FinTech – Neue Medien, alte Regeln

English version: FinTech – New Media, old rules Abstract: FinTech are rather considered as a threat than opportunity. But they can only be successful, if the help someone, i.e. by serving un(der)served or facilitating processes. Thus long-standing rules still apply.

Die etablierte Kreditwirtschaft steht den Anbietern von Finanzdienstleistungen auf der Grundlage der aktuellen technischen (Kommunikations-)Möglichkeiten scheinbar etwas hilflos und eher sorgenvoll gegenüber. Mehrheitlich dominiert mehr die Kopie und ein „wir auch“ in Verbindung mit der eher abstrakten Suche nach „Kundenerlebnis“ als Reaktion auf eine z.T. mehr abstrakte Bedrohung. Viel weniger werden Potenziale und Chancen in den Vordergrund gestellt. Dabei scheinen die Erfolgsgrundlagen für neue Dienstleistungsangebote eher einfach und hinreichend bekannt: Die Deckung bisher un(ter)versorgter Kundenbedürfnisse. Oder schlicht die Lösung von Problemen.

26. September 2017

Dr. Ralf Breuer

Ausnahmen machen noch keine Regeln

Zugegeben: Manchmal eröffnen FinTech eine fremde Welt, die so gar nicht in das Bild des durchschnittlichen Mitteleuropäers passt. So bei Digital Green Finance, einem Beispiel, bei dem alle Register der aktuellen Technik bis hin zu spielerischen Elementen gezogen wurden. Aber was in China 200 Mio. Nutzer hat, muss noch lange nicht die (Banken-)Welt verändern. Und trotzdem ein interessantes, was machbar sein kann und trotzdem genutzt wird.

Erfolgsgrundlagen für FinTech altbekannt

Schon der Beitrag Erfolgsgrundlagen für FinTech war den Chancen neuer Dienstleistungsangebote gewidmet. Neu ist dabei nicht unbedingt das Angebot selbst. Vielmehr findet sich viel „alter Wein in neuen Schläuchen“. Chris Skinner, ein bekannter Bankenberater und Kolumnist stellte fest, dass die erfolgreichsten FinTechs keine Banken ersetzen, sondern unterversorgte Marktbereiche bedienen. (“that…the most successful FinTech firms are not replacing banks, but serving markets that were under-served” https://thefinanser.com/2017/07/fintech-start-ups-think-can-beat-banks.html/). Oder bisher bewusst oder unbewusst unversorgte. Dies scheint insbesondere im internationalen Zahlungsverkehr und auch bei Private Banking der Fall, wo neue Vertriebswege die Kundenansprache verbreitern oder aber exzessiv hohe Margen ausbeuten.

Warum ein Blick nach Afrika?

Bei der Suche nach innovativen Dienstleistungen hätte wohl kaum jemand hätte Nigeria auf der Liste der „heissen“ Kandidaten. Und trotzdem werden alleine hier mehr als 50 FinTech registriert, wie der Beitrag Africa – The Market of unexplored Opportunities zeigt. Gerade bei der Entwicklung des afrikanischen Kontinents und seinen brennen Problemen werden modernste technische Möglichkeiten genutzt, wie z.B. der kürzlich bei PAYMENTANDBANKING erschienene Beitrag aufzeigt.

Es wurden auch schon Potenziale der Blockchain für die Unterstützung einer nachhaltiger Entwicklung in Schwellenländern anvisiert: So basiert Monetha auf Ethereum und soll im Rahmen der Financial Inclusion Global Initiative der Weltbank als Basis für den Zugang zu Finanzdienstleistungen von weiteren 3 Mio. Menschen genutzt werden. Hier wird die Technik zunächst in Ländern mit den größten Entwicklungsrückständen verwendet.

2017-09-25 Unbanked

Erfolgreiche FinTech müssen helfen!

Steve McLaughlin, CEO der auf FinTech spezialisierten Investmentbank FT Partners stellte in einem Interview kürzlich fest, dass sich die Entwicklung der Branche eher am Anfang befindet. Weiterhin stellt er in Why the FinTech Game Has Just Begun fest, dass sich die Bank nur solchen Kunden widmet, deren Geschäftsmodell „jemanden wesentlich helfen“ (If you’re not helping someone in a major way, then we’re probably not going to be the bank for you). FinTech sind eben kein Selbstzweck, sondern müssen „reale“ Probleme lösen (helfen).  Das erscheint logisch, wird aber bei einem Blick auf die Branche nicht unmittelbar klar.

Wie können FinTech helfen?

In Afrika werden die Zusammenhänge unmittelbar klar: FinTech überbrücken auf der Basis von Mobilfunktechnik die Lücken in der physischen Infrastruktur und räumliche Distanzen. Damit können bisher völlig unversorgten Menschen Dienstleistungen angeboten werden.

Auch in den etablierten Märkten konzentrieren sich die FinTech überwiegend auf bisher un(ter)versorgte Bedürfnisse. Ein Schwerpunkt ist der internationale Zahlungsverkehr für private Kunden, den die Banken spezialisierten Anbietern mit sehr auskömmlichen Margen überlassen haben. Ein zweites Beispiel ist die Vermögensberatung/-verwaltung online. Sogenannte RoboAdvisor erschliessen Leistungen für neue Kundengruppen, die bisher aus Kapazitäts- und Kostengründen nur selektiv, z.B. für größere Vermögen angeboten werden. Es muss sich als nicht zwangsläufig um ein neues „Problem“ handeln, sondern schlicht eine „Demokratisierung“ von Dienstleistungen.

Sehr große Potenziale ergeben sich in technischen Neuerungen für die Anwendung in internen Prozessen der Bank- und Versicherungswirtschaft. Sogenannte „RegTech“ können insbesondere in der Regulierung und bei Compliance Prozesse erheblich vereinfachen, beschleunigen und dabei gleichzeitig besser absichern. Hier bietet die Automatisierung eine Chance, der massiv gestiegenen Komplexität etwas Wirksames entgegenzusetzen, wobei auch die Regulierungsbehörden gefordert sind, die technische Umsetzung mitzugestalten.

2017-09-13 RegTech EUR

Fazit

FinTech sind keine einseitige Bedrohung, sondern bieten auch der etablierten Kreditwirtschaft vielfältige Chancen, die erkannt und genutzt werden wollen. Es geht dabei weniger darum, Bestehendes auf eine „App“ zu bringen und mit „Kundenerlebnis“ zu versehen, sondern Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Dabei kann z.B. der Beitrag Maik Klotz bei PAYMENTANDBANKING sehr hilfreich sein: Was Nutzer vom Online-Banking wirklich erwarten…?!

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5 Gedanken zu “FinTech – Neue Medien, alte Regeln

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