Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechsundsiebzig

2019-08-04 LuxForFinance1

 

Titelbild/Bild: Szene aus dem zweiminütigen Werbefilm von LuxembourgForFinance produziert von der niederländischen Agentur Mookx Der erste Werbefilm SustainableFinance? – A first spot advertising for SustainableFinance?

Inhalt:  Finanzplatz Luxemburg – eine andere Welt; Die tun was; #Sustainable Finance – Anhaltende Innovationswelle; Banken brauchen Sinn für zukünftige Relevanz; Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Webinar BarCamp In eigener Sache: #nachhaltige100; Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

5. August 2019

Dr. Ralf Breuer

Finanzplatz Luxemburg – eine andere Welt

Nur 184 Kilometer Luftlinie trennen die Finanzplätze Frankfurt und Luxemburg. Trotzdem entsteht der Eindruck verschiedener Welten. Der „Beirat Sustainable Finance“ erarbeitet für die Bundesregierung Ansätze einer Strategie. In Frankfurt wurde erst im April 2019 das „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“ gsfc-germany.com/ für „Die Etablierung weitsichtigerer und wirkungsvollerer Finanzmarktstrukturen durch die Implementierung zukunftsfördernder Finanzierungsstrategien“ formiert. Der H4SF – Hub for Sustainable Finance Germany als Diskussions- und Vernetzungsplattform besteht immerhin schon seit 2017.

In Deutschland wird Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft vielfach noch als Thema nur für institutionelle Investoren betrachtet. Privatanleger werden dagegen Spezialisten wie der GLS Bank und Triodos Bank Deutschland zugerechnet.

Ein scharfes Kontrastprogramm bietet dagegen der Blick nach Luxemburg. Die Börse ist als LGX – Luxembourg Green Exchange in der Spitzenliga neben London positioniert. Nachhaltige Anlageformen werden jetzt in einem Werbefilm SustainableFinance auch bei privaten Investoren beworben.

2019-07-02 LGX

Die tun was…

Goldman Sachs kündigte am 24.7.2019 die Bildung einer eigenen „Sustainable Finance Group“ an (Press release 24.7.2019). Ein Blick auf die Internetseiten der Bank zeigt, dass dies nicht die einzige Aktivität ist. Vielmehr engagiert sich die Bank u.a. finanziell bei der Finanzierung erneuerbarer Energien und Katastrophenanleihen GS Environmental Stewardship. Auch bei anderen US-Banken sind meist niedrige dreistellige Milliardenbeträge nachhaltigen Finanzierungszielen gewidmet.

Auch in Europa haben sich Großbanken stark für Nachhaltigkeit engagiert. Besonders beeindrucken erscheint dies bei der spanischen BBVA, die neben dem Klimaschutz auch andere Ziele verfolgt. Dies wird naturgemäß stark durch die Tätigkeit in Südamerika und den dort notwendigen Entwicklungen geprägt. „Pledge 2025“ ist eine umfänglich formulierte Ambition, die auch durch Veranstaltungen und (personell) gut ausgestattete Kanäle in sozialen Medien getragen wird.

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Sehr informativ für nachhaltige Themen im Finanzsektor ist auch die Internetseite der Bank. Z.B. mit Artikeln von Antoni Ballabriga, Global Head of Responsible Business Debunking myths of sustainable finance.

#Sustainable Finance – Anhaltende Innovationswelle

BBVA arrangierte Ende März 2019 in Großbritannien den wohl ersten revolvierenden Kredit mit nachhaltiger Zweckbindung BBVA leads its first sustainable revolving credit facility in the UK with SSE.

Eine neue Klasse von Klimaanleihen bilden sogenannte „Transition Bonds“, die die Finanzierung von Maßnahmen zur CO2-Reduktion bei fossilen Energieträgern fördern. Bloomberg: How ‘Transition Bonds’ Can Help Polluters Turn Green. Vertreter der reinen Lehre mögen dies ablehnen, Pragmatiker sehen dies eventuell als Schritt in die richtige Richtung und eine beschleunigte Mobilisierung privaten Kapitals zur Reduktion von CO2.

Mit einem „Rhino Impact Bond“ über USD 50 Mio. über fünf Jahre soll der Betrieb von Reservaten für schwarze Nashörner in Kenia und Südafrika mitfinanziert werden. Klingt fast wie „schöne neue Welt“ oder auch „Entdecke die Möglichkeiten“.

Banken brauchen Sinn für zukünftige Relevanz

Der bekannte britische Autor und Berater Chris Skinner hat einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht: Banks need a Purpose other than making Money Tenor: Um für die junge Generation Z relevant zu sein, müssen sich Banken nachhaltigen Zielen zuwenden. Bereits 55% der heute unter Fünfundzwanzigjährigen würden ihre finanziellen Entscheidungen daran ausrichten, ob sie damit positive Ziele unterstützen.

„I’ve been blogging about sustainable finance, sustainable abundance and the UN’s Sustainability Development Goals (SDGs) over the past week, specifically, and over the past twenty years, generally. I think this is now coming to a head.“

Chris Skinner ist vor allem im Bereich Digitalisierung bzw. FinTech bekannt. Er verbindet diese Themen allerdings immer wieder mit der Realität und hält deshalb den Bezug zu Nachhaltigkeit für zwingend.

Ganz in diesem Sinne argumentiert auch der bei HSBC global für Strategie und Nachhaltigkeit verantwortliche Daniel Klier in einem Interview mit der Wirtschaftswoche:

„Mit der Finanzierung einer nachhaltigen Wirtschaft können wir (Banken) wieder einen relevanten Beitrag leisten“

Für die praktische Umsetzung im Finanzsektor wäre ein Blick in die Nachhaltigkeitsstrategie der KfW hilfreich. Sie könnte fast als Vorlage für das von der BaFin für das Jahresende avisierte Merkblallt Nachhaltigkeit dienen:

Was in Deutschland vielfach als Mindermeinung oder Nischenthema aufgefasst wird, könnte durchaus der Schlüssel für die eigene Existenzsicherung in der Kreditwirtschaft sein, wie bereits einmal in einem Beitrag 2017 umrissen wurde: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0.

Seminar-/Veranstaltungstermine

Webinar: #FinanceForFuture – Klimarisiken & Nachhaltigkeit: Neue Kernthemen für Regulierung, externe Berichterstattung und Geschäftspolitik, 28.8.2019

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

BarCamp Sustainable Finance, 11.12.2019 in Bonn

Zusammen mit dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) veranstaltet die Academy of Finance in Bonn am 11. Dezember 2019 ein BarCamp Sustainable Finance. Das BarCamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops – ohne Referenten und feststehender Agenda.

Investabel® ist bei dieser Veranstaltung Medien- und Programmpartner.

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die von der Triodos Bank Deutschland geführte Liste #nachhaltige100 umfasst 100 Auftritte in sozialen Medien mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Investabel® rückte bei insgesamt wenig Bewegung in der Rangfolge im Juli um einen weiteren Rang von 56 auf 55, eine stetige Entwicklung nach der großen Bewegung 72 auf 57 im Mai.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

 

 

 

 

 

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsiebzig bis Eins

 

 

 

Klimarisiken + Nachhaltigkeit – Neue Fokusthemen in der Finanzwirtschaft

Jahresbericht

18. Juli 2019

Dr. Ralf Breuer

Im Juli 2017 zeichnete sich ab, was heute Fakt ist: Klimarisiken und Nachhaltigkeit sind zentrale Themen für die Finanzwirtschaft. Klimarisiken aus dem Klimawandel und den notwendigen Anpassungsmaßnahmen, z.B. der „Energiewende“ hin zu erneuerbaren Energien, haben sich bereits tief in die Anlage-, Kredit- und Sicherheitenbestände hineingearbeitet. Mit dem heißen Rekordsommer 2018 war die Wahrnehmung für den Klimawandel deutlich größer geworden. Die jugendlichen Demonstrationen haben zusätzlich die Aufmerksamkeit der Gesellschaft weiter verstärkt. Folgerichtig arbeiten die internationalen Finanzaufseher intensiv an diesen Themen. Die Finanzbranche ist also gut beraten, den Schwerpunktthemen einen weiteren Fokus hinzuzufügen.

EU-Aktionsplan SustainableFinance

Die EU-Kommission stellte im März 2018 ihren „Aktionsplan SustainableFinance“ (Commission action plan on financing sustainable growth). Auffallend gering war die Beteiligung von Politik und Interessensvertretern aus Deutschland, was zumindest teilweise durch die zeitgleiche, schleppende Regierungsbildung nach der Bundestagswahl 2017 erklärt werden kann.

Erste Eckpunkte des Aktionsplans waren allerdings bereits im Juli 2017 erkennbar und wurden in diesem Blog thematisiert: Nachhaltigkeit auf dem Weg in Rechnungslegung und Regulierung?. Die Arbeit der High-Level Expert Group on Sustainable Finance (HLEG) wurde seinerzeit in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen. Medienberichte hierzu waren ebenso eine Rarität wie die Zahl der deutschen Teilnehmer bei der Präsentation des Zwischenberichts vor 500 (Brüssel) bzw. 150 (London) Interessenten.

Die EU-Kommission setzte den Schlussbericht der HLEG vom 31. Januar 2018 (EN) bereits am 8. März 2018 in einen Aktionsplan um. Auch bei der Vorstellung des Plans durch das Präsidium der EU-Kommission, dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und Michael Bloomberg war das politische Deutschland nicht anwesend: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiunddreissig. Auch die deutsche Finanzwirtschaft war nicht prominent vertreten. Die „offizielle“ Beteiligung beschränkte sich weitestgehend auf Michael Schmidt, damals Geschäftsführer bei Deka Investment und Mitglied der HLEG.

„Offiziell“ fand der Aktionsplan in Deutschland erst ab ca. Mai 2018 Aufmerksamkeit, nachdem bereits das europäische Parlament dem Plan zugestimmt hatte. Aus dieser Zeit datieren auch die ersten öffentlichen Reaktionen der deutschen Branchenverbände (vgl. Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung).

