Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundsiebzig

 

2019-06-18 Sustainable Finance EU TEG interim reports

Titelbild/Bild: Titelblätter der drei von der „Technical Expert Group on Sustainable Finance“ veröffentlichten Diskussionspapiere. Quelle: @EU_Finance via Twitter

Inhalt: EU-Aktionsplan Nachhaltige Finanzwirtschaft: 1. Stimmungsbild in Deutschland – Blinde Flecken der Wahrnehmung 2. Benchmarks – Referenzindices 3. Taxonomie-Klassifizierung nachhaltiger Anlagen und Finanzierungen 4. EU Green Bond Standard; BaFinJournal Juni 2019 mit Nachhaltigkeit; Staat New York mit ambitioniertem Klimaschutzgesetz; Finanzverbünde nun doch mit ApplePay In eigener Sache: #nachhaltige100; Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

2. Juli 2019

Dr. Ralf Breuer

EU-Aktionsplan Nachhaltige Finanzwirtschaft

Am 18.6.2019 veröffentlichte die EU-Kommission gleich vier bedeutende Dokumente zu ihrem Aktionsplan: Die Diskussionsgrundlagen der Experten der „EU Technical Expert Group on Sustainable Finance“ aus ihren Arbeitsgruppen zu Benchmarks, der Taxonomie und einem EU Green Bond Standard sowie eine (nicht-legislative) Direktive für die Berichterstattung über klimabezogene Risiken. Allein die drei Expertenberichte mit insgesamt 560 Seiten bilden schon ein „Pfund“. Zu den einzelnen Teilen unten.

Stimmungsbild in Deutschland: Blinde Flecken der Wahrnehmung

Interessant sind in diesem Zusammenhang Stimmungsbilder, die die Union Investment in ihrem Ergebnisbericht zur Nachhaltgkeitsstudie 2019 zusammengefasst hat. Zwar wird die Regulierung als entscheidender Impulsgeber für Nachhaltigkeit in der instititutionellen Mittelverwaltung angesehen. Allerdings ist der groß angelegte und seit mehr als einem Jahr diskutierte Aktionsplan der EU-Kommission nur einem Drittel der befragten Anleger bekannt.

Union Erwartungen

Quelle: Union Investment, Ergebnisbericht Nachhaltigkeitsstudie 2019, 25.6.2019, S. 10

Union Regulierung

Quelle: Union Investment, Ergebnisbericht Nachhaltigkeitsstudie 2019, 25.6.2019, S. 15

Entsprechend ist es auch wenig überraschend, dass wenige als die Hälfte der befragten Investoren einen gut oder sehr guten Kenntnisstand voraussetzen. Es ist dagegen eher davon auszugehen, dass die tatsächlichen Werte deutlich schlechter ausfallen würden, wenn dies an spezialisierten Beratern gemessen würde.

Union Kenntnisse

Quelle: Union Investment, Ergebnisbericht Nachhaltigkeitsstudie 2019, 25.6.2019, S. 14

2. Benchmarks – Referenzindices

Der Teilbericht geht auf die Konstruktion von Referenzindices für das Klimaabkommen von Paris, Energiewende und die Nachhaltigkeitsberichterstattung ein. Er will vor allem der aktuellen Willkür bei der Konstruktion von vorgeblich nachhaltigen Indices entgegenwirken.

Diese kann an Beispielen (bzw. den auf ihnen basierenden ETFs) leicht illustriert werden:

  1. Naturaktienindex“ (NAI Index) mit 30 Unternehmen: „Für den NAI werden Unternehmen ausgewählt, die global zur Entwicklung ökologisch und sozial nachhaltiger Wirtschaftsstile beitragen.“ – Unter den Unternehmen ist kein einziger Finanzwert.
  2. Der „Deka Oekom Nachhaltigkeit ETF“ mit ebenfalls 30 Unternehmen basiert auf dem Solactive Eurozone Sustainability Index. Was sich ebenfalls nachhaltig liest, enthält aber in diesem Fall 35% Finanzwerte – also ein ganz anderes Themenverständnis.

2019-07-02 Deka Oekom ETF

Solche für Anleger kaum nachvollziehbaren Unterschiede in den gleichermaßen unter Nachhaltigkeit vertriebenen Produkten will die Expertengruppe ausdrücklich entgegenwirken.

3. Taxonomie – Klassifizierung nachhaltiger Anlagen und Finanzierungen

Der sperrigste und mit 414 Seiten umfangreichste Teil der Berichte ist die sogenannte „Taxonomie“ zur Klassifizierung nachhaltiger Anlage- und Finanzierungsinstrumente. Erfreulicherweise haben die Experten neben einer kurzen Zusammenfassung auch eine Art Kurzbeschreibung/Gebrauchsanweisung im Umfang von 26 Seiten bereitgestellt.

2019-06-18 Guide Taxonomy

Quelle: EU-Kommission 18.6.2019

Der Leitfaden gibt einen raschen Überblick über die Inhalte und die Anwendungsbereiche dieser sogenannten „Taxonomie“.

