Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundsechzig

Inhalt:  Globale Investoren fordern dringend Klimaschutz; Deutschland bei Nachhaltigkeit: Heiter bis wolkig; Zweite Woche 24. Weltklimagipfel in Katowice; Finanzthema Klimaschutz und Klimarisiken; Nachhaltigkeit als Maßstab bei der Kreditvergabe; Nachhaltige Finanzwoche in New York; Weltbankgruppe: USD 200 Mrd. für Klimaschutz; Weltweit 140 neue Nachhaltigkeitsfonds…; …starkes Wachstum bei ESG-Aktien-Indexfonds in Europa; Verbraucherzentrale prüfte Nachhaltigkeitskriterien; In eigener Sache: Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

10. Dezember 2018

Dr. Ralf Breuer

Globale Investoren fordern dringend Klimaschutz

454 globale Investoren haben eine dringende Aufforderung an die Politik unterzeichnet, die Ziele des Klimaschutzabkommens zu erreichen. Eine weitere Erderwärmung jenseits der 1,5 Grad würde zu „substanziellen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen führen. Dies sei aufgrund der derzeit vorhandenen nationalen Beiträgen zu befürchten, da auf dem derzeitigen Niveau der Anstrengungen die Ziele deutlich verfehlt würden.

„This ambition gap is of great concern to investors and needs to be addressed, with urgency. It is vital for our long-term planning and asset allocation decisions that governments work closely with investors to incorporate Paris-aligned climate scenarios into their policy frameworks and energy transition pathways.“

Die Investoren betonen auch, dass die bei der Umsetzung der Klimaziele führenden Länder und Unternehmen wirtschaftlich erheblich profitieren werden und folglich auch attraktive Anlagemöglichkeiten für Investoren darstellen:

„The countries and companies that lead in implementing the Paris Agreement and enacting strong climate and low carbon energy policies will see significant economic benefits and attract increased investment that will create jobs in industries of the future.“

Quelle: 2018 Global Investor Statement to Governments on Climate Change

Mit Allianz Global Investors, Allianz SE, DWS und Union Investment haben auch einige prominente deutsche Investoren die Erklärung unterzeichnet. Auffallend ist aber vor allem das Fehlen der Deka Investment als Dienstleister der größten Finanzgruppe, der Sparkassen.

Nachhaltigkeit in Deutschland: Heiter bis wolkig

Das Statistische Bundesamt hat den aktuellen Indikatorenbericht zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie veröffentlicht. Diagnose: „Heiter bis wolkig„.

Bereits zum siebten Mal hat das Statistische Bundesamt den Indikatorenbericht erstellt. Er folgt im Aufbau den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs) und bewertet die jeweiligen Indikatoren mit Wettersymbolen, woraus eben die im Tweet zitierte Einschätzung „heiter bis wolkig“ entstammt. Der Bericht ist eine interessante Lektüre und erlaubt einen tiefen Einblick in den Zustand dieses Landes und seiner Gesellschaft: Destatis Nachhaltigkeite Entwicklung in Deutschland – Indikatorenbericht 2018.

Zweite Woche 24. Weltklimagipfel in Katowice

Der 24. Weltklimagipfel „COP24“ in Katowice geht in die zweite Woche. Das Programm und die Randveranstaltungen füllen viele Internetseiten. Hier die offizielle Seite der Vereinten Nationen, United Nations Climate Change. Das Beitragsbild bzw. die nachfolgende Grafik wollen einen Überblick über die Veranstaltung vermitteln.

cop-grafikthumb

Beitragsbild/Grafik: www.klimafakten.de

Ein Video aus Katowice mit der fünfzehnjährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg und ihrem Appell für den Klimaschutz fand in sozialen Medien tausendfache Aufmerksamkeit. Sie trat in einen Schulstreik und protestierte auf der Straße, um Politiker auf die Notwendigkeit von Maßnahmen aufmerksam zum machen. Weitere Menschen gesellten sich zu ihrem Protest. Mittlerweile fand ihre Aktion in vielen Ländern Nachahmung.

