Nachhaltigere Finanzwirtschaft – Nummer Fünfzehn

Grafik: https://paymentandbanking.com/german-fintech-overview-unbundling-banks/

Inhalt: Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech; Aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland; FinTech und GAFA – Situation erkannt?; Commerzbank-Analyse „What if the game changes?;  Sustainable Finance Gipfel 23.10.17; Emmanuel Macron zu Green Finance

Die Beiträge in „Nachhaltigere Finanzwirtschaft“ fassen in loser Folge relevante Nachrichten zusammen, die auf die Entwicklung hin zu einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit und andere interessante Entwicklungen im Finanzsektor hinweisen.

18. Oktober 2017

Dr. Ralf Breuer

Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech

Drei amerikanische Rechtswissenschaftler haben über das CFA Institute eine knappe, aber erschöpfende Entwicklungsgeschichte der FinTech/RegTech mit Ausblicken für die weitere Entwicklung publiziert: FinTech and RegTech in a Nutshell, and the Future in a Sandbox. Die 20 Seiten können hilfreich sein, die aktuellen Entwicklungen einzuordnen.

Die aktuelle FinTech-Landschaft in Deutschland

http://www.paymentandbanking.com macht sich regelmäßig große Mühe mit der Aktualisierung der Übersichten über die deutsche FinTech-Landschaft. Das Beitragsbild hier noch einmal in voller Größe zur Übersichtlichkeit:

2017-10-12 German FinTech

Das Original findet sich auf https://paymentandbanking.com/german-fintech-overview-unbundling-banks/

Bei der Betrachtung der Übersicht fällt auf, dass das Feld Rating/Risk nur dünn besetzt ist. Überhaupt erscheinen Lösungen für Regulierung und Compliance in Deutschland weniger stark vertreten. Tatsächlich ergeben sich aus sogennanten RegTech-Lösungen aber interessante Perspektiven für den Umgang mit dem wandelnden Regulierungsrahmen. Dies haben auch die Aufsichtsbehörden erkannt und arbeiten ebenfalls an technologisch basierten Lösungen, den SupTech (Supervisory Technology). Mehr im am 13.10.2017 erschienenen Beitrag Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit mit engen Verbindungen.

Beim Betrachten der obigen Übersicht und der aktuellen Entwicklungen fällt noch auf: Banken können in ihren Funktionen modular gestaltet werden, nicht aber die Bewältigung der verbundenen realen Umfeldentwicklung. Tatsächlich ist dies aber in Realität der Fall, was der genannte Blogbeitrag thematisiert: Digitalisierung, Regulierung und Nachhaltigkeit weisen viele wechselseitige Beziehungen auf. In der Praxis werden die Themenfelder jedoch in Silos, von oft sehr unterschiedlich orientierten Personen bearbeitet.

FinTech und GAFA – Situation erkannt?

Interessantes Kontrastprogramm: Dr. Holger Schmidt (https://netzoekonom.de/, Ko-Autor von Deutschland 4.0 – Wie die Digitale Transformation gelingt) stellt fest: Digitales Banking: Tech-Giganten sind die wahre Bedrohung (=GAFAs, s.u.). Das www.it-finanzmagazin.de berichtete dagegen über eine weitere Studie: Sparkassen und Genossenschaftsbanken nehmen Fintechs nicht als Bedrohung wahr. Demnach haben bei den regionalen Kreditinstituten Ertragssteigerungen, das Auffangen der aktuellen Niedrigzinsphase und die Bewältigung der regulatorischen Anforderungen höchste Priorität. Allerdings liegen Digitalisierung/Konkurrenz durch FinTech nicht abgeschlagen. Ähnliche Ergebnisse waren bereits in einer anderen Studie berichtet worden: Vgl. Nummer Zwölf.

Es stellt sich die Frage, ob die Antworten eher strategisch waren oder dem tatsächlichen Stimmungsbild entsprechen. Einige Fakten sprechen für mangelndes Problembewußtsein in der deutschen Kreditwirtschaft Weshalb bleiben die offensichtlichen Potentiale nachhaltiger Anlageprodukt ungenutzt ? Weshalb sind die großen Bankengruppen nicht für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft engagiert, obwohl dies ein probater Ansatz für die eigene Überlebensstrategie wäre? Mehr hierzu im Beitrag Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie der Finanzwirtschaft 2.0. und unten zum „Sustainable Finance Gipfel“.

