Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Zum (un-)guten Schluss

Titelbild: Anhangbericht der Technical Expert Group on Sustainable Finance

Inhalt: Vorneweg; Weltklimakonferenz – Nach Madrid, vor Glasgow…; „Europäischer Grüner Deal“; EU Aktionsplan: Einigkeit bei der Taxonomie; Der (CO2-)Pfad ist das Ziel (Nr. X); Green Bond Fonds in Deutschland: Volumen verdoppelt; BlackRock: USD 1 Mrd. für erneuerbare Energien; Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Webinar; Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

17. Dezember 2019

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg

Jahresschlußausgabe ja oder nein? Und womit? Zunächst einmal natürlich alle guten Wünsche an die Leser!

Der Titel der heutigen Ausgabe ist durch das praktisch ergebnislose Ende der Weltklimakonferenz, dem modifizierten Klimapaket sowie Fortschritten in der Europäischen Union geprägt. Ein wirklich „guter Schluss“ hätte andere Ergebnisse aus Madrid vorausgesetzt, aber wirklich „ungut“ wäre auch nicht angemessen. Deshalb eine Ausgabe „Nachhaltigere Finanzwirtschaft – zum (un-)guten Schluss.

Weltklimakonferenz: Nach Madrid, vor Glasgow…

Die Konferenz wurde bekanntermaßen von Santiago de Chile nach Madrid verlegt, behielt aber mit dem Zusatz „Madrid 2019“ ihren ursprünglichen Titel. Die nächste Konferenz soll vom 9. bis 19 November 2020 im schottischen Glasgow stattfinden. Vor dem Hintergrund von Brexit und regionalen Unabhängigkeitsbestrebungen dürfte die Angabe des gastgebenden Staates ebenso mit Spannung erwartet werden wie der Verlauf: Die mit #TimeForAction bzw. #TiempoDeActuar auf der Bühne anbebrachten Aufforderungen zu Handeln, mündeten bekanntermaßen in einer weitgehenden Vertagung auf die Folgeveranstaltung „COP26“ 2020.

Neben dem generellen Eindruck weitreichender Ergebnislosigkeit bleibt dann die in den Medien viel kolportierte Zugfahrt von Greta Thunberg durch Deutschland. Dagegen fand die Bundesumweltministerien ein eigenes Mittel gegen ihren Frust: Sie verbreitete am 16.12. ihre „schönsten“ Momente aus Madrid auf Twitter:

„Europäischer grüner Deal“

Am 11. Dezember 2019 hat die Europäische Kommission ihren „European Green Deal“ präsentiert, der u.a. eine CO2-Neutralität der Gemeinschaft ab dem Jahr 2050 anstrebt. Die Elemente dieses Pakets wurden vorab kommuniziert und dargestellt. Eine schematische Übersicht der Maßnahmen, die über den reinen Klimaschutz hinausreichen sollen, hat die Kommission schon vor einiger Zeit veröffentlicht:

2019-12-11 EU green deal

Die Kommission hat das Paket mit einem ambitionierten Zeitplan versehen, nach dem alle Komponenten bis zum Jahr 2021 erarbeitet werden sollen. Zu den Einzelheiten der Vorschläge mit weiterführenden Dokumenten (DE):

 https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/IP_19_6691

EU Aktionsplan: Einigkeit bei der Taxonomie

Die EU-Kommission erwartet nunmehr eine Verabschiedung der sogenannten „Taxonomie“ für nachhaltige Finanzinstrumente durch das Europäische Parlament

Diskussionen wurden insbesondere über atomare Energieerzeugung geführt: Während Deutschland, Luxemburg und Österreich Atomkraft strikt ablehnen, wird sie z.B. in Frankreich als saubere Technologie ohne Treibhausgase betrachtet. Zwischenzeitlich wurde auch deutlich, dass die Systematik in der Folge auch um nicht-ökologische Aspekte der Nachhaltigkeit erweitert werden soll.

Der (CO2-)Pfad ist das Ziel (Nr. X)

Die von der der technischen Expertengruppe der EU vorgeschlagenen neuen Benchmarks für alle Anlageklassen mit Ausnahme einiger Derivate orientieren sich am Klimaschutzabkommen von Paris bzw. „Dekarbonisierungspfaden“ zur Verminderung des Ausstoßes von Treibhausgasen: „Paris-aligned“ (EU PAB) und „climate-transition“ (EU CTB) mit Erwärmungspfaden von 1,5° bwz. 2°.

Strategien zur CO2-Reduktion werden damit immer mehr auch zu einem Treiber von institutionellen Investoren. Viele Unternehmen haben bereits eigene, unterschiedlich ambitionierte Programme zur Verringerung des Ausstoßes an Treibhausgasen kommuniziert. Einige Beispiele sind in der Nummer Zweiundachtzig zusammen gestellt.

Die Anzahl der Unternehmen, die konkrete Zielgrößen nennen, wächst stetig: Seit Ende September 2019 stieg allein bei https://sciencebasedtargets.org die Zahl der Selbstverpflichtungen um 144 auf nunmehr 749 (Stand 17.12.19 12h). Zu diesem Zeitpunkt waren darunter 30 deutsche Unternehmen in sehr unterschiedlicher Größenordnung. Darunter war auch die HeidelCement AG als ein sehr CO2-intensives Unternehmen. Der Zielpfad entspricht nach den im Mai 2019 kommunizierten Zielen einer Erwärmung um 2°.

Green Bond Fonds in Deutschland: Volumen verdoppelt

Gemäß einer aktuellen Studie von Scope hat sich die Zahl der in Deutschland zugelassenen Fonds auf Green Bonds im Zeitraum November 2018 bis 2019 um fünf auf 29 erhöht. Gleichzeitig ist das verwaltete Volumen um 150% auf € 5,8 Mrd. gestiegen. Dabei entfallen 58% des Volumens auf die fünf größten Fonds. Darunter ist auch der iShares Green Bond Index, bei dem das Volumen um 440% auf € 881 Mio. stieg. Wie die Mehrzahl der Fonds ist dieses Produkt institutionellen Anlegern vorbehalten. Mit € 100 Mio. ist die Mindestanlage außergewöhnlich hoch. Download der Studie von Scope

Green Bonds bieten derzeit die transparenteste Anlagemöglichkeit in Green Bonds. Insbesondere dann, wenn sie mit einem entsprechenden Testat bzw. einer Zertifizierung nach dem „Green Bonds Standard“ versehen sind. Es ist wenig verständlich, dass nur wenige Fonds für Privatanleger zugelassen wurden, da sie in Zeiten niedriger Zinsen eine hervorragende Alternative für den Gesamtmarkt wären.

BlackRock: USD 1 Mrd. für erneuerbare Energien

Am 4.12.2019 berichtete BlackRock über ein Volumen von USD 1 Mrd., dass seinem Investmentvehikel „GRP III“ (Global Renewable Power III) von weltweit 35 Investoren zufliessen wird. Der Fonds investiert in Projekte zur Erzeugung, Speicherung und Verteilung erneuerbarer Energien. Mittlerweile verwaltet die Gesellschaft ein Portfolio von USD 5,5 Mrd. in diesem Bereich. Die Mittel stammen von rund 150 Investoren und wurden in über 250 Projekte weltweit investiert. Press Release 4.12.2019

Seminar-/Veranstaltungstermine

Webinar: #FinanceForFuture – Klimarisiken & Nachhaltigkeit: Neue Kernthemen für Regulierung, externe Berichterstattung und Geschäftspolitik

Neuer Termin: 6.3.2020, 10 – 11:30h

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet ab März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

In eigener Sache

Neues Format: Workshops „In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

2019-04-12_FFF BN1

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Zweiundachtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundachtzig

 

2019-11-19 Bornscheidt

Titelbild/Bild: Folie aus dem Vortrag von Christoph Bornschein (TLGG) bei der „Transactions19“ am 19.11.2019 in Offenbach

Inhalt:  Dissens bei Klimarisiken?!; Selbst ist die Finanzwirtschaft; Klimastrategie Europäische Investitionsbank (EIB); Easyjet kompensiert die Treibhausgase; Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft wächst stark; Nachlese Transactions19; Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Webinar, VÖB BarCamp; Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020; In eigener Sache: Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

27. November 2019

Dr. Ralf Breuer

Dissens bei Klimarisiken?!

In den letzten Tagen offenbarten sich grundsätzliche Unterschiede in der Einschätzung der Relevanz von Klimarisiken in der Finanzwirtschaft. Diese bestehen offenbar innerhalb der Branche zwischen Kreditinstituten und Versicherungsunternehmen sowie auch zwischen den Finanzaufsichtsbehörden und der deutschen Kreditwirtschaft andererseits.

Symptomatisch erscheinen folgende Ausführungen auf S. 215 im am 26.11.2019 vorgestellten Monitoringbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel:

„Versicherungsunternehmen beschäftigen sich daher schon seit längerem intensiv mit den möglichen Folgen des Klimawandels und entwickeln Strategien, um in Zukunft auch mit größeren und häufigeren Schadensereignissen umgehen zu können.