2019-07-02 Taxonomie Inhalte

Aus dem Themenüberblick wird deutlich, dass sich die Experten ausschließlich auf den Umweltbereich bzw. den Klimaschutz konzentriert haben. Damit wird der Begriff Nachhaltigkeit allerdings eng, nach vielfacher Auffassung viel zu eng ausgelegt. Dies ist unverständlich, weil der Plan der EU-Kommission prinzipiell für alle nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) offen wirkte. Dies zeichnete ihn gegenüber anderen Initiativen wie beispielsweise der britischen „UK Green Finance“ gerade aus. Mehr dazu in einem früheren Diskussionsbeitrag (EN): What goes wrong with #SustainableFinanceEU?.

Interessanter Aspekt: Während die Taxonomie lediglich Sachversicherungen im Zusammenhang mit Klimafolgen als Teil der Nachhaltigkeit ansieht, ist die Initiative „InsuResilience“ mit Beteiligung der Versicherungsindustrie deutlich weiter und wohl auch sachlich angemessener angelegt. Sie erfasst u.a. auch risikorelevante Themen im Bereich der Risikopräventition. Hier fehlte offenbar eine adäquate Vernetzung zu den seit zwei Jahren laufenden Aktivitäten: InsuResilience Projektseite der GIZ.

4. EU Green Bond Standard

Die Experten haben einen eigenen europäischen Standard für sogenannte Green Bonds bzw. Klimaanleihen vorgelegt, die zur Finanzierung von CO2-Reduktionen dienen. Dabei wurden gegenüber bestehenden Standards und auch den Vorschlägen der vorausgegangenen Expertenkommission HLEG schärfere Standards vorgeschlagen.

2019-07-02 Green Bond

Quelle: EU-Kommission, Auszug aus dem Diskussionspapier vom 18.6.2019

So sehr klare und hohe Standards zu begrüßen sind, stellt sich auch für diesen Teil der Expertenarbeit die Frage, wieso es denn nur grün und nicht auch sozial oder nachhaltig sein durfte. Auch im Anleihebereich finden sich vielfältige Erscheinungsformen, auch andere nachhaltige Entwicklungsziele zu fördern.

2019-07-02 LGX

Quelle: LGX – Luxembourg Green Exchange

BaFinJournal Juni 2019 mit Nachhaltigkeit

Auf der Titelseite des aktuellen Monatsjournals stellt die BaFin die Frage „Wie sicher ist nachhaltig?“ Der Artikel basiert auf einer repräsentativen Onlineumfrage vom Dezember 2018, die die BaFin in Auftrag gegeben hatte. 60% der Befragten gaben an, den Begriff „nachhaltige Geldanlagen“ noch nie gehört zu haben.

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Quelle: www.bafin.de

Als Motive stehen Klima- und Umweltschutz stark im Vordergrund. Aber auch humanitäre Aspekte wie Menschenrechte und die Armuts- bzw. Hungerbekämpfung haben für die Konsumenten eine hohe Priorität.

BaFin Motive

BaFinJournal Juni 2019 S. 27

Die Umfrage erhob auch ein Stimmungsbild zu dem von den Befragten beigemessenen Risiko verschiedener Anlagevarianten. Auffällig ist dabei die vergleichsweise geringe Differenzierung zwischen den tatsächlich risikoreicheren Direktanlagen und „klassischen Anlagen“ wie Sparbüchern sowie Investmentfonds.

BaFin Risiko

BaFinJournal Juni 2019 S. 30

Dies dürfte u.a. den auch im Vertrieb der deutschen Finanzwirtschaft wenig entwickelten Kenntnisstand widerspiegeln. Immerhin hatten in der oben zitierten Umfrage der Union Investment 53% der Befragen einen schlechten oder sogar sehr schlechten Kenntnisstand angegeben. Da es sich überwiegend um Auskünfte aus dem (quasi-)institutionellen Bereich handeln dürfte, ergibt sich für das Privatkundengeschäft wohl ein noch deutlicheres Bild der weitverbreiteten Unkenntnis.

Staat New York mit ambitioniertem Klimaschutzgesetz

Am 19.6.2019 verabschiedete der Senat des Bundesstaats New York das wohl ambitionierteste Klimaschutzgesetz der Vereinigten Staaten: Climate Leadership and Community Protection Act (CCPA). Das Gesetz sieht für das Jahr 2050 eine CO2-Neutralität mit einer 85prozentigen Reduktion des Ausstosses von Treibhausgasen vor. Die Energieerzeugung soll bis 2030 zu 70% (aktuell: 23%) auf erneuerbaren Energien beruhen.

Manche Bundesstaaten haben bereits Ziele einer CO2-Reduktion von 80% beschlossen. Washington D.C. dagegen sogar eine CO2-freie Elektrizitätsversorgung bis 2045. Dabei soll ganz auf Kompensationen verzichtet werden, was bei „Neutralität“ bzw. den angegebenen Zielen ansonsten nicht zwangsläufig der Fall ist.

Der Plan beinhaltet u.a. Investitionen zugunsten einkommensschwächerer Gemeinschaften (communities). Bereits im April 2019 hatte die Stadt New York City ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz verabschiedet. dessen Einhaltung schätzungsweise USD 4 Mrd. für die energetische Sanierung von Gebäuden in der Stadt voraussetzt.

