Bin dann mal zum Bitcoin-Automaten…

Bild: pixabay.com

Dr. Ralf Breuer

…und zahle was für mein Token-Investment ein. – Aprilscherz Anfang August? Nein. Es ist schon Realität und so viel Geld und Potenzial im Spiel, dass man an dem Thema im Finanzsektor nicht vorschauen kann. Die Frage, ob das nachhaltig ist, stellt sich knapp zehn Jahre nach den ersten Bitcoins mit einem Volumen von heute nicht mehr € 38 Mrd. allein nicht mehr, interessanter ist die zugrunde liegende Blockchain-Technologie, die einige Veränderungen im Finanzsektor ermöglicht.

Bitcoins in der realen Welt

Es gibt sie tatsächlich schon, die Bitcoin-Automaten mit einem weltweiten, aber recht dünnen Automatennetz. Mit Einzahlungsfunktion in der Basisversion und Auszahlungsfunktion in der fortgeschrittenen Variante. Hersteller ist u.a. Lamassu mit Fertigung in Portugal. In Japan wurden Bitcoins zum 1.4.2017 gesetzliches Zahlungsmittel, in Österreich nahm die Post am 10.7. 2017 den Verkauf auf. Einzelheiten und eine Fülle von Informationen rund um Kryptowährungen finden sich bei Wikipedia. Bitcoin, Ethereum & Co. sind zwar die prominentesten, nicht aber alle Erscheinungsformen, die die Realität schon erreicht haben.

Jenseits von Bitcoin, Ethereum & Co

Token-Investments sind virtuelle Wertpapiere mit Rechten an Projekten oder Stimmrechten an (dezentralen) Organisationen. Seit 2013 werden sie im Rahmen von Vorverkäufen (Initial Coin Offerings, ICOs) zunehmend zur Finanzierung von Projekten genutzt. Angeblich soll der frühere CEO von Morgan Stanley eine Platzierung in Höhe von $ 950 Mio. vorbereiten (https://cointelegraph.com/news/former-morgan-stanley-ceo-eyes-cryptocurrency-investment-vehicle).

Gegen eine etablierte Kryptowährung wird damit praktisch eine neue geschaffen, hinter der sich dann wiederum eine Unternehmung verbirgt. coinmarketcap.com listet mehr als 1.000 solcher Instrumente. Acht haben derzeit einen Wert von mehr als $ 1 Mrd. einschließlich Bitcoin und Etherium und ein Gesamtvolumen von rund $ 87 Mrd.

Auch digitale Vermögensverwalter entstehen. Alex Tapscott, Ko-Autor des Buches „Die Blockchain-Revolution (The Blockchain Revolution)“ hat jüngst $ 20 Mio. für den NextBlock Global Fonds eingeworben, der ausschließlich in digitale Vermögenswerte investieren soll. Blackmoon Financial Group biete als Dienstleister mit Blackmoon Crypto anderen Vermögensverwalter die Möglichkeit, rechtssicher Token zu erzeugen und so neue virtuelle Vehikel gegen reale Investitionen zu emittieren.

Blockchain-Technik mit Perspektiven

Technische Basis ist die sogenannte Blockchain. Auf ihrer Basis entstehen fälschungssichere Datensätze. Bitcoins (&Co) können zwar gestohlen, aber auf keinen Fall gefälscht werden. Das macht die Technik auch für andere Einsatzgebiete interessant.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat sich in einem Grundsatzpapier mit den grundlegenden Möglichkeiten der Technologie befasst. Vor allem die Eigenschaft der (aus heutiger Sicht) unbedingten Datensicherheit macht Blockchain für Banken und Versicherer interessant. Auf ihrer Grundlage können Prozesse erheblich abgekürzt, beschleunigt und besser abgesichert werden, so dass aufwendige Kontroll- und Prüfprozesse entfallen können. Das ist auch in Hinblick auf regulatorische Prozesse interessant. Insofern wird sich die Technik deutlich rascher verbreiten als Bitcoin-Automaten, die aber in der wirklichen Welt schon angekommen sind.

Und Nachhaltigkeit?

Es wurden auch schon Potenziale für die Unterstützung einer nachhaltiger Entwicklung in Schwellenländern anvisiert: So basiert Monetha auf Ethereum und soll im Rahmen der Financial Inclusion Global Initiative der Weltbank als Basis für den Zugang zu Finanzdienstleistungen von weiteren 3 Mio. Menschen genutzt werden. Allerdings sind Zweifel angebracht, da die Algorithmen nahezu permanent und dazu noch parallel berechnet werden erfordern sie eine sehr große Rechnerleistung, die wiederum mit einem hohen Stromverbrauch verbunden ist. Insofern sind Cyberwährungen und weitere Entwicklungen auch aus Umweltgesichtspunkten kritisch zu hinterfragen.

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