Geld anlegen und Gutes tun? – Leichter gesagt als getan

Aktualisiert: 26.6.2017

Dr. Ralf Breuer

„Weniger als zehn Prozent der Deutschen haben ihr Geld bislang nachhaltig angelegt – obwohl 70 Prozent dies gerne tun würden. In der Regel gilt eine Anlage als nachhaltig, wenn damit umweltfreundliche Technologien, Dienstleistungen oder Produkte finanziert werden. Früher hatten nachhaltige Geldanlagen den Ruf, geringere Renditen als traditionelle Anlagen zu erzielen. Marktstudien beweisen aber, dass nachhaltige Geldanlagen mindestens so ertragreich sind wie klassische Alternativen. …“ (https://www.sparkasse.de/geld-leichter-verstehen/g/gruen-investieren-nachhaltige-geldanlagen.html, heruntergeladen am 7.6.2017).

Wer seine Sparkasse oder Bank beim Wort nimmt, wird wahrscheinlich ein schwieriges Gespräch erleben, da kaum ein entsprechendes Produkt zur Hand sein wird. Insofern ist es verwunderlich, dass der überwiegende Kundenwunsch (die verbleibenden 30% hätten wahrscheinlich auch nicht viel dagegen…) erkannt wurde, aber kaum bedient werden kann. Und wenn es Produkte mit dem Etikett „nachhaltig“ gibt, dann sind sie oft eher geeignet, Schlimmeres zu verhindern, indem bestimmte Investitions- und Finanzierungszwecke oder Verhaltensweisen ausgeschlossen werden. Z.B. Personenlandminen, Streumunition und Menschenrechtsverletzungen. Weiterhin können beispielsweise Aktien nach Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt werden, die nicht in jedem Fall transparent und plausibel erscheinen müssen (sog. best-in-class Produkte).

Aufgrund solcher Mängel an „grün“ in den Produktangeboten der Kreditwirtschaft haben sich ethisch, kirchlich, ökologisch, sozial – kurz an Werten – orientierte Kreditinstitute im letzten Jahrzehnt überdurchschnittlich gut entwickelt. Und zwar weltweit, wie der Marktbericht der „Global Alliance for Banking on Values“ (www.gabv.org) deutlich macht (http://www.gabv.org/wp-content/uploads/2016-Research-Report-final.pdf). Auch das gute Dutzend werteorientierter Banken in Deutschland entwickelt sich spürbar dynamischer als der Gesamtmarkt.

Beeindruckende Wachstumsraten…

Der Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2017 des Forums Nachhaltige Geldanlagen fasst die Marktlage folgendermaßen zusammen (S. 31):

„Die Gesamtsumme der Nachhaltigen Geldanlagen in Deutschland betrug zum 31.12.2016 rund 156,7 Milliarden Euro. Diese Summe setzt sich zu 77,9 Milliarden Euro aus den Kundeneinlagen der Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus und der nachhaltig verwalteten Eigenanlagen, zu 55,8 Milliarden Euro aus den Mandaten und zu 23,0 Milliarden Euro aus den Investmentfonds zusammen. Diese Summe entspricht dem Volumen der Nachhaltigen Geldanlagen bzw. den Nachhaltigen Geldanlagen im engeren Sinne. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein Wachstum von 15 Prozent.“

Den vollständigen Bericht finden Sie hier:
http://www.forum-ng.org/images/stories/Publikationen/fng_marktbericht_2017_online.pdf

…wenig Angebot

Starkes Wachstum, aber trotzdem kein geeignetes Angebot der eigenen Bank? Deutschland hinkt noch hinterher. So wirft der Marktbericht nachhaltige Geldanlagen 2017 auch einige Fragen auf. Z.B.: Warum verzeichnen nachhaltige Themenfonds einen Rückgang von 8,3%? Gleichzeitig wurde aber per 1.6.2017 der FairWorldFonds (WKN A0YCZ3) für Neuanleger bei einem Volumen von € 940 Mio. geschlossen (soft closing), nachdem seit Ende März weiter Zuflüsse von € 200 Mio. entstanden.

