssten abgeschaltet und Wind- und Solarkraft wie im Koalitionsvertrag vereinbart ausgebaut werden, dazu eine leichte Leistungsdrosselung bei mehr als 20 Jahre alten Braunkohlekraftwerken – dann wären die 40 Prozent CO2-Reduktion bis 2020 noch drin.“

Klimaschutz 2: Skandinavische Metropolen handeln

Laut Kaj Embrén, einem renommierten Berater im Bereich Nachhaltigkeit, handelt es sich nicht um Kompensationsprogramme, bei denen die CO2-Emissionen durch Aufforstungsprogramme neutralisiert werden. Dies ist z.B. bei der britischen Stadt Liverpool der Fall. Insofern ist es etwas irreführend, was alles berichtet wird:

Und Blockchain? Nicht alles ist gleich genial, wenn sie genutzt wird, obwohl das auch ohne ginge…

Nachhaltigkeit = Hoffnungslosigkeit?

Diese Gleichung legt ein kürzlich in GEO erschienener Artikel von Peter Carstens – Warum nachhaltiger Konsum nicht funktioniert: 14 Thesen nahe. Die Thesen sind mehr Ausdruck der Verwirrung um das, was nachhaltig(er) ist, könnten aber leicht als Kapitulationsaufforderung missverstanden werden. Allerdings: These 5 ist nicht so ganz von der Hand zu weisen, wie der Abschnitt zeigt: „Kompensationssysteme machen umweltschädliches Verhalten moralisch erschwinglich.“

Klimarisiken sind bei der DZ Bank sehr real

Finanz-Szene.de berichtete am 28.8.2018 von massiven Verlusten der DZ BANK Gruppe im Geschäft mit der Öl- und Gasförderung: Grafik: Wie die DVB Bank in ihrem Offshore-Segment auf eine Rendite von minus 354,4% kam. In der aktuellen Investorenpräsentation avisiert der auf internationale Transportfinanzierung fokussierte DVB Bank Konzern: „Wir erwarten im Geschäftsjahr 2018, insbesondere angesichts der anhaltenden Krise im Offshore-Markt, eine über dem langjährigen Durchschnitt liegende Risikokostenentwicklung in unserem maritimen Portfolio – wenngleich deutlich unter dem Niveau von 2017.“ (Investorenpräsentation August 2018, S. 14, abgerufen 28.8.2018). Im Geschäftsjahr 2017 stieg der Verlust der DVB bei sinkenden Erträgen vor allem aufgrund einer von € 381,4 Mio. auf € 729,7 Mio. deutlich an: Das Konzernergebnis nach Steuern verschlechterte sich nach -€ 138,7 Mio. 2016 im Geschäftsjahr 2017 auf -€ 903,6 Mio. (vgl. Investorenpräsentation S. 6).

FinTech Zahlungsdienst Cringle meldet Insolvenz an

Laut einem Bericht von www.gruenderszene.de am 27.8.2018 hat das Fintech Cringle Insolvenz angemeldet. Cringle bietet sogenannte „Peer-to-Peer“ Zahlungen an Familie und Freunde an. Und ähnelt damit dem Produkt Kwitt der Sparkassen-Finanzgruppe. Gemäß Blogpost von Cringle hat vor allem die Unsicherheit über den Markteintritt großer Internetkonzerne wie Google, Apple, Facebook und Amazon (abgekürzt #GAFAs) als Absagegrund für eine neue Finanzierungsrunde genannt (vgl.: Cringle 27.8.2018: Einblick in die Zukunft. Allerdings hatte sich Cringle bisher vor allem über Schwarmfinanzierungen (Crowdfunding) auf der Plattform Companisto finanziert, was bei FinTech eher unüblich ist Finanz-Szene.de am 28.8.2018: Cringle stellt Insolvenzantrag – Hat P2P-Payment standalone überhaupt eine Chance?.

QR Code: Informativer Artikel, gute Perspektiven?

Bei dem immer sehr informativen Blog Payment & Banking erschien am 23.8.2018 ein sehr informativer Artikel von Kilian Thalhammer und Maik Klotz: QR Code – vom Saulus zum Paulus. Der Artikel beschreibt sehr anschaulich die Entwicklung und die technischen Möglichkeiten des QR Code.

Auch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist der Code interessant, insbesondere auch im Zahlungsverkehr: Wenn schon so viele Menschen (zumeist weit überausgestattete) Smartphones mit sich führen, kann über sie auch Zahlungsverkehr via QR Codes abgewickelt werden. Dies hat insbesondere zwei Vorteile: 1. Bankkarten und die dafür verwendeten Ressourcen, insbesondere Chips und Magnetstreifen werden nicht benötigt. 2. Für Systeme auf dieser Grundlage wird keine festinstallierte Infrastruktur mit einer netzgebundenen Stromversorgung benötigt. Damit ist diese Technik vor allem in Entwicklungsländern besonders vorteilhaft. Mehr dazu: Karte bio, alles gut? – Leider nicht….