BaFin – Nachhaltigkeitsrisiken wesentlich

Ebenfalls im Mai 2018 widmete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dem Thema die Titelgeschichte in ihrem monatlichen BaFinJournal Mai 2018. Dem Artikel auf S. 15 stellten die Autoren die Gründe voran, weshalb Nachhaltigkeitsrisiken und insbesondere direkte und indirekte Folgen des Klimawandels für die Finanzaufsicht wesentlich sind:

„Nachhaltigkeitsrisiken (…) stellen für die Finanzwirtschaft sowohl direkt als auch indirekt eine Herausforderung dar. Zum einen können sich Schäden durch extreme Umwelt- und Klimaveränderungen oder durch die Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen direkt auf Finanzmarktakteure auswirken, beispielsweise auf Versicherer. Zum anderen können daraus aber auch indirekte Risiken entstehen: Entwicklungen wie eine Stigmatisierung etablierter Technologien, kurzfristig veränderte politisch-ökonomische Rahmenbedingungen und ethisch-soziale Umwälzungen können zu bedeutsamen Wertverlusten der Aktiva und damit zu sogenannten Stranded Assets führen.“

Bedeutsame Wertverluste bei Vermögensgegenständen sind in Deutschland bereits in vielen Bereichen eingetreten, weitere sind vorhersehbar oder wahrscheinlich:

  • Die Diskussion um Dieselfahrverbote hat zu einem Rückgang der Werte gebrauchter Dieselfahrzeuge geführt. Hiervon sind auch die Restwerte in Leasingverträgen und Sicherheiten betroffen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bezifferte die Belastung der Wirtschaft im April 2018 bereits mit € 500 Mio., davon € 100 Mio. im Automobilhandel, in dem es bereits Insolvenzen gab.
  • Die Automobilindustrie wird stark strukturell von einem vermehrten Anteil elektrisch betriebener Fahrzeuge betroffen. Die Fraunhofer-Gesellschaft bezifferte den Arbeitsplatzabbau bei 25% Elektroanteil im Jahr 2030. Aufgrund der deutlich geringeren beweglichen Teile steht den erwarteten 25.000 neuen Arbeitsplätzen ein Abbau von 75.000 gegenüber. Hiervon sind vor allem kleinere Zulieferer mit kleinen Produktpaletten betroffen, die ihren Sitz häufig in strukturschwachen Regionen haben.
  • Neben den mittelbaren strukturellen Auswirkungen werden Regionen und Kommunen unmittelbar stark belastet, da in vielen Bereichen Anpassungen an wärmere Temperaturen und die Energiewende notwendig werden. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Bundesstaates New York: Mit dem Beschluss einer CO2-Neutralität im Jahre 2050 werden massive Investitionen in Infrastruktur, insbesondere auch in New York City notwendig. Etwa 10 Mio. Fahrzeuge sind in der Region zugelassen.
  • Nach dem Gutachten des Sachverständigenrats zur CO2-Besteuerung tagte am 18.7.2019 das „Klimakabinett“. Es ist absehbar, dass die Umsetzung von Vorschlägen im September zu weiteren erheblichen Belastungen für Unternehmen und Privatpersonen führen kann, auch wenn der Vorschlag Kompensationen zum Ausgleich vorsieht und die Besteuerung tatsächlich haushaltsneutral durchgeführt werden sollte. Details zur Sitzung am Ende des Beitrags.

Deutsche Finanzunternehmen nahezu ausnahmslos im aufsichtlichen Sinne von Nachhaltigkeitsrisken betroffen bzw. ausgesetzt.

BaFin – Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit

Mit einer Ausgabe ihrer BaFinPerspektiven Ausgabe 2 2019 haben die Finanzaufseher ihre Auffassung zu den Risiken und auch den Chancen für den Finanzsektor noch einmal deutlich artikuliert.

Jahresbericht

Die Inhalte decken sich mit dem Programm und den Inhalten einer Konferenz mit 350 Teilnehmern aus der deutschen Finanzwirtschaft am 9. Mai 2019 in Berlin. Allerdings haben die „Botschaften“ der Finanzaufseher weite Teile der Branche noch erreicht. Eigene Erfahrungen legen dies nahe.

Dabei äußerte sich das Direktorium der BaFin sehr pointiert und eindringlich, was auch in einer begleitenden Pressemitteilung vom 9.5.2019 zum Ausdruck gebracht wird:

‚„Wer langfristig im Finanzsektor erfolgreich sein will, wird am Thema Nachhaltigkeit nicht mehr vorbeikommen“, sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld zum Auftakt der ersten Konferenz „Nachhaltige Finanzwirtschaft“, die am 9. Mai im Umweltforum Berlin stattfand.‘

„Ziel der Veranstaltung war es, das Bewusstsein des Finanzsektors für materielle Risiken, aber auch für Chancen zu schärfen, die klimatische, ökologische und soziale Veränderungen für einzelne Finanzmarktakteure und den Finanzmarkt als Ganzes mit sich bringen können. Die knapp 350 Teilnehmenden erhielten einen Überblick über aktuelle europäische Regulierungsvorhaben und die aufsichtlichen Ansätze der BaFin und hatten zudem Gelegenheit, sich mit Vertreterinnen und Vertretern der Aufsicht auszutauschen.“

Die mit der Pressemitteilung veröffentlichten Redemanuskripte des Direktoriums der BaFin sind gespickt mit markigen Sätzen, die keine Zweifel an der Wesentlichkeit von Nachhaltigkeit für die Finanzaufsicht zulassen:

„Und nun lädt auch noch die deutsche Finanzaufsicht zu einer Konferenz über „Nachhaltige Finanzwirtschaft“ ein. Tun wir das, um im Trend zu liegen? Nein, wir tun es, weil es eine Notwendigkeit ist.“

Begrüßung durch Felix Hufeld, Präsident der BaFin, 9.5.2019

„„Banken, die das Thema #Nachhaltigkeit vernachlässigen, setzen sich nicht nur erhöhten Risiken auf der Aktivseite oder erhöhten operationellen Risiken aus. Sie werden langfristig auch keine Investoren mehr finden“, sagte Röseler“

„Banken sind von Klimarisiken in vielerlei Hinsicht betroffen. Die direkten Risiken, also zum Beispiel Schäden durch Stürme, Überflutungen oder die schleichende Verschlechterung von Produktions- und Arbeitsbedingungen, können Banken unmittelbar treffen. Zum Beispiel dann, wenn das eigene Rechenzentrum durch einen Wirbelsturm beschädigt wird oder Filialen unter Wasser stehen. Noch gravierender für den Bankensektor sind aber die indirekten Risiken. Mit solchen Risiken haben wir es etwa dann zu tun, wenn Gebäude oder Produktionsanlagen, die von einer Bank finanziert wurden, durch ein Unwetter ramponiert oder völlig zerstört werden. Unter solchen Vorfällen leidet nicht nur die Kapitaldienstfähigkeit von Kunden, sondern auch der Wert der Kreditsicherheiten.“

Nachhaltigkeit als aufsichtliche Anforderung – Statement des Exekutivdirektors Bankenaufsicht, Raimund Röseler, 9.5.2019

Die Anforderungen an den Inhalt und die Qualität der Kundenberatung in der Finanzwirtschaft hat die BaFin bereits heute hoch angesetzt, werden allerdings nur von einem kleinen Teil der Kreditwirtschaft erfüllt:

„Demgegenüber gilt kundenseitig schon heute, dass Unternehmen in der Anlageberatung die Kriterien berücksichtigen müssen, die der Kunde nennt. Legt er zum Beispiel Wert auf eine grüne Geldanlage, muss dieser Wunsch schon heute bei der Anlageempfehlung berücksichtigt werden. Für die Kunden ist Transparenz wichtig, damit sie vergleichen können. Sie müssen wirklich nachhaltige Anlagen von solchen unterscheiden können, die nur einen grünen Anstrich tragen.“

Nachhaltigkeit als aufsichtliche Anforderung – Statement der Vizepräsidentin und Exekutivdirektorin Wertpapieraufsicht/Asset Management, Elisabeth Roegele, 9.5.2019

Nachhaltigkeit als Chance

Die BaFin sieht sich wesentlich bei Nachhaltigkeitsrisiken in der Pflicht und präzisiert deren Ursachen. Bei den Chancen verweist das Journal an einigen Stellen auf die Agenda 2030 der Vereinten Nationen bzw. deren 17 nachhaltige Entwicklungsziele, kurz SDGs für Sustainable Development Goals.

 

Nachhaltigkeit beinhaltet deutlich mehr Lebensbereiche als Klima- und Umweltschutz, z.B. auch Bildung und (bezahlbares) Wohnen, die gleichermaßen eine hohe Priorität für die Menschen haben:

2018-10-14 Bayernwahl

Quelle: WDR/infratest dimap, Kommentar zur bayerischen Landtagswahl 2018

Klima = Risiko, Nachhaltigkeit = Chance

Diese Auffassung deckt sich mit den Aussagen einer Vielzahl globaler Marktführer (vgl. z.B. HSBC Sustainable Finance Briefings 2017. Als Rahmen für die Chancen dient dabei die „Agenda 2030“ der Vereinten Nationen mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen, den sogenannten „SDGs“ (Sustainable Development Goals). Sie können als die 17 wichtigsten Problemfelder der Menschheit aufgefasst werden. Schritte zu ihrer Förderung sind damit Beiträge zur Sicherung der menschlichen Existenzfähigkeit auf dem Planeten Erde.

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Gastautorin Silke Stremlau, Vorstandsmitglied Hannoversche Kassen, beschreibt auf S. 53 dieses Verständnis, das dem verbreiteten Konsensus der globalen Finanzbranche entspricht:

„Die SDGs können hier eine gute Leitplanke sein. Sie formulieren erstmals eine genaue Definition bzw. Wertvorstellungen, welche gesellschaftlichen Ziele durch nachhaltiges Investment erreicht werden sollten. Sie artikulieren somit die dringlichsten Herausforderungen unserer Zeit und beschreiben damit auch für Finanzinvestorinnen und Finanzinvestoren relevante und materiell bedeutende Themen. Sie werden dadurch zum entscheidenden Orientierungsmaßstab für die treuhänderische Verantwortung von institutionellen Investoren weltweit.“

Leider trifft ein steigendes Interesse an Nachhaltigkeit bei der Geldanlage noch auf eine nur geringe Befähigung in der deutschen Finanzwirtschaft. Dabei ist das Thema in nahezu „allen Winkeln“ der Gesellschaft im täglichen Leben anzutreffen, wie eine kleine zufällige Fotosammlung verdeutlicht: Alltagsfotos Nachhaltigkeit.

Zu einer geringen Transparenz und lückenhaftem Beraterwissen kommen Reputationsprobleme nachhaltiger Anlageangebote, wie die im BaFinJournal Juni 2019 wiedergegebene Umfrage bestätigt.

Wie sich die Ziele konkret für Anlage- bzw. Investitionsentscheidungen nutzen lassen, ist in diesem Blog auf der Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld) an Beispielen dargestellt.

Nachhaltige Finanzwirtschaft – die nächsten Stufen

EU-Aktionsplan

Am 18. Juni 2019 veröffentlichte die EU-Kommission vier relevante Dokumente zu ihrem Aktionsplan und der weiteren Berücksichtigung von Nachhaltigkeit.

2019-06-18 Sustainable Finance EU TEG interim reports

Die sehr umfangreichen Berichte mit rund 560 Seiten richten sich ganz überwiegend an Finanzinstitute, die auf den Aktionsplan und insbesondere den Klimaschutz verpflichtet werden sollen. Die enge Ausrichtung an ökologischen Themen überrascht, da der Aktionsplan ursprünglich als offen für alle Aspekte der Nachhaltigkeit vorgestellt wurde. Leider zeichnete sich die enge Fokussierung auf Umwelt- und Klimathemen schon frühzeitig ab: What goes wrong with #SustainableFinanceEU?.

Eine echte Hilfestellung für private Anleger können die Vorschläge für Indices als nachhaltige Benchmarks bieten. Hier herrscht derzeit eine große und verwirrende Vielfalt, was Nachhaltigkeit bei Finanzanlagen beinhaltet. Der vorgeschlagene Standard für „Green Bonds“ ist grundsätzlich ebenfalls hilfreich, trifft allerdings aktuell auf ein nur sehr kleines Angebot für private Anleger.