In ihrem Interview beklagt sie die verbreitete Unkenntnis über den Klimawandel bei Journalisten, Politikern und der breiten Öffentlichkeit. Sie regt die stärkere Einbeziehung jüngerer Menschen an. – Sehr hörenswert: „Something big has to happen“!

Insbesondere bei Politikern sieht sie nicht nur Defizite beim Wissen, sondern auch bei der Motivation: Ihr Job sei nicht die Rettung der Welt, sondern der Wahlsieg.

Finanzthema Klimaschutz und Klimarisiken

Anläßlich des Weltklimagipfels haben sich fünf Banken zusammengeschlossen, um ihre Kreditportfolien mit den Klimazielen des Klimaabkommens von Paris in Einklang zu bringen. BBVA, BNP Paribas, ING Groep, Société Générale und Standard Chartered wollen gemeinsam Methoden entwickeln, die Vereinbarkeit ihrer Kreditportfolien mit dem Klimaabkkommen von Paris zu messen und entsprechend zu steuern.

Auch für die Zentralbanken und Bankaufsichtsbehörden sind Klimarisiken – insbesondere der Klimawandel und die Energiewende – ein wichtiges Thema. Im Oktover 2018 haben insgesamt 18 Zentralbanken gemeinsam erklärt, dass sie diese als Teil ihres Mandats sehen. Besonders weit fortgeschritten sind die Überlegungen in Großbritannien und den Niederlanden, u.a. weil beide Länder von einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels unmittelbar stark betroffen werden.

In der Financial Times wurde dem Thema am 4.12.2018 erneut ein ausführlicher, sehr lesenswerter Artikel gewidmet. Es geht nicht mehr um die Frage, ob Klimarisiken relevant sind, sondern wie sie praktisch in die Finanzmarktregulierung eingehen sollen.

Strittig bleibt allein die Frage, ob „grüne“ Investitionen kapitalseitig begünstigt werden sollen, wie es die EU-Komission bei der Vorstellung ihres Aktionsplans im März 2018 gefordert hat (Der Aktionsplan der EU-Kommission geht in die Umsetzung). Hierfür gibt es unmittelbar keine logische Begründung, da es sich um „klassische“ Investitionen handelt, während Klimarisiken Langfristcharakter haben, was in der aktuellen Systematik der Rechnungslegung und Unternehmensberichterstattung nur unzureichend abgebildet wird.

Nachhaltigkeit als Maßstab bei der Kreditvergabe

Die norwegischen Bank DNB setzt bei der Vergabe von Krediten nachhaltige Maßstäbe an. Unternehmen, die nicht nachhaltig sind und umweltbelastende Produkte herstellen, haben es schwerer, Geld von der Bank zu bekommen.

Bei der Einschätzung des Risikos neuer Kunden sind Umwelt- und Klimabewertungen ein Faktor. „Unternehmen, die in ihrer Geschäftsstrategie keine Nachhaltigkeit haben, werden auf lange Sicht nicht lebensfähig sein“, sagte eine DNB-Sprecherin. So sei einem Hersteller von Einmalplastik kürzlich ein Kredit verweigert worden. Auch immer weniger Unternehmen in der Fossilbranche würden Finanzierungshilfe bekommen. (dpa/Handelsblatt 7.12.2018

Nachhaltige Finanzwoche in New York

Zeitgleich zum Start des Klimagipfels in Polen fand in New York eine Nachhaltige Finanzwoche (Sustainable Finance Week, Programm) mir verschiedenen großen Einzelveranstaltungen statt. Der Dienstleister Bloomberg hat aus diesem Anlass sein Informationsangebot erweitert und betreibt nun ein auf Nachhaltigkeit bzw. Verantwortungsbewusstsein ausgerichtetes Informationsangebot, den Bloomberg Good Business Hub. Bloomberg bietet hier kostenfrei auch den Bezug von wöchentlichen aktuellen Informationen per E-Mail an, den englischen Good Business Newsletter.

