Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundsiebzig

 

2019-06-18 Sustainable Finance EU TEG interim reports

Titelbild/Bild: Titelblätter der drei von der „Technical Expert Group on Sustainable Finance“ veröffentlichten Diskussionspapiere. Quelle: @EU_Finance via Twitter

Inhalt: EU-Aktionsplan Nachhaltige Finanzwirtschaft: 1. Stimmungsbild in Deutschland – Blinde Flecken der Wahrnehmung 2. Benchmarks – Referenzindices 3. Taxonomie-Klassifizierung nachhaltiger Anlagen und Finanzierungen 4. EU Green Bond Standard; BaFinJournal Juni 2019 mit Nachhaltigkeit; Staat New York mit ambitioniertem Klimaschutzgesetz; Finanzverbünde nun doch mit ApplePay In eigener Sache: #nachhaltige100; Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

2. Juli 2019

Dr. Ralf Breuer

EU-Aktionsplan Nachhaltige Finanzwirtschaft

Am 18.6.2019 veröffentlichte die EU-Kommission gleich vier bedeutende Dokumente zu ihrem Aktionsplan: Die Diskussionsgrundlagen der Experten der „EU Technical Expert Group on Sustainable Finance“ aus ihren Arbeitsgruppen zu Benchmarks, der Taxonomie und einem EU Green Bond Standard sowie eine (nicht-legislative) Direktive für die Berichterstattung über klimabezogene Risiken. Allein die drei Expertenberichte mit insgesamt 560 Seiten bilden schon ein „Pfund“. Zu den einzelnen Teilen unten.

Stimmungsbild in Deutschland: Blinde Flecken der Wahrnehmung

Interessant sind in diesem Zusammenhang Stimmungsbilder, die die Union Investment in ihrem Ergebnisbericht zur Nachhaltgkeitsstudie 2019 zusammengefasst hat. Zwar wird die Regulierung als entscheidender Impulsgeber für Nachhaltigkeit in der instititutionellen Mittelverwaltung angesehen. Allerdings ist der groß angelegte und seit mehr als einem Jahr diskutierte Aktionsplan der EU-Kommission nur einem Drittel der befragten Anleger bekannt.

Union Erwartungen

Quelle: Union Investment, Ergebnisbericht Nachhaltigkeitsstudie 2019, 25.6.2019, S. 10

Union Regulierung

Quelle: Union Investment, Ergebnisbericht Nachhaltigkeitsstudie 2019, 25.6.2019, S. 15

Entsprechend ist es auch wenig überraschend, dass wenige als die Hälfte der befragten Investoren einen gut oder sehr guten Kenntnisstand voraussetzen. Es ist dagegen eher davon auszugehen, dass die tatsächlichen Werte deutlich schlechter ausfallen würden, wenn dies an spezialisierten Beratern gemessen würde.

Union Kenntnisse

Quelle: Union Investment, Ergebnisbericht Nachhaltigkeitsstudie 2019, 25.6.2019, S. 14

2. Benchmarks – Referenzindices

Der Teilbericht geht auf die Konstruktion von Referenzindices für das Klimaabkommen von Paris, Energiewende und die Nachhaltigkeitsberichterstattung ein. Er will vor allem der aktuellen Willkür bei der Konstruktion von vorgeblich nachhaltigen Indices entgegenwirken.

Diese kann an Beispielen (bzw. den auf ihnen basierenden ETFs) leicht illustriert werden:

  1. Naturaktienindex“ (NAI Index) mit 30 Unternehmen: „Für den NAI werden Unternehmen ausgewählt, die global zur Entwicklung ökologisch und sozial nachhaltiger Wirtschaftsstile beitragen.“ – Unter den Unternehmen ist kein einziger Finanzwert.
  2. Der „Deka Oekom Nachhaltigkeit ETF“ mit ebenfalls 30 Unternehmen basiert auf dem Solactive Eurozone Sustainability Index. Was sich ebenfalls nachhaltig liest, enthält aber in diesem Fall 35% Finanzwerte – also ein ganz anderes Themenverständnis.

2019-07-02 Deka Oekom ETF

Solche für Anleger kaum nachvollziehbaren Unterschiede in den gleichermaßen unter Nachhaltigkeit vertriebenen Produkten will die Expertengruppe ausdrücklich entgegenwirken.

3. Taxonomie – Klassifizierung nachhaltiger Anlagen und Finanzierungen

Der sperrigste und mit 414 Seiten umfangreichste Teil der Berichte ist die sogenannte „Taxonomie“ zur Klassifizierung nachhaltiger Anlage- und Finanzierungsinstrumente. Erfreulicherweise haben die Experten neben einer kurzen Zusammenfassung auch eine Art Kurzbeschreibung/Gebrauchsanweisung im Umfang von 26 Seiten bereitgestellt.