In eigener Sache

Bundesregierung veröffentlicht Beiträge zur Nachhaltigkeitsstrategie

Die Bundesregierung (bzw. das Bundespresseamt) hat die bisher eingegangenen Beiträge zur Diskussion um die Aktualisierung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zugänglich gemacht. Die bisher eingegangenen Beiträge sind in zwei Dokumenten als „Zuschriften zum Dialog“ nach „Privatpersonen“ bzw. „Unternehmen und Institutionen“ zusammengefasst. Alle relevanten Dokumente finden Sie auf der Seite NACHHALTIGE ENTWICKLUNG – Wir aktualisieren die Strategie: Machen Sie mit!. Mein Beitrag ist im Dokument Zuschriften zum Dialog – Privatpersonen. Der Beitrag hier auf dieser Seite lautet: Beitrag Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie.

comdirect finanzblog award

Investabel® stellt sich auch in diesem Jahr der Jury und der Publikumsabstimmung beim comdirect finanzblog award. Insgesamt 65 Finanzblogs stehen zur Wahl. Die Sieger werden beim „comdirect Finanzbarcamp 2018“ am 20.10.2018 in Hamburg bekannt gegeben.

comdirect hat angeregt, die Blogs im Forum der Bank, der „comdirect community“ vorzustellen. Dafür wurde am 14.8. der Beitrag comdirect finanzblog award – angenommen, ich gewinne… mit Überlegungen zur Anlage bzw. Verwendung des Siegerpreisgeldes von € 3.000 veröffentlicht. Verwendung deshalb, weil auch die Anschaffung von Bierdeckeln mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der UN enthalten ist – ein hervorragendes didaktisches Mittel für Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit.

2018-03-23 id-17ziele_projekte_bierdeckel_gross

Ansonsten enthält der Beitrag Überlegungen, wie sich aus dem heutigen Marktangebot auch mit einem vergleichsweise kleinen Anlagebetrag eine nachhaltige Geldanlage konzipieren lässt.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundvierzig bis Eins

 

 

 

Robo-Advice – Viel Bewegung im Markt

Englisch abstract:

Robo-Advice seems to become adult rather sooner than later. In September, the third biggest bank in terms of clients (8m, €150m AuA), ING-Diba teamed up with the European market leader Scalable Capital. Within the first 10 weeks 7.000 clients moved about € 150m into Robo-Advice. This thus started the utmost likely market consolidation the tiny, but already crowded German market. The number of offers increased by another 10 to 41 between August and December (For more please refer to: Robo-Advise in Germany)

Nach der Ankündigung der Zusammenarbeit von ING-DiBa mit Scalable Capital im September war es ist naheliegend, von einer baldigen Konsolidierung im Markt für den Onlinevertrieb von Vermögensverwaltung bzw. Anlageberatung (Robo-Advice) auszugehen: Viele Anbieter, kleine Volumina und die Mehrheit der großen Finanzgruppen noch gar nicht richtig am Start. Nach acht Wochen wurden erste Zahlen zur Kundenakzeptanz bei der ING-DiBa vorgelegt: Rund 7.000 Kunden haben € 150 Mio. zu Scalable verlagert. Interessant sind dabei auch einige Details sowie weitere Nachrichten aus dem Markt. Mit „Prospery“ (ABN Amro) startete im Dezember ein weiteres Angebot, das auf höhere Anlagebeträge zielt.

Quelle Beitragsbild (nach heutigem Stand unvollständig): http://www.brokervergleich.de/

17. November 2017, aktualisiert/ergänzt 29. November 2017, 5. und 14. Dezember 2017

Dr. Ralf Breuer

Anzahl der Anbieter nimmt weiter zu

Gemäß Techfluence ist die Zahl der Anbieter zwischen Anfang August und Mitte Dezember 2017 um weitere 10 gestiegen. Die Mittelbestände sind nach Schätzungen aus der gleichen Quelle um € 350 Mio. auf € 1,2 Mrd. gestiegen, was u.a. auf die nachstehend beschriebene Kooperation der ING-DiBa zurückzuführen ist. Für viele Anbieter ist das Onlineangebot eine Möglichkeit, bestehende Kapazitäten über einen neuen Vertriebskanal „zu hebeln“, so dass auf der Grundlage relativ geringer Kosten für den Markteintritt eine weiterer Zuwachs an Anbietern wahrscheinlich ist.

ING-DiBa und Scalable Capital mit Zahlen zur Kooperation

ING Groep und ING-Diba gaben am 14.9.2017 in einer Presseerklärung die Zusammenarbeit mit dem größten europäischen Anbieter für Robo-Advice Scaleable Capital im deutschen Markt bekannt. Das Angebot stand den ING-DiBa-Kunden ab dem 15. September 2017 zur Verfügung.