Ganz anders als vielfach erwartet ist die „Taxonomie“ als Klassifizierungsansatz nachhaltiger Anlage- bzw. Finanzierungsformen angelegt: Sie ist keine geeignete Grundlage für die Erfüllung konkreter Beratungspflichten, wie sie in den entsprechenden Vertriebsdirektiven für Banken (MiFid) bzw. Versicherern (IDD) festgelegt werden sollen. Vielmehr kann die Taxonomie als ein Handbuch für die Eignung von Produktanbietern und deren Kooperationspartner angesehen werden.

Sustainable Finance in Deutschland

Mit einer Presseerklärung vom 26. Februar 2019 formulierte die deutsche Bundesregierung den Anspruch „Deutschland zu einem Sustainable Finance-Standort“ zu machen. Hierzu soll eine „Sustainable Finance-Strategie“ entwickelt werden. Der beabsichtigte „Aufbau eines Sustainable-Finance-Beirats“ mündete bisher in dessen Konstituierung am 6. Juni 2019. Für den dritten deutschen Sustainable Finance Gipfel am 16.10.2019 wurde bereits die Präsentation erster Eckpunkte avisiert.

Hierzu hat der Beirat sich in vier Arbeitsgruppen organisiert:

  • Sustainable Finance-Strategie und Kommunikation
  • Finanzmarktstabilität und Risikomanagement
  • Offenlegung und Transparenz
  • Endkunden (Retail und Institutionell)

Gerade in Bezug auf die Endkunden darf die Vorstellung erster Ansätze im Oktober mit Spannung erwartet werden, da der EU-Aktionsplan in diesem Bereich derzeit keine guten Richtwerte bietet.

Finanzsektor und Klimaschutz

Zwar blieb die Sitzung des sogenannten „Klimakabinett“ am 18.7.2019 ohne konkrete Ergebnisse, aber die werden weiterhin schon für September 2019 avisiert. Mittlerweile zeichnet sich in Deutschland ein politischer Konsensus für Maßnahmen wie einer CO2-Besteuerung ab. Auch konservative Politiker fordern substanzielle Maßnahmen in Form von hohen Investitionen:

Der Vorsitzende der CDU/CSU Ralph Brinkhaus äußerte in einem Zeitungsinterview gestern (General-Anzeiger Bonn, 19.7.2019) seine Vorstellungen von einem zusätzlichen „Zukunftshaushalt“ für den Klimaschutz:

Die Grünen sprechen von einem 100-Milliarden-Fonds, meinen Sie diese Größenordnung?

Brinkhaus: Das wird nicht reichen. Wir müssen richtig viel Geld in die Hand nehmen. Das ist eine Anstrengung, die mehrere Hundert Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren kosten wird. Sonst ist das nicht zu machen.

Die Bewältigung des Klimawandels, der EU-Aktionsplan und die für die Finanzaufsicht relevanten Klimarisiken machen den Klimaschutz zu einem zentralen Thema für die Finanzbranche. In einigen Nachbarländern ist das längst erkannt. Während große Teile der deutschen Finanzinstitute kaum bei Nachhaltigkeit engagiert scheint, hat beispielsweise die niederländische Branche als erster Sektor seine formelle Unterstützung für den nationalen Klimapakt, den Klimaatakkoord erklärt (vgl. Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundsiebzig).

Fazit

Es wird sehr deutlich, was das Direktorium der BaFin mit seinen Aussagen bewirken wollte. Die Zitate fassen in Mahnungen, was bereits der Blogbeitrag vom 5.10.2019 nahelegen wollte: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft.

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfundsiebzig

 

2019-07-12 dpa Maisfeld

Titelbild/Bild: Maisfeld bei D-59379 Selm, Nordrhein-Westfalen. Quelle: dpa via Twitter 12.7.2019 12:07h

Inhalt: Grüner Finanzmarkt – Lagebericht D 2019; Nachhaltige U.S. Fonds mit Rekordzufluß; CO2-Besteuerung: Historische Chance; Vermögensverwalter machen Druck: Koalition für Klimafreundlichkeit – TPI: Investoren kritisieren Unternehmensberichte – Klimaatakkoord – Klimapakt in den Niederlanden; Nachhaltigkeit + Finanzmarkt: Neue U.S. Gesetze; Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Webinar BarCamp In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

16. Juli 2019

Dr. Ralf Breuer

Grüner Finanzmarkt – Lagebericht D 2019

Die Climate Bonds Initiative (CBI) veröffentlichte am 12.7.2019 ihren Lagebericht zum „Grünen deutschen Finanzmarkt“. Der Bericht ist in deutscher und englischer Sprache erschienen: Germany Green Finance Report: Top 5 Global Ranking, EUR6.6bn issued in 2018, Strong start in 2019.

Für 2019 deutet sich ein neues Rekordvolumen für Neuemissionen an: Dank einer großen Platzierung der KfW (€ 3 Mrd.) wurde im ersten Halbjahr mit lediglich fünf Anleihen € 4,4 Mrd. und damit zwei Drittel des Gesamtvolumens 2018 von € 6,6 Mrd. erreicht. Am 10.7.2019 kamen weitere € 500 Mio. der Berlin Hyp hinzu.

2019-07-11 CBI Green Bonds

Quelle: CBI – Climate Bonds Initiative

Damit dürfte nach dem Rückgang 2018 (€ 8,7 Mrd. auf € 6,6 Mrd.) das Volumen im Gesamtjahr wieder steigen. Für 2020 berichtet CBI von Plänen der Bundesrepublik Deutschland staatliche Green Bonds zu platzieren. Am Beispiel der Niederlande wurde kürzlich deutlich, dass eine große Investorennachfrage nach bonitätsstarken Anleihen dieser Art besteht (vgl. Nummer Zweiundsiebzig).

Nachhaltige U.S. Fonds mit Rekordzufluß

Morningstar (Sustainable Funds in the U.S. Saw Record Flows in the First Half (11.7.2019) berichtet von Rekordzuflüssen bei 271 „nachhaltigen“ Fonds und ETFs in den USA: Mit USD 8,9 Mrd. in den ersten sechs Monaten wurde der Rekordjahr von USD 5,5 Mrd. für das Gesamtjahr 2018 bereits überschritten. Bei 15 aktiven und passiven Fonds wurde die Marke von USD 100 Mio. überschritten. Allein iShares erhielt im zweiten Quartal 2019 mehr als USD 2 Mrd. neue Mittel zur Verwaltung.

2019-07-11 Morningstar SusFunds

Bei den Fonds handelt es sich überwiegend um „ESG-Fonds“, die Kriterien aus Ökologie, Sozialem und Unternehmensführung berücksichtigen. Damit wird eine eher weichere Auffassung von Nachhaltigkeit verfolgt.

CO2-Steuer: Historische Chance

Am 12.7.2019 übergaben die sog. „Wirtschaftsweisen“ (Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung) ihr Sondergutachten zu einer CO2-Besteuerung in Deutschland. Das Gutachten empfiehlt unter dem Titel „Aufbruch zu einer neuen Klimapolitik“ die zeitnahe Einführung einer Steuer auf CO2-Emissionen. Sie soll ausschließlich dem Klimaschutz und der Kompensation von Bürgern dienen und nicht zur Finanzierung anderer Quellen herangezogen werden.

„Die aktuelle Debatte bietet die
historische Chance, die kleinteilige, teure und ineffiziente deutsche Klimapolitik so umzustellen, dass die Bepreisung von CO2 im Zentrum steht“

sagte Christoph M. Schmidt, der Vorsitzende des Sachverständigenrates.

Vermögensverwalter machen Druck

Koalition für Klimafreundlichkeit

Blackrock, Goldman Sachs, BNP Paribas, HSBC, Natixis, Amundi, State Street und Northern Trust bilden mit sechs nationalen Fonds eine Koalition zur Erfassung von Klimarisiken in Vermögenswerten. Sie sagten dem französischen Staatspräsidenten Macron zu, mit ihren kumulierten USD 15 Bio. verwalteten Vermögen die Unternehmen zu einem klimafreunlicheren Verhalten bewegen zu wollen.

https://www.climatechangenews.com/2019/07/12/asset-managers-worth-15-trillion-make-climate-risk-promise-macron/

TPI: Investoren kritisieren Unternehmensberichte

Ähnliche Absichten haben auch die 45 globalen Investoren, die z.Zt. die Initative TPI – Transition Pathway Initiative tragen. Sie verwalten zusammen rund USD 14 Bio.

2019-07-12 TPI

In ihrem TPI – State of Transition Report 2019 zeigen sie auf, dass nur 30% der untersuchten Unternehmen 2030 im Sinne des Klimaschutzabkommens von Paris handeln werden. Die Studie umfasst 274 börsennotierte Unternehmen in 14 Sektoren, die zu den größten CO2-Emittenten gehören. Sie stehen für rund 41 % der Emissionen aller notierter Unternehmen weltweit. Die Studie untersucht 1. die Management-Qualtität im Übergang zu CO2-ärmeren Produktionsverfahren und 2. die Emissionsentwicklung in Hinblick auf das Klimaschutzabkommen von 2015.

Der Bericht stellt gravierende Rückstände sowohl bei den Strategien zur CO2-Reduzierung als auch im Abstand zu den internationalen Klimaschutzzielen 2030 zur Begrenzung der Erderwärmung auf unter 2° fest. Die Kernaussage der Studie ist, dass die Unternehmen, die die Voraussetzungen bereits erfüllen, die Möglichkeiten bzw. Chancen aufzeigen:

“The 20 companies that are aligned with below 2°C, or that will be on the basis of the emissions reduction targets they have set, show what is possible” (S. 5)

Klimaatakkoord – Klimapakt in den Niederlanden

In den Niederlanden hat der Finanzsektor als erste Branche einen nationalen Klimapakt (Klimaatakkoord) unterzeichnet. 50 Banken, Versicherer, Vermögensverwalter und Pensionsfonds sagten am 10.7.2019 dem niederländischen Finanzminister ihre Unterstützung zu. Der Klimaatakkoord ist die niederländische Ableitung des Klimaschutzabkommens von Paris zur Begrenzung der Erderwärmung auf unter 2°.

Die unterzeichnenden Unternehmen verpflichteten sich, ab 2020 über die Klimawirkungen ihrer Anlagen zu berichten und bis 2022 Aktionspläne zur Verminderung des CO2-Ausstoßes vorzulegen. Die meisten Publikationen hierzu sind in niederländischer Sprache. Englische Kommunikation gibt es z.B. von ING Group und Triodos Bank N.V.. Der Klimaatakkoord wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Finanzsektor ausgearbeitet und liegt erst seit Ende Juni 2019 vor (vgl. Pressemitteilung der Triodos Bank N.V. vom 27.6.2019. Die niederländische Nationalbank ist bei dem Thema Klimarisiken eine treibende Kraft unter den internationalen Finanzaufsehern. Sie führt auch die „Dutch Sustainable Finance Platform“ (vgl. Nummer Dreiundzwanzig

 

2019-07-10 Klimaatakkoord

Foto: Twitter

Nachhaltigkeit + Finanzmarkt: Neue U.S. Gesetze

Am 10.7.2019 fand vor dem „U.S. House Committee on Financial Services“, dem Kongressausschuss für Finanzdiensdienstleistungen, eine Anhörung zum Thema „Aufbau einer nachhaltigen Wettbewerbswirtschaft: Eine Prüfung von Vorschlägen zur Verbesserung der Berichterstattung über ökologische, soziale und Komponenten der Unternehmensführung“ (Building a Sustainable and Competitive Economy: An Examination of Proposals to Improve Environmental, Social and Governance Disclosures) statt.