Sowohl im Staat als auch in der Stadt New York sind die Vorhaben äußerst ambitioniert und kostspielig, da neben dem energetischen Zustand der Gebäude auch rund 10 Mio. Fahrzeuge betroffen sein werden. Zudem sind im Gesetz weitere Maßnahmen zum Schutz vor den absehbaren Auswirkungen des Klimawandels vorgesehen. (Pressemitteilung des Senats Bundesstaat New York 19.6.2019 (EN).

Finanzverbünde nun doch mit ApplePay

Am 26.6.2019 kommunizierten die Finanzgruppen der Genossenschaftsbanken und der Sparkassen, dass sie zukünftig doch ApplePay unterstützen. Für 2019 ist dies zunächst für Kreditkarten von MasterCard und Visa geplant. Eine Einbindungsmöglichkeit der Girocard (frühere EC-Karte) wurde ohne konkreten Zeitrahmen avisiert.

Insbesondere die Sparkassen hatten ursprünglich großen Widerstand signalisiert und von Apple die Öffnung seiner Schnittstelle für Dritte verlangt. Von dieser Position ist die Finanzgruppe zwischenzeitlich abgerückt.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die von der Triodos Bank Deutschland geführte Liste #nachhaltige100 umfasst 100 Auftritte in sozialen Medien mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Investabel® rückte bei insgesamt wenig Bewegung in der Rangfolge im Juni um einen weiteren Rang von 57 auf 56, nach der großen Bewegung 72 auf 57 im Mai.

https://diefarbedesgeldes.de/nachhaltige100/.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundsiebzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundsechzig

Inhalt:  Globale Investoren fordern dringend Klimaschutz; Deutschland bei Nachhaltigkeit: Heiter bis wolkig; Zweite Woche 24. Weltklimagipfel in Katowice; Finanzthema Klimaschutz und Klimarisiken; Nachhaltigkeit als Maßstab bei der Kreditvergabe; Nachhaltige Finanzwoche in New York; Weltbankgruppe: USD 200 Mrd. für Klimaschutz; Weltweit 140 neue Nachhaltigkeitsfonds…; …starkes Wachstum bei ESG-Aktien-Indexfonds in Europa; Verbraucherzentrale prüfte Nachhaltigkeitskriterien; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

10. Dezember 2018

Dr. Ralf Breuer

Globale Investoren fordern dringend Klimaschutz

454 globale Investoren haben eine dringende Aufforderung an die Politik unterzeichnet, die Ziele des Klimaschutzabkommens zu erreichen. Eine weitere Erderwärmung jenseits der 1,5 Grad würde zu „substanziellen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen führen. Dies sei aufgrund der derzeit vorhandenen nationalen Beiträgen zu befürchten, da auf dem derzeitigen Niveau der Anstrengungen die Ziele deutlich verfehlt würden.

„This ambition gap is of great concern to investors and needs to be addressed, with urgency. It is vital for our long-term planning and asset allocation decisions that governments work closely with investors to incorporate Paris-aligned climate scenarios into their policy frameworks and energy transition pathways.“

Die Investoren betonen auch, dass die bei der Umsetzung der Klimaziele führenden Länder und Unternehmen wirtschaftlich erheblich profitieren werden und folglich auch attraktive Anlagemöglichkeiten für Investoren darstellen:

„The countries and companies that lead in implementing the Paris Agreement and enacting strong climate and low carbon energy policies will see significant economic benefits and attract increased investment that will create jobs in industries of the future.“

Quelle: 2018 Global Investor Statement to Governments on Climate Change

Mit Allianz Global Investors, Allianz SE, DWS und Union Investment haben auch einige prominente deutsche Investoren die Erklärung unterzeichnet. Auffallend ist aber vor allem das Fehlen der Deka Investment als Dienstleister der größten Finanzgruppe, der Sparkassen.

Nachhaltigkeit in Deutschland: Heiter bis wolkig

Das Statistische Bundesamt hat den aktuellen Indikatorenbericht zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie veröffentlicht. Diagnose: „Heiter bis wolkig„.

Bereits zum siebten Mal hat das Statistische Bundesamt den Indikatorenbericht erstellt. Er folgt im Aufbau den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs) und bewertet die jeweiligen Indikatoren mit Wettersymbolen, woraus eben die im Tweet zitierte Einschätzung „heiter bis wolkig“ entstammt. Der Bericht ist eine interessante Lektüre und erlaubt einen tiefen Einblick in den Zustand dieses Landes und seiner Gesellschaft: Destatis Nachhaltigkeite Entwicklung in Deutschland – Indikatorenbericht 2018.

Zweite Woche 24. Weltklimagipfel in Katowice

Der 24. Weltklimagipfel „COP24“ in Katowice geht in die zweite Woche. Das Programm und die Randveranstaltungen füllen viele Internetseiten. Hier die offizielle Seite der Vereinten Nationen, United Nations Climate Change. Das Beitragsbild bzw. die nachfolgende Grafik wollen einen Überblick über die Veranstaltung vermitteln.