2019-06-18 Guide Taxonomy

Quelle: EU-Kommission 18.6.2019

Der Leitfaden gibt einen raschen Überblick über die Inhalte und die Anwendungsbereiche dieser sogenannten „Taxonomie“.

2019-07-02 Taxonomie Inhalte

Aus dem Themenüberblick wird deutlich, dass sich die Experten ausschließlich auf den Umweltbereich bzw. den Klimaschutz konzentriert haben. Damit wird der Begriff Nachhaltigkeit allerdings eng, nach vielfacher Auffassung viel zu eng ausgelegt. Dies ist unverständlich, weil der Plan der EU-Kommission prinzipiell für alle nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) offen wirkte. Dies zeichnete ihn gegenüber anderen Initiativen wie beispielsweise der britischen „UK Green Finance“ gerade aus. Mehr dazu in einem früheren Diskussionsbeitrag (EN): What goes wrong with #SustainableFinanceEU?.

Interessanter Aspekt: Während die Taxonomie lediglich Sachversicherungen im Zusammenhang mit Klimafolgen als Teil der Nachhaltigkeit ansieht, ist die Initiative „InsuResilience“ mit Beteiligung der Versicherungsindustrie deutlich weiter und wohl auch sachlich angemessener angelegt. Sie erfasst u.a. auch risikorelevante Themen im Bereich der Risikopräventition. Hier fehlte offenbar eine adäquate Vernetzung zu den seit zwei Jahren laufenden Aktivitäten: InsuResilience Projektseite der GIZ.

4. EU Green Bond Standard

Die Experten haben einen eigenen europäischen Standard für sogenannte Green Bonds bzw. Klimaanleihen vorgelegt, die zur Finanzierung von CO2-Reduktionen dienen. Dabei wurden gegenüber bestehenden Standards und auch den Vorschlägen der vorausgegangenen Expertenkommission HLEG schärfere Standards vorgeschlagen.

2019-07-02 Green Bond

Quelle: EU-Kommission, Auszug aus dem Diskussionspapier vom 18.6.2019

So sehr klare und hohe Standards zu begrüßen sind, stellt sich auch für diesen Teil der Expertenarbeit die Frage, wieso es denn nur grün und nicht auch sozial oder nachhaltig sein durfte. Auch im Anleihebereich finden sich vielfältige Erscheinungsformen, auch andere nachhaltige Entwicklungsziele zu fördern.

2019-07-02 LGX

Quelle: LGX – Luxembourg Green Exchange

BaFinJournal Juni 2019 mit Nachhaltigkeit

Auf der Titelseite des aktuellen Monatsjournals stellt die BaFin die Frage „Wie sicher ist nachhaltig?“ Der Artikel basiert auf einer repräsentativen Onlineumfrage vom Dezember 2018, die die BaFin in Auftrag gegeben hatte. 60% der Befragten gaben an, den Begriff „nachhaltige Geldanlagen“ noch nie gehört zu haben.

2019-07-01 cover_bafinjournal_1906

Quelle: www.bafin.de

Als Motive stehen Klima- und Umweltschutz stark im Vordergrund. Aber auch humanitäre Aspekte wie Menschenrechte und die Armuts- bzw. Hungerbekämpfung haben für die Konsumenten eine hohe Priorität.

BaFin Motive

BaFinJournal Juni 2019 S. 27

Die Umfrage erhob auch ein Stimmungsbild zu dem von den Befragten beigemessenen Risiko verschiedener Anlagevarianten. Auffällig ist dabei die vergleichsweise geringe Differenzierung zwischen den tatsächlich risikoreicheren Direktanlagen und „klassischen Anlagen“ wie Sparbüchern sowie Investmentfonds.

BaFin Risiko

BaFinJournal Juni 2019 S. 30

Dies dürfte u.a. den auch im Vertrieb der deutschen Finanzwirtschaft wenig entwickelten Kenntnisstand widerspiegeln. Immerhin hatten in der oben zitierten Umfrage der Union Investment 53% der Befragen einen schlechten oder sogar sehr schlechten Kenntnisstand angegeben. Da es sich überwiegend um Auskünfte aus dem (quasi-)institutionellen Bereich handeln dürfte, ergibt sich für das Privatkundengeschäft wohl ein noch deutlicheres Bild der weitverbreiteten Unkenntnis.

Staat New York mit ambitioniertem Klimaschutzgesetz

Am 19.6.2019 verabschiedete der Senat des Bundesstaats New York das wohl ambitionierteste Klimaschutzgesetz der Vereinigten Staaten: Climate Leadership and Community Protection Act (CCPA). Das Gesetz sieht für das Jahr 2050 eine CO2-Neutralität mit einer 85prozentigen Reduktion des Ausstosses von Treibhausgasen vor. Die Energieerzeugung soll bis 2030 zu 70% (aktuell: 23%) auf erneuerbaren Energien beruhen.