Konkret geht es um ein ganzes Paket von Gesetzesvorhaben, die im Entwurf vorliegen und öffentlich sind:

  • ESG Disclosure Simplification – Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichterstattung
  • Shareholder Protection – Aktionärsschutz
  • Corporate Human Rights Risk Assessment – Menschenrechte in Unternehmen
  • Climate Risk Disclosure – Berichterstattung über Klimarisiken

Die Gesetzesentwürfe sind über die Seite des Ausschusses zugänglich: U.S. House Committee on Financial Sevices

Seminar-/Veranstaltungstermine

Webinar: #FinanceForFuture – Klimarisiken & Nachhaltigkeit: Neue Kernthemen für Regulierung, externe Berichterstattung und Geschäftspolitik, 28.8.2019

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

BarCamp Sustainable Finance, 11.12.2019 in Bonn

Zusammen mit dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) veranstaltet die Academy of Finance in Bonn am 11. Dezember 2019 ein BarCamp Sustainable Finance. Das BarCamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops – ohne Referenten und feststehender Agenda.

Investabel® ist bei dieser Veranstaltung Medien- und Programmpartner.

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In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

 

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Fünfundsiebzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Dreiundsiebzig

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Titelbild/Bild: Pressemappe 19. Jahreskonferenz Rat für Nachhaltige EntwicklungRNE 4.6.2019

Inhalt: Jahrestagung RNE 2019 – Folgen starken Worten Taten?; Unionskreise fordern CO2-Besteuerung; Beirat „Sustainable Finance“ der Bundesregierung; Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2019; Vom (Un-)Sinn quantitativer Nachhaltigkeitsratings; Consorsbank mit Aktion zur Nachhaltigkeitswoche; In eigener Sache: #nachhaltige100; Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

12. Juni 2019

Dr. Ralf Breuer

Jahrestagung RNE 2019: Folgen starken Worten Taten?

HANDELN!

Am 4.6.2019 fand in Berlin die Jahrestagung des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE) mit rund 1.000 Teilnehmern statt. Die Tagung stand unter dem Motto „Zukunft zur Heimat machen“. Neben Nachhaltigkeit und insbesondere dem Klimaschutz wurde auch der Verbindung mit Digitalisierung Raum eingeräumt. Alle Informationen sowie Reden und Videomitschnitte hat der RNE auf seiner Internetseite bereitgestellt: Rat für Nachhaltige Entwicklung – 19. Jahreskonferenz 4.6.2019.

Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie der Bundesminister Dr. Gerd Müller (Wirtschaftliche Zusammenarbeit), Olaf Scholz (Finanzen) und Svenja Schulze (Umwelt) betonten 25% der Regierungsmitglieder die Notwendigkeit, dem Klimawandel konsequent zu begegnen. Allerdings erwähnte die Bundesregierung auch den wohl entscheidenden Grund für ein gewisses Zögern: Der Ausgang der Europawahlen in den den ostdeutschen Bundesländern sowie die Landtagswahlen im weiteren Jahresverlauf.

Der Generalsekretär des Rates, Prof. Günther Bachmann moderierte launig durch das dichte Programm. Seine Bitte, den Grad der Zustimmung nicht durch die Länge, sondern die Intensität des Applauses auszudrücken fand Resonanz. Auch ohne Messung des Pegels dürfte gewiss sein, dass der höchste Wert bei Jakob Blasel, einem der Organisatoren der FridaysForFuture erreicht wurde. Er sprach unmittelbar vor den Begrüßungsworten der Bundeskanzlerin einen eindringlichen Appell der jüngeren Generation für konsequente Maßnahmen zum Klimaschutz aus.

2020 das Jahr der 17Ziele/SDGs

Die Bundesminister Müller und Schulze präsentierten trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit Einigkeit in der Sache. Allerdings fragt sich, warum erst 2020 das Jahr der „17Ziele“ bzw. SDGs werden soll. Auch 2019 wären sie für eine Orientierung in Richtung mehr Nachhaltigkeit eine nützliche Orientierung.

Unionskreise fordern CO2-Besteuerung

Eine Gruppe liberaler Unionspolitiker hat das wohl erste Konzept einer CO2-Besteuerung aus Unionskreisen vorgelegt: „Ohne Pillepalle: Klimaschutz – einfach machen“, so hat die „Union der Mitte“ ihr Konzept zum Klimaschutz überschrieben. Die Gruppe fordert eine allgemeine CO₂-Abgabe, die bei 60 Euro pro Tonne beginnen und bis 2030 kontinuierlich auf 120 Euro angehoben werden soll.

Die Bundesregierung wird außerdem aufgefordert, auf EU-Ebene eine einheitliche Lösung „zur CO₂-orientierten Besteuerung von Flugbenzin (Kerosin) und Schiffsdiesel zu erreichen“. Größte Befürchtung ist eine gesellschaftliche Spaltung der deutschen Gesellschaft: Laut Generalsekretärin der CDU drohe die Klimaschutzpolitik die Gesellschaft ähnlich zu spalten wie die Flüchtlingspolitik berichtet die Süddeutsche Zeitung am 8.6.2019.

Beirat „Sustainable Finance“ der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat am 6.6.2019 einen Beirat für „Sustainable Finance“ eingesetzt. Der Beirat soll die Bundesregierung bei der Ausarbeitung und Umsetzung ihrer Sustainable Finance-Strategie beraten, bestehende Expertise bündeln und den Dialog zwischen den relevanten Akteuren fördern. Unter Sustainable Finance (nachhaltige Finanzen) versteht die Bundesregierung die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei Entscheidungen der Finanzmarktakteure. Das Gremium setzt sich zusammen aus Vertreter/-innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft sowie verschiedener Bundesressorts. (Pressemitteilung Bundesfinanzministerium 6.6.2019).

Für den Beirat wurden insgesamt 37 Mitglieder sowie 11 Beobachter benannt: Sustainable Finance-Beirat.

Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2019

Am 3.6.2019 veröffentlichte das Forum Nachhaltige Geldanlagen seinen Marktbericht 2019. Erneut wurde für verantwortungsbewusste und nachhaltige Anlageformen in Deutschland ein deutliches Wachstum von 28% bzw. um € 48 Mrd. auf € 219 berichtet. Bei nachhaltigen Investmentfonds und Mandaten war der Zuwachs mit 45% sogar noch ausgeprägter.

Für 2019 werden von den Marktteilnehmern weitere deutliche Wachstumsraten erwartet. 27 von 54 Befragten gehen von einem Wachstum bis zu 15% aus. 23 erwarten Zuwächse im Bereich von 15 bis 30%, 4 sogar darüber. Einzelheiten zu den einzelnen Marktsegmenten im FNG – Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2019.

Der Marktbericht gibt schon zu Beginn einen Ausblick auf die weitere qualitative Entwicklung des Marktes: Auch das FNG erwartet eine verstärkte Hinwendung zu wirkungsorientierten Anlagen, weg von rückblickenden ESG-Kriterien. Hierzu die Zusammenfassung im Bericht auf S. 4

Zur zukünftigen Entwicklung des Marktes für verantwortliche
Investments und Nachhaltige Geldanlagen
1. Spätestens seit dem Erscheinen des EU-Aktionsplans im März 2018 zeichnet sich der Markt für verantwortliche Investments und Nachhaltige Geldanlagen durch eine bis dahin nicht gekannte Dynamik aus.
2. Die verpflichtende Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenz in der Anlageberatung wird großen Einfluss auf die Entwicklung des Marktes für Nachhaltige Geldanlagen haben.
3. Derzeit spricht einiges dafür, dass die Frage nach der Wirkungsorientierung von Investments zu einer nächsten Entwicklungsstufe Nachhaltiger Geldanlagen führen wird.
4. Durch die Transparenzanforderungen für Asset Manager und Asset Owner wird ESG-Integration ein inhaltlicher Treiber für die qualitative Weiterentwicklung des Marktes für Nachhaltige Geldanlagen.

Vom (Un-)Sinn quantitativer Nachhaltigkeitsratings

Manche Meldung samt beigefügtem Link erweist sich bei näherer Betrachtung als wahre Schimäre oder besser: Ausgemachte Meldungsente. So z.B. die in den „Broker-News“ von https://www.brokervergleich.de/ am 11.6.2019 enthaltene nachstehende Meldung:

Unternehmen berichten nur spärlich über ihre Nachhaltigkeit

Die Nachhaltigkeitsberichte deutscher Unternehmen sind oft voller Worthülsen und schwer zu vergleichen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die 131 Unternehmen aus den Deutschen Aktien Indizes untersucht hat. Einheitliche Standards sind dringend nötig.

…erfahren Sie mehr

Der Link führt zu einer Wiedergabe einer Studie der cometis AG , Wiesbaden, bei Investmentsparen.net, der bereits viele kritische Bemerkungen zur aktuellen Berichterstattung enthält. Von dort aus führt ein Link zum Original der Pressemitteilung der cometis AG vom 27.5.2019, die selbst die eigenen Erhebungen in der Studie kritisch beleuchtet:

„Die Unternehmen der verschiedenen DAX-Segmente hat cometis hinsichtlich des Umfangs der bereitgestellten Informationen durchleuchtet. Für qualitative Aussagen vergab cometis lediglich 1 Punkt und für quantifizierte Angaben jeweils 2 Punkte. Bei der Untersuchung blieb die Aussagekraft der bereitgestellten Informationen allerdings unberücksichtigt. So erhielt der Nachhaltigkeitsbericht von Adidas zwar lediglich 66 Punkte. „Aber Adidas überzeugt mit klaren Nachhaltigkeitszielen. Zudem kommuniziert das Unternehmen die festgestellten Verstöße gegen die Compliance in außergewöhnlich transparenter Form,“…

Insofern relativieren sich natürlich die 450 Punkte des vermeintlichen „CSR-Berichtschampions“ im Dax30 ebenso wir die mageren 44/45 Punkte der Unternehmen mit den „spärlichsten CSR-Informationen.  Zur Einordnung der 45 Punkte nach eigener Anschauung sei ein Blick in den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2018 der Allianz SE empfohlen (EN): Shaping our Sustainable Future.

Während die Unsinnigkeit einer simplen „Indikatorenzählerei“ bzw. -bepunktung relativ leicht nachvollziehbar erscheint, wird dies bei bei höher verdichteten Kennzahlen wie „ESG-Scores“ schon schwerer verdaulich. Trotzdem gibt es hierzu klare Aussagen:

„Es zeigt aber in aller Deutlichkeit, dass ein reiner ESG-Portfolio-Score zwar einfach und daher verführerisch erscheint, aber letzten Endes keinen Sinn macht.“

schreibt Roland Kölsch, Geschäftsführer der Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH, die das FNG-Siegel betreut, in einer Mail vom 14.5.2019. Beigefügt ist eine interessante empirische Auswertung unterschiedlicher Ratingansätze (hier MSCI versus Sustainalytics): Man numeric – ESG Data: Building a solid Foundation, March 2019.