Demgegenüber schätzen die Kreditinstitute die physischen Risiken des Klimawandels
zumindest für die nahe Zukunft als beherrschbar ein. Negative Auswirkungen auf die
Bonität und Liquidität sowie die Sicherheit von Schuldnerinnen und Schuldnern oder die
Möglichkeit eines Wertverlusts von Vermögensanlagen werden bislang weniger als Risiko
gesehen als bei Versicherungen. Dies gilt insbesondere für die regionalen Kreditinstitute,
die nahezu ausschließlich innerhalb Deutschlands aktiv sind und einen großen Teil des
inländischen Kreditgeschäfts abwickeln. Für die Kreditinstitute stehen vielmehr Regulationsrisiken, die aus sich verschärfenden Klimaschutz-Auflagen für ihre Kunden entstehen, oder Reputationsrisiken, die mit Investitionen in klimaschädliche Projekte einhergehen können, im Vordergrund.“

Wenn mit „Regulationsrisiken“ z.B. Dieselfahrverbote gemeint sein sollten, was sind dann betrieblichen operativen und Investitionsrisiken von Handwerksbetrieben anderes als klassische Kreditrisiken? Sind sinkende Restwerte für Gebrauchtfahrzeuge kein Problem bei Kreditsicherheiten und Leasingverträgen? Sind strukturelle Veränderungen in der  Automobilindustrie mit Stellenstreichungen und veränderten Produktionsstrukturen etwa irrelevant? Das sehen die (internationalen) Bankaufsichtsbehörden grundlegend anders! (vgl. z.B. Klimarisiken + Nachhaltigkeit – Neue Fokusthemen in der Finanzwirtschaft)

SustainableFinance vs. „Germanische Dörfer“?

Am 22. November veröffentlichte die gemeinsame Interessenvertretung der kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände eine „Stellungnahme zum Thema „Sustainable Finance“ anlässlich der öffentlichen Sitzung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages am 25. November 2019. Sie wiederholt die bereits am 16.10.2019  (SustainableFinance) und 2.11.2019 (Merkblatt Nachhaltigkeitsrisiken der BaFin) vertretenen Positionen und offenbart deutlich die oben genannten Widersprüche:

  • Mangelnde Berücksichtigung bilanzieller Finanzierungsinstrument
  • Fehlende Rahmenbedingungen unter Einbeziehung der Realwirtschaft
  • Mangelnde Zeit für die Umsetzung
  • Kritik der BaFin wegen eines möglichen Vorpreschens vor den europäischen Regulierungsbehörden

Die starke Ausrichtung des EU-Aktionsplans an Instrumenten des Finanzmarkts ist auch der ignorante Haltung vieler Finanzgruppen im Vorfeld geschuldet: So war z.B. unter den 500 Teilnehmern bei der Präsentation der Zwischenergebnisse der EU-Expertengruppe 2017 in Brüssel die deutsche Kreditwirtschaft nur sehr spärlich vertreten.

Aufgrund des Zinsumfelds haben in den vergangenen Jahren mehr Genossenschaftsbanken und Sparkassen ihre nachhaltigen Einlagenangebote eingestellt als fortgeführt. Obwohl geeignete Fonds und/oder strukturierte Produkte eine willkommene Entlastung bei niedrigen Zinsen sein könnten, wurden keine innovativen Lösungen entwickelt.

Die Ausformulierung des Aktionsplans und seine Präsentation u.a. durch den Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, den französischen Staatspräsidenten Emanuel Macron und Michael Bloomberg fiel in die Zeit der Regierungsbildung, so dass sich Deutschland auch politisch nicht beteiligte.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat mit ihrem „Merkblatt Nachhaltigkeitsrisiken“ offenbar empfindliche Nerven in der Branche getroffen. Da sich aber direkte und indirekte Klimarisiken nach dem Erkenntnisstand der internationalen Bankaufsichtsbehörden und Notenbanken bereits tief in die Wirtschaft hineingearbeitet haben, sind die Aufseher in der Pflicht, was sogar in der jüngsten Stellungnahme der DK ausdrücklich bestätigt wird: “ Deshalb ist es verständlich, dass sich die Aufsicht aktuell mit den Auswirkungen von Klima- und Umweltrisiken, sozialen Risiken sowie Risiken aus der Unternehmensführung auf die Finanzwirtschaft befasst.“Stellungnahme vom 22.11.2019 S. 3.

Die BaFin handelt bei Nachhaltigkeitsrisiken ganz bewußt

Nach eigenen Aussagen hat die BaFin ganz bewusst ein Merkblatt statt einer formellen Regulierungsvorschrift gewählt. Und eine Aussage des Bundesbankpräsidenten vom 29.10. unterstreicht die hohe Dringlichkeit des Blicks auf Nachhaltigkeitsrisiken, da sich gemäß einer Umfrage der Bundesbank zwei Drittel (!!!) der kleinen und mittleren Banken bisher noch gar nicht mit Klimarisiken beschäftigt hätten.

Selbst ist die Finanzwirtschaft

Die britische „Investment Association“ (IA) hat am 18.11.2019 ein neues Rahmenwerk für nachhaltige Anlageformen veröffentlicht: IA RESPONSIBLE INVESTMENT FRAMEWORK FINAL REPORT. Die Gruppe steht für ein verwaltetes Vermögen von USD 9,9 Bio. Die IA spricht sich ausdrücklich für eine Vielfalt nachhaltiger Anlageformen aus, will aber mit ihrem Rahmenwerk die dringend benötigte Transparenz für die Anleger herstellen. Der Ansatz ähnelt stark dem des „Forums für nachhaltige Geldanlagen“ (https://www.forum-ng.org/de/), ist aber eher etwas formeller und differenzierter.

Ähnlich sind die jüngsten Ansätze des Vermögensverwalters BlackRock zu werten. Er hat innerhalb der Kategorie von „Green Bonds“ eine Skala von Grüntönen („Shades of Green“) definiert: Von Dunkel- über Mittel- und Leicht- reicht sie bis zu einem sehr leichten Grün Environmental Finance (registrierungs-/kostenpflichtig). Ein ähnliches System hatte bereits 2015 Cicero, Oslo, für alle Finanzierungsformen vorgestellt:

Quelle: https://www.cicero.oslo.no/en/posts/single/cicero-shades-of-green 2015

Wirklich neu am Vorschlag von BlackRock ist 1. Die Differenzierung innerhalb von (CBI-) zertifizierten Green Bonds mit 2. dem Bezug auf das Klimaabkommen von Paris bzw. die für den Klimaschutz notwendige De-Karbonisierung. Und damit gilt:

Der (CO2-)Pfad ist das Ziel

CO2 steht hier vulgo für Treibhausgase, die als CO2-Äquivalente gemessen werden. Bei BlackRock gelten lediglich solche Anleihen als „dunkelgrün“, die der Welt auf den wissenschaftlich notwendigen CO2-Pfad mit einer Neutralität ab dem Jahr 2050 führen. als „mittelgrün“ gelten dagegen solche Bonds, die zwar zu einer Reduzierung der Emissionen beitragen, aber noch nicht auf einen Pfad unterhalb von 2° Erderwärmung führen.

Die Pfadorientierung zeichnet sich neben der Agenda 2030 mit ihren 17 Problemfeldern (SDGs) als neuer Konsensus für die Bestimmung ökologischer Nachhaltigkeit ab. Auch die von der der technischen Expertengruppe der EU vorgeschlagenen Benchmarks für alle Anlageklassen mit Ausnahme einiger Derivate orientieren sich an vergleichbaren Kategorien bzw. am Klimaschutzabkommen von Paris: „Paris-aligned“ entspricht „dunkelgrün“, „climate-transition“ mittelgrün (mit Erwärmungspfaden von 1,5° bwz. 2°).

Die EU-Experten haben zusätzlich eine Benchmark für die Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsindikatoren vorgeschlagen. Diese ist aber als „Mindeststandard ESG“ formuliert. Die vorgeschlagenen Kriterien sind eine Mischung aus qualitativen und quantitativen Kriterien sowie aggregierten und Rohdaten.

Eigene Untersuchungen und die nachstehende Grafik von BlackRock legen zudem nahe, dass die klassischen „ESG-Daten“ bzw. -Scores nur sehr schwach mit den Klimapfaden korreliert sind. Je enger das Marktsegment ist, desto geringer erscheint der Zusammenhang:

2019-11-26 BlackRock1

Bei kleinen U.S.-Unternehmen ergibt sich sogar eine negative Korrelation. Dies kann u.a. darauf beruhen, dass in diesem Segment auch viele umwelttechnische Pioniere tätig sind, die selbst für ihre Produktion zunächst eine hohe CO2-Intensität aufweisen (müssen).