Weltbankgruppe: USD 200 Mrd. für den Klimaschutz

Die Weltbankgruppe hat für die nächsten fünf Jahre ein Finanzierungsprogramm von USD 200 Mrd. für den Klimaschutz initiiert (Pressemitteilung 3.12.2018 (EN)). USD 100 Mrd. will die Gruppe dabei unmittelbar selbst bereitstellen. Neben Maßnahmen zur CO2-Reduktion sollen auch präventive Schritte zur Vorbereitung auf den Klimawandel finanziert werden. Bereits 2018 wird die Gruppe USD 20,5 Mrd. bereitstellen. Der Betrag war eigentlich erst in 2020 geplant.

Weltweit 140 neue Nachhaltigkeitsfonds…

Bloomberg berichtet, dass 2018 weltweit 140 neue Fonds mit Nachhaltigkeitskriterien neu aufgelegt wurden. Dabei handelt es sich im wesentlichen um „verantwortungsbewußte Produkte“, die an SRI- bzw. ESG-Kriterien ausgerichtet sind. In der nachfolgenden Grafik wird zusammengestellt, wie sich die zehn größten Fonds im Vergleich zum breiten Aktienindex S&P 500 entwickelt haben. Für die Vereinigten Staaten schätzt Bloomberg den Marktanteil dieser Produkte auf über 25%, was in etwa einem Wert von USD 12 Bio. entspricht.

Quelle mit ausführlichen Informationen und einer Übersichtstabelle: Bloomberg 30.11.2018

…starkes Wachstum bei ESG-Aktien-Indexfonds in Europa

Der Fondsdienstleister Morningstar meldet am 7.12.2018: „Nachhaltiges Investieren wird immer mehr zum Mainstream in Europa“ (Valerio Baselli: ESG-Aktien-Indexfonds 2018 stark gesucht, 7.12.2018). Ende September gab es laut Artikel 199 nachhaltig investierende Indexfonds, darunter 55 ETFs. Seit Jahresbeginn ist das Volumen der Fonds bei Zuflüssen von € 8,65 Mrd. von € 84,2 Mrd. auf € 97,6 Mrd. gestiegen. Die Fonds sind mehrheitlich (182) Aktienprodukte, während Rentenprodukte (16) und Mischfonds (1) nur einen kleinen Anteil haben.

Wachstum des in ESG-Indexfonds verwalteten Vermögens

Auch bei den 18 neuen Produkten im Laufe des Jahres 2018 dominierten mit 17 die Aktienfonds. 10 dieser Produkte sind ETFs.

Verbraucherzentrale prüfte Nachhaltigkeitskriterien

Die Verbraucherzentale Bremen hat bei 14 Banken in Deutschland die Nachhaltigkeitskriterien unter die Lupe genommen und in einer Übersicht aufbereitet. Sie alle haben für ihre Eigenanlagen und die Kreditvergabe ethische-ökologische Kriterien, darunter acht Kreditinstitute mit kirchlichen Wurzeln. Die  Verbraucherzentrale untersuchte erneut die Auswahl dieser Kriterien.

Das Ergebnis in Kürze:

  • Nachholbedarf beim Klimaschutz: Nur sieben von 14 Banken schließen Investitionen in fossile Energieträger konsequent aus
  • Für zwei Banken ist die Atomindustrie kein Ausschlusskriterium
  • Fünf Banken wenden alle untersuchten Ausschlusskriterien an

Die Übersicht macht für Verbraucher auf einen Blick deutlich, welche Banken die für sie wichtigen ethisch-ökologischen Kriterien erfüllen. Daneben bietet die Verbraucherzentrale Bremen mit Marktchecks zu den Konditionen von Girokonten und Sparanlagen bei diesen Banken weitere Orientierungshilfen.

Zur Übersicht: Anlagekriterien_bei Banken_Nachhaltigskeitsstandards

©Verbraucherzentrale Bremen e.V.

Die Verbraucherzentrale hat auf ihrer Internetseite auch Informationen über nachhaltige Geldanlagen für Privatanleger zusammengestellt. Links finden sich auf der Seite SDG – S(innvoll) D(eponiertes) G(eld).

In eigener Sache

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Einundsechzig bis Eins

 

 

 

Ein Gedanke zu “Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundsechzig

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