Manche Bundesstaaten haben bereits Ziele einer CO2-Reduktion von 80% beschlossen. Washington D.C. dagegen sogar eine CO2-freie Elektrizitätsversorgung bis 2045. Dabei soll ganz auf Kompensationen verzichtet werden, was bei „Neutralität“ bzw. den angegebenen Zielen ansonsten nicht zwangsläufig der Fall ist.

Der Plan beinhaltet u.a. Investitionen zugunsten einkommensschwächerer Gemeinschaften (communities). Bereits im April 2019 hatte die Stadt New York City ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz verabschiedet. dessen Einhaltung schätzungsweise USD 4 Mrd. für die energetische Sanierung von Gebäuden in der Stadt voraussetzt.

Sowohl im Staat als auch in der Stadt New York sind die Vorhaben äußerst ambitioniert und kostspielig, da neben dem energetischen Zustand der Gebäude auch rund 10 Mio. Fahrzeuge betroffen sein werden. Zudem sind im Gesetz weitere Maßnahmen zum Schutz vor den absehbaren Auswirkungen des Klimawandels vorgesehen. (Pressemitteilung des Senats Bundesstaat New York 19.6.2019 (EN).

Finanzverbünde nun doch mit ApplePay

Am 26.6.2019 kommunizierten die Finanzgruppen der Genossenschaftsbanken und der Sparkassen, dass sie zukünftig doch ApplePay unterstützen. Für 2019 ist dies zunächst für Kreditkarten von MasterCard und Visa geplant. Eine Einbindungsmöglichkeit der Girocard (frühere EC-Karte) wurde ohne konkreten Zeitrahmen avisiert.

Insbesondere die Sparkassen hatten ursprünglich großen Widerstand signalisiert und von Apple die Öffnung seiner Schnittstelle für Dritte verlangt. Von dieser Position ist die Finanzgruppe zwischenzeitlich abgerückt.

In eigener Sache

#nachhaltige100

Die von der Triodos Bank Deutschland geführte Liste #nachhaltige100 umfasst 100 Auftritte in sozialen Medien mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Investabel® rückte bei insgesamt wenig Bewegung in der Rangfolge im Juni um einen weiteren Rang von 57 auf 56, nach der großen Bewegung 72 auf 57 im Mai.

https://diefarbedesgeldes.de/nachhaltige100/.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

 

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierundsiebzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Zweiundsiebzig

 

2019-05-25 CO2 Pfade Quaschnik

Titelbild/Bild Prof. Dr. Volker Quaschning, Lehrstuhl für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin am 28.5.2019 via Twitter

Inhalt: Europawahl 2019 – Keine Zukunft ohne Nachhaltigkeit; Zentralbanken und Bankenaufseher zu Klimarisiken; right.open – neues Netzwerk gestartet; Triodos Investment Management: ESG war gestern; Niederlande mit erstem Green Bond und Novum; Klimanotstand durch Politiknotstand; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

28. Mai 2019

Dr. Ralf Breuer

Europawahl 2019 – Keine Zukunft ohne Nachhaltigkeit

Spätestens nach dem heißen Sommer 2018 und den folgenden Landtagswahlen in Bayern und Hessen zeichnete sich die Richtung des Wahlergebnisses bei der Europawahl 2019 in Deutschland sehr klar ab. Dies wurde u.a. in den Ausgaben Nummer Dreiundfünfzig und Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag thematisiert.

2018-10-14 Bayernwahl

Quelle: Twitter/Jörg Schönenborn, WDR, Daten: infratest Dimap

Das Interesse an Nachhaltigkeit im allgemeinen und insbesondere dem Klimaschutz ist seither durch fortlaufende politische Diskussionen auch innerhalb der Bundesregierung und die seit einem halben Jahr stattfindenden Jugendproteste der „FridaysForFuture“ weiter in der Gesellschaft verstärkt worden. Die aktuelle Politik hat dies nicht hinreichend reflektiert: Nummer Einundsiebzig.

Es ist absurd, wenn sich prominente Politiker im Nachgang der Wahl überrascht zeigen und u.a. auf einzelne Videos – z.B. bei YouTube – unmittelbar vor der Wahl hinweisen.

Das deutsche Ergebnis der Europawahl darf in der Höhe der Ergebnisse einzelner Parteien überraschen, nicht aber in Hinblick auf die zugrunde liegenden Entwicklungen. Es reflektiert vielmehr die seit dem Sommer 2018 immer stärker gestiegene Aufmerksamkeit für die Notwendigkeit, dem Klimawandel wirksam zu begegnen. Dies drückt sich u.a. auch in einer Vielzahl von eher informellen Unterstützern der Jugendproteste aus.

2019-05-26 Stimmen Gruene Altersgruppen

Quelle: www.tagesschau.de

Einen interessanten Vergleich bietet die Analyse der CDU-Wähler nach Altersgruppen. Danach lag Bündnis 90/Die Grünen mit der CDU auch bei den 30 bis 40jährigen gleichauf und in der Altersgruppe bis 59 Jahre nur 4%-Punkte hinter der CDU mit 27%.