Einige Unternehmen haben in ihren Entscheidung bereits auf  gewandelten Blick auf Unternehmen bzw. ihre Finanzierungsinstrument ohne ausdrücklichen Bezug auf die erwähnte Systematik oder gar so etwas wie einer offiziellen „Taxonomie“ vorweggenommen. Nachstehend einige Beispiele:

Klimastrategie Europäische Investitionsbank (EIB)

Die Europäische Investitionsbank EIB gab am 14.11.2019 ihre neue Finanzierungsstrategie für den Klimaschutz mit den folgenden Eckpunkten bekannt:

  • Keine neuen Finanzierungen für Projekte mit fossilen Energieträgern nach 2021
  • Finanzierungen sollen künftig Innovationen für saubere Energie, Energieeffizienz und erneuerbare Energien vorantreiben
  • EIB-Gruppe will bis 2030 Investitionen von 1 Billion Euro in Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit mobilisieren
  • Alle Finanzierungsaktivitäten der EIB-Gruppe werden bis 2020 auf die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens ausgerichtet

Die Bank stellt am Schluss ihrer Pressemitteilung fest: „Zwei Wochen vor der UN-Klimakonferenz in Madrid senden wir ein wichtiges Signal an die Welt: Die Europäische Union und ihre Bank – die EIB – werden in beispiellosem Umfang Geld für Klimaschutzprojekte in der ganzen Welt mobilisieren. Außerdem setzen wir alles daran, dass ab Ende 2020 alle unsere Finanzierungen mit den Zielen und Grundsätzen des Pariser Abkommens in Einklang stehen. Wie in Paris vereinbart, muss jede Finanzierung, die noch nicht grün ist, grün werden.“

Lanxess will Treibhausgase bis 2030 halbieren, bis 2040 neutralisieren

Der Kölner Spezialchemie-Konzern LANXESS kommunizierte am 13.11.2019 ein ambitioniertes Programm zur Reduktion von Treibhausgasen: Bis zum Jahr 2030 soll der Ausstoß von Treibhausgasen von derzeit 3,2 Mio. Tonnen CO2e halbiert, bis 2040 sogar komplett neutralisiert werden. Ein erster großer Schritt wird durch die Zersetzung von Lachgasen erreicht, die gegenüber CO2 eine weitaus höheres Äquivalent als Treibhausgas haben (Pressemitteilung vom 13.11.2019).

Bereits im Mai 2019 hatte Bosch für das Jahr 2020 eine (kompensierte) Klimaneutralität und weitere qualitativen Verbesserungen bis 2030 avisiert (vgl. Nummer Einundsiebzig).

easyJet kompensiert die Treibhausgase

Am 19.11.2019 kündigte die britische Fluggesellschaft easyJet an, zukünftig sämtliche Treibhausgasemissionen zu kompensieren und weiterhin an einer Reduzierung des Ausstosses zu arbeiten (Pressemitteilung 19.11.2019). Die Kompensation soll über u.a. über direkte und indirekte Waldschutzprogramme erfolgen. Hierzu zählt z.B. auch die Sicherstellung von sauberem Trinkwasser in Uganda.

Nach eigenen Angaben konnte der Ausstoß pro Passagierkilometer seit dem Jahr 2000 um rund 1/3 gesenkt werden. Auch für das laufende Geschäftsjahr 2019 wurde eine Senkung des Ausstoßes pro Passagierkilometer berichtet.

Nachhaltigkeit in der Finanzierung wächst stark

Der Markt für Green Bonds hat mit Neuemissionen von bisher USD 223 Mrd. die Erwartungen von USD 250 Mrd. für das Gesamtjahr 2019 bereits nahezu erreicht. (vgl. https://www.climatebonds.net/).

Ein sehr dynamisches Wachstum ist für den Gesamtmarkt festzustellen. Besonders dynamisch entwickeln sich bei denen die Verzinsung an Fortschritte bei vereinbarten Nachhaltigkeitskriterien gebunden sind (gelb, Sustainability-linked loans). Das Volumen dieser Kredite hat sich im laufenden Jahr bereits einen Zuwachs von mehr als 200% auf über USD 120 Mrd. zu verzeichnen. Gemäß Bloomberg wurde im laufenden Jahr die Marke von USD 1 Bio. für nachhaltige Refinanzierungsformen überschritten:

Zuletzt wurde in den Medien einen an  Nachhaltigkeitskriterien gebundenen Kredit von € 50 Mrd. für den Modekonzern Prada prominent berichtet. Als Kriterien sind hier mit dem Kreditgeber (Crédit Agricole) u.a. LEED Gold-/Platin-Standards für Geschäfte, Ausbildungs- und Arbeitsstunden sowie die Verwendung bestimmter recycelter Materialien vereinbart worden.

Nachlese Transactions 19

Mit der Transactions 19 wagten sich die Veranstalter von Payment & Banking an ein neues, deutlich größeres Veranstaltungsformat. Und es ist tatsächlich gelungen, auch mit knapp 500 Teilnehmenden noch den Austausch „auf Augenhöhe“ zu erhalten – Kompliment!

Ein weiteres Kompliment für das Veranstaltungsprogramm: Die „Flughöhe“ lag abwechselnd in den Tiefen des Alltags und weit über dem Tellerrand von „Brot und Butter“. Vor allem die Ausführungen von Gunther Dueck, Tijen Onaran, Christoph Bornschein und Sascha Lobo boten in dieser zeitlichen Reihenfolge viele provokante Ansätze die Dinge auch einmal aus ganz anderer Perspektive zu betrachten. Gerade dies würde Vielen in der deutschen Finanzwirtschaft einmal gut tun, um nicht in irgendeiner nicht zu fernen Zukunft die eigene „Irrelevanz“ feststellen zu müssen.

Tatsächlich fanden sich auch unerwartet viele Anknüpfungspunkte an das Kernthema in diesem Blog. So auf einer Folie von Christoph Bornschein mit den Symbolen für die 17 Problemfelder der Agenda 2030 (siehe Titelfoto):

2019-11-19 Bornscheidt

Und schliesslich auch zum Ende der Veranstaltung bei der Ehrung der „FinTech des Jahres 2019“. Nachhaltigkeit ist das Kernthema von Tomorrow mit dem Publikumspreis für den „Newcomer des Jahres“.

2019-11-19 TRX19 Tomorrow

Foto: Ralf Breuer

Zum Nachlesen gibt es einen Veranstaltungsrückblick bei Payment & Banking sowie einen während der Veranstaltung entstandenen Liveblog Transactions 19. Wahrscheinlich werden wohl noch Podcast-Formate folgen.

Seminar-/Veranstaltungstermine

Webinar: #FinanceForFuture – Klimarisiken & Nachhaltigkeit: Neue Kernthemen für Regulierung, externe Berichterstattung und Geschäftspolitik

Neue Termin: 13.12.2019 und 6.3.2020 jeweils 10 – 11:30h

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

BarCamp Sustainable Finance, 11.12.2019 in Bonn

Zusammen mit dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) veranstaltet die Academy of Finance in Bonn am 11. Dezember 2019 ein BarCamp Sustainable Finance. Das BarCamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops – ohne Referenten und feststehender Agenda.

Investabel® ist bei dieser Veranstaltung Medien- und Programmpartner.

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet ab März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

In eigener Sache

Neues Format: Workshops „In-Trends Nachhaltigkeit“

Kaum gewöhnt hat sich die „Finanzwelt“ an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in nahezu allen Geschäftsbereichen gewöhnt, schon weisen Trends innerthematisch auf eine veränderte Ausrichtung hin: Weg vom „Rückblick“ auf verschiedene Kriterien (ESG) hin zur zukünftigen Entwicklung, insbesondere auch auf die Veränderungen des Pfads der verursachten Treibhausgase. – Stoff für einen interessanten Workshop von zwei bis drei Stunden bei Ihnen im Hause? Termin + Preis auf Anfrage gerne!.

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

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Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Einundachtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtzig: 3. Sustainable Finance Gipfel

 

 

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Titelbild/Bild: Kartenmaterial aus recycelten Kunststoffen aus dem Meer https://www.cpicardgroup.com/ocean-plastic/

Inhalt:  Vorneweg; 3. Sustainable Finance Gipfel; Börse London zum nachhaltigen Anleihemarkt; BlackRock: Fonds „Kreislaufwirtschaft“; Wald im Fokus von Investments; Stellungnahme zu Libra beim U.S. Repräsentantenhaus; Seminar-/Veranstaltungstermine: VÖB Webinar, Fintech Week Hamburg, comdirect Finanzbarcamp mit finanzblog award, VÖB BarCamp; Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020; In eigener Sache:  Angebote, Seminare, Vorträge, Workshops; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

23. Oktober 2019

Dr. Ralf Breuer

Vorneweg

Als Titelbild sehen Sie eine Kreditkarte, deren Material aus Plastikabfällen aus dem Meer. Für die Karten werden aber immer noch Chips mit hochwertigen Rohstoffen und Magnetstreifen verwendet. M.E. aber besser als die Herstellung aus nachwachsenden Rohstoffen, die in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln gewonnen werden. Wer sich intensiv mit Nachhaltigkeit beschäftigt, stößt immer wieder auf derartige Themen (z.B. Karte bio, alles gut? – Leider nicht…Nummer Neunundsiebzig).