Der FairWorldFonds hatte zum 30.4.2017 ein Volumen von € 840 Mio. und damit mehr Mittel als die „offiziellen“ Nachhaltigkeitsprodukte der Finanzverbünde von Sparkassen (Deka Investment) und Kreditgenossenschaften (Union Investment) zusammen (€ 670 Mio., Quelle: FERI Fonds Portal). In Anbetracht der vergleichsweise kleinen Vertriebsbasis des FairWorldFonds stellt sich die Frage nach den Ursachen.

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des FairWorldFonds waren wohl ein anspruchsvolles, aber klares Konzept und ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit, nicht zuletzt durch die Etikettierung mit „Brot für die Welt“. Das fehlt den meisten Fonds im Markt, ebenso Transparenz. Besser man hat Werte als keine, aber das allein ist noch kein Erfolgsgarant für einen Fonds.

Ausschlüsse, ESG-Integration und Engagement werden allmählich zur Regel. Wirklich gefragt ist Wirkung, also unmittelbarer Gutes tun,, aber da fehlt es noch an Angeboten.

Was können Kunden nach erfolgloser Frage bei ihrer Bank also machen?

1. Quengeln, etwas Passendes ins Angebot zu nehmen

2. Woanders suchen, was viele Menschen bereits begonnen haben

Grün nur in der Schmuddelecke?

Öko-Test hat in Heft 4/2017 auf S. 129ff. „grüne“ Geldanlagen geprüft und stieß dabei auf „Wenig Licht, viel Schatten“. Dabei bildeten allerdings Beteiligungsmodelle und andere risikoreichere Investitionen einen starken Schwerpunkt. Konservativere Anlagevehikel wie offene Wertpapierfonds und ETF waren in der Minderheit. Dies erweckt oberflächlich den Eindruck, als ob wertorientierte Anlageformen eher in der Schmuddelecke des Finanzmarktes zu finden sind, was nicht der Fall ist. Öko-Test listet selbst konservativere Fonds in der Produktfinderdatenbank:  https://www.test.de/Fonds-im-Test-Fuenf-Punkte-fuer-die-Besten-4331006-tabelle/fondsMitOekoAnspruch/?origin=List&ansicht=standard

Fondslandschaft sehr intransparent

Finanztest Heft 7/2017 enthält auf S. 38ff. einen Testbericht zu ethisch-ökologischen Fonds. Allerdings beschränkt sich der Test auf Ausschlußkriterien. Finanztest spricht die Problematik der Positivkriterien, z.B. beim Best-in-Class Prinzip klar an: „Die sogenannten Positivkriterien sind allerdings nur schwer vergleichbar“ (S. 39).

Eine Möglichkeit, Anlegern den Zugang zu erleichtern, hat die Verbraucherzentrale Bremen 2014 dargestellt, indem sie den“Klima-Fußabdruck“ von Investmentfonds verglichen hat. Zu Einzelheiten vgl. http://www.investabel.com/Investmentfonds/.

Banken mit ethischem/ökologischem Fokus

Banken mit ethischem/ökologischem Fokus haben sich im vergangenen Jahrzehnt überdurchschnittlich entwickelt. Allein die GLS Bank konnte ihre Bilanzsumme von unter € 1 Mrd. 2007 auf € 4,6 Mrd. im Jahr 2016 steigern. Einen Überblick über Banken mit Nachhaltigkeitsstandards findet sich bei der Verbraucherzentrale (Stand März 2017):  https://www.verbraucherzentrale.de/banken-nachhaltigkeitsstandards

Schwarmfinanzierung (Crowdfunding) mit Dynamik

Die GLS Bank bot ab 8.6.2017 über die GLS Crowd ( https://www.gls-crowd.de) das dritte Nachrangdarlehen für ein Energieprojekt an. Bereits nach knapp zwei Stunden war das Volumen von € 300.000 erreicht. Eine weitere Plattform ist http://www.bettervest.com mit weltweiten, kleineren Energieprojekten. Offenbar werden dort im Einzelfall vergleichsweise kleine Zeichnungen vorgenommen.