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Beitragsbild/Grafik: www.klimafakten.de

Ein Video aus Katowice mit der fünfzehnjährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg und ihrem Appell für den Klimaschutz fand in sozialen Medien tausendfache Aufmerksamkeit. Sie trat in einen Schulstreik und protestierte auf der Straße, um Politiker auf die Notwendigkeit von Maßnahmen aufmerksam zum machen. Weitere Menschen gesellten sich zu ihrem Protest. Mittlerweile fand ihre Aktion in vielen Ländern Nachahmung.

In ihrem Interview beklagt sie die verbreitete Unkenntnis über den Klimawandel bei Journalisten, Politikern und der breiten Öffentlichkeit. Sie regt die stärkere Einbeziehung jüngerer Menschen an. – Sehr hörenswert: „Something big has to happen“!

Insbesondere bei Politikern sieht sie nicht nur Defizite beim Wissen, sondern auch bei der Motivation: Ihr Job sei nicht die Rettung der Welt, sondern der Wahlsieg.

Finanzthema Klimaschutz und Klimarisiken

Anläßlich des Weltklimagipfels haben sich fünf Banken zusammengeschlossen, um ihre Kreditportfolien mit den Klimazielen des Klimaabkommens von Paris in Einklang zu bringen. BBVA, BNP Paribas, ING Groep, Société Générale und Standard Chartered wollen gemeinsam Methoden entwickeln, die Vereinbarkeit ihrer Kreditportfolien mit dem Klimaabkkommen von Paris zu messen und entsprechend zu steuern.

Auch für die Zentralbanken und Bankaufsichtsbehörden sind Klimarisiken – insbesondere der Klimawandel und die Energiewende – ein wichtiges Thema. Im Oktover 2018 haben insgesamt 18 Zentralbanken gemeinsam erklärt, dass sie diese als Teil ihres Mandats sehen. Besonders weit fortgeschritten sind die Überlegungen in Großbritannien und den Niederlanden, u.a. weil beide Länder von einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels unmittelbar stark betroffen werden.

In der Financial Times wurde dem Thema am 4.12.2018 erneut ein ausführlicher, sehr lesenswerter Artikel gewidmet. Es geht nicht mehr um die Frage, ob Klimarisiken relevant sind, sondern wie sie praktisch in die Finanzmarktregulierung eingehen sollen.

Strittig bleibt allein die Frage, ob „grüne“ Investitionen kapitalseitig begünstigt werden sollen, wie es die EU-Komission bei der Vorstellung ihres Aktionsplans im März 2018 gefordert hat (Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung). Hierfür gibt es unmittelbar keine logische Begründung, da es sich um „klassische“ Investitionen handelt, während Klimarisiken Langfristcharakter haben, was in der aktuellen Systematik der Rechnungslegung und Unternehmensberichterstattung nur unzureichend abgebildet wird.

Nachhaltigkeit als Maßstab bei der Kreditvergabe

Die norwegischen Bank DNB setzt bei der Vergabe von Krediten nachhaltige Maßstäbe an. Unternehmen, die nicht nachhaltig sind und umweltbelastende Produkte herstellen, haben es schwerer, Geld von der Bank zu bekommen.

Bei der Einschätzung des Risikos neuer Kunden sind Umwelt- und Klimabewertungen ein Faktor. „Unternehmen, die in ihrer Geschäftsstrategie keine Nachhaltigkeit haben, werden auf lange Sicht nicht lebensfähig sein“, sagte eine DNB-Sprecherin. So sei einem Hersteller von Einmalplastik kürzlich ein Kredit verweigert worden. Auch immer weniger Unternehmen in der Fossilbranche würden Finanzierungshilfe bekommen. (dpa/Handelsblatt 7.12.2018

Nachhaltige Finanzwoche in New York

Zeitgleich zum Start des Klimagipfels in Polen fand in New York eine Nachhaltige Finanzwoche (Sustainable Finance Week, Programm) mir verschiedenen großen Einzelveranstaltungen statt. Der Dienstleister Bloomberg hat aus diesem Anlass sein Informationsangebot erweitert und betreibt nun ein auf Nachhaltigkeit bzw. Verantwortungsbewusstsein ausgerichtetes Informationsangebot, den Bloomberg Good Business Hub. Bloomberg bietet hier kostenfrei auch den Bezug von wöchentlichen aktuellen Informationen per E-Mail an, den englischen Good Business Newsletter.

Weltbankgruppe: USD 200 Mrd. für den Klimaschutz

Die Weltbankgruppe hat für die nächsten fünf Jahre ein Finanzierungsprogramm von USD 200 Mrd. für den Klimaschutz initiiert (Pressemitteilung 3.12.2018 (EN)). USD 100 Mrd. will die Gruppe dabei unmittelbar selbst bereitstellen. Neben Maßnahmen zur CO2-Reduktion sollen auch präventive Schritte zur Vorbereitung auf den Klimawandel finanziert werden. Bereits 2018 wird die Gruppe USD 20,5 Mrd. bereitstellen. Der Betrag war eigentlich erst in 2020 geplant.