Die Vermeidung fossiler Rohstoffe ist grundsätzlich zu begrüßen, oft geht es aber immer noch ein stückweit besser. So bei dem neuen Bioplastik EcoFLEXY des dänischen Herstellers Cellugy, das als Verpackungsmaterial komplett aus pflanzlichen Abfällen gewonnen wird. Ein aufschlussreicher Artikel findet sich auf reset.org.

3. Sustainable Finance Gipfel Deutschland

Am 16.10.2019 fand in Frankfurt/Main der dritte deutsche „Sustainable Finance Gipfel“ mit rund 350 Teilnehmern statt. Mit Ausnahme der Eingangsansprachen von Staatssekretär Dr. Kukies und dem hessischen Wirtschaftsminister Al-Wazir war die Veranstaltung arm an prominenten Vertretern von Politik und Finanzwirtschaft. Hervorzuheben sind allerdings die sehr klaren Worte von Frank Pierschel, Leiter des Referats Internationale Bankenaufsicht bei der BaFin: Der Finanzaufsicht ist es sehr ernst mit dem Blick auf Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsrisiken, wie im derzeit konsultierten „Merkblatt Nachhaltigkeitsrisiken“ ausgeführt – vgl. Nummer Neunundsiebzig.

Der Gipfel hatte kaum Höhepunkte, aber eine sachliche, konstruktive Arbeitsatmosphäre.

  • Herr Kukies, Staatsekretär im BMF, unterstrich erneut die großen Ambitionen, die aber immer noch nicht mit großen Taten belegt sind
  • Der 38köpfige Beirat „SustainableFinance“ berichtete über seine Arbeit, die erfreulicherweise nicht in Ambitionen, sondern sich in konkreten, in Sache diskutierten Arbeitsansätzen bzw. Thesen mündete. Hierzu gab sich in thematisch fokussierten Veranstaltungen einen regen Austausch
  • Herr Pierschel, Chief Officer Sustainable Finance und Leiter des Referats Bankenaufsicht International der BaFin, referierte „kurz und knackig“ zum Merkblatt „Nachhaltigkeitsrisiken“ der BaFin. Er unterstrich, wie ernst es den Aufsehern nicht nur mit den Risiken, sondern auch mit einem Positivverständnis von Nachhaltigkeit ist

Leider erreichte die „Botschaft“ von Herrn Pierschel stellvertretend für die BaFin nur eine kleine Handvoll von Geschäftsleitern der deutschen Finanzwirtschaft. Das derzeit konsultierte Merkblatt ‚Nachhaltigkeitsrisiken‘ liegt zwischenzeitlich auch in englischer Fassung den verschiedenen europäischen Finanzaufsichtsbehörden vor.

Im Vorfeld des Gipfels wurden über die Börsenzeitung Beschwerden über eine mangelnde Einbeziehung der deutschen Kreditwirtschaft laut. In Anbetracht der breiten Besetzung des von der Bundesregierung eingesetzten Beirats „Sustainable Finance“ mit 38 Mitgliedern und allen Bankenverbänden als Beobachter kaum nachvollziehbar: Liste Beirat Sustainable Finance.

Börse London zum nachhaltigen Anleihemarkt

Am 11.10.2019 publizierte die London Stock Exchange Group ein Faktenpapier zum Markt für nachhaltige Anleihen. Darin werden die Zulassungskriterien für das Segment beschrieben. Neben der auf die Mittelverwendung bezogenen Zertifizierung werden auch emittentenorientierte Kriterien dargestellt. Diese orientieren sich an der „Green Economy Mark“ der LSE (50% „grüne“ Umsätze) bzw. dem Index „FTSE Russell Green Revenues“, der Unternehmen identifiziert, die zu einer „grüneren“ bzw. nachhaltigeren Entwicklung beitragen. Die fünf Textseiten bieten einen interessanten Überblick, wie ein nachhaltiges Börsensegment ausgestaltet werden kann: Factsheet Sustainable Bond Market (SBM)

BlackRock: Fonds „Kreislaufwirtschaft“

Gemeinsam mit der Ellen McArthur Foundation kreiert BlackRock einen Fonds zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. Der Fonds will 80% seines Vermögens in Eigenkapitalanteile von Unternehmen weltweit investieren, die bei der Förderung der Kreislaufwirtschaft eine aktive Rolle spielen. Aktuell (23.10.2019) hat der Fonds Mittel in der Höhe von knapp USD 21 Mio. Details zum Fonds: BGF Circular Economy

Wald im Fokus von Investments

Nicht nur Regenwälder, sondern auch Wälder im allgemeinen stehen immer mehr im Fokus von Investoren. Der Working Forest Fund in den Vereinigten Staaten kombiniert öffentliche und private Mittel für den Ankauf gefährdeter heimischer Wälder. Der hinter dem Fonds stehende „Conservation Fund“ hat nunmehr einen „Green Bond“ über USD 150 Mio. platziert, um die Finanzierungsgrundlage des Fonds weiter zu verbreiten. Nach dem „Rhino-Bond“ über USD 50 Mio, eine weitere Anleihe zur Finanzierung von Maßnahmen für den Naturschutz: Conservation Fund Green BondBloomberg 4.10.2019

Bei Forest Finance (gesponserter Link) aus Bonn können private Anleger in mittelamerikanische Regenwälder investieren. Die Wälder selbst werden wiederum als Nutzwälder mit nachhaltig ausgerichteten Nutzungen betrieben. Mit Rest in Trees wird durch den Waldfriedhof Hümmel auch der Schutz eines heimischen Urwalds in der Eifel angeboten.

Stellungnahme zu Libra beim U.S. Repräsentantenhaus

Am 23.10.2019 nahm Mark Zuckerberg vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen zu Libra Stellung. Wichtig für das Verständnis des Projektes ist die Zielsetzung, mehr als einer Milliarde Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verschaffen. Gleichzeitig sollen die Transaktionskosten für internationale Zahlungen gesenkt werden, für die aktuell exzessive Margen vor allem zu Lasten Ärmerer belastet werden. Die Senkung dieser Margen ist ein Ausdrückliches Ziel der Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Zielen: SDG 10.C

Zuckerberg thematisiert in seiner Stellungnahme die herrschenden Bedenken gegenüber dem Libra-Projekt. Und er stellt fest, das Projekt nur mit der Rückendeckung der U.S. Finanzaufsicht weiterzuführen (S. )

Mehr zu Libra: Nummer Siebenundsiebzig

Die vollständige Stellungnahme vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen am 23.10.2019: Testimony of Mark Zuckerberg Founder, Chairman and Chief Executive Officer, Facebook

Seminar-/Veranstaltungstermine

Webinar: #FinanceForFuture – Klimarisiken & Nachhaltigkeit: Neue Kernthemen für Regulierung, externe Berichterstattung und Geschäftspolitik

Neue Termin: 13.12.2019 und 6.3.2020 jeweils 10 – 11:30h

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

Fintech Week, 4.-9.11.2019 in Hamburg

Das Besondere an der Fintech Week: Die Woche wird nicht von einem Veranstalter ausgerichtet, sondern von mehr als zwei Dutzend Veranstaltern, darunter Banken, Startups, Kanzleien und Beratungen, die alle ganz unterschiedliche Blickwinkel auf die Branche mitbringen und vermitteln. Über den Tellerrand schauen, ist quasi Teil der DNA. Programm

Die Woche schließt mit dem comdirect Finanzbarcamp. U.a. treffen sich hier viele sonst eher virtuell vernetzte Menschen im Umfeld von Geldanlage und Digitalisierung. Insbesondere ist auch ein großer Teil der deutschen Finanzblogs vertreten, an deren Kreis zum Ende der Veranstaltung der comdirect Finanzblogaward 2019 vergeben wird. Auch Investabel® steht hier neben 71 anderen deutschsprachigen Blogs zur (Publikums-)Wahl: 72 Deutschsprachige Finanzblogs nominiert.

BarCamp Sustainable Finance, 11.12.2019 in Bonn

Zusammen mit dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) veranstaltet die Academy of Finance in Bonn am 11. Dezember 2019 ein BarCamp Sustainable Finance. Das BarCamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops – ohne Referenten und feststehender Agenda.

Investabel® ist bei dieser Veranstaltung Medien- und Programmpartner.

Weitere Informationen und Buchungen über VÖB-Service Academy of Finance

Zertifikatslehrgang „Sustainable Finance Manager“ ab März 2020

Die Academy of Finance der VöB-Service GmbH bietet ab März 2020 den Zertifikatslehrgang Sustainable Finance Manager als anerkannten Qualifizierungsnachweis an. In diesem Lehrgang sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit umfassend aufgebaut werden, um diese anschließend im eigenen Hause in der Praxis umsetzen zu können.