ING-DiBa stellt den rund 8 Mio. Kunden mit € 150 Mrd. administrierten Anlagen (Einlagen und Wertpapiere) über Scalable Capital ein reines Onlineangebot bereit. Mindestanlagebetrag ist € 10.000, die Kosten schätzt die Bank auf 0,75% des im Jahresdurchschnitt verwalteten Vermögens zzgl. durchschnittlich 0,25% für die investierten ETF. Der Zeitaufwand für die Kunden soll für den Abschluss bei etwa 15 Minuten liegen.

Kooperation mit kraftvollem Antritt

ING-DiBa und Scalable Capital gaben am 9.11.2017 erste Zahlen zum bisherigen Verlauf der Kooperation bekannt: 7.000 Kunden haben rund € 150 Mio. auf die Online-Vermögensverwaltung von Scalable Capital verlagert, pro Woche kommen weitere 1.000 Kunden hinzu (vgl. Pressemitteilung von ING-DiBa vom 9.11.2017).

Interessant sind die Details zu den Kunden von Scalable Capital in einer Presseerklärung vom 9.11.2017: Das durchschnittliche Volumen beträgt € 32.000, Sparpläne bei € 400 pro Monat. Das Durchschnittsalter ist auf 50 Jahre gegenüber 42 Jahre vor einem Jahr gestiegen, Männeranteil 80 %, 90% der Kunden sind Akademiker.

Nach der kurzen Zeit konnte Scalable damit seine Kundenzahl auf 15.000 (46,7% ING-DiBa) und das verwaltete Vermögen auf € 500 Mio. steigern

Am Beispiel comdirect wurde mit der Einführung von cominvest deutlich, wie „prominentere“ Anbieter Kundengelder in Richtung Onlineangebote bewegen können. Innerhalb von nur zwei Monaten wurden € 100 Mio. angelegt, im dritten Quartal 2017 kamen weitere € 50 Mio. hinzu (vgl. comdirect Neunmonatsergebnis 2017).

Die meisten großen Finanzgruppen sind noch gar nicht richtig am Start

Bei den anderen Bankengruppen wird VisualVest gerade als „MeinInvest“ (in abgespeckter Form) bei den ersten Genossenschaftsbanken ausgerollt. In der Finanzgruppe der Sparkassen befindet sich bevestor eher noch in der Marktvorbereitung. Das von der Deutsche Asset Management (DeAM) konzipierte Produkt wird derzeit nur über die Basler Versicherungsgruppe als Baloise MONVISO vermarktet.

Ohne große Kommunikation startete die Deutsche Bank Ende November 2017 den Online-Vermögensverwalter ROBIN mit einer Mindestanlage von € 5.000 und Gesamtgebühren von rund 1,25%. Das Produkt erscheint deutlich anders als MONVISO (ab €400, Gesamtkosten rund 1,3%), das von Deutsche Asset Management konzipiert wurde und über die Baloise Group als „White Label“ Produkt vertrieben wird. In ersten Selbstversuchen waren die Anlagevorschläge von ROBIN allerdings etwas irritierend: Eine sehr hohe Liquidität bei zehn Jahren Zeithorizont unterstellt einen baldigen Zusammenbruch von Aktien- und Anleihemärkten gleichzeitig. MONVISO liefert bei ansonsten identischen Angaben einen völlig anderen Anlagevorschlag, der allerdings mit einer Renditeerwartung versehen wird.

Deutscher Markt zersplittert, Angebot wächst trotzdem

Insgesamt ist der deutsche Markt sehr zersplittert wie im Beitrag Robo-Advisor – (K)eine Innovation aufgezeigt. Trotzdem kommen weitere Angebote an den Markt.

Mit einer Pressemitteilung von M.M. Warburg & Co am 13.10.2017 ging der Warburg NAVIGATOR an den Start. Er richtet sich an Kunden mit einer Mindestanlage € 20.000 und bietet eine Vermögensverwaltung zur Inklusivgebühr (All-in-Fee) von 1,2% p.a.: „Der Anlagebetrag wird in ein breit diversifiziertes, im Wesentlichen aus ETFs bestehendes Portfolio investiert, bei Bedarf werden nach intensiver Prüfung selektierte, aktiv gemanagte Fonds ergänzt. Die Einhaltung der Risikovorgaben der Kunden wird laufend überwacht. Wenn die Situation es erfordert, wird das Portfolio angepasst.“