Weltweit 140 neue Nachhaltigkeitsfonds…

Bloomberg berichtet, dass 2018 weltweit 140 neue Fonds mit Nachhaltigkeitskriterien neu aufgelegt wurden. Dabei handelt es sich im wesentlichen um „verantwortungsbewußte Produkte“, die an SRI- bzw. ESG-Kriterien ausgerichtet sind. In der nachfolgenden Grafik wird zusammengestellt, wie sich die zehn größten Fonds im Vergleich zum breiten Aktienindex S&P 500 entwickelt haben. Für die Vereinigten Staaten schätzt Bloomberg den Marktanteil dieser Produkte auf über 25%, was in etwa einem Wert von USD 12 Bio. entspricht.

Quelle mit ausführlichen Informationen und einer Übersichtstabelle: Bloomberg 30.11.2018

…starkes Wachstum bei ESG-Aktien-Indexfonds in Europa

Der Fondsdienstleister Morningstar meldet am 7.12.2018: „Nachhaltiges Investieren wird immer mehr zum Mainstream in Europa“ (Valerio Baselli: ESG-Aktien-Indexfonds 2018 stark gesucht, 7.12.2018). Ende September gab es laut Artikel 199 nachhaltig investierende Indexfonds, darunter 55 ETFs. Seit Jahresbeginn ist das Volumen der Fonds bei Zuflüssen von € 8,65 Mrd. von € 84,2 Mrd. auf € 97,6 Mrd. gestiegen. Die Fonds sind mehrheitlich (182) Aktienprodukte, während Rentenprodukte (16) und Mischfonds (1) nur einen kleinen Anteil haben.

Wachstum des in ESG-Indexfonds verwalteten Vermögens

Auch bei den 18 neuen Produkten im Laufe des Jahres 2018 dominierten mit 17 die Aktienfonds. 10 dieser Produkte sind ETFs.

Verbraucherzentrale prüfte Nachhaltigkeitskriterien

Die Verbraucherzentale Bremen hat bei 14 Banken in Deutschland die Nachhaltigkeitskriterien unter die Lupe genommen und in einer Übersicht aufbereitet. Sie alle haben für ihre Eigenanlagen und die Kreditvergabe ethische-ökologische Kriterien, darunter acht Kreditinstitute mit kirchlichen Wurzeln. Die  Verbraucherzentrale untersuchte erneut die Auswahl dieser Kriterien.

Das Ergebnis in Kürze:

  • Nachholbedarf beim Klimaschutz: Nur sieben von 14 Banken schließen Investitionen in fossile Energieträger konsequent aus
  • Für zwei Banken ist die Atomindustrie kein Ausschlusskriterium
  • Fünf Banken wenden alle untersuchten Ausschlusskriterien an

Die Übersicht macht für Verbraucher auf einen Blick deutlich, welche Banken die für sie wichtigen ethisch-ökologischen Kriterien erfüllen. Daneben bietet die Verbraucherzentrale Bremen mit Marktchecks zu den Konditionen von Girokonten und Sparanlagen bei diesen Banken weitere Orientierungshilfen.

Zur Übersicht: Anlagekriterien_bei Banken_Nachhaltigskeitsstandards

©Verbraucherzentrale Bremen e.V.

Die Verbraucherzentrale hat auf ihrer Internetseite auch Informationen über nachhaltige Geldanlagen für Privatanleger zusammengestellt. Links finden sich auf der Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

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Klimaschutz ein guter Ansatz, aber…

Beitragsbild: Mäandernder Jetstream, Quelle: NASA/InsideClimate News

Der heiße Sommer hat das Bewußtsein für den Klimawandel verstärkt. Biergarten, Boulevardpresse, Lokalzeitung, Internet, soziale Medien: Überall wird das Stichwort häufiger verwendet. Auf der Titelseite der Bonner Lokalzeitung „General-Anzeiger“ finden sich Visualisierungen der NASA. Ein mäandernder Jetstream sorgt für stabiles Wetter, lenkt kalte und warme Luftströmungen in ungewohnte Richtungen. Und ausgerechnet in diesen Zeiten stellt die Union Investment ihren Aktienfonds „UniSector: Klimawandel“ mangels Erfolg ein? Verkehrte Welt oder Tücke des Konzepts? Einige Überlegungen.

6. August 2018

Dr. Ralf Breuer

2018-08-06 jetstream

Quelle: NASA/InsideClimateNews. Der mäandernde Jetstream lenkt kalte und warme Luft in ungewohnte Richtungen und befeuert so den Klimawandel.

Medienpräsenz ohne Anlegerresonanz?

Union Investment wird ihren seit 2007 bestehenden Fonds „UniSector: Klimawandel“ zum 30.9.2018 auf den Fonds „UniAktien Nachhaltig Global“ verschmelzen. Als Grund wird das mit € 33 Mio. geringe Fondsvolumen angegeben. Allerdings konnte auch der aufnehmende Fonds in den knapp neun Jahren seines Bestehens nur € 157 Mio. gewinnen.

