Karte bio, alles gut? – Leider nicht…

Aktualisiert: 7. August 2017

Dr. Ralf Breuer

Sieht auf den ersten Blick überzeugend aus: Die neue Kreditkarte der Triodos Bank aus Biokunststoff ohne Rohöl. Bei 130 Mio. ausgegebener Geld- und Kreditkarten eine Strecke von 11.000 km vom Nordkap bis Kapstadt. Ist eine wichtige Anregung zur Lösung eines sehr viel größeren Problems, auf das Triodos Deutschland mit der Karte aufmerksam macht. Schließlich hat allein Visa in einem Jahr 690 Mio. neue Karten ausgegeben. Damit sind weltweit allein über die großen Anbieter schon mehr als 5 Mrd. Karten im Umlauf. Da kommen schon mehr als 22 Quadratkilometer zusammen.

Der Chip wird noch nicht gezüchtet

Chips werden aus wertvollen Rohstoffen hergestellt. So lange Chip und Magnetstreifen drin- und draufbleiben wird halt nur der größere Flächenanteil „bio“. Und der ist auch nicht unproblematisch wie Grüncard als Partner von Triodos auf seiner Seite darstellt. Und auch Triodos bezeichnet in der Presseerklärung vom 29. Juni 2017 die Karte nur als ein Anfang: „Die Karten aus PLA werden aus pflanzlichen Rohstoffen, hauptsächlich aus Mais, hergestellt. Dies hat zwei große Vorteile: Endliche, fossile Ressourcen werden geschont und der Ausstoß von Treibhausgasen bei der Produktion von PLA ist um rund 80 Prozent geringer als bei der Herstellung von konventionellen Kunststoffarten. Dazu Georg Schürmann: „Uns ist durchaus bewusst, dass es bei der Entwicklung von Biokunststoffen noch Luft nach oben gibt. Ideal wäre es zum Beispiel, wenn sie künftig aus biologischen
Abfallprodukten hergestellt werden könnten, um keine Anbauflächen dafür
verwenden zu müssen. Uns ist es wichtig, den Verbrauch von fossilen Rohstoffen zu reduzieren. Die Grünkauf Kreditkarte aus PLA ist für uns daher ein erster Schritt in die richtige Richtung.“

Auch Biokunststoff ist nicht CO2-frei

Gruenkauf weist auf der Informationsseite zur Gruencardplus dankenswerterweise auf die Nachteile der Biokunststoffe hin: Flächenverbrauch, Bewässerung, Produktion, Transport… – als wirklich nur ein Schritt. Und selbst, wenn es Abfallprodukte oder Durchforstungsholz werden sollte: bleiben immer noch die Chips und Magnetstreifen mit wertvollen Rohstoffen.

Kursänderung notwendig: Abschaffen!

Die einzig wirklich saubere Lösung für Geld- und Kreditkarten wäre ihre Abschaffung. Oder – realistischer – ein Ersatz ohne Chip und/oder Magnetstreifen. Auch bei rein „virtuellen“ Lösungen würden zwar immer noch Ressourcen verbraucht, aber immerhin nichts mehr physisch produziert und transportiert. Hier ist die Technik schon so weit, dass das im Prinzip denkbar ist. Und wenn dann noch virtuelle Lösungen für die ganzen Kundenkarten im Umlauf gefunden werden, reicht es mehrfach um die Erde.

Apropos: Visa allein hat mehr als 3 Mrd. Karten im Umlauf mit einem Jahresplus von 690 Mio. Stück. Vor allem auch in Hinblick auf die verstärkte Durchdringung weniger entwickelter Regionen wären Alternativen wünschenswert. Es gab schon einige marktreife Ansätze, mehrere Kartendienste mit einer Karte bzw. einem Gerät zu nutzen. Allerdings konnte sich keine dieser Entwicklungen durchsetzen. Auf der Basis eines nun vorliegenden weltweiten Standards für optische (QR-)Codes sind nunmehr neue Voraussetzungen gegeben.

Nach aktuellem Stand der Dinge liesse sich nicht nur Chips und Magnetstreifen, sondern auch das Trägermaterial sparen – vom Rest des Kartenarsenals ganz zu schweigen…

Kein Plädoyer für Bargeld

Bargeld hat leider auch keine besonders gute CO2-Bilanz, insbesondere die Logistik verbraucht wertvolle Ressourcen.

Quelle: Alexandra von Ascheraden: Papier, Druck Unterhalt und Entsorgung: Wie ökologisch ist unser Geld? www.beobachter.ch

Wirft vielleicht spontan ein neues Licht auf die Kryptowährungen Bitcoin & Co. Allerdings basieren die auf hohen Rechnerleistungen und damit auch einem hohen Stromverbrauch.

6 Gedanken zu “Karte bio, alles gut? – Leider nicht…

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