Was fehlt? – Grüne Anleihen und Klimaanleihen in Deutschland kaum vertreten

Grüne Anleihen (Green Bonds), Klimaanleihen (ClimateBonds) und darauf basierende Fonds und Instrumente könnten auch private Anleger interessieren. Während sich der Markt sehr dynamisch entwickelt, gibt es in Deutschland nur vereinzelte Angebote, vorwiegend für institutionelle Investoren. Im ersten Quartal 2017 wurden USD 29,5 Mrd. Anleihen dieser Kategorie platziert, für das Jahr 2017 erwartet Moody´s USD 120 Mrd. Dabei liegt Deutschland bei den Neuemissionen dieser Anleihen auf Platz 4.

(vgl. https://www.climatebonds.net/files/files/Climate%20Bonds%20Germany%202017.pdf (englisch))

Allianz Global Investors und Union Investment haben Fonds auf Green Bonds aufgelegt, allerdings für institutionelle Investoren. Der UniInstitutional Green Bonds (WKN A2AR3W/ISIN DE000A2AR3W0) hatte einen Monat nach der Auflage am 28.4.2017 zum 31.5.2017 ein Volumen von € 15,9 Mio. erreicht.

Der Markt für „grüne“ Anleihen hinkt in Deutschland etwas hinterher. Dies kann u.a. auf fehlende nationale Standards und erhöhte Emissionskosten (z.B. für die Begutachtung) zurückgeführt werden. In Anbetracht der weltweit beeindruckenden Wachstumsraten sollten hier aber zeitnah verstärkte Aktivitäten folgen, z.B. durch Gründung einer deutschen Dialog- und Netzwerkplattform oder durch den Aufbau einer deutschen Arbeitsgruppe der Green Bonds Principles (GBP). Den aktuellen Stand fasst eine am 23.6.2017 veröffentlichte Studie zusammen, die in Zusammenarbeit mit dem Verband öffentlicher Banken entstand: Eisinger, Frederik; Annica Cochu und Rainer Agster 2017: Der deutsche Green Bond Markt – für ein langfristiges Wachstum. Berlin: adelphi (https://www.voeb.de/de/publikationen/fachpublikationen/der-deutsche-green-bond-markt).

Fazit

Das Angebot von Anlagen, die in einem weiteren Sinne „Gutes bewirken“ wächst stark und wird nach meiner Einschätzung weiter stark wachsen. Dabei wird vor allem „Wirkung“ in den Vordergrund rücken. Investoren werden vermehrt auf nachvollziehbare Auswirkungen von Investitionen schauen, z.B. in Form von CO2-Ersparnis und/oder den finanzierten Projekten. Das starke Wachstum von ethisch-ökologischen Banken und die Entwicklung neuer Vertriebskanäle wie Schwarmfinanzierung/Crowdfunding und deren Entwicklung weisen in diese Richtung.

Es ist m.E. nur eine Frage einer kurzen Zeit, bis auch das Wort Klimaanleihe in Deutschland gebräuchlich wird. Unverständlich bleibt allerdings, wieso nur wenige Angebote mit Breitenwirkung gemacht werden und der Großteil der deutschen Kreditwirtschaft noch keine entsprechenden Angebote hat. Denn: Es gibt kaum bessere Möglichkeiten, gleichzeitig bei den Kunden zu punkten und im eigenen Geschäftsinteresse zu handeln wie mit nachhaltigen Anlageangeboten.

3 Gedanken zu “Geld anlegen und Gutes tun? – Leichter gesagt als getan

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