2019-05-26 Forschungsgruppe Wahlen CDU

Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Bemerkenswert an der Wahlanalyse ist neben der in Wählerbewegungen aufgetretenen Wucht vor allem die Reichweite des Themas Klimaschutz in der Bevölkerung. Bündnis 90/Die Grünen erzielte bei den 25 bis 69jährigen Wählern sehr gleichmäßig Stimmengewinne. Damit erscheint die deutsche Gesellschaft weitaus tiefer von dem Wunsch nach einer wirksamen Bekämpfung des Klimawandels durchdrungen als vielfach angenommen.

Neben der scheinbaren Überraschung der Politik irritiert auch der Umgang der Mehrheit in der deutschen Finanzwirtschaft mit dem Thema Nachhaltigkeit: Deutliche Worte der Finanzmarktregulierung in Zeiten extrem gestiegener Kundeninteressen finden im Produktangebot von Banken und Sparkassen kaum Widerhall. Eher das Gegenteil scheint der Fall, wenn eine neue Werbekampagne des Bundesverbands der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) für die Ansprache von Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren statt auf Nachhaltigkeit lieber auf dem angeblichen „Megatrend 80er“ mit einem völlig sinnfreien Werbevideo aufsetzt:

Dieses Video löste in Branchenkreisen eher Entsetzen als Kopfschütteln aus. Insbesondere auch bei Personen, die in sehr digital affinen Bereichen tätig sind und vor allem auch das „Nutzererlebnis“ (User Experience, UX) im Fokus haben. Schade, mit den Produktionskosten und den dann noch notwendigen Aufwendungen für Sendezeiten könnte wohl viel „Sinn gestiftet“ werden.

Der Vorstandssprecher der – ebenfalls genossenschaftlichen – GLS Bank sieht jedenfalls Digitalisierung an sich lediglich als Werkzeug: „Digitalisierung hingegen sei kein Geschäftsmodell, sondern ein neutrales Instrument, das man nutzen könne oder auch nicht“. So zitiert auf S. 9 der Maiausgabe des Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Es ist durchaus vorstellbar, weitreichende Teile des Finanzdienstleistungsangebots analog bereit zu stellen. Eine Zukunft ohne Nachhaltigkeit erscheint dagegen unmöglich. So der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Felix Hufeld am 9.5.2019 in Berlin: „Wer langfristig im Finanzsektor erfolgreich sein will, wird am Thema Nachhaltigkeit nicht mehr vorbeikommen“ (Pressemitteilung vom 9.5.2019, vgl. auch Nachbericht im BaFinJournal Mai 2019). Die Praxis vermittelt dagegen vielfach den Eindruck, dass eher Digitalisierung als existenzsichernd und Nachhaltigkeit als Beiwerk angesehen wird.

Zentralbanken und Bankenaufseher zu Klimarisiken

Unter dem Titel „A call for action – Climate change as a source of financial risk“ hat das Netzwerk „NGFS – Network for Greening the Financial system“ die aktuelle Sicht von 34 vertretenen Zentralbanken und Bankaufsichtsbehörden zusammengefasst. Deutsche Bundesbank und BaFin sind gemeinsam in diesem weltweiten Netzwerk vertreten.

Der Klimawandel ist Ursache für eine Reihe von Risiken im Finanzmarkt und wird vom NGSF als wesentlich für die Finanzmarktaufsicht und Regulierung angesehen. Die Wirkungsmechanismen werden in der nachfolgenden Grafik auf Seite 14 im Bericht zusammengefasst:

2019-05-25 NGFS Climate-Financial

Quelle: NGFS – A Call for Action, April 2019

Die BaFin hat als Gründungsmitglied den Bericht des NGFS im aktuellen Journal thematisiert: BaFinJournal Mai 2019 S. 33f.

Eine Empfehlung des Berichts besteht in der verstärkten Berücksichtigung von Klimarisiken in der finanziellen Berichterstattung und bei der Bewertung der Finanzmarktstabilität. Hierzu werden aktuell verschiedene Instrumente entwickelt. Ein neues Projekt wurde am 23.5.2019 in Deutschland offiziell gestartet:

right.open – neues Netzwerk gestartet

right.open  ist ein interdisziplinäres wissenschaftliches Netzwerk mit starker deutscher Beteiligung. Es widmet sich der Messbarkeit von Klimarisiken. Kern der Aktivität ist die Weiterentwicklung des sogenannten „XDC-Modell“: „right. based on science hat ein wissenschaftsbasiertes Modell entwickelt, welches Entwicklern von Strategien zum Übergang in eine <2°C-Welt ein Handwerkszeug bietet. In einem Team mit Hintergrund in Rechts-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften, sowie in Psychologie und Mathematik widmet sich right. der Entwicklung des sogenannten XDC-Modells, welches auf Basis klimawissenschaftlicher Erkenntnisse und regulatorischer Anforderungen die wissenschaftsbasierte Klimametrik X-Degree Compatibility („XDC“) berechnet.“

Initiator und Betreiber des Netzwerks ist right. based on science, ein im August 2016 gegründetes Informations- und Beratungsunternehmen, das den Beitrag einer einzelnen wirtschaftlichen Einheit, wie z.B. eines Unternehmens oder einer Anleihe, zum menschengemachten Klimawandel misst. right.open wird dabei als offene Plattform, ohne unmittelbare wirtschaftliche Interessen betrieben.

