Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundvierzig

Beitragsbild: Von Studierenden des Studiengangs Kommunikationsdesign an der Rheinischen Fachhochschule Köln in Kooperation mit #17Ziele gestalteter Bierdeckel, von dem 85.000 Stück in Kölner Lokalen verteilt wurden

Inhalt: Bundesregierung – Bei Nachhaltigkeit Vorbild sein; Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie wird überarbeitet; Elektromobilität birgt Klimarisiken; …was die Kreditwirtschaft beschäftigt; Kreditzinsen und Nachhaltigkeit; Investoren schauen verstärkt auf Klimarisiken, SDG-Atlas der Weltbankgruppe erschienen; Blockchain – Wo sinnvoll, wo nicht?; Datenschutz/DSGVO

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

7. Juni 2018

Dr. Ralf Breuer

Bundesregierung – Bei Nachhaltigkeit Vorbild sein

Der Auftritt und die Rede der Bundeskanzlerin bei der Jahrestagung des Rates für Nachhaltige Entwicklung wird auf einer Internetseite der Bundesregierung thematisiert.

Der Seite Bei Nachhaltigkeit Vorbild sein ist der nachfolgende Text vorangestellt:

Die Nachhaltigkeit habe ihren Weg in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gefunden, so Kanzlerin Merkel auf der Jahrestagung des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Sie warb für internationale Partnerschaften, die Gestaltung der Globalisierung und eine Vorreiterrolle der EU bei der Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele.

Auch wenn der Aktionsplan der EU-Kommission nicht ausdrücklich erwähnt wird, beinhaltet die Rede von Bundeskanzlerin Merkel am 4.6.2018 Rede ein erstes öffentliches und starkes Bekenntnis zum verstärkten Angang von Nachhaltigkeitsthemen. Die zeitnahe Ankündigung der Überarbeitung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ist ein erfreulicher nächster Schritt.

Dabei könnte dann auch die von Sigmar Gabriel geäußerte Kritik berücksichtigt werden, die er in seiner Rede auf der Nachhaltigkeitskonferenz der Union Investment am 6.6.2018 zum Ausdruck brachte: „Sigmar Gabriel ist bekannt als ein Mann offener Worte. Dafür wird er manchmal gescholten, manch einer findet genau das aber auch bereichernd. Wie auch immer: In seiner Rede kritisiert Gabriel, dass die Nachhaltigkeitsstrategie Deutschlands nicht zwangsläufig an verpflichtende konkrete Ziele für die einzelnen Ressorts der Bundesregierung gekoppelt ist.“

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie wird überarbeitet

Die Bundesregierung hat sehr schnell auf den am 4. Juni 2018 offiziell übergebenen „Peer Review“ reagiert (vgl. Nummer Vierzig). Bereits am 6. Juni 2018 hat sie ein Konsultationspapier zur Überarbeitung der erst im Januar 2017 neu gefassten Nachhaltigkeitsstrategie veröffentlicht: Konsultationspapier zur Überarbeitung der Strategie 2018. Das Papier wurde vom „Staatssekretärsausschuß für nachhaltige Entwicklung“ verfasst.

Die wichtigsten Informationen sowie die Kontaktdaten für die Einreichung von Diskussionsbeiträgen bis zum 26.6.2018 finden sich auf der Seite: Nachhaltige Entwicklung – Wir aktualisieren die Strategie, machen Sie mit!. Dort findet sich auch ein Zugang zu der informativen Seite der Bundesregierung zur aktuellen Nachhaltigkeitspolitik.

Elektromobilität birgt Klimarisiken

Bereits im Jahr 2016 berichtete das Bundesfinanzministerium in einem Monatsbericht über die möglichen Auswirkungen von Klimawandel und Energiewende auf die Finanzmärkte (BMF Monatsbericht August 2016). Dabei wurde auch der Begriff „Stranded Assets“ erläutert:

„Als „Stranded Assets“ werden Anlagen bezeichnet, die aufgrund der unvorhergesehenen Änderung von Regulierungen, der physischen Umwelt, sozialen Normen oder Technologie eine nicht erwartete Abwertung erfahren. Ein Beispiel für ein „Stranded Asset“ wäre ein Kohlekraftwerk, das aufgrund höherer Energie- und Emissionseffizienzkriterien nicht mehr betrieben werden darf.“

Fossile Kraftwerke sind sicherlich ein Paradebeispiel, aber eher die Spitze eines gigantischen Eisbergs. Nach und nach wird die mögliche Dimension deutlich, mit der Klimawandel und Energiewende auf die Werthaltigkeit von Investitionsgütern und das operative Geschäft wirken werden. So hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Belastungen der Wirtschaft aus der Diskussion von Dieselfahrverboten mit € 500 Mio. beziffert. Diese Schätzung erscheint weniger konservativ als weitaus zu niedrig.

Dies zeigt ein Bericht bei Spiegel Online am 5. Juni 2018: Umstellung auf Elektroantriebe könnte Zehntausende Jobs kosten. Der Bericht basiert auf einer Studie der Fraunhofer-Gesellschaft, nach der rund 75.000 an fossile Antriebe gebundene Arbeitsplätze entfallen könnten, während 25.000 neue rund um Elektroantriebe entstehen. Grund ist die deutlich geringere Komplexität von Elektromotoren und das Elektrofahrzeuge kein herkömmliches Getriebe benötigen.

