Nachhaltig jetzt!

Nachhaltige Geldanlagen – Investieren in unsere gemeinsame Zukunft

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Was ein Fehlen von Nachhaltigkeit bewirkt, ist heute im Mittelmeerraum offensichtlich: Bevölkerungswachstum und wirtschaftliche Entwicklung in der Römerzeit führten zu einer Entwaldung, die bis heute ihre Wirkungen zeigt.

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Hans Carl von Carlowitz (1645 – 1714), Oberberghauptmann aus Freiberg (Sachsen), gilt als Begründer des Prinzips der Nachhaltigkeit. Angesichts einer drohenden Rohstoffkrise formulierte von Carlowitz 1713 in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ erstmals, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nachwachsen konnte.

Nachhaltigkeit heute

Der heute verwendetet Begriff Nachhaltigkeit wurde durch den Bericht der sogenannten Brundtland-Kommission 1987 geprägt, der von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen veröffentlicht wurde. Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern ein Prozeß. Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung. die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können (Brundtland-Bericht, S. 51 Abs. 49 und S. 54 Abs. 1). Im wesentlichen ist nachhaltige Entwicklung ein Wandlungsprozeß, in dem die Nutzung von Ressourcen, das Ziel von Investitionen, die Richtung technologischer Entwicklung und institutioneller Wandel miteinander harmonieren und das derzeitige und künftige Potential vergrößern, menschliche Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen (ebd. S. 57 Abs. 15).

Seit 2015 hat die UN 17 nachhaltige Entwicklungsziele definiert, an denen sich das Handeln ausrichten soll. Die Weltkonferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) hat Leitlinien für nachhaltige Investments vorgelegt, die ebenso als Orientierung dienen wie die im Januar 2017 aktualisierte Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesrepublik Deutschland, die Nachhaltigkeitsstrategien von Bundesländern und die steigende Zahl kommunaler Nachhaltigkeitsstrategien in Deutschland. Nachhaltigkeit im Sinne von „Enkelgerechtigkeit“ ist nunmehr „Chefsache“ in der deutschen Politik, wogegen das Grundgesetz nur in einem Artikel (20a) eine ausdrückliche Verantwortung für zukünftige Generationen vorsieht.

Nachhaltige Geldanlagen – ein weiter Begriff

Unter nachhaltigen Geldanlagen sind grundsätzlich alle Anlagen zu verstehen, bei denen Werturteile in den Entscheidungsprozess einfließen. Sie können bestimmte Verwendungen aus ethischen Gründen ausschließen oder sogar klare Investitionsziele und -wirkungen anstreben. Insofern sind die Grenzen zwischen entwicklungspolitisch orientierten, ethischen, grünen, ökologischen, nachhaltig ausgerichteten Investments fließend und die Begriffsverwendung uneinheitlich. Nachhaltigkeit strebt nach einem Mehr an Ausgewogenheit zwischen Ökonomie, Umwelt und Gesellschaft.

Vielfach leisten sog. ethisch-nachhaltige Anlagen zunächst nur einen Beitrag, Schlimmeres zu verhindern, z.B. indem nicht in Rüstungsunternehmen investiert und die Beachtung menschlicher Rechte gefordert wird. Dies ist zumindest ein Anfang. Oft bieten entsprechende Angebote auch die Möglichkeit, unmittelbar Gutes zu tun. Und meistens liegt der Anspruch irgendwo in der Mitte. Aber immerhin: Bereits € 1,7 Billionen wurden 2015 in Deutschland unter Heranziehung von ethisch-nachhaltigen Ansprüchen verwaltet, europaweit € 11 Billionen (Quelle: Eurosif).

Sogenannte „grüne“ Geldanlagen sind viel vielfältiger als allgemein bekannt. Und sie müssen auch nicht risikoreicher sein als „konventionelle“ Investments. Zwar titelt ÖKO-Test im Heft 04 2017 S. 128 ff. aufgrund der ausgewählten Anlage nicht zu unrecht „Test Grüne Geldanlage – Wenig Licht, viel Schatten“, betrachtet hierbei aber nur einen Teil des gesamten Marktes.

Am 1.6.2017 hat das Forum Nachhaltige Geldanlagen (www.forum-ng.org) den Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2017 veröffentlicht. Der Zuwachs lag 2016 in Deutschland wieder bei 15%. Mehr unter „Aktuelles“. Leider hinkt Deutschland bei verantwortungsbewußten Geldanlagen dem benachbarten Ausland noch hinterher. So sind an der Börse in Luxemburg bereits mehr als 100 Greenbonds gelistet, während in Deutschland noch kein entsprechendes Marktsegment existiert. Private Finanzierungsbeiträge zu den globalen Entwicklungszielen wären aber dringend notwendig.

Die privatwirtschaftlichen Chancen der globalen Entwicklungsziele beleuchtet ein ausführlicher Bericht (in englischer Sprache):

http://report.businesscommission.org/uploads/BetterBiz-BetterWorld_170215_012417.pdf