Beim Kick-off am 23.5.2019 in Frankfurt waren neben Wissenschaft und Wirtschaft auch HSBC Deutschland als Bank sowie die BaFin als Aufsichtsbehörde auf dem Podium vertreten. Frank Pierschel, der „Chief Sustainable Finance Officer“ und „Head of International Banking Supervision“, betonte noch einmal den aus Sicht der BaFin gegebenen dringenden Handlungsbedarf. Dieser bestehe bei Nachhaltigkeit zur Gänze und nicht nur dem Teilaspekt Klimawandel bzw. -risiken. Diese Sicht hat die BaFin nicht nur in ihrem aktuellen Journal (s.o.), sondern auch in den aktuellen BaFinPerspektiven Ausgabe 2|2019 ausführlich thematisiert.

Triodos Investment Management: ESG war gestern

Triodos Investment Management (verwaltetes Vermögen € 4,2 Mrd.) schärft das Profil seiner Anleihe- und Aktienfonds. Nicht mehr Nachhaltigkeit, sondern Wirkung steht im Vordergrund. Damit erfolgt auch eine Veränderung der Anlagestrategie, von „sozial verantwortungsbewußter“ Anlage (Socially Responsible Investing, SRI) hin zu „wirkungsorientierter“ Anlage (Impact Equities and Bonds). Die bisherige Palette von vier Fonds wurde umbenannt und durch zwei weitere Mischfonds mit defensiven und einer offensiven Anlagestrategie ergänzt (Press Release 15 May 2019 (EN).

Niederlande mit erstem Green Bond und Novum

Die Niederlande hat am 21.5.2019 den ersten staatlichen Green Bond mit einem Volumen von knapp € 6 Mrd. platziert. Die 20jährige Staatsanleihe ist der erste Green Bond der höchsten Ratingstufe „AAA“ mit einer Rendite von 0,557 %. Mit Geboten für ein Volumen von € 21,2 Mrd. war die Anleihe deutlich überzeichnet.

Die Überzeichnung wurde von der niederländischen Finanzagentur für ein weiteres Novum genutzt: Sie wählte teilweise Käufer, die eine entsprechende „grüne“ Ausrichtung haben (green real money accounts). Quelle: Dutch State Treasury Agency, Einschätzung www.reuters.com.

Klimanotstand durch Politiknotstand

Wissenschaftler sehen in Deutschland ein deutliches Defizit im politischen Handeln, um die Ziele des Klimaabkommens von Paris 2015 zu erreichen. Nachstehend eine Grafik, die Prof. Dr. Volker Quaschning, Lehrstuhlinhaber für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin am 28.5.2019 via Twitter verbreitete.

Bereits die vorausgegangene Ausgabe Nummer Einundsiebzig widmete dem Thema Politiknotstand/Klimanotstand im Vorfeld der Europwahl.

Zwischenzeitlich haben weitere deutsche Städte den Klimanotstand erklärt: Bad Segeberg (22.5.19) Kiel (erste Landeshauptstadt, 15.5.19), Ludwigslust (16.5.19), Lübeck (23.5.19) Münster (22.5.2019) und Tönisforst (erste Stadt in NRW, 16.5.19).

Im Ausland haben bereits u.a. Großbritannien und Irland sowie kommunal/regional die Stadt Mailand und acht Kantone der Schweiz (u.a. Basel, Bern, Genf und Zürich) den Klimanotstand erklärt. Eine laufend aktualisierte Liste findet sich bei: www.klimabuendnis-hamm.de

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

 

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Zweiundsiebzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundundsechzig

 

2019-03-13 Betreutes Schwänzen

Beitragsbild/Bild: Cartoon Rabe via @ErnstvAll auf Twitter

Inhalt: Vorneweg: Nachhaltigkeit, Jugendproteste und Banken?; Nicht nur für Freitage – #FridaysForFuture; Auch in Deutschland wachsen Banken mit Werten; Tomorrow für alle und sofort; Weltbank mit neuer SDG-Anleihe; SustainableFinance – Anspruch ja, Handeln nein? In eigener Sache:  Angebote Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. März 2019,

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg: Nachhaltigkeit, Jugendproteste und Banken?