Die Schätzungen basieren auf Angaben der Automobilindustrie und großer Zulieferer und setzen eine anhaltende Skepsis mit einem Anteil von 25% elektrisch betriebener Fahrzeuge im Jahr 2030. Besonders stark betroffen wären kleinere Zulieferer in strukturschwachen Gebieten.

Bei Dieselfahrzeugen war schon 2017 ein deutlicher Rückgang der Wiederverkaufspreise bzw. Restwerte zu verzeichnen. Damit und den erwartbaren Veränderungen im produzierende Gewerbe ist bereits jetzt die gesamte Kreditwirtschaft betroffen.

…und was die Kreditwirtschaft beschäftigt

Ein interessantes Kontrastprogramm bot der „Innovation Day“ im Sparkassen Innovation Hub. Interessant ist vor allem, welche Themen nahezu komplett fehlen: Regulatorische Anwendungen zur Bewältigung der Flut von Anforderungen.

Der Informationsdienst MEDICI schätzte in einer neueren Studie die regulatorischen Ausgaben weltweit auf USD 270 Mrd. und die Personalbindung auf ca. 10 bis 15% (Elena Mesropyan: RegTech – The greatest Opportunity in FinTech. Vor diesem Hintergrund also verwunderlich, dass dies nicht zu den Kernthemen gehören sollte. Stattdessen drängt sich der Eindruck auf, Digitalisierung sei in Hauptsache die Kreation von Applikationen für bestehende und neue Produkte wie die in Hamburg vorgestellte elektronischen Geldbörse für Kryptowährungen „Skrypto“.

Kreditzinsen und Nachhaltigkeit

Laut Bloomberg hat die ING Groep N.V. bereits bei 16 Krediten die Verzinsung in Abhängigkeit von Nachhaltigkeitskriterien vereinbart. Die Kreditnehmer können durch entsprechende Fortschritte bei den vereinbarten Indikatoren ihre Zinslast um 10 bis 15 Basispunkte reduzieren. Der erste Kredit dieser Art wurde mit dem Elektronikkonzern Philips mit einem Volumen von € 1 Mrd. vereinbart (Anna Hirtenstein: Going Green Can Get You Cheaper Loans At This Dutch Bank, Bloomberg 4.6.2018). Bereits in Nummer Neunundzwanzig wurde über dieses Konstrukt einmal berichtet.

Investoren schauen verstärkt auf Klimarisiken

Die französische Vermögensverwaltungsgesellschaft Amundi SA stellt nach einem Bericht bei Bloomberg fest, dass grosse Unternehmen zunehmend Klimarisiken in die Bewertung von Wertpapieren einbeziehen. Dabei wird die gespannte Spannbreite von physischen Risiken durch den Klimawandel bis hin zur Entwertung von Vermögenspositionen durch Energiewende (Stranded Assets) berücksichtigt. (Vgl. Anna Hirtenstein: Europe’s Largest Asset Manager Sees ‘Tipping Point’ on Climate, Bloomberg 31.5.2018.

SDG-Atlas der Weltbankgruppe erschienen

Die Weltbankgruppe hat ihren „Atlas of Sustainable Development Goals 2018 „veröffentlicht. Er zeigt die Entwicklung wichtiger Indikatoren für mehr als 220 Volkswirtschaften auf. Zu allen 17 Zielen werden online mehr als 180 Grafiken präsentiert, die Fortschritte und Handlungsbedarf aufzeigen. Neben dem Atlas selbst wird auch ein Zugriff auf die zugrundeliegenden Daten ermöglicht: The 2018 Atlas of Sustainable Development Goals: an all-new visual guide to data and development.

Blockchain – Wo sinnvoll, wo nicht?

Einen sehr anschaulichen Artikel veröffentlichte Ingo Dahm: Blockchain – Wo sinnvoll, wo nicht?, Linkedin 5.6.2018. Grundsätzlich ist die Blockchain bei Anwendungen sinnvoll, bei denen Geschwindigkeit nicht erheblich ist, aber ein hohes Maß an Sicherheit gewährleistet werden soll.

Neben der Werbung für sein Buch gefällt auch die Eigenwerbung des Autors so gut, dass sie plagiatgefährdet erscheint:

„Als Ratgeber, Keynote-Speaker oder Coach helfe ich Ihnen gern, jede Herausforderung zu meistern. Melden Sie sich gern per E-Mail, Telefon oder Chat! Guter Rat ist nicht teuer. Schlechter Rat schon.“

Datenschutz/DSVO

Durch die ab 25. Mai 2018 in Deutschland geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist der rechtssichere Versand von Mails auch wenn sie keine unmittelbare Werbung enthalten an die ausdrückliche Zustimmung der Empfänger gebunden.

Sofern Sie zukünftig gezielte und dosierte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft per Mail erhalten möchten, bitte ich Sie unter dem nachfolgenden Link um Ihre Zustimmung, wozu ein simples „Ja“ in Verbindung mit Ihrem Namen und Ihrer Mailadresse würde genügen: Datenschutz bei Investabel®. Alternativ können Sie auch eine entsprechende Mail info@investabel.com senden.

Dies betrifft natürlich nur diejenigen Adressaten, die ihre Zustimmung bisher noch nicht gegeben haben.

 

Übersicht Blogbeiträge

Übersicht Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Vierzig bis Eins

 

 

 

2 Gedanken zu “Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Einundvierzig

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