Auch die aktuelle Berichterstattung zu den Aktivitäten von Google & Co (sog. GAFA, vgl. Nummer Zehn) bilden hierzu einen interessanten Kontrast. Die Finanzierungstochter von Alibaba, Ant Financial wurde von einer Jury der Financial Times gerade als Innovativer und wirkungsvoller Kandidat für den „Future of FinTech Award 2017“ nominiert: „The judges: This is clearly one of the most innovative and impactful fintech companies of the moment, changing the landscape completely.“

Das von der Muttergesellschaft geplante Forschungsprogramm mit einem Volumen von USD 15 Mrd. (vgl. Nummer Vierzehn) könnte beitragen, diese Position noch weiter auszubauen. Der renommierte Bankenexperte Chris Skinner hat einen sehr lesenswerten Artikel über die Finanztochter Ant Financial publiziert, der auch eine gewisse Entwarnung beinhaltet: „In conclusion, Ant Financial’s aim is inclusion“. Die gesättigten westlichen Märkte sind eher Randgebiete. Wachstumsfeld sind vor allem un(ter)versorgte Segmente, z.B. in Schwellenländern.

Commerzbank-Analyse „What if the game changes?“

finanz-szene.de zitiert heute eine Studie von Commerzbank Research mit der Frage, was in der Bankenwelt passieren kann. Der Titel der Studie müsste allerdings richtig lauten: What as the game changes? Es ist unbestrittener Konsensus unter Bankexperten, dass sich die Bankenwelt in wesentlichen Zügen ändert. Nicht allein PSD2 motiviert zu offenen Architekturen und eine ganze Reihe von Banken hat sich auch in diese Richtung schon verändert.

Der britische Bankenexperte und Kolumnist Chris Skinner hat die Veränderungen im Beitrag Lego Bank is here, but it’s not built with Lego anschaulich beschrieben: Die alte Bankenwelt als „Spaghetti“ mit verwobenen, teilweise jahrzehntealten (EDV-)Systemen und Prozessen. Die Zukunft erinnert eher an „Lego“ mit der Bank als Plattform, an/auf die interne und externe Leistungen/Systeme aufgesetzt werden.

Viele Banken versuchen allerdings, den Status quo digital nur fortzuschreiben, was nicht möglich erscheint. Die grundlegenden Fehler in der Digitalisierung greifen die Artikel von Jochen Siegert und Miriam Wohlfahrt auf paymentandbanking.com auf.

Scheint tatsächlich noch nicht vollkommen verbreitet: „Many (banking) executives haven’t quite realized how crucial digital is to their institutions and talk about an evolution, when, in reality, what we are facing is a revolution,” warned Chris Skinner, one of fintech’s leading global experts…“ Quelle: The financial services of the future will be open source and real-time

Sustainable Finance Gipfel am 23.10.2017

Quelle für den nachstehenden, kursiv wiedergegebenen Text: Rat für Nachhaltige Entwicklung

Bei dem „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ in Frankfurt kommen Politikvertreter/-innen, Wirtschafts- und Finanzexpert/-innen, Investor/-innen und Wissenschaftler/-innen zusammen. Das Bundesfinanzministerium hat die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir kommt, um ein Grußwort zu halten. Ziel der Veranstaltung ist es, die wichtigsten Aspekte für eine Agenda nachhaltiger Finanzwirtschaft in Deutschland aufzustellen und die Politik darauf aufmerksam zu machen.

Aufgrund des großen Interesses ist die Veranstaltung bereits ausgebucht. Für alle Interessierten steht am 23.10. für die gesamte Dauer der Veranstaltung von 9 bis 18 Uhr ein Livestream auf www.h4sf.de zur Verfügung.

Auffällig ist die Besetzung der hochkarätigen Diskussionsrunden: Die deutsche Kreditwirtschaft ist wenig repräsentiert und eher mit der zweiten oder dritten Ebene. Allerdings fehlen auch diejenigen Banken völlig, die Nachhaltigkeit bzw. Ökologie als Erfolgsrezept erkannt und zum Handlungsprinzip gemacht haben. Neben GLS Bank, Triodos Bank & Co wären u.a. auch Kollegen französischer Großbanken interessant. Fünf der sieben größten Banken in Frankreich haben Nachhaltigkeit eng im geschäftspolitischen Fokus: Mehr in der Nummer Elf.