Wieso so viel nachstehend über die jugendlichen Proteste an den #FridaysForFuture? Selbst wenn sich diese Welle abschwächt, ist der Klimawandel noch tiefer im Bewußtsein der Gesellschaft und Kunden angekommen. Eine Gruppe von 15 Banken hat in Deutschland mit einem inhaltlich abweichenden, aber jeweils starken Wertefokus über die vergangenen zehn Jahre eine bemerkenswerte Größe erreicht (s.u.).

Die australische Onlinebank UBank (500.000 Kunden) hat kürzlich sogar Einlagenkonten von der Climate Bonds Initiative (CBI) zertifizieren lassen. Üblicherweise zertifiziert die CBI internationale Klimaanleihen (Climate Bonds, Green Bonds). Ziel der UBank: Die Attraktivität für junge Kunden (Millenials) steigern.

Die zertifizierten Einlagen werden zweckgebunden in Projekten für erneuerbare Energie, CO2-armen Transport sowie energetisches Bauen verwendet. (Presseerklärung EN: Media release, 13 March 2019: Green Term Deposits: add some colour to your savings – Grüne Termineinlagen: bringen Sie etwas Farbe in Ihre Ersparnisse).

Nicht nur für Freitage – #FridaysForFuture…

Freitag, 15.3.2019 und schlechtes Wetter in Deutschland. Aber 300.000 junge und ältere Menschen mit der Forderung nach einem wirksamen Klimaschutz auf den Straßen. Insgesamt waren 199 Demonstrationen angekündigt, weltweit 2.052 in 123 Ländern (Quelle: www.fridaysforfuture.org). Tolle Bilder engagierter, um die Zukunft besorgter Menschen aus der ganzen Welt. Eine eindrucksvolle Zusammenstellung erstellte die New York Times.

Viel gescholten wurde in den letzten Tagen der Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP, Christian Lindner für seine Aussage gegenüber der BILD Zeitung.

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Quelle: BILD Zeitung

Delikaterweise sah er das selbst im Alter von 17 Jahren ganz anders.

„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere handelt“

So formulierte er es am Schluß eines Videos, dass ihn als Schüler zeigt, der bereits mit einem Freund und Mitschüler als Unternehmensberater tätig ist.

…nicht nur Jungendliche

2019-03-15 Grandpa for Future

Quelle: @parents4future via Twitter

Zwischenzeitlich haben sich in Deutschland viele Regionalgruppen und über 100 Ortsgruppen engagierter Eltern informell als Parents For Future gebildet. Sie sind als Teilnehmer und Ordner bei den jugendlichen Protesten engagiert.

2019-03-15 Family for Future

Quelle: Benedikt Kirpes via Twitter

Und auch die Wissenschaft!

2019-03-15 SCI4Future 23000

Quelle: www.scientistsforfuture.de

Mehr als 23.000 aktive und ehemalige Forscher im deutschsprachigen Raum unterzeichneten den Aufruf von namhaften Wissenschaftlern zur Unterstützung der Demonstrierenden für einen konsequenten Klimaschutz. Auf 40 Demonstrationen trugen Forscher diesen Appell vor.

Beeindruckend und erschütternd zugleich war die initiale Pressekonferenz am 12.3.2019 in Berlin, bei der vier renommierte Wissenschaftler die Forderungen der „ScientistsForFuture“ vortrugen. Und neben den Wissenschaftlern waren mit Luisa Neubauer und Jakob Blasel auch auch zwei aktive junge Aktivisten auf dem Podium.

Der hörens- und lesenswerte Appell als Video und Stellungnahme sind auf der Internetseite der Wissenschaftler verlinkt: https://www.scientists4future.org/presse/

Mit 16 für den Friedensnobelpreis nominiert!?

Drei norwegische Abgeordnete haben die beispielgebende Greta Thunberg, die die Schulstreiks allein in Stockholm begann, am 14.3.2019 für den Friedensnobelpreis nominiert. In jedem Falle ein weiteres starkes Zeichen an die jugendlichen Demonstranten.

Und dann?

Sicherlich wird die Protestwelle irgendwann an Kraft verlieren. Aber es ist interessant zu lesen, welche Ergebnisse Massenproteste in den letzten 50 Jahren hatten. Die britische Seite für Wissenschaftsjournalismus The Conversation hat dies in einem Artikel sehr nüchtern und anschaulich zusammengefasst (EN): School climate strikes: what next for the latest generation of activists?

Immerhin gab es am 18.3.2019 um 16:10h große Worte von Bundesumweltministerien Svenja Schulze zu den Absichten der Bundesregierung:

Auch in Deutschland wachsen Banken mit Werten

Nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen des Bundesverbands Deutscher Volk- und Raiffeisenbanken (BVR 12.3.2019) haben die Banken mit einem starken (kirchlichen, nachhaltigen oder ökologischen) Wertefokus in Deutschland 2018 eine summierte Bilanzsumme von rund € 65 Mrd. (BVR, Unternehmensangaben, eigene Berechnungen)erreicht und übertreffen damit deutlich die größte deutsche Sparkasse in Hamburg (Bilanzsumme H1 2018: € 44 Mrd.) deutlich.