Verschiedene Presseartikel vermelden heute den Start eines weiteren Angebots. Heinz-Roger Dohms berichtet am 17.11.2017 im Newsletter auf finanz-szene.de: „…Manche Meldungen klingen so schräg, dass man sie am besten betont sachlich behandelt. Also: Kai Diekmann, Ex-Chef der „Bild“, und Lenny Fischer, Ex-Chef von Dresdner Kleinwort Benson Wasserstein Perella Goldman Stanley, wollen zusammen einen digitalen Vermögensverwalter gründen, der als „Zukunftsfonds“ die Sparprobleme des deutschen Michel lösen und alsbald auf ein Volumen von 20 Mrd. Euro kommen soll (zum Vergleich: der momentan größte deutsche Mischfonds ist der von Union und bringt laut HB zurzeit knapp 15 Mrd. Euro auf die Waage). „Genial, größenwahnsinnig oder Midlife-Crisis?“, fragt bei Twitter der geschätzte Vizechef des „Manager Magazins“, das die Geschichte gestern in Umlauf brachte. Wir entscheiden uns für Antwort 3. Manager Magazin.

Weniger schräg, sondern eher naheliegend erscheint das (kolportierte) Konzept von Herrn Diekmann & Co, das Onlineangebot in journalistische Inhalte mit der Blickrichtung auf „Finanzielle Bildung“ einzubetten. Hier wurden gerade im Vorfeld des Weltspartag am 30.10.2017 wieder offenkundige Mängel bei den deutschen Kunden thematisiert, z.B. in der am 25.10. von der ING-DiBa veröffentlichten Studie.

 

2017-10-26 Diba Finanzbildung

Quelle: ING-DiBa

Der Anbieter ginmon expandiert dagegen nach Presseberichten nach China (z.B. www.fondsprofessionell.de): Danach wird eine Kooperation mit China Everbright mit einem administrierten Vermögen von USD 579 Mrd. angestrebt.

Prospery – ein weiteres Angebot online

Im Dezember 2017 startete mit Prospery ein weiteres Angebot. Prospery bietet Zugang zu Beratung und Vermögensverwaltung der ABN AMRO Investment Solutions und richtet sich „normalerweise“ an Kunden mit einer Anlagesumme ab € 100.000. Dieser Betrag wird allerdings nicht als ausdrückliche Mindestsumme festgesetzt, ergibt sich lediglich aus der Preisgestaltung mit monatlichen Pauschalpreisen von € 179 (nur Nutzung eines Coach) bzw. € 239 (inkl. Vermögensverwaltung). Neben einer Vermögensverwaltung mit „optimiertem Verhältnis Risiko/Rendite“ in 100 möglichen Portfolios nennt Prospery vor allem die Transparenz über alle Konten und Depots als herausragendes Merkmal. Investiert wird nach Aussagen der Internetseite überwiegend in Fonds. Thematische Varianten sind nicht offensichtlich.

Bei Prospery wird sehr deutlich, wie die Grenzen zwischen den bekannten stationären Angeboten und den Onlineangeboten verschwimmen. Dieses Angebot stellt mehr einen neuen Kanal in der Betreuung vermögenderer privater Kunden als wirklich neue Leistungen bereit (siehe unten).

Viel Verwirrung über Onlineangebote, wenig „grün“

Die Diskussionen beim Finanzbarcamp am 10.11.2017 (Kurzbericht: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Neunzehn) haben viel Verwirrung über den (Un-)Wert der online angeboten Vermögensverwaltung bzw. Anlageberatung offenbart. Hieran haben die Anbieter selbst einen gewissen Anteil. Ein „Selbstversuch“ offenbart schnell gewisse Mängel an Transparenz: Welchen Status hat der Anbieter – Vermittler oder lizensierter Verwalter ? Wie ist der Anlageprozess gestaltet – Mensch oder Maschine ? Wie werden die Renditeprognosen erstellt ? Die meisten Fragen können auch nicht ohne Rückfragen unmittelbar von der Kundenbetreuung beantwortet werden. Da fällt es sicher leichter, sich auf Angebote ohnehin großer und renommierter Dienstleister einzulassen.

Eigentlich erstaunlich, dass nur wenige Anbieter auf Nachhaltigkeit als Trendthema setzen. Zwar betonen einige Anbieter die steigende Bedeutung von Verantwortungsbewußtsein im Sinne von SRI (z.B. growney im Interview bei www.roboadvisor-portal.com, entsprechende Angebote sind aber noch eine Minderheit, z.B. bei investify (Ethisches Investieren) und VisualVest (GreenFolios).

Sicher ist allerdings: Echte Innovationen finden sich in den Angeboten weniger. Es handelt sich vielmehr um die Öffnung bestehender Dienstleistungen für breitere über einen neuen Vertriebskanal. Damit eher eine „Demokratisierung“ von Bankdienstleistungen, die bisher aus Kapazitäts- und Kostengründen nur für vermögendere Kunden reserviert waren. Insofern: Robo-Advisor – (K)eine Innovation.