Weniger Karten in die Brieftasche

Dr. Ralf Breuer

Nach der Vorstellung der Kreditkarte aus natürlichen Rohstoffen von Triodos beschäftigte ich mich intensiver mit der Thematik mit einer ersten Zusammenfassung am 28. Juli 2017. Nachdem klar war, dass das Verfahren vorwiegend „Chip und Magnetstreifen, aber ohne Plastik“ beinhaltet wurde ich neugierig, welche Entwicklung der Zahlungsverkehr nimmt. Und tatsächlich ist eine Welt (fast) ohne Karten realer als gedacht.

Das physische Ausmaß der Kartenetuis

Triodos rechnete vor, dass die rund 130 Mio. Bank- und Kreditkarten in Deutschland (mit der langen Seite) aneinandergelegt eine Strecke von 11.000 Kilometern ergeben, vom Nordkap bis nach Kapstadt. Allein der Kartenanbieter Visa hatte zum Ende des Geschäftsjahres 2016 nach Ausgabe von 690 Mio. neuen Karten mehr als 3 Mrd. Karten in Umlauf. Das entspricht einer Fläche von nahezu 14 Quadratkilometern, wenn der schon vorhandene Anteil virtueller Karten unberücksichtigt bleibt. Zum Glück muss das nicht mit einer Wachstumsrate von knapp 30% hochgerechnet werden, da die Marktdurchdringung in Entwicklungs- und Schwellenländern stark auf kartenlosen Diensten basiert.

Wachstum in QR-Land

Seit Mitte Juli existiert ein weltweiter Standard (EMVCo) für Zahlungsdienste, die auf dem optischen QR-Kode basieren. Dieses Verfahren ist z.B. in China vorherrschend. Logisch, dass Visa den QR-basierten Zahlungsdienst mVisa in weiteren 10 weniger entwickelten Ländern ausrollt (Indien, Kenia, Ruanda, Ägypten, Ghana, Indonesien, Kasachstan, Nigeria, Pakistan und Vietnam). Anlässlich des Investorentag 2017 (S. 21) im Juni wurden virtuelle Karten und mobile POS als wesentliche Faktoren für die Expansion genannt.

Bleiben wir vom Plastik gefangen?

Die reiferen Märkte haben aufgrund der deutlich früheren Entwicklung und vor allem Automatisierung gegenüber Wachstumsregionen einen gewissen technologischen Rückstand. Die Entwicklungs- und Schwellenländer überspringen Dekaden der technischen Entwicklung und nutzen ganz neue Möglichkeiten, z.B. auch Blockchain zur Sicherung von Warenhandels- und Zahlungsverkehrssystemen.

Allerdings wird sich die westliche Welt gar nicht wehren wollen, wenn es z.B. um zahlungskräftige asiatische Gäste handelt. Hier dürften relativ schnell die entsprechenden Möglichkeiten geschaffen werden, optische Verfahren zu nutzen. Lösungen wie mVisa basieren gerade auf mobilen Lösungen wie Smartphones oder Tablets. QR-Verfahren werden sich somit neben Chip- und Magnetstreifen verbreiten.

Vorhandene Infrastruktur kann bremsen, nicht blockieren

Mit der Entwicklung neuer Märkte in Asien und Afrika wird die technische Entwicklung beschleunigt, insofern steigt der Druck zur Anpassung.

Zwischenzeitlich geht die westliche Welt eventuell weiteren Ideen zur Reduzierung der Karten in unseren Brieftaschen nach. Es gab bereits verschiedene marktreife aber erfolglose Versuche, verschiedene Karten mit einem Gerät zu nutzen. Vielleicht ist mit einer aktuellen Entwicklung anders: Curve in Großbritannien will auf einer Karte verschiedene Zahlungskarten von Mastercard integrieren. Mag für Karteninhaber mit verschiedenen Karten dieses Anbieters bequem sein, löst allerdings nicht das Problem.

Allerdings weist die Entwicklung von Curve in die richtige Richtung: Bei einem Übergang zu rein elektronischen Karten könnte die Zahl der physisch produzierten Karten reduziert werden ohne das sich die Nutzung z.B. an Geldautomaten ändern muss.

In jedem Fall bleibt aber eine verminderte Zahl von Karten nur ein Meilenstein zur Einsparung von Ressourcen in Form von Trägermaterial, Chips etc. Hier könnte ein substanzieller Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung geleistet werden. Die Welt der #Fintech wird üblicherweise nicht in diesem Zusammenhang gesehen.

Bildquelle: pixabay.com

3 Gedanken zu “Weniger Karten in die Brieftasche

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