Der Lehrgang ist in der Form eines Blended-Learnings gestaltet und setzt sich aus einem Präsenz-Workshop, drei E-Learning-Modulen sowie einer Online-Abschlussprüfung zusammen.

Mehr Informationen und Buchungen: VÖB-Service GmbH Academy of Finance

In eigener Sache

Angebot Seminare, Vorträge, Workshops

Laut Scope sind in Deutschland 641 Fonds mit dem Etikett „nachhaltig“ zugelassen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund € 160 Mrd. 65 Fonds tragen das im November 2018 vergebene „FNG-Siegel 2019“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), für das sich 66 Fonds beworben hatten. Leider hat nahezu jeder Fonds seine eigene Interpretation von Nachhaltigkeit, was die Suche nach passenden Anlageangeboten erschwert. Trotzdem lässt sich der Markt grundsätzlich sehr schnell erschließen

In 1,5 bis 2 Stunden kann schon ein Überblick gewonnen werden, was Nachhaltigkeit ausmacht und wie „aus dem Bauch“ Geldanlagen auf ihre nachhaltige(re) Wirkung beurteilt werden können. Darüber hinaus Hinweise auf die sehr verbreiteten Irrtümer bei „grünen Illusionen“ – Nachhaltigkeit, die es auf den zweiten Blick doch nicht ist.

Ein weiteres Format ergab sich aus der Mitgestaltung der FridaysForFuture Demonstration am 12.4.2019. Das für den öffentlichen Raum gedachte Konzept läßt sich, z.B. mit spielerischen Elementen verbunden, sehr gut auch für jüngere und ältere Gruppen in der Zivilgesellschaft verwenden. –

2019-04-12_FFF BN1

 

 

Mehr dazu: Angebote – Seminare, Vorträge, Workshops

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Achtzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Sechsundsechzig

 

Beitragsbild: ARD auf der Grundlage Pew Research Center

 

Inhalt:  BlackRock: An Nachhaltigkeit führt kein Weg mehr vorbei; Klimawandel = Bedrohung Nr. 1; Irische Zentralbank: Klimarisiken hoch relevant; Nachhaltigkeit + Europäische Union: Ziele 2030 + 2050; Afrika: Boomende Gründerszene, insbesondere FinTech; Drei Monate Finanzdienstleister Tomorrow; In eigener Sache:  Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

19. Februar 2019,

Dr. Ralf Breuer

BlackRock: An Nachhaltigkeit führt kein Weg vorbei

In der Studie BlackRock Investment Institute – Sustainability: The future of investing legt BlackRock dar, wieso kein Weg an Nachhaltigkeitskriterien in der Anlageentscheidung vorbei führt. So heißt es in der Einleitung:

Sustainable investing was once viewed as a trade-off between value and “values.” Yet today, it’s something investors can no longer afford to ignore. What has changed? More granular data, more sophisticated analysis and shifting societal understanding of sustainability as well as growing awareness that certain factors — often characterized as environmental, social and governance, or ESG — can be tied to a company’s long-term growth potential.

Auch BlackRock erwartet, dass Nachhaltigkeit zum „Mainstream“ und damit zum Regelfall in der Mittelanlage wird. Mit den iShares dominiert das Unternehmen den europäischen Markt deutlich vor der Deutschen Bank, die mit den „Xtrackers nur rund 20% des Volumens verwaltet (Quelle: Morningstar).

BlackRock erwartet bis 2028 eine Verdopplung der in nachhaltige Themen investierten Mittel auf USD 1,5 Bio., davon USD 400 Mrd. in ETFs

Klimawandel = Bedrohung Nr. 1

Im Zuge der Berichterstattung über die internationale Sicherheitskonferenz in München zitierte die ARD aus der am 10.2.2019 erschienen Studie zu den in 26 Ländern empfundenen Bedrohungen (Climate Change Still Seen as the Top Global Threat, but Cyberattacks a Rising Concern). Danach wird der Klimawandel in Deutschland sowie 12 weiteren Ländern als die größte Bedrohung empfunden:

2019-02-15 MSC Risiken

Interessanter Aspekt, dass in den vom Anstieg des Meeresspiegels bedrohten Niederlanden Cyberattacken im einzigen Lande als die größere Gefahr angesehen werden:

Quelle: Pew Research Center – Climate Change Still Seen as the Top Global Threat, but Cyberattacks a Rising Concern

Irische Zentralbank: Klimarisiken hoch relevant

Die irische Zentralbank betront in einem „Economic Letter“, dass sie die Behandlung von Klimarisiken (Klimawandel, Energiewende) als strategische Priorität bei ihrer Aufgabe der Sicherung monetärer und finanzieller Stabilität ansieht. Dabei nennt sie vier wesentliche Problemfelder:

  1. Der Klimawandel beeinflußt das gesamtwirtschaftliche Geschehen. Unmittelbar durch Wetterereignisse und die Energiewende, mittelbar über eine veränderte Erwartungsbildung der Konsumenten
  2. Klimarisiken können systemische Risiken für die Finanzmärkte werden
  3. Auch die Konsumenten sind auf vielfältige Art und Weise vom Klimawandel betroffen
  4. Aufgrund der strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft ergeben sich auch Auswirkungen auf das Investitionsverhalten und dessen Finanzierung

Stabilitätsrisiken sieht die Zentralbank vor allem dann, wenn sich die notwendige Abkehr von CO2-intensiven Technologien zu langsam vollziehen sollte. Dann würden gesamtwirtschaftlich und finanziell größere Risiken drohen. In der Zusammenfassung werden die unterstellten Mechanismen noch einmal prägnant beschrieben:

„…the long-term resilience of
the financial system is threatened if the balance sheets of financial institutions, households
or firms (and, more generally, macroeconomic performance) are excessively vulnerable to
climate risks: climate resilience is an integral component to the overall resilience of the financial system and the economy.“

Quelle: Philip Lane: Climate Change and the Irish Financial System, 5.2.2019. (Philip R. Lane ist Vorsitzender der irischen Zentralbankkommission und Governor der Bank.

Welche Phänomene dabei auch zu berücksichtigen sind, haben Forscher der Stanford University für die US-Stadt Annapolis (Maryland) aufgezeigt: Aufgrund des gestiegenen Meeresspiegels ist die Anzahl der Tidenhochwasser deutlich angestiegen. Bei Überschwemmungen in Küstennähe gingen die Umsätze des Einzelhandels spürbar zurück. (Stanford researchers find rising seas can hurt local economies, Stanford News 15.2.2019).

Spiegel online berichtete am gleichen Tag von rund 3,2 Mio. Menschen in Deutschland, die laut wissenschaftlichem Dienst des Deutschen Bundestags in Risikogebieten leben. (Steigender Meeresspiegel – Die Flut vor der Haustür).

Nachhhaltigkeit + Europäische Union: Ziele 2030 + 2050

Die EU-Kommission sieht Europa als eine treibende Kraft für die Erreichung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, den Sustainable Development Goals, SDGs. In einem Reflektionspapier hat sie die aktuellen Überlegungen für die Erreichung der Ziele im Jahr 2030 dargelegt: TOWARDS A SUSTAINABLE EUROPE BY 2030. Dabei stellt sie drei Varianten zur Diskussion:

  1. Eine umfassende Strategie für die EU mit konkreten, bindenden Zielgrößen 2030 für die Mitglieder
  2. Keine bindenden Beiträge für die Mitglieder zur Erfüllung des Gesamtziels der Gemeinschaft
  3. Umorientierung auf die Unterstützung von Nicht-Mitgliedern und Fortsetzung der Bemühungen auf dem Niveau der Gemeinschaft

Damit wird bereits deutlich, dass die Kommission das offensichtliche Fehlen einheitlicher Vorstellungen unter den Mitgliedsstaaten berücksichtigt hat.

Am 18.2.2019 „begrüßte“ der Rat „Auswärtige Angelegenheiten“ (Foreign Affairs Council), das Gremium der Außenminister in der EU, eine klima-neutrale Zielsetzung der Gemeinschaft für 2050. In der Schlusserklärung wurde eindringlich zu verstärkten Anstrengungen für den Klimaschutz gemahnt. Offenbar fiel es leicht, sich auf Ziele weit jenseits der eigenen Mandats- und Amtsperioden zu vereinbaren (COUNCIL CONCLUSIONS ON CLIMATE DIPLOMACY, 18.2.2019).

Afrika: Boomende Gründerszene, insbesondere FinTech

Das World Economic Forum (WEF) berichtet über einen Boom von Unternehmensgründungen in Afrika, insbesondere auch im Bereich von Finanzdienstleistungen. Insgesamt wurden 2018 USD 725 Mio. bei 458 Transaktionen verzeichnet. Damit sind die Volumina gegenüber den Vorjahren deutlich angestiegen:

Quelle: WeeTracker, via WEF/Twitter

Von dem Betrag entfielen 61% bzw. USD 457 Mio. auf die 10 größten Transaktionen. Bei 30 Unternehmen lag der Finanzierungsbetrag über USD 5 Mio. mit einer Gesamtsumme von USD 626,9 Mio.