In ihrem Halbjahresbericht zum 30.6.2018 berichtet die Union Investment von einem deutlichen Anstieg nachhaltiger Mandate: € 42 Mrd. im Vergleich zu € 30 Mrd. im Vorjahr (Pressemitteilung vom 24.7.2018), bezieht dies allerdings ausdrücklich auf das gestiegene Interesse institutioneller Investoren. So wird sich das Volumen privater Anleger gegenüber dem Jahresende 2017 nicht proportional erhöht haben. Für den 31.12.2017 wurden die Bestände nachhaltiger Fonds für institutionelle und private Anleger auf € 30,7 Mrd. bzw. € 2,8 Mrd. beziffert. Immerhin wurde ein prozentualer Anteil von 12,6 % des gesamten Mittelvolumens von € 332 Mrd. erreicht.

Eine Durchsicht der angebotenen Fonds zum 1.8.2018 ergibt aktuell ein Volumen von € 914,1 Mio. im aktuellen Angebot der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Bei der Sparkassenorganisation ergibt sich (bei höherem Marktanteil) ein Wert von € 1,6 Mrd. beim zentralen Wertpapierdienstleister Deka Investments (Stand 1.8.2018, Quelle: Fondssuche Stichwort „nachhaltig“, ohne Deka Stiftungen Balance CF, € 1,6 Mrd.).

Interessante Vergleichswerte bieten die von Union Investment betreuten Nachhaltigkeitsfonds auf fremde Initiative, die nicht offiziell über alle Genossenschaftsbanken vertrieben werden: Die für einige Kirchenbanken aufgelegten „KCD-Union“ Nachhaltigkeitsfonds haben ein Volumen von € 735 Mio., der von GLS Bank und KD Bank initiierte „FairWorldFonds“ sogar € 956,4 Mio. und damit mehr als die gesamte Fondsfamilie der Finanzgruppe.

Für die Ursachen dieses überraschenden Zahlenbildes gibt es wohl klare Ursachen: Wenig Vertriebsaufwand und fehlende Beraterqualifikation. Dies erscheint eine geeignete Erklärung für die vergleichsweise hohen Volumina der Fonds, die für Banken mit einem vergleichsweise sehr kleinen Marktanteil aufgelegt wurden: Deutlich stärkere Vertriebsanstrengungen und Berater, die hinter den Konzepten stehen.

Der institutionelle Irrglaube

In der genannten Pressemitteilung der Union Investment werden vor allem institutionelle Investoren als Treiber für nachhaltige Mandate genannt. Dies ist insofern richtig, als das diese aktiver Nachhaltigkeit einfordern. Ansonsten befördert der Vergleich von Studien über private und institutionelle Investoren ein erstaunlich stimmiges Bild: Die Menschen in beiden Anlegergruppen fordern Beratung und Transparenz, insbesondere in Hinblick auf die Wirkungen der Geldanlage. Insofern ist die Finanzwelt auf dem richtigen Weg, Nachhaltigkeit vorausschauend an ihren Beiträgen zu den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) der Vereinten Nationen und nicht länge an historischen Daten wie Energieverbrauch, Gleichstellung und anderen (ESG-)Kriterien zu messen.

Ähnliche Bedürfnisse bei privaten…

Spiegel Online berichtet am 27.10.2017 über eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI)Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht: „Das Interesse von deutschen Anlegern an nachhaltigen Geldanlagen ist nicht gerade gering: Immerhin 40 Prozent aller Privatanleger in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren würden. … Doch für ein solches Investment haben sich bislang nur mickrige 4,8 Prozent der Privatanleger entschieden.“

Die Anleger bemängeln vor allem fehlende Transparenz (40%) und unklare Wirkungen für eine nachhaltigere Entwicklung (35%) sowie höhere Risiken (31%) und unzureichende Beratung durch die Hausbank (22%, Mehrfachnennungen möglich). Leider ist diese Einschätzung sehr gut nachvollziehbar und weist den Weg zu einem größeren Markterfolg nachhaltiger Geldanlagen. Den Bericht bei Spiegel Online finden Sie hier: Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht. Auch die zwölfseitige Studie des NKI ist online verfügbar: Nachhaltige Kapitalanlagen bei Privatanlegern.

…und institutionellen Anlegern

In der am 4.6.2018 veröffentlichten Präsentation zur Nachhaltigkeitsstudie 2018 bestätigt die Union Investment dieses Bild – allerdings für institutionelle Anleger: Nachhaltiges Vermögensmanagement institutioneller Anleger 2018 in Deutschland. Interessanter Weise ähneln sich die Aussagen sehr stark: Über die Hälfte der 202 Befragten schätzt den Beratungsbedarf als hoch oder sehr hoch ein (S. 8), 78 % würden mehr in Nachhaltigkeit investieren, wenn Messansätze vorhanden wären (S. 12). Offenbar sind die Bedürfnisse der Menschen (!) beruflich und privat deutlich ähnlicher als vielfach dargestellt.

Klima gerne, Fußabdruck bitte nicht

Einige Anbieter konzipieren ihre Fonds nach dem Klima-Fußabdruck der Unternehmen, deren Wertpapiere sie kaufen. Die Verbraucherzentrale Bremen hatte bereits 2014 verschiedene Fonds verglichen und hatte dabei für Nachhaltigkeitsfonds sehr heterogene Ergebnisse erzielt. M.a.W.: Die CO2-Bilanz und Nachhaltigkeit stehen in keiner engen Beziehung. So kann eine Minimierung von CO2-Werten in Aktienfonds zu sehr unerwünschten Ergebnissen führen, z.B. einem weit überdurchschnittlichen Anteil von Finanzwerten. CO2 und rückschauende Nachhaltigkeitsbewertungen (z.B. „ESG-Scores“) sind in Bezug auf die von den Anlegern gewünschte Wirkungsorientierung nicht zielführend. Mehr dazu im Beitrag Mehr Transparenz bei Investmentfonds.