In der genossenschaftlichen Finanzgruppe 7 dieser Banken zu den 25 größten Instituten. Bemerkenswert ist das Wachstumstempo dieser Bankengruppe: Bei der Bilanzsumme und den Einlagen wuchs sieh im Durchschnitt der letzten 10 Jahre um 0,5 Prozentpunkte stärker als die gesamte genossenschaftliche Finanzgruppe, bei den Kundenforderungen sogar um zwei Prozentpunkte (BVR, Unternehmensangaben, eigene Berechnungen). Rekordhalter ist die GLS Bank, deren Bilanzsumme sich in der Bilanzsumme seit 2008 nahezu versechsfachte, was in allen drei Positionen einem jährlichen Wachstum von annähern 18% über diesen Zeitraum entsprach.

Tomorrow für alle und sofort

Seit dem Start am 16. November 2018 konnte Tomorrow 2.925 Nutzer begrüßen (Stand: 18.3.2019 10:30h, Tomorrow App). Seit dem 11.3.2019 können Interessanten sofort Kunden werden. Bis dahin war dies nur über einen Platz auf der Warteliste und einen persönlichen Einladungscode möglich. Tomorrow wollte hierdurch einen reibungslosen Start sicherstellen. Dies scheint insgesamt gelungen wie ein Blick in die (offene) „Tomorrow Communitiy“ auf Facebook zeigt: Tomorrow Community – Öffentliche Gruppe

 

2018-11-21 Tomorrow4

Tomorrow finanziert aus Interbankgebühren Baumpflanzungsprogramme. Eine Idee, die gut angenommen wird. So z.B. auch in China: Green Digital Finance.

Weltbank mit neuer SDG-Anleihe

Das Nachhaltigkeit weit über ökologische Bemühungen hinaus reicht, wird anhand einer von der Weltbank am Weltfrauentag (8.3.) platzierten neuen Anleihe deutlich. Eine fünfjährige Anleihe über 500 Mrd. indonesische Rupien (IDR, USD 35 Mio.) dient der Bekämpfung von Hunger und Armut sowie der Gleichstellung von Frauen in ländlichen Regionen. Damit werden gleich drei der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) gleichzeitig adressiert.

Sustainable Finance – Anspruch ja, Handeln nein?

Eigentlich hebt man sich für den Schluss etwas Gutes auf. Hier allerdings die weniger schöne, eher betrübliche Nachricht: Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Siebenundsechzig: Ein Jahr EU-Aktionsplan berichtete von dem Anspruch „Bundesregierung will Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort machen“ (sic). Allerdings: Die nächste hochrangige Konferenz zu diesem Thema am 21.3.2019 in Brüssel findet erneut ohne nennenswertes Engagement Deutschlands statt. Jedenfalls steht das Programm hierzu in einem eklatanten Widerspruch: High-Level Conference on Sustainable Finance: A global approach to sustainable finance.

Schon im vergangenen Jahr war das Fehlen prominenter deutscher Vertreter auffällig: Der Finanzminister Olaf Scholz war avisiert, aber nicht anwesend. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel war auf dem Weg nach Brüssel. Srecher waren u.a. Michael Bloomberg, Jean-Claude Juncker und Emmanuel Macron. (Bericht am 25.5.2018: Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung).

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das „FNG-Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem läßt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen.

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundvierzig

Beitragsbild: Handelsverband Deutschland – HDE e.V.

Inhalt:  Milliardenmarkt Nachhaltigkeit; EU-Aktionsplan: Entwurf für Anpassung von MiFIDII; Genossenschaftsbanken mit missverständlicher Aussage; GLS Crowd mit beeindruckender Zeichnung; Wachstum in vielen Segmenten; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

26. Juli 2018

Dr. Ralf Breuer

Milliardenmarkt Nachhaltigkeit

2018-07-26 Handel

Mit eindrucksvollen Zahlen und Wachstumsraten unterstreicht der HDE als Spitzenverband des deutschen Einzelhandels die Marktdimension und das anhaltende Momentum. Umso verwunderlicher, dass nur wenige Banken dem starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichem Trend wirklich folgen. Die Teile der Kreditwirtschaft, die Nachhaltigkeit als geschäftspolitischen Treiber erkannt haben, erfreuen sich dagegen beachtlicher Wachstumsraten wie in einigen nachfolgenden Beispielen deutlich wird. Der HDE hat selbst eine umfangreiche Nachhaltigkeitsstrategie

Zuvor aber noch ein weiterer kurzer Diskurs in den (französischen) Einzelhandels. Hier sorgte das lokale Angebot eines Standorts einer grossen Supermarktkette für beträchtliche Aufregung in den sozialen Medien: Vorportionierte frische Lebensmittel in Verpackungen, z.B. drei halbierte Tomaten zu Kilopreis von € 6,90.