Der Mail enthält die folgende Grafik aus der lediglich fünf Seiten umfassenden, aber äußerst aussagefähigen Studie (S. 3, erste Spalte oben):

2019-06-man-numeric-1.png

 

Die Grafik zeigt eindrucksvoll, dass die numerischen summarischen Nachhaltigkeitsratings der Anbieter MSCI und Sustainalytics (ESG Composite) zwar stabil, aber mit etwa 0,5 nicht besonders hoch korreliert sind. Dagegen fallen die Wertungen in den Teilbereichen Umwelt (Env. Composite), Soziales (Soc. Composite) und Unternehmensführung (Gov. Composite) deutlich auseinander. Dies ist angesichts der deutlich abweichenden Methodik kaum verwunderlich:

2019-06-man-vendors-1.png

 

Vor diesem Hintergrund scheint die Schlussfolgerung der Studie logisch:

„The result is a principles-based approach that aims to identify companies making thoughtful long-term decisions. We believe that companies that take a long-term view towards being good stewards will ultimately be the ones that succeed.“

Consorsbank mit Aktion zur Nachhaltigkeitswoche

Nachhaltigkeitswoche: Sie legen an, wir spenden

Guten Tag,

anlässlich der Europäischen Nachhaltigkeitswoche machen wir Ihnen ein besonderes Angebot: Investieren Sie mit dem Parvest Aqua in effiziente Lösungen für sauberes Wasser. Wir geben Ihnen 100 Prozent Discount auf den Ausgabeaufschlag. Zusätzlich spenden wir 10 Euro je Investor an die gemeinnützige Umweltorganisation „One Earth – One Ocean“.

Jetzt investieren: Link Aktion Consorsbank

Viele Grüße aus Nürnberg

Grundsätzlich ein weiteres Indiz, wie viel mehr Aufmerksamkeit Nachhaltigkeit auch bei eher „konventionellen“ Banken gewonnen hat.

DKB Bank – Fondspalette auf Nachhaltigkeit

Am 3.6.2019 kündigte die DKB Bank mit ihrem Fondspartner BayernInvest eine Umstellung der Fondspalette an. Unter der Überschrift „Nachhaltigkeitsfonds setzen auf Klimaschutz, SDG-Ziele oder ESG-Vorreiter“ wird das zukünftige Fondsangebot in einer Pressemitteilung beschrieben:

  • DKB Nachhaltigkeitsfonds Klimaschutz
  • DKB Nachhaltigkeitsfonds SDG
  • DKB Nachhaltigkeitsfonds Europa

Bei den Fonds werden sowohl thematische Anknüpfungen als auch ESG-Kriterien genutzt. Teilweise handelt es sich um die Verschmelzung bestehender kleinerer Fonds mit einer verstärkten thematischen Ausrichtung. Dies erklärt u.a., warum unter dem Link zu den Portfolioinformationen de DKB Nachhaltigkeitsfonds Klimaschutz Informationen zum DKB Pharma Fonds – ANL EUR DIS (Stand: 12.6.19) hinterlegt sind. Leider besteht aktuell keine hinreichende Transparenz über die Portfolien und die verfolgten Anlagekonzepte. Sie werden etwas ungenau beschrieben.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die von der Triodos Bank Deutschland geführte Liste #nachhaltige100 umfasst 100 Auftritte in sozialen Medien mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Investabel® rückte bei insgesamt wenig Bewegung in der Rangfolge im Mai um ganze 15 Plätze von Rang 72 auf 57: https://diefarbedesgeldes.de/nachhaltige100/.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Dreiundsiebzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundsiebzig

2018-01-31 SusFin

Aktueller Nachtrag am 15.5.2019

Am 14.5.2019 sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem 10. Petersberger Klimadialog unter dem Titel „Das Versprechen von Paris einlösen“.

„Beim Klimaschutz ist es richtig, sich auf langfristige Wege zu machen“, sagte die Bundeskanzlerin auf dem Petersberger Klimadialog. „Die Frage heißt nicht, was kostet uns das, sondern wieviel mehr kostet das, wenn wir nichts tun.“

Die Kanzlerin sprach auch eine Klima-Initiative von neun EU-Ländern an, die zum Ziel hat, die Europäische Union bis 2050 klimaneutral zu machen. Wenn das Klimakabinett eine „vernünftige Antwort“ dafür finde, könne Deutschland sich der Initiative anschließen. „Ich würde mir wünschen, dass wir das können“, bekräftigte sie.

Quelle: Bundespresseamt 14. Mai 2019

Inhalt:

BaFin – Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit; Green Bonds mit anhaltend gutem Momentum; Nachhaltigkeit als Anlagethema, gerne mit Wirkung!; Petition Klimaschutzgesetzgebung erreicht Quorum; Deutschland gegen Klimaambitionen der EU; Politiknotstand versus Klimanotstand?; Bosch setzt ein starkes Zeichen: Klimaneutral ab 2020; In eigener Sache: Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Mitunterzeichner …ForFuture; Mitgestalter FridaysForFuture Bonn; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

13. Mai 2019, ergänzt 14.5.2019 (Tweets S. Schulze, Vorwärtsverlag/A. Nahles), 15.5.2019 (Erklärung Bundeskanzlerin Angela Merkel zur CO2-Neutralität 2050)

Dr. Ralf Breuer

BaFin – Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit

Die BaFin sieht Nachhaltigkeit als Grundlage für den langfristigen Erfolg von Unternehmen im Finanzsektor. Dies bringt sie deutlich in den einleitenden Sätzen ihrer Pressemitteilung vom 9.5.2019 zum Ausdruck:

‚„Wer langfristig im Finanzsektor erfolgreich sein will, wird am Thema Nachhaltigkeit nicht mehr vorbeikommen“, sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld zum Auftakt der ersten Konferenz „Nachhaltige Finanzwirtschaft“, die am 9. Mai im Umweltforum Berlin stattfand.‘

Ziel der Veranstaltung war es, das Bewusstsein des Finanzsektors für materielle Risiken, aber auch für Chancen zu schärfen, die klimatische, ökologische und soziale Veränderungen für einzelne Finanzmarktakteure und den Finanzmarkt als Ganzes mit sich bringen können. Die knapp 350 Teilnehmenden erhielten einen Überblick über aktuelle europäische Regulierungsvorhaben und die aufsichtlichen Ansätze der BaFin und hatten zudem Gelegenheit, sich mit Vertreterinnen und Vertretern der Aufsicht auszutauschen.“

Die noch am 9.5.2019 mit der Pressemitteilung veröffentlichten Redetexte der führenden BaFin-Vertreter sind gespickt mit einigen markigen Sätzen, die keine Zweifel an der Wesentlichkeit von Nachhaltigkeit für die Finanzwirtschaft lassen:

„Und nun lädt auch noch die deutsche Finanzaufsicht zu einer Konferenz über „Nachhaltige Finanzwirtschaft“ ein. Tun wir das, um im Trend zu liegen? Nein, wir tun es, weil es eine Notwendigkeit ist.“

Begrüßung durch Felix Hufeld, Präsident der BaFin, 9.5.2019

„„Banken, die das Thema #Nachhaltigkeit vernachlässigen, setzen sich nicht nur erhöhten Risiken auf der Aktivseite oder erhöhten operationellen Risiken aus. Sie werden langfristig auch keine Investoren mehr finden“, sagte Röseler“

Pressemitteilung BaFin 9.5.2019

„Banken sind von Klimarisiken in vielerlei Hinsicht betroffen. Die direkten Risiken, also zum Beispiel Schäden durch Stürme, Überflutungen oder die schleichende Verschlechterung von Produktions- und Arbeitsbedingungen, können Banken unmittelbar treffen. Zum Beispiel dann, wenn das eigene Rechenzentrum durch einen Wirbelsturm beschädigt wird oder Filialen unter Wasser stehen. Noch gravierender für den Bankensektor sind aber die indirekten Risiken. Mit solchen Risiken haben wir es etwa dann zu tun, wenn Gebäude oder Produktionsanlagen, die von einer Bank finanziert wurden, durch ein Unwetter ramponiert oder völlig zerstört werden. Unter solchen Vorfällen leidet nicht nur die Kapitaldienstfähigkeit von Kunden, sondern auch der Wert der Kreditsicherheiten.

Nachhaltigkeit als aufsichtliche Anforderung – Statement des Exekutivdirektors Bankenaufsicht, Raimund Röseler, 9.5.2019

Die Anforderungen an den Inhalt und die Qualität der Kundenberatung in der Finanzwirtschaft hat die BaFin bereits heute hoch angesetzt, werden allerdings nur von einem kleinen Teil der Kreditwirtschaft erfüllt:

„Demgegenüber gilt kundenseitig schon heute, dass Unternehmen in der Anlageberatung die Kriterien berücksichtigen müssen, die der Kunde nennt. Legt er zum Beispiel Wert auf eine grüne Geldanlage, muss dieser Wunsch schon heute bei der Anlageempfehlung berücksichtigt werden. Für die Kunden ist Transparenz wichtig, damit sie vergleichen können. Sie müssen wirklich nachhaltige Anlagen von solchen unterscheiden können, die nur einen grünen Anstrich tragen.“

Nachhaltigkeit als aufsichtliche Anforderung – Statement der Vizepräsidentin und Exekutivdirektorin Wertpapieraufsicht/Asset Management, Elisabeth Roegele, 9.5.2019

Der Satz von Frau Roegele ist ein starker Imperativ: Wer Nachhaltigkeit nicht kann, darf bei entsprechendem Kundenwunsch schlicht nicht beraten! Allerdings wird nur ein Teil der Finanzinstitute in Deutschland diesem Anspruch gerecht.

Nicht einmal in Großsparkassen wird die Kundenberatung den Anforderungen gerecht, wie ein aktuelles Beispiel im hiesigen Umfeld bestätigt: Die Eltern eines Kindes im Kindergartenalter ließen sich zu den Möglichkeiten einer fünfstelligen Zielsparsumme bei Eintritt der Volljährigkeit beraten.

  • Die Selbstauskunft der Eltern war sehr eindeutig risikoavers, kostenbewusst und nachhaltig.
  • Der Anlagevorschlag war dagegen in seinen Bestandteilen gesetzeswidrig, inhaltlich falsch, mit maximalem Aktienmarktrisiko und hohen Kosten in einem Dachfonds

Die im Hause vorgeblich hochgehaltenen nachhaltigen Fondsangebote wurden erst von den Eltern zur Sprache gebracht und fanden bei der beratenden Person großes Interesse.

Green Bonds mit anhaltend gutem Momentum

Nach Schätzungen der Ratingagentur Moody’s war das Emissionsvolumen von Green Bonds mit USD 47,2 Mrd. im ersten Quartal 2019 um 40% höher als im Vorjahreszeitraum. Der Anteil der privatwirtschaftlichen Emissionen lag mit USD 15,9 Mrd. von Industrie- und USD 8,1 Mrd. von Finanzunternehmen leicht über 50%. Auf dieser Basis sieht Moody’s die Erwartung von rund USD 200 Mrd. Neuemissionen im Gesamtjahr 2019 als bestätigt an.