Leider wird Klimaschutz bzw. CO2-Neutralität oder sogar CO2-Positivität in einen irreführenden Kontext gesetzt. So in Schlagzeilen der Stadt Liverpool und dem dort beheimateten Autoproduzenten BAC: Beide Institutionen kooperieren mit https://poseidon.eco/carbon.html. Poseidon misst vereinfacht den CO2-Ausstoß von Aktivitäten und sorgt für eine Kompensation z.B. Wiederaufforstungsprogramme durch den Dienstleister Ecosphere+. Während die Stadt Liverpool eine Überkompensation ihrer Aktivitäten verspricht, widerspricht sich der Text der entsprechenden Pressemitteilung von BAC vom 28.6.2018. Im Titel verspricht sie „BAC Partners With Poseidon to Become First Car Manufacturer to Go Climate Positive„, im Text ist es dagegen ein Angebot an die Kunden: „Whenever a BAC customer completes a transaction – from purchasing to servicing a Mono – they will be offered the opportunity to make an additional contribution through Poseidon’s platform which goes directly towards forest conservation.“

CO2-Vermeidung der Kompensation überlegen

Anlagen in die Vermeidung von CO2-Ausstößen sind einer (Über-)Kompensation überlegen, da diese erst im Zeitverlauf über die Lebenszeit der gepflanzten Bäume entsteht. Investionen in die Vermeidung können z.B. über Aktien von Unternehmen mit entsprechenden Technologien, Klimaanleihen (Green Bonds) oder auch Schwarmfinanzierungen möglich, die teilweise noch weitere Entwicklungsziele fördern. Einen Überblick bietet die Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Klimaschutz ein guter Ansatz, aber…

Die Untersuchungen über Anlegerbedürfnisse legen nahe, dass Anlageprodukte vor allem transparent und glaubwürdig sein sollte. Beide Kriterien sind in der heutigen Produktlandschaft allerdings eher Mangelware. Allerdings macht der Erfolg bestimmter Angebote trotz vergleichsweise schmaler Vertriebsbasis deutlich, dass sie die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Verbindung von Geldanlagen und positiven Nachhaltigkeitseffekten sind.

Um auf die einleitende Frage zurück zu kommen: Weniger verkehrte Welt als Tücke des Konzepts. Stichworte reichen weder den Kunden noch ihren Betreuern. Es bedarf schon viel Transparenz und Glaubwürdigkeit, um ein entsprechendes Produkt „in die Hand zu nehmen“. Werte haben ist notwendig, aber nicht hinreichend für überzeugende Produkte, insbesondere bei Investmentfonds.

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundvierzig

Beitragsbild: Handelsverband Deutschland – HDE e.V.

Inhalt:  Milliardenmarkt Nachhaltigkeit (Wh.); Deutsches Fondsangebot: Henne, Ei und Nachhaltigkeit; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

2. August 2018

Dr. Ralf Breuer

Milliardenmarkt Nachhaltigkeit (Wh.)

2018-07-26 Handel

Das war schon in der Nummer Vierundvierzig vom 26.7.2018 ist aber ein schönes Intro für die nachfolgenden Überlegungen: Mit eindrucksvollen Zahlen und Wachstumsraten unterstreicht der HDE als Spitzenverband des deutschen Einzelhandels die Marktdimension und das anhaltende Momentum. Umso verwunderlicher, dass nur wenige Banken dem starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichem Trend wirklich folgen. Die Teile der Kreditwirtschaft, die Nachhaltigkeit als geschäftspolitischen Treiber erkannt haben, erfreuen sich dagegen beachtlicher Wachstumsraten wie in einigen nachfolgenden Beispielen deutlich wird. Der HDE hat selbst eine umfangreiche Nachhaltigkeitsstrategie.

Deutsches Fondsangebot: Henne, Ei und Nachhaltigkeit

In Nummer Sechzehn am 27.10.2017 war folgender Abschnitt enthalten:

Nachhaltigen Geldanlagen fehlt Transparenz – Der erste Artikel in diesem Blog war dem Thema Geld anlegen und Gutes tun? – Leichter gesagt als getan gewidmet. Spiegel Online berichtet am 27.10.2017 über eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI)Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht: „Das Interesse von deutschen Anlegern an nachhaltigen Geldanlagen ist nicht gerade gering: Immerhin 40 Prozent aller Privatanleger in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren würden. … Doch für ein solches Investment haben sich bislang nur mickrige 4,8 Prozent der Privatanleger entschieden.“

Die Anleger bemängeln vor allem fehlende Transparenz (40%) und unklare Wirkungen für eine nachhaltigere Entwicklung (35%) sowie höhere Risiken (31%) und unzureichende Beratung durch die Hausbank (22%, Mehrfachnennungen möglich). Leider ist diese Einschätzung sehr gut nachvollziehbar und weist den Weg zu einem größeren Markterfolg nachhaltiger Geldanlagen. Den Bericht bei Spiegel Online finden Sie hier: Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen – tun es aber nicht. Auch die zwölfseitige Studie des NKI ist online verfügbar: Nachhaltige Kapitalanlagen bei Privatanlegern.