EU-Aktionsplan: Entwurf für Anpassung von MiFIDII

Der von der EU-Kommission vorgelegte Entwurf für Anpassungen von MiFIDII sieht im Wesentlichen vor, entsprechende Beratungswünsche von Kunden erfüllen zu können. Das schliesst noch nicht die durchgängige Befähigung aller Kundenberater ein. Allerdings würden schon die relativ schwach formulierten Anforderungen im Entwurf weite Teile der Kreditwirtschaft vor erhebliche Probleme stellen und einen großen Schulungsbedarf nach sich ziehen.

Einige Einwände zielen auf mangelnde Standards und auch fehlende Objektivität von Nachhaltigkeitskriterien, was die Kommission erkannt hat und in den Erläuterungen aufgreift. Insofern könnte der Vorschlag des Bankenverbands zielführend sein, Beratungspflichten nach der Erstellung von Produktstandards („Taxonomie“) einzuführen. Dies hat auch die genossenschaftliche Finanzgruppe aufgegriffen (s.u.).

Genossenschaftsbanken mit missverständlicher Aussage

Im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am hat sich die genossenschaftliche Finanzgruppe etwas missverständlich positioniert:

2018-07-26 BVR

Quelle: BVR – Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V.

Mit der zweiten Aussage ist gemäß den Aussagen von Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann die Abgrenzung von bilanziellen Produkten zu Kapitalmarktinstrumenten gemeint, nicht aber „traditionell“ versus „nachhaltig“ (vgl. S. 4f. Statement Hofmann).

Es ist richtig, dass die EU-Kommission sehr gradlinig eine regulatorische Entlastung nachhaltiger Produkte vorgeschlagen hat. Dies dürfte für die Regulierungsbehörden kaum tragbar sein. Sie werden vielmehr argumentieren, dass weite Teile der Kreditwirtschaft neue Risikotreiber, insbesondere Klimarisiken noch nicht hinreichend erkannt und gehandhabt haben. (Vgl. insbesondere Nummer Neununddreissig).

GLS Crowd mit beeindruckender Zeichnung

Am 24.7.2018 konnte die GLS Crowd mit EXYTRON eine beeindruckende Zeichung erleben. Nach nur drei Stunden war der Gesamtbetrag von € 550.000 (7%, 5 Jahre, ggf. 4% Bonus) vollständig platziert. Exytron hat ein Verfahren zur Speicherung und Rückgewinnung erneuerbarer Energien (durch Gas) entwickelt. Einzelheiten in der Projektbeschreibung. Nach telefonischer Auskunft der GLS Crowd am 24.7.2018 spielten hierbei größere Einzelinvestments ausserhalb des Schwarmfinanzierungsprozesses keine Rolle. Es besteht mittlerweile die Möglichkeit auch individuelle Einzelanlagen im Bereich von € 20.000 bis € 100.000 zu tätigen (Informationen bei GLS Crowd). (N.B.: Die GLS Crowd nutzt zwar das Logo und den Slogan der GLS Bank, wird aber nicht von dieser betrieben. Die Bank schlägt lediglich die Projekte vor.)

Beobachtungen der Zeichnungsverläufe zeigen, dass sich Energieprojekte ein höheren Beliebheit erfreuen als beispielsweise Betriebsmittelfinanzierungen im (nachhaltigen) Einzelhandel. Eine nähere Beschreibung von Crowdfinanzierungen findet sich auf der Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

Wachstum in vielen Segmenten…

Bloomberg veröffentlicht wöchentlich eine Nachrichtenzusammenstellung zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft: Weekly Brief: Sustainable Finance. Die aktuelle Ausgabe berichtet u.a. von einer steigenden Anzahl von Großkrediten jenseits von € 1 Mrd., deren Konditionen von der Entwicklung vordefinierter Nachhaltigkeitskriterien abhängen. Nach neun solcher Kredite in Europa 2017 wurden 2018 schon 12 nachhaltigkeitsorientierter Fazilitäten registriert. Auch das Segment „grüner Anleihen“ wird weiter wachsen. So erwartet BNP Paribas bis 2019 gegenüber 2017 schon eine Verdreifachung des Volumens in Japan auf mehr als € 6 Mrd.

Zweiter Sustainable Finance Gipfel Deutschland

Am 25.9.2018 lädt der Hub for Sustainable Finance Deutschland zum zweiten Gipfeltreffen in Frankfurt ein. Programm und Ansprechpartner für eine Einladung zur Teilnahme finden sich auf der Seite des H4SF – Hub for Sustainable Finance Germany Investabel® wird hier als einer der Beiträge geführt.

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

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