Emmanuel Macron zu Green Finance

Der französische Präsident hat sich in einem Artikel: Mobilising financing is key to tackling climate change klar für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft in Europa positioniert. Er stellt drei wesentliche Punkte heraus: 1. Berichterstattung 2. Entwicklung von Finanzinstrumenten 3. Verbindung privater und öffentlicher Interessen.

Macron äußert u.a. die Überzeugung, dass die von der EU-Kommission mandatierte hochrangige Expertengruppe HLEG auf europäischer Ebene einen „neuen Impetus“ vermittelt. U.a. wird die Umsetzung der Vorschläge der „TCFD“ (Task Force on climate related financial disclosures) zur Einführung nicht-finanzieller Komponenten wie Klimarisiken befürwortet.

Übersicht Blogbeiträge

Aktuelles – Nachhaltigere Finanzwirtschaft Nummern Fünfzehn bis Eins

Nummer Vierzehn am 16.10.2017: Britische Regierung hat Fokus auf „Green Finance“; Green Bonds mit starkem Momentum; Warburg Navigator live; Alibaba plant USD 15 Mrd. für Forschung; Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments

Nummer Dreizehn am 11.10.2017: FNG – Leitfaden nachhaltige Geldanlagen; ÖKO-TEST – Nachhaltige Indices und Indexfonds; Alipay weltweit und in Europa

Nummer Zwölf am 9.10.2017: EU-Kommission, Deutsche Bundesbank und niederländische Zentralbank fordern mehr Nachhaltigkeit und  Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; BNP Paribas mit Greenbond Fonds für Privatanleger; comdirect Fintech-Studie, Umfrage zu FinTech und GAFAs, Finanzblog-Award

Nummer Elf am 5.10.2017: Deutsche Bundesbank fordert Berücksichtigung von Klimarisiken; Nachhaltige Finanzwoche in Frankreich; Französische Banken stark nachhaltig engagiert; Pimco sieht SDGs als gute Anlagegrundlage

Nummer Zehn am 2.10.2017: www.geld-bewegt.de – Ein neues Informationsangebot der Verbraucherzentralen; Markt für Anleihen mit Klimabezug wächst weiter; FinTech und deutsche Kreditinstitute; GAFA(s) – ein neuer Begriff in der Finanzwelt

Nummer Neun am 28.9.2017: Hub for Sustainable Finance startet, Luxembourg Green Exchange notiert USD 63 Mrd. Anleihen mit Klimabezug, Studie von Schroders bestätigt starken Trend zu nachhaltigeren Anlagen

Nummer Acht am 26.9.2017: FinTech – Neue Medien, alte Regeln; FinTech und nachhaltige Entwicklung; Zuwachs staatlicher Greenbonds; Triodos ruft zum Umbau der Finanzwirtschaft auf

Nummer Sieben am 20.9.2017: Die Konsolidierung bei der Vermögensverwaltung online beginnt; ING-DiBa mit Nachhaltigkeit im Direktdepot; Mikrokredit in Westeuropa?; Blockchain nicht ohne Nachteile

Nummer Sechs am 14.9.2017: Die Bank der nachhaltigen Entwicklung – eine Nische?; RegTech – Technik kann Regulierung sicherer machen, aber Regulierer sind auch gefordert; Gesellschaftliche Langfristkosten

Nummer Fünf am 12.9.2017: Nachhaltige Finanzwirtschaft in den Programmen zur Bundestagswahl 2017; Bank für Sozialwirtschaft mit neuem nachhaltigen Aktienfonds; In eigener Sache: FinanzBlogAward 2017

Nummer Vier am 8.9.2017: Zurich Insurance Group hält USD 2 Mrd. Greenbonds; BB Fund – Based Blockchain Fund; Brasilien will bei Green Bonds China und Indien folgen; Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für Nachhaltige Finanzwirtschaft

Nummer Drei am 29.8.2017: Australischer Versicherer investiert 25% der Nettoprämien wirkungsorientiert; Quirin Privat Bank/Quirion; RegTech gegen Ängste und Aufwendungen

Nummer Zwei am 25.8.2017: Triodos Bank mit nachhaltigem Wachstum; Rekordquartal für „grüne“ Anleihen; Resilience Bonds; Nachhaltigkeit für US-Aktionäre immer wichtiger; Umfassender Bericht zur Zukunft der Finanzdienstleistungen

Nummer Eins am 22.8.2017 mit folgenden Inhalten: GLS Klimafonds, Neue Transparenz für Investmentfonds, erste islamkonforme grüne Anleihe

 

 

 

 

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