Bemerkenswert war auch das Wachstum bei anderen Nachhaltigkeitsanleihen, u.a. mit sozialen und anderen Zwecken: Mit USD 13,4 Mrd. wurde in Q1 der Rekordwert von USD 10,2 Mrd. in Q3 2018 übertroffen.

Nachhaltigkeit als Anlagethema, gerne mit Wirkung!

Robeco SDG Credits

Nachhaltigkeit im Sinne der Anwendung ökologischer, sozialer und Kriterien der Unternehmensführung (ESG) ist weit verbreitet. Allerdings unterliegen diese immer stark subjektiven Einschätzungen. Gesucht und leichter einzuschätzen sind Investments mit Wirkung, sogenannte Impact Investments. Sie werden bevorzugt an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (#17Ziele, #SDGs) gemessen.

Robeco hat in einer neuen Studie die Möglichkeiten bei Unternehmenskrediten beleuchtet: An introductory Guide to SDG Credits, April 2019. „Robeco and RobecoSAM have developed a comprehensive proprietary SDG measurement framework with clear, objective and consistent guidelines for dealing with these challenges.

Tatsächlich zeichnen sich ab, dass die Einschätzung und das Rating von Nachhaltigkeit zukünftig stark an den SDGs ausgerichtet wird. Entsprechende Ratingsysteme sind z.B. auch in Deutschland bei der Deutschen Entwicklungsgesellschaft DEG (vgl. Nummer Neunundfünfzig) im Einsatz oder in der Entwicklung. Dies dürfte auch eine wesentliche Motivation des Kaufs eines Mehrheitsanteils an dem Nachhaltigkeitsspezialisten Vigeo Eiris durch den Ratinganbieter Moody’s sein: Press Release 04/15/2019: Moody’s Acquires Majority Stake in Vigeo Eiris, a Global Leader in ESG Assessments.

Blackstone – Plattform Impact Investments

Blackstone bietet mit „Strategic Partners“ Zugang zu sekundären Investments in Private Equity (Strategic Partners Fund Solutions). Hier wurde nun ein spezieller Bereich eingerichtet, der thematisch auf die Bereiche Gesundheit/Wohlbefinden, Finanzielle Inklusion, Nachhaltige Gemeinschaften und grüne Technologien fokussiert ist. Im Vordergrund stehen dabei positive Wirkungen von privaten Eigenkapitalinvestitionen in den genannten Bereichen. (Press Release May 6, 2019: Blackstone launches Impact Investing Platform.

Plastik(müll) als neues Investmentthema

Mit einer neuen Studie beleuchtet die US-Bank Morgan Stanley die Möglichkeiten von Investments in der Vermeidung und der Beseitigung von Plastikmüll. Plastic Waste – Adressing a Global Economic and Environmental Challenge Through the Power of Capital Markets, 04/16/2019. Die Studie stellt die Investitionsmöglichen durch die Beseitigung von Ineffizienzen bei der Produktkonstruktion, Sammlung und Wiederverarbeitung von Kunststoffabfällen dar.

Petition Klimaschutzgesetzgebung erreicht Quorum

Die Petition 92294 „Klimaschutz – Verabschiedung eines verbindlichen, sektorübergreifenden Klimaschutzgesetzes vom 17.03.2019“ erreichte zum Zeichnungsschluß am 6.5.2019 mit 62.336 Online-Mitzeichnern bereits das notwendige Quorum von 50.000. Weitere 2.967 kamen offline hinzu (Stand 15.5.2019 13:00h, epetitionen.bundestag.de). Nach Angaben von ParentsForFuture wäre die Petition unter den 10 erfolgreichsten überhaupt. Als Verhandlungstermin im Petitionsausschuß nennt ParentsForFuture den 23.9.2019 als wahrscheinlichen Termin.

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, innerhalb der nächsten sechs Monate ein verbindliches, sektorübergreifendes Klimaschutzgesetz zu verabschieden, das zum Ziel hat, die Netto-Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell abzusenken und bis 2040 möglichst auf null zu reduzieren. Die Klimaziele müssen verbindlich, unaufschiebbarund überprüfbar sein. Das Klimaschutzgesetz muss so schnell wie möglich mit dem Ziel die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, in Kraft treten.  (Petition 92294)

Zum weiteren Verlauf

„Das zuständige Bundesministerium muss eine Stellungnahme zu unserem Anliegen verfassen, die dann im nächsten Schritt vom Ausschuss geprüft wird. Der Petitionsausschuss berät die Petition und verabschiedet eine Empfehlung, über die der Deutsche Bundestag dann beschließt. Ergibt die Beratung im Petitionsausschuss, dass die Petition insgesamt oder teilweise begründet ist (das hängt davon ab, wie die Abgeordneten im Ausschuss mehrheitlich dazu abstimmen), fasst der Deutsche Bundestag auf Empfehlung des Petitionsausschusses einen entsprechenden Beschluss, der der Bundesregierung übermittelt wird.“ https://parentsforfuture.de/petition/

Deutschland gegen Klimaambitionen der EU – und seit 14.5.2019 doch eher dafür…

…hierzu der Nachtrag ganz zu Beginn des Textes!

Der informelle EU-Gipfel am 9.5.2019 in Sibiu, Rümänien, hatte leider nicht das von der EU-Kommission gewünschte Ergebnis „On 9 May 2019, at a summit in Sibiu, Romania, national leaders are expected to mark the culmination of this process with a renewed commitment to an EU that delivers on the issues that really matter to people.“ EU Commission: Future of Europe.

Bereits Ende März hatte sich die Bundeskanzlerin namentlich der Bundesrepublik Deutschland gegen die Ambitionen der EU-Kommission einer CO2-Neutralität der Gemeinschaft ab 2050 gestellt. Dies hatten seinerzeit nur Polen, die Slowakei und Ungarn offen erklärt. Nunmehr kursierte ein von acht Staaten unterzeichnetes Papier, das die EU-Ambitionen ausdrücklich unterstützt Eight EU Countries Will Demand Decarbonization By 2050 At Sibiu Summit, Forbes 7.5.2019. Belgien, Dänemark,  Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Schweden und Spanien unterstützen das Ziel.

Die Haltung Deutschlands ist schon makaber und in einem klaren Widerspruch zu den plakatierten Bekenntnissen zu Europa und dem Klimaschutz im Vorfeld der Europawahl am 26. Mai.

2019-04-17 SPD Klimaschutz

Bild: Wahlplakat der SPD zur Europawahl am 26.5.2019 – Ein Plakat mit Symbolkraft für die Realität? – Wenig Bewegung, nur der weite Horizont. Passt leider zur aktuellen Politik (siehe unten).

 

Politiknotstand versus Klimanotstand?

Politiknotstand?

Mehr als 80% und mehr Parteianhänger in fünf von sechs Parteien im Deutschen Bundestag sehen Handlungsbedarf beim Klimaschutz mit einer hohen Priorität. Da passt die bremsende und spaltende Position der Bundesregierung überhaupt nicht ins Bild.

2019-05-02 Klimaschutz ARD DeutschlandTrend

Allerdings steht der Einigkeit über den Handlungsbedarf an sich eine sehr große Uneinigkeit über die Maßnahmen gegenüber. Dies spaltet auch die verschiedenen Ressorts in der Bundesregierung.

Immerhin werden die Positionen auch deutlich bestimmter, den Handlungsdruck anzuerkennen. Dies brachten am 13.5.2019 sowohl Umweltministerin Schulze bei dem internationalen Petersberger Dialog…

…als auch die Parteivorsitzende Nahles zum Ausdruck:

…Klimanotstand

Nach Großbritannien hat auch Irland den „Klimanotstand“ erklärt. In Deutschland erfolgte die bereits in den Städten Erlangen, Hamm und Konstanz. Mehrer Stadt- und Gemeinderäte werden hierüber demnächst beraten (z.B. 14.5. Köln) oder entsprechende Anträge erhalten (z.B. 28.5. Bonn).

Bosch setzt ein starkes Zeichen: Klimaneutral 2020

Am 9.5.2019 veröffentlichte die Robert Bosch GmbH unter „Denner’s View“ eine bemerkenswerte Stellungnahme des CEO Volkmar Denner “ Warum nicht jetzt, warum nicht wir? – Leitfragen zum Klimaschutz, die jedes einzelne Unternehmen beantworten muss.“ „Schon 2020 wird Bosch mit seinen 400 Standorten weltweit CO₂-neutral. Wir dürfen den Klimaschutz nicht nur ernst nehmen, wir müssen ernst machen.“.

Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien (Jahresverbrauch 2018: 7,8 Terrawattstunden = 7,8 Mrd. kWh) an den 400 weltweiten Standorten im Strombezug gesteigert und der verbleibende CO2-Ausstoß komplett kompensiert werden.

Bis 2030 plant Bosch die Qualität der Neutralstellung durch den Aufbau eigener Erzeugungskapazitäten für erneuerbare Energien weiter zu steigern und den Energieverbrauch um 1,7 tWh bzw. 21,8% zu senken.

In Zeiten von Klima- und Politiknotstand ein sehr bemerkenswertes Zeichen und eine anregende Lektüre über die Möglichkeiten des Klimaschutzes: Denner’s View: Warum nicht jetzt, warum nicht wir?

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden (s.u.).

Mitunterzeichner …ForFuture

Gerne bin ich den Aufrufen der „ScientistsForFuture“ www.scientists4future.org und „EntrepreneursForFuture“ www.entrepreneurs4future.de gefolgt und habe die jeweiligen Initiativen mitunterzeichnet.

Mitgestalter FridaysForFuture Bonn

In Bonn werden die Demonstrationen nicht wöchentlich, sondern im Regelfall monatlich organisiert. Für den 12. April 2019 hatten sich die Organisatoren ein etwas anderes Konzept ausgedacht: „Alternativer Unterricht“ wurde in zwei der drei Kundgebungsstunden als Workshops rund um den Bonner Münsterplatz angeboten.

Die Vorbereitung war auch für „Abgebrühte“ eine gewisse Herausforderung: Frei in einer Menschenmenge und auf einem öffentlichen Platz und jede(r) gesellt sich einfach dazu. Es waren diesmal am letzten Schultag vor Ostern bzw. dem Abitur „nur“ ca. 400 Teilnehmer(innen), es hat aber trotz frostigem Wetter viel Spaß gemacht. Hier ein Blick auf das „Klassenzimmer“:

Fotos: Ralf Breuer

Thema waren die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Sie beschreiben umfassend die Herausforderungen für eine nachhaltigere Welt. Da immer nur kleine Zeitfenster vorgesehen waren, wurden die Themen stark auf Ziel 13 Klimaschutz und Ziel 6 Wasser- und Sanitärversorgung eingegrenzt. Während die Teilnehmenden bekanntlich stark vom Klimaschutz motiviert sind, besteht für die weltweite Unterversorgung mit sauberem Wasser und sanitären Anlagen nur wenig Bewusstsein. Auch der im Vergleich zur Lebensnotwendigkeit (ca. 5 Liter) opulente Wasserverbrauch pro Kopf und Tag von 122 Litern war für Viele eine Überraschung.