Quelle: WeeTracker, via WEF/Twitter

Zum Vergleich: Gemäß Barkow Consulting konnten FinTech in Deutschland 2018 zusätzliches Risikokapital rund € 1,1 Mrd. (USD 1,24 Mrd.) einwerben. (Quelle: Barkow Consulting GmbH, Peter Barkow: German FinTech VC 2018: Breaking Through €1bn Mark)

Drei Monate Finanzdienstleister Tomorrow

Fast genau drei Monate nach dem Start am 16.11.2018 konnte Tomorrow die Zahl von mehr als 2.000 Kunden vermelden. Vor dem offiziellen Start hatte das Unternehmen von einer Warteliste mit 3.952 Interessenten berichtet.

2019-02-15 Tomorrow 2000+

Ab der Ausgabe Nummer Siebenundfünfzig wurde schon über das „hippe“ Angebot für Nachhaltigkeit und die gelungene grafische Kampagne berichtet. Der Start war offenbar weitgehend reibungslos. Negative Kommentare in der Facebook Community waren vor allem von ungeduldigen Interessenten auf der Warteliste zu vermerken. Diese ist im übrigen vollkommen öffentlich, ohne die sonst häufigen Eingriffe durch den Betreiber: Tomorrow Community auf Facebook

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

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Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Sechsundsechzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Achtundfünfzig

2018-11-14 Green Bonds 500

Beitragsbild/Bild: Environmental Finance

Inhalt:  Herbst 2018: Der Finanzmarkt wird bunter; Es grünt weiter an den Anleihemärkten; Deutsche Börse mit neuem Segment; BlackRock bietet Green Bonds für alle; Brown to Green Report: Viel Lärm, wenig Taten; Neue Angebote für nachhaltige Finanzdienstleistungen – Tomorrow + Vividam; Sparkassen: Suche nach der Relevanz von morgen; Treffen #Nachhaltige100; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

21. November 2018

Dr. Ralf Breuer

Herbst 2018: Der Finanzmarkt wird bunter

Die Deutsche Börse AG eröffnet ein Segment für „grüne Anleihen“, die DZ Bank platziert „blaue Schuldscheine“, Tomorrow bietet nachhaltige Girokonten, Vividam nachhaltige Geldanlagen: Der deutsche Finanzmarkt hat in kurzer Zeit weiter an Farbe gewonnen. Einige aktuelle Inspiration für Sparkassen, die sich aktuell auf dem FI-Forum, der Hausmesse der Finanz Informatik (FI) in Frankfurt, auf die Suche nach der Relevanz von morgen begeben haben. Und vielleicht findet sich ein Schlüssel: „Regionalität nutzen, um gesellschaftlichen Nutzen vor Ort zu stiften“ findet sich auf Twitter (s.u.) könnte passen.

Es grünt weiter an den Anleihemärkten

In den elf Jahren seit seiner Existenz hat das Volumen der begebenen „grünen Anleihen“ (Green Bonds) kürzlich die Schwelle von USD 500 Mrd. überschritten. Davon entfielen USD 162 Mrd. auf das Jahr 2017 sowie USD 132,7 Mrd. auf das laufende Jahr bis November. Einige Beobachter gehen davon aus, das bereits jetzt das Volumen des Vorjahres erreicht wurde. Die Erwartungen für das gesamte Jahr 2018 stehen bei USD 210 Mrd. (vgl. Climate Bonds Initiative).

Immer mehr Emittenten und Varianten

Neben der Commerzbank und der KfW Gruppe (Nummer Fünfundfünfzig: Weltspartag) sind weitere Finanzinstitute zuletzt aktiv geworden: ING Grouß begab insgesamt € 2,6 Mrd. und nach dem Debut der DZ Bank (€ 250 Mio., Nummer Einundfünfzig) wurde für den Jahresbeginn 2019 eine Emission der Tochter DZ Hyp avisiert (DZ Hyp primed to start green bond project after post-merger debut). DZ Hyp ist einer der größten Emittenten für „gedeckte Anleihen“ (covered bonds), zu denen Hypothekenpfandbriefe zählen. Während die meisten Green Bonds unbesicherte Unternehmensanleihen mit einer zweckgebundenen Mittelverwendung sind, steigt der Anteil der Anleihen, deren Rückzahlung und Verzinsung unmittelbar mit den finanzierten Projekten gedeckt wird. Der insgesamt steigende Anteil liegt gemäß Moody’s aktuell bei etwa 17%.

Green Bonds nur eine Erscheinungsform

Anleihen mit nachhaltigen Finanzierungszwecken orientieren sich vermehrt auch an anderen nachhaltigen Entwicklungszielen als dem Klima- und Umweltschutz, z.B. dem Schutz der Ozeane oder sozialen Zwecken. So gat due DZ Bank kürzlich eine Privatplazierung im Genossenschaftssektor arrangiert, die ausschliesslich Projekten in den Bereichen Wasser und Maritimes dient.

Deutsche Börse mit neuem Segment Green Bonds

Am 12.11.2018 gab die Deutsche Börse AG die Eröffnung ihres neuen Marktsegments bekannt Pressemitteilung 12.11.2018: „Die Deutsche Börse hat ein neues Segment für Green Bonds an der Frankfurter Börse eingeführt. Darin sind zum Start 150 Anleihen enthalten, die den Green Bond Principles der International Capital Markets Association entsprechen. …

… Die Green Bond Principles der International Capital Markets Association berücksichtigen unter anderem die Verwendung des Emissionserlöses, den Prozess der Projektauswahl, das Management und das fortlaufende Reporting.

Das Green Bond-Segment ist Teil eines großen Ganzen. Die Deutsche Börse setzt sich bereits seit Längerem für nachhaltige Finanzierung ein. Neben einem Produktportfolio von rund 100 Nachhaltigkeitsindizes hat die Deutsche Börse in diesem Jahr gemeinsam mit dem Hessischen Wirtschaftsministerium das Green and Sustainable Finance Cluster Germany initiiert. Die Initiative verfolgt das Ziel, die Expertise rund um das Thema nachhaltige Finanzwirtschaft effizient zu nutzen und konkrete Handlungsansätze für die Zukunftsfähigkeit von Finanzmarktstrukturen umzusetzen – national wie international.“

Die Deutsche Börse folgt damit den Nachbarbörsen in London und Luxemburg, die bereits 2015 bzw. 2016 entsprechende Segmente eröffneten.

BlackRock bietet Green Bonds für alle

Die Möglichkeiten einer privaten Geldanlage in Green Bonds waren bisher für private Anleger auf einige wenige  Investmentfonds beschränkt. BlackRock hat nun diesen Markt zunächst in den USA mit einem ETF (Exchange-trade fund) geöffnet, dem iShares Global Green Bond ETF, mit dem auch private Anleger mit kleinen Beträgen und geringen Kosten in den global stark wachsenden Markt investieren können (weitere Informationen (EN)). Es ist zu erwarten, dass sich die starke Zunahme nachhaltiger Anlagevarianten bei diesem (vgl. Nummer Vierundfünfzig) und weiteren Anbietern rasch fortsetzt.

Brown to Green Report: Viel Lärm, wenig Taten

Der kürzlich erschienene „Brown to Green Report“ des New Climate Institute stellt den Industriestaaten der G20 ein schlechtes Zeugnis für den Klimaschutz aus. Danach müssten die Staaten in der Summe ihre CO2-Emissionen bis 2030 halbieren, im den Temperaturanstieg auf 1,5% zu begrenzen. Derzeit sei von einem Anstieg um 3,2% auszugehen. Lediglich Indien habe derzeit die Nähe einer Zielerreichung umsetzen können. Einzelheiten: Informationsseite Brown to Green Report 2018 (EN).

Neue Angebote für nachhaltige Finanzdienstleistungen

Tomorrow

Wie avisiert startete am 16.11.2018 das Angebot der Tomorrow Bank aus Hamburg (vgl. S. Nummer Sechsundfünfzig und Nummer Siebenundfünfzig). Auf die immer wieder gestellte Frage, wie die Mittelverwendung und damit die Aktivseite nachhaltig gestaltet werden sollte, gab Tomorrow jetzt eine vorläufige erste Antwort per Mail in ihrem Newsletter vom 16.11.:

€ 50.000 sollen in die Finanzierung von Mikrokrediten investiert werden: „Zum Start investieren wir in einen Mikrofinanzfonds, der mehrere Dutzend Institute weltweit finanziert. Der Fokus liegt auf Süd- und Mittelamerika, Asien und Osteuropa. Im Schnitt betragen die Mikrokredite rund 1.300€ und werden zum großen Teil an Frauen ausgehändigt. Häufig bieten die Institute den Kreditnehmer*Innen auch Weiterbildung an, z.B. Kurse in Buchhaltung, um das Mikrounternehmen erfolgreicher leiten zu können. Während solche Angebote den Kunden neue Perspektiven eröffnen, senken sie für die Mikrofinanzinstitution das Kreditausfallrisiko.“

Nähere Informationen zu dem gekauften KCD Mikrofinanzfonds III finden sich hier.