Union Investment bestätigt den Trend

In der am 4.6.2018 veröffentlichten Präsentation zur Nachhaltigkeitsstudie 2018 bestätigt die Union Investment dieses Bild – allerdings für institutionelle Anleger: Nachhaltiges Vermögensmanagement institutioneller Anleger 2018 in Deutschland. Interessanter Weise ähneln sich die Aussagen sehr stark: Über die Hälfte der 202 Befragten schätzt den Beratungsbedarf als hoch oder sehr hoch ein (S. 8), 78 % würden mehr in Nachhaltigkeit investieren, wenn Messansätze vorhanden wären (S. 12). Hier bietet die Hinwendung zu den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs, Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen gute Ansätze, die bereits von einigen Anbietern für die Bewertung von Anlagen aufgegriffen weden. Grundsätzlich stellt sich (erneut) die Frage, ob die Unterschiede zwischen privaten und institutionellen Anlegern nicht eigentlich viel geringer sind als zumeist dargestellt.

Am 24.7.2018 veröffentlichte die Union Investment ihren Bericht über das erste Halbjahr 2018. Darin wird zitiert:

Für immer mehr institutionelle Kunden wird Nachhaltigkeit ein unabdingbarer Bestandteil ihrer Investmentstrategie

Hans Joachim Reinke

Vorstandsvorsitzender von Union Investment

 

Tatsächlich ist der Bestand an nachhaltig verwalteten Mitteln in den vergangenen Monaten von rund € 30 Mrd. auf über €  42 Mrd. gestiegen. Zum Jahresende waren es noch € 33,5 Mrd., so dass nachhaltige Anlagen bedeutend zu dem Bruttoanstieg der verwalteten Mittel von € 324 auf € 332,7 Mrd. beigetragen haben dürften.

In der Präsentation für das Jahr 2017 war eine Aufteilung nachhaltiger Anlagen auf institutionelle (€ 30,7 Mrd.) und private Anleger (€ 2,8 Mrd.) enthalten. Das Gesamtvolumen der als nachhaltig etikettierten Fonds bei der Union Investment liegt bei etwa € 2,6 Mrd. Darin sind auch Fonds auf fremde Initiative, z.B. die KCD-Union Fonds von Kirchenbanken (€ 735 Mio.) enthalten (Quelle: https://www.union-investment.de/handle?action=viewFundslist 2.8.2018, eigene Berechungen).

Trendthema ohne Lobby? – Oder Vertrieb ohne Power?

Nachhaltigkeit ist ein unbestrittenes Trendthema. Klimawandel ist in aller Munde. Da stellt sich die Frage, wieso der schon 2007 aufgelegte „UniSektor Klimawandel“ aktuell nur € 33 Mio. verwaltet. Alle Nachhaltigkeitsfonds im Vertrieb der genossenschaftlichen Finanzgruppe weisen aktuell zusammen ein Volumen von € 947 Mio. aus – bei € 332,7 Mrd. Gesamtvolumen.

Im Vergleich dazu hat der von der GLS Bank und der KD Bank initiierte „FairWorldFonds“, der nur selektiv im Vertrieb von Banken war, ein Volumen von € 956,4 Mio. Die für Kirchenbanken aufgelegten „KCD-Union“ Fonds verwalten immerhin auch € 735,5 Mio. Eigene Stichproben haben bisher keine Spuren von Nachhaltigkeit im stationären Vertrieb der genossenschaftlichen Finanzgruppe erkennen lassen. Vielleicht wäre dies eine mögliche Erklärung.

Bei der Finanzgruppe der Sparkassen lassen sich vergleichbare Zahlen finden: Deka Investment verwaltet € 1,4 Mrd. in Nachhaltigkeitsfonds bei € 282,9 Mrd. Gesamtvolumen (Stand 31.12.2017, Halbjahresbericht am 22.8.2018).

Auf die Produkte kommt es an

Nach eigener Analyse stellen Investmentfonds die Königsdisziplin nachhaltiger Geldanlagen dar. Die meisten Analysen und Testversuche münden mit einer Fülle von Risiken und Nebenwirkungen, die schon die Kundenberater abschrecken müssen. Wie Produkte beschaffen sein sollten und worin die Probleme bestehen zeigt der Beitrag Mehr Transparenz bei Investmentfonds. Schon im Interesse der Berater sind Transparenz und Glaubwürdigkeit Grundvoraussetzungen für einen Markterfolg. Leider wird der manchmal mit Ansätzen gesucht, die zwar plausibel erscheinen, es bei näherer Betrachtung aber nicht unbedingt sind, z.B. CO2 bzw. der Klima-Fußabdruck. Dies bestätigt leider auch der jüngste Beitrag von Vanessa Bolmer im GLS-Blog: Klimatransparenz – Der Carbon Footprint

In eigener Sache

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