Da sich das Konzept mit einer Doppelseite Informationen unter den schwierigen Bedingungen bewährt hat, wird es jetzt in der Zivilgesellschaft des Umkreises für jüngere und ältere Interessenten für ca. 1,5 Stunden angeboten. Je nach Alter können die Schwerpunktthemen mit spielerischen Elementen oder weiteren vertiefenden Gesprächen ergänzt werden. Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Einundsiebzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebzig: Klimaschutz

 

Bild/Beitragsbild: Medieninformation Munich Re vom 8.1.2019: Extreme Wirbelstürme, Waldbrände und Dürren verursachten 2018 hohe Schäden aus Naturkatastrophen

Inhalt:  Vorneweg: April, April vor dem 1. Mai; Europawahl: Nachhaltigkeit ist für alle Parteien ein zentrales Thema; …für weite Teile der Kreditwirtschaft immer noch nicht; Bundesregierung mit „Klimakabinett“; Canada mit CO2-Steuer; Schmerzhafte Folgen des Nicht-Handelns;  Petition 92294: Klimaschutz – Verabschiedung eines verbindlichen, sektorübergreifenden Klimaschutzgesetzes vom 17.03.2019; Tomorrow mit Publikumspreis bei Payment & Banking; In eigener Sache: #nachhaltige100; Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Mitunterzeichner …ForFuture; Mitgestalter FridaysForFuture Bonn; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

29. April 2019, ergänzt 30. April 2019 (Europawahl)

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg: April, April vor dem 1. Mai

Es wäre eine schöne Jubiläumsausgabe Nummer Siebzig geworden, aber es war halt der 1. April 2019: Greta Thunberg verkündet das Ende der Schulstreiks, weil alle (politischen) Entscheidungsträger zur Vernunft gekommen sind. Bundeskanzlerin Angela Merkel avisiert eine Kurswende mit wirksamen Maßnahmen für den Klimaschutz.

Während die Twitter-Botschaft von Greta Thunberg sofort als Aprilscherz gewertet wurde, kam die von dem deutschen Kanal der Nachrichtenagentur Reuters kreierte Meldung zum Kurswechsel der Bundesregierung ziemlich ernsthaft daher.:

Klimaschutz – Union stellt Weichen für „harte Entscheidungen“

Berlin (Reuters) – Wenn Kanzlerin Angela Merkel einen Wechsel in ihrer Politik vollzieht, kündigt sie das oft zunächst in Nebenbemerkungen an. de.reuters.com

Jedenfalls war das so nahe an den Hoffnungen Vieler, dass die taz sogar überlegte, die Druckerpressen zu stoppen.

Wie nah sich die Aprilmeldung vielleicht doch am Denken und zukünftigen Handeln der Bundeskanzlerin bewegen könnte, meldete dann am 2.4.2019 die Tagesschau auf www.tagesschau.de:

Wörtlicher Textauszug:

Klimaschutzgesetz noch in diesem Jahr geplant

Im Verkehrssektor sind die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen seit 1990 nicht gesunken. Sie sollen aber bis 2030 um 40 bis 42 Prozent gemindert werden. So steht es im Klimaschutzplan, zu dem Union und SPD sich im Koalitionsvertrag bekennen. Bis Ende dieses Jahres sind gesetzliche Vorgaben geplant.

Verkehrsminister Andreas Scheuer steht in der Kritik, zu wenig für den Klimaschutz zu tun. So hatte er etwa höheren Steuern fürs Autofahren ebenso eine Absage erteilt wie einem generellen Tempolimit auf Autobahnen.

„Das ist für uns gut“

Dass Schüler wöchentlich für den Klimaschutz demonstrieren, lobte die Kanzlerin in Berlin ausdrücklich. „Für mich als Politikerin ist diese Bewegung wichtig“, sagte sie. Es sei richtig, „dass ihr uns Dampf macht“. Denn es sei etwas in Gang gekommen, das zeige, dass sich die Menschen über die Zukunft sorgten.

Zwar könne man sicherlich nicht jeden Freitag auf Dauer zum schulfreien Tag erklären. „Aber dass dieses Signal gesetzt wird, ‚da gibt es Sorge‘ – das ist für uns gut.“

Voller Text der Meldung:  www.tagesschau.de

Europawahl 2019: Nachhaltigkeit ist für alle Parteien ein zentrales Thema

Vor der Europawahl 2019 am 26. Mai ist Nachhaltigkeit im Sinne der Agenda 2030 mit ihren 17 Oberzielen ein zentrales Thema für alle Parteien. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hat dankenswerter Weise die einzelnen Positionen durch einen Katalog von fünf Fragen bei den einzelnen Parteien erhoben und am 30. April auf seiner Internetseite zugänglich gemacht: Europawahl 2019: Mehr Nachhaltigkeit in der EU? Keine Frage!

Der vom RNE getroffenene Befund ist eindeutig:

  1. Zentral sind für alle Parteien die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und ihre 17 Ziele. Damit wird klar: das Thema Nachhaltigkeit ist in der gesamten Parteienlandschaft angekommen und genießt fraktionsübergreifend einen hohen Stellenwert.
  2. Alle großen Parteien haben eine Haltung zum Thema Nachhaltigkeit und sehen das Thema längst nicht mehr als marginales Politikfeld an. Ganz im Gegenteil. Ein Bewusstsein für großen Handlungsbedarf ist parteiübergreifend vorhanden und deutet auf einen größeren Stellenwert des Themas in der neuen Legislaturperiode des Europaparlaments hin.

Seit Dezember 2018 mit 14 Demonstrationen und überwiegend jungen Teilnehmer begann, setzte sich auch während der Osterferien in vielen Bundesländern fort: Wieder demonstrierten rund 28.000 junge und ältere Menschen in mehr als 70 deutschen Städten und Gemeinden für einen wirksamen Klimaschutz zur Bekämpfung des Klimawandels. fridaysforfuture.de. Weltweit waren es erneut rund 500 Veranstaltungen in 72 Ländern.

Junge, bei FridaysForFuture aktive Menschen haben die Europawahl schon mehrfach zur Klimawahl ausgerufen.Immer mehr ältere Menschen haben sich als Eltern, Großeltern, Wissenschaftler, Unternehmer oder in Berufsgruppen mit den Forderungen solidarisch erklärt und verstärkt an den Demonstrationen teilgenommen. Es ist deshalb verwunderlich, dass der Großteil der Parteien das Thema Klimaschutz vor der Europawahl eher zögerlich adressiert. Immerhin waren bei der Bundestagswahl 2017 knapp 5% aller Wahlberechtigten Erstwähler und insgesamt etwa 20% jünger als 29 Jahre (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Bei der Europawahl 2019 und auch bei Bundestagswahl 2021 ist von vergleichbaren Wähleranteilen auszugehen, weshalb die Zurückhaltung der Parteien beim Thema Klimaschutz etwas verwundert, da sowohl CDU/CSU (19,9% vs. 26,8%) und SPD (18,4% vs. 20,5%) bei den 18 bis 24 jährigen Wählern Zweitstimmenanteile unter ihren Gesamtergebnissen erzielten (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Es war übrigens schon im Herbst 2018 bemerkenswert, wie zentral „nachhaltige“ Themen wie Bildung, Wohnen und Klimaschutz im Wählerinteresse standen, ohne das die Politik dies im Wahlkampf aufgegriffen hätte. Beispiel Wahl zum Landtag in Bayern:

2018-10-14 Bayernwahl

Quelle: infratest dimap per WDR

Vor der Europawahl lässt sich durch Mitunterzeichnung der Petition 92294 noch ein Zeichen für den Klimaschutzt setzen (s.u.).

…für weite Teile der Kreditwirtschaft immer noch nicht

Während Nachhaltigkeit für große Teile der Bevölkerung und auch für alle Parteien ein zentrales Thema ist, behandeln weite Teile der deutschen Kreditwirtschaft es immer noch als Randthema. Dies ist vor dem Hintergrund demoskopischer Fakten und den tiefen Spuren von Klimarisiken im Tagesgeschäft mehr als verwunderlich.

Eine Mutter berichtete kürzlich von den Anlagevorschlägen für ihre noch nicht schulpflichtige Tochter: Obwohl sie aktiv Nachhaltigkeit als Geldanlagethema ansprach, wurden ihr nicht einmal die einschlägigen Produkte des Hauses angeboten. In Verbindung mit dem vorgeschlagenen Versicherungsangebot wäre eine Bewertung mit „ungenügend“ schon ein Kompliment. Dabei können auch in Deutschland durchaus sinnvolle Anlagen vorgenommen werden: SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Bundesregierung mit „Klimakabinett“

Die Bundesregierung gab am 20.3.2019 die Einrichtung eines „Klimakabinetts“ bekannt. Originaltext der Regierungspressekonferenz vom 20.3.2019: „Wie schon angekündigt, hat das Kabinett heute entschieden, einen Kabinettausschuss „Klimaschutz“ einzurichten. Der Ausschuss hat die Aufgabe, die rechtlich verbindliche Umsetzung des Klimaschutzplans sowie der für Deutschland verbindlichen Klimaschutzziele für das Jahr 2030 vorzubereiten. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass die Bundesregierung in diesem Jahr die gesetzlichen Regelungen dafür verabschieden will.

Dieser Kabinettausschuss wird alle mit dem Thema befassten Minister und Ministerinnen zusammenbringen. Vorsitzende ist die Bundeskanzlerin. Stellvertretender Vorsitzender ist der Bundesfinanzminister als Stellvertreter der Bundeskanzlerin. Die sogenannte Beauftragte Vorsitzende – so etwas gibt es in Kabinettausschüssen immer – ist die Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Weitere ständige Mitglieder sind der Bundesinnenminister, der Bundeswirtschaftsminister, die Bundeslandwirtschafts- ministerin, der Verkehrsminister, der Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun und der Chef des Bundespresseamtes, also ich. Andere Mitglieder der Bundesregierung können einbezogen werden, soweit sie in ihrer Zuständigkeit betroffen sind.“

Im Zuge dieser Schritte sind das Bundesumweltministerium und das Bundesverkehrsministerium nicht mehr für den Klimaschutz zuständig. Die Bundesumweltministerin wurde als „Beauftragte Vorsitzende“ des Klimakabinetts eingesetzt.

Die erste Sitzung des Kabinettsausschusses fand am 10.4.2019 statt. Ergebnis: Man trifft sich Ende Mai 2019 wieder mit ersten Ideen aus den beteiligten Ministerien…

Kanada mit CO2-Steuer

Kein Aprilscherz waren die Twitterbotschaften des kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau. In Kanada trat am 1.4. das Gesetz einer CO2-Steuer in Kraft.

Neben der Besteuerung des CO2-Ausstoßes sind Zahlungen von Anreizen an Provinzen, Kommunen, Institutionen und Privathaushalte vorgesehen. Das System wurde nach Provinzen auch in Bezug auf die Wirksamkeit und die Höhe der Zahlungen differenziert.

Informationen auf der Internetseite der kanadischen Regierung: Carbon pollution pricing – what you need to know

Schmerzhafte Folgen des Nicht-Handelns

Einwände…

Einwände gegen den Klimaschutz werden immer wieder in Einbußen im Status Quo, Kosten, Arbeitsplatzverlusten und vor allem dem nicht zielführenden Verhalten Anderer, z.B. auch Nachbarländern gesucht und gefunden. Vieles davon hat eine gewisse Berechtigung, aber auch ohne konsequente Maßnahmen haben Veränderungen Konsequenzen.

