Investmentfonds

Bank für Sozialwirtschaft mit neuem Aktienfonds

Die Bank für Sozialwirtschaft legt einen neuen Fonds auf: BFS Nachhaltigkeitsfonds Aktien I an. Schön, dass die Bank weiter „nachhaltig“ auflegt. Leider läßt die Beschreibung des Fonds nicht nur Gutes erwarten: „Aus den 600 größten europäischen Aktien werden 50 nachhaltige Unternehmen aus der Eurozone mittels eines strikten Selektionsprozesses ausgewählt. Aus diesem Anlageuniversum der 50 werthaltigsten Unternehmen werden nun die 30 Aktien ausgewählt, die unseren Anlegern eine hohe Dividendenerwartung bieten können.“ – Könnte viele Finanzwerte bedeuten und nicht unbedingt Fortschritt. Ähnliche Produkte gibt es leider schon…

Die genaue Fondszusammensetzung wird erst mit dem Verkaufsstart am 2.10.2017 bekannt. Laut BFS ist die Anzahl der Titel pro Branche auf fünf begrenzt. Dies lässt aber immer noch viel Raum für das befürchtete starke Gewicht auf Finanzwerte, da Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistungen als separate Branchen gelten können und zudem noch Immobilienaktiengesellschaften in Betracht kommen.

 

Überblick – Mangel an Transparenz erschwert die Auswahl

transparenz

Der Markt für Anlagen mit ethischen/ökologischen ist nicht besonders transparent. Finanztest 7/2017 nennt auf S. 32 die Zahl von rund 300 Fonds mit entsprechenden Ansprüchen, von denen 58 im Test vorgestellt werden. Da diese Fonds über unterschiedliche Vertriebswege und Banken vertrieben werden, kennt kaum jemand alle Produkte hinreichend genau.

Grundsätzlich werden Fonds (sowie einige ETF und Zertifikate) mit unterschiedlichen Ausrichtungen angeboten. Einerseits als Misch-, Renten-, Aktien- und Mikrokreditfonds. Und andererseits mit verschiedenen Ausrichtungen, insbesondere bei Aktienfonds.

(1) Nachhaltigkeitsaktien mit Potenzial: Der Fokus liegt dabei auf oft kleinen und mittelgroßen Unternehmen (inkl. Nachhaltigkeitspionieren), die sich durch zukunftsträchtige nachhaltigkeitsbezogene Produkte und Strategien auszeichnen. Die zugrundeliegende Investmentstrategie ist i.d.R. der Growth-Ansatz.

(2) Internationale Nachhaltigkeitsaktien: Dabei liegt der Schwerpunkt auf meist großen,
international tätigen Standardwerten und „Blue Chips“, die sich zur Nachhaltigkeit bekennen und über ein gutes Nachhaltigkeitsrating verfügen. Die zugrundeliegende
Strategie ist hier i.d.R. der Value-Ansatz.

(3) Lösungen für Umweltprobleme/Klima: Dabei liegt der Fokus auf Branche oder Produkt
der Unternehmen. Dieser Schwerpunkt ist typisch für alle Themenfonds mit ökologischem Bezug und wird auch (fast ausschließlich) von den hier untersuchten,
nachhaltigen Umwelttechnologiefonds gewählt.

(4) Index-Unternehmen: Passiv gemanagte Fonds oder Fonds, die vorrangig nach dem
Best in Class-Ansatz investieren, treffen ihre Auswahl oft ausschließlich nach einem
Index. Ob dies Strategie stärker in den Bereich von Growth oder Value tendiert, ist
abhängig vom zugrundeliegenden Index.

Quelle: Benjamin Tobias Peylo, Ertrags/Risikooptimierung von Nachhaltigkeitsfonds – Eine konzeptionelle und empirische Untersuchung, Diss. Lüneburg 2008, S. 69

Klima-Fußabdruck als objektiver Maßstab?

Die meisten Fonds haben Ausschlüsse von bestimmten Unternehmen/Kriterien. Die Fonds mit Positivkriterien und/oder Best-in-class Ansätzen sind wiederum ebenso unheitlich wie die Ansätze der Öko-Ratingagenturen, so daß ein hohes Maß an Intransparenz besteht.

Eine Möglichkeit, den Grad der ökologischen Ausrichtung von Investmentfonds einzuschätzen, hat die Verbraucherzentrale mit dem CO2-Fußabdruck beschritten. Dieses Konzept wird u.a. von der Steyler Ethik Bank mit dem Fonds „Steyler Fair und Nachhaltig – Aktien (WKN A1JUVL / ISIN DE000A1JUVL8) aktiv beworben.

Die Verbraucherzentrale Bremen hat 2014 einmal die Klima-Fußabdrücke von Fonds verglichen und dabei eine erstaunliche Bandbreite für ähnlich benannte Fonds aufgedeckt:

Der Klima-Fußabdruck von Investmentfonds – Übersichtstabelle

Quelle: Verbraucherzentrale Bremen, https://www.verbraucherzentrale-bremen.de/media233229A.pdf