Vividam – nachhaltige Vermögensverwaltung

Nach ebenfalls längerer Anlaufphase startet mit Vividam ein hybrides Online -Anlageangebot. Die Anlagestrategien sollen mit aktiv gemanagten Fonds umgesetzt werden, die sich an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen orientieren. Derzeit stehen drei Strategien mit 30, 50 und 70% Aktienquote zur Wahl. Aufbauend auf einer Einmalanlage von € 3.500 können auch Sparpläne ab € 75 monatlich abgeschlossen werden. Einzelheiten und das Angebot: www.vividam.de/

Sparkassen: Suche nach der Relevanz von morgen

Auf dem FI-Forum, der Hausmesse der Finanz Informatik (FI) in Frankfurt, begeben sich die Sparkassen vom 20. bis 22.11.2018 auf die Suche nach der Relevanz von morgen. Zwar mögen die Versionen 2.0 und 3.0 unklar bleiben, aber 1.0 lautete klar die Versorgung un(ter)versorgter Bedürfnisse der Bevölkerung (vor allem in Städten).

Bild: @aboutfintech via Twitter

Besonders relevant erscheint folgende Feststellung:

Auf der Grundlage der eigenen Spendenvergabe (mit der Gießkanne) wird zwar Gemeinnützigkeit immer wieder betont, aber nicht wirklich im Sinne der obigen Aussage gelebt. Dabei ist genau das die Lösung für die Suche nach der eigenen Relevanz: Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0. Wie groß die Potenziale in Einzelfällen sein könnten, lässt sich aus der letzten Übersicht des Fair Finance Guide ableiten, auch wenn dessen Perspektive eher nach innen gerichtet ist:

2018-10-30 FairFinanceGuide

Quelle: Bankencheck 3.0 – Fair Finance Guide

Treffen #nachhaltige100

Die Triodos Bank Deutschland hatte am 17.11.2018 zum Treffen der #nachhaltige100 eingeladen: Menschen, die in sozialen Netzwerken zum Thema Nachhaltigkeit aktiv sind. Die Bank aktualisiert monatlich in ihrem Blog eine Liste mit den Aktivitäten: #nachhaltige100. Investabel® wird derzeit auf Rang 91 geführt.

Der Heldenmarkt, eine Messe für nachhaltigen Konsum, bildete in Berlin den Rahmen. Mit bettervest, Facing Finance e.V., GLS Bank, Oikocredit, Triodos Bank Deutschland, Umweltbank waren einige nachhaltige Finanzangebote bzw. Beobachter vertreten. Es war interessant, sich mit den Ausstellern und vielen der in den Medien aktiven Menschen einmal persönlich kennen zu lernen und sich auszutauschen.

Dabei gab es auch ein Plakat zu sehen, dass die Vielfalt der nachhaltigen Angebote für private Menschen eindrucksvoll zusammenstellt:

Quelle/Bezug: https://www.hilfswerft.de/poster/

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

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Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Siebenundfünfzig bis Eins

 

 

 

Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Vierundfünfzig

2018-10-20 Finanzbarcamp A-D

Beitragsbild/Bild: Themenvielfalt auf dem Raumplan A-D beim comdirect Finanzbarcamp am 20.10.2018 in Hamburg, Quelle: Twitter

Inhalt: BlackRock zu Nachhaltigkeit in Anlageprodukten: Wenn nicht jetzt, wann dann?; Nachhaltigkeit gehört ins Grundgesetz; Prof. Bachmann, RNE: Perspektiven für Nachhaltigkeit; Schulkinowochen #17Ziele; Bloß Werbung oder?; Nachtrag Bayernwahl; Veranstaltungsrückblicke: Bankennetzwerk am 24.10.2018 in Köln; comdirect Finanzbarcamp mit Finanzblog Award; Schon in der Nummer Zweiundfünfzig, wird fortgeführt: „Häschtäck-o-nomie“ der europäischen Finanzwelt; In eigener Sache: Gastbeitrag im Blog der Triodos Bank Deutschland; Neues Angebot – Finanzinstitute in sozialen Medien; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

26. Oktober 2018

Dr. Ralf Breuer

BlackRock zu Nachhaltigkeit bei Anlageprodukten: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Der Vermögensverwalter und ETF-Anbieter BlackRock legt eine neue Serie von Exchange-traded-funds (ETF) auf die sich an ökologischen, sozialen und Kriterien der Unternehmensführung aus richten (ESG – Ecological, Social, Governance). In der „iShares Sustainable Core Range“ wird eine Palette von sieben „ESG ETF“ angeboten, die Aktien sowie Staats- und Unternehmensanleihen einschließt. Einzelheiten finden sich auf der Internetseite von iShares.

Zum 30.9.2018 verwaltete BlackRock USD 6,44 Bio., davon USD 1,8 Bio. in mehr als 800 ETFs.

BlackRock erwartet für Produkte mit Fokus „ESG ETF“ massive Zuwächse in den kommenden zehn Jahren: Von aktuell USD 25 Mrd. auf USD 400 Mrd. in 2028, was einer Steigerung des Anteils von 3 auf 21% und einer jährlichen Wachstumsrate des Volumens von durchschnittlich 32% entsprechen würde. Auf der Grundlage dieser Erwartung heißt es in der  Pressemitteilung vom 23.10.2018: „For many the question now about sustainable ETFs is ‘why not.’“ Damit ist nicht das deutsche – eher schulterzuckende-  „Warum nicht“ gemeint. In Anlehnung an das Lied zur Handball-WM 2007 heißt das vielmehr: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Nachhaltigkeit gehört in das Grundgesetz

Nachhaltigkeit ist im Grundgesetz nicht wirklich verankert. Allein der 1994 (natürliche Lebensgrundlagen) eingefügte, 2002 (Tiere) modifizierte Artikel 20a verpflichtet die Verfassungsorgane in Hinblick auf zukünftige Generationen: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Quelle: www.bundestag.de

Aus der Situation der Verfassungsväter von 1948 verständlich, dass vor allem die Lösung (und Vermeidung) von Fehlern der Vergangenheit im Nachkriegsdeutschland beschäftigten, weniger eine ferne Zukunft. Heute gilt es dagegen die drängenden Probleme der Zukunft anzugehen. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung des ehemaligen Präsidenten ds Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, mehr als plausibel, Nachhaltigkeit im Grundgesetz zu verankern.

Prof. Bachmann, RNE: Perspektiven für Nachhaltigkeit

Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär der Geschäftsstelle des Rat für Nachhaltige Entwicklung, hat in einem Beitrag zu „Der Bank Blog“ die Perspektiven für ein nachhaltiges Finanzsystem in Deutschland aufgezeichnet. Zu Recht wirft er der Bundesregierung mangelnde Aktivitäten vor und fordert mit der gleichen Berechtigung die Verbindung wichtiger Themen mit gleicher Priorität: „Digitaler und effizienter zu werden, ist kein Selbstzweck. Die Ordnung der Wirtschaft muss an Werte und Sinn des Wirtschaftens rückgebunden werden, mit anderen Worten an den Megatrend Nachhaltigkeit.“ Wann wird ein nachhaltiges Finanzsystem Realität in Deutschland? Perspektiven für eine Nachhaltigkeitsstrategie für Banken von Prof. Dr. Günther Bachmann.

Schulkinowochen #17Ziele

Die nachhaltigen Entwicklungsziele sind in Deutschland noch nicht hinreichend bekannt. Vision Kino und Engagement Global haben deshalb die Aktion „Schulkinowochen #17Ziele“ gestartet.

Einzelheiten zu der Gemeinschaftsaktion von Vision Kino und Engagement Global, die aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wird, finden sich hier. Pädagogisches Begleitmaterial wird ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Bloß Werbung oder?

Stolz berichtet der Twitterkanal der Sparkassen Finanzgruppe von ihren Aktivitäten in der Wissenschaftsförderung.

Wirklich nachhaltige Produktangebote sind im Angebot der Finanzgruppe allerdings rar. Und die Verbraucherzentrale in Bremen zeichnet noch ein etwas anderes Bild als Kontrast zu dem obigen Tweet: Sparkassen investieren in Kohle und Rüstung.

Nachtrag zur Bayernwahl

Nummer Dreiundfünfzig kolportierte ein Stimmungsbild der Wähler in Bayern aus der Wahlberichterstattung der ARD: Bildung, bezahlbares Wohnen sowie Umwelt/Klima an der Spitze des Wählerinteresses. So berichtet es auch die HypoVereinsbank UniCredit Deutschlandauf Twitter bzw. im Münchner Merkur für ihre Privatkunden – zwar in etwas anderer Ordnung bzw. Formulierung, aber stimmig dazu.