Allein die „Energiewende“ mit einem höheren Anteil von E-Mobilität wird zu beträchtlichen Arbeitsplatzverschiebungen und -verlusten in der deutschen Automobilindustrie führen, die (Rest-)Werte von fossil angetriebenen Fahrzeugen sich bereits seit längerem durch Dieselfahrverbote und verschärfte Abgasbestimmungen unter Druck, fossile Energieträger und mit ihnen bzw. für sie betriebene Produktionsanlagen verlieren an Wert. All dies könnte noch weiter verstärkt werden. Aber die Folgen sind bereits jetzt da und haben sich bereits tief in die Bilanzen der deutschen Wirtschaft und auch der gesamten Kreditwirtschaft gearbeitet.

…gegen das Nicht-Handeln

Gegen ein Stillhalten gibt es allerdings zu viele erdrückende Symptome für die Auswirkungen des Klimawandels:

  • Der heiße europäische Sommer des Jahres 2018 ist mit seinen Dürren und Waldbränden noch nicht vergessen, im April 2019 wurde aber schon vor erhöhter Waldbrandgefahr und fehlenden Wasserreserven der Natur gewarnt.
  • Der Rückversicherer Munich Re berichtet von USD 160 Mrd. Schäden aus Naturkatastrophen im Jahr 2018

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Quelle: Medieninformation Munich Re: Extreme Wirbelstürme, Waldbrände und Dürren verursachten 2018 hohe Schäden aus Naturkatastrophen

  • Das im S&P 500 gelistete kalifornische Energieversorgungsunternehmen PG&E (Pacific Gas and Electric) meldete am 29.1.2019 ein Insolvenzverfahren zur Restrukturierung an (Chapter 11, News release: PG&E Files for Reorganization Under Chapter 11)
  • Bereits seit über einem Monat führt ungewöhnlich warmes Wetter zu Überschwemmungen im mittleren Westen der USA und damit erheblichen Beeinträchtigungen der Landwirtschaft. Eine schnelle Schneeschmelze in den Rocky Mountains haben vor allem die Oberläufe der Flußsysteme von Missouri und Mississippi erfaßt…

Map

Quelle: Bloomberg 23.4.2019

  • …Während europäische Medien überwiegend von den Beeinträchtigungen in der Landwirtschaft und bei den Transportwegen berichteten, haben die diese Überschwemmungen allerdings noch ganz andere Dimensionen: In den Überschwemmungsgebieten befindet sich rund 30% der us-amerikanischen Anlagen für Ethanol,  Ende März wurden auch mindestens acht Gebiete mit toxisch verseuchten Böden (u.a. Arsene, Benzole, Zyanide) überschwemmt. Diese Gebiete sind offiziell klassifiziert und als sogenannte „Superfund Sites“ für eine Bodensanierung ausgewiesen.

Map

Quelle: Bloomberg 26.3.2019

  • Da die betroffenen Flußsysteme in südöstlicher Richtung zum Atlantik verlaufen und sehr langsame Fließgeschwindigkeiten haben, werden die mit Sedimenten ausgeschwemmten Giftstoffe über eine sehr große Distanz verteilt.

Schon ein Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage gibt zu denken. Noch viel mehr die eindrücklichen Warnungen von berufener Seite:

Rede von Mike Carney, Governor Bank of England, am 21.3.19 in Brüssel: A New Horizon. U.a.:  „Sadly with climate, history repeats not as a farce but as tragedy and with growing frequency.“

Am 28.3.19 stellten die Vereinten Nationen den aktuellen Bericht der globalen metereologischen Organisation WMO (World Metereological Organization) vor: WMO Statement on the state of the global climate in 2018. Ein kleiner Auszug aus der Vorstellung zeigt die Brisanz:

The WMO Statement on the State of the Global Climate in 2018, its 25th anniversary edition, shows how the physical signs and socio-economic impacts of climate change are accelerating as record greenhouse gas concentrations drive global temperatures towards increasingly dangerous levels.

Quelle UN: WMO State of Climate report is “yet another strong wake-up call.”, 29.3.2019

ESPAS (European Strategy and Policy Analysis System) begleitet die Arbeit von EU-Parlament, der EU-Kommission, dem EU-Rat und anderen. Der ESPAS Report 2019: Global Trends to 2030, 5.4.2019 beschreibt für den Fall des Nicht-Handelns bei fortschreitendem Klimawandel die wahrscheinlichen, ausnahmslos sehr dramatischen Szenarien:

Record-breaking warm nights increase five-fold in Europe and costs multiply in several areas: healthcare costs increase as no provisions have been taken to mitigate the impact of heat on older adults; wildfires continue to spread; migration rates increase, and production is significantly reduced by droughts, floods and other extreme events. In addition, climate change pushes more than 100 million people into extreme poverty by 2030 – overturning the important progress made since the 1980s. A growing sense of impeding doom and panic undermines and divides societies, putting at risk our cooperative structures at all levels and stretching the EU’s political stability to breaking point.

Petition 92294: Klimaschutz – Verabschiedung eines verbindlichen, sektorübergreifenden Klimaschutzgesetzes vom 17.03.2019

Seit dem 8.4.2019 kann die o.g. Petition mitgezeichnet werden, die sich an den Petitionsausschuß des Deutschen Bundestags richtet:

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, innerhalb der nächsten sechs Monate ein verbindliches, sektorübergreifendes Klimaschutzgesetz zu verabschieden, das zum Ziel hat, die Netto-Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell abzusenken und bis 2040 möglichst auf null zu reduzieren. Die Klimaziele müssen verbindlich, unaufschiebbar und überprüfbar sein. Das Klimaschutzgesetz muss so schnell wie möglich mit dem Ziel die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, in Kraft treten.

Begründung (Auszug)

Fridays for Future – eine Bewegung hat auch Deutschland erfasst. Tausende Schüler*innen und nun auch Erwachsene gehen für echten, effektiven Klimaschutz auf die Straße. Am 12. März 2019 veröffentlichten auch über 23.000 anerkannte Wissenschaftler*innen als “Scientists4Future” eine Erklärung, die schnelle Taten einfordert und die Klimastreiks der Schüler*innen fundiert unterstützt…

Voller Text, aktueller Stand und Mitzeichnung: Petition 92294

Das Petitionsrecht ist in Artikel 17 Grundgesetz verankert. Die Einreichung Mitzeichnung von Petitionen ist nicht durch Alter, aktives oder passives Wahlrecht, Staatsangehörigkeit und Wohnsitz beschränkt.

Mindestquorum für die Aufnahme einer Petition durch den Petitionsausschuss sind 50.000 Zeichner. Aktueller Stand (29.4.2019 15:40h: 23.020), wovon 5.000 in den letzten 24 Stunden zeichneten. Die Zeichnungsfrist ist noch bis zum 6.5.2019 offen. (Anm.: Die 89913 für eine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung von 130 km/h auf deutschen Autobahnen hatte 59.040 Mitzeichner).

Tomorrow mit Publikumspreis bei Payment & Banking

Mehrfach wurde hier über Tomorrow berichtet, das als neues FinTech-Unternehmen Nachhaltigkeit mit einem frischen Finanzdienstleistungskonzept „hip“ macht (siehe z.B. Nummer Neunundfünfzig. Die Nominierung zum „FinTech des Jahres 2018“ durch den renommierten Branchenblog und Veranstalter Payment & Banking konnte nach dem späten Start im Jahr am 16. November 2018 und der noch überschaubaren Zahl von Nutzern/Kunden (aktuell – 29.4.2019 16h: 4.083, Verdopplung seit 19. Februar, vgl. Nummer Sechsundsechzig).

Bei einem Jurypreis hätten sich vielleicht einige nicht gewundert. Das Konzept ist gut gemacht und funktioniert auch in eigenem Erleben reibungslos. Aber Publikumspreis? Da waren immerhin einige „Titanen“ mit großem Fanclub und üppigen Finanzierungsrunden am Start bzw. in der Auswahl! Also stand die persönliche Wette für den Gewinner bei „wenig(er) Nutzen, aber großer Fangemeinde.

Umso größer war dann die Überraschung, dass der weniger bekannte Neuling Tomorrow den Publikumspreis erhielt: FinTech des Jahres 2018 erhielt. Noch einmal ein „offizieller“ Glückwunsch nach Hamburg. Mit Eurer Karte brauche ich kein teures Blech (ähm Metall, Titan etc. als Karte). Es reicht, was drauf ist…

2018-11-28 Tomorrow11

In eigener Sache

#nachhaltige100

Auf der von der Triodos Bank Deutschland initiierten Liste der in sozialen Medien zum Thema Nachhaltigkeit aktiven Menschen rückte Investabel® wieder einen Platz auf den Rang 72 auf. Insgesamt war gegenüber dem Stand Anfang März 2019 nur sehr wenig Bewegung in den Platzierungen. Aktuelle Übersicht #nachhaltige100

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden (s.u.).

Mitunterzeichner …ForFuture

Gerne bin ich den Aufrufen der „ScientistsForFuture“ www.scientists4future.org und „EntrepreneursForFuture“ www.entrepreneurs4future.de gefolgt und habe die jeweiligen Initiativen mitunterzeichnet.

Mitgestalter FridaysForFuture Bonn

In Bonn werden die Demonstrationen nicht wöchentlich, sondern im Regelfall monatlich organisiert. Für den 12. April 2019 hatten sich die Organisatoren ein etwas anderes Konzept ausgedacht: „Alternativer Unterricht“ wurde in zwei der drei Kundgebungsstunden als Workshops rund um den Bonner Münsterplatz angeboten.

Die Vorbereitung war auch für „Abgebrühte“ eine gewisse Herausforderung: Frei in einer Menschenmenge und auf einem öffentlichen Platz und jede(r) gesellt sich einfach dazu. Es waren diesmal am letzten Schultag vor Ostern bzw. dem Abitur „nur“ ca. 400 Teilnehmer(innen), es hat aber trotz frostigem Wetter viel Spaß gemacht. Hier ein Blick auf das „Klassenzimmer“:

Fotos: Ralf Breuer

Thema waren die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Sie beschreiben umfassend die Herausforderungen für eine nachhaltigere Welt. Da immer nur kleine Zeitfenster vorgesehen waren, wurden die Themen stark auf Ziel 13 Klimaschutz und Ziel 6 Wasser- und Sanitärversorgung eingegrenzt. Während die Teilnehmenden bekanntlich stark vom Klimaschutz motiviert sind, besteht für die weltweite Unterversorgung mit sauberem Wasser und sanitären Anlagen nur wenig Bewusstsein. Auch der im Vergleich zur Lebensnotwendigkeit (ca. 5 Liter) opulente Wasserverbrauch pro Kopf und Tag von 122 Litern war für Viele eine Überraschung.

Da sich das Konzept mit einer Doppelseite Informationen unter den schwierigen Bedingungen bewährt hat, wird es jetzt in der Zivilgesellschaft des Umkreises für jüngere und ältere Interessenten für ca. 1,5 Stunden angeboten. Je nach Alter können die Schwerpunktthemen mit spielerischen Elementen oder weiteren vertiefenden Gesprächen ergänzt werden. Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

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