Veranstaltungsrückblicke

comdirect Finanzbarcamp und Finanzblog Award

2018-10-20 Finanzbarcamp E-G

Bild: Raumplan E-G beim comdirect Finanzbarcamp am 20.10.2018 in Hamburg, Quelle: Twitter

Am 20.10.2018 fand in Hamburg das vierte comdirect Finanzbarcamp statt. In insgesamt 22 Runden tauschten sich die Teilnehmer über vielfältige Finanzthemen aus. Gemeinsam mit Phillip Assenmacher führte ich 14 Besucher durch das Thema Nachhaltigkeit bei der Geldanlage. Bereits bei der Vorstellungsrunde wurde deutlich, daß die vielfältige Interpretation des Begriffs in der aktuellen Produktlandschaft verunsichert und auf mögliche Anlageentscheidungen eher abschreckend wirkt.

Erneut zeigte sich, wie wenig bekannt die Agenda 2030 mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) ist. Interessiert nahmen die Teilnehmer die mitgebrachten kölschen Bierdeckel zum Thema in die Hand und anschließend mit nach Hause.

2018-03-23 id-17ziele_projekte_bierdeckel_gross

Bild: Von Studierenden des Studiengangs Kommunikationsdesign an der Rheinischen Fachhochschule Köln in Kooperation mit #17Ziele gestalteter Bierdeckel, von dem 85.000 Stück in Kölner Lokalen verteilt wurden

Bankennetzwerk am 24.10.2018 in Köln

Das Bankennetzwerk unter dem Dach der Academy of Finance Bonn hatte zu einer interessanten Veranstaltung in den Räumlichkeiten der DEG in Köln – die freundlicherweise als Gastgeber fungierte – eingeladen: 41 Teilnehmer wurden von insgesamt acht Referenten durch verschiedene Aspekte von Sustainable Finance – Nachhaltigkeit in der Finanzwelt geführt.

Schon der Auftaktvortrag von Julian Frede, DEG, wäre die Fahrt wert gewesen: Das Thema „Impact Messung in Zeiten der Sustainable Development Goals“ entpuppte sich als die Präsentation eines umfassenden Ratingansatzes für die Finanzierung von Entwicklungsprojekten einschließlich der hieraus resultierenden Portfolien nach sachlichen und/oder regionalen Kriterien. Wer sich je mit Nachhaltigkeitsratings beschäftigt hat, kennt die Problematik, der die DEG mit ihrem Ansatz begegnet ist. Eine Darstellung des Ansatzes findet sich hier: DEG: Wir messen Wirksamkeit.

Jan Köpper von der GLS Bank führte anschließend durch den Ansatz der Bank, Wirkungstransparenz und Nachhaltigkeit bei der Bank zu erheben. Auch sie orientiert sich bereits an den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, den sogenannten „SDGs“ (Sustainable Development Goals). Diese spielen auch zunehmend im Anlagemanagement eine Rolle. Anton Bonnländer von der Bank für Sozialwirtschaft stellte die aktuelle Praxis im Hause einschließlich der verfügbaren Produktpalette vor.

Die Veranstaltung wurde dankenswerterweise von der much-net AG aus Bonn unterstützt. Zur Abrundung der Vorträge stellte der Gründer und Aufsichtsratsvorsitzende gemeinsam mit einem Berater ein umfangreiches Softwarepaket für die Integration von ESG-Ansätzen in das Portfoliomanagement vor. Und natürlich hatte bei einer Veranstaltung des Bankennetzwerk auch der Austausch zwischen Teilnehmern und Referenten einen hohen Stellenwert!

Schon in der Nummer Zweiundfünfzig, wird fortgeführt:

„Häschtäck-o-nomie“ der europäischen Finanzwelt

Immer wieder neue Schlagwörter in sozialen Medien. Warum nicht einmal einige mit dem Doppelkreuz „#“ markierte Schlagworte zusammenstellen und erläutern? Hashtags bzw. eingedeutscht „Häschtäcks“ sollen grundsätzlich das thematische Auffinden von Botschaften in sozialen Netzwerken erleichtern. Manchmal haben sie aber auch nur einfach den Status eines Mottos oder eher gar keine Bedeutung.

Die Idee entstand zufällig durch eine Fernsehwerbung: Da warb eine Bank im deutschen Fernsehen mit #bankingforfood. Also mal bei Twitter geschaut und daraus wird vielleicht irgendwann mal so etwas wie eine „Häschtäck-o-nomie“ (in Anlehnung an die geplante „Taxonomie“ von Finanzinstrumenten in Hinblick auf Nachhaltigkeit) der europäischen Finanzwelt. Gerne werden weitere Anregungen aufgenommen (Bitte Mail an info@investabel.com).

#Nachhaltigkeit #Sustainability #Durabilité #Sostenibilidad

#nachhaltig #sustainable #durable #sostenible

#SustainableFinance #SustainableFinanceEU – Im März 2018 vorgestellter Aktionsplan der EU-Kommission auf Basis der @HLEG – High Level Expert Group

#h4SF – Hub for Sustainable Finance Germany (Deutsche Börse AG + Rat für Nachhaltige Entwicklung Deutschland), er organisierte am 25.9.2018 den zweiten Sustainable Finance Gipfel Deutschland

#SFGD17, #SFGD18 – Sustainable Finance Gipfel Deutschland, zuletzt 25.9.2018

#SDGs – Die 17 nachhaltigken Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Finance Goals, SDGs)

#ACT4SDGs #WeACT4SDGs (globale Kampagne für die SDGs am 25.9.2018)

#changenowsummit – Veranstaltung am 28.9.2018 mit 6.000 Teilnehmern in Paris und prominenter Beteiligung großer französischer Banken. Im Zuge der Veranstaltung wurde auch ein Schlagwort wiederbelebt:

#ActForImpact – Handeln für positive Nachhaltigkeitswirkungen (im Sinne der SDGs)

#bankingforfood – Initiative der niederländischen Rabobank. Einsatz des Bankgeschäftes um eine zuverlässige Versorgung der Weltbevölkerung sowie faire Bedingungen in den Erzeugerländern zu unterstützen. Mehr dazu auf der deutschen Seite von Rabodirect

#AllemGewachsen (Sparkassen, selten verwendet) – Wozu er wohl kreiert wurde…

#denngeldkannsovielmehr (Triodos Bank Deutschland) – Eher ein Motto…

#PositiverBeitrag #PositiveImpact (Deutsche Bank, aktuelle Kampagne) – Hat definitiv wenig bis nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Leicht zu verwechseln mit #ImpactInv oder #ImpInv für wirkungsorientierte Investments

#sharedichdrum (GLS Bank) – Auch kein schlechtes Motto…

In eigener Sache

Gastbeitrag im Blog der Triodos Bank Deutschland

Am 25.10. erschien im Blog der Triodos Bank Deutschland ein Gastbeitrag: Deutsche Banken hinken beim Thema Nachhaltigkeit hinterher. Die Einleitung der Redaktion ordnet den Beitrag ein: Nachhaltigkeitsbanken wie die Triodos Bank, deren DNA nachhaltiges Banking ist, haben in Deutschland einen Marktanteil, der einstellig ist und eher als „homöopathisch“ beschrieben werden kann. Zwar wachsen die nachhaltigen Banken in einem stagnierenden Gesamtmarkt überdurchschnittlich stark – doch um einen wirklich nachhaltigen Wandel des Finanzsystems zu bewirken, müssen sich die Großen, muss sich der Mainstream bewegen. Der Finanzexperte und Finanzblogger Dr. Ralf Breuer, der den Blog Investabel betreibt, blickt im Gastbeitrag auf eben diesen Mainstream und ordnet ein, was sich dort mit Blick auf die Nachhaltigkeit tut.

Den ganzen Beitrag lesen Sie im Blog Die Farbe des Geldes

Neues Angebot: Finanzinstitute in sozialen Medien

Seit neun Jahren bei Twitter, 500.000 private Girokonten, 5.400 Follower und nur 2 (!) „gefällt mir“? Genau das zeigt eine Auswertung vom Auftritt von Finanzinstituten in sozialen Medien. Viele Kreditinstitute betreiben ihren Auftritt in sozialen Medien eher „kostengünstig“ und nach näherer Anschauung kontraproduktiv. So haben 12 von 19 der ausgewerteten Kanäle von Banken, die alle seit mindestens sechs Jahren aktiv sind, deutlich weniger „gefällt mir“ als der @Investabel bei Twitter. Den gibt es allerdings erst seit Mai 2017. Da bei wäre bei vielen Betreibern Abschalten die bessere Lösung. Falls Sie in sozialen Medien oder bei Nachhaltigkeit lieber an- als abschalten möchten: Angebote.

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

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